Es war wieder einmal soweit. Zusammen mit meiner Frau besuchte ich das Münchner Konzert von Martin Kohlstedt im Münchner Werk 7, dem ehemaligen Kartoffelkeller der Pfanniwerke. Der Künstler aus dem thüringischen Breitenworbis zählt für mich zu den herausragenden Komponisten und Pianisten der zeitgenössischen Musikszene.
Nach einem Konzert in eindrucksvollen Konzerthaus in Göggingen sollte ich ihn nun in der nüchternen Industrieatmosphäre in München sehen. Dieses Jahr treffe ich ihn noch bei den Jazz Open in Stuttgart und fiebere einer möglichen Zusammenarbeit mit Jean-MichelJarre entgegen.#Kohlstedt Werke zeichnen sich durch eine einzigartige Verbindung von klassischem Klavierspiel und elektronischen Elementen aus, wodurch er eine eigene musikalische Sprache entwickelt hat.
Kohlstedts Ansatz des “modularen Komponierens” bedeutet, dass seine Kompositionen nicht als abgeschlossene Werke betrachtet werden, sondern als flexible Module, die je nach Kontext neu kombiniert und interpretiert werden können. Diese Herangehensweise erlaubt es ihm, seine Musik in Live-Auftritten stets neu zu gestalten und auf das Publikum sowie die Atmosphäre des Raumes einzugehen. Improvisation spielt dabei eine zentrale Rolle und macht jedes Konzert zu einem einzigartigen Erlebnis. Das machen Konzerte von Martin Kohlstedt für mich zu einem besonderen Erlebnis.
Kohlstedts Live-Auftritte sind bekannt für ihre emotionale Tiefe und die direkte Interaktion mit dem Publikum, so auch in München. Seine Konzerte bieten den Zuhörern ein intensives und persönliches Musikerlebnis.
Zwischen klassischer Komposition und elektronischer Improvisation bewegt sich sein Werk – immer im Wandel, nie abgeschlossen. Doch wer ihn wirklich verstehen will, muss ihn live erleben – und dass tat ich wieder in München.
Eine Klangsprache, die sich im Raum entfaltet Was Martin Kohlstedts Musik so besonders macht, ist nicht allein ihr Klang, sondern das, was zwischen den Tönen entsteht. Sein Konzert in München war keine klassische Darbietung, bei denen ein vorgefertigtes Programm abgespult wird – sie war eine Begegnung: Mit dem Raum, dem Publikum, dem Moment. Um einen Eindruck zu bekommen, hier das letzte Stück des Münchner Konzerts.
Die Atmosphäre bei seinem Auftritt war andächtig. Es ist still – nicht aus Höflichkeit, sondern aus Spannung. Jeder Ton, jedes Echo, jede Pause bekam eine Bedeutung. Das Publikum lauschte, als würde es selbst Teil des Stücks werden. Und tatsächlich: Kohlstedt lädt das Publikum ein, mitzuschwingen, zu atmen, zu hören.
Improvisation als Haltung Seine modular aufgebauten Kompositionen gaben ihm die Freiheit, sich ganz auf den Moment einzulassen. Ein Stück, das am Vorabend ganz ruhig dahinfloss, kann an einem anderen Ort eruptiv und kantig klingen. München war sehr experimentell. Diese Unvorhersehbarkeit ist gewollt – Kohlstedt vertraut auf seine Intuition, auf die Energie des Raums und auf die Reaktion des Publikums.
Das Ergebnis: Musik, die sich lebendig anfühlt. Keine sterile Studioarbeit, sondern ein lebendiger Prozess. Besonders eindrucksvoll ist dies, wenn er während des Spiels zwischen Flügel und Synthesizer wechselte, eigene Soundschleifen kreierte und dabei doch nie die emotionale Tiefe verlor, die sein Spiel prägte.
Ein Konzert wie eine Reise – nach innen Wer ein Konzert von Martin Kohlstedt besucht, kommt selten so wieder heraus, wie er hineingegangen ist. Es ist eine Reise – keine laute, spektakuläre, sondern eine stille, eindringliche. Seine Musik schafft Räume für Gedanken, Erinnerungen, Sehnsüchte. Sie fordert nicht, sie begleitet. Und genau das macht sie so kraftvoll.Alben als musikalische Reisen Seine Diskografie umfasst mehrere Alben, die jeweils unterschiedliche Facetten seines Schaffens beleuchten. Das Debütalbum “Tag” (2012) und das Nachfolgewerk “Nacht” (2014) präsentieren seine frühen Solo-Klavierkompositionen. Mit “Strom” (2017) integrierte er erstmals elektronische Klänge in seine Musik. Das Album “Ströme” (2019), eine Zusammenarbeit mit dem GewandhausChor Leipzig, verbindet Chormusik mit seinen modularen Kompositionen. Während der Pandemie entstand “Flur” (2020), ein introspektives Solo-Klavieralbum, das in seinem Wohnzimmer in Weimar aufgenommen wurde. Sein jüngstes Werk “Feld” (2023) kombiniert elektronische Produktion mit akustischen und klassischen Elementen und reflektiert die Herausforderungen und Veränderungen der vergangenen Jahre. Ich denke, nach all den Touren wird in nächster Zeit ein Live-Album herauskommen.
Engagement für Umwelt und Gemeinschaft Neben seiner musikalischen Tätigkeit engagiert sich Kohlstedt für Umweltprojekte. Als Sohn eines Försters hat er eine enge Verbindung zur Natur und nutzt Einnahmen aus seiner Musik, um Brachflächen im Thüringer Wald aufzukaufen und aufzuforsten. Dieses Projekt unterstreicht sein Bestreben, Kunst und gesellschaftliche Verantwortung miteinander zu verbinden.
