Archive for the ‘Medien’ Category

Passwortklau von Gamern auf YouTube

22. September 2022

In unserer Familie wird viel gezockt und ich mische auch kräftig als kleiner YouTuber mit. Da hat mich eine Meldung von Kaspersky nervös gemacht. Die Kaspersky-Experten haben auf YouTube ein ungewöhnliches Schadprogramm-Bundle identifiziert, also eine Sammlung von Schadprogrammen, die in Form einer einzigen Installationsdatei, eines selbstextrahierenden Archivs oder einer anderen Datei mit Installationsfunktionalität verbreitet werden. Dieses zielt auf Gamer ab. Es wird der verbreitete Stealer ‚RedLine‘ eingesetzt, einer der häufigsten Trojaner, der zum Diebstahl von Passwörtern und Anmeldeinformationen aus Browsern verwendet wird.

Cyberkriminelle machen nach Angaben von Kaspersky derzeit aktiv Jagd auf Gaming-Konten und Computerressourcen für Spiele. Kaspersky-Analysen zufolge wird Malware vom Typ Stealer häufig unter dem Deckmantel von Spiele-Hacks, Cheats und Cracks verbreitet. Die Sicherheitsforscher haben eine bislang neue Art schädlicher Aktivitäten im Zusammenhang mit Spielen entdeckt. Die Angreifer platzierten schädliche Pakete auf den YouTube-Kanälen ihrer Opfer unter dem Deckmantel spielbezogener Inhalte zusammen mit einem Link zu einem selbstextrahierenden RAR-Archiv in der Videobeschreibung. Das Archiv enthält mehrere schädliche Dateien – unter anderem einen berüchtigten RedLine-Stealer.

Cyberkrimelle können auf diese Weise Benutzernamen, Passwörter, Cookies, Bankkartendaten und Autofill-Daten von Chromium- und Gecko-basierten Browsern, Daten von Krypto-Wallets, Instant Messengern und FTP/SSH/VPN-Clients sowie Dateien gewisser Geräteerweiterungen erbeuten. Darüber hinaus kann RedLine Programme von Drittanbietern herunterladen und ausführen, Befehle in cmd.exe ausführen sowie Links im Standardbrowser öffnen. Der Stealer verbreitet sich auf verschiedene Weise, unter anderem über schädliche Spam-E-Mails und Drittanbieter-Loader.

Verbreitung der Malware

Neben der RedLine-Payload selbst ist das entdeckte Paket auch wegen seiner Fähigkeit zur Selbstverbreitung interessant. Dafür sind mehrere Dateien in dem Paket verantwortlich Sie empfangen Videos und posten diese auf den YouTube-Kanälen der infizierten Nutzer gemeinsam mit den Links zu einem passwortgeschützten Archiv. Die Videos werben für Cheats und Cracks und bieten Anleitungen zum Hacken beliebter Spiele und Software. Zu den genannten Games gehören APB Reloaded, CrossFire, DayZ, Dying Light 2, F1® 22, Farming Simulator, Farthest Frontier, FIFA 22, Final Fantasy XIV, Forza, Lego Star Wars, Osu!, Point Blank, Project Zomboid, Rust, Sniper Elite, Spider-Man, Stray, Thymesia, VRChat und Walken.

Wenn die Opfer das Originalpaket herunterladen, entpackt sich das RAR-Archiv von selbst. Es enthält eine Reihe schädlicher Dateien, Dienstprogramme und ein Skript zur automatischen Ausführung des Inhalts. Einige der Dateinamen haben explizite Ausdrücke.
Des Weiteren enthält das Bundle einen Miner. Dies ergibt durchaus Sinn, da die Hauptzielgruppe, dem gefundenen Video nach zu urteilen, Gamer sind. Sie haben mit hoher Wahrscheinlichkeit Grafikkarten installiert, die zum Mining verwendet werden können.

Empfindungen und Beobachtungen zur Beerdigung der Queen

20. September 2022

Natürlich war ich medial dabei, als die Queen zu Grabe getragen wurde. Ich hab die Feierlichkeiten im Netz geschaut, so wie ich die Beerdigung von Prinz Philip und 1997 die Beerdigung von Lady Diana im Fernsehen angeschaut habe. Ich kannte beide Damen und den Herrn natürlich nicht persönlich, aber ich wollte bei diesem historischen Ereignis schon dabei sein.

