Archive for the ‘Medien’ Category

Richard Wagner: Die Meistersinger von Nürnberg im Kino

2. August 2017
Verachtet mir die Meister nicht!

Verachtet mir die Meister nicht!

Jahr für Jahr genieße ich Richard Wagner im Kino und live in Bayreuth. Da ich bisher nie in den Genuss von Premierenkarten gekommen bin, aber den göttlichen Richard Wagner zum Auftakt von Bayreuth nicht verpassen will, gehe ich zu Richard Wagner for the rest of us. Ich bin in mein Stammkino Scala Fürstenfeldbruck gepilgert und haben einen wunderbaren Abend erlebt, aber es wird wohl das letzte Mal gewesen sein. Warum? Ich habe gesehen, dass die Premiere der Meistersinger von Nürnberg dieses Jahr live ins Internet vom Bayerischen Rundfunk gestreamt wurde. Warum zahle ich 40 Euro pro Karte fürs Kino, wenn ich Wagner kostenlos im Netz schauen kann?

Der BR streamte ins Netz, warum also 40 Euro ausgeben?

Der BR streamte ins Netz, warum also 40 Euro ausgeben?

Ich hab es auch bequem zu hause per HD-Beamer und die Soundanlage rockt auch. Ich schaue mir die Meistersänger nächste Woche live am Grünen Hügel in Bayreuth an und werde es auch genießen. Aber Wagner im Kino hat sich für mich erledigt, wenn der Stream weiter ins Netz geht. Nächstes Jahr wird es zur Premiere eine Neuinszenierung des Lohengrins geben. Regie wird Yuval Sharon führen, die musikalische Leitung hat Christian Thielemans.

Ein Glas Sekt gab es zum Einstand.

Ein Glas Sekt gab es zum Einstand.

Aber ich will ein großes Lob für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter vom Scala Fürstenfeldbruck aussprechen. Sie haben sich alle Mühe mit den Wagnerianern gegeben. In der Regel ist es bei uns im Kino ein älteres Publikum, die nicht so stark in Blockbuster gehen. Der Service im Kino war super. Zur Einstimmung gab es erst einmal ein Glas Sekt. Irgendwie erkannte die freundliche Mitarbeiterin, wer zu Wagner und wer zu den Minions geht, die parallel liefen. Gut, ein Blick auf die Klamotte hat in der Regel ausgereicht. Für Wagner putzte ich mich raus, für die Minions hätte ich eine Banane ins Kino mitgenommen.

Hier nochmal das Programm.

Hier nochmal das Programm.

Dann verteilte ein Mitarbeiter ein Programm, um was es in den Meistersinger überhaupt geht. Ich hatte die Handlung zuvor schon gelesen und besitze zahlreiche Aufnahmen der Meistersinger. Live hatte ich diese bedeutende Oper noch nie gesehen. Ich tu mir schwer mit den politischen Aussagen von Wagner, aber darauf wurde in dem Programm keine Aussagen gemacht. Die Inszenierung war locker, schon fast operettenhaft und am Ende des zweiten Aufzugs erstarrte ich. Da war wieder diese Judenfeindlichkeit und Anitsemitismus von Wagner, den ich so verabscheue.


Vor dem dritten Aufzug gab es eine lecker Häppchen-Platte im Kino. Das war genau die richtige Stärkung vor dem langen dritten Akt mit seinem Höhepunkt „Verachtet mir die Meister nicht!“ Die Kunstdebatte war bei mir wieder entbrannt und da ich da auch für das Handwerk mit seinen Innungen arbeite, saß der Stoß von Richard Wagner genau richtig. Was kümmern mich Regeln?

Meiner Frau und mir hat es prima gefallen.

Meiner Frau und mir hat es prima gefallen.

 

Gut ausgerüstet für den ersten Aufzug - ich bin so ein Banause.

Gut ausgerüstet für den ersten Aufzug – ich bin so ein Banause.

Warum allerdings der Stream im Kino um 18 Uhr startete, während die Premiere in Bayreuth um 16 Uhr losging, konnte mir im Kino keiner beantworten. Ich hatte zumindest zu Beginn die dritten Aufzugs die Möglichkeit gehabt, erste Kritiken und Blogposts im Netz zu lesen.
Ach ja: Wunderbar frech war wieder einmal Axel Brüggemann, manches Mal für meinen Geschmack sogar zu frech. Am besten fand ich sein Interview mit Katharina Wagner vor dem Klo in Festspielhaus. Über Hochkultur reden vor dem WC-Eingang – das hat was. Da habe ich lauthals im Kino losgelacht – so einen Humor (hoffentlich beabsichtigt) hätte ich der Wagner-Truppe nicht zugetraut.

