Archive for the ‘Musik’ Category

Beatles in New York – Meine Reiseimpressionen Teil 7

11. Januar 2017

In New York fand ich wieder zu meiner alten Liebe: Ich fand wieder zu den Beatles. Immer wieder begegneten mir im Big Apple die beste Band der Welt und das Feuer für die Fab Four flammte wieder auf. Mein erster Hinweis war ein Plakat in der U-Bahn bei der die Doku Eight Days A Week – The Touring Years bewerben wird. Fand ich sehr schön.

Werbung zur Beatles-Doku in der U-Bahn.

Werbung zur Beatles-Doku in der U-Bahn.

Lego Yellow Submarine
Als ich durch den Lego-Store gegenüber dem Flatiron-Gebäude streifte, entdeckte ich ein paar Restexemplare von Yellow Submarine aus Lego. Ich kannte dieses Lego-Ideas-Produkt aus Deutschland, hatte mich aber damals aus rationalen Gründen gegen des Kauf des gelben U-Boots entschieden. In New York erinnerte ich mich nicht mehr an diese rationalen Gründe und griff zu. Vor allem, nachdem ich gesehen habe, dass das Yellow Submarine in Deutschland bald ausverkauft sein würde. Das U-Boot umfasst 550 Steine und enthält die vier Minifiguren John Lennon, Paul McCartney, George Harrison und Ringo Starr sowie eine Jeremy-Figur. Es war eine schöne Szene, als ich mit dem Gesang von Yellow Submarine zur Kasse ging und der Kassier gleich mit einstieg. Ja, die Beatles verbinden.

Wir leben alle im gelben U-Boot.

Wir leben alle im gelben U-Boot.

Beatles als Kunst
Tags darauf traf ich mich mit meinen US-Kumpel, dem Popart-Künstler Ed Heck. Bei dem Studiobesuch in Brookyln, über den ich noch separat bloggen werde, liefen die Beatles via Apple Music. Anstatt uns über Kunst und die US-Kunstszene zu unterhalten, lauschten Ed Heck und meine Familie verschiedene Beatles Songs von dem Album Love. Einst sah ich das Beatles Musical Love im Cirque du Soleil in Las Vegas, was mir aber nicht gefallen hat. Auf großes Interesse stieß mein Lego-Bausatz und am nächsten Tag kaufte sich Heck sein eignes Yellow Submarine.

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Er hatte früher schon mal die Beatles in seinen Bildern verewigt. Vielleicht plant er bald eine neue Beatles-Serie und mal sehen, wenn meine Finanzen passen, will ich ein Ed Heck Beatles Bild. Nett war auch, dass uns Ed Heck in seinem Studio mit einer Freundin namens Joe empfing. Joe liebte die Beatles ebenso. Ihre Liebe ging sogar soweit, dass die Beatles die Spitze ihrer Hochzeitstorte zierten. Das Brautpaar war ein Stock tiefer auf der Torte. Die Beatles haben überlebt, inzwischen ist Joe geschieden. So kann es gehen.

Auch cool. Der Sohn von Ed Heck spielt Schlagzeug und er ist in einer Masterclass für Schlagzeug. Er durfte vor Weihnachten eine Stunde lang mit Ringo Starr spielen. Mein Neid war ihm sicher.

Beatles-Fans: Ed Heck und Jo

Beatles-Fans: Ed Heck und Jo

Hard Rock Café – der Beatles Himmel auf Erden
Von meinem Bekannten Günther hatte ich die Bitte eine US-Kappe vom Hard Rock Café mitzubringen. Machte ich gerne. Als ich das Hard Rock Café am Times Square betrat, traute ich meinen Augen nicht. Ich traf auf die Anzüge und Ausrüstung der Beatles von der legendären Konzerttournee 1965. Ich hatte noch zu Hause die DVD Eight Days A Week – The Touring Years zum Besprechen und sie mir schon zweimal angesehen. Und jetzt stehe ich vor den Originalkostümen dieser Tour – ich könnte vor Glück heulen. Wie geil ist das denn? Ich drehte mich um und sah das Originalplakat der Beatles Show vom 23. August 1965 im Shea Stadium. Die Show war damals nicht ausverkauft. 11.000 der 55.600 Tickets waren noch zu haben. Die Beatles, allen voran John Lennon und George Harrison, waren von der Tour komplett genervt. Die Fans brüllten so laut, so dass die Musiker ihre eigene Musik nicht hören konnten.

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Eigentlich wollte ich ja nicht die Mütze kaufen, doch es wurde ein längerer Aufenthalt im Hard Rock Café. Es hingen die Plattencovers der Beatles mit den Originalautogrammen der Musiker: Let it Be, Abbey Road, Rubber Soul, Help, das Rock’n Roll-Album von John Lennon und noch vieles mehr. Dann gab es den legendären Bass von Paul zu sehen, die Akustik-Gitarre von George vom concert for bangladesh von 1971. Ein absoluter Hochgenuss waren diese Ausstellungsstücke. Ich kann jedem Musikfreund und natürlich jedem Beatles-Freund den Besuch des Hard Rock Cafés ans Herz legen.

