100. Geburtstag von Fritz Umgelter mit seinem Jerry Cotton

11. August 2022

Abseits des großen Blockbusterkinos pflege ich mein verschrobenes Filmhobby und schau mir dann und wann Filmjuwelen vergangener Zeiten im Kino an. So auch dieses Mal: Ich nahm im Lichtspielhaus Fürstenfeldbruck Platz und genoss den Streifen Jerry Cotten Schüsse aus dem Geigenkasten.

Regie führte Fritz Umgelter, der an diesem Tag (18. August) seinen 100. Geburtstag feierte. Sein Witwe lebt noch in Gröbenzell, also ein paar Orte von mir entfernt. Umgelter war ein Pionier des deutschen Fernsehens und drehte was das Zeug hielt. Er war für allem für das Fernsehen tätig. Seine Karriere endete mit den ersten Traumschiff-Folgen, deren Ausstrahlung er aber nicht mehr erlebt hatte. Für mich blieb sein Mehrteiler Soweit die Füße tragen immer in Erinnerung. Diesen Kriegsfilm hatte ich mit meinen Papa im Fernsehen angeschaut und wir hatten lange über die Flucht des deutschen Soldaten aus sowjetischer Lagerhaft gesprochen. Fritz Umgelter war in den fünfziger Jahren auch für die Übertragung der Augsburger Puppenkiste zuständig, ob die MAZ noch existiert, weiß ich nicht.

G-Man Jerry Cotton
Als Kind schaute ich gerne die Edgar Wallace-Filme von Rialto und genoss auch die Action der Jerry Cotton-Filmreihe, die es auf acht Filme brachte, wobei Umgelter nur den ersten Teil inszenierte. Natürlich faszinierte mich der rote Jaguar des FBI-Mannes, der allerdings in den Schüssen aus dem Geigenkasten von 1965 noch in Schwarzweiß zu sehen war. Wie konnte sich eigentlich Cotton vom seinem FBI-Gehalt einen solchen Wagen leisten?

George Nadler spielte den FBI-Haudegen nach dem Vorbild der Groschenromane von Bastei-Lübbe sehr überzeugend mit viel Action und dummen Sprüchen.

Es war gut gemachtes deutsches Actionkino was Fritz Umgelter da ablieferte. Vor allem gefiel heute die Musik des großartigen Peter Thomas. Ich mag die Filmmusik des großen deutschen Komponisten und schätze seine Aufnahmen sehr. Thomas machte für alle Cotton-Filme die Musik und mir blieb vor allem der Jerry Cotton March in Erinnerung. Immer wenn Cotton den Gegner besiegt, dann erhöht der Marsch als Triumphmusik dazu. Zu Hause hab ich dann gleich die CD Jerry Cotton: FBI’s Best Man in den Player gelegt, eine wunderbare Compliation von allen Cotton-Filmen. Die LP ist sauteuer, aber die CD finanzierbar.

Leider ist Jerry Cotton noch nicht vollständig auf Bluray erschienen. Es gibt einige der späteren Teile remastered auf Bluray, aber das Gesamtwerk steht noch aus. Es gibt eine nette DVD-Box samt Soundtrack-CD, die preiswerter ist, als der Soundtrack selbst. Vielleicht ist das eine Überlegung wert.

Also mein Dank an das Lichhtspielhaus Fürstenfeldbuck für den netten Abend und danke für die Inspiration. Ich werde mal wieder ein Filmseminar durchführe. Wer sich dafür interessiert, kann sich bei meinem Newsletter anmelden.

Persönliche Rückschau auf die Animagic 2022 in Mannheim

10. August 2022
Tausende von Anime- und Manga-Fans strömten nach Mannheim und wir waren auch dabei.

Mannheim und ich werden dieses Jahr wohl keine Freunde mehr. Bauarbeiten wohin mein Auge schaute – und diese schränkten meinen Genuss der Animagic ein wenig ein. Der Rosengarten um den Wasserturm war teilweise eine Baustelle, ebenso meine Straßenbahnlinie vor dem Hotel oder das ganze Umfeld des Hauptbahnhofes mit seinen kaum funktionierenden Schließfächer. Aber egal: Die Animagic 2022 hat sich inhaltlich wieder gelohnt.

Gleich vorweg ein großes Lob: Selten habe ich ein so freundliches und diszipliniertes Publikum erlebt, wie Cosplayer, Manga- und Animefans. Vielleicht liegt es an den japanischen Gepflogenheiten andere Leute nicht zu berühren oder gar zu drängeln. Es waren viele Leute auf der Veranstaltung, sehr viele. Aber Rücksicht war oberstes Gebot. Vielen Dank dafür.

Nachdem die Veranstaltung aufgrund Corona ja zweimal ausfallen musste, zogen es die Veranstalter dieses Jahr durch. Und nachdem Maske tragen in Japan kein Problem ist, liefen viele Besucher mit einer Mund-Nasenbedeckung herum. Nach der Veranstaltung schlug die Corona-Warn-App nur geringfügig an. Mehrere Tests bei mir zeigten: Kein Corona.

Mein Ablauf auf der Animagic
Ich machte meine Runden. Zunächst erster Stopp im Second-Hand-Markt Bring & Buy, um nach Schnäppchen Ausschau zu halten. Ich habe mir eine Manga-Ausgabe von Ghost in the Shell aus dem Jahr 1991 gekauft, die ich noch nicht hatte. Ich liebe diese Geschichte und habe schon verschiedene Shell-Ausgaben zu Hause.

Freundliche Gesichter wohin man schaut.

Dann ging es für mich natürlich die Händler-Halle wo meine Kinder entsprechende Figuren kaufen mussten. Viele der Exponate kannte ich nicht, weil Animes der neueren Zeit nicht unbedingt zu meinem Steckenpferd gehörten. Ich bin ein eher ein Ghibli-Fan der alten Zeit, aber egal. Die Preise waren komplett unterschiedlich, von annehmbar bis ruinös, aber immer faszinierend. Da ich nur Figuren aus dem Umfeld von Stanley Kubrick und Nosferatu sammle, war ich in Mannheim an der falschen Adresse, aber dennoch machte es Spaß. K2 erklärte mir die jeweiligen Charaktere und so lernte ein alter Mann etwas dazu.