Persönliche Bemerkung Nach dem Münchner Konzert holte ich mir ein Autogramm auf seiner Strom-Platte. Was mich erfreute, dass Martin Kohlstedt mich als Blogger noch erkannte. Ich hatte in Göggingen ein Interview mit ihm geführt. Das Interview hat heute noch Gültigkeit.
Als gelernter Zeitungsjournalist gehört die Telefonrecherche eigentlich zum täglichen Brot auf der Jagd nach News und Stories. Hörer abnehmen, Nummer wählen, fertig. So war es damals. Doch im Laufe der Jahre stellte ich fest, dass jüngere Mitarbeiter mehr und mehr die Scheu haben zu telefonieren und besser zur E-Mail als Kommunikationsmittel greifen.
Und siehe da: Mir geht es ebenso. Meine Kommunikation hat sich gewandelt. Ich will auch nicht einfach so angerufen werden, weil dies meinen Tag stört.
Die Bitkom liefert die aktuelle Daten. Rund ein Drittel (36 Prozent) der Deutschen hat schon einmal aus Angst vor dem Telefonieren notwendige Anrufe aufgeschoben. Besonders ausgeprägt ist dies unter den Jüngeren: Unter den 16- bis 29-Jährigen haben dies schon 44 Prozent getan. Insgesamt 33 Prozent der Deutschen geben explizit an, sich oft unwohl dabei zu fühlen, mit fremden Leuten zu telefonieren. Ebenfalls ein Drittel (32 Prozent) vereinbart Termine bei Dienstleistern wie Friseursalons oder Arztpraxen generell lieber per Mail oder Buchungsplattform, statt anzurufen. Das sind die Ergebnisse einer repräsentativen Befragung unter 1.004 Menschen in Deutschland ab 16 Jahren.
Klingt gut, aber leider hat weder mein Hausarzt noch mein Friseur ein Online-Buchungssystem. Beim Friseur schicke ich einfach eine Mail mit Terminvorschlägen, aber beim Arzt hänge ich in der Warteschlange.
Einer meiner Kunden geht hier einen besonderen Weg: Der Landesinnungsverband der bayerischen Friseure und Kosmetiker hat ein innovatives Onlinebuchungssystem für Telefontermine eingeführt, das seinen Mitgliedern zahlreiche Vorteile bietet und die Kommunikation effizienter gestaltet. Dieses neue System steht seit dem vergangenen Jahr bereit und ermöglicht es den Mitgliedern, flexibel und einfach ihre Gesprächstermine mit der LIV-Geschäftsstelle zu vereinbaren.
Mit dem neuen Onlinebuchungssystem entfällt die Notwendigkeit für zeitaufwendige Telefonate, bei denen der gewünschte Gesprächspartner nicht erreichbar ist. Stattdessen können die Mitglieder ihre Termine bequem online buchen und so sicherstellen, dass ihr Anliegen zur gewünschten Zeit besprochen wird. Dies schafft nicht nur Transparenz, sondern spart auch wertvolle Zeit.
Aufgrund der Online-Terminvereinbarung kann sich der Ansprechpartner optimal auf das Telefonat vorbereiten. Relevante Informationen und Unterlagen können vorab per E-Mail übermittelt werden, wodurch das Gespräch zielgerichtet und effizient ablaufen kann. Zudem entfällt jeglicher Zeitdruck, da das für das Telefonat reservierte Zeitfenster exklusiv für den Anrufer vorgesehen ist. Dieses System habe ich gerne für mein Geschäft übernommen. Die meisten Anfragen erreichen mich per Mail und das freut mich.
Zeit zum Formulieren „Die Angst vor dem Telefonieren entsteht heute oft, weil wir uns an Nachrichten gewöhnt haben, bei denen wir Zeit zum Formulieren haben – während ein Anruf schnelle Reaktion erfordert, ohne die Möglichkeit, nonverbale Signale oder Emojis zur Unterstützung zu nutzen“, erklärt Dr. Sebastian Klöß, Experte für Consumer Technology beim Bitkom. „Besonders jüngere Menschen, die mit Kurznachrichten aufgewachsen sind, empfinden spontane Telefonate daher häufig als aufdringlich oder unangenehm.“ Insgesamt 35 Prozent der Deutschen kündigen ihren Anruf bei Freunden und Familie in der Regel vorab per Nachricht an. Selbst würden gerne 32 Prozent eine Nachricht bekommen, bevor sie angerufen werden.
Aber auch im Freundeskreis und innerhalb Familien schreiben laut Bitkom 40 Prozent der Deutschen lieber eine Nachricht als anzurufen – unter den Jüngeren zwischen 16 und 29 Jahren bevorzugt mit 52 Prozent sogar knapp mehr als die Hälfte Text gegenüber einem Anruf.
Ein Besuch bei Gastronom Denis Kleinknecht in seinem Gasthof Heinzinger in Rottbach ist immer eine kulinarische Entdeckungsreise. Und wenn sich Denis Kleinknecht noch eine Koryphäe wie den Winzer Simon Graßmück aus der Pfalz an seine Seite holt, dann ist Wine & Dine nahezu perfekt.
Für mich steht fest: Denis Michael Kleinknecht, Küchenchef und Inhaber des Gasthofs Heinzinger in Rottbach, ist bekannt für seine kreative und zugleich bodenständige Küche, die regionale Tradition mit moderner Raffinesse verbindet. Seine Kochkünste wurden mehrfach ausgezeichnet, darunter mit der roten Haube des renommierten Restaurantführers Gault&Millau, die für „sehr empfehlenswerte“ und „herausragende“ Gastronomie steht.