Immer noch ein Traum – das Dakota
Leider haben wir es dieses Mal nicht zu den Strawberry Fields geschafft. Diese Gedenkstätte im New Yorker Central Park wurde von Yoko Ono errichtet als Erinnerung an ihren ermordeten Mann John Lennon. Bisher hatte ich es geschafft, bei jeden meiner New York-Aufenthalte dort vorbeizuschauen und Lennon zu Gedenken. Dieses Mal blieb keine Zeit. Wir sind auch nur kurz beim Dakota vorbeigelaufen. Das ist das Wohnhaus von Lennon in 1 West 72nd Street, vor dem er am 8. Dezember 1980 ermordet wurde. Schade, dass es keine Führungen oder Filmaufnahmen vom Dakota gibt. Auch der Polanski Film Rosemarys Baby wurde hier nur von außen gedreht. Vielleicht lädt mich Sting oder Yoko Ono mal ein 🙂

Musiktipp: Before The Dawn (Live) von Kate Bush

23. Dezember 2016

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Es gibt Ereignisse, das wäre ich gerne, sehr gerne dabei gewesen. Dazu gehört der Tag als Bob Dylan seine Gitarre an den Verstärker beim Newport Festival anschloss, der Tag als Pink Floyd The Wall in Dormund aufführte und jetzt als Kate Bush zu ihren Konzerten nach London rief. Innerhalb von Minuten waren die 22 Konzerte der großen Dame der britischen Popmusik im Hammersmith ausverkauft. Ich bekam keine Karte – leider.
Aber jetzt bekam ich das Dreifach-Album der Konzerte mit dem Titel Before The Dawn. Ich hörte die ersten Takte und ärgerte mich, dass ich damas nicht schneller gewesen war und mir eine Konzertkarte gekauft hatte. Before The Dawn ist der Mitschnitt des Performance von Kate Bush, aber leider nur die Audio-Version. Wie gerne hätte ich die Aufführung gesehen, genossen. Eine Blu ray-Version der Aufführung ist nicht in Sicht und so bleiben uns Fans bisher nur das Dreifachalben. Klassische Fotos oder Youtube-Videos von der Aufführung gibt es nicht oder kaum, denn die Künstlerin bat Aufnahmen zu unterlassen. Und ihre Rechtsanwälte verstehen zudem keinen Spaß.
So sitze ich in meinem Musikzimmer, habe den Kopfhörer auf dem Kopf und versuche Before The Dawn zu genießen. Ich höre die Kompositionen, aber ich vermisse die Bilder. Bei vielen Konzerten brauche ich keine Bilder, denn es gibt nichts außer Tanz und Lightshow. Nicht so bei Kate Bush, die eine künstlerische Gesamtperformace ablieferte. Für mich die Idee der Konzeptalben der siebziger Jahre wie Lamb lay down … in das 21. Jahrhundert übertragen. In manchen Kritiken steht, dass der Klang zu dumpf ist. Ich merke das nicht, aber vielleicht sind meine Ohren zu schlecht oder meine Anlage gibt nicht genug Wums her.

Die Songs von Before The Dawn
Etwas traurig bin ich, dass Kate Bush ihre musikalische Frühphase übersprungen hat. Wahrscheinlich klappen die hohen Töne nicht mehr so und bevor es peinlich wird, kamen Sachen wie Wuthering Heights oder Babuschka nicht mehr zum Einsatz. Es startet mit der ersten CD und sieben Songs stammen von von den Alben Hounds Of Love („Running Up That Hill“ sowie „Hounds of Love“), „The Sensual World“ („Never Be Mine“), „The Red Shoes“ („Lily“ und „Top Of The City“) und „Aerial“ („King Of The Mountain“ und „Joanni“). Stutzig wurde ich beim Start der zweiten CD mit dem Monolog „The Astronomer’s Call“, gesprochen von Kevin Doyle. Dann läuft die gesamte Suite „The Ninth Wave“ vom Album „Hounds Of Love“ ab. Weiter geht es mit der dritten CD. Dort gibt es die “A Sky Of Honey“-Suite zu hören vom zweiten Teil von „Aerial“. Es gibt mit einen komplett neuen Song „Tawny Moon“ . Dieser wird sehr schön interpretiert von Kates Sohn Albert McIntosh. Das Lied ist zwischen „Somewhere In Between“ und „Nocturn“ untergebracht. Das Album endet mit „Among Angels“ vom Album 50 Words For Snow und „Cloudbusting“.

Ich muss zugeben, ich musste mich reinhören. Das Album geht nicht sofort ins Ohr und wer die drei CDs nebenbei hört, der wird bestraft. Kate Bush fordert Aufmerksamkeit ein und so brauchte ich eine Rücksuzugsmöglichkeit, um die Sache in Ruhe anzuhören. Kopfhörer auf und Musik an. Before The Dawn ist gewaltig und spült einen hinweg. Das Lied an der Qualität der Songs und es liegt an der Qualität der Musiker. Jon Carin und David Rhodes spielten u.a. für Pink Floyd und Peter Gabriel. Ebenso rocken Mino Cinélu, Bassist John Giblin und Drummer Omar Hakim, der die Trommel für Michael Jackson, Sting, Daft Punk, Madonna, Dire Straits, David Bowie und Bryan Ferry rührte. Die Herrschaften verstehen ihr Handwerk und so kann sich Kate Bush auf Profis verlassen, so dass sie sich auf ihre Show konzentrieren kann. Die Musik hat derart viel Power. Also klar Kaufbefehl.

König der Löwen im Stage Theater Hamburg

11. Dezember 2016
Der König der Löwen in Hamburg.

Der König der Löwen in Hamburg.

Den Film kannte, die Musik kannte ich auch, was ich bisher noch nicht kannte, war das Muscial. Und da ich mit K2 gerade in Hamburg war, besorgten wir uns Karten für König der Löwen. Natürlich ist es eine Massenveranstaltung, aber was solls. Es hat großen Spaß gemacht und der ganze Aufwand hat sich gelohnt.
Zunächst haben wir die Karten im Internet geordert. Gute Plätze, aber saftige Preise. In Hamburg warfen wir uns in die gute Klamotte und dann ging es ab zum Hafen. Bereits beim ersten Besuch der Landungsbrücken am Nachmittag hatten wir auskundschaftet, wo unser Schiff zum Musical ablegte. Wir wollten unbedingt mit dem Schiff zum Veranstaltungsort fahren. Es gibt schließlich das spezielle Musical Shuttle Schiff. Es ist in gelb und mit dem Logo von Kömig der Löwen geschmückt.

Das Logo zeigt das richtige Schiff.

Das Logo zeigt das richtige Schiff.

