Posts Tagged ‘Kriegsberichterstattung’

Podcast: Nah dran (5) „Altes Bewahren und Neues wagen“ – Zwischen Kriegsgebieten, Menschlichkeit und journalistischer Verantwortung: Christine Kehrer

4. November 2026

Sie hat den politischen Umbruch in Osteuropa journalistisch begleitet, aus Kriegsgebieten im ehemaligen Jugoslawien berichtet, für private und öffentlich-rechtliche Fernsehsender gearbeitet und setzt sich heute für die Rechte und den Schutz von Kindern ein. Christine Kehrer blickt auf eine außergewöhnliche journalistische Laufbahn zurück. Im Podcast „Nah dran“ des PresseClubs München sprach Vorstandsmitglied Christine Kehrer mit Matthias J. Lange über gefährliche Auslandseinsätze, prägende Begegnungen, die Veränderungen des Journalismus und ihre heutige Tätigkeit bei den SOS-Kinderdörfern. Dabei wurde deutlich, dass für die erfahrene Fernsehjournalistin eines immer im Mittelpunkt stand: der Mensch und seine Geschichte.

„Ich habe mir eigentlich immer mein soziales Umfeld bewahrt, egal wo ich war“, erklärte Kehrer zu Beginn des Gesprächs. Familie und verlässliche Beziehungen seien ihr trotz zahlreicher Auslandsreisen stets wichtig gewesen. Gleichzeitig habe sie immer wieder neue Herausforderungen gesucht, unbekannte Länder bereist und Geschichten entdeckt, häufig ohne große Absicherung. Ihr Lebensmotto „Altes bewahren und Neues wagen“ beschreibt damit nicht nur ihre berufliche Laufbahn, sondern auch ihre persönliche Haltung. Hier ist der Podcast

Dabei war der Journalismus keineswegs von Anfang an ihr festgelegtes Berufsziel. Auf Wunsch ihres Vaters begann Kehrer zunächst ein Betriebswirtschaftsstudium, stellte jedoch schnell fest, dass ihre Interessen anders gelagert waren. Geschichte, gesellschaftliche Zusammenhänge und vor allem Begegnungen mit Menschen faszinierten sie wesentlich mehr. Nach Studien in verschiedenen geisteswissenschaftlichen Disziplinen sammelte sie erste journalistische Erfahrungen bei der Mittelbayerischen Zeitung. Die Arbeit im Lokaljournalismus bezeichnet sie rückblickend als wichtige Schule. „Man hat einen riesigen Respekt vor den Kollegen, die im Lokalen heute sich die Beine ausreißen“, betonte sie.

Eine entscheidende berufliche Prägung erfuhr Kehrer durch den Fernsehproduzenten János Zolcer, für den sie nach ihrer Zeit bei Tele 5 arbeitete. Der aus politischen Gründen geflüchtete Produzent interessierte sich weniger für akademische Abschlüsse als für praktische journalistische Fähigkeiten. Kehrer erinnerte sich daran, wie sie unmittelbar einen Beitrag für den WDR erstellen sollte. Der Sender kaufte die Geschichte, und daraus entwickelte sich eine fast zehnjährige Zusammenarbeit. „Das war eine ganz knochenharte Schule“, berichtete sie. Geregelte Arbeitszeiten habe es praktisch nicht gegeben, dafür aber zahlreiche Möglichkeiten, journalistisch zu arbeiten und Erfahrungen zu sammeln.

Besonders intensiv waren ihre Einsätze in Osteuropa während der politischen Umbrüche nach dem Ende des Kalten Krieges. Kehrer berichtete aus Russland und erlebte die Veränderungen unter Michail Gorbatschow und Boris Jelzin. Die journalistischen Arbeitsbedingungen unterschieden sich grundlegend von heute. Internet, Smartphones und digitale Recherchemöglichkeiten standen nicht zur Verfügung. Informationen mussten über persönliche Kontakte, lokale Mitarbeiter und vertrauenswürdige Netzwerke beschafft werden. „Das Wichtige waren eben authentische, verlässliche Kontakte und ein Netzwerk, dem man vertrauen konnte“, erklärte sie.