Dann folgte der Abstecher in die Verlagshalle. Ich schaute bei Steffen Volkmer von Panini vorbei und amüsierte mich beim Schrei-o-Mat.

Ich machte netten Smaltalk mit den Sychronsprecherinnen Nicole Silbermann und Lisa Cardinale – und ließ mir gleich ihre Autogramme geben. Von den japanischen Gästen erhielt ich Autogramme von Shigeru Saito und Shinichiro Hatta (beide Free!). Sabrina Schmatz fertigte für mich eine Zeichnung an und wir sprechen über ihr Werk München 1945.

Natürlich hatte ich meinen Spaß und tanzte mit dem Sponsorpartner eine Nudelsuppe, blickte aus der Mario Röhre und machte verschiedene Selfies mit Cosplayern. Danke für die Zeit und ich bewundere die Liebe zum Detail dieser Branche.

Die Abende verbrachte ich im Animagic-Kino und schaute mir Teile vom witzigen Anime Abyss an und genoss eine Aufführung des Klassikers Akira, den ich gefühlt schon 1000 Mal gesehen hatte.

Die Workshops von Manga Hamburg waren fein. Ich interessierte mich vor allem für Vorträge zum Storytelling, das ich für meine tägliche Seminararbeit brauche. Den Tattoo-Bereich, der daneben war, lehne ich ab.

Tagsüber besuchte ich Vorträge und Konzerte. Das Anime in Concert des Musikvereins Siersheim unter der Leitung von Michael Roski war für mich ein absolutes Highlight und zeigt, wie Fans Stimmung machen können. Dem Topact Aimer konnte ich dagegen nicht viel abgewinnen. J-Pop ist einfach nicht mein Ding, aber den Leuten hat es sehr gefallen. Ich hatte die Frau schon vor Jahren auf der Animagic gehört und wollte hören, wie sie sich weiterentwickelt hat.

In viele Workshops und Konzerte kam ich nicht hinein – und das ist die Kritik an dieser Animagic. Die Sessions waren voll und die Räume zu klein. Die Menschenmassen waren auch das Problem dieser Animagic. Die Veranstaltung ist zu groß oder die Location Mannheim ist zu klein. Auch das Hotelangebot der Stadt war die Leistungsgrenze gekommen. Und auch die Preise auf der Veranstaltung für Speis und Trank waren gesalzen – Zielgruppe ist ja vor allem jugendliche Fans mit knappen Geldbeutel. Hier habe ich ein wenig Kritik gehört. Wir sind einfach in die Stadt zum Essen gegangen.

Aber ein Lob an die Organisatoren und Veranstalter von meiner Seite. Sie hatten die Massenveranstaltung sehr gut im Griff. Das Team war jederzeit freundlich und hilfsbereit, so wie ich die Animagic eben vor Corona kenne.

Inspirierend: Nebel von Fujiko Nakaya im Haus der Kunst

9. August 2022

Gerade noch konnte ich die Ausstellung von Fujiko Nakaya im Haus der Kunst in München erleben. Immer wieder kam was dazwischen und am letzten Ausstellungstag Ende Juli konnte ich die famose Installation Nebel Leben erleben. Ich hätte mich wahnsinnig geärgert, dieses Ereignis verpasst zu haben.

Fujiko Nakaya wurde 1933 in Sapporo / Japan geboren. 1957 schloss sie hr Kunststudium an der Northwestern University in Illinois / USA ab. Anschließend studierte sie Malerei in Paris und Madrid. 1960 kehrte sie nach Tokio zurück, wo sie bis heute lebt und arbeitet. Neben Malerei, Zeichnung und Video umfasst ihr Werk über 90 Nebelskulpturen, mit denen sie traditionelle Vorstellungen von Skulptur infrage stellt.

Die Videoinstallationen im Haus der Kunst waren interessant, aber die Nebel-Installation war einfach grandios.

Installation Pond (1976)
Faszinierend, was mit der Videotechnik von 1976 möglich war. Heute wäre es eine klassische Cloud-Tcehnologie. In der damaligen Closed-Circuit-Installation Pond von 1976 wird das stetige Tropfen zum Symbol für Kontinuität und das ewige Fortschreiten der Zeit. Zwei Kameras übertragen Bilder in Echtzeit, die sich in nur einem Monitorbild überlagern: Eine Kamera filmt die Gesichter der Betrachter, die in den Monitor schauen, die andere überträgt das Bild der Wellen, die stetig herabfallende Tropfen in einem Wassereimer schlagen.

Das Abbild der Betrachter wird eins mit dem fiktiven Wasser-Spiegel im Monitorbild. Die visuelle Erfahrung ähnelt der Reflexion des Himmels in einer Pfütze, wobei realer und virtueller Raum auf einer Ebene erscheinen. Nakayas Installation zeigt die Dualität zwischen Welt- und Selbstbeobachtung auf und schafft eine sensorische Spannung zwischen der Immaterialität des virtuellen und der Materialität des realen Körpers. Die Besu cher innen sind Betrachter innen, aber gleichzeitig wesentlicher Bestandteil der Installation.

Das Highlight: Der Nebel
Im Zentrum der Ausstellung im Haus der Kunst stand aber der Nebel. In einem Rhythmus von einer halben Stunde wurde in einem großen Raum die Installation präsentiert. Ich war so angetan, dass ich mich in drei Durchläufen inspirieren ließ – jede Installation von einer anderen Ecke des Raumes und einmal im Zentrum. Entstanden sind daraus drei unterschiedliche VR 360 Grad Aufnahmen, die nicht nur die Installionen von Fujiko Nakayas Nebelskulpturen zeigen, sondern die Reaktionen des staunenden Publikums. Natürlich waren vor allem die Kinder vom heraufsteigenden Nebel begeistert.

