Posts Tagged ‘Stern’

Stern: Hitler-Tagebücher, die Fake News vor 35 Jahren

18. September 2018
Bringt viel Lichts ins Dunkel: Das Buch über die Hitler-Tagebücher.

Bringt viel Lichts ins Dunkel: Das Buch über die Hitler-Tagebücher.

Ich könnte mir in den Hintern beißen – Verzeihung für meine Ausdrucksweise. Ich Depp habe meine Originalausgabe mit der Enthüllung der Hitler-Tagebücher vom Stern irgendwann ins Altpapier gegeben. Wie konnte ich als Sammler so blöd sein, solch ein medienhistorisches Dokument einfach wegzuwerfen. Jetzt kocht der Ärger über mich wieder hoch. Dieser Tage wird die Enthüllung der Hitler-Tagebücher 35 Jahre alt. Diese Tagebücher entpuppten sich als Fälschung. Der renommierte Stern saß einer Ente auf, verlor an Reputation und fiel ganz tief. 

Im Moment läuft gerade eine Ausstellung zum 70. Geburtstag des Sterns in Hamburg. Wenn ich Zeit habe, schaue ich sie mir als Medienfuzzi an. Der Stern hatte insgesamt 62 Bände von dem Fälscher Konrad Kujau angekauft und dafür 9,3 Millionen DM gezahlt. Obwohl sie Fälschungen sind, gehören sie zur Pressegeschichte. Die Hitler-Tagebücher hatten Wellen geschlagen. Es war einer der größten Skandale der deutschen Pressegeschichte. 

Nun, der Fall Hitler-Tagebücher ist beim Stern aufgearbeitet worden und der Verlag hat seine Konsequenzen gezogen. Es heißt, dass bei der heutigen Recherche so etwas nicht mehr passieren kann. Das glaube ich gerne. Der Mediendienste turi2 hat ein schönes Interview mit dem amtierenden Chefredakteur gemacht. 

Die Fake News sind inzwischen andere und werden heute viral in sozialen Netzwerken produziert und verbreitet. Sie stammen nicht in der Regel nicht mehr von ausgebildeten Redakteuren und Kunstfälschern, sondern von Otto Normalverbraucher, der durch soziale Netzwerke und deren Netzwerkeffekte Macht in die Hände bekommen hat. Oder die Fake News werden gleich von Regierungen selbst verbreitet. Auf einem Schüler-Seminar sprach ich einmal über Werte und dann meldete sich ein Schüler mit den Worten: „Was Sie da über Werte in einer Gesellschaft erzählen, dass verstehe ich. Doch wenn mich der mächtigste Mann der Welt regelmäßig anlügt, wen oder was soll ich dann noch glauben?“ Aber nicht nur Präsidenten lügen, ganze Parteien ballern im Stundentakt Lügen heraus. In Twitter habe ich 2015 einen schönen Spruch gelesen: Der Neider erfindet das Gerücht, der Dumme erzählt es allen und der Vollidiot glaubt es.“ 

Wir müssen besser hinschauen. Wir müssen unsere Quellen verifizieren. Wir müssen nicht alles glauben, nur weil es uns in den Kram passt. Als Lokalreporter habe ich vor 25 Jahren  gelernt, die Damen und Herren Gemeinderäte erzählen mir unter 1, unter 2 oder unter 3 nichts, ohne dass sie ein Eigeninteresse daran haben. Also wir brauchen Medienkompetenz. 

Aber zurück zum Stern und den Hitler-Tagebüchern. Wie beschrieben, habe ich meinen Stern von damals weggeworfen (unverzeihlich). Aber der Umgang mit dem Thema interessiert mich als Medienschaffender. Vor zehn Jahren, also 2008, 25 Jahre nach der Veröffentlichung der Fälschungen erschien ein sehr lesenswertes Buch von Michael Seufert Der Skandal um die Hitler-Tagebücher. Michael Seufert war damals beim Stern und wurde vom Verleger Henri Nannen beauftragt, den Skandal aufzuklären. Ich habe das Buch an einem Tag in einem Rutsch durchgelesen. Es ist sehr gut geschrieben, was kein Wunder ist, denn Journalist Michael Seufert versteht sein Handwerk. Die dargebrachten recherchierten Fakten sind belegt und gut redigiert. Seufert nimmt uns als Leser mit auf eine Reise durch Gier nach Auflage und Lizenzen. Nun, es ist natürlich nicht so komisch wie Dietls Schtonk!, für mich eine hinreißende Verfilmung des Stoffes, sondern das lesenswerte Buch ist schon eine Aufarbeitung, die es in sich hat. Das Buch zeigt Abgründe aus dem Mediengeschäft, widerliche Abgründe von Selbsttäuschung eines Medienhauses. Absolute Leseempfehlung für Der Skandal um die Hitler-Tagebücher von meiner Seite.   

