Archive for the ‘Medien’ Category

Als die Bilder laufen lernten – Bewegtcontent is King

31. März 2023

Im Moment spreche ich viel mit Kandidaten für den Bayerischen Landtag. Wir sprechen oft, über Social Media Strategien und die Herausforderungen der digitalen Welt. Außerdem kommt immer wieder die Macht von bewegten Bildern zur Sprache. Da empfehle ich gerne das Buch von Maximilian von Rossek: und plötzlich sind da Kameras.

Ich habe das Buch schon mal vorgestellt, und will mich nicht wiederholen. Aber hier ein kleines Video, was ich neulich mit Max aufgenommen habe, der sich mit mir im Vorstand des internationalen Presseclubs München engagiert.

Ich merke, wie sehr Bewegtbild gerade in Social Media Auftritten ankommt. Aber es muss richtig gemacht werden. Ich selbst übe immer wieder in meinem YouTube Kanal, bei dem ich jetzt die Grenze von 3400 Abonnenten überschritten habe.

Das ist sicherlich nicht viel im Vergleich zu reichweitenstarken YouTubern, aber es freut mich, dass meine Inhalte auf eine treue Community treffen und diskutiert werden. Kein Abonnent ist gekauft oder über irgendwelche Tricks zum Abonnieren gedrängt worden, sondern es ist ein rein organisches Wachstum. In der Analyse sehe ich, dass ich in meinem Alter natürlich keine jugendliche rein digitale Zielgruppe erreiche. Hier ist meine Reichweite eher gering. Aber ich bin wohl glaubwürdig für die Zielgruppe meines Alters und das freut mich sehr. Also Zuschauer, die im analogen Zeitalter aufgewachsen sind und sich jetzt mit Interesse der digitalen Welt zuwenden.

Im Moment experimentiere ich mit dem Medium Video. Durch den Einsatz eines Teleprompters werden die Aufnahmen etwas professioneller. Mein nächstes Projekt in Sachen Video sind Stop-Motion-Videos. Ich habe hier schon mal ein paar Probeaufnahmen veröffentlicht. Mal sehen, welche Geschichten ich hier im Video erzählen kann. Und: Ich bin interessiert auf welche Resonanz diese Videos stoßen.

Gordon Moore – immer wieder genannt

25. März 2023

Es gibt kaum ein IT-Seminar für Verbraucher in dem ich ihn nicht zitierte. Gemeint ist Gordon Moore, der ehemalige Chef von Intel, der jetzt im Alter von 94 Jahren verstorben ist. Moore hatte die Gesetzmäßigkeit – auch Moore‘s law – beschrieben, dass sich die Komplexität integrierter Schaltkreise mit minimalen Komponentenkosten regelmäßig verdoppelt. Oder auch ausgedrückt: Je kleiner der Chip wird, desto schneller.

Ich will heute keinen Nachruf schreiben, ich habe Moore nicht gekannt und habe auch nur Intel-Chips verwendet, als sie bei Apple Rechner verbaut waren. Der Umstieg von Power-PC auf Intel, ließ das Apple Universum erbeben. Heute macht Apple seine eigenen Chips und ist Intel wohl weit voraus.

Ob Gordon Moore mit seiner Gesetzmäßigkeit weiterhin recht hat, kann ich nicht beurteilen. Das wäre ein Blick in die Glaskugel. es heißt: Experten gehen davon aus, dass das Moore’sche Gesetz wegen des physikalischen Endes der immer weiteren Verkleinerung ungefähr im Jahr 2025 seine Gültigkeit verlieren wird – schlicht weil noch kleinere Strukturbreiten auf den Siliziumchips dann von quantenmechanischen Effekten unmöglich gemacht würden. Aber warten wir ab. Voraussagen sind immer schwierig, vor allem wenn sie die Zukunft betreffen. Ich werde Gordon Moore aber erst mal weiterhin in meinen Seminaren zitieren und danke ihn unbekannterweise für sein Lebenswerk.

Buchtipp: Syd Barrett von Mick Rock

16. März 2023

Was für ein schöner Mann, was für ein musikalisches Talent und was für ein Untergang. Roger Syd Barrett war der ehemalige Gründer der britischen Supergroup Pink Floyd, der von Drogen zerstört an seinen eigenen Ansprüchen scheiterte, die Band vor dem Durchbruch verließ und dann mehr und mehr von der breiten Öffentlichkeit vergessen wurde.

Ich mag die frühen Pink Floyd (und auch die späten). Und so habe ich mir den Fotoband von Schwarzkopf & Schwarzkopf besorgt, um mich an die schillernde Person Syd Barretts zu erinnern. Die Fotos stammen von Mick Rock, dem Rockfotgrafen der Sechziger und Siebziger, der unter anderen auch David Bowies Ziggy Stardust-Tour ablichtete.