Quelle: BBC

Meine Großmutter schaute sich die Krönung von Elisabeth damals im Fernsehen an, so schaute ich heute mir den Trauerzug und Gottesdienst im Netz an. Als Kanal wählte ich die Website der BBC, weil mir in der deutschen Fernsehübertragung zu viel gequatscht wurde. Kommentierung ist gut, Gequatsche stört dagegen.

Quelle BBC

Es ist bewundernswert, wie die professionell und würdevoll Beerdigung ablief, wie viele Menschen weltweit Abschied von ihrer Queen nahmen. Und so ging es mir auch. Ich kannte in meinem Leben nur Queen Elisabeth II., eine pflichtbewusste Repräsentantin ihres Landes und des Commonwealth. Natürlich hatte die Dame wohl ihre Fehler, aber hey, wer hat die nicht? Sie nahm ihr Amt ernst, sehr ernst und unterwarf sich ihr ganzes Leben der Pflicht der Regentschaft.

Quelle BBC

Für mich wichtig: Sie hatte den Schrecken des Zweiten Weltkriegs erlebt, beriet sich mit Churchill und reichte uns Deutschen nach dem Krieg die Hand zur Versöhnung – eine wahrlich königliche Geste, wenn man bedenkt, was Nazi-Deutschland der Welt angetan hat.

Quelle BBC

Natürlich bin ich anfällig für den Pomp, der hier demonstriert wurde: Farben, Fahnen, Tradition, Paraden, Uniformen und Musik – es passte für mich alles zusammen. Krone, Zepter, Reichsapfel – die Insignien der königlichen Macht auf dem geschmückten Sarg. Das ist ein Bild, das in Erinnerung bleibt. Die Zeremonie der Briten machte auf mich einen enormen Eindruck – Pomp and Circumstance pur und Tausende an den Straßen, um ihrer Queen die letzte Ehre zu erweisen. Und welch ein logistischer Aufwand. Augenscheinlich lief alles wie am Schnürchen. Der Trauerzug bewegte sich exakt wie vorgeschrieben.

Quelle BBC

Und welche eine enorme technische Leistung der BBC, die Übertragung in die ganze Welt ohne Probleme oder Ausfälle sicherzustellen. Hoffentlich wird der technische Aufwand später dokumentiert, wie viele Mitarbeiter mit welcher Technik im Einsatz waren. Ich wäre gerne Mäuschen bei der Regie gewesen. Die Bilder prägten sich ein. Die Kamerastandpunkte fingen genau die richtigen Bilder und die Emotionen ein. Wir erinnern uns: Die Krönung von Elisabeth II. wurde damals weltweit von der BBC als erste Krönung überhaupt im Fernsehen übertragen.

Die Bilder in Westminster Abbey waren sehr eindringlich und perfekt eingefangen, die Regie sehr würdevoll und nicht zu sehr voyeuristisch. Natürlich wurden die Royals nicht aus den Augen gelassen: König Charles III., Camilla als Queen Consort, Princess Royal Anne, der Earl of Wessex Edward, die Kinder William und Harry mit ihren Familien sowie Duke of York Andrew. Ich verfolgte zudem den Live Blog der Gala, um zu erfahren, wer die Ehrengäste waren.

Quelle BBC

Nach den zwei Schweigeminuten um 12:58 Uhr ertönte um 13 Uhr die Nationalhymne God Save the King – da bekam der König Tränen in die Augen. Und als noch das Klagelied des Dudelsackspielers, der im Gang dahinter langsam verschwindet, ertönte, musste ich vor dem Rechner auch ein wenig schluchzten.

Die Welt nahm Abschied von einer großen Frau. Als der Jaguar mit dem Sarg durch die Straßen fuhr und von einer Eskorte von Range Rovers und Motorräder begleitet wurde, warfen die Zuschauer Blumen, die klatschten oder neigten ihr Haupt, während die Glocken der Stadt läuteten. Ein historisches Ereignis.

Quelle BBC

Buchtipp: Digitale Notizen mit GoodNotes

13. September 2022

Heute beginnt in Bayern wieder die Schule und einige Klassen sind so genannte Tablet-Klassen, was ich durchaus begrüße. In der Corona-Zeit haben meine Kinder auf die klassischen Schulhefte verzichtet und mit dem iPad gearbeitet. Siehe da, es hat tadellos funktioniert.