Interview vor dem Klo - gut gelacht bei Wagner.

Interview vor dem Klo – gut gelacht bei Wagner.

Buchtipp Nintendo 64 Anthology Classic Edition von Math Manent

28. Juli 2017
Schönes Buch für Retro-Fans: Nintendo 64 Anthology Classic Edition von Math Manent

Schönes Buch für Retro-Fans: Nintendo 64 Anthology Classic Edition von Math Manent

Ich hatte nie ein Nintendo 64, ich hatte damals mit meinem Atari Jaguar auf das falsche Pferd gesetzt und habe nun die Chance, diesen Fehler zu korrigieren. Nach dem NES Classic Mini und der Ankündigung (und Bestellung) des SNES kommt wohl 2018 das N64 als Retrokonsole auf den Markt. Entsprechende Patenanträge sind aufgetaucht. Ich stehe also vor der Wahl, ein Original N64 zu kaufen oder auf die neue Retrokonsole zu warten. Es wird wahrscheinlich beides werden, wie ich mich kenne.
Über das Nintendo64 braucht man nichts mehr sagen. Von 1996 bis 2002 wurde das Ding produziert und dann vom Game Cube abgelöst. Das N64 lag im Wettbewerb mit den 32 Bit-Konsolen Sega Saturn und Sony Playstation und mit dem 64 Bit Jaguar. Ein Nachbarskind hatte das N64 und wir zockten CrazyCars. Es gab die besseren Spiele für das N64 als für mein Atari Jaguar.

Jetzt war es an der Zeit für mich, ein wenig mehr über die Spiele des N64 zu erfahren und ich stieß auf das hervorragende Buch Nintendo 64 Anthology Classic Edition von Math Manent. Beim Durchblättern wusste mich das in der GeeksLine-Reihe erschienene Buch gleich zu faszinieren. Schöner Druck, fette Info auf Englisch. Zunächst gibt Math Manent einen guten Überblick über die Produktion vom Nintendo64 und die verschiedenen Varianten. Dabei wird auch die Populärluktur der damaligen Zeit mit ihrer enormen technischen Veränderung in der Unterhaltungsbranche eingegangen. Wir erinnern uns, welche Möglichkeiten CGI im Film brachte: Terminator 2, Jurrasic Park und viele andere Blockbuster mehr. Technik zog in den Film ein und veränderte Filme komplett. Und sie zog in die Spiele ein. Bei Spiele war die Entwicklung ähnlich gravierend: Es war durch bessere Prozessoren möglich, 3D-Inhalte auf den heimischen Fernseher zu produzieren. Keine 8 Bit-Spiele wie ich sie so liebte, sondern 32-Bit. Eine Hammergrafik war das. Und in diesen Markt stieß Nintendo mit dem N64 vor.
Das Buch gibt Aufschluss über die Gamerszene von damals und bringt ein gutes Interview mit Eric Caen von Titus. Das Unternehmen brachte unter anderem CrazyCars auf dem Markt, das ich damals sehr oft gespielt habe.
Das Buch birgt aber einen weiteren Schatz. Es gibt den kompletten Überblick über alle erschienenen Spiele samt Screenshot und kurzer Erklärung. Das ist für mich sehr wertvoll. Ich habe zwar nicht die Absicht, in das Sammeln von N64-Spielen einzusteigen, aber gerne schmökere ich, welche Spiele erschienen sind. Beim Durchblättern habe ich allerhand Schrott gefunden, aber auch einige wirkliche Schätze, die es zu spielen lohnt.

Buchtipp: Art of Ghost in the Shell von David S. Cohen

20. Juli 2017
Musste ich haben, war aber dann enttäuscht.

Musste ich haben, war aber dann enttäuscht.

Mir hat ja Ghost in the Shell im Kino gut gefallen und ich werde ich auch im August die Blu ray kaufen. Aber bis es soweit ist, genieße ich das Art of-Buch. Ich bin sicher, auch wenn der Film inhaltlich seine Schwächen hat und an das Manga nicht herankommt, sind wir uns alle einig: Die visuellen Effekte sind eindrucksvoll. Mir blieb im Kino die Spucke weg und daher musste ich mir sofort das Buch The Art of Ghost in the Shell anschaffen.