Die Geschichte vom Auftauchen Barretts bei den Floyd-Aufnahmen von Wish you were here sind legendär, als die Bandmitglieder ihren ehemaligen Kumpel nicht mehr erkannten, weil er aufgedunsen und fett vor ihnen erschien. Barrett starb am 6. Juli 2006 verarmt bei seiner Mutter. Die restlichen Mitglieder von Pink Floyd sind Multimillionäre geworden.
Aber der Fotoband von Mick Rock nimmt uns in eine Zeit mit als Syd Barrett geistig noch auf Spur war. In der Nach-Floyd-Ära als Barrett zwei Soloalben veröffentlichte machte Rock noch 1971 ein Interview für den Rolling Stone. 1969 fotografierte er Barrett das erste Mal und dann immer wieder. So auch das Cover des Solo-Albums The Madcap Laughs. Barrett hatte Talent, Aussehen, Mädchen und LSD. Die Drogen setzten ihm zu, er wurde zusehends depressiv und zog sich zurück.

Viele Fotos aus dem Buch stammen aus dieser Album-Session, andere mit Barretts Auto, einem pinken Pontiac Cabrio und die dritte Session fand im Garten von Mick Rock statt. Barrett konnte nicht Autofahren, ein Rad fehlte und das Auto wurde durch Ziegelsteine aufgebockt. Er hatte den Wagen von Mickey Finn von T-Rex. Später verschenkte Barrett das Auto. Die Fotos zeigen einen Künstler.Als Kamera nutzte Rock eine Pentax mit 28 mm Soligor Weitwinkel.

Und es gibt Fotos von Iggy, der geheimnisvollen, meist nackten Frau vom Cover The Madcap Laughs. Das Zimmer von Barrett war leer bis auf einen Schallplattenspieler und eine Matratze auf dem Boden. Und da waren sie die orangen und türkisen Dielen, die uns immer an das Album erinnerten. So leben wohl Künstler oder Menschen, die von Drogen voll gedröhnt sind. Und als ich das Buch gelesen und die Fotos betrachtet habe, lauschte ich der Musik von Syd Barrett. Das Buch von Mick Rock schließt mit einem passenden Zitat von Arthur Rimbaud: „Und wir erinnern uns an ihn und er ist auf eine Reise gegangen …“

Erfahrungen mit der 360 Grad Konferenzkamera KanDao Meeting Pro 360

14. März 2023

Freundlich, aber bestimmt wurde ich von einem Kommentator meines YouTube-Kanals erinnert, dass ich eine Aussage über den Einsatz der 360 Grad Konferenzkamera KanDao Meeting Pro 360 machen sollte.

Ich bin so begeistert, von dem Gerät, dass ich immer wieder vergessen habe, ein Erfahrungsupdate zu posten. Ich nutze die Kamera für hybride Veranstaltungen wie Vorstandssitzungen für einen Kunden. Corona hat uns die Digitalisierung gelehrt und ich möchte diesen Fortschritt absolut nicht missen. Was früher an Online-Meetings nicht möglich war, ist heute eine Selbstverständlichkeit.

So auch bei einem meiner Kunden, die regelmäßig Vorstandssitzungen durchführen. Nicht alle Vorstandsmitglieder können bei den Sitzungen der Vereinigung teilnehmen, weil beispielsweise die Anreise zu aufwändig wäre oder Mitglieder im Urlaub sind, aber dennoch an den Beschlüssen beteiligt werden wollen. So positioniere ich die KanDao Meeting Pro 360 in der Mitte eines Konferenztisches. Wenn kein Tisch vorhanden ist, ist die Kamera auch auf ein Stativ schraubbar. Die Mitglieder der Sitzung platzieren sich herum. Die Kamera ist mit einem Mac über HDMI angeschlossen, der wiederum an einem Beamer hängt auf dem die externen Teilnehmer zu sehen sind, die über Zoom der Veranstaltung beiwohnen. Zoom hat sich als hervorragende Meeting-Software bei mir bewährt, es funktioniert auch bei Webex und Teams.

Die Kamera erfasst alle Konferenzteilnehmer am Tisch. In der Regel wähle ich die Panorama-Ansicht, so dass in zwei Reihen die Teilnehmer übereinander aufgereiht sind. Manches Mal, wähle ich den Portrait-Modus, wenn einzelne Vorstandsmitglieder längere Vorträge halten. Das Umschalten ist per Fernbedienung möglich. In der Diskussion schalte ich aber grundsätzlich in die Panorama-Ansicht, damit die externen Teilnehmer über Zoom wirklich alle Bewegungen und Stimmungsschwakungen mitbekommen. Die Auflösung der Kamera liegt bei 5 MP und das reicht bisher. Die 360 Grad-Mikrofone der 1,7 Kilogramm schweren Kamera sind ausgezeichnet und brauchen nicht durch weitere Mikros unterstützt werden. In geschlossenen Räumen arbeitet das System ohne Probleme.

Und hier das Unboxing-Video.

