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Passwortklau von Gamern auf YouTube

22. September 2022

In unserer Familie wird viel gezockt und ich mische auch kräftig als kleiner YouTuber mit. Da hat mich eine Meldung von Kaspersky nervös gemacht. Die Kaspersky-Experten haben auf YouTube ein ungewöhnliches Schadprogramm-Bundle identifiziert, also eine Sammlung von Schadprogrammen, die in Form einer einzigen Installationsdatei, eines selbstextrahierenden Archivs oder einer anderen Datei mit Installationsfunktionalität verbreitet werden. Dieses zielt auf Gamer ab. Es wird der verbreitete Stealer ‚RedLine‘ eingesetzt, einer der häufigsten Trojaner, der zum Diebstahl von Passwörtern und Anmeldeinformationen aus Browsern verwendet wird.

Cyberkriminelle machen nach Angaben von Kaspersky derzeit aktiv Jagd auf Gaming-Konten und Computerressourcen für Spiele. Kaspersky-Analysen zufolge wird Malware vom Typ Stealer häufig unter dem Deckmantel von Spiele-Hacks, Cheats und Cracks verbreitet. Die Sicherheitsforscher haben eine bislang neue Art schädlicher Aktivitäten im Zusammenhang mit Spielen entdeckt. Die Angreifer platzierten schädliche Pakete auf den YouTube-Kanälen ihrer Opfer unter dem Deckmantel spielbezogener Inhalte zusammen mit einem Link zu einem selbstextrahierenden RAR-Archiv in der Videobeschreibung. Das Archiv enthält mehrere schädliche Dateien – unter anderem einen berüchtigten RedLine-Stealer.

Cyberkrimelle können auf diese Weise Benutzernamen, Passwörter, Cookies, Bankkartendaten und Autofill-Daten von Chromium- und Gecko-basierten Browsern, Daten von Krypto-Wallets, Instant Messengern und FTP/SSH/VPN-Clients sowie Dateien gewisser Geräteerweiterungen erbeuten. Darüber hinaus kann RedLine Programme von Drittanbietern herunterladen und ausführen, Befehle in cmd.exe ausführen sowie Links im Standardbrowser öffnen. Der Stealer verbreitet sich auf verschiedene Weise, unter anderem über schädliche Spam-E-Mails und Drittanbieter-Loader.

Verbreitung der Malware

Neben der RedLine-Payload selbst ist das entdeckte Paket auch wegen seiner Fähigkeit zur Selbstverbreitung interessant. Dafür sind mehrere Dateien in dem Paket verantwortlich Sie empfangen Videos und posten diese auf den YouTube-Kanälen der infizierten Nutzer gemeinsam mit den Links zu einem passwortgeschützten Archiv. Die Videos werben für Cheats und Cracks und bieten Anleitungen zum Hacken beliebter Spiele und Software. Zu den genannten Games gehören APB Reloaded, CrossFire, DayZ, Dying Light 2, F1® 22, Farming Simulator, Farthest Frontier, FIFA 22, Final Fantasy XIV, Forza, Lego Star Wars, Osu!, Point Blank, Project Zomboid, Rust, Sniper Elite, Spider-Man, Stray, Thymesia, VRChat und Walken.

Wenn die Opfer das Originalpaket herunterladen, entpackt sich das RAR-Archiv von selbst. Es enthält eine Reihe schädlicher Dateien, Dienstprogramme und ein Skript zur automatischen Ausführung des Inhalts. Einige der Dateinamen haben explizite Ausdrücke.
Des Weiteren enthält das Bundle einen Miner. Dies ergibt durchaus Sinn, da die Hauptzielgruppe, dem gefundenen Video nach zu urteilen, Gamer sind. Sie haben mit hoher Wahrscheinlichkeit Grafikkarten installiert, die zum Mining verwendet werden können.

YouTube: Der Macher von FunGermanTV spricht

14. Januar 2019

Der 20jährige Nico Desch aus Unterfranken war einstmals ein Star, zumindest für die Gamer-Szene. Nico produzierte Let‘s Play-Videos von Minecraft für seinen YouTube-Kanal FunGermanTV.