WM-Buch One Night in Rio von Paul Ripke gibt Inspiration für Reportagefotos

30. Mai 2018

Ich bin wahrlich kein Fußballanhänger, aber selbst so ein Banause wie ich hat mitbekommen, dass dieses Jahr wieder eine Fußballweltmeisterschaft stattfindet. Und daher möchte ich an das unheimlich eindrucksvolle Buch One Night in Rio von 2014 erinnern. Es ist ein Fotobuch von Paul Ripke und auch wenn mich Fußball nicht die Bohne interessiert, so ist das Buch eine wahre Inspiration für alle Fotofreunde. Hier wird Reportagefotografie pur abgebildet: Einzig und alleine der Moment zählt. Keine Bilder sind gestellt, sondern der Fotograf ist nah dran und auch mitten drin.

Tolle Inspiration für Reportagefotos: One Night in Rio von Paul Ripke

Tolle Inspiration für Reportagefotos: One Night in Rio von Paul Ripke

Die Fußball-WM in Russland steht vor der Tür und der Einzelhandel präpariert sich mit entsprechenden Fan-Utensilien vor: Flagge, Schminke, Halsketten und was der Fan so braucht. Ich gestehe, ich brauche als Spielverderber mal wieder nichts, aber ich habe das Buch von Paul Ripke aus dem Archiv geholt. Ich habe es mir damals für meine Frau signieren lassen. Das Buch dient als Inspiration für Reportage-Fotografie. Als die Ausstellung von Paul Ripke zu diesem Fotobuch in München lief, habe ich sie natürlich besucht und darüber gebloggt. Die Bilder haben mich damals umgehauen und sie tun es heute noch. Und ich habe meiner Frau das exklusive Fotobuch One Night in Rio zu Weihnachten geschenkt – freilich mit Widmung von Paul Ripke.


Ripke hat es geschafft, eine perfekte Fotoreportage zu schaffen und diese Reportage ein ganzes Buch lang durchzuhalten. Er schafft es in seinen Bildern die Begeisterung, die Erschöpfung, den Kampfgeist und die Kameradschaft festzuhalten. Vielleicht sind die Bilder technisch nicht immer perfekt, egal: Sie sind absolut emotional und erzählen eine wunderbare Geschichte. Und genau das muss Reportage-Fotografie tun.
Leider gibt es in den klassischen Massenmedien keine Reportage-Fotografie mehr. Die Zeiten von Life oder bei uns Stern und Geo sind im Großen und Ganzen abgelaufen. Aber gerade im Lokaljournalismus wäre Reportage eine wunderbare journalistische Darstellungsform – oder man zieht komplett ins Netz um, Platz gibt es da ja genug. Fotos sollten nicht nur eine Illustration zu einem Artikels sein, sondern sie sind ein selbstständiges Medium. Als Schreiber habe ich gerne mit Fotografen gearbeitet, die eine Geschichte erzählen wollen. Und als Fotograf habe ich meine Geschichten selbst fotografiert und geschrieben.

Paul Ripke hat diese Begeisterung für Reportagefotos mit seinem Buch One Night in Rio absolut bekräftigt und es tut gut, so ein Buch in die Hand zu nehmen und die Erfahrungen der damaligen Fußballweltmeisterschaft wieder in Erinnerung zu rufen. Vielleicht haben unsere Jungs bei der WM wieder eine Chance, ich kann es nicht beurteilen.
Aber beim Durchblättern habe ich bemerkt, was ich alles vergessen hatte – was sicherlich daran liegt, dass ich kein Fußballfan bin. Aber Paul Ripke hat es geschafft, selbst in mir als nicht Fußballfan Emotionen zu entlocken. Was war das für eine tolle Fußball-WM! Und vielleicht wird es wieder eine tolle WM werden.