Die Effekte stammen von WETA Workshop und das sagt schon viel. Die Typen in Neuseeland können es. Allerdings lassen sich die Künstler nicht so gerne in ihre Karten schauen und das ist das Problem bei diesem Buch. Bei einem Art of-Buch will ich ja hinter die Kulissen schauen, will den Produktionsprozess verstehen. Von den ersten Sketches über die Pre-Visualisation bis hin zum fertigen Ergebnis – das will sich sehen. Aber das bekomme ich in diesem Buch nur um Teil geboten. Klar, es gibt die visuell starken Bilder und Making-Of-Shots, aber wirkliche Geheimnisse werden in dem Buch nicht verraten. Es bleibt auf einer oberflächlichen Ebene. Das Vorwort stammt von Richard Taylor von WETA Workshop.
Wenn ich das akzeptiert habe, dann macht dieses Buch allerdings Spaß. Ghost in the Shell hat mich wirklich in eine futuristische Welt entführt. Die Effekte wirken absolut glaubwürdig. Ich versinke in diese Welt und das Buch hilft mir dabei. Ich habe den Film zweimal im Kino gesehen und bin über das jetzt vorliegende Art of-Buch insoweit begeistert, dass es mir Details zeigt, die ich im Film gar nicht bemerkt habe. Das ist für mich die wahre Stärke des Buches. Wenn dann die Blu ray vorliegt, lassen sich diese Impressionen in Bewegung ansehen – im Moment bleibt mir nur die Erinnerung an diesen visuell starken Film. Über den Film selbst habe ich ja bereits gebloggt.

Aber nun kommt mein Problem: Kaum eines der Bilder sind wirklich neu. Ich habe die meisten davon schon im Netz gesehen, auf Fan- und Ausstellungsseiten, auf Seiten des Verleihs und der Schauspieler. Visuell bringt das Buch The Art of Ghost in the Shell gewaltige Bilder, aber nun ja – kaum neue Bilder. Der einzige Vorteil ist vielleicht, dass ich diese Bilder nun gesammelt auf Papier habe und nicht mehr nur als Board auf Pinterest. Das bedruckte Papier ist fein und auch der geprägte Buchrücken ist wirklich schön gemacht, die Banderole ums Buch ist nett aber das war es dann schon.
Ich bin also komplett gespalten bei dem Buch: Visuell eine Offenbarung, inhaltlich eher schwach und die Bildauswahl ist begrenzt – und trotzdem empfehle ich das Buch als Zeitdokument. Gerne hätte ich einen Vergleich zwischen Manga und Film gehabt. Das bietet sich bei Ghost in the Shell durchaus an. Viele Filmbilder basieren auf die Animie-Verfilmung und damit auf dem Manga. Hier hätten wir ideal die Entwicklung des Stoffes aus unterschiedlichen Richtungen betrachten können. Aber dafür war dieses Art of-Buch wohl eher nicht gemacht. Es musste schnell auf den Markt zum Filmstart gebracht werden – dann aber bitte mit etwas mehr Mühe.

 

Buchkritik: Art of Atari Poster Collection von Tim Lapetino

10. Juli 2017

Das Buch und die Spiele - es hatte wunderbar werden können. Wurde es aber nicht: Art of Atari

Das Buch und die Spiele – es hatte wunderbar werden können. Wurde es aber nicht: Art of Atari

Ich liebe Retro-Games und ich liebe mein Atari 2600. Ich habe schon viel über meine Retro-Hobby geschrieben und war über das geniale Buch von Tim Lapetino schwer, schwer begeistert. Ausführlich habe ich darüber gebloggt. Nun sollten meine Wünsche wahr werden, denn es wurde unlängst ein Posterbuch mit den Motiven der alten Atari-Spiele veröffentlicht. Insgesamt 40 Prints enthält das Buch Art of Atari Poster Collection, die nur darauf warten gerahmt zu werden.