Im Gespräch mit Nico Desch von FunGermanTV.

Im Gespräch mit Nico Desch von FunGermanTV.

Nico war Teilnehmer an einem Seminar von mir. Am Rande drehten wir ein YouTube-Video für meinen Kanal. Der sympathische junge Mann, der heute eine Ausbildung als Medienkaufmann absolviert, hat heute im Sport ein neues Hobby gefunden. Aber das Netz vergisst nichts und seine Let‘s Play-Videos laufen heute noch immer gut. Rund 1500 Abonnenten hat er noch, obwohl im Moment kein neuer Content produziert wird. 

Nico nannte mir die Gründe, warum er YouTuber für FunGermanTV wurde. Der wichtigste: Selbstverwirklichung. Der Slogan von YouTube lautet: „Broadcast Yourself.“ „Dort kann ich vor den Zuschauern so sein, wie ich bin und auch sein möchte. Wer mich als Person sympathisch findet, drückt in vielen Fällen auch den magischen „Abonnieren“-Button, um in Zukunft keine Videos von mir zu verpassen. Außerdem rede ich sehr gerne und vor allem viel“, erzählt Nico Desch in einem Artikel, den wir in einer Seminarzeitung geschrieben haben. Eine lustige Persönlichkeit und gute Ideen reichen jedoch nicht aus, um möglichst schnell Reichweite bzw. einen festen Zuschauerkreis generieren zu können. Wichtig ist es die Nische zu finden in der hinein die Videos produziert werden. „In meinem Fall war diese „Gaming“, also ein Computerspiel „zocken“, dabei live kommentieren und alles gleichzeitig aufnehmen, damit abschließend ein fertiges Video entstehet. Mein Favorit war Minecraft“, so Nico. Wer denkt, dass ein bisschen ins Mikrofon schwatzen und dabei spielen einfach ist, der irrt gewaltig. YouTube ist ein schönes Hobby, aber durchaus aufwendig. Es gilt das ein oder andere Computerprogramm dafür zu meistern. So gibt es für die Desktopaufnahme des Spiels eine andere Aufnahmesoftware als für den Ton. Nach der Rohaufnahme werden die Dateien in ein Schnitt-Programm wie z. B. Adobe Premiere Pro eingefügt und dort für den Upload zurecht „gecuttet“. Währenddessen werden die Photoshop Texteinschübe, Grafiken und das Anzeige-Bild (auch Thumbnail genannt) vorbereitet. Bis ein qualitativ gut bearbeitetes Video veröffentlicht werden kann, vergehen gut und gerne 3-5 Stunden.

Broadcast yourself lautet das Motto von YouTube und Nico Desch hat es bei FunGermanTV ernst genommen. Zunächst waren es einfache Videos, dann stieg der Produktionsaufwand und die Abonnentenzahl. Es wurde geschnitten, gephotoshopped, geübt und gezockt. Meine beiden Kinder K1 und K2 schauten FunGermanTV und ich stieg in ihrer Gunst, als ich erzählte, wen ich kennengelernt hatte.  Herauskamen unterhaltsame YouTube-Videos rund um das Klötzchenspiel Minecraft. In dem Gespräch mit mir sprach er über Influencer, den Drang zur Öffentlichkeit, Umgang mit Hatern und warum die ganze Sache mit YouTube ihn einfach Spaß gemacht hat. 

Die Kohle war für Nico Desch kein Anreiz. Er sagt: „Für mich spielte das Geld jedoch nie eine Rolle. Die Möglichkeit mit meinen Zuschauern zu reden und mit ihnen über die Kommentarfunktion zu interagieren, motivierte mich. Durch viel konstruktive Kritik verbesserte ich mich als Videoproduzent stetig und YouTube wuchs mir als Hobby ans Herz.“ 

5 Tipps für YouTuber

In unserer Seminarzeitung gab Nico Desch noch fünf Tipps, mit denen ihr selbst als Amateure als YouTuber durchstarten könnt:

1. Regelmäßig hochladen: YouTube ist eine Google-Plattform und läuft mit einem bestimmten Such-Algorithmus. Ein durchdachtes SEO und regelmäßiges Hochladen von Videos garantiert bei Google und YouTube ein optimales Ranking.