Aber in der Familie haben wir eine kleine Diskussion: GoodNotes oder Notability? Während die Tochter K2 des Hauses auf GoodNotes am iPad und Mac schwört, bin ich ein Freund von Notability am iPad und Mac. K2 hat während des Homeschooling sich für diese Software-Lösung entschieden und auf Paperhefte in der Schule vollkommen verzichtet.

Nun wollte ich GoodNotes auch mal testen und habe dazu vom mitp-Verlag das Buch Digitale Notizen mit GoodNotes von Andrea Rawanschad erhalten. Es ist das erste deutsche Buch zu GoodNotes 5 und erklärt alle Funktionen Schritt für Schritt für den praktischen und produktiven Einsatz auf 264 Seiten. Das sind ziemlich viele Seiten für eine Software, die K2 intuitiv und durch YouTube erlernt hat. Wer will denn schon Anleitungsbücher lesen, wenn es YouTube gibt, hat K2 gefragt.
Ich hab es trotzdem gemacht und habe mich aber nicht von Seite 1 bis Seite 264 durchgehangelt, sondern habe mir verschiedene Probleme überlegt und nach Lösungen in GoodNotes gesucht. Und siehe da: Andrea Rawanschad hat an vieles gedacht. Ihr Stil ist sachlich, nicht belehrend. Das Buch ist versehen mit zahlreichen Abbildungen, die die Lehrinhalte besser im Kopf verankern. Und ich habe das iPad neben das Buch gelegt und nachgeklickt.

Grundsätzlich ist das Buch mit Grafiken und Skizzen gut illustriert. Manches Mal ist allerdings zu viel auf einer Seite – da hätte mir ein Wechsel von Text und Grafik besser gefallen. Auch die Empfehlungen mit Linienstärken und Vorlagen aus dem Netz sind sehr praxisnah. Das Buch eignet sich als Nachschlagewerk und muss nicht von vorne bis hinten gelesen werden.

Aber teilweise ist das Buch Digitale Notizen mit GoodNotes mit unnötig Content aufgebläht. Die Diskussion, welches iPad der Leser braucht und wo die jeweiligen Vor- und Nachteile sind, hätte man sich sparen können. In der Regel habe ich ein iPad und kaufe dann die Anwendung – und nicht andersherum. Auch die Diskussion digitale Welt vs Papierwelt ist unnötig, denn wenn ich GoodNotes und Co nutzen will, dann habe ich mich schon längst für eine der Welten entschieden. Da frage ich mich schon als Leser, für wen ist dieses Buch eigentlich geschrieben?

Wirklich fehlen tat mir die Diskussion um die Cloud. Wenn GoodNotes konsequent genutzt wird, wie im Schulalltag von K2, dann kommt eine Menge an Fotos, Zeichnungen usw in GoodNotes hinein. Da reicht der klassische Speicher von Apple in der synchronisierten iCloud nicht aus. Gibt es andere Möglichkeiten der Cloud-Synchronisation oder Tipps in dieser Richtung? Bei einer zweiten Auflage heißt es für mich: Abspecken des geschwätzigen Contents und mehr Nutzwert für die Praxis im Schul- und Arbeitsalltag.
Kleine Anmerkung zum Layout durch den Verlag. Es geht in diesen Bücher um Struktur und Übersichtlichkeit – also genau das Gegenteil, was die Rückseite des Buches darstellt. Typografischer Wildwuchs, der nicht gerade zum Lesen einlädt, sondern eher nach Schweinebauch-Anzeige aussieht.

9/11 – die erste Seite

11. September 2022

Heute jähren sich die feigen Attentate zum 11. September 2001. Sie haben die Welt verändert und neue Konflikte und Kriege sind heraufgezogen, nachdem Zivilflugzeuge als Waffe eingesetzt wurden. Die Welt ist nicht friedlicher geworden.

Als Journalist arbeitete ich damals nicht bei einer Tageszeitung, sondern bei einem Computermagazin als Textchef. Dennoch war ich ein News-Junkie und verschlag alles an den wenigen Informationen, die zur Verfügung standen. Das Internet brach damals zusammen, weil die Server den Anstieg an Traffic nicht bewältigen konnten. Daher griff ich auf klassische Holzmedien zurück.