Der Nebel haute mich um
Fujiko Nakayas Nebelskulpturen sind natürlich und künstlich zugleich. Der Nebel besteht aus purem Wasser, das unter hohemDruck aus winzigen Düsen spritzt. Diese sind mit mikroskopisch kleinen Stiften ausgestattet, die das Wasser in ultrafeine Tröpfchen zerstäuben. Durch die Anordnung und Intervalle der Düsen choreographiert Nakaya die Form ihrer Nebelskulpturen. Dabei ist sie sich bewusst, dass die Natur und die Umgebung Einfluss auf die Skulptur nehmen und umgekehrt. Der Nebel verdunstet schließlich und wird draußen Teil des natürlichen Wasserkreislaufs.

Im Innenraum wird er von großen Wasserbecken aufgefangen. Jeder Skulptur ging eine intensive Planungsphase voraus, so das Haus der Kunst. Systematisch erforscht Nakaya die meteorologischen Daten vor Ort wie Luftfeuchtigkeit, Windrichtung und -geschwindigkeit sowie Temperatur. Die jeweilige Umgebung ist nicht nur Ausstellungsraum, sondern ein Ort, der mit dem Kunstwerk interagiert.

Für mich erweiterte ich das Kunstwerk. Als Banause probierte ich etwas aus und spielte mir den Score von John Carpenters The Fog – Nebel des Grauens via AirPods ein. Die Musik von Nakaya war experimentale Klangmusik, die wunderbar gewirkt hatte. Ich versuchte es mit den Synthi-Klängen von Carpenter, die auch eine starke Wirkung auf mich als Filmfan hatte. So wurde das Kunstwerk für mich greifbar. Ich hing meinen Gedanken nach und bin dankbar für diese Erfahrung.

Hier noch zwei Buchtipps: Fujiko Nakaya – Fog und Fujiko Nakaya: Resilience.

Golfreise mit dem 9 Euro Ticket

2. August 2022

Als begeisterter Bahnfahrer und begeisterter Golfamateur will ich beide Passionen miteinander verbinden. Kann ich mit dem Golfbag und Caddy das 9 Euro Ticket nutzen?

Eine kleine Einschränkung: Ich will nicht direkt zum Golfplatz mit öffentlichen Verkehrsmittel fahren – das würde bei meinem Heimatclub zwar ohne Probleme funktionieren – ich werde am Bahnhof Nürnberg von einem Kumpel abgeholt und mit dem Auto zum Golfclub Abenberg gebracht.

Zunächst stelle ich fest: Ich habe kein Reisebag. Das bedeutet: Im Grunde muss die gesamte Ausrüstung mit. Aussortieren war mir zu mühsam, nur der Schirm blieb zu Hause in der Box. Es war kein Regen angesagt, doch so richtig leicht ist das Bag dadurch nicht.

Fahrt mit der S-Bahn nach München

Ich wohne außerhalb von München. Die Route sieht vor: S-Bahn München, Umstieg in München Hauptbahnhof und dann Regionalexpress nach Nürnberg – und alles zu Beginn der bayerischen Sommerferien. Es beginnt schon mal damit, dass die S-Bahn-München Verspätung haben sollte. 25 Minuten sagt die Stimme im Lautsprecher, die MVV-App meldet nichts, der Zug rollt ein wie er kommen sollte. Dennoch schon Puls, ob ich überhaupt den Anschluss bekomme, obwohl ich schon eine Bahn früher genommen habe. Ich rolle mit meinen Caddy in den noch leeren Zug – in den Familienbereich. Ich muss gleich den richtigen Einstieg erwischen. Der Radstand des Caddys ist so breit, dass ich im Zug nicht von Tür zu Tür wandern kann. Also aufpassen beim Einsteigen und die richtige Tür nicht verpassen.


Ich sitze, wir fahren Richtung Hauptbahnhof München. Von Station zu Station füllt sich die Bahn mit Menschen, die zur Arbeit müssen. Skeptische Blicke, musternde Blicke der Mitreisenden. Wir kennen Reisende mit Kinderwägen, Reisende mit Surfbrett für den Eisbach am englischen Garten, Reisende mit Gepäck, aber ein Reisender mit Golfbag ist doch eher exotisch in einer oberbayerischen S-Bahn. Warum eigentlich?
Vielleicht erregt mein Aussehen auch für eine gewisse Aufmerksamkeit. Halblange Harris Tweed Hose, Kniestrümpfe von Burlington, Golfhemd (wichtig, mit Kragen) und großer Hut gegen die Sonne Frankens.

München Hauptbahnhof

Nach einer halben Stunde Fahrt kommt der Ausstieg. Mit mir wollen doch einige Menschen aussteigen. Auch zwei Damen mit Kinderwägen sind dabei. Einfädeln zum Aussteigen. Das erste Stück der Reise hat geklappt. Nun die Rolltreppe hoch in das Untergeschoss des Hauptbahnhofs, um zu den Gleisen zu gelangen. Ich blockiere mit meinem Caddy die gesamte Rolltreppe, es kommt keiner an mir vorbei. Eigentlich hätte ich Gemaule erwartet, aber der Münchner ist heute geduldig. Kein Grantler ist unterwegs und Fön haben wir auch nicht, alles gut.
Die Abfahrtshalle des Hauptbahnhofs München war voll. Berufspendler und Reisende zum Ferienstart. Und viele Menschen, die ihr 9 Euro Ticket ausnutzen wollen und das Auto stehen lassen. Die Verkehrswende funktioniert, wenn die Politik jetzt noch nachzieht und das 9 Euro Ticket standardmäßig einführt und nicht alles zerredet.