Heimstudio: Telepromter für Sony ZV1

13. März 2023

Als (Nachwuchs-)YouTuber übe ich regelmäßig und versorge meine kleine, aber feine Community mit Filmen in verschiedenen Playlists. Um professioneller zu werden, habe ich an Hardware aufgestockt. Meine jüngste Anschaffung ist ein Teleprompter.
Ich nutze seit langem Teleprompter-Software für meine iOS-Geräte und bin grundsätzlich zufrieden. Aber ich habe über die Zeit mehrere Probleme für mich identifiziert: Das iPhone Max hat zwar ein großes Display, aber die Schrift ist dennoch zu klein für meine schlechten Augen. Beim iPad Pro 12 ist die Schrift prima, aber die Auflösung der Front-Kamera könnte höher sein und der Anschluss eines externen Mikrofons über das die Apple USB-C-Schnittstelle ist eine Fummelei.

Für meine Online-Schulung verwende ich als Hauptkamera eine Sony ZV1 in 4K und bin bis auf ein paar Kleinigkeiten zufrieden. Ich schließe an die Kamera ein externes Mikro an – im Moment verwende ich den genialen Fieldrekorder Portacapture X8 von Tascam. Also musste nun ein Hardware-Teleprompter für die Sony-Kamera her. Diese habe ich zusätzlich noch mit einem externen Weitwinkelobjektiv ausgestattet, um noch besser meine Shows zu machen.

Teleprompter gibt es wie Sand am Meer. Ich habe mich für den Pafieo S14 entschieden. Vielleicht hätte auch der Pafieo S12 gereicht, aber ich wollte aufgrund meiner schlechten Augen auf Nummer sicher gehen. Das Ding ist aus einer Aluminiumlegierung und in einem Stück zusammenklappbar und wandert bei Nichtgebrauch in einen mitgelieferten Koffer. Der Teleprompter kann auf jedes Stativ montiert werden. Für einen Stativarm am Schreibtisch ist das System zu schwer, daher verwende ich ein standfestes Stativ, das auf meinem Schreibtisch steht.
Ich habe folgenden Workflow. Ich schreibe meine Texte in einem Texteditor – im meinem Fall ist es der iA Writer, der über die iCloud auf alle Apple-Geräte synchronisiert wird. So habe ich überall die gleiche Fassung und kann an jedem Ort meine Texte weiterschreiben.

Kommt es zur Aufnahme, wird der Text in die einfache App Inmei Teleprompter kopiert, die für iOS und Android kostenlos vorliegt. Ein wenig Kosmetik mit Schriftgröße und Hintergrund ist gegebenenfalls nötig. Im Mirror-Mode kann der Text auf dem iPad Pro abgespielt werden. Die Geschwindigkeit steuere ich mit einer Fernbedienung, die dem Teleprompter beiliegt. Das iPad Pro kann wunderbar in den Pafieo S14 eingeklemmt werden. Die Sony ZV1 schaut durch ein schwenkbares Glas auf das die Schrift des iPads gespiegelt wird. Ich positioniere mich vor dem System, starte via Blauzahn meine Sony-Aufnahme und starte den Teleprompter. In der ersten Zeit habe ich noch einen Fieldmonitor über HDMI angeschlossen, um zu überprüfen, ob der Bildausschnitt passt und oder schlimmstenfalls ein Stück schwarzen Stoff von Teleprompter in die Kameralinse ragt. Meine erste Aufnahme war diese hier.

Weitwinkelobjektiv für Sony ZV1
Ich wollte ja eine größere Brennweite für meine Sony ZV1, die ja ein festverbautes Objektiv hat. In der Vergangenheit hatte ich ein aufgeklebtes NoName-Ojektiv verwendet, das grundsätzlich gute Dienste leistete. Doch im Laufe der Zeit und durch die Hitze der Scheinwerfer wurde der Klebstoff porös und das Ding wurde locker.

Ich griff nun zu einer chinesischen Lösung auf dem Hause NEEWER. Ich habe schon ein paar Lampen von NEEWER zufriedenstellend im Einsatz und wählte nun ein 18mm Weitwinkelobjektiv. Ich nahm die weiße Variante, nachdem schwarz zwar optisch besser passt, aber langweilig ist. Das Objektiv wird über einen Adapterring auf die Kamera geschraubt und hält absolut fest. Auch die Steuerung über die Wippe von Weitwinkel zu leichtem Tele klappt ohne Probleme.

So wurde das heimische Studio upgegradet und für weitere Drehs fit gemacht. Mal sehen, was als nächstes ansteht.