Und ich kaufte mir nach kurzer Zeit eine Dokumentation aus dem Karl Müller Verlag aus Köln: Die erste Seite. Internationale Schlagzeilen nach dem 11. September 2001. Das großformatige Buch im Format 37 x 20 cm war schnell und einfach produziert. Es zeigte neben deutschen auch internationale Titelseiten von bekannten und mir unbekannten Tageszeitungen samt Übersetzung Keine Ahnung, wie der Müller-Verkag an die Rechte der Zeitungen damals gekommen ist.

Das Buch ist für mich ein Lehrbuch zum Thema Journalismus. Kaum ein Buch erklärt besser, was die Nachrichtenschwelle in meinem Beruf ist. Die Berichterstattung zum 11. September verdrängte alle anderen Meldungen. Die Nachrichtenschwelle oder Nachrichtenhürde hing sehr hoch, denn keine andere Meldung aus der Welt war so enorm wichtig wie die Attentate, Presse, Funk und Fernsehen berichteten über nichts anderes, weil es uns als Rezipienten absolut interessierte.

Natürlich wurde die Information im Stile der jeweiligen Zeitung dargebracht: Seriös oder Boulevard, sachlich oder reißerisch – je nach Ausrichtung. Gemeinsam war aber: Die Welt hat sich an diesem Tage geändert.

Und leider hat sich die Welt der Verschwörungsmystiker auch nicht geändert. Ich kenne ein paar Leute in meinem Umkreis, die an die wirren Theorien von Schweizern glauben und hoffen, dass endlich mal die Wahrheit hinter den Anschlägen hervorkommt. Ich fass es nicht.

Meine Lieblingsbiografie zur Queen Elisabeth II.

9. September 2022

London bridge is down. Queen Elisabeth II. ist am Donnerstag Abend im Alter von 96 Jahren verstorben. Ich verneige mich vor dieser starken, pflichtbewussten Persönlichkeit. Die Königin ist tot, es lebe der König.

Kolumnisten aus aller Welt werden in dien nächsten Tagen die Leistung dieser außergewöhnlichen Frau würdigen. Und ich habe in meiner Bibliothek gesucht, welche Biografie mich am meisten berührt hat. Für mich war es das Buch Philip und Elisabeth – Porträt einer Ehe aus dem Jahre 2004. Autor war Gyles Brandreth, der für die Toires im Parlament saß, Mitglied der Regierung John Majors war und später als Kolumnist für britische Medien tätig ist.

Brandreth schrieb eine lesbare und unterhaltsame Doppelbiografie von Philip und Elisabeth, die als Paar unschlagbar waren. Sie regierte und er war ihr Halt in guten wie in schlechten Tagen. Dabei werden nicht nur die Herrscher Britanniens und des Commonwealth in ihren unterschiedlichen Arbeitsalltag gezeigt, sondern vor allem die Eheleute, die es mit ihren Kindern nicht leicht hatten. Brandreth hat Elisabeth und Philip als Mitglied der Upper Class öfters getroffen und gewährt uns Lesern einen informativen Einblick ohne in den Adelsklatsch abzugleiten. Die dargebotenen Informationen scheinen mir verlässlich, ohne dass ich sie überprüfen kann. Es klingt alles in allem plausibel und schlüssig. Ich habe am Abend des Todes der Queen wieder einige Seiten gelesen und mich erinnert, dass ich dieses Buch ehrlich geschätzt habe und ich es daher empfehlen möchte.

Queen Elisabeth II. hatte vor allem Haltung bewiesen, Stärke über all die Jahre – und das finde ich bewundernswert. Sicher, die alte Dame hat einen sturren Kopf, aber sie machte ihre Sache ausgezeichnet. Sie hatte so viel erlebt und schwere Zeiten hinter sich gebracht. Sie hatte ihre eigenen Bedürfnisse zurückgestellt und für die Monarchie und die Pflichterfüllung gelebt.
Das Buch endet lange vor Philips Tod, aber wir wissen, die Queen war durch diesen Verlust geprägt. Die authentische Dame ist nun von uns und zu ihrem Philip gegangen. Charles III ist neuer König. Die Frau auf den meisten Münzen und Geldscheinen dieser Welt ist nicht mehr. Eine Ära geht zu Ende.