Kleinknecht legt großen Wert auf die Verwendung regionaler und nachhaltiger Zutaten. Rund 80 % der Produkte stammen direkt von lokalen Erzeugern, darunter Demeter-Gemüse und Fleisch aus artgerechter Haltung. Diese Philosophie spiegelt sich in seiner Slow-Food-Küche wider, die Qualität, Regionalität und Saisonalität in den Mittelpunkt stellt. Seine Gerichte verbinden traditionelle bayerische Klassiker mit modernen Interpretationen und innovativen Techniken. Seine Leidenschaft für Kulinarik und sein Streben nach Perfektion machen ihn für mich und viele andere zu einem herausragenden Vertreter der deutschen Gastronomieszene.
Und und hatte er wieder einmal Simon Graßmück, ein Termin, den ich mir nicht entgehen lassen wollte. Das Weingut Graßmück aus Birkweiler in der Pfalz ist ein traditionsreiches Familienunternehmen, das seit über 350 Jahren besteht und aktuell von Simon Graßmück in der zwölften Generation geführt wird. Es liegt an der Südlichen Weinstraße, einer Region mit besonders vielen Sonnenstunden, ideal für den Anbau hochwertiger Weine.
Das Weingut bewirtschaftet renommierte Lagen wie den Kastanienbusch, Mandelberg, Rosenberg und Königsgarten. Diese bringen regelmäßig preisgekrönte Weine hervor, darunter trockener Riesling, fruchtiger Weißherbst, gehaltvoller Dornfelder und ausdrucksstarker Spätburgunder. Auch edelsüße Beerenauslesen und spritzige Sekte gehören zum Sortiment.
Das Weingut Graßmück in Birkweiler bietet eine breite Palette an besonderen Weinen, die durch ihre hohe Qualität und den regionalen Charakter überzeugen. Hier sind einige der herausragenden Weine aus dem Sortiment:
Weißweine Riesling (trocken): Ein Klassiker der Pfalz, bekannt für seine Frische und Mineralität, ideal für Liebhaber trockener Weißweine. Chardonnay Spätlese (trocken): Mit exotischen Aromen von grünem Apfel und Litschi sowie einem frischen Duft, ein rassiger Wein mit feiner Frucht. Auxerrois (2023): Ein seltener Weißwein mit mildem Charakter und eleganter Struktur. Rotweine Spätburgunder (trocken): Ausdrucksstarker Rotwein mit feinen Holznoten, perfekt für gehobene Ansprüche. Dornfelder (halbtrocken): Ein gehaltvoller Rotwein, der durch seine Fruchtigkeit und weiche Tannine besticht. Cabernet Dorsa (trocken): Im Eichenholzfass gereift, bietet dieser Wein eine komplexe Struktur und kräftige Aromen. Roséweine Weißherbst: Ein fruchtiger Roséwein, der sich durch seine Leichtigkeit und Aromatik auszeichnet – ideal für Sommerabende.
Während des Abends erzählte Simon Graßmück Wissenswertes über seine Weine und seine Philosphie. Dabei schlug er aber auch ernste Töne an. Die Wasserknappheit stellt im Jahr 2025 eine ernsthafte Herausforderung für die Winzer in der Pfalz dar. Der Klimawandel führt zu häufigeren Dürreperioden und verändertem Niederschlagsverhalten, was die Wasserversorgung für die Landwirtschaft beeinträchtigt.
Die zunehmenden Temperaturen und veränderten Niederschlagsmuster führen zu einer geringeren Neubildung von Grundwasser. In Rheinland-Pfalz ist die jährliche Grundwasserneubildung bereits um rund 25 % gegenüber dem langjährigen Mittel zurückgegangen. Dies hat direkte Auswirkungen auf die Verfügbarkeit von Wasser für die landwirtschaftliche Nutzung.
Die Winzer in der Pfalz sehen sich mit mehreren Herausforderungen konfrontiert: Zum einen sind es die erhöhte Kosten: Ab 2024 müssen land- und forstwirtschaftliche Betriebe in Rheinland-Pfalz ein Wasserentnahmeentgelt (Wassercent) zahlen. Für Grundwasser beträgt dieser 6 Cent pro Kubikmeter, für Oberflächenwasser 2,4 Cent pro Kubikmeter. Betriebe, die einem Wasser- und Bodenverband angehören, zahlen die Hälfte.  
Zum anderen ist es die Anpassung der Bewirtschaftungsmethoden: Um den Wasserverbrauch zu reduzieren und die Bodenqualität zu erhalten, setzen einige Winzer auf innovative Anbaumethoden wie die Querterrassierung. Diese Methode ermöglicht es, Regenwasser besser zu speichern und Erosion zu verhindern. Ich sprach mit Simon Graßmück zu dem Thema:
Aber nun zum Anlass des Abends: Wine & Dine. Es begann mit dem Gruß aus der Küche – Amuse Bouche dazu 2022 Pinot Blanc de Noir Sekt trocken
Ich bin immer auf der Suche nach einem Geschenk, wenn ich zu einem Essen oder Party eingeladen wurde. Und als Whisky-Fan war ich immer auf der Suche nach einem Mitbringsel. Jetzt habe ich eines entdeckt: Glenmorangie Taster Pack. Ab sofort können Whiskyliebhaber drei Abfüllungen aus dem Kernsortiment von Glenmorangie kennenlernen. Damit mache ich grundsätzlich nichts falsch.
