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Podcast: Nah dran (4) „Verbessere dich“ – Dietmar Schmidt über Journalismus, Vertrauen in der Pressearbeit

1. Oktober 2026

Manche journalistischen Karrieren lassen sich anhand von Jahreszahlen erzählen. Andere erzählen zugleich ein Stück Zeitgeschichte. Bei Dietmar Schmidt ist beides kaum voneinander zu trennen. Im Podcast „Nah dran“ des PresseClubs München spricht Vorstandsmitglied Matthias J. Lange mit seinem Vorstandskollegen über ein langes Berufsleben zwischen Universität, Pressearbeit, Wissenschaftsjournalismus und PresseClub – und über eine journalistische Tugend, die sich durch das gesamte Gespräch zieht: Vertrauen.

Dietmar Schmidt wurde am 9. November 1939 in Mähren geboren. Seine ersten Erinnerungen sind geprägt von Krieg, Gefangenschaft und Vertreibung. 1945 geriet die Familie in tschechische Gefangenschaft, seine Eltern mussten Zwangsarbeit leisten. 1946 kam die Familie nach Deutschland. Schmidt erinnert sich noch an die Grenze und an die weißen Armbinden, die dort abgelegt werden durften. Es sind Erinnerungen eines Kindes an eine Zeit, die sich tief eingeprägt hat. Hier der Podcast des PresseClubs.

Nach Stationen in Franken und im Rheinland kam Schmidt 1959 zum Studium nach München. Zunächst begann er mit Chemie, wechselte jedoch bald zu Geschichte, Politischer Wissenschaft und der damaligen Zeitungswissenschaft. Der Weg in die Kommunikation zeichnete sich ab – auch wenn er zunächst anders geplant war.

1968 begann schließlich ein Berufsleben, das eng mit der Ludwig-Maximilians-Universität München verbunden werden sollte. Sein Doktorvater empfahl ihm, sich auf die neu geschaffene Stelle eines Pressereferenten zu bewerben. Schmidt bekam den Job. Aus dem jungen Akademiker wurde einer jener Männer, die Hochschulkommunikation in Deutschland überhaupt erst als professionelles Arbeitsfeld etablierten.

Der Zeitpunkt hätte kaum spannender sein können. Die Studentenbewegung erreichte die Universität, Hörsäle wurden besetzt, Senatssitzungen gesprengt, politische Auseinandersetzungen bestimmten den Alltag. „Es waren wilde Jahre“, erinnert sich Schmidt. Und er stand mittendrin.

Damals war er gerade 28 Jahre alt. Bei studentischen Veranstaltungen geriet er sogar unter Verdacht, ein „Polizeispion“ zu sein, und wurde von Studenten eingekesselt. Gleichzeitig musste er versuchen, die Position der Universität gegenüber einer kritischen Öffentlichkeit zu vermitteln.

„Es war zu Beginn ganz klar Pressearbeit“, sagt Schmidt. Dabei ging es ihm nicht nur darum, den Standpunkt der Universität zu verbreiten. Entscheidend war für ihn, Informationen einzuordnen und Sachverhalte richtigzustellen: „Da musste man natürlich schon schauen, dass man sozusagen das, was stimmt, versucht unter die Leute zu bringen.“

Die Bedingungen dieser frühen Hochschulkommunikation erscheinen aus heutiger Sicht beinahe abenteuerlich. Schmidt begann „mit einer halben Sekretärin in einem kleinen Kämmerchen“. Selbst eine elektrische Schreibmaschine war keine Selbstverständlichkeit.

Im Frühjahr 1969 gehörte er zu den Gründern des Arbeitskreises der Hochschulpressestellen in Deutschland. Gerade einmal sieben hauptberufliche Pressereferenten deutscher Universitäten kamen damals zusammen. Für Schmidt zeigt diese Zahl eindrucksvoll, welchen Stellenwert Hochschulkommunikation zu jener Zeit besaß – und wie grundlegend sich das später verändern sollte.

