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Hurrikan Irma: Dramatische Bilder bei CNN und trotzdem Irrsinn

11. September 2017

CNN-Berichterstattung zum Hurrikan.

CNN-Berichterstattung zum Hurrikan.

Wenn irgendwo die Welt untergeht, ein CNN Reporter wird dabei sein und darüber berichten. Dieser Satz fiel mir ein, als ich gestern den ganzen Tag die Berichterstattung zum Hurrikan Irma verfolgte. Zunächst via Periscope, dann via CNN. Und ich fragte mich: Muss Berichterstattung in eine Show ausarten? Kommt nicht hier der Werther Effekt zum Tragen? Als Goethe seinen Werther veröffentlichte, brachten sich Leser um, weil es ihnen genauso ging. Wenn CNN im Sturm steht, warum soll es nicht auch der Normalbürger? Warum wird Florida evakuiert, wenn einige trotzdem bleiben und eine Show über sie gemacht wird. Ich habe gestern schon über Irma gebloggt.

Verantwortungslose CNN-Reporter
Da stehen die wackeren Reporter von CNN inmitten des Hurrikans Irma und reißen ihre Reportagen herunter. Florida wird geräumt, nur CNN bleibt in der Stadt und begibt sich in Gefahr. Ich habe kein Problem mit einer Berichterstattung, aber ich habe ein Problem mit der Show. Irgendwann trat die Berichterstattung in den Hintergrund und ich schloss mit meiner Frau Wetten ab, welcher Reporter als erstes vom Orkan weggerissen wird. So eine Art der Berichterstattung empfinde ich als verantwortungslos.

Wann wird John Berman weggeweht? Die Wetten laufen.

Wann wird John Berman weggeweht? Die Wetten laufen.

Da stehen CNN-Kollegen am Pier, wenn Wind, Wasser und Wellen ans Ufer brettern. Der Mann John Berman ist komplett durchnässt und kämpft gegen den Wind. Er stemmt sich gegen die peitschende Gischt und droht immer wieder umzufallen. Aber er sagt fein ein Sprüchlein auf und berichtet vom heraufziehenden Orkan. Bewundernswert ist freilich die Technik bei CNN. Trotz Orkan ist die Stimme klar, deutlich und absolut verständlich, die tote Katze um das Mikrofon ist phänomenal. Das Bild steht fest, der Kameramann putzt immer wieder die Linse trocken.

CNN in Naples – der Orkan nimmt zu
Szenenwechsel: Der Hurrikan ist weitergezogen, John Berman, der Co-Anchorage des CNN-Newsrooms, wird abgezogen und kann sich trockene Sachen anziehen. Ich denke, er wird sich sicherlich mit der Aktion eine fette Erkältung wenn nicht Schlimmeres eingehandelt haben. CNN schaltet nach Naples in Florida. Die Stadt liegt weiter im Norden und der Irma bewegt sich in Richtung der Stadt. CNN ist mit zwei Teams vor Ort. Chris, so der eine Reporter, hat auf einem Balkon Stellung bezogen. Hinter ihm die Park/5 Avenue im Blick. Der zweite Mann Ed Lavandera steht auf der Straße. Ich habe bei Google Street View die Straße bei Sonnenschein fotografiert – eigentlich eine schöne Gegend, jetzt aber das Zentrum einer Naturkatastrophe.

Der Sturm nimmt zu. Die Palmen biegen sich gefährlich. Äste wirbeln durch die Gegend. Es ist eine ernste Situation. Chris auf dem Balkon und Ed auf der Strecke begeben sich in Gefahr. Oftmals können sie nichts sehen, weil das Wasser von allen Seiten kommt. Es ist verantwortungslos vom Sender die Reporter in so einen Hurrikan zu schicken. Doch alles was zählt, das sind dramatische Bilder. Aufnahmen von Irma hätte CNN auch hinter den Fenstern eines Hotelzimmers bekommen, aber dann könnte kein Reporter todesmutig vor der Kamera herumhüpfen. Nein, solche Helden brauch ich nicht.
Ed Lavandera auf der Straße zeigt im Laufe der Berichterstattung einen Dachziegel, der sich gelöst hat und durch die Gegend flog. Das Teil ist spitz und sieht gefährlich aus. Wenn ein Mensch von so einem herumfliegenden Teil getroffen wird, könnte er sich ernsthafte Verletzungen zuziehen. Ed hält den Ziegel in die Kamera, was noch mehr dramatische Bilder zu Folge hat. Bei mir als TV-Zuschauer sinkt das Ansehen. Leute, ihr seid keine Teufelskerle, sondern einfach nur doof.