Meine Workshops für Flüchtlingskinder

7. September 2022

Eine besondere Herausforderung galt es für mich zu bestehen. Ich dufte drei Medienkompetenz-Vorträge vor Flüchtlingskindern halten. Der Verein Hilfe von Mensch zu Mensch e.V.sprach mich auf Empfehlung einer ehemaligen Kursteilnehmerin an (Danke Gabi), ob ich bei dem Projekt zur Umsetzung der UN-Kinderrechtskonvention (gefördert durch die Regierung Oberbayern) mitmachen würde. Ja mache ich, weil es ein wichtiges Thema für unsere Gesellschaft ist.

Der Verein macht sehr viel, wie zum Beispiel das Projekt ZUSAMMEN STARK. Hier werden junge Menschen mit und ohne Flucht- und Migrationsgeschichte zusammengebracht. In den Workshops können sich Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene bis 27 Jahre begegnen, gemeinsam Neues erschaffen und sich dabei vorurteilsfrei kennenlernen. An meinem Medienkompetenz-Workshops nahmen drei Flüchtlingskinder teil, die mit ihren Eltern in einer Unterkunft in Bad Tölz leben.

Meine Seminarteilnehmer
Ich war sehr überrascht, wie gut die Kinder zwischen 9 und 13 Jahren Deutsch sprechen können. Und dennoch war es für mich eine gewisse pädagogische und didaktische Herausforderung, kompliziertes Fachwissen in einfachen Worten zu vermitteln, ohne dass der Inhalt auf der Strecke bleibt. Meine zahlreichen Vorträge in Grundschulen haben mir geholfen die Themen Social Media, Games und FakesNews zielgruppengerecht zu strukturieren und an die Zielgruppe zu bringen. Den Kindern hat es gefallen, sonst wären sie nicht freiwillig wiedergekommen. Abwechslung, Pausen, Medienwechsel – alles musste eingeplant werden.

Die Workshops dauerten in der Regel vier Stunden. Ich rückte mit Kabeltrommel, Beamer und Laptop im Jugend- und Bürgerhaus Lettenholz in Bad Tölz an.

Wichtig für mich war aber auch das gegenseitige Kennenlernen. Die Kinder kamen aus Afghanistan und Nigeria und hatten auf ihrer Flucht mit ihren Eltern viel erlebt. Das junge Mädchen aus Afghanistan berichtete von den Zuständen in ihrer Heimat, von den Taliban und von ihrer Flucht über die Türkei, Griechenland, Italien und Deutschland. Zufall: In Deutschland war sie bevor ihre Familie nach Bad Tölz in Oberbayern kam, bei mir um die Ecke im Auffanglager in Fürstenfeldbruck einquartiert. Dieser Zufall war dann gleich Gesprächsthema und schuf Vertrauen. Bewundernswert: Die junge Muslimin lernte auf ihrer Flucht die türkische und italienische Sprache und kann sich wunderbar in diesen Sprachen ausdrücken. Die sozialen Medien nutzt sie meist auf türkisch. Deutsch lernte sie und ihre Familie schnell in der Bundesrepublik, so dass ihre ältere Schwester eine Ausbildung als Zahnarzthelferin antreten konnte.

Auch interessant: Das Smartphone ist das Hauptkommunikations- und -Informationsmittel. Festnetztelefonie ist unbekannt und Zeitungen werden nicht gelesen. Der Unterschied zwischen seriösen Tageszeitungen, Anzeigenblättern und Boulevardzeitungen ist nicht bekannt, weil der kulturelle Hintergrund ein ganz anderer ist. Informationen werden über Messenger und soziale Netzwerke getauscht mit der Gefahr in die Falle von FakeNews zu gehen. TikTok ist das wichtigste Medium meiner Seminarteilnehmer.

Wie wichtig das gemeinsame Praxis ist, zeigte sich bei den praktischen Übungen und beim Gaming. Kindern lernen hervorragend beim Spielen. Wir spielten Geschicklichkeitsspiele und lernten anhand von Story Cubes Geschichten zu erzählen.