2. Grundequipment: Ein zumindest durchschnittlicher Computer sowie ein einfaches Headset oder Mikrofon sind für einen Videoproduzenten Pflicht. Das macht von Anfang an einen seriösen Eindruck.

3. Am Ball bleiben: Ein großer YouTuber wird man nicht über Nacht. Aber sobald die ersten Abonnenten und positiven Bewertungen ankommen, kann es mit dem Wachstum schneller gehen als man denkt.

4. YouTube Kollegen suchen: Schaut euch nach anderen Kollegen in eurer Sparte um, die in etwa die selbe Abonnentenzahl wie ihr selbst haben. Knüpft Kontakte, gebt euch gegenseitig Verbesserungsvorschläge und kümmert euch um Gastauftritte bei anderen Kanälen.

5. Habt Spaß! Simpel aber grundlegend. Bleibt euch selbst treu und macht das, worauf ihr Lust habt, dann werden das eure potentiellen Zuschauer bemerken und schon bald zu eurer Community gehören.

 

Sturm im Wasserglas – Debatte zur Bundeswehr auf der gamescom

21. August 2016

Flyer gegen Flyer auf der gamescom2016

Flyer gegen Flyer auf der gamescom2016

Wer zu gamescom nach Köln gekommen ist und ganz früh mit dabei sein wollte, für den hieß es Warten. Lange Schlangen bildeten sich vor den Eingängen, weil zusätzliche Taschenkontrollen aus Sicherheitsgründen angesetzt waren. So hatten die Wartenden Zeit, sich umzusehen und ihnen wurden Flyer in die Hand gedrückt. Auf dem Weg zur Spielemesse protestierte ein so genanntes „Antimilitärisches Aktionsbündnis Köln“ gegen den Auftritt der Bundeswehr auf der gamescom. Neben lauter Punkmusik wurden die Wartenden mit einer Postkarte versorgt mit der Aufschrift „Krieg ist kein Spiel“. Die Leute wurden aufgefordert, vor dem Stand der Bundeswehr in Halle 10.2 ein Foto von sich zu machen und es mit #NotAGame zu versehen.
Weiter heißt es auf dem Flyer: „Lasst euch nicht verarschen. Sprechen wir uns hier und überall gegen die Bundewehr aus, denn Krieg ist kein Spiel!“

Ich wollte bei der Bundeswehr auch die andere Seite hören.

Ich wollte bei der Bundeswehr auch die andere Seite hören.

Aufgrund dieser Postkarte bin ich an den Bundeswehr-Stand gegangen und wollte mir die andere Seite anhören. Die Bundeswehr, für mich ein klarer Teil der wehrhaften Demokratie, fuhr Material auf und warb für eine Karriere bei der Bundeswehr. Bis auf die eindrucksvollen Panzerwägen, darunter der leichte Wiesel, habe ich keine Waffentechnik gesehen. Die geschulten Soldatinnen und Soldaten erklärten den Jugendlichen die Karrieremöglichkeiten in der Armee. Unter dem Motto „Projekt digitale Kräfte“ wirbt die Bundeswehr für IT-Soldaten. Diese sind allerdings weniger mit Panzer als vielmehr mit Laptop ausgerüstet und ziehen hier in den digitalen Krieg, der derzeit stattfindet. „Gegen virtuellen Terror hilft kein Dislike-Button“ heißt es in der Broschüre der Bundeswehr. Die aufgefahrenen Panzer dienen wohl eher als Eyechater und weniger als Ausrüstung für die IT-Soldaten. Insgesamt hat die Bundeswehr eine Milliarde Euro IT-Bugdet, sieben IT-Studiengänge, 1,1 Millionen E-Mails pro Tag, 700 Admins werden 2016 gesucht und es gilt über 21000 IT-Stellen zu besetzen und 800 spezielle IT-Soldaten werden 2016 eingestellt. Interessante Zahlen, die ich aus Zeitgründen aber nicht mehr hinterfragt habe.


