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Zwischen Pixelträumen und Sammelleidenschaft – warum mein Herz für Retro-Games schlägt

4. Juni 2025

Zum Missfallen meiner geliebten Frau bin ich ein Retrogamer und liebe alte Spielkonsolen. Meinen Sohn habe ich mit dem Hobby angesteckt und so manches Mal zocken wir zusammen. Aber nicht nur alte 8-Bit-Geräte stehen bei uns hoch im Kurs, sondern natürlich auf die Next-Gen-Konsolen wie PS5 oder Switch 2, die morgen wohl bei uns eintreffen wird.

Und wir brauchen Spielenachschub. Da gibt es natürlich die entsprechenden Online-Plattformen, aber ich gehe auch gerne auf Börsen, Flohmärkte und auch in Ladengeschäfte. In München mag ich FUNtainment in der Landwehrstraße und jetzt hat in Augsburg in der City-Galerie Figuya X Konsolenkost eröffnet. Für mich natürlich ein Grund mal wieder in die Fuggerstadt zu fahren. Figuya X Konsolenkost wird weitere Ex-GameStop übernehmen.

Ich finde die Entwicklung interessant, denn es gibt wohl einen kaufkräftigen Markt. Figuya X Konsolenkost ist ein neues, gemeinsames Retail-Projekt der beiden etablierten Online-Händler Figuya und Konsolenkost, das im Mai 2025 mit der Eröffnung seines ersten Ladengeschäfts in der City-Galerie Augsburg an den Start ging. Die Kooperation entstand nach dem vollständigen Rückzug von GameStop aus Deutschland, wobei Figuya X Konsolenkost gezielt ehemalige GameStop-Flächen übernimmt, um diese mit einem neuen Store-Konzept neu zu beleben.

Das Konzept der neuen Filialen vereint die Welten von Gaming und Anime unter einem Dach. Das Sortiment ist dabei zu gleichen Teilen aufgeteilt: Eine Hälfte besteht aus aktuellen Videospielen und Retro-Klassikern, die andere Hälfte aus Anime-Figuren, Trading Cards und japanischer Popkultur. Figuren sind nur zum Teil mein Fall, da sind meine Kinder mehr am Start. Ich sammle als Giger-Fan in der Regel nur Alien-Figuren.

Natürlich lassen sich über die Preise der angebotenen Retro-Games diskutieren. Ich habe bei Games für die PS Vita zugegriffen. Leider gab es (noch) keine Spiele für mein geliebtes Atari 2600. Leider hatte ich nicht soviel Zeit bei meinem ersten Besuch im Augsburger Laden und es verging viel Zeit mit Schlangestehen, weil der Andrang enorm war und vor dem Geschäft sich eine Schlange gebildet hatte. Das wird sich sicherlich bei meinen nächsten Besuch eingespielt haben. Aber es freut mich, dass das Konzept angenommen wird.

Damit richtet sich das Angebot sowohl an Gaming-Fans als auch an Liebhaber von Anime und japanischem Lifestyle. Ziel ist es, einen Treffpunkt für zwei verwandte Fan-Welten zu schaffen, an dem Sammelleidenschaft und Community im Mittelpunkt stehen.

Ein zentrales Element des Geschäftsmodells ist das bekannte Trade-In-System: Kunden können nicht nur gebrauchte Konsolen, Spiele und Zubehör, sondern erstmals auch Anime-Figuren und sogar defekte Geräte zum Verkauf anbieten. Die angekauften Produkte werden von einem spezialisierten Team sorgfältig geprüft, aufbereitet und wieder in den Verkauf gebracht. Besonders gefragt sind dabei seltene Sammlerstücke wie Pokémon-Spiele, Zelda-Editionen oder spezielle Game-Boy-Modelle. Nachhaltigkeit und die Wertschätzung alter Schätze stehen im Vordergrund.

Figuya X Konsolenkost positioniert sich damit als lebendiger Begegnungsort für die Community, der sowohl Nostalgie als auch aktuelle Trends aufgreift. Nach der Eröffnung des ersten Stores in Augsburg sind weitere Filialen in deutschen Innenstädten geplant, um so die Lücke zu füllen, die GameStop hinterlassen hat, und neue Impulse für die Gaming- und Anime-Szene zu setzen.

William Turner – der Meister des Lichts

24. April 2025

Ich bin einen Tag zu spät dran, aber gratuliere dem großen englischen Maler zum Geburtstag am 23. April 1775. Dankbar, sehr dankbar bin ich, dass ich viele der Turner-Bilder in der Münchner Ausstellung im Lenbachhaus sehen konnte. Die Bilder haben einen großen Eindruck auf mich gemacht.

William Turner (1775–1851), oft als „Meister des Lichts“ bezeichnet, zählt für mich zu den größten und einflussreichsten Malern der britischen Kunstgeschichte. Mit seiner visionären Bildsprache, seiner fast modernen Abstraktion und seinem tiefen Gespür für Atmosphäre und Naturgewalt hat er die Landschaftsmalerei revolutioniert – und die Tür zur Moderne weit aufgestoßen. Hier ein schneller Rundgang durch die Ausstellung.