ChatGPT im Interview

11. März 2023

Die KI-Chatbot ChatGPT bewegt die Gemüter weltweit und hat die Chance, die Kommunikation und Wissensvermittlung auf den Kopf zu stellen. Seitdem OpenAI die KI ChatGPT im Research Preview Mode kostenfrei zur Verfügung gestellt hat, erstaunt das Tool mit seiner vielfältigen Einsetzbarkeit und dem Umgang mit Sprache, Texten und Aufgaben, die Nutzer an die Künstliche Intelligenz (KI) stellen. Und was diese lernende KI nicht alles kann: In Sekunden Aufsätze und Reden schreiben, Texträtsel lösen, Programme entwickeln, Referate entwickeln, Lebensläufe vorschlagen und vieles mehr. In einer Online-Schulung des Instituts für politische Bildung wurden rund 60 Teilnehmer auf den aktuellen Stand der Technik gebracht. Ein Teilnehmerkommentar angesichts der gesellschaftlichen Herausforderungen: „Ich bin platt, das muss man erst einmal verarbeiten.“

ChatGPT in der Version 3 ist die Abkürzung für Generative Pretrained Transformer, Version 3. Entwickelt wurde sie von dem Non-Profit-Unternehmen OpenAI Inc, das auch die Bild-KI DALL E2 entwickelt hat. Microsoft sicherte sich die Rechte an der Vermarktung des Systems und setzt es probeweise in seiner Suchmaschine Bing ein. Eine akute Gefahr für den Suchmaschinenriesen Google, der mit dem eigenen Chat-Bot BARD die Aufholjagd aufgenommen hat, bisher aber noch nicht so richtig überzeugen konnte. Der Datenbestand von ChatGPT stammt aus dem Jahre 2021. Das bedeutet, dass aktuelle Ereignisse von dem Bot im Moment nicht bearbeitet werden.

Es zeigt sich, dass die Software noch Fehler macht, aber in der Lage ist, zu lernen und sich zu optimieren. Daher ist bei all der Euphorie über ChatGPT vor allem Medienkompetenz beim Nutzer angesagt. Absolut verlässlich sind die Ergebnisse des KI (noch) nicht. Quellenkritik ist angesagt und dennoch sind die Ergebnisse faszinierend.

Was liegt bei einem Seminar der HSS näher, als mit dem Chat-Bot ein Interview über politische Bildung, die HSS und ihre Leitung zu machen.

Auf die Frage: „wie wichtig ist politische Bildung?“ gibt der Bot eine zufriedenstellende Antwort. Dort heißt es unter anderem: „Politische Bildung ist äußerst wichtig für eine funktionierende Demokratie und eine aktive
Bürgerschaft. Sie befähigt Menschen, an politischen Entscheidungsprozessen teilzunehmen und sich für ihre Interessen und Anliegen einzusetzen.“

Auch die Frage nach der Arbeit der Hanns-Seidel-Stiftung konnte der Bot korrekt beantworten. „Ja, die Hanns-Seidel-Stiftung ist mir bekannt. Es handelt sich um eine politische Stiftung, die der Christlich-Sozialen Union (CSU) nahesteht und sich für eine freie und demokratische Gesellschaft einsetzt. Die Stiftung fördert Bildung, Wissenschaft und Forschung sowie internationale Zusammenarbeit und Entwicklungszusammenarbeit.“

Aber im Laufe des Interviews beginnt das System Fehler zu machen und gibt falsche Informationen aus. Auf die Frage nach dem Vorsitzenden und dem Generalsekretär werden Fehlinformationen präsentiert. ChatGPT behauptet, dass der aktuelle Vorsitzende der Hanns-Seidel-Stiftung Markus Söder sei, der auch Ministerpräsident des Freistaats Bayern in Deutschland ist. Der Generalsekretär der Hanns-Seidel-Stiftung sei aktuell Johannes Hintersberger. Beide Informationen sind falsch.

Als ChatGPT auf den Fehler hingewiesen wird und mit Markus Ferber als Vorsitzenden und Oliver Jörg als Generalsekretär konfrontiert wird, weicht die Software zurück und erfindet Informationen. „Es tut mir leid, mein vorheriger Antwort war nicht auf dem neuesten Stand. Tatsächlich war Markus Ferber bis April 2021 der Vorsitzende der Hanns-Seidel-Stiftung und Oliver Jörg war bis Ende 2020 Generalsekretär. Ich bitte um Entschuldigung für die Verwirrung.“ SIEHE SCREENSHOT4
Als eindeutig die Position der Herren Ferber und Jörg vom Menschen klargestellt wird, nimmt der Bot die neuen Informationen in seine Datenbank auf. „Vielen Dank für die Korrektur. Es tut mir leid, dass meine vorherige Antwort nicht auf dem neuesten Stand war. Markus Ferber ist in der Tat der aktuelle Vorsitzende der Hanns-Seidel-Stiftung und Oliver Jörg ist der Generalsekretär. Ich werde meine Datenbank aktualisieren, um sicherzustellen, dass ich korrekte Informationen habe. Nochmals vielen Dank für Ihre Korrektur und Entschuldigung für etwaige Unannehmlichkeiten.“

Erstes Fazit nach der Online-Schulung. Die Möglichkeiten von ChatGTP sind enorm, das System macht Fehler und der bedienende Mensch muss über Medienkompetenz verfügen. Ein alleiniger Verlass auf die KI wäre fatal. Die HSS wird sich in weiteren Seminaren des Instituts für politische Bildung mit den Herausforderungen der KI-Systeme beschäftigen. Die nächsten Seminare sind in Planung.

Der Artikel erschien ursprünglich auf der Website der HSS.