Nun, nach dem Auspacken stelle ich fest. Die Poster können lange warten von mir gerahmt zu werden. Die ganze Aktion war ein Griff ins Klo. Wie konnte man nur so etwas abliefern? Der Druck ist in Ordnung und die Papierqualität passt auch. Über die Auswahl der Motive lässt sich vortrefflich streiten, aber was mir wirklich auf den Geist geht: Die Bilder sind beschnitten und nicht vollformatig. Was soll das? Ich will keine Detailbilder, ich will das komplette Werk. Warum soll ich mir einen Ausschnitt eines Werkes an die Wand hängen, wenn ich das gesamte Werk haben möchte. Übertrieben: Ich mag die komplette Mona Lisa und nicht nur einen Ausschnitt ihres bezaubernden Lächelns.

Was hat Tim Lapetino nur geritten? In dieser Form ist die Postersammlung für mich als Retro-Gamer komplett unbrauchbar und ich bin wirklich enttäuscht. Das Buch hätte wirklich ein großartiger Beitrag für die Retro-Szene werden können, aber Pustekuchen. Andere Zielgruppen außer Retro-Gamer werden das Buch sowieso nicht kaufen und somit wurde dieses vorliegende Buch an mir als Kernzielgruppe vorbei produziert. Damit landet das Posterbuch jetzt im Archiv und kein Poster wird den Weg an die Wand finden – und das ist furchtbar schade. Also Chance vertan und ich geh jetzt schmollen.

Kommentar: digitale Spaltung wird vertieft

27. Juni 2017

Ein eher seltenes Bild: Android und ich

Ein eher seltenes Bild: Android und ich

Und wieder wird gejammert. Fast sieben Stunden am Tag verbringen junge Erwachsene im Alter von 21 bis 30 Jahren im Internet. Ich habe eine Studie von Ernst & Young gelesen und ich werde den Verdacht nicht los, die Herrschaften haben es nicht verstanden, was da passiert. Übrigens bei mir läuft das Internet eigentlich immer. Schaltet ihr den Browser oder Mail oder soziale Netzwerke aus? Das mache ich nur, wenn ich hoch konzentriert an etwas arbeite oder mich auf Freunde, Musik oder einen Film konzentriere. Aber in der Regel unterscheide ich nicht in eine Welt mit und ohne Internet.
Die Studie erklärt, dass die junge Altersgruppe das Internet größtenteils über ihr Smartphone nutzt. Knapp drei Stunden sind sie über das Gerät online, vor allem in Messengerdiensten wie WhatsApp. Gut, dass mit WA halte ich für gefährlich, aber hauptsächlich aufgrund des Verlustes der digitalen Daten wie Adressbücher.

Twitter in der Buchstabensuppe.

Twitter in der Buchstabensuppe.

Jugendliche seien viereinhalb Mal so lange mit dem Handy online, wie die Altersgruppe 60 plus. Sagt mal, wundert ihr euch wirklich darüber? Deswegen fordert die Studie Politik und Unternehmen auf, einer – so wörtlich – „digitalen Spaltung“ entgegenzuwirken und bei der Entwicklung neuer Angebote, die Bedürfnisse der älteren Generation nicht zu vergessen.
Wenn ich solche Studien und vor allem die Empfehlung von Ernst & Young lese, hab ich Angst um die digitale Entwicklung dieses Landes. Immer wieder kommt da durch: Früher war alles besser. Und ich werde das Gefühl nicht los, dass für diese Typen die digitale Entwicklung besser nicht voranschreiten sollte. Stillstand ist für sie der neue Fortschritt, ein bisschen wie der Heizer auf der E-Lok.
Studie um Studie: Der durchschnittliche Nutzer greift pro Woche 1.500 Mal zu seinem Smartphone, das heißt 214 Mal pro Tag, so eine Studie der britischen Marketing-Agentur Tecmark. Das Smartphone wird den PC als wichtigsten Zugang zum Internet bis 2021 ablösen. Das geht aus der aktuellen Ausgabe des CISCO VNI Forecast hervor. Der Desktop-Anteil wird beim IP-Internet-Traffics von heute über 40 Prozen in vier Jahren auf 25 Prozent fallen. Gleichzeitig wird der Smartphone-Anteil am weltweiten IP-Traffic auf 33 Prozent steigen. Mehr dazu im Blog meines Kollegen René Hesse.