Der Fachmann nennt das Teil wohl Barkasse, aber als Bayer hab ich keine Ahnung. Das hat Stil und macht sicherlich Spaß. Die Fahrt selbst kostet nichts, schließlich war das Ticket zum Musical teuer genug. Also bestiegen wir rechtzeitig das Shuttle Schiffchen und nahmen am Oberdeck Platz. Wir wollten schließlich etwas sehen. Wichtig war auch, auf welcher Seite wir stehen. Backbord oder Steuerbord? Wir wählten die richtige Seite und konnten die Abfahrt beobachten. Für uns Landratten ist jede Schifffahrt eine aufregende Sache. Ich hab eine Hpyerlapse-Video gedreht.

Beim Musicial angekommen hatten wir die Wahl, welchen Weg wir gehen. Zwei Spielstätten liegen nebeneinander: Das Wunder von Bern und König dre Löwen. Fußball interessiert mich nicht die Bohne und daher auf zum Löwenkäfig. Da wir sehr früh ankamen, war der Zugang zum Stage Theater noch verschlossen.

Daher hieß es doof herumstehen, Wir nutzen die Zeit, sahen uns die aufgestellte Kunst an und drehten noch ein Hyperlapse-Video von der fließenden Elbe. An der Nordelbe am Hamburger Hafen entstand dieses Hyperpapse Video. Es zeigt das Treiben der Schiffe bei den Landungsbrücken.


Endlich Einlass und weil wir in Deutschland sind, herrscht Gedränge beim Kartenabriss, beim Gang zur Toiliette, beim Anstehen vor dem Souvenir-Shop und beim Anstehen an der Bar. Das Foyer mit insgesamt sieben Bars auf drei Ebenen sowie das SKYLINE Restaurant mit einem schönen Blick auf die Landungsbrücken. Wir nahmen einen Cocktail und suchten unsere Plätze. Wenigstens kein Gedränge beim Einnehmen der Plätze – jeder hat ja seinen nummerierten Platz.

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Blick zur Bühne passt, jetzt zurücklehnen und auf den Start der Show warten. Seit 15 Jahren läuft das Musical in Hamburg und laut Betreiber seit 15 Jahren ausverkauft. Was nun ausverkauft bedeutet, weiß ich nicht. Neben mir waren noch einige Pläze frei. Jetzt die Show genießen, wie bereits Millionen andere zuvor. König der Löwen , das weltweit bereits über 80 Millionen Zuschauer in über 60 Städten begeisterte, blickt an der Elbe auf eine unglaubliche Erfolgsgeschichte zurück. Nach mehr als 6.000 Shows und über 11 Millionen Besuchern, ist die Begeisterung ungebrochen und das war auch bei mir so. Disney weiß, was gute Unterhaltung ist. 300 Masken, Puppets und Requisiten, mehr als 400 fantastischen Kostümen sorgen für eine prima Show und die Musik von Elton John begeistert ebenso wie die afrikanischen Rhythmen.

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Die Story von König der Löwen
Der kleine Löwe Simba wächst in der farbenprächtigen Welt Afrikas auf. Im Königreich seines Vaters, des Königs der Löwen Mufasa, leben alle Tiere friedvoll zusammen. Übermutig und ungeduldig, groß und erwachsen zu werden, besteht Simba viele Mutproben und erlebt so manches Abenteuer zusammen mit seiner Freundin Nala.
Die Harmonie im Königreich wird überschattet, als Scar, der Bruder von König Mufasa und Simbas Onkel, aus Eifersucht und Machthunger eine Intrige ausheckt, der König Musafa zum Opfer fällt. Scar redet dem kleinen Löwen Simba ein, für den Tod von König Musafa verantwortlich zu sein und reißt die Macht an sich. Simba wird aus dem Königreich vertrieben.

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Entmutigt und von Schuldgefühlen geplagt, flüchtet Simba in den fernen Dschungel. Dort findet er in Erdmännchen Timon und Warzenschwein Pumbaa neue Freunde, die ihn durch ihre sorgenfreie Lebensphilosophie „Hakuna Matata“ („glücklich ist, wer vergisst, was doch nicht zu ändern ist“) von seinem Kummer ablenken.
Unterdessen verarmt das Königreich unter der Zwangsherrschaft Scars zu trockenem und leblosem Ödland. Im fernen Dschungel wird sich Simba, der inzwischen zu einem kräftigen Junglöwen herangewachsen ist, seiner Vergangenheit und seiner Pflichten bewusst. Bestärkt durch das Wiedersehen mit seiner Jugendfreundin Nala und dem weisen Schamanen Rafiki beschließt Simba, sich seiner Verantwortung zu stellen.

Persönlicher Nachruf auf Greg Lake

10. Dezember 2016

Das Jahr 2016 fordert ein weiteres Todesopfer unter meinen Lieblingsmusikern. Vor kurzem verstarb Greg Lake im Alter von 69 Jahren an Krebs. Lake gehörte zwei meiner Lieblingsbands an, die ich bis heute sehr gerne höre: King Crimson und Emerson, Lake & Palmer. Nachdem Keith Emerson in diesem Jahr Selbstmord beging, verlor jetzt Greg Lake den Kampf mit dem Krebs. Ich bin fassungslos. Nun kann die Besetzung Keith Emerson, Greg Lake und Cozy Powell im Himmel weiterrocken, wie sie es auch kurzzeitig auf der Erde getan an. Powell starb vor Jahren bei einem Autounfall.

Die Todesmeldung von Greg Lake in Facebook.

Die Todesmeldung von Greg Lake in Facebook.

Als ich das erste Mal die Stimme von Greg Lake hörte, war ich von deren Klarheit fasziniert. Sie führte mich an den komplizerten Prog-Rock der siebziger Jahre heran. Das erste Mal hörte ich ELP wohl im Musikunterricht beim Thema Programmmusik. Herr Kemper, unser Musiklehrer, spielte uns Bilder einer Ausstellung vor und brachte mir den Prog-Rock näher. Diese Musikstunde bedeutete viel für mein späteres musikalisches Leben und zeigt mir, wie wichtig Musik in der Schule ist. Ich hörte die Stimme von Greg Lake und das geniale Zusammenspiel von Keith Emerson und Carl Palmer. Von dieser Minute an war ich ELP-Fan. Die ersten Alben waren musikalisch eine Offenbarung. Die Stimme von Greg Lake immer dabei. Weiter ging es dann mit King Crimson: die Musik wurde komplizierter, aber Greg Lakes Stimme sorgte mit den Texten von Peter Sinfield für eine Konstante.

