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Sony schafft die Disc ab – und nennt den Verlust unserer Freiheit „Fortschritt“

1. September 2026

Sony hat entschieden: Ab Januar 2028 sollen neue PlayStation-Spiele nicht mehr auf Disc erscheinen. Schluss mit dem Datenträger, Schluss mit der Verpackung im Regal, Schluss mit einem Stück Besitzkultur. Stattdessen Download, Account und Abhängigkeit. Sony verkauft uns das allen Ernstes als Anpassung an die Wünsche der Kunden. Ich nenne es etwas anderes: eine bemerkenswert dreiste Form der Entmündigung. Und nein, den Nachfolger der PS5 werde ich nicht kaufen, dazu sind Spiele ein zu wichtiges Kulturgut, um es den Erbsenzählern von Sony zu überlassen.

Natürlich kaufen immer mehr Menschen ihre Spiele digital. Aber daraus abzuleiten, dass deshalb niemand mehr eine Disc bekommen soll, ist absurd. Wer digital kaufen möchte, konnte das längst tun. Niemand musste zur Disc greifen. Sony beseitigt also keine überflüssige Technik – der Konzern beseitigt eine Wahlmöglichkeit.

Ab Januar 2028 will Sony die Produktion physischer Discs für sämtliche neuen PlayStation-Spiele einstellen. Bereits zuvor veröffentlichte Disc-Spiele sollen davon nicht betroffen sein. Sony begründet den Schritt offiziell mit veränderten Verbraucherpräferenzen und der Dominanz digitaler Medien.

Das eigentlich Ärgerliche ist aber, was mit der Disc ebenfalls verschwindet: Ich kann ein Spiel verleihen. Ich kann es verschenken. Ich kann es gebraucht kaufen. Ich kann es verkaufen. Ich kann auf dem Flohmarkt danach suchen. Ich kann es zwanzig Jahre ins Regal stellen und wieder hervorholen. Als Retrogamer werde ich meinem Hobby beraubt. Genau diese Freiheit ist Sony offenbar zunehmend lästig.

Denn die Disc schafft einen Gebrauchtmarkt, an dem Sony beim zweiten, dritten oder vierten Besitzer nichts mehr verdient. Ein rein digitales Ökosystem dagegen bedeutet Kontrolle: Der Kunde bewegt sich innerhalb einer Plattform, benötigt einen Account und ist stärker an die Bedingungen des Anbieters gebunden. Genau deshalb geht es hier um weit mehr als nostalgische Plastikscheiben. Es geht um die Frage, was „Kaufen“ in der digitalen Welt überhaupt noch bedeutet.

Besonders bitter wirkt die Entscheidung angesichts der Berichte aus dem Netz. Demnach soll Sony bereits vor der öffentlichen Ankündigung mit erheblichem Widerstand gerechnet haben. Eine ehemalige PlayStation-Studio-Autorin berichtet unter Berufung auf Mitarbeiter mehrerer First-Party-Studios von ungewöhnlich strengen Kommunikationsvorgaben. Eine offizielle Bestätigung dieser Aussagen gibt es allerdings nicht.

Falls diese Darstellung zutrifft, macht sie die Sache noch unsympathischer. Dann hätte Sony sehr genau gewusst, wie sensibel dieses Thema für einen Teil seiner Kundschaft ist – und die Entscheidung trotzdem durchgedrückt.

Und bitte erzählt mir nichts von „Fortschritt“. Ein Download ist bequem. Ich kaufe selbst digitale Inhalte und weiß ihre Vorteile zu schätzen. Aber Bequemlichkeit und Besitz sind zwei völlig unterschiedliche Dinge. Fortschritt bedeutet für mich, zusätzliche Möglichkeiten zu schaffen. Fortschritt bedeutet nicht, eine bestehende Möglichkeit abzuschaffen und anschließend zu erklären, der Kunde habe das eigentlich so gewollt.

Gerade Videospiele sind längst Kulturgut. Eine physische Veröffentlichung ist deshalb auch eine Form der Bewahrung. Server werden abgeschaltet, Shops geschlossen, Lizenzen verändert und Unternehmen verschwinden. Eine Disc im Regal existiert zunächst einmal unabhängig davon weiter. Deshalb betrifft die Debatte ebenso Sammler, Spielehistoriker und die langfristige Archivierung von Games. Auch diese Sorgen gehören ausdrücklich zu den Kritikpunkten an Sonys Entscheidung.