Zusammen Stark
Im Jahr 2019 begann bei dem Verein Hilfe von Mensch zu Mensch e.V. das Projekt „Zusammen Stark“. Die Berater unterstützen neu zugewanderte, dauerhaft bleibeberechtigte Menschen mit Migrationshintergrund sowie Asylbewerber, ihren Alltag in Deutschland zu bewältigen. Das Projekt zur Stärkung von Kinderrechten richtet sich an die vom Verein betreuten Gemeinschaftsunterkünften untergebrachten Kindern und Jugendlichen. Speziell wird das Programm in den Flüchtlingsunterkünften in den Landkreisen Bad Tölz-Wolfratshausen, Weilheim-Schongau und Miesbach angeboten. Ich war bei einem Projekt zur Umsetzung der UN-Kinderrechtskonvention (gefördert durch die Regierung Oberbayern).

Somit war ich das erste Mal im Auftrag der UN unterwegs und leistete mit meinen Vorträgen meinen persönlichen Beitrag.

Olympia 1972: Buchtipp Olympia München 1972 von Harry Valérien

6. September 2022

Ihr wisst es ja, ich bin absolut kein Sportfan (außer Golf) und die Olympischen Spiele 1972 interessierten mich weniger aus sportlicher als vielmehr aus journalistischer Sicht. Aber ich dachte mir, ein klassisches Olympia-Buch muss ich dann doch mal vorstellen. Aber wer die Wahl hat, der hat die Qual.
Ich entschied mich für das Buch Olympia München 1972 von Sportreporter Harry Valérien aus dem Südwest-Verlag München. Wahrscheinlich habe ich zu diesem Buch aus meinem Archiv gegriffen, weil mir Harry Valérien in Erinnerung blieb, als er bei irgendeiner Wintersportmeisterschaft als nix passierte einen Norwegerpulli mit Elch anhatte und die Zuschauer über diese Kleidung anstatt über die sportlichen Leistungen diskutierten.

Das Buch Olympia München 1972 hat natürlich allerhand Tabellen und Ergebnisse zum Inhalt. Auch Gedanken zum feigen Attentat dürfen nicht fehlen. Kluge Texte und eindringliche Bilder machen den Anfang des Buches. Dann geht es fröhlich weiter in den Farben der 70er Jahren. Auch die Perspektiven der Fotos war eine Dokumentation vergangener Zeiten. Die Teleobjektive der Fotografen waren gut, die Filmemulsionen waren auch prima – es war ja eine klassische analoge Fotografie. Die Körnigkeit der Fotos, die Farben waren gelbstichtig, aber die meisten Fotos im Buch waren noch schwarzweiß.

Ulrike Meyfarth und Mark Spitz waren die Sportler, die ich kannte, aber natürlich gibt es viele, viele mehr, die der Sportsfreund natürlich kennt.
Die fröhlichen Spiele, die im Terror endeten, sind ein wichtiges Zeitdokument und so sehe ich dieses Buch auch als ein solches an. Mal sehen, welche Olympia-Bücher ich noch so finde.

Wenn mein Foto der Festwoche das Sommerloch stopft

5. September 2022

Heute muss ich mich selbst loben. Ja, ich weiß, Eigenlob stinkt. Aber heute heißt es: Eigenlob stimmt. Ich freue mich über mich selbst, dass ich zur richtigen Zeit am richtigen Ort war und richtig geschaltet habe, weil ich die Geschichte erkannte. Und es ist auch ein schönes Beispiel, wie gut Sozial Media heute funktioniert.

Foto: Lange
Foto: Lange

Was ist passiert? Es handelt sich um ein Foto, das ich vom Bürgermeister meines Dorfes auf der Maisacher Festwoche gemacht habe. Es war am Seniorentag, der ausgeufert ist. Aufgrund von Personalengpässen wurden einige Senioren sauer, weil wir zu lange auf Hendl und Bier warten mussten. Der Bürgermeister erkannte die Situation und packte beim Bierausschank mit an und servierte den Senioren das Festbier der Brauerei Maisach. Ich habe über diesen Vorfall gebloggt und ein Foto vom Bürgermeister veröffentlicht, als er die Maßkrüge stemmte. Ich sah den Rathauschef und ich sah vor allem die journalistische Geschichte.