Gedanken von Carl Palmer zum Tode seines Freundes.

Gedanken von Carl Palmer zum Tode seines Freundes.

Die Streithälse Emerson und Lake drifteten immer weiter auseinander. Der eine Richtung Wagner, der andere Richtung Kommerz. Sogar ein Weihnachtslied gab es von Greg Lake – Schwamm drüber. Als ELP zerbrachen, kaufte ich mir die Soloprojekte der drei Musiker, die mich aber so richtig nicht mehr überzeugten. Einzig Keith Emerson hatte ein paar gute Momente und Alben. Jede Wiedervereinigung von ELP bejubelte ich, auch wenn das Resultat mal gut, mal mäßig war. Ich hielt ELP die Treue. Leider habe ich die Herrschaften nie live gesehen. Nach dem Selbstmord von Keith Emerson zerplatze auch dieser Traum. Und jetzt ging Greg Lake von uns, ich wusste nicht mal, dass er krank ist. Wieder einer meiner musikalischen Helden ging dieses Jahr für immer. Das Jahr 2016 ist ein schlimmes Jahr für die Rockmusik: Lemmy, Bowie, Emerson, Russell und jetzt Greg Lake. Vielen Dank für die Freunde Greg – und im Moment höre ich Still… You turn me on:

Do you want to be an angel,
Do you wanna be an angel
Do you wanna be a star
Do you wanna play some magic
On my guitar
Do you wanna be a poet
Do you wanna be my string
You could be anything

Musiktipp: Qxygene 3 von Jean-Michel Jarre

7. Dezember 2016
40 Jahre nach Oxygene kommt nun Oxygene 3.

40 Jahre nach Oxygene kommt nun Oxygene 3.

Mir war nicht ganz wohl, als ich die CD auspackte und in den Player legte, den Kopfhörer aufsetzte und Play drückte. Nach den ersten Takten, nach den ersten Stücken war ich allerdings versöhnt. 40 Jahre nach dem Erscheinen von Qxygene veröffentlichte Elektronikpionier Jean-Michel Jarre vor kurzem seinen dritten Teil. Nach zwei Alben der jüngsten Zeit, die mir eher durchschnittlich gefallen haben, kommt jetzt Oxygene 3 auf den Markt. Es ist eine solide Weiterentwicklung des Konzepts und das Album macht mir einen riesigen Spaß. Ich vermisse zwar das Blummbern und Zischen der alten Tage, aber Jean-Michel Jarre hat seine Ideen weiterentwickelt und ins 21. Jahrhundert gerettet. Qxygene 3 ist moderner geworden ohne seine Ursrpünge zu verleugnen.

Den ersten Eindruck von Qxygene 3 bekam ich im November bei einem Konzert in Nürnberg. als Jean-Michel Jarre den Track 17 aus dem neuen Album live spielte. Das Konzert und auch die Musik von Qxygene 3 hat mir gefallen, wie ich auch in meinem Blog geschrieben habe.
Nun Oxygene 3 setzt die Tradition der Nummerierung fort. Dieses Mal sind die Stücke Oxygene 14 bis 20 enthalten und zudem ein Continuous Mix. Ich habe mir die Oxygene Trilogy gekauft. Zwar hatte ich das Album von 1976 auf LP und CD, das Album Oxygene 2 finde ich nicht mehr und so war der Kauf der Trilogie beschlossene Sache.
Das neue Album startet unaufgeregt, sphärisch. Als ich die ersten Takte hörte, löste sich die Spannung. Endlich, endlich bringt er mir das, was ich an Jarre mag. Allerdings sind die Melodien des ersten Albums in den 40 Jahren verloren gegangen. Jarre ist mit der Zeit gegangen. Es gibt heute viel mehr Rhythmus und weniger Melodie. Vielleicht hat er sich auch mit den Sequenzer ein paar Mal zu einfach gemacht. Das war bei der Electronica-Tour zu bemerken und ist auch hier zu bemerken. Als Fan der ersten Stunde stört mich das ein wenig, aber es ist wohl der Lauf der Dinge.
Die Begeisterung über die elektronischen Klänge wird Jarre heute nicht mehr auslösen. Was vor 40 Jahren eine Revolution war und zum Gesprächsthema war, provoziert heute keinen mehr. Elektronische Musik ist heute Bestandteil der Musikwelt geworden, aber das sind Tüftler wie Jarre, Schulze, Kraftwerk und Froese zu verdanken. Für mich war die Musik eine Zeitreise. Jarre nahm mich mit auf eine Reise durch meine Gedanken. Was früher Space-Musik war, inspiiert heute meine Gedanken. Als ich den Kopfhörer wieder absetzte, war ich wieder in meinem Musikzimmer. Für die Art der Reise bin ich Jean-Michel Jarre dankbar. Nach Luft schnappen, wie früher einmal, musste ich heute nicht mehr und auch das ist gut so. Oxygene 3 kommt auf mein iPhone und wird eine Zeitlang musikalischer Begleiter auf meinen Reisen sein.

Konzertkritik und mehr: Video Games Live in Nürnberg 2016

24. November 2016
Video Games Live gastierte dieses Mal in Nürnberg

Video Games Live gastierte dieses Mal in Nürnberg

Zum zweiten Jahr in diesem Jahr war ich bei Video Games Live. Nach dem Konzert in München besuchte ich nun den Auftritt in Nürnberg. Ich mag das amerikanische Show-Gehabe von Tommy Tallarico, aber vor allem mag ich Soundtracks von Videospielen.
Eine ausführliche Kritik über das Münchner Konzert habe ich in meinem Blog geschrieben. Es waren in Nürnberg ähnliche Songs am Start und es hat mir auch gefallen.