Liebe Leute, macht einfach Platz für etwas neues. Macht Platz für Innovationen und Fortschritt. Das Smartphone ist kein Telefon. Wer glaubt, dass das iOS-, Android- oder Windows-Device ein Telefon zum Telefonieren ist, der irrt sich gewaltig. In meinem Seminaren in Schulen zur Medienkompetenz frage ich immer gerne die Schülerinnen und Schüler: Was macht ihr mit eurem Smartphone? Die Antworten lauten etwa so: Chatten, YouTube, Fotos, Videos, Musik hören, Spielen, Taschenrechner, Lesen, Einkaufen, Navigation und und und – irgendwann kommt auch Telefonieren. Wer glaubt, das Smartphone sei ein Telefon, der hat schon längst verloren. Smartphones haben heute so viele Funktionen übernommen, für die wir bisher mehrere verschiedene Geräte benötigten. Dennoch benötigt es klare Regeln im Umgang mit dem Smartphone. Medienkompetenz steht dabei im Vordergrund und nicht die Verteufelung eines Geräts.
Wir leben zu Beginn eines Post-PC-Zeitalters und das Smartphone ist im Moment für eine ganze Generation das Zentrum ihres digitalen Lebens geworden. Natürlich ergibt sich dadurch längere Nutzungszeiten.
Natürlich muss die digitale Spaltung überwunden werden. Aber durch solche Studien überwinden wir nicht, sondern der Graben wird immer tiefer. Wir sprechen nicht mehr miteinander, sondern übereinander. „Ihr mit eurem doofen Smartphone – ihr könnt ja gar nicht mehr anders“, höre ich in Seminaren immer wieder. Gegenseitiges Verständnis und ein klarer Blick für die Chancen der digitalen Zukunft ohne die Gefahren zu leugnen – das ist das Gebot der Stunde.

Houston, wir haben ein Problem,

Houston, wir haben ein Problem,

Harry Potter wird 20 Jahre – und ich hab ihn bis dato nicht gelesen

26. Juni 2017

Heute vor 20 Jahren erschien in Großbritannien der erste Band von Harry Potter. 20 Jahre ist das nun her und Harry Potter löste eine Begeisterung fürs Lesen und Fantasy aus – und lässt mich auch nach 20 Jahren völlig kalt.

Mit Zauberstab und der Karte des Herumtreibers ausgestattet.

Mit Zauberstab und der Karte des Herumtreibers ausgestattet.

Ja, ich bin kein Fan von Harry Potter. Ich hab die Faszination um den Zauberlehrling einfach verpasst. Mich hat der Virus von Joanne K. Rowling nicht erfasst. Meine Familie ist dagegen voller Potter-Fans, ich bin irgendwie gegen diesen Zauber immun. Das soll nicht heißen, dass ich die Begeisterung um das Phänomen Harry Potter nicht teilen kann. Ich habe einfach nicht von der Droge Harry Potter gekostet, freue mich aber über den Erfolg der Figur. 500 Exemplare druckte der britischen Bloomsbury-Verlag vom Erstlingswerk Harry Potter und der Stein der Weisen. Und dann wirkt der Zauber. Harry Potter entwickelte sich zum Renner in den Buchläden und brachte Kinder (und Erwachsene) scharenweise zum Lesen. Es ist stark, dass so ein Buch so eine Faszination auslösen konnte.
Meine Frau und später meine Kinder waren, sind und bleiben Potter-Fans. Wir haben die Bücher, eBooks und ganz beliebt die animierten iBooks von Apple und Filme. Wir haben Umhänge, verschiedene Zauberstäbe, Bücher mit Zaubersprüchen, mehrere Quiz-Varianten und ich glaube sogar, dass meine Gattin einen Besen Feuerblitz Nimbus 2000 besitzt – zumindest blitzen ihre Augen, wenn sie einen bestimmten Besen aus der Garage in ihren Hand hält.
Wir besuchten Harry Potter-Lesepartys in Büchereien und Buchhandlungen. Ich genoss eine Ausstellung, ich fieberte mit der Familie der Auslieferung eines neuen Potter-Buches entgegen. Einmal organisierte Amazon eine Nachauslieferung und der Paketbote kam gegen 2 Uhr morgens und brachte das ersehnte Harry Potter-Buch. So etwas gefällt mir – fetter Hype und richtig Rock’n Roll. Die Ideen von Joanne K. Rowling sind wirklich wunderschön. Nachdem ich viele Verwaltungsschulungen durchführe mag ich natürlich das Zauberministerium, als Bahnfahrer liebe ich den Hogwarts-Express samt Gleis Neundreiviertel und als Journalist verehre ich den Tagespropheten als Vorbild für ePaper.
Ab und zu lese ich Sekundärliteratur über Harry Potter, um bei meinen Kindern zu punkten. Dabei ist es toll, wie die Autorin mit den verschiedenen literarischen Genren spielt: Krimi, Jugend, Fantasy, Internatsliteratur – das Wechseln der Erzählformen. So eine Besserwisserei von mir macht bei meinen Kindern Eindruck.