Ich muss zum Gleis 20 und es ist gar nicht so einfach. Ich komme mir vor, wie ein schwerfälliger Wal. Ohne Caddy hätte ich mich wie ein schlanker Fisch im Wasser verhalten und wäre schnell vorangekommen. Jetzt heißt es: Lücke abwarten, langsam Richtung Gleis entlang tasten und Zeit mitbringen. Und ich muss aufpassen, dass ich keinen Mitmenschen über die Füße fahre.
Der Regionalexpress nach Nürnberg steht schon am Gleis. Jetzt heißt es schnell sein. Leider ist der Wagon mit den Fahrradabstellplätzen schon besetzt. Also rein in einen normalen Wagen und Candy abstellen. Und ganz schnell einen Sitzlatz besetzen, wo ich den Candy im Auge habe. Mit dem 9 Euro Ticket gehört der Sitzplatz im RE zum raren, begehrten Gut. Und als Bahnprofi weiß ich: Der erste Platz ist der richtige Platz.

Fahrt nach Nürnberg im RE

Ich sitze, der Zug ist gut gefüllt. Nicht so stark, wie zu Beginn des 9 Euro Tickets als alle nach Sylt wollten. Alle Sitzplätze sind belegt und auch die Einstiegsbereiche füllen sich von Station zu Station. Ein Geschäftsmann im Anzug neben mir, mustert mich und meinen Caddy. Er fragt nach meinen Handicap. Wir unterhalten uns ein wenig und er lacht über meine Aktion mit den Worten „das ist ja mal was neues“. Er wünscht mir ein gutes Spiel und widmet sich seinen Unterlagen. Ich höre ein Hörbuch. Als zwei Mütter mit einer Schar von kleinen Kindern und einem Kinderwagen den Wagon entern, wird es laut und eng. Die Kinder sind sehr an meinem Caddy interessiert, schieben ihn hin und her und lassen trotz Ermahnung einer der Mütter die Finger nicht von meinem Bag. Gut, dass sie die Bälle nicht sehen. Ich will nicht sagen, dass die zwei Stunden Fahrt wie im Fluge vergehen, aber das Hörbuch half mir dabei, eine Kontrolle gab es keine, Bahn-Sicherheit schaute auch nicht vorbei – und leider gab es zahlreiche Trottel, die ohne Maske unterwegs sind. Ärgerlich solche Egoisten.

Ankunft Nürnberg Hauptbahnhof auf Gleis 9, Endstation – alles aussteigen. Aussteigen, na klar, aber zuvor muss ich zu meinem Caddy kommen. Der Mensch wird zum Tier, wenn er aus einem Zug oder einen Flugzeug aussteigen will. Ich, ich, ich – lautet oftmals die Devise. Wenn der Kinderwagen und mein überbreiter Caddy draußen sind, dann haben wir mehr Luft, doch es drängeln schon die Neueinsteiger in den Zug, der wieder nach München aufbrechen wird.

Interessant ist auch die Spezies Mensch, die den Wagon verlässt, aber dann sofort am Bahnsteig ruckartig und plötzlich stehen bleibt, um zu rauchen oder einfach so alles aufzuhalten. Einmal mit Profis reisen. Ich bewege mich mit dem Strom ins Untergeschoss und trage meine Caddy und Bag die Treppen herunter. Den Aufzug überlasse ich den Kinderwägen.
Mein Golfkollege ist pünktlich, wir verstauen die Golfausrüstung, steigen in sein Auto und ab geht es zum Golfclub Abenberg. Teil eins der Mission erfüllt.

Golfen in Abenberg

Einst im Jahr 1988 wurde der Golfclub Franken Abenberg e.V. durch eine kleine, golfbesessene Gruppe gegründet und mit dem Bau der ursprünglichen 18-Loch Golfanlage begonnen. Später wurde auf 27-Loch und einen 6-Loch-Akademieplatz erweitert. Heute zählt der Golfclub Abenberg e.V. zu den bekannten und geschätzten Golfadressen in der Metropolregion Nürnberg. Wir spielten den Kurs C. Leider hat die Sonne Frankens das Gras ziemlich verbrannt und der Sand der Bunker sind ziemlich hart. Franken braucht Regen. Aber der Platz macht Spaß und ich komme gerne wieder.

Rückfahrt nach Hause

Um 15:30 Uhr stand die Rückfahrt an. Ich wählte die längere Reisezeit von drei Stunden, weil der schnellere Regionalexpress mit zwei Stunden schon mehr als voll war und keiner Platz machen wollte für einen erschöpften Golfer, der einfach nur sitzen und dösen wollte. In meinem Zug bekam ich im Fahrradabteil einen guten Platz für Caddy und Golfer. Radler grinsen über mich, ich grinse zurück. Sie in ihren bunten Klamotten, ich in meinen Harris Tweed – eben Sportler unterwegs. Dann stellt noch ein altes Männlein seinen Rollator ab und setzt sich. Alles gut. Die drei Stunden Rückfahrt döse ich, leere drei Wasserflaschen und denke darüber nach, wie ich mein Handicap verbessern könnte. Golf ist eine Sucht.


München Hauptbahnhof – wieder das Gedränge und die Massen, aber ich habe schon Übung mit meinen Caddy und ich bringe Gelassenheit mit. Natürlich fällt meine S-Bahn aufs Land mal wieder aus. Signalstörung, Reparatur am Zug, Atomkrieg – irgendwas ist mit dieser S-Bahn immer. Der Zug ist voll, richtig voll und ich mitten drin, aber mit Sitzplatz. Der Tag ist mein Freund.

Zu Hause angekommen, das Bag erst mal in die Garage, raus aus den Klamotten und den Kerl frisch gemacht. Fazit: Mein Experiment hat geklappt. Golfen und 9 Euro Ticket funktionieren, wenn man die entsprechende Gelassenheit mitbringt. Und ich habe mir gleich ein Reisebag für 8 Schläger online bestellt, weil nochmal will ich mir eine solche Reise mit meinem Caddy und Bag nicht antun.

50 Jahre Olympia 1972: Filmtipp: Die 21 Stunden von München

31. Juli 2022

Die filmische Aufarbeitung des Olympia-Attentats von 1972 ließ nicht lange auf sich warten. Schon 1976 erschien die US-amerikanische TV-Produktion „Die 21 Stunden von München“. Dramaturgisch ist der Film eher lahm, den Reiz macht aber das Setdesign aus. Es wurde an den Originalschauplätzen im olympischen Dorf und am Fliegerhorst Fürstenfeldbruck vom deutsche Kameramann Jost Vacano gedreht, der später mit seinen Aufnahmen von „Das Boot“ berühmt wurde.