Das Traurigste daran: Sony gehörte einmal zu den Unternehmen, die verstanden hatten, welche emotionale Beziehung Menschen zu Medien haben. Die PlayStation war nicht nur eine Spielemaschine. Spiele wurden gesammelt, getauscht, verliehen und ins Regal gestellt. Man nahm die Verpackung in die Hand, betrachtete das Artwork und erinnerte sich Jahre später beim Blick aufs Regal an eine bestimmte Zeit seines Lebens. Nun soll daraus endgültig ein Eintrag in einer digitalen Bibliothek werden.

Nein, Sony: Ich will nicht, dass ihr für mich entscheidet, wie ich Spiele zu kaufen habe. Ich möchte selbst entscheiden, ob ich eine Disc oder einen Download kaufe.

Wenn die Mehrheit digital kaufen möchte – wunderbar. Dann wird der Markt das zeigen. Aber lasst diejenigen in Ruhe, die ihre Spiele weiterhin physisch besitzen wollen. Die Zukunft muss nicht entweder digital oder physisch sein. Sie könnte problemlos beides sein.

Sony schafft nicht die Disc ab, weil der Kunde keine Wahl mehr braucht. Sony schafft die Wahl ab. Und genau deshalb ist diese Produktpolitik ein Schlag ins Gesicht jener treuen PlayStation-Kunden, die über Jahrzehnte Milliarden in dieses Ökosystem investiert haben.

Wer seine Kunden ernst nimmt, gibt ihnen Möglichkeiten. Wer ihnen Möglichkeiten wegnimmt und das anschließend als Kundenwunsch verkauft, hat den Respekt vor ihnen verloren.

Retrobörse Rosenheim: Wo alte Spiele wieder Kindheit werden

27. April 2026

Das Groschengrab war in Rosenheim. Die Retrobörse für klassische Videospiele und natürlich war ich mit dabei.
Der Reiz von Retrobörsen für Videospiele liegt vor allem in der Mischung aus Nostalgie, Sammelleidenschaft und Gemeinschaft. Viele Besucher suchen dort nicht nur alte Spiele oder Konsolen, sondern Erinnerungen: das erste Game-Boy-Spiel, den Super Nintendo aus der Kindheit, ein bestimmtes Cover, einen Sound, ein Spielgefühl, das moderne Downloads kaum ersetzen können. Ich war auf der Suche nach Atari 2600- und PSP-Spielen.

Dazu kommt der Jagdtrieb. Auf Retrobörsen kann man stöbern, vergleichen, handeln und vielleicht genau das seltene Modul finden, das online entweder zu teuer ist oder nur auf Fotos existiert. Der physische Moment spielt eine große Rolle: Hülle in die Hand nehmen, Anleitung durchblättern, Zustand prüfen, mit Händlern sprechen. Die Preise in Rosenheim waren zivil bis exorbitant. Und ich stellte fest: Vieles hab ich schon im Archiv und bin stolz darauf.

Wichtig ist auch die Szene selbst. Retrobörsen sind Treffpunkte für Menschen, die dieselbe Leidenschaft teilen – Sammler, Spieler, Technikbastler, Nostalgiker. Man tauscht Tipps aus, spricht über alte Konsolen, erfährt etwas über Reparaturen, Umbauten oder regionale Besonderheiten. Dadurch wird aus dem Einkauf ein Erlebnis.

Und schließlich haben alte Videospiele einen kulturellen Wert. Sie zeigen, wie sich Technik, Grafik, Design und Erzählweisen entwickelt haben. Eine Retrobörse ist deshalb auch ein kleines Stück Popkultur-Geschichte zum Anfassen. Hier ein paar Eindrücke von der Veranstaltung.

Ich habe auf der Retrobörse Rosenheim mit Andy Brenner gesprochen, dem Organisator der Veranstaltung. Brenner zeigte sich mit dem Verlauf sehr zufrieden: Nach seinem ersten Eindruck sei die Börse in diesem Jahr wohl die besucherstärkste Ausgabe der vergangenen Jahre in dieser Location gewesen. Wie bei solchen Veranstaltungen üblich, sei der größte Andrang vor allem am Vormittag zu spüren gewesen. Nach 13 Uhr hätten viele Besucher ihre „große Beute“ bereits gemacht und seien zum Essen gegangen oder hätten die Börse verlassen. Gegen Ende kämen erfahrungsgemäß noch einmal einige Schnäppchenjäger.

