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Eine Wiener Institution: Das Cafe Hawelka

29. Januar 2020

„Neilich sitz i umma hoiba zwa im Hawelka
Bei a poa Wuchteln und bei an Bier
Auf amoi gibts beim Eingang vuan an Mordstrara
Weu a Nackerter kummt eine bei der Tür“
Na, wer erinnert sich noch an diese Zeilen des österreichischen Sängers Georg Danzer? Sie stammen aus dem Ohrwurm „Jö schau“ aus dem Jahre 1975 und sind eine Verbeugung vor dem Wiener Kaffeehaus Hawelka. Hier hing Danzer mit seinen Künstlerfreunden ab, hier hängt heute gegenüber der Theke eine Zeichnung mit Widmung Danzers.

Widmung Georg Danzer

Widmung Georg Danzer

Wer ein wenig Kultur im Sinn hat, der muss zum Hawelka hereinschauen. So tat ich es, um mit meiner Familie eine Melange zu trinken, Apfelstrudel und Sachertorte zu essen und vor allem Atmosphäre zu genießen. Buchteln gab es erst abends. Innerhalb von Sekunden sog ich die Atmosphäre auf. Und ich finde es genial, dass ein Kaffeehaus so im kulturellem Interesse steht.

Meine Kinder saßen in der Sitzgruppe, auf der damals auch Georg Danzer in seinem Musikvideo saß. Und so hatten wir den Raum des Kaffeehauses im Blick. Es hatte sich eigentlich nicht viel seit 1975 verändert. An den Wänden Fotos, Bilder, Zeichnungen, am Eingangsbereich Plakate und die Stühle/Tische konnten so geschoben werden, wie die Gäste Platz brauchten. Renoviert wurde im Kaffeehaus nur das nötigste. Es gibt das Zitat des Gründers, das die Situation beschreibt. „Der Kaffee wär’ ned besser, wenn das Lokal moderner wär.“ Heute stehen Leopold und Josefine Hawelka mit zwei Büsten an der Seite und wachen über ihr Kaffeehaus.

Wir trafen auf Günter Hawelka, dem Sohn des legendären Cafetier Leopold Hawelka, der 2011 verstarb. Günter hat das Kaffeehaus inzwischen an seine Söhne übergeben, nimmt aber gerne die Rolle des Cafetier ein, wie einst sein Vater. Er begrüßt die Gäste, oftmals mit Handschlag, spricht, scherz, erzählt. Auch wir haben das kurze, aber intensives Gespräch mit der Wiener Legende genossen.

Ich hab ihn gefragt, wo denn Kraftwerk saß, als sie im Hawelka weilten. Da wurde er etwas verlegen und deutete in den Raum. Nicht nur Danzer, sondern auch die wichtigste Elektroband überhaupt erwähnten das Hawelka in dem Song Trans Europa Express, wenn auch nur indirekt in den Zeilen „In Wien sitzen wir im Nachtcafé.“ In einem Interview von 2004 sagte Kraftwerk-Gründer Ralf Hütter: „Wir machen Alltagsmusik. »Trans-Europa-Express«, »Autobahn«, »In Wien sitzen wir im Nachtcafé« – das ist übrigens das Café Hawelka, den Namen haben wir nie genannt, 1976 war das. Musik zum Alltag.“ In einem frühen Video von Kraftwerk gibt es eine Aufnahme der Band vor dem legendären Café Hawelka.

Hier noch ein paar Eindrücke aus dem wunderbaren Café.