Dieser Blogpost und vor allem das Bild wurde geklickt und in Social Media diskutiert. Kaum war der Blogpost online, klingelte schon das Smartphone. Mein alter Kollege Peter Loder vom Fürstenfeldbrucker Tagblatt/Münchner Merkur war dran. Eigentlich ist er Rentner, aber er hat noch den Schreibvirus und schreibt weiter für die Tageszeitung. Auch er erkannte die Geschichte und bat mich das Foto zur Veröffentlichung in der Lokalzeitung Fürstenfeldbrucker Tagblatt/Münchner Merkur. Und weil er ein Profi ist, gab er seine Geschichte mit meinem Bild gleich weiter an die tz, eine Boulevardzeitung aus dem Hause Ippen, bei dem auch der Merkur erscheint. Die Geschichte erschien in der tz online und in Print.

Dann rief die Mutter aller Boulevardzeitung bei mir an: Die BILD München aus dem Hause Springer. Auch sie wollten das Foto des Biertragenden Bürgermeisters und veröffentlichen es sowohl Print als auch online. Und dann kam noch die Süddeutsche Lokales mit der Nachfrage nach dem Foto. Ob sie es allerdings veröffentlichten, weiß ich nicht.

Derweil hat sich die Geschichte verselbstständigt. Das Bayerische Fernsehen mit der Abendschau war in Maisach und drehte mit dem Bürgermeister, der die Personalnot der Festzeltbetrieber sachlich ansprach, der Bayerische Rundfunk und Radio Arabella sendeten Beiträge und unser Bürgermeister durfte Rede und Antwort stehen. Es sprachen mich Leute aus ganz Bayern wegen des Fotos an und die Blogpost ging durch die Decke.
Es tut dem Ego gut, wenn man eine Selbstbestätigung bekommt, dass man seinen Job wirklich gelernt hat und eine journalistische Geschichte erkennt, wenn sie auf der Straße liegt. Und ich hatte Glück, weil wir in der klassischen Sauren Gurken Zeit waren, also Sommerloch. Und es sage noch einer, dass sozial Media keine Wirkung hat.

Der servierende Bürgermeister nahm es mit Humor und wurde auf der Maisacher Festwoche zum Running Gag. An einem Abend brachte er unter Applaus der Festzeltbesucher dem Trio Schleudergang mehrere Maß Bier auf die Bühne. Dazu habe ich ein Video gemacht.

Letzte Eindrücke von der Festwoche

Und gestern nacht ging die 46. Maisacher Festwoche zu Ende. Bürgermeister und Volksfestreferent bedankten sich artig.

Und ich habe noch ein paar letzte Eindrücke von der Festwoche geschossen. Ich hab schon ein paar Ideen für 2023. Mal sehen, ob alle Beteiligten mitspielen.

Olympia 1972: Buchtipp Augenzeuge in Olympia

3. September 2022

Über den technischen Aufwand zur Übertragung der Olympischen Spiele 1972 habe ich ja bereits gebloggt. Jetzt ist mir ein Weihnachtsgeschenk des ZDF aus dem Jahre 1972 in die Hände gefallen. Das Buch heißt Augenzeuge in Olympia und beinhaltet Reflexionen über ein Fernsehereignis. Für mich als Medienfuzzi höchst interessant.

Es enthält viele Fotos von Kameramännern, Besprechungen, BTS-Fotos und auch einige Sportlerbilder – und natürlich das Attentat. Das Buch zeigt deutlich, welcher technische Aufwand damals gefahren wurde. Zum einen wurde noch klassisch auf 16mm Film gedreht, der dann schnell entwickelt und kopiert wurde, bevor er gesendet werden konnte. Zum anderen gab es Live-Übertragungen der Sportveranstaltungen, die dann im Sendestudio geschnitten wurden.