Mir persönlich stellte sich die Frage nicht, ob die Bundeswehr auf der gamescom oder anderen Messen für eine Karriere werben darf. Natürlich darf sie es meiner Meinung nach. Das hat sie in der Vergangenheit auch und tut es weiterhin. Auf der gamescom kann sie junge Leute erreichen. Das veranstaltet sich nicht, wie ich es bei der US-Army auf US-Messen gesehen habe, mit martialischen Auftreten und Ballerspielen, sondern die Bundeswehr tut es mit Information. Damit habe ich kein Problem.
Einst habe ich gelernt, die Soldaten seien Bürger in Uniform und so wurde die Wehrpflicht begründet. Lügenbaron von Guttenberg hat die Wehrpflicht ausgesetzt und eine Freiwilligenarme eingeführt. Und da junge Männer nicht mehr automatisch zum Bund müssen, muss die Bundeswehr über Veranstaltungen und Anzeigen Leute für eine Karriere interessieren – auch auf der gamescom. Das halte ich legitim. Anders als dieses „Antimilitärisches Aktionsbündnis Köln“ stehe ich zur Bundeswehr und ihren Aufgaben. Bis auf technische Hilfsleistungen beispielsweise bei Hochwasser möchte ich die Bundeswehr aber nicht im Inland eingesetzt haben. Aktuelle Pläne in diese Richtung lehne ich ab. Rüstet die Polizei entsprechend aus, so meine Forderung. Militär im Inneren – damit haben wir keine guten Erfahrungen in Deutschland.

Security vor dem Bundeswehrstand auf der gamescom.

Security vor dem Bundeswehrstand auf der gamescom.

Der Stand der Bundeswehr wurde von Security-Personal der Kölnmesse geschützt, falls es zu Übergriffen oder Pöbeleien kommen sollte. Ich habe allerdings keine gesehen. Die Bundeswehr warb neben dem Cosplayer-Village und so gab es interessante Szenen, wenn ein Engel mit Flügeln, in Leder und Strapse gekleidete Damen oder Pikaschus sich bei der Bundeswehr über Jobmöglichkeiten informierten.
Viel mehr Bedenken hatte ich, dass mancher Aussteller sich nicht an die ausdrückliche Bitte der Kölnmesse gehalten hat. Waffen sollten zu Hause bleiben. Leider stieß ich gegenüber dem Bundeswehrstand auf schwer bewaffnete (Gamer-)Einheiten in voller Ausrüstung. Wenn diese Herrschaften Richtung Bundeswehrstand marschierten, wurden sie von der Security gebeten, einen anderen Weg zu nehmen. Das ist richtig. Noch besser wäre es gewesen, ihnen die Spielzeugwaffen abzunehmen.

Gamification: Dusche sorgt für Wettbewerb

6. Juni 2016

Ein bisschen königlich duschen und dabei Wasser sparen.

Ein bisschen königlich duschen und dabei Wasser sparen.

Wenn ich unter der Dusche stehe, dann habe ich den Drang zum Singen. Klassische Songs wie „Wasser ist zum Waschen da und zum Zähneputzen kann man es benutzen.“ Meine Frau kann ein Lied davon singen (Wortwitz). Aber natürlich weiß ich bei all der peinlichen Singerei, wie wichtig Wasser ist. Trinkwasser ist kostbar und Trinkwasser zu sparen ist eine Aufgabe für jeden von uns. Gerade habe ich in einem Laden gesehen, dass Nestlé Wasser abfüllt und verkauft – geht gar nicht.
Bei einem Kurzurlaub in meinem Lieblingshotel Prinz Luitpold Bad in Bad Hindelang sparte ich Wasser durch Gamification und bin gleichzeitig fasziniert von einem wissenschaftlichen Versuch. In 40 Zimmern des ehrwürdigen Traditionshotels wurden in den Duschen Wasserzähler namens amphiro b1 angebracht, die die Temperatur und den Wasserverbrauch anzeigen. Die Daten werden anonym gesammelt, gespeichert und ausgewertet.

