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Meine Gedanken zu 100 Jahre Freistaat Bayern und Kurt Eisner

8. November 2018

100 Jahre Freistaat Bayern – was bedeutet dies für mich mich?  Ich könnte viel von der schönen Landschaft erzählen, von Baudenkmälern und Architektur, von Kunst, Kultur und Kirchen. Aber 100 Jahre Freistaat Bayern bedeuten für mich vor allem Liberalitas Bavarica. Es ist unsere bayerische Freizügigkeit. Es ist das Leben und Leben lassen. Dieses Denken hat mich geprägt und wurde mir immer wieder im Freistaat Bayern vermittelt.
Im Moment wünsche ich mir aber wieder mehr von dieser Liberalitas Bavarica in meinem Freistaat Bayern und ich muss damit auch an Kurt Eisner denken.

Kurt Eisner, Begründer des Freistaats Bayern.  Foto: Bundesarchiv

Kurt Eisner, Begründer des Freistaats Bayern. Foto: Bundesarchiv

Ich erinnere mich, als ich im Geschichtsunterricht vor über 30 Jahren ein Bild von Kurt Eisner gesehen habe. Das Schwarzweiß-Bild zeigte einen Zausel mit Bart und Brille. Eisner war als Journalist quasi ein Kollege von mir. Er war Mitglied der linken USPD, also linker als die Sozialdemokraten seiner Zeit, und er war Revolutionsführer in der Novemberrevolution 1918. Nach dem verlorenen Ersten Weltkrieg regierten in Deutschland die Arbeiter- und Soldatenräte. München war rot. Eisner schafft den Umsturz, Ludwig III flieht und Kurt Eisner ruft am 8. November 1918 den Freistaat Bayern aus. Das feiern wir heute: 100 Jahre Freistaat Bayern.
Er wird erster bayerischer Ministerpräsident. Der Umsturz war nahezu unblutig, anders wie die andere Revolutionen. Eisner und seine Leute waren Künstler, Freidenker und hörten zu. Sie lebten die Liberalitas Bavarica.
Mir ist aus dem Geschichtsunterricht meiner Schulzeit der Satz von Eisner in Erinnerung geblieben: „Die Revolution ist nicht die Demokratie. Sie schafft erst die Demokratie.“ Später wird er von dem Rechtsradikalen Anton Graf von Arco auf Valley erschossen, der von einer späteren Bayerischen Regierung freigesprochen wurde. Auch das ist Bayern.

In meiner Heimatstadt München gibt es ein paar Erinnerungen an Kurt Eisner. Zum einen eine Bodenplatte in der Kardinal-Faulhaber-Straße beim Hotel Bayerischer Hof. Sie zeigt den Umriss des ermordeten Eisners an Ort seiner Ermordung. Das Denkmal wurde 1989 eingeweiht. Zum anderen gibt es am Oberanger eine Glasinstallation aus dem Jahr 2011, geschaffen von Rotraut Fischer. Es ist ein Kunstwerk aus Grünglaselementen. Durch die Anordnung und Spiegelung assoziiert die Installation Bewegung. Das Werk trägt die Inschrift „Jedes Menschenleben soll heilig sein.“ Die Schrift ist nachts beleuchtet. Mit diesem Ausspruch proklamierte Kurt Eisner den Freistaat Bayern.
„Jedes Menschenleben soll heilig sein“ – ein Spruch, den wir uns zu den Feierlichkeiten zu 100 Jahre Freistaat Bayern wieder in Erinnerung rufen müssen.

Unterton – Installation am Martin Gropius Bau Berlin

7. Januar 2018
Der Weg zur Südseite des Martin Gropius Baus zur Installation Unterton.

Der Weg zur Südseite des Martin Gropius Baus zur Installation Unterton.

Wer nicht den Haupteingang des Martin Gropius Baus in Berlin benutzt, sondern den südlichen Hintereingang, der stößt unweigerlich auf die Installation Unterton. Mir hat diese Toninstallation gefallen und unheimlich Spaß gemacht.
Auf der Südseite des Ausstellungsbaus gibt es einen großen kreisförmigen Platz. Im Zentrum des Platzes findet sich eine runde Bodenplatte, von der aus man die beste Akustik hat. Über den Platz verstreut sind Gullydeckel und in diesen Deckeln ist ein Schlagwerk eingebaut. Wenn ich den Platz betrete, dann aktivieren sich Bewegungssensoren.

Magnethämmer, die unter den acht radial angelegten Gullydeckeln angebracht sind, beginnen zu schlagen. Je nachdem wie ich mich bewege, kommen verschiedene Klangbilder. Sie sind – so mein Eindruck – eine Art Morsecode. Wie eine Art Glockenspiel schlagen die Klöppel und erzeugen einen metallischen Klang aus dem Untergrund heraus, daher wohl der Name Unterton.
Die Installation Unterton stammt von Ina Geißler und Fabian Lippert aus dem Jahre 2011. Im Rahmen des Konjunkturpakes II der Bundesregierung ist diese Installation als Kunst am Bau gestaltet worden. Für Besucher wichtig: Die Installation funktioniert nur zwischen 8 und 20 Uhr, sonst fallen wohl der Nachbarschaft die Ohren ab.

Im künstlerischen Konzept von 2011 heißt es: „In seiner jetzigen Form wird der Stadtraum vor der Südseite des Martin-Gropius-Baus nicht als Platz, sondern ausschließlich als Passage, also im ‚vorbeigehen‘ erlebt. Weder gibt es eine räumliche Fassung oder angrenzende Hauseingänge, noch belebende Elemente oder Aktivitäten. Der Ort ist bestimmt durch die Schwere des Bodenmaterials, das die ‚historische Aura‘ des Bodens verstärkt.“ Und weiter ist dort zu finden: „Eine unterirdische akustische Installation in der Mitte des Platzes fördert eine neue Raumwahrnehmung. Beim Betreten der zentralen Fläche wird ein rotierendes Klangbild unterhalb des Bodens in Gang gesetzt. Es fordert den Passanten zum Innehalten und Verweilen auf…“
Ich fand es spannend und werde bei meinen nächsten Besuch wieder Töne aus dem Untergrund hervorlocken.