Durch die Verbindungen ihres damaligen Produzenten erhielt sie Zugang zu Geschichten, die anderen Journalisten verschlossen blieben. Sie berichtete über gesellschaftliche Veränderungen in Moskau, über wirtschaftliche Entwicklungen, die Technoszene und organisierte Kriminalität. Für das investigative Fernsehmagazin „frontal“ beschäftigte sie sich unter anderem mit Schutzgelderpressung gegen deutsche Unternehmer durch kriminelle russische Netzwerke. Dabei begleitete sie auch einen gefährlichen Polizeieinsatz. Auf die Frage, ob sie damals eine Schutzweste getragen habe, antwortete sie knapp: „Ich hatte keine.“ Rückblickend bezeichnete sie dieses Verhalten selbst als leichtsinnig.

Ihre Erfahrungen in Russland führten auch zu einer politischen Einschätzung, die sie bis heute beschäftigt. Nach ihrer Beobachtung verschwanden die alten Machtstrukturen mit dem Zusammenbruch der Sowjetunion keineswegs vollständig. Vielmehr hätten frühere Eliten ihre wirtschaftliche und politische Macht in veränderter Form behalten. „Es gab eine Öffnung, ja, aber eine richtige Erneuerung, dass Entmachtung stattgefunden hätte, laut meiner Einschätzung eigentlich nicht“, sagte Kehrer.

Noch belastender waren ihre Erfahrungen während der Kriege im ehemaligen Jugoslawien. In Kroatien und anderen Konfliktregionen erlebte sie Gewalt, Zerstörung und menschliches Leid unmittelbar. Besonders die Begegnungen mit verwundeten Kindern und verzweifelten Zivilisten haben sich tief in ihr Gedächtnis eingeprägt. Kehrer schilderte eine Frau, die sie während einer Recherche geradezu anflehte zu bleiben, weil die Anwesenheit der Journalistin für sie eine Art Lebensversicherung bedeutete. Auch die Folgen versteckter Sprengsätze, durch die Kinder schwerste Verletzungen erlitten, gehören zu den Erinnerungen, die sie bis heute begleiten.

„Das geht an die Substanz“, sagte Kehrer über die psychischen Belastungen der Kriegsberichterstattung. Zwar müsse ein Journalist versuchen, unterschiedliche Perspektiven einzunehmen und ausgewogen zu berichten. Doch angesichts schwerster Menschenrechtsverletzungen stoße die persönliche Distanz an Grenzen. „Das nimmt einen sehr mit“, räumte sie ein. Hinzu kamen Zensurversuche, Behinderungen bei der Übertragung von Fernsehbeiträgen und Drohungen im Zusammenhang mit investigativen Recherchen.

Schließlich entschied sie sich bewusst, die Kriegsberichterstattung aufzugeben. Sie habe festgestellt, dass die ständige Konfrontation mit Gewalt und die Suche nach immer drastischeren Geschichten ihren Preis forderten. Der zunehmende Quotendruck habe diese Entwicklung zusätzlich verstärkt. Auch angesichts des heutigen Krieges in der Ukraine verspürt Kehrer keinen Wunsch, erneut als Kriegsreporterin zu arbeiten. Die Konflikte seien durch Cyberangriffe, digitale Manipulation und internationale Interessen noch komplexer und unberechenbarer geworden.

Dass Journalismus auch ganz andere Geschichten hervorbringen kann, zeigt eine ihrer ungewöhnlichsten Begegnungen. Für das Bayerische Fernsehen gelang es Kehrer, die als äußerst medienscheu bekannte Pumuckl-Erfinderin Ellis Kaut für ein ausführliches Fernsehporträt zu gewinnen. Zahlreiche Kollegen waren zuvor gescheitert. Kehrer wählte einen ungewöhnlichen Weg: Sie klingelte unangemeldet an Kauts Wohnungstür und stellte eine überraschende Frage. „Wie schafft man es als gebürtige Stuttgarterin, das erste Münchner Kindl zu werden?“ Die Frage wirkte. Kaut ließ sie herein, und aus der Begegnung entwickelte sich ein Vertrauensverhältnis. Schließlich erklärte die Schriftstellerin gegenüber dem Bayerischen Fernsehen, dass ausschließlich Christine Kehrer das Porträt drehen dürfe.