Enthalten sind drei Fläschchen mit Glenmorangie The Original 12 Years, The Quinta Ruban 14 Years und ganz neu mit 15 Jahren, The Lasanta.
Als Geschenk, praktisch auf Reisen, oder einfach um die bekanntesten Whiskys von Glenmorangie näher kennenzulernen – das Glenmorangie Taster Pack erfreut sich großer Beliebtheit. Zeit, die feine Whiskysammlung im 10cl Dreierformat neu aufzulegen. In einer Kartonverpackung enthält das Taster Pack The Original mit Vanille-cremigen Aromen aus ehemaligen Bourbonfässern. The Quinta Ruban lagerte in Ex-Portweinfässern und Bourbonfässern und ganz neu The Lasanta, der nun 15 Jahre in ehemaligen Sherry- und Bourbonfässern reifte.
Ich probiere es mal aus, mal sehen, wie es ankommt. Zur Not trinke ich es alleine.
Ich bringe meine alten beiden Polaroid SX-70 wieder zurück ins (Foto-)Leben. Eigentlich sind sie technisch noch gut erhalten, haben aber äußerlich gelitten. Ich besitze zwei Modelle Polaroid SX70 landcamera Model 3 und SX-70 Sonar PolaSonic Model 2 aus dem Jahre 1978. Es handelt sich um Sofortbildkameras. Filme habe ich in Berlin bestellt.
Das Kunstleder der Kameras ist krümelig geworden und ich musste es ersetzen. Bei eBay erwarb ich neue Kunstleder-Überzüge, einmal in Rot (mit Stativloch), einmal in Braun (ohne Stativloch).
Dazu musste ich das poröse alte Kunstleder entfernen. Das war eine zähe Sache. Bei der Sonar OneStep ging es vergleichsweise einfach, doch beim Model 3 war es ein Gefummel. Das alte Leder ließ sich nur teilweise lösen. Messer nutzten nichts, also kam ein Ceranfeld-Schaber zum Einsatz, um das Leder zu lösen. Das hat nicht überall geklappt, also blieb teilweise das alte Kunstleder weiter an der Kamera.
Im Rahmen der Veranstaltungen zur langen Nacht der Bibliotheken durfte ich im Scala Kino Fürstenfeldbruck einen Vortrag zum Thema Zwischen Regal und Leinwand – Bibliotheken im Film halten. Als Beispiel diente mir die Jean-Jacques Annauds Verfilmung des Romans Der Name der Rose von Umberto Eco aus dem Jahr 1986. Der Film verbindet eine spannende Handlung mit tiefgründigen Themen wie Macht, Wissen und Glauben.
Hier die Aufzeichnung meines Vortrags auch mit Beispielen aus anderen Filmen, die einen Bezug zur Bibliothek haben.
Die Geschichte Der Name der Rose spielt im Jahr 1327 in einer abgelegenen Benediktinerabtei, in der mehrere Mönche unter mysteriösen Umständen sterben. Der Franziskanermönch William von Baskerville (Sean Connery) und sein Novize Adson von Melk (Christian Slater) untersuchen die Morde. Die Handlung entfaltet sich als Detektivgeschichte, die gleichzeitig philosophische Fragen nach Wahrheit, Freiheit und der Kontrolle von Wissen aufwirft.
Wissen und Macht Die Bibliothek symbolisiert das kontrollierte Wissen der Kirche. Das verbotene Buch „Aristoteles‘ Zweites Buch der Poetik“ steht für Freiheit des Denkens.
Philosophie und Religion Der Konflikt zwischen rationalem Denken und kirchlichem Dogma wird durch die Figuren und ihre Handlungen verkörpert.
Wahrheit William hinterfragt absolute Wahrheiten und sucht produktiv nach Erkenntnis, was im Gegensatz zur destruktiven Haltung der Kirche steht.
Unzugänglichkeit des Wissens Die verwirrenden und verschlungenen Wege der Bibliothek symbolisieren die Komplexität und die bewusste Kontrolle über Wissen durch die Kirche. Der Zugang ist nur wenigen vorbehalten, was Macht und Geheimhaltung unterstreicht.
Metapher für das kulturelle Gedächtnis Die labyrinthische Struktur repräsentiert das Gedächtnis und die systematische Ordnung von Wissen. Sie zeigt, wie Erinnerungen und Erkenntnisse verschlüsselt und schwer zugänglich gemacht werden können.
Gefahr und Orientierungslosigkeit Das Labyrinth erzeugt eine Atmosphäre der Unsicherheit und Bedrohung. Es ist nicht nur räumlich schwierig zu durchqueren, sondern birgt auch Gefahren wie optische Täuschungen und Fallen, was die Risiken des Wissens metaphorisch darstellt.
Unterschiede zum Roman Während Umberto Ecos Roman komplexere philosophische Diskussionen bietet, konzentriert sich der Film stärker auf die Kriminalgeschichte. Einige Handlungsebenen werden vereinfacht oder ausgelassen, um die Spannung zu fokussieren.
Die Katze ist aus dem Sack: Der Start von TRON: Ares ist für den 9. Oktober vorgesehen. Als Fan von Tron bin ich gespannt. Disney hat den ersten Trailer ins Netz gestellt. Und schon rattern meine Gedanken: Wie wird Tron fortgesetzt? Klar wird beim Betrachten des Trailers, dass der dritte Teil der Tron-Reihe die Grenzen zwischen digitaler und realer Welt weiter ausloten wird.