Geboren 1775 in London, begann Turner bereits früh mit dem Zeichnen. Schon als Jugendlicher wurde sein außergewöhnliches Talent erkannt. Er wurde Mitglied der Royal Academy, stellte mit 15 Jahren erstmals aus – und entwickelte sich rasch zu einem Künstler von großer Anerkennung. Doch statt sich auf akademische Konventionen zu verlassen, begann Turner, mit Farbe, Licht und Form zu experimentieren.

Viele seiner Bilder sind der Allgemeinheit bekannt, spätestens durch James Bond- Seine Werke wie „Das brennende Kriegsschiff Temeraire“, „Regen, Dampf und Geschwindigkeit“ oder „Schneesturm – Dampfer vor der Hafeneinfahrt“ sind keine bloßen Abbilder der Wirklichkeit, sondern emotionale Verdichtungen, in denen Naturkräfte wie Wind, Wasser, Licht und Feuer zu fast metaphysischen Erlebnissen werden. Turner malte nicht, was er sah, sondern was er empfand, wenn er es sah – und genau darin liegt seine Modernität.

In einer Zeit, in der Realismus und Detailtreue hoch geschätzt wurden, wagte Turner einen radikalen Schritt: Seine späten Werke lösen sich zunehmend von der Form, hin zu einem reinen Farb- und Lichtspiel. Damit wurde er zu einem direkten Vorläufer des Impressionismus – Claude Monet verehrte ihn, und viele Moderne sahen in ihm einen Pionier.

Doch Turners Werk ist nicht nur technisch und stilistisch bedeutend, sondern auch philosophisch tiefgründig. In seinen Gemälden schwingt stets ein Nachdenken über Vergänglichkeit, Naturgewalt und die Stellung des Menschen im Kosmos mit. Der Mensch erscheint bei ihm oft klein, fast verloren – eingebettet in eine Welt, die größer, älter und mächtiger ist als er selbst.
William Turner starb 1851 in London. Er hinterließ der britischen Nation einen Großteil seiner Werke – als Vermächtnis für kommende Generationen. Bis heute berühren seine Bilder nicht nur das Auge, sondern auch das Herz. Sie sind wild, poetisch, radikal – und in ihrer Zeit weit voraus. Ein Genie, das seiner Epoche entglitt und die Zukunft der Malerei vorausahnte.

Lee Millers Sohn Anthony Penrose über die emotionale Kraft von „Die Fotografin“ im Amerika-Haus München

22. April 2025

Die Fotografin ist weit mehr als ein klassisches Biopic. Der Film zeichnet das bewegende Porträt einer außergewöhnlichen Frau – Lee Miller –, die als Kriegsfotografin, Künstlerin und Kämpferin gegen das Vergessen in die Geschichte einging. Im Amerika-Haus München fand vor kurzem eine Vorführung des Films statt. Anthony Penrose, der Sohn der berühmten Kriegsfotografin, wurde live zu einem Filmgespräch zugeschaltet.

Mit großer Sensibilität und visueller Kraft erzählt der Film nicht nur von den historischen Ereignissen, die Miller dokumentierte, sondern auch von den inneren Narben, die sie davontrug. Kate Winslet verkörpert die widersprüchliche, brillante und verletzliche Lee Miller mit beeindruckender Tiefe und Authentizität.

Im Amerika-Haus ist noch bis 31. Juli eine Ausstellung über das Werk von Lee Miller zu sehen ist. Ich habe hier darüber gebloggt. Im Zentrum des Abends stand jedoch für mich nicht nur der Film selbst, sondern das Gespräch zwischen Anthony Penrose und Julia Weigel, Co-Direktorin des Filmfests München. Penrose, der auch Ko-Direktor des Lee Miller Archivs ist, gab Einblicke in die Entstehung des Films, seine persönliche Beziehung zur Mutter – und wie beides auf unerwartete Weise zusammenfand.

Besonders spannend war die Entstehung des Fotobuchs, das die Grundlage für die Ausstellung im Amerikahaus bildet. Penrose erklärte, dass die Auswahl der Bilder bereits vor Fertigstellung des Films erfolgte: „Ich kannte das Drehbuch gut, weil ich eng mit den Autorinnen zusammenarbeitete, aber bei der Auswahl der Fotos war vieles auch einfach ein Ratespiel – und zum Glück lagen wir meistens richtig.“ Zudem sei es wichtig gewesen, gemeinsam mit dem Amerikahaus Motive auszuwählen, die einen Bezug zur Münchner Geschichte und zum lokalen Kontext haben.

Detailtreue als oberstes Prinzip
Der Film selbst basiert auf einem sehr persönlichen Buch Penroses über das Leben seiner Mutter. Er erzählte, wie Kate Winslet, die nicht nur Hauptdarstellerin, sondern auch Produzentin des Films ist, durch die Lektüre des Buches auf Lee Miller aufmerksam wurde.

Die Arbeit am Drehbuch sei von einem hohen Maß an historischer Genauigkeit geprägt gewesen. Penrose betonte: „Kate und unsere Drehbuchautorin Marion Hume ließen nichts im Film, was wir nicht auch beweisen konnten. Selbst Details wie: Können zwei Menschen nebeneinander die Treppe in Hitlers Wohnung hochgehen? mussten wir belegen.“

Eine Anekdote zur Datierung der Aufnahmen in Dachau veranschaulichte diese Sorgfalt eindrucksvoll. Da Lee Miller ihre Aufnahmen nicht datierte, halfen ihm die Schneeverhältnisse auf den Fotos sowie Archivmaterial aus Dachau, den exakten Tag – den 30. April 1945 – zu bestimmen.