Aus der klassischen Pressestelle entwickelte sich über Jahrzehnte eine professionelle Hochschulkommunikation. Interne Medien kamen hinzu, Wissenschaftskommunikation gewann an Bedeutung, neue Kanäle entstanden. Kommunikation wurde schließlich zur strategischen Aufgabe der Hochschulleitungen.

Doch Technik und Organisationsstrukturen waren für Schmidt nie das Entscheidende. Pressearbeit lebte für ihn vor allem von persönlichen Beziehungen.

Zu den Journalistinnen und Journalisten der Münchner Medienlandschaft pflegte er einen engen Kontakt. Süddeutsche Zeitung, Münchner Merkur, Abendzeitung, Rundfunk – man kannte sich. Und man wusste, was man voneinander erwarten konnte.

„Die wussten, dass ich sie nicht belüge“, beschreibt Schmidt dieses Verhältnis mit einem bemerkenswert einfachen Satz. Ebenso wichtig sei gewesen, den Journalisten Hilfestellung zu geben und manchmal einen Hinweis auf eine interessante Geschichte.

Vertrauen war die eigentliche Währung.
Dabei konnte es durchaus turbulent werden. Die Universitätskliniken gehörten zeitweise ebenfalls zu seinem Verantwortungsbereich. Erste Herztransplantationen, Herz-Lungen-Transplantationen, prominente Patienten oder Mehrlingsgeburten sorgten für enormes Medieninteresse. Schmidt erzählt von Pressekonferenzen auf Parkplätzen, von Reportern, die sich mit Blumensträußen Zugang zu Patientenzimmern verschaffen wollten, und von Fotografen, die gegenüberliegende Dächer erklommen, um einen Blick durch Klinikfenster zu erhaschen.

Geschichten aus einer Medienwelt, die technisch weit von der heutigen entfernt scheint – und in manchen Mechanismen doch erstaunlich vertraut wirkt.

Eine zentrale Herausforderung war schon damals die Vermittlung komplizierter Wissenschaft. Wie erklärt man Forschung so, dass Journalisten und Öffentlichkeit sie verstehen können, ohne sie bis zur Unkenntlichkeit zu vereinfachen?

Schmidt entwickelte dafür einen bemerkenswert pragmatischen Ansatz. Eine freie Mitarbeiterin wählte er einmal ganz bewusst aus, weil sie zuvor nichts mit Wissenschaft zu tun gehabt hatte und aus der Modebranche kam. Seine Überlegung: Wenn man ihr ein wissenschaftliches Thema verständlich erklären konnte, konnte sie es anschließend auch anderen verständlich machen.

Bei aller Kommunikation blieb Schmidt die Trennung zwischen Pressearbeit und PR wichtig. Er bestand darauf, dass seine Abteilung „Pressereferat“ hieß. Der Weg über unabhängige und durchaus kritische journalistische Multiplikatoren war für ihn entscheidend. PR beschreibt er zugespitzt mit den Worten: „Wir sind schön, wir sind gut und wir sind besonders toll.“

Sein Verständnis von Pressearbeit war ein anderes: informieren, erklären, vermitteln – und dabei aushalten, dass Journalisten ihre eigenen Fragen stellen.

Diese Haltung führte Schmidt auch zur TELI, der Technisch-Literarischen Gesellschaft. Die traditionsreiche Organisation für Wissenschafts- und Technikjournalismus entstand in einer Zeit, als Pressestellen noch „literarische Büros“ genannt wurden. Schmidt war lange Vorsitzender der Münchner Gruppe. Die TELI hatte einst mehrere hundert Mitglieder, organisierte regelmäßige Veranstaltungen und brachte Wissenschaft, Wirtschaft und Journalismus miteinander ins Gespräch.

Heute blickt Schmidt mit einer gewissen Wehmut auf diese Entwicklung. Viele Funktionen solcher Vereinigungen haben sich durch digitale Medien verändert. Vorträge und Fachinformationen sind jederzeit online verfügbar, Kommunikationswege haben sich vervielfacht. Dennoch hält er seriöse Wissenschaftskommunikation keineswegs für überholt. Im Gegenteil.