Für mich auch sehr interessant, war eine Dokumentation über die Zeitplanung. Wann wurde welche Entscheidung von wem gefällt und wer damals alles mitgeschnabelt hat.
Und wir sind ja in den siebziger Jahren. Da darf die klassische Mediendiskussion nicht fehlen. Mir hat am besten ein Beitrag von Manfred Delling gefallen, der am 17. Juni 2018 im Alter von 90 Jahren verstorben ist. Er war Dozent für den Bereich Fernsehen an der Deutsche Film- und Fernsehakademie Berlin, war Lektor beim Rowohlt Verlag, hatte eine Fernsehkolumne im Deutschen Allgemeinen Sonntagsblatt und betätigte sich als Publizist. Sein Buch „Bonanza & Co.“ war 1976 eine kritische Bestandsaufnahme des Fernsehens als Unterhaltung und Politik. 1995 erschien in der Reihe „Trouvaillen“ ein Band mit über 100 ausgewählten Fernsehkritiken aus der Zeit von 1964 bis 1993: „Engagement für ein neues Medium“. Manfred Delling hat die Veränderungen des Fernsehens über alle Jahrzehnte kritisch verfolgt und immer versucht, dagegen zu halten. Und so war es auch im Buch „Augenzeuge in Olympia“, wo Delling sich mit der Live-Berichterstattung auseinandersetzte. Kritisch hinterfragte er, wie sich Fernsehen veränderte, warum es vielleicht einfacher gewesen wäre, die Spiele mit all der Zeitlupenaufnahmen und Wiederholungen auf der Mattscheibe anzuschauen anstatt im Münchner Olympiastadion. Diskussionen, die man heute in Live-Streamings genauso führen könnte. Alles in allem ein interessantes Zeitdokument zu Olympia, das ich 50 Jahre später gerne aus dem Archiv entnommen habe.

Buchtipp: 70 Jahre in bester Gesellschaft – Bunte Republik Deutschland

24. August 2022

In der Restrampe entdeckte ich ein Relikt der Vergangenheit: Bunte – Republik Deutschland. Das Buch erschien 2017 zum 70. Bestehen der Klatschzeitschrift.

Die Bunte war für mich immer eine besondere Art von Yellow Press, lange vor Instagram und Influencer der heutigen Zeit. Die Bunte gab Orientierung in der Welt der Stars und Sternchen und sie war immer ein Spiegel der jeweiligen Gesellschaft.
Die Bunte gab es in unserer Familie nicht im Haushalt, aber beim Friseur habe ich die Zeitschrift gerne in die Hand genommen. Die Zeitschrift war ein verlässlicher Lotse durch den Dschungel der Prominenz. Menschen, deren Lebenswege uns über Jahrzehnte hinweg faszinierten, rührten und bewegten.

Lange Jahre war Patrica Riekel die Chefredakteurin des Magazins. Sie schreibt über ihre Zeitschrift. „Als Symbol des Wirtschaftswunders in den Jahren des Wiederaufbaus, Zentralorgan für den enthemmt feiernden Jetset in den 60er und 70er Jahren, Drehbühne für politische Karrieren, erst in den Bonner, dann in der Berliner Republik, und heute im digitalen Zeitalter der Gradmesser für steigende oder sinkende Popularität von Internet-Stars und Influencern.“ Und das beschreibt diesen Sammelband sehr gut. Aus jeder Periode werden Artikel samt Fotos im Originallayout dem Leser präsentiert. Im Grunde befriedigt die Bunte ein Bedürfnis des Voyeurismus. Ich schäme mich, das Leben anderer Leute zu betrachten, denn nichts ist spannender als das Leben anderer Menschen. Davon lebt ein People-Magazin: Der Mensch und seine Geschichten im Mittelpunkt des Leserinteresses.

Brauchte es ein Magazin wie die Bunte? Ja, Klatsch und Tratsch gehört zum Leben und zum Journalismus dazu. Die Bunte hat sich in der Regel immer an ein gewisses Niveau gehalten, obwohl es in den 60er gerne Mal gegen die Hippies gewettert hatte. Die Bunter war nie ein progressives Heft, wie es beispielsweise Twen war. Es geht viel um nationale Prominenz, die näher ist als die internationale Welt. Und die Bunte war für mich ein Magazin mit grundsätzlicher positiver Lebenseinstellung.

Persönlich spielt die gedruckte Bunte keine Rolle (mehr). Das Internet brachte eine neue Möglichkeit der Selbstinszenierung. Aus Nachbarn werden nur Stars. Aus vernetzten Menschen werden Influencer. Eine Bunte brauche ich dazu nicht mehr. Stars und Sternchen und Leute wie du und ich können sich in Insta-Accounts selbst inszenieren und man braucht die Paparazzi der bunten Blätterwelt nicht mehr. Durch Insta und Co können wir kommunizieren und nicht nur Zuschauer oder Leser sein. Da kann eine gedruckte Bunte nicht mehr mithalten.

Daher ist das Werk 70 Jahre in bester Gesellschaft – Bunte Republik Deutschland ein wertvoller Beitrag zur Mediengeschichte und als Journalist lerne ich gerne von den Kollegen der glorreichen Jahre.