Hier ein bisschen Stochern im Nebel: Im Mittelpunkt steht Ares, ein hochentwickeltes KI-Programm, das erstmals die digitale Welt (das Grid) verlässt und in die reale Welt eintritt. Jared Leto verkörpert diese Figur, die auf eine gefährliche Mission geschickt wird – deren Details sind noch unklar. Die Wahl des Namens „Ares“ (nach dem griechischen Kriegsgott) deutet darauf hin, dass der Film möglicherweise Themen wie Konflikte zwischen Menschen und Maschinen behandelt.
Im Trailer kracht es gewaltig – visuell beeindruckend, aber auf den ersten Blick nicht sonderlich anders als übliches Popcorn-Kino. Bei Tron erwarte ich mir ehrlich gesagt mehr Tiefe.
Der Film unter der Regie von Joachim Rønning setzt auf den Ereignissen von Tron: Legacy (2010) auf. Während dort Quorra, ein Programm, in die menschliche Welt übertrat, scheint Tron: Ares diese Idee weiterzuführen und zu vertiefen. Kevin Flynn (Jeff Bridges), der Schöpfer des Grids, kehrt zurück und spielt offenbar eine Schlüsselrolle. Eine Begegnung zwischen Flynn und Ares wird im Trailer angedeutet.
Es gibt Spekulationen über einen möglichen Krieg zwischen Menschen und KI-Wesen. Der Film könnte sich mit ethischen und existenziellen Fragen auseinandersetzen, die durch das Eindringen von KI in die reale Welt entstehen. Der Trailer zeigt eine düstere Atmosphäre mit industriellen Elementen – was auf einen ernsteren Ton hinweist. Wie bei den Vorgängern wird auch Tron: Ares für seine beeindruckenden visuellen Effekte bekannt werden. Der Stil bleibt futuristisch und neonlastig. Der Soundtrack stammt von Nine Inch Nails – das unterstreicht die düstere Stimmung des Films musikalisch. Nach Wendy Carlos und Daft Punk liegt die Messlatte allerdings ziemlich hoch.
Tron – ein Meilenstein Der Film Tron (1982) gilt als Meilenstein in der Filmgeschichte, insbesondere wegen seiner visionären Nutzung von Computertechnologie und seiner thematischen Auseinandersetzung mit der digitalen Welt. Tron war einer der ersten Filme, der umfangreich auf Computer Generated Imagery (CGI) setzte. Obwohl nur etwa 15 Minuten des Films tatsächlich CGI enthalten, war das für die damalige Zeit revolutionär.
Der Film kombinierte CGI mit traditionellen Animationstechniken und Live-Action-Aufnahmen – das Ergebnis war eine einzigartige visuelle Ästhetik, die bis heute unverwechselbar bleibt. Ich wollte als Kind die Effekte mit meinem Commodore 64 nachbauen – und bin gnadenlos gescheitert.
Die innovative Darstellung einer virtuellen Welt inspirierte zahlreiche nachfolgende Filme und legte den Grundstein für die Entwicklung moderner visueller Effekte. Tron zeigte, dass digitale Technologien neue kreative Möglichkeiten für das Filmemachen eröffnen können – auch wenn es damals noch technische Einschränkungen gab.
Obwohl der Film an den Kinokassen nur mäßigen Erfolg hatte, entwickelte er eine starke Kultanhängerschaft. Besonders in der Videospiel-Community wurde er gefeiert, da er thematisch eng mit der aufkommenden digitalen Kultur verbunden war. Disney ging damals neue Wege – mit Filmen wie Tron oder Das schwarze Loch, die an den Kinokassen floppten, aber heute eine treue Fanbase haben. Ich warte noch immer auf die Bluray zum schwarzen Loch.
Interessanterweise wurde Tron nicht für den Oscar in der Kategorie „Beste visuelle Effekte“ nominiert, da die Academy CGI als „zu einfach“ ansah – ein Urteil, das heute geradezu ironisch erscheint angesichts der Komplexität moderner digitaler Effekte.
Die Vision hinter Tron Regisseur Steven Lisberger wollte eine virtuelle Realität erschaffen, in der Computerprogramme als lebendige Entitäten dargestellt werden. Diese Idee war ihrer Zeit weit voraus und spiegelte die wachsende Bedeutung von Computern und Netzwerken wider. Ich war als Kind fasziniert von dieser Vorstellung – und bin es bis heute.
Thematisch behandelt Tron den Konflikt zwischen Individuen und mächtigen Konzernen, die den Zugang zu Informationen kontrollieren wollen. Diese Thematik bleibt auch heute hochaktuell und unterstreicht die visionäre Qualität des Films. Die visuelle Gestaltung von Tron – mit seinen leuchtenden Farben und geometrischen Formen – war stark von Videospielen inspiriert und schuf ein futuristisches Bild, das es bis dahin im Kino nicht gegeben hatte. Lisberger ließ sich dabei von Spielen wie Pong inspirieren.
So eine Anreise musste schon geplant werden. Auf dem Programm stand das erste schwäbische Microlino-Treffen in Schwabmünchen. Eigentlich sind es nur 45 Kilometer, aber mit unserem Gefährt ist es gefühlt eine kleine Weltreise. Wir sind im Besitz eines Microlinos. Dies ist eine dieser sympathischen, elektrisch betriebenen Knutschkugeln und wir wollten Gleichgesinnte treffen und uns austauschen – Community ist heute das A und O.
Im Grunde ist der Microlino eine Art Isetta, aber eben nur elektrisch. Bisher verwenden wir unser zweisitziges E-Mobil nur für Fahrten im Landkreis, zum Bäcker, zum Arzt, zum Kino, zur Arbeitsstelle – also für übersichtliche Strecken. Wir haben noch einen Hybrid-Lexus, aber dank eigener PV-Anlage fahren wir mit dem Microlino elektrisch ohne weitere Kosten, und wir genießen es. Wir haben eben die Sonne im Tank.