Ich wurde auf den Film durch die Facebook-Gruppe Erdbeben 1974 aufmerksam, die sich um den Film der siebziger Jahre kümmert. Regie bei diesem TV-Film führte William A. Graham, ein alter Routinier des Fernsehens, der unter anderem Die Leute von der Shiloh Ranch (1962–1971) oder Akte X – Die unheimlichen Fälle des FBI (1993–1998) drehte.

Der Film selbst ist zäh, wirkt sehr gestelzt, eben wie eine typische TV-Produktion dieser Zeit. Das Drehbuch hat keine Tiefe, die israelischen Geiseln wirken blass und farblos. Es wird sich auf die Stars Franco Nero mit strahlend blauen Auen als Schwarzer Septembers-Chef Issa und William Holden als Polizeichef Manfred Schreiber konzentriert. Richard Basehart als Willy Brandt darf Zigarillo rauchen und Georg Marischka spielt routiniert Bundesinnenminister Hans-Dietrich Genscher, wirkt aber eher wie Hans-Jürgen Wischnewski. Noel Willman als bayerischer Innenminister Bruno Merk bekommt eine größer Rolle als in der Realität. Ich habe mit Merk vor Jahren über Olympia sprechen wollen, aber er wechselte immer wieder galant das Thema.

Ein wenig wird im Film das Problem der Verantwortlichkeit zwischen Israel und der Bundesrepublik thematisiert. Der Film zeigt auch, wie überfordert die bayerische Polizei mit dieser Art von Terrorismus ist.

Eigentlich könnte man den Film getrost auf Seite legen, zudem ich nur eine Mono-DVD habe, wären da nicht die Originalkulissen des olympischen Dorfes mit den Wohnungen an der Connollystrasse 31 und des Fliegerhorstes Fürstenfeldbruck. Beide Orte kenne ich gut, sehr gut, liegen sie doch vor meiner Haustüre. Und genau das Betrachter dieser Drehorte machen den Reiz des Films für mich persönlich aus. Das Olympische Dorf stand bei den Dreharbeiten noch leer, so dass interessante und vor allem absolut realistische Aufnahmen entstanden.

Und am Ende kommt dann die bittere Erkenntnis, dass bei Olympia 1972 19 Menschen ihr Leben verloren haben: Israelis, Palästinenser, ein deutscher Polizist.

Mit Gamification einen Radweg nutzen

29. Juli 2022

Im August werde ich das 9 Euro Ticket nutzen und mich zudem mehr aufs Fahrrad schwingen und meine nähere Umgebung genießen. Wir haben ja im Westen von München den Räuber-Kneißl-Radweg. Ich hab schon mehrmals darüber berichtet.

Jetzt setzt die WestAllianz, die sieben Mitgliedsgemeinden des regionalen Wirtschaftsverbunds im Westen von München, auf Gamification.

Gamification beim Radln. Foto: WestAllianz.

Es gilt eine Bestätigung als „Räuber-Kneißl-Radweg-Profi“ zu erhalten, wenn ein Stempelpass des Wirtschaftsverbunds gefüllt ist. Eine ganz einfache Idee mit großer Wirkung.

Auf jedem Rastplatz entlang des „Räuber-Kneißl-Radwegs“ finden sich ab sofort Stempelboxen mit nummerierten Siegeln der jeweiligen Gemeinde. Im dazugehörigen Stempelpass kann der Abschluss der jeweiligen Route entlang des Themenwegs dokumentiert werden. Ist der Pass mit allen neun Stempeln gefüllt, bekommt man über die Geschäftsstelle der WestAllianz München ein Geschenk als Erinnerung und Belohnung.
Die Stempelpässe liegen in den Rathäusern der beteiligten Gemeinden und bei der Geschäftsstelle der WestAllianz München (Kirchstraße 3, 85235 Sulzemoos) aus.
An allen Gemeinden sowie bei der Geschäftsstelle findet sich zudem die neue, aktualisierte Version der Radweg-Karte zum Räuber-Kneißl-Themenweg. Gibt es auch als Download, wer braucht denn schon Papier? Erstmalig werden darin neben den Attraktionen und Sehenswürdigkeiten entlang der Radroute auch die Einkehrmöglichkeiten in der regionalen Gastronomie mit aufgelistet.

Also, ich fahr einfach mal wieder Fahrrad und genieße meine Umgebung – und min ökologischer Fußabdruck ist dadurch recht klein.

Gleichstellung von Master und Meister oder doch nur heiße Luft ?

27. Juli 2022
Die IHM muss ihr Konzept überdenken.

Die Internationale Handwerksmesse IHM liegt schon ein bisschen hinter uns. Ich war bei der Eröffnungsfeier dabei, um ein paar ehemalige Kollegen zu treffen und mir die Rede von Wirtschaftsminister Robert Habeck anzuhören. Bayerns Ministerpräsident Söder kenn ich schon, aber auf Habeck war ich wirklich neugierig. Mein Empfinden: Auch einige stockkonservative Handwerksvertreter waren von den unaufgeregten Worten des Wirtschaftsministers angetan.

Viele, auch ich, waren gekommen, um Wirtschaftsminister Robert Habeck zu hören.

Die Vertreter der Politik und des Handwerks waren sich einig: Meister und Master sollen gleich gestellt werden und auch entsprechende Förderungen erhalten. Das klingt spannend, ist meiner Meinung wichtig und rictig. Ich bin gespannt, ob es Lippenbekenntnisse bleiben, wie schon die Jahre zuvor.

Handwerksvertreter haben seit Jahren auf die Misere aufmerksam gemacht und die Politik hat brav genickt – passiert es dann doch recht wenig. Vielleicht sind die Handwerksvertreter und ihre Lobbyvertreter immer zu behutsam gegenüber der Politik aufgetreten. Die Industrievertreter machen dagegen immer den dicken Maxe und die Politik springt, wenn die Industrievertreter nur das Wort Arbeitsplatzabbau in den Mund nimmt.