Der Reiz von Retro-Games liegt für Brenner vor allem in der Erinnerung an frühere Zeiten. Viele Sammler verbänden mit den alten Spielen persönliche Erinnerungen an ihre Jugend. Früher habe man sich vieles nicht leisten können, heute könne man es kaufen – auch wenn es dann oft eher gesammelt als tatsächlich gespielt werde. Retro-Gaming sei eine eigene Szene mit sehr leidenschaftlichen Sammlern, von denen manche sogar komplette Spielesammlungen besitzen. Brenner selbst ist seit vielen Jahren in der Szene aktiv und organisiert die Börse bereits seit rund 15 Jahren. Anfangs habe er als Veranstalter noch die Gelegenheit genutzt, vorab nach besonderen Stücken zu suchen, inzwischen habe er die meisten Dinge, die er selbst haben wollte.

Sein persönlicher Einstieg in die Welt der Computer und Spiele war der Commodore 64, später folgten der Amiga, der PC und zahlreiche Konsolen wie PlayStation und Super Nintendo. Viele Geräte besitzt er bis heute, auch wenn sie inzwischen meist gut verstaut oder präsentiert im Regal stehen. Gespielt werde deutlich weniger als früher, weil im Alltag oft die Zeit fehle. Trotzdem gehe es für viele Sammler darum, die Originale zu besitzen. Gerade das Spielen auf echter Hardware, mit Originalmodul, Controller und Röhrenmonitor, sei ein besonderes Gefühl, das sich von moderner Emulation unterscheide.

Auch das Publikum der Retrobörse ist laut Brenner international geprägt. Neben vielen bayerischen Besuchern kämen regelmäßig zahlreiche Gäste aus Österreich nach Rosenheim. Die Börsen in Rosenheim und Wien seien eng miteinander verbunden, auch terminlich lägen sie weit genug auseinander. Brenner schätzt, dass das Publikum inzwischen fast zur Hälfte aus Deutschland und Österreich besteht.

Ein besonderes Herz hat Brenner für Pixelgrafik. Mit dem Wechsel zu frühen 3D-Grafiken, etwa beim Nintendo 64, habe er persönlich weniger anfangen können. Ihn faszinieren vor allem klassische, handgemachte Pixelanimationen, etwa bei Spielen wie Metal Slug auf dem Neo Geo. Moderne Spiele spiele er zwar auch gelegentlich, vor allem Rennspiele wegen der beeindruckenden Grafik, doch viele aktuelle Shooter und große 3D-Titel seien an ihm eher vorbeigegangen. Mobile Gaming spielte für ihn persönlich ebenfalls keine große Rolle. Zwar besitzt er Geräte wie Game Boy und Game Boy Advance, genutzt habe er sie aber kaum. Unterwegs habe er früher eher Musik gehört, gelesen oder Zeit mit Freunden verbracht.

VR sieht Brenner nicht als zentrales Thema des Retro-Gamings. Er habe Virtual Reality zwar ausprobiert, etwa mit der PlayStation, vertrage es aber selbst nicht besonders gut und bekomme davon Kopfschmerzen. Die technischen Möglichkeiten seien zwar spannend, für ihn persönlich habe VR jedoch wenig mit Retro-Gaming zu tun. Kritisch sieht er die teils stark gestiegenen Preise in der Sammlerszene. Manche Spiele in gutem Zustand oder mit Originalverpackung seien inzwischen extrem teuer. Für ihn selbst kämen solche Preise nicht infrage, aber es gebe Sammler, die bereit seien, für fehlende Stücke in ihrer Sammlung hohe Summen auszugeben. Letztlich regelten Angebot und Nachfrage den Markt.

Neben Spielen und Konsolen spielen für Brenner auch Magazine und gedruckte Hefte eine wichtige Rolle. Gerade das Blättern, die Haptik und das Gefühl eines echten Magazins seien durch digitale Medien nicht zu ersetzen. Aus der großen deutschsprachigen Facebook-Gruppe „Amiga Germany“ sei deshalb ein eigenes Magazin entstanden, das inzwischen seit mehreren Jahren erscheint. Die Auflage sei regelmäßig ausverkauft, mit rund 700 Abonnenten. Besonders in der Amiga-Szene gebe es dafür eine treue Zielgruppe.

Als persönliches Lieblingsspiel nennt Brenner ohne Zögern OutRun. Schon in den 1980er-Jahren habe er das Spiel in der Spielhalle gespielt, unter anderem in Italien. Auch später auf der Xbox sei OutRun für ihn eines der meistgespielten Spiele geblieben. Die Retrobörse Rosenheim soll auch 2027 wieder stattfinden. Einen genauen Termin gibt es laut Brenner noch nicht, da Überschneidungen mit anderen Veranstaltungen geprüft werden müssen. Informationen dazu sollen rechtzeitig über die Facebook-Seite der Retrobörse bekanntgegeben werden.