Die Kraft der Fiktion: Gespräch mit der verstorbenen Mutter
Eine besondere narrative Ebene des Films ist der fiktive Dialog zwischen Lee Miller und ihrem erwachsenen Sohn – dargestellt von Josh O’Connor.

Penrose sagte dazu: „Diese Gespräche hat es so nie gegeben – aber es sind die Fragen, die ich ihr gerne gestellt hätte, nachdem ich ihre Fotos und Manuskripte entdeckt habe. Fragen, die ich leider erst nach ihrem Tod hatte.“ Der Film wurde für ihn zu einem emotionalen Raum, in dem Versäumtes doch noch ausgesprochen werden konnte. „Es war sehr berührend für mich, diese Szenen zu sehen. Denn obwohl es Fiktion ist, spiegelte es meine inneren Prozesse wider.“

Kate Winslet als Lee Miller – mehr als Schauspiel
Mit sichtbarer Bewunderung sprach Penrose über die Zusammenarbeit mit Kate Winslet:
„Sie ist warmherzig, klug, absolut professionell – und sie wollte Lee wirklich verstehen. Dafür verbrachte sie Wochen im Archiv, las Briefe, Manuskripte, betrachtete Fotos. Sie hat sich nicht auf mein Urteil verlassen, sondern ist selbst zur Quelle gegangen.“

Der Moment, als Penrose sie zum ersten Mal als alte Lee Miller auf der Leinwand sah, war für ihn überwältigend: „Es war, als ob meine Mutter plötzlich vor mir stand. Die Stimme, die Mimik, die Gesten – alles stimmte. Ich war völlig verwirrt: Ist das meine Mutter? Nein, es ist Kate. Oder doch nicht?“ Diese Erfahrung beschrieb er als tief emotional – als eine Begegnung mit seiner Mutter, die er so zu Lebzeiten nie hatte.

Vom Konflikt zur Versöhnung
Penrose schilderte auch die schwierige Beziehung, die er über viele Jahre zu seiner Mutter hatte. Lee Miller litt nach dem Krieg an posttraumatischer Belastungsstörung, Depressionen und Alkoholismus. „Die Frau, mit der ich aufwuchs, war eine ganz andere als die junge, kraftvolle Frau, die wir im Film sehen“, sagte er.

Die Beziehung war über lange Zeit von Konflikten geprägt – aber kurz vor ihrem Tod fanden Mutter und Sohn wieder zueinander. „Wir wurden keine klassische Mutter-Sohn-Beziehung, aber wir wurden Freunde.“ Erst durch das Schreiben ihrer Biografie, das Studium ihrer Werke – und letztlich durch Kate Winslets Darstellung – habe er seine Mutter wirklich verstehen und sogar lieben gelernt: „Ich hatte dieses Gefühl nie zuvor. Aber durch Kate habe ich meine Mutter bekommen. Und darauf bin ich sehr stolz.“

Eine Einladung zur Begegnung
Zum Abschluss wandte sich Penrose direkt an das Publikum und stimmte auf den Film ein:
„Sie werden vielleicht nicht mit einem Lächeln aus dem Film kommen – aber ich hoffe, Sie werden das Gefühl haben, meiner Mutter begegnet zu sein. Und dass sie in Ihrer Vorstellung weiterlebt. Denn sie ist es wert, gekannt zu werden.“

Auftritt als Komparse
Penrose erklärte in dem Interview, dass er im Film als Komparse zu sehen ist. Er spielt einen Dachau-Häftling – in einer kurzen, aber für ihn sehr bedeutungsvollen Szene. Er hatte sich bewusst diese Rolle gewünscht: „Ich bin der erste Gefangene, den man sieht – in gestreifter Kleidung, an ein Fenster gelehnt, mit einem sehr traurigen Blick. Es war emotional überwältigend für mich.“ Diese Szene war für ihn besonders bewegend, da sie mit einem historischen Ort und mit den Fotografien seiner Mutter verbunden ist. Die Kulisse war so detailgetreu rekonstruiert, dass Penrose den Eindruck hatte, die Fotos seiner Mutter seien zum Leben erwacht.

Martin Kohlstedt live in München: Klangarchitekt zwischen Intuition und Innovation

16. April 2025

Es war wieder einmal soweit. Zusammen mit meiner Frau besuchte ich das Münchner Konzert von Martin Kohlstedt im Münchner Werk 7, dem ehemaligen Kartoffelkeller der Pfanniwerke. Der Künstler aus dem thüringischen Breitenworbis zählt für mich zu den herausragenden Komponisten und Pianisten der zeitgenössischen Musikszene.