Ich seh es mal ganz persönlich: Meine beiden Kinder wollen erfolgreich ihr Leben meistern. K1 macht eine Handwerksausbildung, K2 studiert. K2 hat sich um ein Stipendium bei einer Stiftung beworben, K1 schaut in die Röhre. Von wegen Gleichwertigkeit von beruflicher Bildung.

„Der Meister ist genauso viel wert wie der Master und sollte kostenlos sein“, sagt Söder. Bisher kostet die Meisterschule die Gesellen je nach Fachrichtung zwischen 3.000 und 12.000 Euro. Das Studium ist in der Regel kostenlos.

Ministerpräsident Söder spricht sich für die berufliche Gleichstellung aus.

In allen Bereichen der Wirtschaft fehlen Fachkräfte. Dabei würden die Fachkräfte im Handwerk dringend gebraucht, um etwa die Energiewende voranzubringen. Denn schließlich sind es Handwerker, die Windräder aufbauen, Solaranlagen installieren und Häuser dämmen. Berufsperspektiven gibt es genug. Aber auch in anderen Gewerken gibt es große Chancen. Vielleicht doch weniger Juristen als mehr mehr Metzger, Bäcker, Installateure?
Ich merke zudem, dass viele Jugendliche keinen Bezug zur Wirtschaft haben. Geld fällt nicht vom Himmel, auch wenn wir in unserem Staat viele Leistungsbezieher haben. Geld muss erwirtschaftet werden. Der Kunde muss den Preis bezahlen, wenn er Qualität möchte. Aber das ist ein anderes Thema und ich werde mich in einem anderen Post dazu äußern.

Ich werde mal bei Stiftungen anklopfen und nach der angekündigten Handwerkerförderung fragen. Mal sehen, welche Antworten ich erhalten. Nachfolgend ein paar Fotos von u.a. ehemaligen Kollegen. Es war schön, euch getroffen zu haben.

Informationskrieg Putins entgegen wirken durch Medienkompetenz

26. Juli 2022

In meinem wöchentlichen kostenlosen Newsletter gehe ich auch immer auf dem Informationskrieg in der Ukraine ein. Als Journalist habe ich die Schwierigkeit, welcher der beiden Kriegsparteien soll ich glauben, wenn ich die Informationen nicht überprüfen kann. Das ist ein echtes Problem. Also heißt es kritisch sein und wenn möglich, die Informationen auf ihre Plausibilität checken.

Olga Kotlytska betreibt mit Kolleginnen den Sender „Radio Wahrheit für Russland“

Diese Chance hat die russische Bevölkerung nicht, nachdem in Russland die Medien einer Zensur unterliegen. Dennoch gibt es Möglichkeiten auch unter Putin an unabhängige Informationen zu kommen. Wie diese hier: Vor kurzem hatte ich die Gelegenheit, die ukrainische Reporterin Olga Kotlytska zu treffen, die mit Kolleginnen zusammen den Radiosender „Radio Wahrheit für Russland“ betreibt. Zusammen mit meiner Kollegin Maria Filina habe ich Olga Kotlytska nach Geretsried eingeladen, um bei unserer Veranstaltung „Wir müssen reden“ sich vorzustellen.

Russische und ukrainische Journalistinnen haben in München den Sender „Radio Wahrheit für Russland“ gegründet. Olga Kotlytska erzählte mir von dem Senderkonzept. Mit unabhängigen Berichten über den Krieg wollen sie der russischen Propaganda entgegenwirken. Sie machen ein Radioprogramm aus München in russischer Sprache. Einmal pro Woche zeichnen sie in München auf und gehen auf Sendung – und zwar neben Youtube und Telegram vor allem auf Kurzwelle. Anders als Websites werden diese nur zum Teil von Russland geblockt und haben eine hohe Reichweite. Die Hörer lassen sich anders wie im Netz nicht nachverfolgen. Radio an und fertig. Kein Stream im Netz, dessen IP-Adresse für russische Behörden nachvollziehbar ist, wer was wann gehört hat.

„Radio Wahrheit für Russland“ will mit Interviews und Berichten gegen die russische Propaganda wirken – und das mit kleinen Erfolg, wie Mails beweisen, so Olga Kotlytska.

Auch die Bitkom in Berlin schaut auf die Berichterstattung im Ukraine-Krieg. Ob über Blogs, Messenger-Kanäle oder Video-Plattformen: Kremltreue Nachrichtenangebote und selbst ernannte „alternative Medien“ verbreiten nicht erst seit Beginn des Ukraine-Krieges pro-russische Propaganda und gezielte Desinformation im Netz. Die überwiegende Mehrheit der Bundesbürger zeigt sich dafür allerdings nicht empfänglich, so die Bitkom: So geben lediglich 4 Prozent an, russische Medien für vertrauenswürdig zu halten, wenn es um den Wahrheitsgehalt von Informationen zum Krieg in der Ukraine geht. 3 Prozent sagen dies über die russische Regierung. Im Gegenzug halten 87 Prozent die russische Regierung für wenig bis überhaupt nicht vertrauenswürdig und 80 Prozent sagen dies über russische Medien. Die übrigen können die Vertrauenswürdigkeit nicht beurteilen oder machen dazu keine Angabe. Das ist das Ergebnis einer aktuellen repräsentativen Befragung des Digitalverbands Bitkom unter 1.004 Menschen in Deutschland ab 16 Jahren. Umgekehrt wird der ukrainischen Regierung (78 Prozent) und den ukrainischen Medien (70 Prozent) von einem deutlichen größeren Teil der Befragten Vertrauen geschenkt. Insbesondere der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj meldet sich nahezu täglich in sozialen Medien, um seine Sichtweise auf den Krieg gegen sein Land zu teilen. „Der rechtswidrige russische Angriffskrieg gegen die Ukraine wird von einer massiven Desinformationskampagne begleitet, mit der der Kreml destabilisierend wirken und in westlichen Ländern bewusste falsche Narrative setzen will. Die allermeisten Menschen trauen russischen Medien nicht. Viele erkennen die zahlreichen Inhalte und Posts, die direkt oder mittelbar auf den Kreml zurückgehen, allerdings als solche nicht. Es wird immer wichtiger und dringender, die Medienkompetenz in der gesamten Breite der Gesellschaft zu entwickeln“, sagt Bitkom-Hauptgeschäftsführer Dr. Bernhard Rohleder. Da stimme ich ihn zu. Zusammen mit meinen Kollegen Maria Filina und Thomas Gerlach führe ich Seminare zum Thema Fake News durch, um die Medienkompetenz zu verbessern.
Fast drei Viertel der Deutschen (72 Prozent) sorgen sich über die Verbreitung von Falschinformationen in sozialen Medien zum Krieg in der Ukraine. 57 Prozent finden es schwierig, Informationen über den Krieg in der Ukraine richtig einzuordnen und 62 Prozent der Internetnutzer prüfen die Vertrauenswürdigkeit einer Quelle, bevor Informationen im Netz geteilt werden. Das werte ich als großen Aufklärungserfolg.
Jeder und jede sechste (17 Prozent) konsumiert seit dem Krieg in der Ukraine auch mehr internationale Nachrichten als zuvor.