In der Dusche ist der Wasserzähler.

In der Dusche ist der Wasserzähler.

Beim ersten Duschgang verbrauchte ich rund 30 Liter Wasser und hatte eine Durchschnittstemperatur von 34 Grad Celsius. Das Wasser lief, während ich den Astralkörper und das seidene Haar einseifte. „30 Liter ist mir persönlich zuviel. Das muss mit weniger gehen“, dachte ich mir. Und siehe da, Gamification wirkt bei mir. Der Spieler in mir war geweckt.
Beim nächsten Duschgang sparte ich bewusst Wasser. Ich wollte unbedingt unter 30 Liter kommen. Also stellte ich das Wasser beim Einseifen ab. Resultat: 25 Liter – im Vergleich zum vergangenen Mal ganze 5 Liter kostbares Trinkwasser eingespart. Und so ging es weiter. Ich versuchte meine Werte beim Duschen zu verbessern. Das Spielkind in mir stellte sich der eigenen Herausforderung. Gamification wirkt bei mir.

Gamification wirkt bei mir.

Gamification wirkt bei mir.

Dumm allerdings, dass das Messegerät mir keinen persönlichen Highscore angibt. So was hätte ich als Gamer gerne. Ich muss mir meine eigenen Werte merken.
Durch diese Aktion, die im Rahmen der Aktion Zukunftsstadt Bad Hindelang stattfindet, hat sich bei mir das Bewusstsein zum Wassersparen gefestigt. Wissenschaftlich begleitet wird die Aktion vom Fraunhofer Institut FIT, der Universität Bayreuth, der Universität Bamberg und der ETH Zürich. Ich bin an den Ergebnissen sehr interessiert. Und ich werde mir so einen amphiro a1 zulegen.

Studie: Rollenspiele am Computer senken das Urteilsvermögen

3. Februar 2015

Als Gamer bin ich auf eine interessante Studie gestoßen, die die Gamer-Branche beschäftigen wird. Kurz gefasst: Wer Rollenspiele zockt, kann sich im Real Life roboterhaft verhalten. Prof. Ulrich Weger von der privaten Universität Witten/Herdecke (UW/H) untersuchte in einer Studie die Auswirkungen des Hineinversetzens in virtuelle Avatare auf die menschliche Urteilskraft.

avatarRollenspiele am PC oder auf Spielkonsolen, bei denen sich Spieler in die Fußstapfen eines virtuellen, oftmals roboterartigen Wesens – eines Avatars – begeben, führen zu erhöhtem roboterhaften Verhalten in der wirklichen Welt. Dies ist das Ergebnis einer Studie, die Prof. Weger, Leiter des Departments für Psychologie und Psychotherapie an der Universität Witten/Herdecke (UW/H), nun in der Fachzeitschrift Psychonomic Bulletin & Review veröffentlicht hat.
In den Versuchen zur Studie zeigte sich, dass Personen, die eine Weile ein virtuelles Rollenspiel spielten, anschließend eher geneigt waren, dem Urteil von Computern bei einer sozialen Einschätzungsaufgabe zu folgen, auch wenn dieses objektiv falsch war.
Für die Studie spielten Versuchspersonen ein virtuelles Rollenspiel. Probanden in der Vergleichsgruppe schauten den Spielern dagegen einfach nur über die Schulter. Anschließend mussten alle Versuchspersonen entscheiden, wie geeignet bestimmte Kandidaten für eine bestimmte Berufstätigkeit wären. Dazu wurden zwei Kandidaten kurz beschrieben, einer von beiden war dabei der nach beschriebener Motivation und Fähigkeit jeweils besser geeignete. Bevor die Versuchsteilnehmer ihre Meinung abgaben, beurteilten zwei virtuelle Assistenten die Kandidaten. In manchen Fällen waren diese Urteile – gemessen an einem Eignungswert – richtig, in anderen Fällen waren diese Urteile falsch.
„Von besonderem Interesse waren für die Studie die Fälle, in denen die virtuellen Assistenten falsche Urteile abgaben“, erläutert Prof. Weger. „In diesen Fällen zeigte sich, dass Personen, die vorab ein virtuelles Rollenspiel selbst gespielt hatten, eher geneigt waren, sozusagen blind den Einschätzungen der virtuellen Assistenten zu folgen – sie gaben dann auch ihrerseits gehäuft das falsche Urteil ab.“ Aus psychologischer Sicht sei es wenig verwunderlich, dass das Eintauchen in ein roboterhaftes Wesen auch in der realen Welt zu entsprechenden Veränderungen im menschlichen Urteils- und Erlebensvermögen führe, so Weger weiter.
Eine frühere Studie hatte bereits gezeigt, dass virtuelles Rollenspiel dazu führt, dass Spieler eine verminderte Empfindlichkeit gegenüber emotionalen Informationen aufweisen – verdeutlicht an der Schmerzwahrnehmung bei sich selbst und bei anderen Menschen. Prof. Weger: „Die Ergebnisse sprechen eine deutliche Sprache. Vor dem Hintergrund dieser Studien sollten wir uns fragen, was solche Spiele mit uns machen und wie wir damit umgehen wollen. Auch die längerfristigen Wirkungen sind völlig unbekannt. Wenn wir abwarten, bis wir völlige Sicherheit über solche langfristigen Wirkungen haben, ist es für geeignete Gegenmaßnahmen sicher zu spät.“