Und was kommt dieses Jahr zur Fußball-Weltmeisterschaft?
Ich bin gespannt auf die Ideen der Kreativen: Einst im Jahre 2006 hatten wir das Sommermärchen von Sönke Wortmann, dass die deutsche Nationalmannschaft auf dem Weg zur und bei der Fußball-Weltmeisterschaft 2006 zeigt. Ich habe diese emotionale Doku auf DVD und finde diesen Blick hinter die Kulissen interessant.
Und dann Paul Ripke 2014 mit One Night in Rio: Ich habe die Ausgabe mit goldenen Leinenhardcover mit goldener Prägung und Goldschnitt im schwarzen Leinenschuber mit goldener Prägung.
Inhalt sind Portraits der Weltmeister auf 72 Seiten Design Offset, 160 g/m², Reportage „Von Rio nach Berlin“ auf 264 Seiten LuxoArt Samt, 170 g/m² und Pokalportraits der Weltmeister auf 72 Seiten Profibulk, 150 g/m². Es gibt auch noch die preiswertere Die Nationalmannschaft – One Night in Rio (Fan-Edition) Und was kommt eigentlich dieses Jahr?

 

Hier das Video zur Ausstellung im Deutschen Museum München:

Buchkritik: Inside IS – 10 Tage im Islamischen Staat von Jürgen Todenhöfer

8. Juni 2015
Der Stern brachte mich zu Jürgen Todenhöfer.

Der Stern brachte mich zu Jürgen Todenhöfer.

Ich wurde durch die Stern-Kampagne auf das Buch von Jürgen Todenhöfer aufmerksam. Der Stern besann sich auf seine Wurzeln als Reportage-Magazin und warb überall in der Republik für seine IS-Ausgabe. Im Mittelpunkt dabei war das Buch Inside IS von Jürgen Todenhöfer. Der Stern titelte „Im Mittelpunkt des Kalifats“. Als gelernter Tageszeitungsjournalist liebe ich Reportagen. Für mich ist die Reportage die Hochform des Journalismus. Reporter erklären die Welt – das fand ich immer faszinierend und gut. Und wenn der Stern zu seinen Wurzeln als Reportage-Magazin zurückgefunden hat, ist das auch gut: Lebensbeichte, große Geschichten, Gänsehaut und Enthüllung lauteten die Schlagworte beim Stern.

Werbung für den Stern.

Werbung für den Stern.

Der Bericht über die 10 Tage im Islamischen Staat machten mir Lust, mehr von Jürgen Todenhöfer zu lesen. Ich kannte Jürgen Todenhöfer als Mitglied der CDU-Stahlhelmfraktion um Alfred Dregger – aber inzwischen hat sich Jürgen Todenhöfer wohl geändert, er ist sanfter geworden und ist zum Journalisten avanciert.

In zwei Tagen gelesen, das Buch Inside IS von Jürgen Todenhöfer.

In zwei Tagen gelesen, das Buch Inside IS von Jürgen Todenhöfer.

Über die Pressestelle des Bertelsmann-Verlags besorgte ich mir das Buch Inside IS – 10 Tage im ‚Islamischen Staat‘. Innerhalb von zwei Tagen las ich das 288 seitige Buch. Zunächst muss ich Jürgen Todenhöfer meine Hochachtung für seinen Mut aussprechen. Zusammen mit seinem Sohn Frederic und einem Kollegen reiste er zehn Tage als Journalist in den Islamischen Staat. Ich hätte diesen Mut nicht gehabt, ich hätte mein Kind aber auch nicht in Gefahr gebracht. Das muss die Familie selbst ausmachen.
Todenhöfer reiste als erster westlicher Journalist zum IS, wobei vor ihm der Journalist Medyan Dairieh der Internet-Plattform Vice News drei Woche den Islamischen Staat besuchte und eine interessante Reportage in Raqqa drehte. Sie gibt es bei YouTube zum Ansehen.