„Es kommt immer auf den Weg an, den eine Nachricht nimmt“, sagt Schmidt. Wissenschaft brauche weiterhin ausführliche Formen, aber ebenso kurze Formate für Menschen, die keine langen Fachtexte lesen. Print, Fernsehen, Blogs und soziale Medien können dabei unterschiedliche Aufgaben übernehmen.

Auch der PresseClub München ist für Schmidt seit Jahrzehnten ein solcher Ort der Kommunikation. Seit den frühen 1970er Jahren gehört er dem Club an, seit vielen Jahren engagiert er sich im Vorstand beziehungsweise Beirat.

Ursprünglich sei er in den PresseClub gegangen, um Menschen kennenzulernen, Kontakte aufzubauen und sich beruflich auszutauschen. Der Netzwerkgedanke stand im Mittelpunkt.

Der PresseClub selbst hat sich seitdem grundlegend verändert. Früher war er nicht nur Veranstaltungsort, sondern Arbeitsstätte für Journalisten. Hier konnte man Texte schreiben und Nachrichten übermitteln. Bar und Sitzecken machten ihn zugleich zum Treffpunkt einer Branche.

Heute sitzt der PresseClub direkt am Marienplatz, gegenüber dem Münchner Rathaus. Die technische Funktion des Clubs ist weitgehend verschwunden – ein Smartphone reicht längst für viele Arbeiten aus. Umso wichtiger bleibt seine andere Funktion: Menschen miteinander ins Gespräch zu bringen.

Ein Thema liegt Dietmar Schmidt dabei besonders am Herzen: der Herwig-Weber-Preis.
Herwig Weber war Münchner Korrespondent der Frankfurter Allgemeinen Zeitung und Vorsitzender des PresseClubs. Schmidt beschreibt ihn als Journalisten, der „sehr liebevoll, sehr sachkundig“ über München schrieb. Nach Webers frühem Tod entstand Anfang der 1970er Jahre die Idee, mit einem Journalistenpreis an ihn zu erinnern.

Bis heute soll der Preis journalistische Arbeiten würdigen, die München nicht nur als touristische Kulisse betrachten, sondern sich mit dem tatsächlichen Leben der Stadt beschäftigen – mit seinen schönen und schwierigen Seiten, seinen Menschen, Konflikten und Besonderheiten.

Das Spektrum ist bewusst weit. Reportage, Bericht, Audio, Video oder Online-Beitrag können berücksichtigt werden. Entscheidend ist etwas anderes.

„Wir achten vor allen Dingen auf Qualität“, sagt Schmidt. „Es muss journalistisch gut geschrieben sein, es muss eine saubere Recherche sein. Und man muss es mit Freuden lesen können.“

Und vor allem muss München wirklich eine Rolle spielen. Eine Geschichte, die genauso gut in Hamburg oder Berlin spielen könnte, reicht nicht. „Es muss spezifisch München sein.“

Schmidt gehört seit vielen Jahren der Jury an. Das Verfahren ist gründlich: Beiträge werden auf mehrere Jurymitglieder verteilt, diskutiert, erneut gelesen und schrittweise ausgewählt. Gerade Nachwuchsjournalisten sollen dabei eine Chance erhalten. Volontäre und Journalistenschüler wurden in der Vergangenheit bewusst berücksichtigt.

Für Schmidt kann eine solche Auszeichnung gerade am Beginn einer Karriere wichtig sein. Ein Journalistenpreis im Lebenslauf kann Türen öffnen und Mut machen.

Doch die Zukunft des Herwig-Weber-Preises ist nicht selbstverständlich. Die Finanzierung bereitet zunehmend Schwierigkeiten. Für die kommende Preisvergabe konnte erstmals die FAZ-Stiftung als Unterstützer gewonnen werden. Schmidt macht zugleich deutlich, dass eine dauerhaftere finanzielle Basis notwendig ist, wenn der traditionsreiche Preis langfristig bestehen soll. 2027 soll er auf jeden Fall wieder verliehen werden.

Vielleicht liegt gerade darin eine Parallele zwischen dem Preis, dem PresseClub und dem Journalismus selbst. Alle drei müssen sich verändern, ohne ihren Kern aufzugeben.