Buchstabier-ABC in aller Welt

25. Juli 2022

Mein Lieblingsbuch als Kind war „Mein allerschönstes Buchstaben-Bilderbuch“ von Richard Scarry. Dieses Buch brachte mir neben meinen Eltern und der Schule das Buchstabieren bei. Ich nehme das Buch immer wieder gerne in die Hand, um in Erinnerungen zu schwelgen und mich mit dem Alphabet wieder vertraut zu machen (Witz).

Da kommt eine aktuelle Meldung von Babbel genau zur richtigen Zeit. Damit es beim Telefonieren nicht zu abenteuerlichen Rechtschreibfehlern bei Namen oder Anschrift kommt, gibt es das sogenannte Buchstabier-ABC: „M wie Martha, nicht N wie Nordpol!“. Und es stellt sich die Frage: Wie lautet das Buchstabier-ABC in anderen Ländern und warum?
„Die Buchstabier-ABCs sind auch geprägt von der Kultur und den Besonderheiten der jeweiligen Sprache und Nation und sind daher durchaus auch eine Art gesellschaftlicher Spiegel”, so Maren Pauli, Head of B2B Didactics bei Babbel. Die Babbel-Sprachexperten haben einen näheren Blick auf die Buchstabiergepflogenheiten in Deutschland und weltweit geworfen und einige spannende Fakten zusammengetragen. Hier mal die Übersicht.

Deutschland (Deutsch):
Das deutsche Buchstabieralphabet wurde kürzlich aufgrund einer öffentlichen Debatte geändert, die schon einige Jahre schwelt. Das bisherige Alphabet (A wie Anton, B wie Berta…) wurde in Deutschland vielfach für seine fehlende Diversität, die ungerechte Geschlechterverteilung sowie aufgrund des Erbes der NS-Zeit kritisiert.
Dass das bisherige Buchstabieralphabet noch von der NS-Propaganda durchdrungen sei, fußt auf der Tatsache, dass während der NS-Zeit die vermeintlich jüdisch klingenden Namen David, Jakob, Nathan, Samuel und Zacharias durch Dora, Jot, Nordpol, Siegfried und Zeppelin ersetzt wurden. Einige dieser Namen wurden nach Kriegsende zwar offiziell wieder eingeführt, tatsächlich verwendet wurden sie aber kaum noch.
In den vergangenen Jahren stand der Vorwurf im Mittelpunkt, dass die ausschließlich deutsch klingenden Namen die kulturelle Vielfalt Deutschlands nicht ausreichend widerspiegeln.
Das Deutsche Institut für Normung (DIN) unterbreitete Anfang 2022 aus all diesen Gründen den Vorschlag die Namen des Buchstabier-ABCs durch deutsche Städtenamen zu ersetzen. Bei der Auswahl der Wörter waren zwei Faktoren ausschlaggebend: eine gerechte Aufteilung durch Einbeziehung aller Bundesländer (bis auf Bremen sind alle dabei) sowie eine einfache Aussprache.

Schweden
In Schweden, wo das seit etwa 1891 genutzte Buchstabieralphabet ausschließlich aus männlichen Namen besteht, wurde 2018 eine ähnliche Änderung angestrebt wie in Deutschland – einen stärkeren Ausdruck der kulturellen und ethnischen Vielfalt sowie eine gerechtere Verteilung der Geschlechter. Die Aktion sorgte für Aufmerksamkeit, brachte aber kaum nachhaltige Veränderung.

Österreich (Deutsch):
Das österreichische Alphabet ist sehr eng mit seinem deutschen Pendant verwandt, bevor dieses 2022 geändert wurde. Es gibt nur einige wenige Buchstaben, die sich unterscheiden, wie Zürich statt Zacharias, Übel statt Übermut, Xaver statt Xanthippe – und das Ö steht natürlich für Österreich.

Portugal und Brasilien (Portugiesisch):
Am Beispiel von Portugal und Brasilien, die mit Portugiesisch die gleiche Sprache teilen, wird deutlich, dass jedes Land Besonderheiten hinsichtlich des Buchstabieralphabets mit sich bringt, denn trotz gleicher Ausgangssprache haben Portugal und Brasilien unterschiedliche Versionen des Buchstabieralphabets.
Die portugiesische Version bezieht sich auf Orte und Städte innerhalb des Landes und kann so fast als kleiner Reiseführer durchgehen: C für Coimbra, die Universitätsstadt am Rio Mondego, deren barockes Universitätsgebäude zum UNESCO-Weltkulturerbe gehört. P für Porto, die portugiesische Stadt am Meer, die für Kunst, großartiges Essen und ihre Sehenswürdigkeiten berühmt ist. R für Rosso, den ikonischen und historisch wichtigen Platz in Lissabon.
In Brasilien verweist das Alphabet inhaltlich stärker auf Gefühle, aber auch Dinge: A für Amor (Liebe), E für Estrela (Sterne) und L für Lua (Mond). Aber auch interessante Fakten zur Geschichte des Landes kann man sich über das Buchstabieralphabet erschließen: So steht der Buchstabe Q steht für Quilombo, eine brasilianische Siedlung, die von Menschen afrikanischer Herkunft gegründet wurde, die sich gegen die Versklavung wehrten.