Zeitungsleser sollen auf ePaper umsteigen – ob das klappt?

9. März 2023

Der Zeitungsbranche geht es schlecht, sehr schlecht. Und wenn ich in meinen Seminaren darüber berichte, kann es ein älteres Publikum nicht so richtig nachvollziehen. Die haptische Zeitung aus Papier samt Abo gehört für diese Generation einfach dazu. Das wird sich zumindest für Abonnenten der Ostthüringer Zeitung der Funke-Gruppe ändern. Die Zustellung der Ostthüringer Zeitung wird in unwirtschaftlichen Gebieten von Greiz eingestellt. Die Leser sollen auf ePaper umsteigen.

Hohe Energiekosten, hohe Papierpreise, fehlende Anzeigenerlöse, mangelndes Leserinteresse und auch der Mindestlohn für Zeitungsausträger machen dem System Papierzeitung in manchen Gebieten den Garaus. Im Falle der Ostthüringer Zeitung von Greiz sind es 300 Leser, die jetzt auf das Tablet umsteigen sollen. Das ist für eine digitale Generation kein Problem, wohl aber für eine analoge Generation, die sich an Papier gewöhnt hat. Ich bin gespannt, wie viele Leser umsteigen. Am Beispiel meiner eigenen Mutter sehe ich, wie schwer es der Dame fällt. Sie nutzt zwar das iPad für Kommunikation, aber nicht fürs Zeitungslesen.

Funke wirbt mit dem Umstieg mit deutlich geringen Abo-Kosten. Statt bisher 45,90 Euro zahlen Leser dann monatlich 29,99 Euro. Und Funke hat Großes vor in Sachen Medienkompetenz und verpackt es auch schön: „Um auch Menschen mit bislang wenig digitalen Berührungspunkten die Umstellung so einfach wie möglich zu gestalten, werden die betroffenen Leser*innen vor Ort geschult. Ziel ist es, den Thüringer Landkreis zu einer Modellregion für die Digitalisierung des ländlichen Raums zu machen. Denn die Digitalisierung kann das Leben auf dem Land auch über die Zeitung hinaus bereichern – seien es Lebensmittellieferungen, die Online-Apotheke oder auch der stets aktuelle Nahverkehrsplan.“

Ich kenne die Ostthüringer Zeitung nicht und weiß nicht, wie hoch der lokale und damit kostenintensive Teil der Zeitung ist. Der Mantel wird ja in der Regel von Agenturen wie dpa, afp oder ap geliefert. Da sind rund 30 Euro für ein Digitalabo schon ein stolzer Preis. Unsere Familie ist beispielsweise auf Readly umgestiegen und zahlt eine Flatrate von 10 Euro für einige Zeitungen und eine Ummenge von Zeitschriften. Die lokale Berichterstattung aus dem Dorf gibt es für die entsprechende Facebook-Gruppen und lokalen Blogger.

Jeder Haushalt, der eine OTZ geliefert bekommt, erhält ein Informationsschreiben mit den wichtigsten Punkten zur Nutzung des E-Papers sowie eine Info-Broschüre, die alle Vorteile der digitalen Zeitung aufzeigt. Zusätzlich werden kostenlos Tablet- und Smartphone-Schulungen angeboten, um das OTZ-E-Paper ohne technische Probleme lesen zu können. Ein Tablet gibt es nicht kostenlos dazu. Ich bin mal gespannt. Was denken Sie?

Update Mai 2023: Funke gewinnt im Land­kreis Greiz 30 % von ur­sprünglich rund 300 Abonnentinnen der „Ost­thüringer Zeitung“ für das E-Paper – die Print-Zustellung ist dort beendet. 70 % der Leserschaft verzichten künftig auf die Zeitung

Tasten in VR und AR

8. März 2023

Kennen Sie noch das Muppet-Labor von Professor Bunsenbrenner, dort wo die Zukunft schon heute gemacht wird. Daran erinnert mich eine Meldung der Universität des Saarlandes über Tastsinn im virtuellen Welten. Das Vorhaben von Jürgen Steimle, Informatik-Professor der Universität des Saarlandes, klingt fantastisch.

Der Wissenschaftler will einen Tastsinn in VR mit hauchdünnen elektronischer Folien erreichen, die wie Abzieh-Tattoos auf den Körper aufgetragen werden können. Um die Technologie, die er mit seiner Forschungsgruppe im Rahmen des EU-geförderten Projektes „InteractiveSkin“ entwickelt hat, näher zur Marktreife zu bringen, wird Steimle nun erneut durch den Europäischen Forschungsrat (ERC) mit einem so genannten „Proof-of-Concept-Grant“ unterstützt.

