Posts Tagged ‘Siegfried Lowitz’

Hallo, hier spricht Edgar Wallace – die Edgar Wallace Bluray Box

14. November 2022

Als Kind habe ich mich bei den Edgar Wallace Filmen gegruselt. Heute grusel ich mich bei den Filmen auch – aber aus anderen cineastischen Gründen und dennoch habe ich mir die Rialto-Verfilmungen von Edgar Wallace auf Bluray angeschafft und werde über Weihnachten die Verfilmungen der Romane des britischen Kriminalautoren genießen.

Was viele nicht wissen, Edgar Wallace war der Ideengeber für King Kong, konnte aber die Verwirklichung des Klassikers von 1933 nicht mehr miterleben. Und nein, King Kong ist nicht in der Edgar Wallace-Box enthalten.

Ich fand bei mir noch vom Goldmann-Verlag den Band Nummer 1 mit dem Titel Der Frosch mit der Maske. Die Kindle-Ausgabe ist inzwischen kostenlos. Der Roman wurde im Jahr 1925 geschrieben und erlebte seine deutsche Verfilmung von Harald Reinl in Schwarzweiß im Jahre 1959. Ab 1961 kümmerte sich Horst Wendland um die Wallace-Filme und führte sie in Deutschland zu einem Publikumserfolg. Im Grunde finde ich die Wallace-Rialto-Filme in Schwarzweiß am reizvollsten. Ab 1966 gab es mit dem Buckligen von Soho den Edgar Wallace in Farbe. Meiner Meinung ließ aber auch damit die Qualität der sowieso seichten Filme noch mehr nach. Im Jahr 1972 wurde die Rialto-Reihe mit dem Rätsel des silbernen Halbmondes eingestellt. Wallace-Filme gab es noch von anderen Produktionsgesellschaften, aber in dieser Box sind die 32 Rialto-Filme von Horst Wendlandt enthalten. Zudem gibt es ein extrem gutes Booklet mit tollen Kinopostern.

Edgar Wallace bedeutet aber auch immer die erste Liga von deutschen Nachkriegsschauspielern wie Joachim Fuchsberger, Siegfried Lowitz, Heinz Drache und Klausjürgen Wussow. Meine Lieblinge als Kind waren natürlich der witzige Eddi Arent, der 23 Mal in Edgar Wallace-Filmen auftrat, – und ganz klar der irre Klaus Kinski, der 16 Mal einen verschrobenen Charakter in den Filmen spielte. Und für mich als Soundtrack-Fan wichtig: Die Musik von insgesamt 18 Filmen der Serie stammt von Peter Thomas, den ich ja sehr, sehr schätze. Hier mal eine Kompilation.

Also dann ab Weihnachten heißt es bei mir: Hallo, hier spricht Edgar Wallace.

Horst Tappert ist tot

16. Dezember 2008

Stefan Derrick ist tot. Gestern wurde die Nachricht bekannt, dass der Schauspieler Horst Tappert im Alter von 85 Jahren in Gräfelfing bei München verstarb. Damit ist wieder ein Held meiner Jugend gestorben.

Es war ein Familienereignis, wenn der Mann im coolen Trenchcoat und Glubschaugen in den besseren Kreisen von München ermittelte. Immer mit dabei: Der Assi Fritz Wepper, der seinen Auftritt mit „Harry, fahr den Wagen vor“ hatte. Zurückblickend waren die Krimis total öde. Da musste Konkurrenz aus dem Ausland kommen, um mich vor dem Fernseher zu ziehen. Derrick hatte nicht die Härte wie „die Profis“, den Klamauk von „die Zwei“, den Humor von „Columbo“ und dennoch hatte der korrekte Beamte sein Publikum. Die 281 Derrick-Folgen waren typisch deutsch: Korrekt, solide TV-Unterhaltung für die Familie. Überraschungen gab es von 1974 bis 1998 in den 24 Jahren Derrick nicht, obwohl ich natürlich nicht alle Folgen gesehen habe.

Es war ein besonderer Turnus in der Familieunterhaltung. Am Freitag und Samstag abend kam die ganze Familie vor dem Hausaltar Grundig-Fernseher zusammen. Ich hatte meist mein Malzeug dabei und kritzelte als Kind Bilder mit meinen Buntstiften. Über die Mattscheibe flimmerten „Der Alte“ (auch ein Held Siegfried Lowitz), „Derrick“, „ein Fall für zwei“, „Aktenzeichen XY“. Das prägt und sozialisiert.

Stefan Derrick war ein unauffälliger Held. Elegant und gewissenhaft überführte er die Täter nach den Büchern von Herbert Reinecker. Aber er war natürlich nicht immer der Gute. In der Glotze habe ich einen frühen Film von Tappert gesehen „Die Gentlemen bitten zur Kasse“, ein SW-Heuler, in dem er einen bösen Buben spielte. Im Ausland habe ich Jahre später Derrick-Folgen gesehen: Ich glaube, es war in Italien. Und im Satelliten-Fernsehen in den USA kam mal eine asiatische Synchronisation von Derrick. Ungewohnt, wenn die tiefe Stimme von Horst Tappert durch eine aufgeregte asiatische Stimme abgelöst wurde. Unzuverlässigkeit und Schludrigkeit waren Tappert ein Gräuel. Das prägte das Bild des Deutschen im Ausland. Derrick haben wir es auch zu verdanken, dass uns das Ausland in der Vergangenheit so sieht: Beamtenmäßig, pünktlich, ein wenig langweilig, korrekt, aber unbedingt zuverlässig. Auch eine Möglichkeit der Auslands-PR.