Nach einem Konzert in eindrucksvollen Konzerthaus in Göggingen sollte ich ihn nun in der nüchternen Industrieatmosphäre in München sehen. Dieses Jahr treffe ich ihn noch bei den Jazz Open in Stuttgart und fiebere einer möglichen Zusammenarbeit mit Jean-MichelJarre entgegen.#Kohlstedt Werke zeichnen sich durch eine einzigartige Verbindung von klassischem Klavierspiel und elektronischen Elementen aus, wodurch er eine eigene musikalische Sprache entwickelt hat.

Kohlstedts Ansatz des “modularen Komponierens” bedeutet, dass seine Kompositionen nicht als abgeschlossene Werke betrachtet werden, sondern als flexible Module, die je nach Kontext neu kombiniert und interpretiert werden können. Diese Herangehensweise erlaubt es ihm, seine Musik in Live-Auftritten stets neu zu gestalten und auf das Publikum sowie die Atmosphäre des Raumes einzugehen. Improvisation spielt dabei eine zentrale Rolle und macht jedes Konzert zu einem einzigartigen Erlebnis. Das machen Konzerte von Martin Kohlstedt für mich zu einem besonderen Erlebnis.

Kohlstedts Live-Auftritte sind bekannt für ihre emotionale Tiefe und die direkte Interaktion mit dem Publikum, so auch in München. Seine Konzerte bieten den Zuhörern ein intensives und persönliches Musikerlebnis.

Zwischen klassischer Komposition und elektronischer Improvisation bewegt sich sein Werk – immer im Wandel, nie abgeschlossen. Doch wer ihn wirklich verstehen will, muss ihn live erleben – und dass tat ich wieder in München.

Eine Klangsprache, die sich im Raum entfaltet
Was Martin Kohlstedts Musik so besonders macht, ist nicht allein ihr Klang, sondern das, was zwischen den Tönen entsteht. Sein Konzert in München war keine klassische Darbietung, bei denen ein vorgefertigtes Programm abgespult wird – sie war eine Begegnung: Mit dem Raum, dem Publikum, dem Moment. Um einen Eindruck zu bekommen, hier das letzte Stück des Münchner Konzerts.

Die Atmosphäre bei seinem Auftritt war andächtig. Es ist still – nicht aus Höflichkeit, sondern aus Spannung. Jeder Ton, jedes Echo, jede Pause bekam eine Bedeutung. Das Publikum lauschte, als würde es selbst Teil des Stücks werden. Und tatsächlich: Kohlstedt lädt das Publikum ein, mitzuschwingen, zu atmen, zu hören.

Improvisation als Haltung
Seine modular aufgebauten Kompositionen gaben ihm die Freiheit, sich ganz auf den Moment einzulassen. Ein Stück, das am Vorabend ganz ruhig dahinfloss, kann an einem anderen Ort eruptiv und kantig klingen. München war sehr experimentell. Diese Unvorhersehbarkeit ist gewollt – Kohlstedt vertraut auf seine Intuition, auf die Energie des Raums und auf die Reaktion des Publikums.

Das Ergebnis: Musik, die sich lebendig anfühlt. Keine sterile Studioarbeit, sondern ein lebendiger Prozess. Besonders eindrucksvoll ist dies, wenn er während des Spiels zwischen Flügel und Synthesizer wechselte, eigene Soundschleifen kreierte und dabei doch nie die emotionale Tiefe verlor, die sein Spiel prägte.

Ein Konzert wie eine Reise – nach innen
Wer ein Konzert von Martin Kohlstedt besucht, kommt selten so wieder heraus, wie er hineingegangen ist. Es ist eine Reise – keine laute, spektakuläre, sondern eine stille, eindringliche. Seine Musik schafft Räume für Gedanken, Erinnerungen, Sehnsüchte. Sie fordert nicht, sie begleitet. Und genau das macht sie so kraftvoll.Alben als musikalische Reisen
Seine Diskografie umfasst mehrere Alben, die jeweils unterschiedliche Facetten seines Schaffens beleuchten. Das Debütalbum “Tag” (2012) und das Nachfolgewerk “Nacht” (2014) präsentieren seine frühen Solo-Klavierkompositionen. Mit “Strom” (2017) integrierte er erstmals elektronische Klänge in seine Musik. Das Album “Ströme” (2019), eine Zusammenarbeit mit dem GewandhausChor Leipzig, verbindet Chormusik mit seinen modularen Kompositionen. Während der Pandemie entstand “Flur” (2020), ein introspektives Solo-Klavieralbum, das in seinem Wohnzimmer in Weimar aufgenommen wurde. Sein jüngstes Werk “Feld” (2023) kombiniert elektronische Produktion mit akustischen und klassischen Elementen und reflektiert die Herausforderungen und Veränderungen der vergangenen Jahre. Ich denke, nach all den Touren wird in nächster Zeit ein Live-Album herauskommen.

Engagement für Umwelt und Gemeinschaft
Neben seiner musikalischen Tätigkeit engagiert sich Kohlstedt für Umweltprojekte. Als Sohn eines Försters hat er eine enge Verbindung zur Natur und nutzt Einnahmen aus seiner Musik, um Brachflächen im Thüringer Wald aufzukaufen und aufzuforsten. Dieses Projekt unterstreicht sein Bestreben, Kunst und gesellschaftliche Verantwortung miteinander zu verbinden.

