Olympia 1972: Buchtipp Augenzeuge in Olympia

Über den technischen Aufwand zur Übertragung der Olympischen Spiele 1972 habe ich ja bereits gebloggt. Jetzt ist mir ein Weihnachtsgeschenk des ZDF aus dem Jahre 1972 in die Hände gefallen. Das Buch heißt Augenzeuge in Olympia und beinhaltet Reflexionen über ein Fernsehereignis. Für mich als Medienfuzzi höchst interessant.

Es enthält viele Fotos von Kameramännern, Besprechungen, BTS-Fotos und auch einige Sportlerbilder – und natürlich das Attentat. Das Buch zeigt deutlich, welcher technische Aufwand damals gefahren wurde. Zum einen wurde noch klassisch auf 16mm Film gedreht, der dann schnell entwickelt und kopiert wurde, bevor er gesendet werden konnte. Zum anderen gab es Live-Übertragungen der Sportveranstaltungen, die dann im Sendestudio geschnitten wurden.

Für mich auch sehr interessant, war eine Dokumentation über die Zeitplanung. Wann wurde welche Entscheidung von wem gefällt und wer damals alles mitgeschnabelt hat.
Und wir sind ja in den siebziger Jahren. Da darf die klassische Mediendiskussion nicht fehlen. Mir hat am besten ein Beitrag von Manfred Delling gefallen, der am 17. Juni 2018 im Alter von 90 Jahren verstorben ist. Er war Dozent für den Bereich Fernsehen an der Deutsche Film- und Fernsehakademie Berlin, war Lektor beim Rowohlt Verlag, hatte eine Fernsehkolumne im Deutschen Allgemeinen Sonntagsblatt und betätigte sich als Publizist. Sein Buch „Bonanza & Co.“ war 1976 eine kritische Bestandsaufnahme des Fernsehens als Unterhaltung und Politik. 1995 erschien in der Reihe „Trouvaillen“ ein Band mit über 100 ausgewählten Fernsehkritiken aus der Zeit von 1964 bis 1993: „Engagement für ein neues Medium“. Manfred Delling hat die Veränderungen des Fernsehens über alle Jahrzehnte kritisch verfolgt und immer versucht, dagegen zu halten. Und so war es auch im Buch „Augenzeuge in Olympia“, wo Delling sich mit der Live-Berichterstattung auseinandersetzte. Kritisch hinterfragte er, wie sich Fernsehen veränderte, warum es vielleicht einfacher gewesen wäre, die Spiele mit all der Zeitlupenaufnahmen und Wiederholungen auf der Mattscheibe anzuschauen anstatt im Münchner Olympiastadion. Diskussionen, die man heute in Live-Streamings genauso führen könnte. Alles in allem ein interessantes Zeitdokument zu Olympia, das ich 50 Jahre später gerne aus dem Archiv entnommen habe.

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