Dieses Mal möchte ich mir an dieser Stelle mehr Gedanken um Videospielsoundtracks als Kulturgut machen. Bei aller Diskussion in der Vergangenheit steht heute eindeutig fest: Videospiele sind ein Kulturgut. Games sind zu einer Leitkultur geworden. Videospiele sind aber auch ein erheblicher Wirtschaftsfaktor. Es werden mehr Videospiele umgesetzt als Karten an der Kinokasse verkauft. Und dennoch werden Gamesentwickler immernoch stiefmütterlich behandelt. Die Vergabepolitik der deutschen Förderer kümmert sich meines Erachten lieber um die Filmer als um die Gamer. Das ist ein Gefühl, handfeste Zahlen liegen mir nicht vor. Aber natürlich hat sich viel getan, die Situation rund ums Spiel ist besser geworden.


Als ich im Konzert in der Nürnberger Meistersingerhalle saß, trugen mich meine Gedanken fort, als ich die Soundtracks der Klassiker hörte. Mit Videospielen identifiziere ich mich heute mehr als mit Filmen. In Filmen muss ich passiv der Handlung folgen, die mir ein Regisseur vorgibt. Keine Frage, es gibt geniale Filme. Aber in einem Spiel kann ich in eine handelnde Person schlüpfen und mich in das Spiel einbringen. Das macht für mich den Reiz aus. Ich muss Verantwortung für meine Handlung und Entscheidungen übernehmen. Jeder Ruck am Joystick oder Gamepad hat Folgen für meine Spielfigur. Im Film kann ich nur der Figur folgen und natürlich auch mitfiebern. Beim Videospiel ist dieses Gefühl intensiver.


Sowohl Film als auch Spiel wären ärmer, wenn es den Soundtrack nicht geben würde. Ich sammle seit Jahren Filmsoundtracks. Meine Götter heißen hier John Williams und Jerry Goldsmith. Es gibt zahlreiche Lieblinge, aber sicherlich gehört Hans Zimmer nicht dazu. Immer mehr freunde ich mich mit Gamessoundtracks an. Ich kam über die Filmkomponisten zu den Gameskomponisten. Leute wie Michael Giacchino brachten Film und Spiel zusammen. Leider stelle ich fest, dass Komponisten für Soundtracks in Deutschland nicht so behandelt werden. Dabei ist für mich doch eine Selbstverständlichkeit, Leute wie Chris Huelsbeck mit seinen Kickerstarter-Aktionen zu unterstützen.


Das ist leider bei den Preisen und Auszeichnungen wenig Begeisterung für Videospielkomponisten zu spüren. Beim animago AWARD, ein Preis den ich jahrelang selbst vergeben durfte, spielt der Soundtrack keine Rolle. Aber der Score sorgt für das Gefühl in der Animation. Noch sträflicher finde ich es, dass es beim Deutschen Computerspielpreis keine Auszeichnungen für Videogameskomponisten gibt. Ich werde den Gedanken nochmals an die zuständige Staatsministerin Dorothee Bär einbringen, die sich hervorragend um Games in Deutschland kümmert. Meine Kritik habe ich bereits bei der jüngsten Verleihung in meinem Blog verfasst.


Wenn ich in die Rolle einer Spielfigur schlüpfe und dies kann auch nur ein Pixelklötzchen in einem 8-Bit Game als Retrogamer sein, dann steigert sich meine Spielerfahrung wenn sie mit Musik angereichert ist. Und wenn der Soundtrack ordentlich komponiert und arrangiert ist, dann geht der Score ins Ohr, ins Bewusstein und verbindet sich mit dem Spiel. Alles zusammen gehört zu einer Marke.

Hochzeitsantrag auf einer Konzertbühne.

Hochzeitsantrag auf einer Konzertbühne.

Wie emotional Videospiele sind, habe ich in Nürnberg auf dem Konzert von Video Games Live gesehen. Nach der Pause kam auf einmal ein junger Mann namens Markus auf die Bühne. Er hatte eine junge Frau mit Namen Anna dabei, die etwas verdutzt schaute. Markus machte ihr auf der Bühne vor versammelten Publikum einen Heiratsantrag, den Anna annahm. Das Ja-Wort wurde von den Besuchern der Meistersingerhalle mit donnernden Applaus belohnt. Tommy Tallarico, Organisator der Video Games Live, hat die Anfrage kurz vor seinem Nürnberger Gastspiel bekommen und zugestimmt. Vielen Dank Tommy Tallarico. Das Paar wird den Abend nicht vergessen und ich habe das Schauspiel aus einiger Entfernung mitgedreht.


Auch Hans Ippisch, heute Geschäftsführer von Computec und vor langer Zeit Videospieljournalist, hielt eine launige Ansprache und erinnerte an vergangene Zeiten.


Bei all der Musik, die an dem Abend gespielt wurde, mochte ich die Tetris Suite am liebsten. Tetris machte das Videospiel erwachsen und ist der Klassiker es Casual Games. Mein GameBoy von früher ist heute noch immer im Einsatz und Tetris liegt griffbereit.


Fast Lagerfeuerromantik brach aus, als Akteure und Publikum gemeinsam den Mario Song und I’m alive sangen. Schön war es.

 

 

Konzertkritik: Jean-Michel Jarre in Nürnberg 2016

20. November 2016

Ich weiß nicht, ob mir der neue Jean-Michel Jarre gefällt. Ich weiß nicht, ob es mir gefällt, was ich im Konzert in der Nürnberg Arena gesehen und gehört habe. Ich weiß es einfach nicht.
Fest steht auf jeden Fall, dass es der alte Recke mit seinen 68 Jahren noch immer kann. Auf der Bühne wirkt der Pionier der elektronischen Musik frisch, nahezu jung. Begleitet von zwei Musikern an seiner Seite lieferte er in Nürnberg eine eindrucksvolle Show im Rahmen der Electronica World Tour ab bei der richtig Stimmung aufkam.
Hart und kräftig waren die Beats, die das elektrische Trio von der Bühne ins Publikum abfeuerte. Elektronik pur und schneidende Klänge, die den Körper durchdrangen, die zum Tanzen und Bewegen aufforderten.