Denn die Werkzeuge haben sich längst gewandelt. Auf Schreibmaschine und Fernschreiber folgten Computer, Smartphone, soziale Netzwerke und inzwischen Künstliche Intelligenz. Nachrichten verbreiten sich heute in Sekunden. Wissenschaftler können ihre Öffentlichkeit selbst erreichen. Journalisten konkurrieren mit Blogs, Plattformen, Influencern und Algorithmen.

Was aber bleibt?
Am Ende des Gesprächs stellt Matthias J. Lange seinem Gast eine persönliche Frage. Dietmar Schmidt hat Herwig Weber selbst nie kennengelernt. Doch welchen Rat, so die hypothetische Frage, würde dieser erfahrene Journalist heute wohl einem jungen Kollegen geben?

Schmidt muss nicht lange über journalistische Werkzeuge, Plattformen oder Reichweiten sprechen. Seine Antwort besteht aus zwei Worten: „Verbessere dich.“

Es ist ein bemerkenswert schlichtes Schlusswort nach einem Berufsleben, das von Schreibmaschinen über Fernschreiber und Pressekonferenzen bis zur digitalen Kommunikation reicht.

Vielleicht steckt darin tatsächlich vieles von dem, was guten Journalismus ausmacht: neugierig bleiben, genau hinschauen, sauber recherchieren, verständlich schreiben, Kritik aushalten und niemals glauben, dass man schon alles kann. Die Technik verändert sich. Diese Haltung nicht.

„Fakten, Fakten, Fakten“ – Hubertus Klingsbögl über Journalismus, Vertrauen und politische Kommunikation

18. Juli 2026

Im Podcast „Nah dran“ des PresseClub München geht es nicht um fertige Schlagzeilen, sondern um die Frage, wie sie entstehen. In der aktuellen Folge spricht Matthias J. Lange mit Hubertus Klingsbögl, stellvertretender Pressesprecher der Hanns-Seidel-Stiftung. Beide gehören dem Vorstand des PresseClub München an. Das Gespräch führt mitten hinein in ein Berufsleben an der Schnittstelle von Journalismus, politischer Kommunikation und Öffentlichkeitsarbeit – und zugleich in die Frage, was gute Pressearbeit heute leisten muss.

Klingsbögls Weg in die Medien begann früh. Schon als Schüler interessierte er sich für Hörfunk und Journalismus. In der Unterstufe des Gymnasiums galt er nach eigener Erinnerung als jemand mit „den besten Connections zum Bayerischen Rundfunk“, weil er für den Medienunterricht Material der Rundfunkwerbung organisiert hatte. Später führte dieser frühe Enthusiasmus tatsächlich ins Radio. Anfang der 1990er Jahre gründete er mit Freunden einen Lokalsender mit, der zunächst Studio 1 FM hieß und später als Radio Alpenwelle bekannt wurde. Möglich wurde dies durch die neuen Strukturen des privaten Rundfunks in Bayern. „Das war irgendwie so die Goldgräberzeit“, erinnert sich Klingsbögl. Der private Lokalfunk habe damals eine ähnliche Aufbruchsstimmung erzeugt wie später die digitalen Plattformen – nur eben regional verwurzelt. Hier der Podcast:

Bei Radio Alpenwelle stieg Klingsbögl in die Redaktion ein und wurde Redaktionsleiter. Es war klassischer Lokaljournalismus im Radio, aber mit besonderer Nähe zur Landespolitik: Edmund Stoiber wurde gerade Ministerpräsident, Manfred Fleischer war Oppositionsführer der Grünen im Landtag. „Das war ja die Landespolitik im Lokalen eigentlich“, sagt Klingsbögl. Lokalradio bedeutete damals vor allem Live-Arbeit. Was gesagt war, war draußen. Vorproduktionen, wie sie heute üblich sind, gab es kaum. Diese Spontanität habe ihn geprägt, aber auch die Verantwortung für das gesprochene Wort. Später arbeitete er unter anderem beim Liechtensteinischen Rundfunk in der Nachrichtenredaktion – „Journalismus in einer Monarchie“, wie er es beschreibt. In einem Land mit rund 40.000 Einwohnern habe man am Staatsfeiertag auch direkt mit dem Fürsten über Politik, Demokratie und das Rechtssystem sprechen können.