Virtual- und Augmented-Reality (VR und AR) bewegen sich immer mehr hinaus aus dem Nischen-Markt hin zum Massenprodukt. Die meisten Anwendungen der erweiterten Realität haben eines gemeinsam: Sie sprechen nur oder hauptsächlich den Sehsinn an. „Der Tastsinn bleibt in der Regel außen vor, obwohl er ein ganz entscheidender Faktor dabei ist, wie wir unsere Welt wahrnehmen“, erklärt der Informatik-Professor Jürgen Steimle, der die Forschungsgruppe zu Mensch-Computer-Interaktion an der Universität des Saarlandes am Saarland Informatics Campus leitet. Den Tastsinn zentral in virtuelle Welten zu integrieren, würde erheblich dazu beitragen, dass Nutzer diese immersiv erleben, so der Professor.

Bedingt geht das nämlich schon heute: Eine verbreitete Möglichkeit sind in den Händen gehaltene Controller, die durch bewegliche Teile wie Motoren haptische Eindrücke erzeugen, oder auch Handschuhe, in die ebenfalls vibrierende und anderweitig bewegliche Elemente eingebaut sind. Hier bessere Ansätze zu entwickeln, hat sich Professor Jürgen Steimle zur Aufgabe gemacht.

Herausgekommen ist dabei das Projekt „Tacttoo“: Der Name ist ein Kofferwort aus „taktil“, also den Tastsinn betreffend, und „Tattoo“ und beschreibt somit prägnant, was in dem Projekt entwickelt wurde: Eine hauchdünne, nur 35 Mikrometer (tausendstel Millimeter) dicke elektronische Folie, die wie ein Abzieh-Tattoo auf die Haut aufgetragen werden kann und dort nur durch elektrische Reize, ganz ohne bewegliche Teile, den Tastsinn stimulieren kann. Weil die Folie so dünn ist, können Gegenstände noch wie zuvor wahrgenommen und ertastet werden. Das eröffnet neue Anwendungsmöglichkeiten: Wie auch mit anderen Methoden können durch Tacttoo völlig neue haptische Erfahrungen für rein digitale Objekte erzeugt werden (wenngleich auch wesentlich realistischer dank höherer Auflösung), zusätzlich können aber auch reale Objekte um andere Sinneseindrücke erweitert werden. Ich finde die Idee grandios.

So könnte die Technik nach Angaben der Uni beispielweise beim Produktdesign zum Einsatz kommen: Mithilfe von Augmented Reality und eines physischen Prototyps könnte die Haptik verschiedener Materialien ausprobiert werden, bevor es in die Produktion geht. Oder im Falle eines elektrischen Gerätes könnten verschiedene Positionierungen von Knöpfen und anderen physischen Bedienelementen erprobt werden, indem man diese als künstliche haptische Sinneseindrücke simuliert. Auch in der Ausbildung, beispielsweise von Chirurgen, wäre die Technik denkbar. Denn bereits heute werden hier Virtual-Reality-Umgebungen eingesetzt. Diese könnten mithilfe von Steimles Methode um realistisches haptisches Feedback erweitert werden, ohne die nötige Feinmotorik der auszubildenden Mediziner einzuschränken.

Musiktipp: Turrican Box von Chris Huelsbeck

2. März 2023

Wenn es um Scores für Videospiele geht, dann steht bei mir immer Chris Huelsbeck an erster Stelle, der heute seinen 55. Geburtstag feiert. Alles Gute Meister. Persönlich ist die Musik zu Turrican sein wichtigster Beitrag. Turrican erschien im Laufe der Jahre für verschiedene Plattformen und es gibt damit auch unterschiedliche Musik zum Spiel. Und da Chris Huelsbeck Geld verdienen muss, wurden die unterschiedlichen Scores vor kurzem auf farbigen Vinyl in einer Sammelbox veröffentlicht. Und natürlich hab ich als treuer Fan und Retrogamer hier zugeschlagen.

Es handelt sich um die 7 LP-Sammlerbox zum 30. Jubiläum von Turrican. Folgende Aufnahmen hat Strictly Limited Games zusammengefasst und gepresst: Turrican 1 Studio Recordings, Turrican 2 Studio Recordings, Turrican 3 Studio Recordings, Super Turrican 2 Studio Recordings, Turrican 1 Original Sound Version Amiga, Turrican 2 Original Sound Version Amiga, Turrican 3 Original Sound Version Amiga, Mega Turrican Original Sound Version Sega, Super Turrican 1 Original Sound Version SNES und Super Turrican 2 Original Sound Version SNES.

Und hier hab ich das Unboxing-Video von mir:

Laut Strictly Limited Games wurden nur 999 Kopien der Box hergestellt. Ein paar gibt es wohl noch. 1990 erhielt Huelsbecks Karriere einen Aufschwung mit der Musik zu dem Spiel Turrican; vor allen Dingen seine Musik zu Turrican 2 erreichte schnell Kultstatus in der Spiele-Szene. So schaffte er es beispielsweise als einer der ersten, auf dem normalerweise 3-stimmigen Commodore 64 fünf Stimmen zu erzeugen bzw. aus dem normalerweise 4-stimmigen Amiga sieben Stimmen herauszuholen. Turrican und Turrican 2 gehören daher zu den soundtechnischen Meisterwerken der Heimcomputerszene.