Jürgen Todenhöfer ging anders vor. Er beherzigte einen der wichtigsten Sätze des Journalismus, den ich in meinen Seminaren auch immer predige: Audiatur et altera pars. Dieser lateinische Spruch stammt aus dem römischen Recht und bedeutet soviel wie: Die andere Seite möge gehört werden. Und das ist genau der Kernsatz des Buches. Todenhöfer will die andere Seite hören. Er gibt den IS-Vertretern die Möglichkeit, sich auszubreiten. Die Aussagen der IS-Vertreter sind schwer verdaulich und tun weh. Todenhöfers Ablehnung gegenüber diesen Terroristen ist klar und dennoch lässt er sie zu Wort kommen. Das finde ich richtig, denn meiner Meinung nach, entlarven sich die IS-Vertreter mit ihren Aussagen und Handlungen als eiskalte Terroristen, die sich das Deckmäntelchen des Islam übergestreift haben. Ich glaube nicht, dass dies der wirkliche Islam ist und ich will und werde auch keine Religionsdebatte führen. Klar ist, dass Hardliner auf beiden Seiten den Autoren Todenhöfer vorwerfen, dass der IS zu Wort kommt und Todenhöfer ihm damit eine Plattform gibt. Und dennoch: Audiatur et altera pars. Aber genau das ist der Verdienst von Jürgen Todenhöfer. Und ich glaube nicht, dass Todenhöfer Propaganda für den IS macht und durch sein Buch dem IS auch noch Kämpfer in die Arme treibt. Er schreibt eindeutig: „Der IS ist eine mörderische Terrororganisation, für die es Erklärungen, aber keine Rechtfertigung gibt.“
Der Leser kann die mühevolle Kontaktaufnahme mit dem IS via Skype verfolgen. Die Dialoge werden überarbeitet abgedruckt. Wir erfahren viel über die Psyche und Argumentation dieser Leute. Aber hier setzt meine Kritik an. Ich liebe Reportage und ich liebe Reportage-Bücher. Aber ich möchte mehr Hintergrund, tieferen Hintergrund. Nur den Dialog mit einem IS-Vertreter abzudrucken, ist mir zu wenig. Ich möchte mehr historische Einordnung wie ich es von großen Kollegen wie Peter von Zahn, Gerd Ruge oder Peter Scholl-Latour gewohnt bin. Das sind Storyteller und sie liefern Zusammenhänge. Das liefert für mich Jürgen Todenhöfer nicht und das ist schade. Die Dialoge zeigen den Recherchenweg, eine Aufbereitung der Recherche wie wir es bei Woodward/Bernstein gelernt haben, wäre für mich wünschenswert. Jürgen Todenhöfer ist auf einer Mission, aber er ist für mich kein klassischer Journalist, auch wenn er sich als solcher bezeichnet. Ich will damit nicht seinen Verdienst schmälern und habe wie geschrieben, große Hochachtung vor seinem Mut, aber ich lese dann doch lieber die genannten großen Kollegen, die ihr journalistisches Handwerk aus meiner Sicht besser verstehen.
Das Buch Inside IS – 10 Tage im ‚Islamischen Staat‘ beginnt mit einer gewissen Aufklärung. Der Autor Jürgen Todenhöfer schafft ein Bewusstsein, warum die Kluft zwischen Westen und Naher Osten immer tiefer wird. Bezeichnet ist für mich der Satz: „Wenn Zivilisten getötet werden, handelt es sich immer um Mord. Darüber kann es keine Diskussion geben.“ Da hat Todenhöfer recht und diese Aussage gilt nicht nur für den IS, sondern auch für Kriegstreiber im Westen.
Sehr eindrucksvoll ist der Fanatismus der IS beschrieben. Sie beziehen ihre Überlegenheit nicht aus militärischer Stärke, sondern aus der Kraft des Islam. So erklären sie sich, dass nur wenige IS-Kämpfer gut ausgerüstete Armeen in die Flucht schlagen. Die IS-Kämpfer sind überzeugt mit ihrer totalitären Ideologie und ihrer demonstrativen Brutalität die Welt verändern zu können. In Mosul haben weniger als 400 IS-Kämpfer etwa 25000 hochmodern ausgerüstete irakische Soldaten und Polizisten in die Flucht geschlagen. Gerade das Enthaupten von Menschen und das Zurschaustellen von abgeschlagenen Köpfen, das lebendige Verbrennen eines jordanischen Piloten sind ekelhaft, drücken aber extrem auf die Psyche der Kriegsgegner. Und nachdem alles gefilmt und über Netzwerke verbreitet wird, kommt der Terror der IS zu uns und schürt die Angst.
Ich lese viel über die mühevolle Reise in den IS-Staat, lese die kleinen Geschichten am Rande. Aber was hätte Todenhöfer aus dem Material machen können, wenn er schreiben könnte. Seine Eindrücke sind erstklassig, aber es liest sich leider nicht erstklassig. Die Infos über die Interviews sind hervorragend, eine gute Grundlage für mehr. Leider leidet das Buch unter Redundanz. Immer wieder fragt Todenhöfer nach etwaigen Anschlägen in Deutschland. Diese Frage ist wichtig, aber sie verliert durch seine Wiederholung an Dramatik. Hier hätte ein Lektor eingreifen müssen. Und diese Frage nach dem Lektor stelle ich mir immer wieder beim Lesen. Der Schreibstil von Todenhöfer ist nicht berauschend und das ist schade. Es gibt zudem den Vorwurf der Selbstinszenierung. Den möchte ich nicht gelten lassen, denn schließlich ist es eine Reportage und kein Sachbuch über die Entstehung und Verbreitung des IS. Wer ein Sachbuch will, muss ein anderes Buch lesen.
Das entscheidende Interview mit Abu Qatadah alias Christian Emde, dem deutsche IS-Kämpfer/Sprecher aus dem Ruhrpott, steht am Ende des Buches. Das Buch Inside IS – 10 Tage im ‚Islamischen Staat‘ steuert auf diesen Höhepunkt hin und wer das Video dazu gesehen hat, merkt, wie knapp Todenhöfer dabei war, selbst ermordet zu werden. Ich hatte das Video vor der Lektüre des Buches in Auszügen gesehen, das war leider ein Fehler. Es tat gut, das gesamte Interview jetzt zu lesen, um die Zusammenhänge besser zu verstehen. Aber wirklich gepackt hat mich die Passage, als Todenhöfer erkennt, dass sein Fahrer wohl der IS-Killer Jihadi John war. Dieser skrupellose Killer enthauptete zahlreiche Menschen und ist ein verabscheuungswürdiger Terrorist. Hier kommt die Panik auf, doch leider ist mir die Analyse zu dünn, warum Jihadi John den Journalisten auf seiner Reise begleitete. Die Angebote an den britischen Premier und die damit einhergehende Propaganda durch die IS-Filme ist mir zu wenig.
Übrigens: Das Buch enthält 24 Seiten mit Fotos von der Reise. Sie zeigen sehr authentisch die Situationen von Todenhöfer und seinem Sohn. Gerne würde ich mehr, viel mehr von diesen Bildern sehen und nicht nur diese 24 Seiten. Ich hoffe, Jürgen Todenhöfer veröffentlicht noch ein Fotobuch mit weiteren Fotografien.

