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Retrobörse Rosenheim: Wo alte Spiele wieder Kindheit werden

27. April 2026

Das Groschengrab war in Rosenheim. Die Retrobörse für klassische Videospiele und natürlich war ich mit dabei.
Der Reiz von Retrobörsen für Videospiele liegt vor allem in der Mischung aus Nostalgie, Sammelleidenschaft und Gemeinschaft. Viele Besucher suchen dort nicht nur alte Spiele oder Konsolen, sondern Erinnerungen: das erste Game-Boy-Spiel, den Super Nintendo aus der Kindheit, ein bestimmtes Cover, einen Sound, ein Spielgefühl, das moderne Downloads kaum ersetzen können. Ich war auf der Suche nach Atari 2600- und PSP-Spielen.

Dazu kommt der Jagdtrieb. Auf Retrobörsen kann man stöbern, vergleichen, handeln und vielleicht genau das seltene Modul finden, das online entweder zu teuer ist oder nur auf Fotos existiert. Der physische Moment spielt eine große Rolle: Hülle in die Hand nehmen, Anleitung durchblättern, Zustand prüfen, mit Händlern sprechen. Die Preise in Rosenheim waren zivil bis exorbitant. Und ich stellte fest: Vieles hab ich schon im Archiv und bin stolz darauf.

Wichtig ist auch die Szene selbst. Retrobörsen sind Treffpunkte für Menschen, die dieselbe Leidenschaft teilen – Sammler, Spieler, Technikbastler, Nostalgiker. Man tauscht Tipps aus, spricht über alte Konsolen, erfährt etwas über Reparaturen, Umbauten oder regionale Besonderheiten. Dadurch wird aus dem Einkauf ein Erlebnis.

Und schließlich haben alte Videospiele einen kulturellen Wert. Sie zeigen, wie sich Technik, Grafik, Design und Erzählweisen entwickelt haben. Eine Retrobörse ist deshalb auch ein kleines Stück Popkultur-Geschichte zum Anfassen. Hier ein paar Eindrücke von der Veranstaltung.

Ich habe auf der Retrobörse Rosenheim mit Andy Brenner gesprochen, dem Organisator der Veranstaltung. Brenner zeigte sich mit dem Verlauf sehr zufrieden: Nach seinem ersten Eindruck sei die Börse in diesem Jahr wohl die besucherstärkste Ausgabe der vergangenen Jahre in dieser Location gewesen. Wie bei solchen Veranstaltungen üblich, sei der größte Andrang vor allem am Vormittag zu spüren gewesen. Nach 13 Uhr hätten viele Besucher ihre „große Beute“ bereits gemacht und seien zum Essen gegangen oder hätten die Börse verlassen. Gegen Ende kämen erfahrungsgemäß noch einmal einige Schnäppchenjäger.

Der Reiz von Retro-Games liegt für Brenner vor allem in der Erinnerung an frühere Zeiten. Viele Sammler verbänden mit den alten Spielen persönliche Erinnerungen an ihre Jugend. Früher habe man sich vieles nicht leisten können, heute könne man es kaufen – auch wenn es dann oft eher gesammelt als tatsächlich gespielt werde. Retro-Gaming sei eine eigene Szene mit sehr leidenschaftlichen Sammlern, von denen manche sogar komplette Spielesammlungen besitzen. Brenner selbst ist seit vielen Jahren in der Szene aktiv und organisiert die Börse bereits seit rund 15 Jahren. Anfangs habe er als Veranstalter noch die Gelegenheit genutzt, vorab nach besonderen Stücken zu suchen, inzwischen habe er die meisten Dinge, die er selbst haben wollte.

Sein persönlicher Einstieg in die Welt der Computer und Spiele war der Commodore 64, später folgten der Amiga, der PC und zahlreiche Konsolen wie PlayStation und Super Nintendo. Viele Geräte besitzt er bis heute, auch wenn sie inzwischen meist gut verstaut oder präsentiert im Regal stehen. Gespielt werde deutlich weniger als früher, weil im Alltag oft die Zeit fehle. Trotzdem gehe es für viele Sammler darum, die Originale zu besitzen. Gerade das Spielen auf echter Hardware, mit Originalmodul, Controller und Röhrenmonitor, sei ein besonderes Gefühl, das sich von moderner Emulation unterscheide.

Auch das Publikum der Retrobörse ist laut Brenner international geprägt. Neben vielen bayerischen Besuchern kämen regelmäßig zahlreiche Gäste aus Österreich nach Rosenheim. Die Börsen in Rosenheim und Wien seien eng miteinander verbunden, auch terminlich lägen sie weit genug auseinander. Brenner schätzt, dass das Publikum inzwischen fast zur Hälfte aus Deutschland und Österreich besteht.

Ein besonderes Herz hat Brenner für Pixelgrafik. Mit dem Wechsel zu frühen 3D-Grafiken, etwa beim Nintendo 64, habe er persönlich weniger anfangen können. Ihn faszinieren vor allem klassische, handgemachte Pixelanimationen, etwa bei Spielen wie Metal Slug auf dem Neo Geo. Moderne Spiele spiele er zwar auch gelegentlich, vor allem Rennspiele wegen der beeindruckenden Grafik, doch viele aktuelle Shooter und große 3D-Titel seien an ihm eher vorbeigegangen. Mobile Gaming spielte für ihn persönlich ebenfalls keine große Rolle. Zwar besitzt er Geräte wie Game Boy und Game Boy Advance, genutzt habe er sie aber kaum. Unterwegs habe er früher eher Musik gehört, gelesen oder Zeit mit Freunden verbracht.

