Buchtipp: 70 Jahre in bester Gesellschaft – Bunte Republik Deutschland

In der Restrampe entdeckte ich ein Relikt der Vergangenheit: Bunte – Republik Deutschland. Das Buch erschien 2017 zum 70. Bestehen der Klatschzeitschrift.

Die Bunte war für mich immer eine besondere Art von Yellow Press, lange vor Instagram und Influencer der heutigen Zeit. Die Bunte gab Orientierung in der Welt der Stars und Sternchen und sie war immer ein Spiegel der jeweiligen Gesellschaft.
Die Bunte gab es in unserer Familie nicht im Haushalt, aber beim Friseur habe ich die Zeitschrift gerne in die Hand genommen. Die Zeitschrift war ein verlässlicher Lotse durch den Dschungel der Prominenz. Menschen, deren Lebenswege uns über Jahrzehnte hinweg faszinierten, rührten und bewegten.

Lange Jahre war Patrica Riekel die Chefredakteurin des Magazins. Sie schreibt über ihre Zeitschrift. „Als Symbol des Wirtschaftswunders in den Jahren des Wiederaufbaus, Zentralorgan für den enthemmt feiernden Jetset in den 60er und 70er Jahren, Drehbühne für politische Karrieren, erst in den Bonner, dann in der Berliner Republik, und heute im digitalen Zeitalter der Gradmesser für steigende oder sinkende Popularität von Internet-Stars und Influencern.“ Und das beschreibt diesen Sammelband sehr gut. Aus jeder Periode werden Artikel samt Fotos im Originallayout dem Leser präsentiert. Im Grunde befriedigt die Bunte ein Bedürfnis des Voyeurismus. Ich schäme mich, das Leben anderer Leute zu betrachten, denn nichts ist spannender als das Leben anderer Menschen. Davon lebt ein People-Magazin: Der Mensch und seine Geschichten im Mittelpunkt des Leserinteresses.

Brauchte es ein Magazin wie die Bunte? Ja, Klatsch und Tratsch gehört zum Leben und zum Journalismus dazu. Die Bunte hat sich in der Regel immer an ein gewisses Niveau gehalten, obwohl es in den 60er gerne Mal gegen die Hippies gewettert hatte. Die Bunter war nie ein progressives Heft, wie es beispielsweise Twen war. Es geht viel um nationale Prominenz, die näher ist als die internationale Welt. Und die Bunte war für mich ein Magazin mit grundsätzlicher positiver Lebenseinstellung.

Persönlich spielt die gedruckte Bunte keine Rolle (mehr). Das Internet brachte eine neue Möglichkeit der Selbstinszenierung. Aus Nachbarn werden nur Stars. Aus vernetzten Menschen werden Influencer. Eine Bunte brauche ich dazu nicht mehr. Stars und Sternchen und Leute wie du und ich können sich in Insta-Accounts selbst inszenieren und man braucht die Paparazzi der bunten Blätterwelt nicht mehr. Durch Insta und Co können wir kommunizieren und nicht nur Zuschauer oder Leser sein. Da kann eine gedruckte Bunte nicht mehr mithalten.

Daher ist das Werk 70 Jahre in bester Gesellschaft – Bunte Republik Deutschland ein wertvoller Beitrag zur Mediengeschichte und als Journalist lerne ich gerne von den Kollegen der glorreichen Jahre.

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