Persönlicher Nachruf auf Peter Scholl-Latour

17. August 2014

Er stand für mich für eine besondere Art des Journalismus, der heute nur noch schwer zu finden ist: Peter Scholl-Latour ist tot.
Er war einer derjenigen, die mich zu meinem Beruf inspirierten, deren Berufung es war, Geschichten zu erzählen. Es gab nicht viele seiner Zunft, die so waren wie er: ganz sicher der große Peter von Zahn oder Gerd Ruge – nur um ein paar dieser Liga zu nennen.
Im Bücherregal meiner Eltern entdeckte ich sein Buch Tod im Reisfeld und damit war es um mich geschehen. So kam ich als Jugendlicher zum ersten Mal mit Indochina in Kontakt. Ich lerne eine Welt vor Vietnam kennen und war von der Erzählweise fasziniert. Es folgten weitere Bücher und mit Seinem Buch Mord am großen Fluß begriff ich erst, was die Entkolonialisierung von Afrika hieß. Peter Scholl-Latour erklärte mir die Welt und ich war ein begieriger Schüler. Noch heute hängt in meinem Arbeitszimmer ein Autogramm von ihm, für mich eine Mahnung, Geschichten zu erzählen und nicht nur KPIs zu verfolgen.
Er erklärte uns Deutschen den Islam und ich kann verstehen, dass viele die besserwissende Person Peter Scholl-Latour ablehnten. Ich nicht. Ich genoss es, wenn der alte, knorrige Haudegen die neue Reportergeneration auseinandernahm und sie runterputzte. Je älter er wurde, desto störrischer wurde er und sicherlich vergriff er sich das eine oder andere Mal in seiner Wortwahl, wenn es in der Diskussion heiß her ging. Peter Scholl-Latour teilte aus und verfügte über ein tiefes Fachwissen.

Und es war nicht nur ein Wissen aus Büchern, nein Peter Scholl-Latour sprach mit den Leuten. Er ging raus und recherchierte, holte kontroverse Meinungen ein und verarbeitete sie in seinen Artikeln, Büchern und Filmen.
Mit den modernen Strukturen scheiterte er allerdings und ich meine damit nicht soziale Medien. Ich meine damit die Strukturen der Verlagswelt. Als Chefredakteur des Stern musste er sich um Verwaltung und Auflagenzahlen kümmern – das war nicht seine Welt. Er kam aus einer Welt des Geschichtenerzählens und das ist für mich seine Kunst. Dafür und für manches andere werde ich den großen Mann des Journalismus in Erinnerung behalten. Und wenn ich im Arbeitszimmer sitze, das Autogramm von Peter Scholl-Latour sehe, dann weiß ich, warum ich diesen Beruf gewählt habe.