Über die Facebook-Gruppe „Microlino Gruppe – D/A/CH“ hat meine Frau von dem Stammtisch erfahren, und nachdem sie vor ein paar Jahren (oder besser Jahrzehnten) in Schwabmünchen die höhere Schule besucht hatte, ging es also nach Bayerisch-Schwaben mit unserem blauen Pioneer. Ich postete in dem Insta-Account unseres Fahrzeugs. Geplante Fahrzeit waren rund 50 Minuten.
Am Vormittag wurde bei bestem Sonnenschein die Batterie auf 100 Prozent betankt und dann ging es los. Die Fahrt über Landstraßen und durch Dörfer ist immer ein Genuss. Das Schiebedach war natürlich meist geöffnet. Wenn wir Menschen begegneten, begegnete uns immer ein Lächeln. Der Microlino weckt gerade bei Älteren Erinnerungen an ihre Jugend, an die Zeit des Wirtschaftswunders, als die BMW Isetta für die kleine, neugewonnene Freiheit stand. Für die später Geborenen ist das Auto eine nette Erscheinung im Straßenbild. Auch Verbrenner-Freaks sehen in dem Microlino keine Bedrohung ihrer Potenz. Das Auto hat eine übersichtliche Reichweite und die Höchstgeschwindigkeit ist 90 Stundenkilometer – bergab.
Eine Fahrt von München nach Hamburg ist zwar theoretisch möglich, aber wer so ein Auto fährt, der braucht Zeit. Wie Karl Friedrich Wilhelm Wander im 19. Jahrhundert erklärte: Der Weg ist das Ziel. Für Langstrecken nehme ich sowieso den Zug.
Auf dem Weg nach Schwabmünchen bemerken wir die Schattenseiten des Autofahrens auf deutschen Straßen. Es wird dicht aufgefahren, es wird gedrängelt, es wird verbotenerweise überholt. Aber wir lassen uns nicht aus der Ruhe bringen. Der Weg ist das Ziel und die bayerische Landschaft ist schön. In Schwabmünchen angekommen, mussten wir erst einmal an eine Ladesäule. Wir tankten zum ersten Mal an einer öffentlichen Ladesäule, dieses Mal von den Lechwerken. Sie hat zwei Steckdosen. Die erste Dose war von einem VW blockiert, der aber bereits vollständig geladen war. Wir luden über die Website, gezahlt wurde per PayPal. Während unser Microlino Strom tankte, gingen wir ein Eis essen. Meine Gattin zeigte mir das Café, in dem sie als Pänälerin ihre Zeit vertrieb. Interessant war, dass nur Barzahlung möglich war – auch ein Unding im 21. Jahrhundert.
Nach 45 Minuten koppelten wir unser Auto von der Ladesäule ab und fuhren zum Veranstaltungsort. Der VW an der anderen Säule stand noch immer da und blockierte die Säule. Das sehe ich als Problem an, wenn vollgeladene Fahrzeuge die Ladesäulen blockieren. Einen Verbrenner lasse ich ja auch nicht nach dem Tanken an der Tanksäule der Tankstelle stehen.
Am Veranstaltungsort angekommen, warteten schon andere Microlinos in einer Reihe. Was für ein netter Anblick, was für nette Farben, was für ein netter Humor. Zwei Autos hatten auf ihren Dächern zum Spaß Aufziehschlüssel wie bei Spielzeugen. Microlino-Fahrer haben eben Humor.
Robert, der Organisator des ersten schwäbischen Stammtisches, hatte sich viel Mühe gegeben. Er hatte extra ein Metalllogo für den Stammtisch angefertigt, und jeder Teilnehmer bekam eine Metallplakette und ein Süßgebäck in Form eines Microlinos. Vielen Dank, Robert, für deine Mühe. Die Teilnehmer kamen aus Schwaben und sogar zwei Teilnehmer nahmen die lange Reise aus der Schweiz auf sich – tolle Leistung. Die Gespräche drehten sich um Emotionen, weniger um Technik. Es gab natürlich immer wieder interessante Details. Scheinbar werden jetzt stärkere Akkus verbaut, der Wunsch nach Schlüsselanhängern aus der Schweiz kam auf, die Montage von Kofferhaltern am Heck wurde diskutiert. Auch das Händlernetz kam zur Sprache. Wir hatten unseren Microlino aus der Motorworld in München, aber Auto Weiss in Aichach ist der Händler unserer Wahl.
Auf dem Parkplatz blieben immer wieder Spaziergänger stehen und interessierten sich für unsere Autos. Sympathische Gespräche mit sympathischen Leuten, kein Präsentieren von PS-Boliden wie bei manch anderem Automobilstammtisch. Spätnachmittags ging es dann wieder zurück. Der Stammtisch hat sich gelohnt.
Seit 30 Jahren oder mehr bin ich Mitglied in dieser Institution in München. Ich hab mein Eintrittsdatum vergessen. Nun feierte der Internationale PresseClub München seinen 75. Geburtstag mit einem Festakt in der bayerischen Residenz zu der Bayerische Staatsminister für Bundesangelegenheiten und Medien, Florian Herrmann geladen hatte. Bei allen vielen schönen Worten gab es eine besondere Überraschung: Charlotte Knobloch wurde zum Ehrenmitglied des Clubs ernannt. Charlotte Knobloch ist seit 1985 Präsidentin der Israelitischen Kultusgemeinde München und Oberbayern und eine streitbare Mahnerin.