Bemerkenswert ist, dass Klingsbögl keinen klassischen journalistischen Ausbildungsweg ging. Er studierte Wirtschaftsingenieurwesen. Für ihn ist das kein Widerspruch: Der Zugang zu Medien müsse auch abseits einer Fachausbildung möglich sein. „Quereinstiege sind vom Grundgesetz gewollt und durchaus möglich“, sagt er. Entscheidend seien Neugier, Einordnungskraft und Glaubwürdigkeit.

Genau diese Glaubwürdigkeit ist für Klingsbögl bis heute der zentrale Begriff – inzwischen nicht mehr als Journalist, sondern als Kommunikator einer politischen Stiftung. Gute Pressearbeit müsse schnell, verlässlich und faktenbasiert sein. „Ohne Glaubwürdigkeit auf Dauer ist es schwierig zu bestehen“, betont er. Als Pressesprecher sei man Dienstleister für Journalistinnen und Journalisten, müsse aber zugleich die eigene Institution schützen, Sachverhalte erklären und manchmal auch verhindern, dass unzutreffende oder einseitige Informationen in die Öffentlichkeit gelangen. Das habe nichts mit „Nebelkerzen“ zu tun, sondern mit verantwortlicher Einordnung.

Zwischen Journalismus und Pressearbeit sieht Klingsbögl vor allem einen Perspektivwechsel. Journalistinnen und Journalisten suchten die gute Geschichte, Pressestellen müssten Fakten liefern, abwägen und reflektieren. Während Tageszeitungen unter hohem Zeitdruck arbeiten, könne eine Pressestelle Themen oft länger vorbereiten und in ein Agenda-Setting einordnen. Trotzdem bleibe die Anforderung hoch: „Die Fakten müssen immer stimmen und zwar nachprüfbar.“ Lügen oder Schummeln gehe nicht. Die Kunst der Darstellung dürfe sein, aber sie müsse erklärbar bleiben.

Eine wichtige Rolle spielt für ihn das Vertrauen zwischen Pressestellen und Redaktionen. Klingsbögl erzählt dazu eine Erfahrung aus seiner Lokalradiozeit: Ein Kripo-Chef habe ihm anvertraut, dass am nächsten Morgen eine Hausdurchsuchung stattfinde, aber noch keine Details genannt. Der Journalist wusste also mehr, als er senden durfte. Erst am nächsten Morgen nach der Durchsuchung gab es die Informationen für die Berichterstattung. „Diese zwölf, fünfzehn Stunden, das ist die Vertrauensspanne“, sagt Klingsbögl. Wer dieses Vertrauen missbrauche, bekomme solche Informationen nur einmal.

Das Verhältnis zu Journalistinnen und Journalisten habe sich in den vergangenen Jahren verändert. Früher hätten Redaktionen nach einer Pressemitteilung häufiger angerufen, nachgefragt, Hintergründe recherchiert und eigene Zusatzinformationen gesucht. Heute werde eine Mitteilung oft nur noch gekürzt und übernommen. „Dieses Feedback und dass man nochmal darüber spricht, das ist eher der Einzelfall mittlerweile“, beobachtet Klingsbögl. Das sei keine gute Entwicklung, aber Realität.

Auch die Instrumente der Pressearbeit haben sich verändert. Die klassische Pressemitteilung ist für Klingsbögl weiterhin wichtig, weil sie fundiert und verlässlich ist. Doch Social Media habe sie in der Geschwindigkeit überholt. Kurze Sätze, schnelle Reaktionen und direkte Ansprache prägen heute die Kommunikation. Institutionen wie die Hanns-Seidel-Stiftung sind längst nicht mehr nur Zulieferer für Medien, sondern selbst Sender. Mit digitalen Formaten kann die Stiftung etwa Auslandsmitarbeiter aus Asien, Lateinamerika oder Afrika zusammenschalten und politische Bildung international vermitteln. „Wir können das selbst in die Hand nehmen“, sagt Klingsbögl.