So etwas habe ich bei einem Jean-Michel Jarre Konzert nicht erwartet und hatte damit die erste Zeit zu kämpfen. Jarre führt auf der Bühne das fort, was er mit seinen jüngsten beiden Alben begonnen hat. Mein Problem nur: Ich mag die beiden jüngsten Alben Electronica 1 und 2 nur teilweise. Ich bin dem musikalischen Weg von Jarre jahrelang, jahrzehntelang gefolgt. Nur bei den jüngsten Alben versagte meine Gefolgschaft. Jarre kooperierte mit Musikern, die ihn und uns beeinflussten. Das klingt gut, aber die meisten der Musiker mag ich nicht.


Das schien aber nur mein Problem in Nürnberg zu sein. Das Publikum quittierte jeden Song mit donnernden Applaus. Und richtig: Jean-Michel Jarre hat seine Sache in Nürnberg wirklich gut gemacht. Die Show war großartig. Er hat die Nürnberg Arena zum Kochen gebracht.
Das lag zum einen an der harten elektronischen Musik, es lang zum anderen aber auch an einer gewaltigen Licht- und Tonanlage. Der Sound war nahezu perfekt. Und die Lightshow war absolut state of the art und hat die Zuschauer in ihren Bann gezogen. Jarre wich selbst bei vielen Stücken hinter die Light- und Lasershow zurück und trat mit seinen Keyboards und Controllern in den Hintergrund.


Absolut faszinierend war auch sein Ausflug in die Laserharfe. Direkt, wenige Meter vor dem Publikum, spielte er auf dieser grünen Lichtharfe und entlockte ihr intensive Klänge. Ich war fasziniert, begeistert und dann erstarrte ich. Jarre spielte mit seiner Laserharfe und erzeugte einen Lichtdom. Verdammt, wusste Jean-Michel Jarre nicht, wo er gerade auftritt? Hat es ihm keiner gesagt, dass er nur wenige Hundert Meter von Hitlers Aufmarschgebiet in Nürnberg spielte? Hat ihm keiner gesagt, dass Leni Riefenstahl und Albert Speer Lichtdome in Nürnberg nutzten, um den Nationalsozialismus zu feiern? Ich bekam die Bilder nicht aus den Kopf. Ich denke, ich hoffe, dass die Konzertagentur dies dem Franzosen verheimlicht haben. Mir lief es bei diesem technisch und musikalisch perfekten Auftritt der Kombination von Musik, Licht, Farbe, Sound und Effekte kalt den Rücken herunter.


Ich brauchte einige Zeit, bis ich mir wieder gefangen hatte und die schrecklichen Bilder der deutschen Vergangenheit an diesem Ort abschütteln konnte. Dann genoss ich allerdings das Konzert, wobei ich die früheren Stücke der Klassiker einfach besser fand. Sie wurden zwar härter auf der Bühne gespielt, aber für mich kamen schöne Erinnerungen an meine Jugend hoch, als ich die Musik von Jean-Michel Jarre entdeckte. Ich weiß noch, wie ich mir mit meinen Schulfreunden heftige Wortgefechte lieferte, ob Equinux oder Oxgene nun Fahrstuhlmusik oder ernstzunehmende Unterhaltung war. Ich war der Meinung, dass die Musik von Jarre eine besondere Art von Kunst darstellen. Durch ihn entdeckte ich die elektronische Musik. Jarre ebene die Wege für Tangerine Dream, Klaus Schulze, Kitaro, Tomita, Cluster, Autechre, Yello, Keith Emerson und immer wieder Kraftwerk. Ohne Jarre hätte ich nie Kraftwerk entdeckt und dafür bin ich ihm noch heute Dank schuldig. Kraftwerk war minimal, Jarre war maximal.
Der erste Höhepunkt des Nürnberger Konzertes war für mich eindeutig der Song Exit, bei dem Jarre den Whistleblower Edward Snowden zu Wort kommen ließ. Jarre unterstützt ausdrücklich die Arbeit von Snowden und dem schließe ich mich an. Wenn nicht wir gegen Überwachung aufstehen, wer sollte es denn sonst tun? Weise Worte.
In meinen Stuhl lehnte ich mich zurück, als Jarre Gedanken aus meiner Jugend wieder zurück in mein Bewusstein brachte. Er spielte auf der Bühne nicht nur Oxygene 8, sondern auch Souvenirs of China. Mein Gott, ist diese Musik lange her. 1987 habe ich das Stück zum ersten Mal gehört. Wirklich begeistert war ich von den alten Stücken des Meisters – und das Publikum war es ebenso.


Als Abschluss gab es noch ein Zuckerl. Es gab einen Ausblick auf das neue Album Oxygene 3. Die Musik ist eine versöhnliche Geste an die alten Fans wie mich, die mit dem Techno-Sound der vergangenen beiden Alben nicht viel anfangen konnte. Oxygene 3 wird im Dezember veröffentlicht und wir durften in Nürnberg aus der Überraschungstüte naschen. Gut hat es getan.