Alle Redner betonten die Wichtigkeit einer demokratischen Presse, wiesen aber auch darauf hin, dass die Medienbranche in einem Umbruch ist. Gastgeber und Mutmacher Florian Herrmann meinte zwar, dass die besten Zeiten des Journalismus noch vor uns liegen würde. Zurückgeschaut hat Medienunternehmer und Journalist Helmut Markwort, der an eine der vielen Club-Reisen erinnerte. Damals ging es nach China, das noch unter Mao die Kulturrevolution verkraften musste. In Erinnerung blieb mir, dass der großartige Gerd Runge seinen Hund nachts Gassi führen musste, weil die Chinesen Geschmack an Hund gefunden hatte. Ich hinterfragte die Story des Geschichtenerzählers nicht.
Der amtierende Vorsitzende Uwe Brückner stellte die Leistungsfähigkeit der Münchner Institution am Marienplatz heraus, die sich weiterentwickeln würde. In den PresseClub ging beispielsweise der Bloggerclub hervor und der Verband der Nachwuchsjournalisten in Bayern geht in den PresseClub auf. In beiden Vereinen war ich aktiv tätig.
Gelungen war die Überraschung der Ehrenmitgliedschaft von Charlotte Knobloch. Ich habe die 92jährige Dame immer wieder im Club getroffen und finde es ein richtiges Zeichen vom Vorstand, sie als Ehrenmitglied aufzunehmen. Hier hier Ansprache und sorry für den schlechten Ton in den Hallen der Residenz.
Ich habe mich an diesen Abend prächtig unterhalten mit vielen Weggefährten. Meine tiefe Verbeugung vor dem ehemaligen Club-Vorsitzenden Norbert Matern und auch vor meinen guten Freund Gero Himmelsbach. Ich unterhielt mich mit u.a. Markus Kaiser, Christopher Nordhoff, Tobias Russ, Susanne Himmelsbach, Michael Schmatz, Rudolf Reisbeck, Petra Schmieder-Runschke und Eva Moser. Klatsch und Tratsch
Schreibmaschinen, Fernschreibern und Telefonen Der PresseClub München e.V. feierte also im Jahr 2025 sein 75-jähriges Bestehen und blickt auf eine bewegte Geschichte zurück, die eng mit der Entwicklung des Journalismus in Deutschland verbunden ist. Gegründet wurde der Club am 16. März 1950 unter dem Namen „Verein Auswärtige Presse“ von 41 Journalisten, die sich bereits am 2. August 1948 zur Arbeitsgemeinschaft Auswärtige Presse im Verband der Berufsjournalisten in Bayern zusammengeschlossen hatten. In den ersten Jahren nach seiner Gründung diente der Club vor allem als Arbeitsstätte für Journalisten, ausgestattet mit Schreibmaschinen, Fernschreibern und Telefonen.Seit seiner Gründung haben zahlreiche prominente Persönlichkeiten aus Politik, Wirtschaft, Kultur und Sport den PresseClub besucht, darunter Hildegard Knef, Franz Josef Strauß, Hans-Dietrich Genscher, Olof Palme, August Everding, Mario Adorf, Gerhard Schröder und Helmut Kohl. Diese Besuche unterstreichen die Bedeutung des Clubs als zentrale Plattform für den Austausch zwischen Medienschaffenden und Entscheidungsträgern.
Heute zählt der PresseClub München rund 800 Mitglieder, darunter Journalistinnen und Journalisten, Pressesprecher und Medienverantwortliche aus verschiedenen Bereichen. Der Club versteht sich als unabhängige und überparteiliche Institution, die Themen zur Diskussion stellt und journalistische sowie gesellschaftspolitische Entwicklungen begleitet. Mit jährlich bis zu 300 Veranstaltungen, darunter Pressekonferenzen, Diskussionsrunden und Workshops, bietet der Club ein vielfältiges Programm.
Ein besonderes Anliegen des PresseClubs ist die Förderung des journalistischen Nachwuchses. Seit 2004 bietet der Club ein Mentoring-Programm an, bei dem erfahrene Journalistinnen und Journalisten junge Kolleginnen und Kollegen auf ihrem beruflichen Weg begleiten und beraten. Dieses Engagement unterstreicht die Verpflichtung des Clubs zum Qualitätsjournalismus und zur Unterstützung der nächsten Generation von Medienschaffenden.
Für mich steht fest: Mit seiner reichen Geschichte und seinem kontinuierlichen Engagement bleibt der PresseClub München eine zentrale Institution für den Journalismus und die Medienlandschaft in Deutschland. Und ich bin stolz darauf, ein wenig zu der Geschichte beigetragen zu haben.
Roman Polanskis Ekel ist ein beklemmendes Meisterwerk des psychologischen Horrors und zählt zu den bedeutendsten europäischen Filmen der 1960er Jahre. Ich bespreche und zeige diesen Klassiker am Sonntag 6. April um 10:45 Uhr im Rahmen meiner phantastischen Matinee im Scala Kino Fürstenfeldbruck. Karten gibt es hier.
Bei Ekel handelt sich um Polanskis ersten englischsprachigen Film und zugleich um das erste Werk seiner sogenannten „Apartment-Trilogie“, zu der später Rosemary’s Baby (1968) und Der Mieter (1976) gehören. Gemeinsam ist diesen Filmen die Darstellung des psychischen Verfalls einer Hauptfigur in einem beengten, urbanen Raum. Ekel (Originaltitel: Repulsion) ist dabei das radikalste und vielleicht intimste dieser Werke.