VR sieht Brenner nicht als zentrales Thema des Retro-Gamings. Er habe Virtual Reality zwar ausprobiert, etwa mit der PlayStation, vertrage es aber selbst nicht besonders gut und bekomme davon Kopfschmerzen. Die technischen Möglichkeiten seien zwar spannend, für ihn persönlich habe VR jedoch wenig mit Retro-Gaming zu tun. Kritisch sieht er die teils stark gestiegenen Preise in der Sammlerszene. Manche Spiele in gutem Zustand oder mit Originalverpackung seien inzwischen extrem teuer. Für ihn selbst kämen solche Preise nicht infrage, aber es gebe Sammler, die bereit seien, für fehlende Stücke in ihrer Sammlung hohe Summen auszugeben. Letztlich regelten Angebot und Nachfrage den Markt.

Neben Spielen und Konsolen spielen für Brenner auch Magazine und gedruckte Hefte eine wichtige Rolle. Gerade das Blättern, die Haptik und das Gefühl eines echten Magazins seien durch digitale Medien nicht zu ersetzen. Aus der großen deutschsprachigen Facebook-Gruppe „Amiga Germany“ sei deshalb ein eigenes Magazin entstanden, das inzwischen seit mehreren Jahren erscheint. Die Auflage sei regelmäßig ausverkauft, mit rund 700 Abonnenten. Besonders in der Amiga-Szene gebe es dafür eine treue Zielgruppe.

Als persönliches Lieblingsspiel nennt Brenner ohne Zögern OutRun. Schon in den 1980er-Jahren habe er das Spiel in der Spielhalle gespielt, unter anderem in Italien. Auch später auf der Xbox sei OutRun für ihn eines der meistgespielten Spiele geblieben. Die Retrobörse Rosenheim soll auch 2027 wieder stattfinden. Einen genauen Termin gibt es laut Brenner noch nicht, da Überschneidungen mit anderen Veranstaltungen geprüft werden müssen. Informationen dazu sollen rechtzeitig über die Facebook-Seite der Retrobörse bekanntgegeben werden.

Gedanken zum Zugunglück in Bad Aibling

29. März 2016

Auf der Zugstrecke Holzkirchen Rosenheim kam es zu dem schrecklichen Unglück am 8. Februar 2016.

Auf der Zugstrecke Holzkirchen Rosenheim kam es zu dem schrecklichen Unglück am 8. Februar 2016.

Als Zugfahrer hatte ich ein schlechtes Gefühl als ich die Zugstrecke Holzkirchen Rosenheim gefahren bin. Ich musste für zwei Seminare in die Gegend und nutzte wie meist die Bahn als Transportmittel. Ich bin ein überzeugter Bahnfahrer aus mehreren Gründen. Ich kam auch an der Stelle in Bad Aibling vorbei, an der am 9. Februar das schreckliche Zugunglück mit elf Toten und 85 Verletzten geschah.
Heute höre ich, dass nach Angaben der bayerischen Landesregierung das Unglück auf einen doppelten Irrtum des Fahrdienstleiters zurückzuführen sei. Sofort kamen mir meine Erinnerungen wieder in den Sinn.
Natürlich, ein Unglück kann jederzeit passieren. Ich machte mir auf meiner Bahnfahrt in Bad Aibling die Geschehnisse bewusst. In Rosenheim und in Bad Aibling sah ich die Kerzen, Kränze und Blumensträuße, die an das schreckliche Unglück erinnern. An einem Zeitungsstand und einer Gaststätte hatten beherzte Menschen diese Erinnerungen aufgestellt.

Erinnerungen in Rosenheim ...

Erinnerungen in Rosenheim …

... und in Bad Aibling.

… und in Bad Aibling.

Im Zug, einen Meridian, dachte ich über die Geschehnisse des 9. Februars nach. Als mein Zug die Unglücksstelle auf dem einspurigen Gleis passierte, wurde ich still, stellte die Musik ab und meine Gedanken kreisten um die Opfer und deren Familien. Im Zug war es auch still – ich weiß nicht, ob es wegen der Unglücksstelle war oder es andere Gründe hatte. Es war eine ruhige Atmosphäre im Zug. Zumeist waren Pendler im Meridian, die zur Arbeit oder zu Schulen fuhren. Die meisten schauten still auf, andere blieben versunken in ihr Smartphone, Buch oder Zeitung. Unsere Blicke kreuzten sich und wir wussten, was sich an diesem Ort ereignet hatte.

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Als ich wieder stabilen Handyempfang hatte, schaute ich mir in YouTube ein Video vom Unglück an. Ein Reisender im Zug hatte ein Handyvideo gleich nach dem Unglück gedreht und online gestellt. Verletzte, Blut, zerborstene Waggons, verbogene Standen, herausgerissene Sitze waren zu sehen, Schreie und Wimmern und Weinen zu hören – die Leute hatten Angst. Schreckliche Szenen. Ich schaute immer wieder auf und verglich das schreckliche Video mit meiner Situation im Zug.

Quelle: Wikipedia

Quelle: Wikipedia

Und ich dachte an die zahlreichen ehrenamtlichen Hefter, die an den Unglücksort geeilt sind, um zu helfen, zu retten und zu bergen. Danke an diese Menschen, die sich für andere einsetzen und sich bei den Rettungskräften engagieren. Ich habe einen Bekannten, der in Bad Aibling dabei war und tatkräftig half.
Es war eine nachdenkliche Stimmung. Wie ich höre, waren die Unglückszüge technisch völlig in Ordnung, inklusive der Bremsen. Alle technischen Defekte sind ausgeschlossen. Es war wohl menschliches Versagen.