Schocktrailer von „Dead Island“ tut der Branche keinen Gefallen

26. Februar 2011

Vor kurzem erschien der Teaser zu „Dead Island“ auf YouTube und erschütterte mich. Ich bin gewiss kein Weichei, aber dieser Trailer von Techlands und Deep Silver hat es in sich. Ich möchte mich als CGI-Profi nicht auslassen, über technische Qualität und Dramaturgie des Spots. Das Rendering ist der Hammer. Hier gibt es nichts zu meckern. Falls das Spiel nach der ersten Ankündigung vor vier Jahren doch noch 2011 zum Verkauf ansteht, wird das Gameplay interessant werden. Eine offene Spielelandschaft mit nacktem Terror sowie unterschiedliche Allianzen der Darsteller liefern sicherlich beeindruckende Duelle auf hohem technischen Niveau für Xbox 360 und PC. Ob die PS3 zum Einsatz kommt, ist fraglich.

Aber das moralische Niveau des Trailers von Dead Island ist unterste Schublade. Als Vater habe ich ein großes Problem mit dem Trailer, bei dem ein Kind gemeuchelt wird. Das geht mir zu weit, eindeutig zu weit. Das muss ich in einem Trailer nicht sehen, auch wenn ich die Idee eines Zombiespiels auf einer Insel reizvoll finde. Gewalt gegen Kinder ist eine absolute Sauerei. Ich bin mir sicher, dass die Bundesprüfstelle hier auf den Plan gerufen wird. Ich geh jede Wette ein, dieses Spiel wird nicht ungekürzt in Deutschland erscheinen.

So ein Trailer wie von Dead Island polarisiert und bringt die ganze Spieleindustrie wieder in Verruf. Ich höre schon wieder die Debatten auf uns zukommen, dass wir Gamer alles potentielle Massenmörder sind. Das ist natürlich Quatsch, aber das Dahinschlachten eines (virtuellen) Kinders erweist der Branche keinen Dienst. Medienkompetenz erwarte ich nicht nur von den Zuschauern, sondern auch von den Herstellern.

Jetzt warte ich erst einmal ab, welche Details Techland und Deep Silver weiter in diesem Jahr veröffentlichen. Ich kann mir vorstellen, dass das aufwändige Rendering sich nicht im Gameplay fortsetzt und der Mord an der Familie gar keine Rolle im finalen Spiel einnimmt. Der Einsatz der neuen Chrome Engine 5 zeigt aber optisch hervorragende Wirkung. Aber ich bleibe dabei: Der Schocktrailer von „Dead Island“ tut der Branche keinen Gefallen