 

Peter Scholl-Latour: Nachträglich alles Gute zum 90.

15. März 2014

Im Grunde ist er heute ein störrischer alter Mann, aber ich bin immernoch ein Fan von ihm. Ich meine den Journalisten Peter Scholl-Latour, der vor kurzem seinen 90. Geburtstag feierte. Er war mit seinen Büchern jemand, der mir den Beruf Journalist schmackhaft gemacht hat.

Im Wohnzimmer meiner Eltern lag eines Tages die Ausgabe seinen Klassikers Der Tod im Reisfeld herum. Als Jugendlicher habe ich den Vietnam-Krieg mitbekommen, aber von Indochina wusste ich eigentlich nichts. Das änderte sich, als ich das Buch von Scholl-Latour zu lesen begann. Es fesselte mich und schlagartig war ich ein Fan dieses Mannes.

Ich habe ein Autogramm von dem jungen Peter Scholl-Latour im Arbeitszimmer.

Ich habe ein Autogramm von dem jungen Peter Scholl-Latour im Arbeitszimmer.

Ich kaufte mir weitere Bücher, war begeistert über die Afrika-Bücher wie Mord am großen Fluß und merkte auch, dass er zeitweise sogar Chefredakteur vom Stern war – nach der Hitler Tagebücheraffäre. Aber Scholl-Latour war wohl weniger der Blattmacher und Verwalter, sondern vielmehr aktiver Journalist und warf beim Stern hin. Als die islamische Revolution stattfand, sah ich ihn immer wieder im Interview mit Ayatollah Khomein. Ich sagte immer meinen Kollegen: Schaut mal, der Typ geht raus und kennt die Leute. Er redigiert nicht nur dpa und ap, sondern schafft Nachrichten und Reportagen. Diese Art von Geschichten liebe ich und finde es einen großartigen Journalismus: Raus zu den Leuten und Augen auf.

Und das ist sicherlich eine der Stärken von Peter Scholl-Latour. Er geht raus und spricht mit Menschen. So bekommen seine Artikel, Bücher und Filme natürlich eine subjektive Sichtweise, die andere ihm natürlich vorwerfen. Aber damit steht er für mich in der Tradition von Peter von Zahn oder Gerd Ruge, die ich beide auch sehr bewundere. Heute wird Reportage-Journalismus nicht mehr bezahlt. Billig muss es heute sein, aber ich glaube, ein junger Scholl-Latour wäre ein starker Blogger geworden.

Im heutigen Medienzeitalter ist Peter Scholl-Latour wahrscheinlich überfordert. Seine Welt ist nicht Google und Blogs, Tags und SEO. Er muss sich aber mit 90. Jahren nicht mehr beweisen. Obwohl ich gerne einen Scholl-Latour des 21. Jahrhunderts begegnen würde.

Immer wieder sehe ich ihn im Fernsehen bei Talkshows, wo er junge Grünschnäbel die Leviten liest. Mir gefällt sein barscher Ton, wenn er dem Moderator über den Mund fährt oder von alten Zeiten schwadroiniert. Der alte Mann hat heute sogar einen YouTube-Kanal und ich schau mir seine alten Sendungen gerne an. Der Scholl-Latour ist ein Original und das ist er auch mit 90 Jahren. Ich gratuliere von ganzem Herzen nachträglich.

Übertreibung mancher Massenmedien im Lego-Streit

4. April 2013
Diskussion in München bei Lego. Foto: Türkische Kulturgemeinde

Diskussion in München bei Lego. Foto: Türkische Kulturgemeinde

Wo liegt jetzt die Wahrheit bei der Berichterstattung in den Massenmedien? Fakt ist dass die türkische Kulturgemeinde in Österreich sich massiv über den Lego Bausatz Jabbas Palast aufgeregt hat. Was war da nicht alles zu lesen über Volksverhetzung, Kulturrassimus und andere schlimme Dinge. Fakt ist auch, dass Lego den Bausatz zum Jahresende 2013 aus dem Programm nehmen will. Ich bloggte über den Vorfall Ende Januar 2013.

Der Grund des Streits

Der Grund des Streits

Vertreter von Lego haben sich mit Vertretern der Kulturgemeinde getroffen, um den Fall zu diskutieren. Lego teilte mit, dass der Palast ab 2014 nicht mehr im Sortiment sein wird. Es sei, so Lego ein ganz normaler Wechsel des Sortiments. Star Wars-Produkte haben eine Dauer bei Lego zwischen einem und drei Jahren, dann werden sie aus dem Sortiment genommen und vielleicht später wieder in neuer Form aufgelegt. Das war so mit dem Tie Fighter, dem ATAT, den Sternenzerstörern, der Wüstenraupe und auch beim Falken. Der Palast war seit 2012 in überarbeiteter Form im Lego-Programm.