Persönliche Bemerkung
Nach dem Münchner Konzert holte ich mir ein Autogramm auf seiner Strom-Platte. Was mich erfreute, dass Martin Kohlstedt mich als Blogger noch erkannte. Ich hatte in Göggingen ein Interview mit ihm geführt. Das Interview hat heute noch Gültigkeit.

Apple komm endlich mit KI in die Gänge

23. März 2025

Vor kurzem ging ich am Münchner Stachus zur S-Bahn. Über den Rolltreppen flimmerte an großen Monitoren die Werbung für das neue iPhone 16e. Persönlich warte ich auf September, wenn die neue 17-Genration kommt, aber ein Detail verblüffte mich an der Werbung.

Das iPhone 16e soll für Apple Intelligence optimiert sein. Das heißt, das neue Siri mit KI. Aber Apple kommt seinen Versprechungen nicht nach. Das Zeug, das ich gerne testen würde, ist (noch) nicht da.

Der Apple-KI-Manager für Siri Robby Walker musste eingestehen, dass es Schwierigkeiten gibt. „Hässlich und peinlich“ nannte er die Vorgänge in einer Mitarbeiterversammlung. Apple kündigte an, die KI-Funktionen zu verschieben. Man spricht sogar von 2026. Blöd ist nur, dass das Marketing voll auf diese Funktionen setz. Also Apple, komm in die Gänge.

Hinter den Kulissen rollen Köpfe. Dem für Künstliche Intelligenz verantwortlichen Manager John Giannandrea sei die Aufsicht über Siri entzogen worden, teilte Bloomberg.

Buchtipp: Das München Album von Gerhard Holzheimer und Katja Sebald

20. März 2025

Aus einer München-Gruppe habe ich am Rande eines Postings einen schönen nostalgischen Buchtipp bekommen. Das München Album von Gerhard Holzheimer und Katja Sebald. Beide sind im oberbayerischen Raum keine Unbekannte – Holzheimer ist Schriftsteller, Sebald ist Journalistin und Kuratorin.

Mit dem Buch das München Album hatten sie eine nette Idee. Menschen sollten ihre alten Fotoalben sichten oder auf dem Dachboden alte Fotos suchen und ihr persönliches zeitgeschichtliches Album anlegen. Mit dem München Album haben sie es uns vorgemacht. Viele Fotos wurden aufgetrieben, chronologisch geordnet und mit erklärenden Texten ergänzt. Einige Fotos aus dem Buch stammten aus dem Privatbesitz, andere aus Archiven – das passt zwar nicht zur ursprünglichen Idee der Fotos vom Dachboden, aber egal.

Ich habe diesen Streifzug durch die Stadtgeschichte genossen und es hat mich inspiriert, was für mich das Wichtigste ist. Die Bilder und Geschichten begannen nach dem Zweiten Weltkrieg als München zerbombt war und von US-Truppen besetzt wurde. München – eine Stadt voller Kontraste, eine Stadt, die sich neu erfand. In den Jahren nach dem Krieg erhob sie sich aus den Trümmern, die Wunden der Vergangenheit noch sichtbar, aber der Blick nach vorne gerichtet. Die Straßen füllten sich mit Leben, mit Menschen, die Träume hatten, mit Geschäftsleuten, die von Aufschwung sprachen, mit Familien, die sich ein neues Zuhause schufen. Es war die Zeit des Wirtschaftswunders, eine Epoche, in der der Glanz der Zukunft die Schatten der Geschichte überstrahlen sollte.

Die Frauen in eleganten Kleidern, die Männer mit Hüten, das geschäftige Treiben auf der Kaufingerstraße – all das erzählte von einem München, das wieder pulsierte. Biergärten füllten sich mit Lachen, und sonntags strömten die Menschen in Scharen an die Isar, um sich eine Pause vom neu entfachten Arbeitseifer zu gönnen. Die Stadt blühte auf, zwischen den frisch errichteten Gebäuden und den letzten Narben des Krieges.

Doch mit der aufstrebenden Moderne kam auch der Widerstand. In den Hörsälen der Universitäten keimte eine neue Bewegung heran – eine Generation, die nicht nur von Wohlstand sprach, sondern von Veränderung, von Freiheit. Der Muff der Vergangenheit sollte nicht in den Polstern der Republik hängen bleiben. In Schwabing und an der Ludwig-Maximilians-Universität formierten sich junge Stimmen gegen alte Strukturen. Proteste, Diskussionen, Aufbruch – München wurde zur Bühne für eine neue Zeit.

Zwischen den Wirtschaftswunderjahren und den brennenden Fragen der Jugend lag eine Stadt im Wandel. Eine Stadt, die wuchs, die sich formte, die Altes bewahrte und Neues herausforderte. Ein München, das lebte, das stritt, das lachte – und das sich, egal in welcher Zeit, immer wieder neu erfand.

Ich erbte von meinen verstorbenen Eltern ihre Fotoalben. Darin Hunderte von Fotos von Menschen und Ereignissen, die mir unbekannt waren. Ab und zu gab es aber Schnappschüsse, die einen gewissen historischen Wert haben, wie beispielsweise die Feierlichkeiten zur Deutschen Einheit an denen mein Papa in Berlin teilgenommen hat. Oder Hochwasser am Rhein mit einem überschwemmten Deutschen Eck in Koblenz. Oder Spaziergänge meiner Eltern in der Mode der Sechziger und später Siebziger Jahre.