Für Kehrer ist diese Geschichte ein Beispiel dafür, wie wichtig Vorbereitung, Einfühlungsvermögen und die richtige Interviewtechnik sind. „Es lebt für meine Begriffe immer von den Protagonisten und auch von einer guten Interviewtechnik“, erklärte sie. Nicht allein die Antworten seien entscheidend, sondern vor allem die Fähigkeit des Interviewers, Vertrauen aufzubauen und Menschen zum Erzählen zu bringen. „Das ist schon eine Kunst des Interviewens.“

Diese Haltung prägt auch ihren Blick auf den technischen Wandel der Medien. Smartphones ermöglichen heute hochwertige Videoaufnahmen und die unmittelbare Veröffentlichung von Nachrichten aus nahezu jedem Winkel der Welt. Kehrer sieht darin durchaus Chancen, warnt aber davor, technische Möglichkeiten mit journalistischer Qualität gleichzusetzen. „Was es aber nicht ersetzt, ist ein gutes journalistisches Handwerk.“ Quellen müssten überprüft, Informationen eingeordnet und unterschiedliche Perspektiven miteinander verbunden werden. Einfach nur eine Kamera auf ein Ereignis zu richten, reiche nicht aus.

Dabei macht sie keinen grundsätzlichen Qualitätsunterschied zwischen privatem und öffentlich-rechtlichem Fernsehen. Die Formate, Zielgruppen und Erzählgeschwindigkeiten seien unterschiedlich, das journalistische Handwerk bleibe jedoch dasselbe. Während manche öffentlich-rechtlichen Produktionen mehr Raum für Hintergründe ließen, arbeiteten private Sender häufig mit kürzeren Schnitten, anderer Musik und stärker verdichteten Texten. Entscheidend sei, die jeweilige journalistische Form zu beherrschen.

Eine besondere Anerkennung ihrer Arbeit erhielt Kehrer 2003 mit dem Caritas-Journalistenpreis für ihren Beitrag „Freudentanz“. Darin porträtierte sie eine engagierte Frau, die mit einem interkulturellen Tanzprojekt Kindern und Jugendlichen mit Migrationsgeschichte neue Perspektiven eröffnete. Auch hier stand nicht das spektakuläre Ereignis, sondern eine Persönlichkeit mit ihrer Motivation und ihrem gesellschaftlichen Engagement im Mittelpunkt. „Ich mag Menschen“, brachte Kehrer ihre journalistische Grundhaltung auf den Punkt.

Seit 2011 arbeitet sie für die SOS-Kinderdörfer und verantwortet dort den Bereich TV- und Video-Marketing. Der Wechsel vom klassischen Journalismus in die Kommunikation einer internationalen Hilfsorganisation hatte mehrere Gründe. Neben dem beruflichen Angebot spielte die familiäre Situation eine entscheidende Rolle. Mit zwei schulpflichtigen Kindern und einem ebenfalls beruflich viel reisenden Ehemann wurde die Planbarkeit des Alltags zunehmend wichtiger. Gleichzeitig eröffnete die neue Tätigkeit die Möglichkeit, weiterhin internationale Geschichten zu erzählen und Menschen in schwierigen Lebenssituationen zu begegnen.

Besonders wichtig ist Kehrer dabei der Schutz der Kinder. Während in der klassischen Kriegsberichterstattung früher häufig drastische Bilder von Leid und Elend gezeigt wurden, gelten bei den SOS-Kinderdörfern strenge Kinderschutzrichtlinien. „Kinderschutz ist die oberste Priorität“, stellte sie unmissverständlich klar. Kinder dürften nicht auf ihre Not reduziert oder durch Filmaufnahmen bloßgestellt werden. Ihre Geschichten müssten in einen größeren Zusammenhang eingeordnet werden, der auch Perspektiven und Hilfsmöglichkeiten sichtbar macht.

