Posts Tagged ‘John Howe’

Persönlicher Nachruf auf Syd Mead

31. Dezember 2019
Syd Mead und ich Matthias J Lange im Jahre 2008.

Syd Mead und ich Matthias J Lange im Jahre 2008.

Mein Herz ist voller Trauer. Einer der Visionäre des modernen Science Fiction Films ist von uns gegangen: Syd Mead ist im Alter von 86 Jahren verstorben. Er war der Schöpfer von Welten, die uns alle beeindruckt haben. Allen voran sei Blade Runner von Ridley Scott genannt. Aber auch 2010 – das Jahr in dem wir Kontakt aufnahmen – und natürlich der bahnbrechende Tron. Eine Ausstellung über seine Visionen gibt es noch bis 16. Januar 2020 im O&O Depot Berlin.
Seine Karriere kann man in einschlägigen Foren nachlesen. Ich habe Syd Mead 2008 durch Zufall in der Schweiz kennengelernt. Damals war ich Chefredakteur der Zeitschrift DIGITAL PRODUCTION und wir wollten in Neuchâtel am Genfer See Schweiz auf dem Festival international du film fantastique de Neuchâtel unseren animago AWARD verleihen. Wir probten auf einer Bühne und bevor es an die offizielle Verleihung ging, machte ich einen Spaziergang, um Nervosität abzubauen. Dort traf ich auf Syd Mead, der mit seinem Partner Roger Servick in einen Café saß. Sie kannten mich, ich kannte sie nicht.

Sie baten mich an ihren Tisch dazu und ich wusste zunächst nicht, wer mich zum Kaffee einlud. Sie hatten mich bei den Proben auf der Bühne gesehen. Im Laufe des Gesprächs wurde mir erst klar, wer mich an seinen Tisch gebeten hat. Als treuer Fan von Tron und Blade Runner saß ich mit dem Schöpfer fantastischer Welten am Tisch und unterhielt mich über vieles, über Essen, Wein, das Leben aber nicht über Film. Dabei hatte ich doch so viele Fragen, wie er zu seinen Visionen über Zukunftswelten kam. Aber nein, Syd Mead wollte über Europa, die Schweiz, das Leben an sich sprechen. Er wünschte mir viel Glück bei meinen Auftritt, zahlte den Kaffee und ging mit Roger davon.

Abends trafen wir uns auf dem Festival wieder. Ich hatte einen wichtigen Ausweis um den Hals, aber seiner war wichtiger und daher baten mich Roger und er in den engeren Kreis der VIP-Gäste. Zuvor zahlte ich für ein Bier zehn Schweizer Franken, jetzt zahlte ich nichts mehr. Ich quatsche lang mit John Howe, der Zeichner, der später Herr der Ringe für Peter Jackson schuf. Am Nachmittag hatte er eine Ausstellung eröffnet und gab Autogramme in Form von Zeichnungen. Ich habe mir keine geben lassen und ja, ich bin saublöd.

John Howe gibt Autogramme.

John Howe gibt Autogramme.

Und endlich wechselte ich mit Syd Mead ein paar Worte zu Blade Runner. Professionell spulte er seine Antworten ab. Das Gespräch am Nachmittag über das Leben an sich hatte mehr Spaß gemacht.

In Facebook lese ich von seinem Tod. Ich habe nie mit Syd Mead gearbeitet. Francesco Faranna, ein 3D-Spezialist aus alten Tagen und heute
VFX Producer bei Mackevision, hat die Ehre gehabt, mit ihm 2016 zu treffen. Er war auch voll des Lobes über die Arbeit von Syd. Und Francesco muss es wissen.

Vielen Dank Syd Mead für Ihre Visionen, die den SF-Film für immer geprägt haben.

Buchtipp: Der Herr der Ringe – Die Rückkehr des Königs von Gary Russell

20. Januar 2014

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Der dritte Band der Concept-Art-Reihe von Gary Russell Titel ist sicherlich der dunkelste Band dieser Reihe: Der Herr der Ringe. Die Rückkehr des Königs. Die Erschaffung eines Filmkunstwerks. Sammler lieben dieses Buch, so dass die Preise auf entsprechenden Börsen nach oben gegangen sind. In diesem Band geht es um Stimmungen und Eindrücke, weniger um Details wie Waffen oder Kostüme. Wer das will, dem seien die beiden ersten Bände der Reihe eher zu empfehlen. Hier dazu meine Blogpost und hier.