Gleichzeitig warnt er vor Oberflächlichkeit. Die Verkürzung in sozialen Medien bringe die Gefahr mit sich, dass Komplexität verloren geht. Gerade in Zeiten von Desinformation, hybrider Kriegsführung und Angriffen auf die Demokratie sei Faktenorientierung entscheidend. Klingsbögl erinnert an den bekannten Slogan von Helmut Markwort: „Fakten, Fakten, Fakten“. Dieser Satz habe an Aktualität nichts verloren. „Das zählt genauso für soziale Medien, wie das für den klassischen Journalismus immer gegolten hat“, sagt er.

Als Vertreter einer politischen Stiftung betont Klingsbögl zugleich die Rolle von Werten. Die Hanns-Seidel-Stiftung stehe auf christlicher Grundlage und im christlich-sozialen Wertefeld. Wer dort anrufe, wisse, dass er es mit einem Tendenzbetrieb zu tun habe. Journalistinnen und Journalisten erwarteten von einer solchen Stiftung keine beliebige Position, sondern eine konservative Einordnung.

Der PresseClub München spielt für Klingsbögl eine wichtige Rolle als Ort des Austauschs. Er beschreibt ihn als Plattform zwischen Öffentlichkeitsarbeit und Journalismus, als Raum, in dem man abseits des Tagesdrucks miteinander sprechen kann. Besonders wichtig sei dabei der Nachwuchs. Junge Journalistinnen, Journalisten und Kommunikatoren seien zwar digital hervorragend vernetzt, müssten aber auch persönliche Begegnung lernen. Klingsbögl nennt dafür einen passenden Begriff: „Networking in natura“. Man müsse sich begegnen, von Angesicht zu Angesicht. Digitale Netzwerke seien wichtig, aber sie könnten persönliche Kontakte nicht ersetzen.

Für junge Journalistinnen und Journalisten nennt Klingsbögl vor allem zwei Eigenschaften: Neugier und Geduld. Nicht alles lasse sich sofort recherchieren, nicht jede Information liege fertig auf dem Tisch. Für angehende Pressesprecherinnen und Pressesprecher sei dagegen vor allem Krisenkommunikation die Nagelprobe. Wer in die Pressearbeit wolle, müsse „den Überblick und die Nerven behalten“. Gerade wenn eine Lage unübersichtlich werde, brauche es Menschen, die ruhig bleiben.

Am Ende des Gesprächs steht noch einmal der Lokaljournalismus im Mittelpunkt. Für Klingsbögl ist er unverzichtbar, weil Menschen wissen wollen, was vor ihrer Haustür passiert. Die große offene Frage sei allerdings die Finanzierung. Wenn Bürgerinnen und Bürger lokale Berichterstattung wollten, müssten sie möglicherweise auch bereit sein, dafür zu bezahlen. Ohne tragfähige Modelle werde unabhängiger Lokaljournalismus schwer zu halten sein.

Eine lehrreiche Erfahrung aus seiner Reporterzeit fasst Klingsbögl mit dem Satz zusammen: „Man trifft sich zweimal.“ Als Journalist berichtete er einst über die bevorstehende Schließung einer Tochtergesellschaft, nachdem ihm der Vorstand einer Holding diese Information gegeben hatte. Die Meldung stimmte, doch der Betriebsratsvorsitzende war verärgert. Zwei Wochen später brannte es in derselben Firma – und ausgerechnet dieser Betriebsratsvorsitzende war als Feuerwehrchef vor Ort. Informationen bekam Klingsbögl diesmal keine. Für ihn blieb das eine prägende Lektion über Vertrauen, Verantwortung und die Folgen journalistischer Entscheidungen.

So zeigt das Gespräch im Podcast „Nah dran“, wie eng Journalismus und Pressearbeit miteinander verbunden sind – und wie sehr beide Seiten auf Verlässlichkeit angewiesen bleiben. Schlagzeilen entstehen nicht nur durch schnelle Informationen, sondern durch Vertrauen, Erfahrung, Einordnung und Fakten. Genau darin liegt für Hubertus Klingsbögl bis heute der Kern professioneller Kommunikation