Die Kinder selbst werden deshalb nicht zu ihren traumatischen Erlebnissen befragt. Stattdessen kommen beispielsweise Eltern, Betreuungspersonen oder Sozialarbeiter zu Wort. Für Kehrer ist das keine Einschränkung journalistischer Qualität, sondern Ausdruck einer besonderen Verantwortung. „Kinder in ihrer Not, in ihrem Elend, also singulär darzustellen, ist jetzt bei der Marke der SOS-Kinderdörfer absolutes Tabu“, betonte sie.

Auch ihr Engagement im Vorstand des PresseClubs München versteht Kehrer als Ausdruck dieser Verantwortung. Der PresseClub sei für sie weit mehr als ein berufliches Netzwerk. „Der Presseclub ist für mich eigentlich ein Forum, wo ich auch Leute treffe, die meine Geisteshaltung teilen, mit denen man sich auf Augenhöhe austauschen kann.“ Besonders wichtig seien ihr demokratische Werte, journalistische Glaubwürdigkeit und der Austausch unterschiedlicher Perspektiven.

Im Vorstand möchte sie ihre langjährigen Kontakte, ihre internationale Erfahrung und ihre Kenntnisse der Medienbranche einbringen. Dabei sieht sie sich auch als Unterstützerin und Mentorin, die andere Menschen ermutigen möchte, sich zu engagieren. Zugleich gehe es darum, die Bekanntheit und Reichweite des PresseClubs zu stärken und neue Kooperationen zu ermöglichen.

Zum Abschluss des Gesprächs fragte Matthias J. Lange nach jener Geschichte, die Kehrer verwirklichen würde, wenn Geld, Personal und Sendeplätze keine Rolle spielten. Ihre Antwort führte zurück zu den gesellschaftlichen Fragen, die sie seit Jahrzehnten beschäftigen. Sie würde sich mit den Veränderungen durch Cyberkriminalität, digitale Manipulation und Deepfakes auseinandersetzen und untersuchen, wie Glaubwürdigkeit und humanitäre Werte in einer zunehmend digitalisierten Gesellschaft bewahrt werden können.

Dabei interessieren sie nicht nur prominente Persönlichkeiten, sondern gerade jene Menschen, die abseits der großen Öffentlichkeit ihren eigenen Weg durch gesellschaftliche Umbrüche finden. Wie können Werte vermittelt werden, wenn Informationen zunehmend manipulierbar sind? Welche Bedeutung haben Vertrauen, Glaubwürdigkeit und Menschlichkeit in einer Welt, die sich technologisch immer schneller verändert?

Das Gespräch im PresseClub München machte deutlich, dass Christine Kehrer trotz jahrzehntelanger Berufserfahrung ihre journalistische Neugier nicht verloren hat. Wenige Tage nach der Podcastaufzeichnung sollte sie erneut nach Somaliland reisen, um für die SOS-Kinderdörfer zu arbeiten. Ihr beruflicher Weg führte sie von den politischen Umbrüchen Osteuropas über die Schrecken des Krieges bis zur humanitären Kommunikation. Geblieben ist ihre Überzeugung, dass gute Geschichten von Menschen leben und Journalismus mehr bedeutet als das bloße Vermitteln von Informationen.

Oder, wie Christine Kehrer es selbst formulierte: „Ich mag Menschen.“

Persönlicher Nachruf auf Reporterlegende Peter Arnett

24. Dezember 2025

Peter Arnett, 91, ist tot. Die US-Reporterlegende ist vor kurzem in einem Hospiz in Kalifornien an einer Krebserkrankung gestorben. Für seine Arbeit im Vietnamkrieg gewann er 1966 den Pulitzer-Preis. Weltweit bekannt wurde er 1991 als CNN-Reporter im ersten Golfkrieg. 1997 interviewte er als erster TV-Journalist Terroristenführer Osama bin Laden.

Ich habe ihn als junger Zeitungsreporter 1994 im Amerika-Haus München getroffen. Der Mann hat mich fasziniert. Ich war ein Fan von CNN und er berichtete anschaulich die Arbeit bei diesem Newssender. Dabei stellte er das Buch „Unter Einsatz des Lebens: Der CNN-Reporter live von den Kriegsschauplätzen der Welt“ vor.