Wir begeben uns auf die letzte Etappe unserer Reise und da wird es dunkel und gefährlich. Die bekannten Orte sind unter anderem Ithilien, Dunhard und die Pfade der Toten, Minas Morgul, die Schlacht um Gondor, die Prlrnnot Felder, das schwarze Tor und schließlich Mordor.

Der Text steht, wie bei diesen Büchern üblich, eher im Hintergrund. Es wirken die großartigen, eindrucksvollen Bilder. Ob es Kunst ist, muss jeder für sich selbst beurteilen. Auf jeden Fall erzeugen sie eine eindrucksvolle Stimmung, die die Herr der Ringe-Verfilmung von Peter Jackson widerspiegeln. Ich durfte selbst John Howe und Alan Lee mal kennenlernen und bin von ihrer Kreativität schwer beeindruckt. Weta hat hier hervorragende Leute unter Vertrag genommen. Immer wieder wird davon geschwärmt, mit welch hoher Sensibilität sie an ihre Arbeit gingen und wer die Bilder des vorliegenden Buches Der Herr der Ringe. Die Rückkehr des Königs. Die Erschaffung eines Filmkunstwerks betrachtet, wird diese Sensibilität erkennen. Das schon alleine reicht aus, um das Buch immer wieder in die Hand zu nehmen und darin zu blättern. Herr der Ringe war ein opulentes Filmkunstwerk und dieses Buch zeigt auch warum.

Mittelalterfans orientieren sich am Buch Herr der Ringe – Waffen und Kriegskunst

2. Juli 2013

Neulich unterhielt ich mich mit einem Bekannten, der gerne Mittelalterfeste besucht. Seine ganze Familie ist diesem Hobby erlegen. Dabei musste ich feststellen, dass die Welt des Mittelalters und die Welt von Fantasy gar nicht so weit auseinander liegen. Freilich, es gibt Leute die ganz hohen Wert auf die Details legen und nahezu wissenschaftlich bei ihrer Ausrüstung vorgehen. Andere Mittelalterfans finden es einfach nur toll in Kostümen und Waffen durch die Gegend zu schreiten.

Als ich nachfragte, woher die Ideen für die ganzen Waffen und Rüstungen stammen,  bekam ich eine verblüffende Antwort. Viele Fans orientieren sich an der Welt von Herr der Ringe. Es ist ja eigentlich logisch, nur ich kam nicht darauf. Es liegt auf der Hand.

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Und siehe da, bei mir im Archiv fand sich auch das Buch Der Herr der Ringe, Waffen und Kriegskunst. Ich habe das Buch von Chris Smith, erschienen im Klett Cotta Verlag, damals achtlos zur Seite gelegt. Grund war eine katastrophale Rechtschreibung und Übersetzungsleistung des Lektors. Das Buch hat leider sehr viele Unstimmigkeiten – der beste Text ist da noch das Vorwort von Christopher Lee.

Autor Chris Smith hatte 2003 in enger Zusammenarbeit mit Peter Jackson und seinem Designteam, allen voran den Trickspezialisten Richard Taylor und Daniel Falconer, die auch die Einleitung schrieben, sowie den Zeichnern Alan Lee und John Howe, ein zwiespältiges Buch verfasst. Das Originalbuch habe ich nie in die Finger bekommen. Im Grunde ist es ja auch eine Zweitverwertung von anderen Filmbüchern.

Aber ich hatte damals übersehen, welch fantastische Bilder und welch reicher Fundus an Waffen und Kriegskunst enthalten ist. Es macht einen unheimlichen Spaß, die Schwerter, die Sperre, die Schilder und die zahlreichen Rüstungen zu betrachten. Die kreativen Macher um Regisseur Peter Jackson haben sich wirklich etwas Grandioses einfallen lassen und eine stimmige Welt in sich geschaffen. Das macht sicherlich auch den Zauber der Welt von Herr der Ringe und Tolkien aus. Üppig illustriert mit hunderten von Fotos, Landkarten, Skizzen, Abbildungen von Modellen und Zeichnungen, ist das Buch eine wahre optische Schatzgrube.

Dieses und andere Bücher der Herr der Ringe Reihe werden von den Mittelalterfans herangezogen, und dienen als Vorlage für ihre Waffen und Ausrüstungen. Also, wer Interesse hat, sollte einen Blick wagen. Aber seid gewarnt: vom Text lohnt sich dieses Buch Der Herr der Ringe, Waffen und Kriegskunst überhaupt nicht. Vielleicht findet ihr dieses Buch bei eBay zu einem niedrigen Preis. Dann heißt es zugreifen.