Technisch perfekte CNN-Übertragung
Die Kraft von Irma nimmt zu. Die Producer versuchen das Wasser vom Balkon zu wischen, während Chris seine Reportage macht. Er betont, dass man sicher sei, die Bilder allerdings dramatisch wirken. Ich glaub ihm nicht. Chris erklärt, dass der TV-Zuschauer an die Menschen denken sollen, die in Florida und der Karibik vom Sturm getroffen wurden und viel verloren haben. „Pass du auf Junge, sonst verlierst du dein Leben“, denke ich mir nur.
Bewundernswert ist die Schalte zwischen den Reportern und dem CNN-Studio. Da arbeiten Profis und fallen sich nicht ins Wort. In der Regel sind die Beiträge erklärend. Ein Wettermann wird eingeblendet und darf erzählen, wohin sich Irma als nächstes wendet. Grafiken zeigen die Windstärke, Breaking News total. Die technische Berichterstattung ist höchst professionell, das Team ist eingespielt, wenn nur nicht der Irrsinn von den Reporter vor Ort wäre, die sich unnötig in Gefahr begeben.

Spazierfahrt durch Miami
In Periscope verfolge ich gleichzeitig Menschen, die eine Spritztour mit ihrem SUV durch Miami machen. Unvernünftig bis zum geht nicht mehr. Die PS-starken, geländegängigen Autos fahren über Baumstämme, Äste und durchs Wasser. Die Fahrer finden es cool und werden durch die Kommentare in Periscope noch aufgeputscht. Natürlich gibt es auch Stimmen, die zur Vorsicht mahnen, doch die gehen unter.

Bürger fahren mit ihrem Auto durch die Stadt.

Bürger fahren mit ihrem Auto durch die Stadt.

Buchtipp: The Making of the Empire strikes back von J.W. Rinzler

8. April 2013

Empire

Als das Imperium schlägt zurück 1980 in die Kinos kam, hatte ich Angst. Ich hatte Angst enttäuscht zu werden. In der Regel waren Fortsetzungen von Filmklassikern immer schlechter als der erste Teil. So war es beim Weißen Hai, sogar bei French Connection und vielen anderen mehr. Als Kind hatte ich Krieg der Sterne im Kino gesehen und mir war klar, dass ich Kinogeschichte gesehen hatte. Mein Kinderleben änderte sich durch Star Wars, wie Krieg der Sterne später hieß.

Als 1980 die Fortsetzung Das Imperium schlägt zurück ins Kino kam war ich nervös, wie denn die Story von Luke, Han, Leia und dem dunklen Helden Darth Vader weitergeht. Und was sage ich? Es war der Hammer. Der Anfang des Films war der Wahnsinn: Die Schlacht auf dem Eisplaneten Hoth mit den ATATs presste mich in den Kinosessel, dann die Jedi-Ausbildung von Luke durch Yoda auf Dagobah war interessant, fanatisch die Stadt in den Wolken und der Kampf von Luke und Vader. Und zum Schluss der absolute Hammer: „Luke, ich bin dein Vater.“ Yeah, das fetzte. Es wurde wiederum Filmgeschichte geschrieben.

Es wurde Zeit, dass ich mich mehr mit dem Making of vom Imperium beschäftigte. J. W. Rinzler trug zum 30. Geburtstag des Films die wesentlichen Fan-Informationen zusammen und sammelte umfangreiches und außergewöhnliches Bildmaterial. Heraus kam das Buch: Making of the Empire Strikes Back Ridley Scott schrieb das Vorwort. Rinzler widmete sich allen Bereichen des Films und legt besonderen Wert auf Interviews und Gespräche. Gerade die Dialoge zwischen den Stars vor und hinter der Kamera geben uns Fans einen gewinnbringenden Eindruck, wie es am Set und in der Postproduction zugegangen sein muss. Als Fan von Special Effects gab es einen Blick hinter die Kulissen von ILM. Was mich persönlich besonders freute ist ein Bild einen alten Apple II Rechners, der das Motion Capturing besorgte – unvorstellbar in heutigen Zeiten. Das veröffentlichte Bildmaterial ist einfach wunderbar. Jedes Fan-Herz muss bei den Fotos höher schlagen. Als ich im Kino saß stellte ich fest, dass Vader seinen Anzug gewechselt hatte. Es ist nicht mehr das gleiche Dress wie in Krieg der Sterne. Übrigens: Die originale Darth-Vader-Rüstung aus Das Imperium schlägt zurück befand sich bis 2008 im Filmmuseum Berlin, wo ich es mir mehrmals angeschaut habe. Dabei sind es in erster Linie nicht die Bilder aus dem finalen Film, sondern es sind Produktionsfotos, Skizzen, Zeichnungen. Neben den Bildern vom Set liebe ich die unterschiedlichen Versionen von Kino-Plakaten, die angefertigt und wieder verworfen wurden.

Natürlich wollte ich alles wissen, wie die Vater-Sohn-Szene gedreht wurde. Lucas wandte einen Trick an und hielt den Schock der Enthüllung bis zuletzt geheim. Die Darsteller wussten nichts von dem Gag. Alles war top secret. Erst in der Postproduction wurde der entscheidende Satz von Vader eingefügt: „Luke, ich bin dein Vater.“ Eigentlich lautet der Satz ja: „Nein… ich bin dein Vater!“  Aber „Luke, ich bin dein Vater.“ wurde so oft von den Fans zitiert, dass er inzwischen wahr sein müsste. Gedreht wurde etwas von der Art: „Obi-Wan hat deinen Vater getötet“ – nicht schlecht, aber  „Luke, ich bin dein Vater“ ist besser.