Eine Schlange in der Münchner Frauenkirche

5. März 2025

Was macht eine Schlange in der Münchner Frauenkirche? Dies habe ich mich gefragt, als ich den Dom besucht hatte und wegen eines Wolkenbruchs das Gotteshaus besichtigte und dabei auf eine Kupferschlange des Moses stieß.

In der Kapelle Mariä Opferung gibt es ein bemerkenswertes Kunstwerk: der sogenannte Münchner Domkreuzigungsaltar. Dieses Flügelretabel stammt aus der Zeit um 1440 und wurde aus der Vorgängerkirche übernommen. Es zeigt im Hauptfeld eine eindrucksvolle Darstellung der Kreuzigung Christi. Die trauernde Gruppe im Vordergrund besteht aus der heiligen Veronika, der Gottesmutter Maria, dem Apostel Johannes, Maria Magdalena und einem weiteren Heiligen. In ihren Heiligenscheinen ist die Inschrift zu lesen: “Maria hilf uns aus der Not durch deines Sohnes bittren Tod”.
In der Predella des Altars ist ein Silberrelief des Reliquienschreins des heiligen Arsatius eingelassen. Dieser Schrein, gefertigt 1496 vom Goldschmied Hans Löffler, zeigt den Heiligen im bischöflichen Ornat liegend. Der Legende nach war Arsatius Bischof von Mailand und brachte die Reliquien der Heiligen Drei Könige sowie die eherne Schlange des Mose dorthin. Als Anspielung darauf ist das Kapellengitter mit einer Schlange auf einer Säule geschmückt.

Und natürlich gibt es auch etwas Mystisches: Die Darstellung der ehernen Schlange bezieht sich auf eine Episode aus dem Alten Testament. Während des Exodus sandte Gott zur Strafe für den Ungehorsam der Israeliten Giftschlangen, die viele Menschen bissen. Auf Gottes Anweisung hin fertigte Mose eine Schlange aus Kupfer und befestigte sie an einer Fahnenstange. Jeder, der von einer Schlange gebissen wurde und zu der Kupferschlange aufblickte, blieb am Leben.

Eindrücke von der Reise- und Freizeitmesse f.re.e.

24. Februar 2025

Eigentlich bin ich nur auf die Reise- und Freizeitmesse f.re.e. Das Kürzel steht für Freizeit, Reisen und Erholung. auf dem Münchner Messegelände gegangen, um meinen guten Freund und ehemaligen Arbeitskollegen Franz Neumeier zu treffen.

Der langjährige Journalist und erfolgreiche Leiter der Kreufahrtseite cruisetricks moderierte professionell in Halle A4 das Kreuzfahrtforum. In der Pause kamen wir zu einem Schwätzchen zusammen. Ich wollte erfahren, was warum ein ehemaliger Lokaljournalist und erfolgreicher Chefredakteur verschiedener IT-Zeitschriften nun über Kreuzfahrten schreibt. Hier mein Interview, danke Franz.

Sonst schlenderte ich über das Messegelände und besuchte einen Teil der rund 1000 Aussteller aus 50 Ländern. So richtig gezündet es bei mir allerdings nicht. Die Freizeitindustrie ist zu einer fetten Branche geworden, Reisen ist wieder in, als ob es die Klimakrise nicht gibt. In den fünf Ausstellungsbereichen – Reisen, Caravaning & Camping, Fahrrad, Wassersport sowie Outdoor & Fitness – konnten die Besucher sich beraten lassen, Vorträge anhören aber auch viel Mitmachen und Ausprobieren.

Die Fressstände waren wie immer gut besucht. Natürlich musste ich die italienische Salami probieren (und kaufen) und den Allgäuer Bergkäse naschen.

Es hat mich Irland am meisten beeindruckt. An dem Stand wurde Guiness und Kilkenny ausgeschenkt und der Stand in einen Art Pub umgebaut. Das schuf Atmosphäre und bei einem, zwei Glas Bier konnte man befreit über einen Tripp auf die grüne Insel plaudern. Schade, dass ich keinen Schottland-Stand angetroffen habe, denn da soll es dieses Jahr wieder einmal hingehen.

Trotz Mühen und großen Reizen bleibt für uns die USA die nächsten vier Jahre kein Reiseziel, ich freute mich aber sehr über die kanadische Fahne an den Ständen mancher Nordamerika-Reiseveranstalter.

Wer Show macht, dem gehört die Aufmerksamkeit. Die Gondoliere am Stand von Venedig sangen aus Leibeskräften mit einigem Vino im Blut und lockten die Interessenten an.

Das Allgäu machte Lärm mit den Perchten. Sehr laut zogen die Herrschaften durch die Halle. Das Auftreten von Perchten, grausig anzusehenden Gestalten, zählt zu den Raunachtsbräuchen. Diese waren ursprünglich heidnischer Herkunft und wurden erst allmählich christianisiert. Die Idee war ja nett, aber Gespräche in der Nähe der Perchten waren unmöglich. Da werden manche Aussteller zu recht sauer gewesen sein, schließlich kosten die Messestände in München eine schöne Stange Geld.