Und was machen die Massenmedien daraus? Lego habe sich dem Druck der Kulturgemeinde gebeugt? Der Stern meint: Ärger um „Jabba’s Palace“: Das Lego-Imperium gibt sich geschlagen. Die Online-Plattform Nordbayern schreibt: Nach Rassismusvorwürfen: Lego reißt Jabbas Palast ab und viele mehr. Focus titelt: „Volksverhetzender“ Lego-Bausatz vor dem Aus. Blödsinn, sage ich. Ich kann diese Übertreibungen der Massenmedien nicht mehr hören bzw. lesen. Lego stellt klar: „A few media have reported that the product is being discontinued due to the mentioned criticism. This is, however, not correct.“

Und natürlich setzt die Kulturgemeinde noch eines oben drauf, in dem sie den Sortimentswechsel kommentiert: „Wir bedanken uns und gratulieren Lego zur Entscheidung, ab 2014 den Lego Star Wars-Bausatz Jabbas Palace nicht mehr zu produzieren und aus dem Produktwerbekatalog zu nehmen.“, so Birol Kilic, Obmann der Türkischen Kulturgemeinde in Österreich, so in einer Pressemitteilung. „Bei diesem Lego Spiel ist Jabba ein Bösewicht, der orientalische Wasserpfeife raucht und eine Prinzessin als Bauchtänzerin in Ketten gefangen hält – das hat in den Kinderzimmern nichts verloren.“, so die Generalsekretärin der Türkischen Kulturgemeinde, Melissa Günes. Auch sein Wohnsitz erinnert an die Moschee Hagia Sophia in Istanbul. Zudem ist der Name „Al Jabbar“ im Arabischen mit „der Allmächtige“ zu übersetzen und ist einer der 99 Namen für Allah im Koran. Im Hebräischen wird dieses Wort mit „Lob“ übersetzt, so die Pressemitteilung weiter.

Upps. im Film ist der Palast noch zu sehen - schnell Disney angreifen, oder?

Upps. im Film ist der Palast noch zu sehen – schnell Disney angreifen, oder?

Und was ist mit dem Film? Jabbas Palast ist weiterhin im Film, auf Video, DVD, Blu ray in der Rückkehr der Jedi Ritter zu finden? Geht die Türkischen Kulturgemeinde jetzt auch gegen Disney vor? Auf die Gespräche bin ich gespannt oder war es dann doch nur ein PR-Gag um auf sich aufmerksam zu machen?

IN GRAPHICS – mein Magazin für einen visuellen Leser

22. März 2011

Ich bin ein visueller Mensch und gebe daher unter anderem Schulungen über visuelle Präsentationen. Und ich bin ein Fan des Beobachtens. Wir als Textmenschen können von Kindern sehr viel lernen. Wer Kinder beobachtet, erfährt viel über Kommunikation.

Ein Beispiel: Ein Erwachsener beschreibt ein Projekt mit vielen Seiten Text: Analyse der Ist-Situation, Projektplan, Projektschritte usw. Seite um Seite wird so beschrieben, sauber ausformuliert und dem Partner geschickt. Der muss das ganze Werk lesen und sein Gehirn läuft dabei auf Hochtouren. Versteht er die sprachlichen Bilder? Kommt er mit den Formulierungen klar?

Und wie machen es Kinder? Sie malen Bilder, die visualisieren ihre Ideen und verarbeiten so ihre Eindrücke – und die anderen Kinder verstehen die Ideen, weil sie Fantasie haben. Wenn Kinder etwas erklären wollen, dann visualisieren sie es. Das ist der Kernsatz.

Und hier kommen wir zu Infografiken. Beim Surfen bin ich auf das Magazin „IN GRAPHICS“ gestoßen und muss sagen genial. Mein Bilderbuch für die Info-Gesellschaft. Der Herausgeber Golden Section Graphics veröffentlichte im Dezember 2010 ein unabhängiges Magazin mit dem Titel „IN GRAPHICS“. Es erscheint zwei mal im Jahr und widmet sich auf 92 werbefreien Seiten Themen aus Politik, Wirtschaft, Kultur und Unterhaltung – ausschließlich in grafischer Form. Das ist der Hammer, wie gut hier Politik visualisiert wird, ohne viel Text Blabla und bedeutungsschwangeren Worten.