Ich kannte bisher Journalistenbücher aus Deutschland, Helden wir Peter von Zahn, Dieter Kronzucker oder Peter Scholl-Latour. Nun bekam ich Infos aus erster Hand von einem US-Journalisten. Die Amerikaner haben das Talent Fakten unterhaltsam darzubieten. Da hab ich mir einiges abgeschaut für meine späteren Vorträge.

Ich erinnere mich noch an seine Interviews mit Saddam Hussein und Osama bin Laden. Ich war live vor dem TV dabei, als der Krieg im Irak losbrach. Er sei damals „Augen und Ohren von Millionen Menschen weltweit“ gewesen, schieb einst die New York Times.

Ich hab anlässlich seines Todes das Buch „Unter Einsatz des Lebens: Der CNN-Reporter live von den Kriegsschauplätzen der Welt“ wieder aus dem Archiv geholt. Das Buch ist weniger „Kriegsgeschichte“ als Berufsbiografie im Ausnahmezustand: eine Autobiografie, die Arnetts Weg als Reporter von den frühen Jahren (u. a. Vietnam) bis zu den großen CNN-Momenten (u. a. Golfkrieg/Bagdad) nachzeichnet. Die deutsche Ausgabe ist als autobiografischer Erlebnisbericht eingeordnet und umfasst Arnetts Reporterjahre etwa von 1962 bis 1993.

Worum es geht
Arnett erzählt nicht in erster Linie Schlachtenverläufe, sondern wie Kriege „journalistisch“ funktionieren: Zugang zu Frontlinien, Abhängigkeit von Fixern und Militärbriefings, Konkurrenzdruck, technische Limitierungen, Zensur, politische Erwartungshaltungen – und vor allem das permanente Abwägen zwischen Nähe zur Geschichte und persönlicher Sicherheit. Sein Markenzeichen ist der Blick auf die Mechanik des Reportierens: Wer lässt dich wohin? Was kannst du überprüfen? Was bleibt Gerücht? Was wird Propaganda?

Was ich aus dem Buch gelernt habe?
Innenansicht eines Medienzeitalters. Arnett steht für eine Phase, in der „live“ noch spürbar Risiko bedeutete: Kabel, Satellit, knappe Zeitfenster, Improvisation – und die Frage, ob man als Reporter vor Ort bleiben darf oder muss. Gerade seine berühmte Rolle als CNN-Stimme aus Bagdad macht klar, wie sehr Fernsehnachrichten damals in Echtzeit zu einem Teil des Ereignisses wurden.

Der Ton ist nüchtern – und dadurch eindringlich. Arnett moralisiert selten plakativ. Er beschreibt, beobachtet, ordnet ein, lässt Situationen stehen. Das kann kühl wirken, hat aber eine Wirkung: Die Gewalt wird nicht „veredelt“, sondern als Arbeitsumfeld sichtbar – und das macht die Lektüre oft beklemmender als pathetische Kriegsprosa.

Journalistische Ethik als roter Faden. Ein zentrales Thema ist Arnetts Beharren darauf, zu berichten, „was ist“, selbst wenn es politisch unerwünscht ist. Seine Karriere war immer wieder von Kontroversen begleitet – etwa wegen Berichten, die offiziellen Lesarten widersprachen. Die Obituaries erinnern u. a. an Debatten um seine Golfkriegsberichterstattung und spätere Kritik an Interviews/Statements.

Der Stil ist reportagehaft, klar, oft episodisch. Es liest sich wie eine lange Serie aus Front-Notizen, Produktionsproblemen, Begegnungen und Situationen, in denen sich plötzlich entscheidet, ob man eine Geschichte bekommt – oder nicht lebend herauskommt. Der Titel ist dabei nicht nur Dramatisierung: Arnetts Biografie ist tatsächlich von der Grundannahme geprägt, dass Berichterstattung im Krieg immer auch körperliches Risiko bedeutet.

Ich werde Arnett sehr positiv in Erinnerung behalten, vor allem auch, weil sich dieser große Journalist mit mir als Nachwuchs abgab und ihn ernst nahm.