Hitler Tagebücher komplett veröffentlicht

25. Februar 2023

Die braune Vergangenheit verkauft sich noch immer bestens. Kaum eine Woche in der Hitler und seine Mischpoke nicht durch die Gazetten getrieben werden oder dass eine mehr oder weniger marktschreierische Sendung in der Glotze läuft: Hitlers Hund, Hitlers Wohnung, Hitlers Autos. Das war so und es ist so. Die Faszination am absoluten Bösen ist allgegenwärtig.

Als Jugendlicher entsetzten mich die gefälschten Hitler-Tagebücher vom Stern und als junger Erwachsener blieb mir das Lachen im Halse bei Schtonk! von Helmut Dietl stecken. Als junger Journalist versuchte ich den Hype um diese Hitler Tagebücher zu verstehen. Wegweisend halte ich das Buch Der Skandal um die Hitler-Tagebücher von Michael Seufert.

Michael Seufert war zum Zeitpunkt des Skandals Redakteur beim STERN und kennt alle Beteiligten. Schonungslos und detailliert berichtet er, warum ausgerechnet im Fall Hitler-Tagebücher alle normalen Kontrollmechanismen beim Stern versagten. Dieses Buch ist die persönliche und spannende Aufarbeitung einer wahren Geschichte, die vor allem von Machtgelüsten, Geheimhaltungswahn und Karrieren, von Blindheit und der Gier nach dem großen Geld handelt.

Ausgezeichnet gemacht war die Podcast-Reihe Faking Hitler vom Stern. Aber ich war neugierig und wollte einmal gerne einen Blick in die Fälschungen werfen. Und nun ist es soweit: Nach 40 Jahren wurden die gefälschten Hitler-Tagebücher veröffentlicht. Der NDR veröffentlicht die gefälschten Hitler-Tagebücher von 1983 in einer kritischen Ausgabe mit wissenschaftlichen Kommentierungen des Historikers Professor Hajo Funke von der FU Berlin.

Dem NDR ist es gelungen, die kompletten 60 Bände der „Hitler-Tagebücher“ lesbar und auch recherchierbar zu machen. Mit Hilfe einer Künstlichen Intelligenz konnte die gefälschte Handschrift Hitlers in ein Transkript übersetzt werden. Damit wird erstmals in vollem Umfang deutlich, in welcher Absicht die Fälschungen verfasst wurden und wie der Stern bereit war, die NS-Geschichte neu zu deuten und zu verharmlosen. Diese sind unter ndr.de/hitlertagebuecher abrufbar. Die Suche ist hier zu finden.

Für den Historiker Prof. Hajo Funke von der FU Berlin, der für den NDR die „Tagebücher“ gelesen und das Projekt wissenschaftlich begleitet hat, ein klarer Akt von Geschichtsfälschung: „Diese Tagebücher sind Ausdruck von Holocaustleugnung. Das ist eindeutig. Sie wollten Hitler von den schlimmsten Verbrechen der Nazis freisprechen“, so Funke in einer Pressemitteilung des NDR. Die Historikerin Heike Görtemaker, die ebenfalls Teil des wissenschaftlichen Beirats war, unterstreicht die massive historische Umdeutung. „Der fiktive Hitler hat mit nationalsozialistischen Gewaltverbrechen nichts zu tun. Er ist sogar derjenige, der versucht, andere seiner Parteigenossen im Zaum zu halten“, so Görtemaker. „Kujau erfindet hier eine positive Hitlerfigur.“

Nach der Veröffentlichung im Netz verbrachte ich einen Tag mit dem Lesen des wirren Zeugs von Fälscher Konrad Kujau. Hitler wusste angeblich nichts vom Holocaust. Das ist die zentrale Erzählung der gefälschten „Hitler-Tagebücher“, die der NDR nach 40 Jahren zum ersten Mal vollständig auswerten konnte. Bislang heute liegen die Originalbände der „Tagebücher“ gesperrt im Safe bei Gruner + Jahr. Dem Projekt des NDR liegen Kopien der Tagebücher zugrunde.

An zahlreichen Stellen erzählt die Fälschung, die der Stern 1983 Zug um Zug als historische Wahrheit veröffentlichen wollte, wie sich ein vermeintlicher Hitler um eine wohlwollende Lösung für die Juden einsetzt. So schreibt der vermeintliche Hitler am 31. Juli 1941, man solle die Juden zur schnellen Auswanderung bewegen oder ihnen „einen sicheren Landstrich in den besetzten Gebieten suchen, wo sie sich selbst ernähren und verwalten können.“ Zu diesem Zeitpunkt war der Holocaust längst von den Nazis radikal entfesselt. Damit wird deutlich, was der Stern 1983 damit meinte, „die Geschichte des Dritten Reiches wird in großen Teilen neu geschrieben werden müssen.“