Kurze Gespräche führte ich bei den Ständen von Korea und Taiwan, längere Gespräche bei den Pilgerreisen der beiden christlichen Kirchen oder Bayerisch-Schwaben. Im Grunde gab es aber keine weiteren Infos als im Netz außer vielleicht die persönliche Kommunikation.

Die Hallen Caravaning & Camping, Fahrrad, Wassersport sowie Outdoor & Fitness interessierten mich nur am Rande, schaute mir dennoch ein wenig um.

Interessant für mich war die Teilnahme der Bundeswehr an der Messe. Ja, Bundeswehr ist kein Hobby und keine Freizeitaktivität, aber ich halte die Teilnahme dennoch für richtig, nicht zuletzt wegen der politischen Situation. Neben gepanzertem Gerät gab es für Drehgerät für den Gleichgewichtsinn. Und damit wäre ich für die Bundeswehr untauglich.

We Mavericks – wunderbares australisch-neuseeländisches Duo

20. Februar 2025

Irgendwie habe ich ein Fable für Folkmusik aus aller Herren Länder. Und ich freue mich, wenn ich Musikanten live genießen kann. Und diesen Genuss hatte ich bei einem Münchner Privatkonzert bei dem Folk-Duo We Mavericks.

We Mavericks sind ein zeitgenössisches Folk-Duo, bestehend aus der Neuseeländerin Victoria Vigenser und dem Australier Lindsay Martin. Seit ihrer Gründung im Jahr 2018 haben sie sich durch ihre musikalische Verbindung einen Namen gemacht. Jetzt waren sie in Europa und zum ersten Mal in Deutschland. Das Konzert war in drei Teilen gegliedert und in den Pausen konnte ich mit dem sympathischen Musikern quatschen.

Victoria Vigenser
Victoria Vigenser, geboren in Auckland, Neuseeland, fand schon früh ihre Leidenschaft für die Musik. Obwohl sie ursprünglich eine Affinität zur Oper hatte, entdeckte sie in ihren Teenagerjahren die Welt der Folk-Festivals und ließ sich von der traditionellen Musik verschiedener Kulturen inspirieren. Ihre kraftvolle Stimme und ihr lyrisches Geschick zeichnen sie aus. Sie sagte die meisten Lieder an und erzählte persönlichen Geschichten dazu.

Lindsay Martin
Lindsay Martin stammt aus der Riverina-Region in New South Wales, Australien. Seit seiner Kindheit spielt er Violine und hat sich zu einem vielseitigen Musiker entwickelt, der mühelos zwischen verschiedenen Genres wechselt. Neben seiner Tätigkeit als Multiinstrumentalist ist er auch als Produzent und Toningenieur tätig. Leider hatten die beiden nur noch fünf CDs dabei – und ich kam zu spät. Über Apple Musik konnte ich zumindest das Album Grief’s a Gardener genießen.

Zusammenarbeit
Die beiden Musiker trafen erstmals 2018 aufeinander, als Martin an der Produktion von Vigensers Album “The Gap” beteiligt war. Aus dieser Zusammenarbeit entstand eine musikalische Partnerschaft, die zur Gründung von We Mavericks führte. Ihr Debütalbum “Grief’s a Gardener” veröffentlichten sie 2022, gefolgt von ihrem zweiten Album “Heart of Silver” im Jahr 2024.

Was ich nicht wusste: We Mavericks wurden mehrfach ausgezeichnet, darunter Nominierungen als “Best Folk Artist” bei den neuseeländischen Musikpreisen und als “Best Contemporary Duo/Group/Ensemble” bei den Australian Folk Music Awards. Ihre Musik, die Elemente von Folk, Alt-Country und Akustik-Pop vereint, zeichnet sich durch harmonische Gesänge, einfühlsame Streicherarrangements und treibende Rhythmen aus. Sie sind bekannt für ihre Fähigkeit, emotionale Geschichten zu erzählen und eine tiefe Verbindung zu ihrem Publikum herzustellen.

Mit ihrer authentischen Art und ihrem musikalischen Können haben We Mavericks in München eine Fangemeinde gewonnen. Für mich ist klar: Die beiden elten als aufstrebende Größe in der internationalen Folk-Szene.

Teuflisch: Fußabdruck des Teufels in der Frauenkirche München

18. Februar 2025

Ich liebe mystische Geschichten und freue mich immer, wenn interessierte Gesprächspartner dazu finde. So unlängst geschehen in der Münchner Frauenkirche, als ich Touristen den Teufelsabdruck zeigen konnte. Es regnete an diesem Tag und so suche ich Schutz in dem Gotteshaus und stieß auf Tourist, denen ich ein Ohr abkauen konnte.

Der Münchner kennt freilich die Geschichte des Teufelsabdruck als ein faszinierendes und mysteriöses Detail, das seit Jahrhunderten die Fantasie der Menschen beflügelt. Die Frauenkirche, auch bekannt als Dom zu Unserer Lieben Frau, ist ein bedeutendes Wahrzeichen meiner Geburtsstadt München und ein Meisterwerk der spätgotischen Architektur. Der Teufelsabdruck, der sich im Eingangsbereich der Kirche befindet, ist ein besonderes Merkmal, das zahlreiche Legenden und Geschichten hervorgebracht hat.