Inhalt des Films Im Zentrum der Handlung steht Carol Ledoux (gespielt von Catherine Deneuve in ihrer ersten großen Hauptrolle), eine junge Belgierin, die mit ihrer Schwester in einer kleinen Londoner Wohnung lebt und als Maniküristin arbeitet. Von Beginn an wirkt Carol scheu, zurückgezogen und emotional abwesend. Ihre Beziehung zu Männern ist von tiefer Abneigung und Angst geprägt, insbesondere gegenüber dem Freund ihrer Schwester und einem Verehrer, der ihr Avancen macht. Als ihre Schwester in den Urlaub fährt und Carol allein in der Wohnung bleibt, beginnt sich ihr psychischer Zustand rapide zu verschlechtern. Die Wände scheinen sich zu verformen, Hände greifen aus den Schatten, Visionen, Wahnvorstellungen und Gewalt übernehmen die Kontrolle. Die Realität löst sich auf.
Psychologischer Horror und Subjektivität Ekel ist ein eindringliches Porträt psychischer Isolation und schleichenden Wahnsinns. Polanski vermeidet dabei klassische Horrorelemente und konzentriert sich auf die innere Welt seiner Hauptfigur. Die Kamera folgt Carol auf Schritt und Tritt, lässt den Zuschauer ihre Wahrnehmung miterleben – ihre Halluzinationen, ihr Zeitgefühl, ihre Angst. Das macht Ekel zu einem intensiven psychologischen Erlebnis, das weniger mit äußeren Schocks arbeitet als mit psychischer Zermürbung.
Visuelle Mittel Polanski und Kameramann Gilbert Taylor setzen dabei auf subtile, aber wirkungsvolle visuelle Mittel. Verzerrte Perspektiven, Schatten, Risse in den Wänden, flackernde Lichter und Geräusche werden Teil einer subjektiven Realität, die zunehmend aus den Fugen gerät. Besonders eindrucksvoll ist die Szene, in der sich plötzlich Hände aus den Wänden strecken – ein visuelles Sinnbild für Carols Angst vor körperlicher Nähe und sexueller Übergriffigkeit. Auch die Geräusche der Stadt, des Tropfens eines Wasserhahns oder das Ticken einer Uhr bekommen eine beängstigende Intensität.
Weibliche Psyche Polanski zeichnet in Ekel das Bild einer Frau, die an der Repression ihrer Sexualität und der Isolation in einer fremden Welt zerbricht. Carol wirkt nicht nur als Einzelperson verletzlich, sondern auch als Projektionsfläche für ein gesellschaftliches Klima, in dem Frauen zwischen Erwartung, Objektifizierung und sozialer Unsichtbarkeit gefangen sind. Ihre Wohnung wird vom Rückzugsort zum Gefängnis, ihr Körper zur Kampfzone.
Der Film verweigert einfache Erklärungen für Carols Zustand. Zwar gibt es Andeutungen eines möglichen Missbrauchs in der Kindheit (ein Familienfoto zeigt Carol als Kind mit einem merkwürdigen Blick auf einen älteren Mann), aber Polanski lässt bewusst Leerstellen. Diese Ambivalenz verstärkt die Wirkung des Films: Carol ist nicht Opfer eines äußeren Täters, sondern vielmehr einer Welt, die sie überfordert und verstört – und aus der sie sich zurückzieht, bis nichts mehr übrig bleibt.
Schauspiel Catherine Deneuve trägt den Film nahezu allein. Ihre Darstellung ist minimalistisch und zurückgenommen, aber von unglaublicher Intensität. Mit kleinen Gesten, Blicken und Haltungen vermittelt sie Carols fortschreitenden Zerfall, ohne jemals zu übertreiben. Gerade in ihrer wortlosen Präsenz entfaltet sich eine beklemmende Spannung, die den Zuschauer tief ins Geschehen hineinzieht.
Polanskis Inszenierung ist kühl, präzise und von einer beinahe klinischen Strenge. Der Film verzichtet auf jede Form von Musikuntermalung in Schlüsselszenen, was die Einsamkeit und Stille in Carols Welt noch verstärkt. Wenn Musik ertönt, dann wirkt sie oft wie ein zusätzliches Element des Unbehagens.
Stilistische Einflüsse Ekel steht in der Tradition europäischer Autorenfilme, insbesondere des französischen Kinos, ist aber auch beeinflusst vom amerikanischen Film noir und expressionistischen Stilmitteln. Man spürt die Nähe zu Alfred Hitchcock – nicht zuletzt durch die Wahl der Blondine in Bedrängnis – aber auch zu Buñuel oder Bergman. Zugleich hat Ekel selbst viele spätere Filme beeinflusst, von Taxi Driver bis Black Swan.
Der Film wurde 1965 von der Kritik gefeiert und gewann mehrere Preise, darunter den Silbernen Bären der Berlinale. Auch heute gilt Ekel als ein Meilenstein des psychologischen Kinos – nicht zuletzt, weil er die Grenzen des Horrorfilms neu definierte.
Ekel ist ein meisterhaft inszenierter, verstörender und tiefgründiger Film, der das Publikum nicht nur erschreckt, sondern auch zur Reflexion über psychische Gesundheit, soziale Isolation und weibliche Identität anregt. Polanski gelingt hier eine visuelle und emotionale Tour de Force, die zu den stärksten psychologischen Filmstudien des 20. Jahrhunderts gehört. Kein Film für schwache Nerven – aber ein absolutes Muss für Cineasten. Ich freue mich auf den Film im Rahmen meiner phantastischen Matinee im Scala. Karten gibt es hier.