Musiktipp: Box 1971-1981 von Cluster

17. November 2016

cluster

Ich wurde wieder auf Cluster aufmerksam als ich mir die neue Jean-Michel Jarre kaufte und eine Kritik über das Album schrieb. Ich philosophierte herum, mit wem würde der französische Elektronik-Pionier auf eine Kooperation eingehen? Dabei dachte ich auch an den im Juli 2015 leider verstorbenen Dieter Moebuis. Moebius war Gründungsmitglied von Cluster und schon hatte ich das Bedürfnis wieder Dieter Moebius und Hans-Joachim Roedelius, die Pioniere der deutschen Elektromusik zu hören.
Cluster war und ist enorm wichtig, aber wenn ich in meinen näheren Bekanntenkreis herumfrage, hat sie kaum jemand gehört. Den Bandnamen Cluster kennt man wohl, aber richtig gehört haben die innovative Band wohl eher die wenigsten aus meinem Umfeld. Das war bei meinen amerikanischen Bekanntschaften anders, die bezeichnen Cluster als Krautrock. Naja, der Begriff passt zum Ausland und zeigt, was Anfang der Siebziger Jahre musikalisch in Deutschland passiert ist.
Man braucht auch die richtige Muse, diese Klangkollagen anzuhören. Cluster im Auto macht mich, gelinde gesagt, verrückt. Am besten, ich ziehe mich in ein verdunkeltes Zimmer zurück, Kopfhörer aufgesetzt und Musik aufgedreht. Ich empfinde die Musik als radikal, wirklich radikal. Es erfasst mich eine gewissen Trance. Ich konzentrierte mich auf Einspielungen, Rhythmen, Gepiepe und Gepfeife. Der Synthesizer als neues Instrument wurde in die Musik eingeführt. Ja ist denn das noch Musik? Ja, aber sicher eine spezielle Art von Kopfmusik. In die Beine oder zum Mitschunkeln eignet sich das Werk von Cluster nur bedingt.
Wired nannte die Cluster eine Band, die zu den 100 wichtigsten Bands der Musikgeschichte gehörte und deren Musik kaum einer je gehört habe. Passt ganz gut.
Dabei war die deutsche Band ungeheuer produktiv. Ich kaufte mir vor kurzem als Ergänzung zu den einzelnen Cluster-Alben die Box 1971-1981 mit der Musik der Jahre 1971 bis 1981. Der Inhalt ist nicht neu. Es handelt sich um die einzelnen Alben auf CD ohne Ergänzungen. Auf die Albencover der Originalalben wurde verzichtet und es gibt nur pastellfarbene Pappcover mit Titelaufdruck und auf der Rückseite die Titel des Albums. Obwohl ich schon ein paar Alben von Cluster besaß, wollte ich jetzt die Frühphase der Band komplett haben. Als einziger Bonus der Box gab es eine Live-CD mit zwei Konzerten. Das sind die wirklichen Neuveröffentlichungen. Also mal wieder reinhören.

Persönlicher Nachruf auf Leonard Cohen

11. November 2016
Leonard Cohen ist tot.

Leonard Cohen ist tot.

Gerade noch gestern Abend saß ich mit einem Kollegen in der Lobby meiner Seminarunterkunft und habe das göttliche Halleluja gehört. Heute morgen wachte ich auf und erfuhr, dass er verstorben ist. Leonard Cohen hat mit 82 Jahren diese Welt verlassen.
Das Jahr 2016 ist ein schlimmes Jahr für die Musikwelt. Viele Musiker wurden uns genommen. Lemmy, David Bowie, Prince, Keith Emerson und nun auch der legendäre Leonard Cohen. Vor ein paar Tagen habe ich sein jüngstes Album You want it darker in meinem Blog besprochen. Seine Musik war voller Todesahnungen. Er sang, er sei bereit für seinen Schöpfer. Während ich diese Zeilen schreibe, höre ich seine Musik und könnte weinen. Er hatte seine Vorahnung.
Neben Bob Dylan gehört Leonard Cohen für mich zu den wichtigsten und engsten musikalischen Begleitern meines Lebens. Ich fühle mich heute, als hätte ich ein Familienmitglied verloren – einen weisen Mann voller Erfahrungen.
Wie ich in meiner Kritik zum Album geschrieben habe, hatte Cohen seiner ewigen Muse Marianne bei ihrem bevorstehenden Tode geschrieben, dass er bald folgen würde. Das war kein Marketinggag, sondern es wurde heute Wirklichkeit. Die Zeilen lauteten: „Well Marianne, it’s come to this time when we are really so old and our bodies are falling apart and I think I will follow you very soon. Know that I am so close behind you that if you stretch out your hand, I think you can reach mine.“ Jetzt sind die beiden in der Ewigkeit wieder vereint.
Ich hörte Cohen, wenn ich Trost brauchte, wenn ich Rat brauchte, wenn ich Zweifel hatte. Er stellte die richtigen Fragen. Neben all den Klassikern, die wir von ihm kennen und für die wir ihn verehren, ist für mich einer aus dem Album Ten new songs von 2001 ein ganz bedeutender Song: Alexandra is leaving. Das Lied handelt vom Abschied, vom Loslassen.
Ich habe gehört, dass in Montreal, dem Geburtsort von Leonard Cohen, die Fahnen auf Halbmast gesetzt sind. Das finde ich eine schöne Geste für den verstorbenen Dichter. Ich werde heute nur seine Musik hören und wenn ich heute Abend wieder zu Hause bin, seine Gedichte lesen. Im Moment sitze ich in einem Zimmer meiner Seminarunterkunft und höre, während ich diese Zeilen schreibe, meine Cohen-Playlist. Und ich höre immer wieder sein göttliches Hallelujah. Es ist dunkler geworden, viel dunkler. Vielen Dank Leonard Cohen, vielen Dank für alles.