Die Geschichte der Frauenkirche
Die Frauenkirche wurde im 15. Jahrhundert erbaut und ist die Kathedrale des Erzbistums München und Freising. Der Bau der Kirche begann 1468 unter der Leitung des Architekten Jörg von Halsbach und wurde 1488 vollendet. Die Kirche ist bekannt für ihre beeindruckenden Türme, die die Skyline von München prägen, und ihre prächtige Innenausstattung. Die Frauenkirche ist nicht nur ein religiöses Zentrum, sondern auch ein bedeutendes kulturelles und historisches Denkmal.

Der Teufelsabdruck: Legende und Mythos
Der Teufelsabdruck ist ein Abdruck, der sich im Boden des Eingangsbereichs der Frauenkirche befindet. Es handelt sich um eine Vertiefung im Stein, die die Form eines Fußabdrucks hat. Dieser Abdruck ist von zahlreichen Legenden umgeben, die sich im Laufe der Jahrhunderte entwickelt haben.

Eine der bekanntesten Legenden besagt, dass der Teufel höchstpersönlich die Kirche besucht habe, um sich über die Pracht und Schönheit des Bauwerks zu ärgern. Der Teufel soll versucht haben, die Kirche zu zerstören, aber er scheiterte. In seiner Wut stampfte er mit dem Fuß auf den Boden und hinterließ dabei seinen Abdruck. Eine andere Version der Legende erzählt, dass der Teufel versuchte, die Kirche zu betreten, aber von einem Engel daran gehindert wurde. In seinem Zorn hinterließ er seinen Fußabdruck im Eingangsbereich.

Die beste Geschichte
Der Mythos besagt, dass der Baumeister der Frauenkirche, Jörg von Halspach, einen Pakt mit dem Teufel geschlossen habe. Der Teufel versprach, beim Bau nicht zu stören, wenn das Gebäude fensterlos bliebe – wohl in der Annahme, dass es dann ein dunkler, gottloser Ort werden würde. Als die Kirche schließlich fertiggestellt war, trat der Teufel neugierig in das Gotteshaus und stellte sich genau an den Punkt, an dem sich heute der Abdruck befindet. Von dort aus konnte er tatsächlich keine Fenster sehen, da sie von den Säulen verdeckt wurden. Doch als er einen Schritt weiter ging, entdeckte er, dass der Baumeister ihn getäuscht hatte und die Kirche sehr wohl über viele Fenster verfügte.

Vor Wut stampfte der Teufel so heftig auf den Boden, dass sein Fußabdruck im Stein hinterblieb. Danach versuchte er, das Gebäude mit einem Sturm zum Einsturz zu bringen, doch die massiven Mauern hielten stand. Der Wind, der oft um die Türme der Frauenkirche weht, soll laut Legende ein Überbleibsel seines zornigen Versuchs sein.

Historische und kulturelle Bedeutung
Unabhängig von den Legenden hat der Teufelsabdruck eine bedeutende historische und kulturelle Bedeutung. Er ist ein Symbol für die mittelalterliche Vorstellung von Gut und Böse und die ständige Präsenz des Teufels in der Welt. Der Abdruck erinnert die Besucher der Kirche daran, dass das Böse immer gegenwärtig ist, aber auch, dass der Glaube und die göttliche Macht stärker sind.

Der Teufelsabdruck ist auch ein Beispiel für die reiche Folklore und die mündlichen Überlieferungen, die in Europa weit verbreitet sind. Solche Geschichten und Legenden tragen dazu bei, die kulturelle Identität und das Erbe einer Region zu bewahren.

Wahrscheinlich ist der Abdruck das Werk eines Künstlers oder Baumeisters, das über die Jahrhunderte mit einer Legende verwoben wurde, um das Bauwerk mystischer wirken zu lassen. Die besondere architektonische Anordnung der Säulen, die die Sicht auf die Fenster verdeckt, ist ein beeindruckendes Detail der Frauenkirche und könnte die Grundlage für die Sage geliefert haben.

Touristische Attraktion
Der Teufelsabdruck ist nicht nur ein historisches und kulturelles Artefakt, sondern auch eine beliebte touristische Attraktion. Jährlich besuchen Tausende von Touristen die Frauenkirche, um den berühmten Abdruck zu sehen und die Legenden zu hören, die sich darum ranken. Der Teufelsabdruck ist ein fester Bestandteil der Führungen durch die Kirche und wird oft in Reiseführern und touristischen Broschüren erwähnt.

Wissenschaftliche Erklärungen
Neben den Legenden gibt es auch wissenschaftliche Erklärungen für den Teufelsabdruck. Einige Historiker und Archäologen vermuten, dass der Abdruck möglicherweise während des Baus der Kirche entstanden ist. Es könnte sich um eine natürliche Vertiefung im Stein handeln, die durch Abnutzung oder andere natürliche Prozesse entstanden ist. Andere Theorien besagen, dass der Abdruck absichtlich von den Baumeistern der Kirche geschaffen wurde, um die Legenden und Geschichten zu fördern und die Kirche noch mystischer und anziehender zu machen.