Jan Schwochow, Herausgeber und Chefredakteur von „IN GRAPHICS“, Geschäftsführer von Golden Section Graphics und ehemals Ressortleiter Infografik beim Magazin STERN, hatte die Idee zu einer Zeitschrift, die nur aus Grafiken besteht. So entstand ein Magazin für visuelle Menschen, ohne lange Texte und große Bildstrecken. In mir hat das Magazin einen Fan und ich kaufe mir das Teil für 22 Euro. Das ist mir meine Inspiration wert und außerdem ist es ein geniales Demonstrationsobjekt, wie sich Information im 21. Jahrhundert darstellen kann. Ich bin gespannt, wo es mit IN GRAPHICS hingeht. Im Team von Golden Section Graphics arbeiten auch 3D-Artists. Wie entwickeln sich Illustrationen, wenn 3D verstärkt in Print einzieht oder wenn es auf dem iPad übersetzt wird? Das wird spannend und es wird ein neuer Markt für Grafiker, die jetzt nur mit Illustrator und Photoshop ihre Pixel verschieben.

Verdienste: Friseure holen stark auf

2. Februar 2010
Friseure gehören traditionell nicht gerade zu den Spitzenverdienern. Dennoch: Wer in seinem Job gut ist, seinen Meister macht und sogar einen eigenen Salon gründet, hat gute Chancen, ein sehr gutes Einkommen zu erwirtschaften.
Und auch die Gesellen im Friseurhandwerk stehen gar nicht so schlecht da, wenn man genau hinschaut. Um 23 Prozent sind die Bruttoverdienste im Friseurhandwerk, bereinigt um die jährliche Preissteigerungsrate, von 1990 bis 2008 gestiegen. Dies ergab eine Untersuchung des Hamburger Institutes Statista, der Hans-Böckler-Stiftung des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB) und des Statistischen Bundesamtes, die der Stern in Auftrag gegeben hat. Friseure überflügeln damit vergleichbare Berufe, die zum Teil mit erheblichen Minuszahlen aufwarten. 2008 lagen die Verdienste der Friseurinnen und Friseure im Durchschnitt bei 2.510 Euro. Vielleicht sollte man öfters mal genau nachlesen, bevor man immer wieder diese Berufsgruppe wegen ihres Gehalt belächelt.

Eine „Zukunft der Zeitung“ am iPhone Teil 2

4. März 2009

stern

Im August 2008 habe ich etwas von der „Zukunft der Zeitung“ am iPhone geschrieben, als ich die Schweizer Applikation „20 Minuten“ nutzte. Dies kann eine moderne Form des eBooks sein. Endlich kommen auch deutsche Medien auf den Trichter. Den Start macht der „Stern“ mit einer eigenen kostenlosen Applikation.

Grundsätzlich begrüße ich diesen Weg, denn ich habe mir zwar einen Sony Reader gekauft, doch der ganz große Wurf ist es nicht. Da gefällt mir das iPhone schon besser und es ist wohl der richtige Weg.

Der Stern will mit auf diesem Weg dabei sein, doch allerdings hat die Stern-Software noch ihre Macken. Zuerst einmal die Fakten, dann das Gemeckere. Die Applikation speichert die Inhalte auf Wunsch auf dem iPhone. So kann man im Büro die Artikel aufs iPhone laden, die einen interessieren und sie später dann in der U-Bahn oder im Bergwerk, wo es keine Online-Verbindung gibt, in Ruhe lesen.

Jetzt das Gemeckere: Leider sind noch ein paar Fehler bei der Darstellung einzelner Artikel zu kritisieren. Hier muss das Entwicklerteam die Bugs beseitigen und zwar schnell, sonst verliere ich die Lust aufs Testen. Tippe ich eine Überschrift an, baut sich zwar der Artikel mit der Überschrift auf – aber leider ohne Text. Das mache ich ein-, zweimal, dann lösche ich die App. Vielleicht ist es auch kein Fehler der Software, sondern ein Fehler der Stern-Redaktion, die in ihrem CMS einen Haken zum Setzen vergessen haben. Ist auch mir als Kunde egal. Es geht nicht und das stört mich.

Nette Idee ist auch, das Fotos der umfangreichen Stern-Galerien geladen werden. Nicht erschrecken, beim ersten Laden kommen über 1000 Fotos aufs iPhone. Rums, das dauert auch über WLAN seine Zeit.