Wie böswillig die Tagebücher arbeiten, zeigt der Eintrag vom 20. Januar 1942, an dem die Wannsee-Konferenz stattfand, bei der die Deportation der gesamten jüdischen Bevölkerung Europas zur Vernichtung organisiert wurde. Sogar an diesem Tag zeichnet der vermeintliche Hitler ein vollkommen verzerrtes Geschichtsbild: „Erwarte die Meldungen der Konferenz über die Judenfrage. Wir müssen unbedingt einen Platz im Osten finden, wo sich diese Juden selbst ernähren können.“ Diese historische Holocaustfälschung zieht sich in den Tagebüchern über viele Jahre. Hier Zitate vom NDR:

5.2.1942: „Hake nochmals nach, wo nur die ganzen Juden hin sollen. Glaube, darum soll ich mich auch noch kümmern.“
18.2.1942: „Was wird nur mit den Juden. Keiner will sie haben.“
21.5.1942: „Möchte nur wissen, wie weit Himmler mit dem Judenproblem ist.“
29.11.1942: „Wir kommen nicht weiter mit dem Judenproblem. Keiner will sie haben, selbst unbesiedeltes Gebiet stellt man uns für die Umsiedelung nicht zur Verfügung.“
23.5.1943: „Sorge macht mir unser Judenproblem. Nach den mir vorliegenden neuesten Meldungen will sie keiner haben.“
11.1.1945: „Nun sehe ich das ich mit den Juden viel zu human umgegangen bin.“

Mit Hilfe der Künstlichen Intelligenz konnten die Fälschungen erstmals auch vollständig nach Schlagworten durchsucht werden. Dabei zeigt sich, dass alle Begriffe des Holocaust nicht vorkommen. Schlagwörter wie „Endlösung“, „Gaskammer“ oder Hinweise auf die Vernichtungslager Auschwitz, Sobibor, Majdanek oder Treblinka fehlen vollständig.

Doch wie ist die „Holocaust-Fälschung“ in die Tagebücher gekommen? Wie die neuen Recherchen belegen, war der Fälscher der „Hitler-Tagebücher“, Konrad Kujau, tiefer in ein neonazistisches Umfeld verstrickt als bislang bekannt. So hatte Kujau bis in die frühen 80er-Jahre hinein Kontakte zum Umfeld des Neonazi-Führers Michael Kühnen, der Leiter der später verbotenen Aktionsfront Nationaler Aktivisten (ANS) war. Kujau war offenbar eng verbunden mit dem Pressesprecher Kühnens, Lothar Zaulich, mit dem er gemeinsam in den 70er-Jahren Hitlerfälschungen verkaufte. So erstellte Zaulich Reproduktionen von Hitler-Portraits und brachte Kujau bei, wie man sie mit gefälschten Hitler-Unterschriften versieht.

Die Staatsanwaltschaft Stuttgart ermittelte gegen Zaulich von Oktober 1983 bis März 1984, weil er im Verdacht stand, Kujau bei der Herstellung und dem Verkauf seiner Fälschungen unterstützt zu haben. In den Verhören nach dem Stern-Skandal berichtete Zaulich, dass seine Zusammenarbeit mit Kujau mit einer Diskussion darüber begann, wie einfach es sei, historische Dokumente zu fälschen – Zaulichs Beispiel dafür war die angebliche „Vergasungslüge“ der Alliierten. Eine direkte Teilnahme Zaulichs an der Fälschung der „Hitler-Tagebücher“ konnte jedoch nicht nachgewiesen werden.

Bei der Durchsuchung von Zaulichs Wohnung am 13. Oktober 1983 fand die Polizei allerdings weitere Hinweise auf eine enge Zusammenarbeit, etwa ein professionelles Fotolabor, eine Werkstatt zur Herstellung von Reproduktionen und Das Buch der NSDAP von 1934 mit „fertigen Bildelementen von bekannten Kujau-Fälschungen“. Eine andere Quelle bestätigt, wie Kujau und Zaulich die Hitler-Handschrift perfektionierten. So sollen sie aus historischen Dokumenten die Unterschrift Hitlers abfotografiert haben, um sie auf weißes Papier zu projizieren. „Mittels dieser Projektionen übte dann der spätere Hitlertagebuchfälscher Konrad Kujau das Autogramm Hitlers stundenlang, bis er es mit äußerster Präzision in jeder Lebenslage aus dem Handgelenk schreiben konnte“, beschreibt es später der Neonazi und Kühnen-Vize Thomas Brehl in seiner Autobiographie. „Weder Michael Kühnen noch ich verstanden es damals, dass die Verstrickung des Pressechefs der neonazistischen ANS/NA in die Stern-Affäre von den Behörden, zumindest aber von den Medien totgeschwiegen wurde“, so Brehl.
Der Stern äußert sich auf Anfrage nicht zu den neuen Recherchen des NDR, so der NDR in einer Pressemitteilung. Man betont lediglich, dass man die Originale der Tagebücher nie für die Öffentlichkeit freigegeben habe, um „Missbrauch zu verhindern“. Eine 2013 vom Stern zugesagte Freigabe der Originale an das Bundesarchiv ist bis heute nicht erfolgt.