Buchtipp: Freddie Mercury von Lesley-Ann Jones

7. November 2016

Ich geb es gleich am Anfang zu: Ich bin kein besonderer Queen-Fan. Ich mochte die alten Queen-Scheiben, kann aber mit den neueren Alben nichts anfangen. Die Musik war nett, viele Ohrwürmer, aber so richtig überzeugte mich Queen eigentlich nicht. Und dennoch wollte ich die Biografie über den Queen-Sänger Freddie Mercury lesen, weil mich das Phänomen Queen und damit auch Freddie Mercury reizt.
Die Musik von Queen begleitet mich mein gesamtes musikalisches Leben und wer Queen nicht kennt, der hat noch nie Musik gehört. Keine Party in meiner Jugend ohne „We will rock you“, keine Siegerehrung bei meinen Friseuren im Landesinnungsverband ohne „We are the champions“, keine Fahrradtour, ohne dass einer „Bicycle Race“ (freilich ohne nackte Frauen) anstimmte und ich geb es zu, unter der Dusche stimme ich „Flash“ gerne an. Auch brauchen wir nicht diskutieren, ob Bohemian Rhapsody ein Klassiker ist oder nicht – er ist es ohne Zweifel und ein großartiger noch dazu.
Ich glaube, ich nahm Abstand zu Queen nach den Veröffentlichungen zu Works. Bis dahin war ich kein großer Queen-Fan, aber die Musik störte mich nicht. Mit The Works wurde die Musik zu Pop und Queen öffnete sich dem Kommerz. Radio Ga Ga mochte ich nicht, die Hommage an Metropolit fand ich schauderhaft. Die nachfolgenden Alben A Kind of Magic, The Miracle, Innuendo und Made in Heaven fand ich grausam.

Eine lesenswerte Biografie über Freddie Mercury von Lesley-Ann Jones aus dem Piper Verlag

Eine lesenswerte Biografie über Freddie Mercury von Lesley-Ann Jones aus dem Piper Verlag

Ich erinnere mich gerne zurück, als ich mit meinem Kollegen Thomas Schmelzer, heute erfolgreicher Buchautor und Moderator, im Wohnzimmer seiner Eltern das Live Aid-Konzert ansahen. Es waren tolle Leute auf der Bühne, viele Leute nach meinem Geschmack, aber Queen rockte das Stadion und prägte sich mir ein. Ich hoffe auf geniale Auftritte von The Who und Led Zeppelin, aber Queen rockte die Hütte. Wir waren sprachlos auf dem Fernseher und muss sagen, der Freddie versteht sein Handwerk.


Und genau mit Live Aid setzt das Buch Freddie Mercury: Die Biografie von Lesley-Ann Jones, einer britischen Rockjournalistin, ein. Ihr Buch Freddie Mercury wurde mir vom Piper Verlag kostenlos zu Rezensionszwecken überlassen. Lesley-Ann Jones berichtet von der Faszination von Live Aid und von der Faszination zur Person Freddie Mercury. Das Buch ist gut geschrieben, aber leider fehlt mir die kritische Distanz der Autorin zu Freddie Mercury. Die Biografie liest sich wunderbar schnell, ist aber zum Teil eine reine Heldenverehrung. Wer aber Bestätigung braucht, welch toller Sänger der Herr Mercury war, der bekommt bei der Lektüre des Buches Balsam auf die Seele. Es stimmt schon, Freddie Mercury hatte absolutes Talent, aber eine Biografie muss auch eine Einordnung und Bewertung für mich sein. Das ist das vorliegende Buch eher nicht.
Vielleicht braucht es dies auch nicht. Rechtzeitig zum 25. Todestag am 24. November 2016 ist dieses Buch erschienen und gibt einen Einblick in die gigantige Rock’n Roll-Party des charismatischen Freddie Mercury. Freddie hat in seinem Lebens nichts ausgelassen. In diesem Buch ergänzt Lesley-Ann Jones die Legenden und Mythen um Mercurys Person kenntnisreich und liefert ein sehr persönliches und intimes Portrait des Mannes, der einst erklärte: „I won’t be a rockstar. I will be a legend.“ Zwischen Genie und Wahnsinn liegen nur wenige Momente. Über die Arbeit mit Queen wird eher in Statistiken und Plattenverkäufen berichtet. Über den Prozess der Studioarbeit und des Schreiben von Songs geht die Autorin weniger ein. Es wird der Fokus auf Konzerte und Live-Acts gelegt. Queen waren zwar eine einzigartige Live-Band, aber sie schufen auch im Studio großes. Ich hätte mehr über Bohemian Rhapsody gelesen, die Bedeutung und den Hintergrund, den dieser Song einnimmt.
Einen Teil der Biografie nimmt die sexuelle Orientierung von Mercury ein. Freddie Mercury war schwul, hatte zahlreiche Liebhaber und starb an der HIV-Krankheit AIDS. Die Fans erfuhren erst sehr spät von der Erkrankung. Trotz Showman blieb die Erkrankung Privatsache. Spät informierte Mercury seine Band-Kollegen und sein Umfeld. Und hier muss ich die Autorin Lesley-Ann Jones zum großen Teil loben. Während sie über das Musikgeschäft fasziniert und aus der Sicht eines Fans sehr seicht schreibt, geht sie beim Privatleben von Mercury einen Schritt weiter und hat gut in Großbritannien recherchiert. Freunde und Kollegen, männliche und weibliche Liebhaber kommen zu Wort. Schließlich war Lesley-Ann Jones in den Achtzigerjahren Rock-Korrespondentin bei der britischen Tageszeitung Daily Mail. Das britische Umfeld des Stars kommt zu Wort.
Leider kommen mir dagegen die Münchner Geschichten zu kurz. Über sein Verhältnis mit Barbara Valentin, einstmals Ehefrau von Helmut Dietl, wird zwar berichtet, doch gibt es in München in der Schwulenszene so viele Geschichten von Freddie Mercury, die hätten erzählt werden können. München war damals ein Mekka der europäischen Szene und Freddie Mercuy war mitten im Auge des Hurrikans. Hier hätte die Klatsch-Reporterin zeigen können, was sie kann. Münchner Boulevardzeitungen wie die Abendzeitung haben eine tolles Archiv. Vielleicht lag es am mangelnden Deutsch der Autorin, dass solche Quellen nicht berücksichtigt wurden. Das ist schade und hier wurde eine Chance vertan, entscheidende Jahre von Mercury im Buch Freddie Mercury: Die Biografie aufzuarbeiten.
Nun, 25 Jahren ist es nun her, seitdem Freddy Mercury verstorben ist. Heute wäre Freddie Mercury 70. Jahre alt. Queen ist nicht mehr Queen und gerne höre ich die Aufnahmen vor Works zum Jubiläum an. Und die Show wird weitergehen.