USA / UK (Englisch):
Das englische Buchstabieralphabet, das heute in den USA und UK, in Abwandlung aber auch in einigen skandinavischen Ländern wie Dänemark verwendet wird, ist auch der internationale Standard für die Funkkommunikation, bekannt als NATO-Alphabet. Es wurde vom sogenannten Able-Baker-Alphabet abgeleitet, das vom US-Militär während des Zweiten Weltkriegs entwickelt wurde.
Während und nach dem Krieg entstand Bedarf an einem internationalen Standard eines Buchstabieralphabets, das Able-Baker-Alphabet wurde jedoch kritisiert, weil es zu Englisch klang. Um auch spanisch und französisch klingende Wörter zu berücksichtigen, wurde beispielsweise das Wort Easy durch das Wort Echo ersetzt. Da der Buchstabe E im Englischen und in anderen romanischen Alphabeten unterschiedlich ausgesprochen wird, war Echo für Nicht-Muttersprachler einfacher zu verstehen. Für den Buchstaben H wurde How durch Hotel ersetzt, da es in allen drei Sprachen das gleiche Wort ist. Dies war die Geburtsstunde des NATO-Alphabets im Jahr 1956.
Fun Fact: Vor der Vereinheitlichung gab es allein in den USA etwa 203 Alphabete mit mehr als 1600 verschiedenen Wörtern.

Maren Pauli ordnet ein: „Buchstabieralphabete werden zwar in der Regel nicht in der Schule gelehrt, sie sind aber Teil des impliziten Alltagswissens einer Kultur, das wir uns mit der Zeit aneignen. Sie erleichtern uns die Kommunikation im Alltag und helfen uns auf effiziente und zum Teil auch charmante Weise über Verständnisprobleme hinweg. Wir beobachten aber, dass zumindest das deutsche Buchstabier-ABC überwiegend in bestimmten Kontexten verwendet wird (telefonische Kommunikation mit Behörden, Gesundheitseinrichtungen usw.) und natürlich fast ausschließlich am Telefon. Da jüngere Generationen viel weniger telefonieren und mehr texten als Ältere, sind Hilfen wie das Buchstabier-ABC dort weniger bekannt und weniger in Verwendung.”

Retrogamer aufgepasst: Lego bringt das Atari 2600

21. Juli 2022

Dieses Mal werde ich nicht nervös, weil es ein neues Star Wars Set von Lego gibt.Nein, dieses Mal werde ich nervös, weil es von Lego einen Flashback in meine Jugend gibt. Soeben veröffentlichten die Steinchenbauer meine Lieblingskonsole das Atari 2600 als Nachbau, erhältlich ab 1. August im Lego Store.

Der einstige Videospielriese Atari feiert dieses Jahr seinen 50. Geburtstag und Lego gratuliert mit dem Set Nummer 10306 und seinen 2532 Teilen für rund 240 Euro. Das sind stolze 9,5 Cent pro Teil, viel Geld für die Kinder der Achtziger. Das Atari 2600 war MEINE Konsole aus dem Jahr 1977. Als Retrogamer liebe ich diese Konsole und ihre 8 Bit-Spiele – und ich werde wohl die 240 Euro für das Lego-Set investieren (müssen).
Der Maßstab entspricht der originalen Konsole mit Holzoptik mit vier Schaltern, das bedeutet die zweite Generation vom Atari (die erste Generation hatte noch sechs Schalter). Es gab ja zudem auch ein Atari 2600 in schwarz – die Darth Vader Version, aber von Lego aber nicht veröffentlicht wird. Das Set gehört zu den einstigen der Creator Expert Sets, die heute unter Lego Icons laufen. Das Hauptmodell der Lego-Spielkonsole ist 8 cm hoch, 33 cm breit und 22 cm tief.

Es ist der legendäre Joystick CX40 dabei mit dem ich etliche virtuelle Wettkämpfe ausgefochten habe. Er lässt sich an der Rückseite des Geräts anschließen. Und es sind natürlich Spiele dabei: Drei Cartridges mit Asteroids, Adventure sowie Centipede, wobei Asteroids als Jugendlicher mein persönliches Highlight war.

Diese Cartridges liegen in einem Sortierkasten bei, können aber auch als nette Mini-Szenen nachgebaut werden. Hier gefällt mir Centipede in der Umsetzung am Besten, gefolgt von Adventure mit dem Schloss.

Die Cartridges können auch wie damals in die Konsole gesteckt werden.
Bisher machte das Gerücht die Runde, dass Pitfall beiliegen sollte, wenn man die Konsole aufklappt. Das stimmt aber dann doch nicht, sondern die Konsole lässt nur zum Teil aufklappen. Darin ist ein Kinderzimmer mit einer Minifigur mit Röhren-Glotze Joystick zu sehen – dazu gibt es Poster an der Wand und natürlich nochmals die Konsole in klein sowie ein Hund. Für das Design des Sets ist Chris McVeigh verantwortlich.

Atari 2600 ist nicht die erste Retro-Konsole. Bisher veröffentlichte Lego ein Lego Nintendo Entertainment System mit der Setnummer 71374 mit 2646 Teilen. Allerdings läuft es unter der Mario-Reihe und nicht als Lego Icons.

Das NES aus Lego-Steinen enthält jede Menge realistische Details. Unter anderem gibt es einen aufklappbaren Schacht mit Verriegelungsfunktion für das Steckmodul und einen Controller mit Anschlusskabel und Stecker. Zur Spielkonsole gehört auch ein altmodisches TV-Gerät mit Mario als 8-Bit-Figur auf dem Side-Scrolling Bildschirm.