Etwas zu wenig geht das Buch Making of the Empire Strikes Back auf die fabelhafte Musik von John Williams ein. Sein Imperial March hat Musikgeschichte geschrieben und tauchte beim Imperium zum ersten Mal auf. Heute wird der Marsch immer wieder eingesetzt. Ich erinnere mich als ein saudischer Prinz in London am 30. Oktober 2007 eintraf und die  Queen’s Guard Band den Imperial March spielte. Das gab fett Ärger, obwohl es ein Fake war.  Aber hier kommt mir die Würdigung von J. W. Rinzler zu kurz. Sein Schwerpunkt liegt mehr auf Animation, Masken und Tricks. Und hier ist besonders Yoda zu nennen. Als ich damals vor dem Kino hörte, dass die Muppet-Leute um Frank Oz mitgemacht haben, dachte ich an Kermit den Frosch und Fozzy Bär. Aber ich hätte nie gedacht, dass Yoda so eine Ausstrahlung hatte. In keinen Moment während des Films dachte ich an eine Puppe oder Schauspielerei. Yoda war da und er beherrschte die Szene. Ähnlich ging es mir Jahrzehnte später mit Gollum in Herr der Ringe bzw. Hobbit.

Guter Job Mr. Claus Kleber

5. November 2008

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Genau in diesem Moment steht es fest: Barack Obama ist der 44. Präsident der USA. Ich habe die halbe Nacht vor dem Rechner verbracht und mir die Wahlauszählung angeschaut. Vor allem muss ich die Berichterstattung in ARD und ZDF loben. Die ganze Nacht Material live gesendet. Die Amerikaner haben mit CNN natürlich eine top-Medienleistung angeboten. Wegweisend fand ich eine Aussage von Claus Kleber vom ZDF: „Diese Wahl wurde durch das Internet entschieden.“ Und recht hat er. Konsequent ging das ehrwürdige ZDF neue Wege und es wurde die ganze Nacht gebloggt und berichtet. Da hat Claus Kleber einen wirklich coolen Job gemacht. Der ZDF-Moderator ging zur US-Wahl war online und berichtete die ganze Nacht, was im Netz passiert: live auf heute. de. Wer liegt vorn? Was wird gebloggt? Welche Videos kursieren bei Youtube? Unter den Stichworten „gucken“, „reden“, „mitsurfen“ und „mitmachen“ gab es wertigen Content auf der ZDF-Website. So stell ich mir eine Berichterstattung im Online-Zeitalter vor. Gratulation an Claus Kleber und sein Online-Team. Und gute Nacht ihr einst so mächtigen Print-Zeitungen, die nicht berichtet haben. Die Zeiten ändern sich, auch ohne euch!

Schlaftablette CNN

15. August 2008

Ich liege gerade in meinem Hotel in LA und kann wegen des Jetlags nicht schlafen. Also wird die beste Schlaftablette ausgepackt, die ich finden kann: CNN. In der Regel reichen 15 Minuten des Nachrichtensenders und ich bin müde. Und was sah ich: Michky Mouse und Cinderella werden in Handschellen abgeführt. In Kalifornien demonstrieren gerade Disney-Park-Mitarbeiter und wollen bessere Arbeitsbedingungen. Und Disney hat die Cops geholt und führt die Mannschaft ab. Mein Gott, hoffentlich sieht das mein Sohn nicht. Seine Helden werden von bedrohlichen schwarzen Männern in Handschellen gelegt und in Polizeiautos gesteckt. Sohnemann bekommt ein Trauma. Ein Problem gab es mit Goofy. Er hatte seinen Schwanz beim Einsteigen in das Polizeiauto eingeklemmt. Als die Türe geschlossen wurde, blieb der Schwanz draußen und die Situation entspannte sich. CNN war live dabei. Dann kam ein Beitrag, ob man Beerdigungen als Webcast aufzeichnen soll. So könnten alle Verwandten dabei sein, wenn Onkel Fred seine letzte Reise eintritt. Tante Erna kann ja nicht mehr laufen und kann so noch zuschauen. Ich weiß nicht, ob Chips und Bier gereicht werden, wenn die Beerdigung ins Netz gestreamt wird. Das Web wirkt bis in den Tod hinaus und stellt Verhaltensweisen auf den Kopf. Der letzte Beitrag war dann politisch, oder zumindest irgendwie politisch. Die Frage ist nämlich, ist Obama der Antichrist? Es gibt eine Website, die dies behauptet und es werden „Beweise“ angeführt. CNN beschäftigt sich ernsthaft damit und befragt Experten, die es wissen müssen. Hier der Blog zum Überzeugen: www.barackobamaantichrist.blogspot.com/ Beim Voting waren rund 50 Prozent der Meinung, dass Obama vielleicht doch Damien ist. Mein Gott, jetzt kann ich schlafen.