Harry Potter im Kino und Blu ray
Weil ich zu faul war, die Bücher zu lesen, habe ich mir die Filme angesehen. Die meisten davon im Kino, alle immer wieder auf Blu ray. Ich überlege, ob ich das Potter-Schloss als Blu ray-Box kaufen soll. Meine Kinder K1/2 entwickelten sich zu Potter-Experten und schauen sich die Filme immer wieder gerne an. Sie sprechen die Dialoge mit, fachsimpeln, klatschen und freuen sich. Ich erkenne mich in meinen Kindern. Was Harry Potter für sie ist, ist die klassische Trilogie von Star Wars für mich: Einfach nur Kult. Nicht verraten: Die Potter-Filme fand ich ganz okay, aber auch nicht mehr. Aber das geht vielen Leuten mit Star Wars und Star Trek ebenso – also will ich nicht darüber urteilen.

Harry Potter Soundtracks
Allerdings mag ich den Score der Harry Potter-Filme. Ich besitze alle Soundtracks, einige davon in Extendet Version. Die Preise für diese Teile sind explodiert, ich hatte sie damals als Komplettierung meiner Soundtrack-Sammlung gekauft.
Die ersten drei Teile Harry Potter und der Stein der Weisen, Harry Potter und die Kammer des Schreckens und Harry Potter und der Gefangene von Askaban wurden komponiert von Altmeister John Williams und sind über jeden Zweifel erhaben. Teil 4 Harry Potter und der Feuerkelch wurde von Patrick Doyle beigesteuert und dann folgten zwei Soundtracks von Nicholas Hooper Harry Potter und der Orden des Phönix und Harry Potter And The Half-Blood Prince. Den Score für die letzten beiden Potter-Filme steuerte der Franzose Alexandre Desplat bei. Diese Musik ist wirklich großartig.

Harry Potter als Videospiel
Ab und zu spielen wir Videospiele rund um Harry Potter. Die beiden Lego-Spiele finde ich – wie die meisten Lego-Spiele – großartig umgesetzt. Interessant ist, dass meine beiden jugendlichen Potter-Fans K1/2 diese Spieleumsetzung Lego Harry Potter Collection eher langweilig finden. Sie greifen dann doch lieber zu Star Wars, Batman und Indiana Jones. Und auch das Lego-Spielzeug von Harry Potter kommt nicht so gut an, wie ich gedacht habe. Die Figur des Rubeus Hagrid habe ich mal geschenkt bekommen als ich über ein Lego-Fußballstadium berichtete. Rubeus Hagrid war damals Brasilienfan – zumindest hatte die Figur Rubeus Hagrid eine brasilianische Fahne in der Hand. Die Figur steht heute auf meinem Schreibtisch, aber die restlichen Harry Potter-Bausätze lockten meine Kinder nicht. Wir bleiben in der Lego Star Wars-Welt – ohne Harry Potter.
Ich plane als nächstes mit K1/2 den Besuch der Harry Potter-Filmstudios in London. Das geht sicherlich ins Geld, aber den Spaß gönne ich mir. Mal sehen, ob die Gattin uns begleitet. Und wenn es wirklich klappt, dann verspreche ich nach 20 Jahren des Erscheinens des ersten Harry Potter-Buches die Buchreihe durchzulesen. Es gehört doch irgendwie zur Populärkultur dazu.

Die Top Ten der Spammer

22. Juni 2017
Und immer wieder Spam im Postfach. Ich hab gar kein WA.

Und immer wieder Spam im Postfach. Ich hab gar kein WA.

Jeden Tag kommt neuer Spam in mein Mail-Postfach und wer nicht aufpasst, fällt auf die Betrüger herein. Im Rahmen meiner Medienkompetenz-Seminare kommt das Thema Spam immer wieder zur Sprache. Die verschiedenen Angriffe aus dem Netz ist bekannt – das jüngste Beispiel war der Trojaner, der die Anzeigetafeln der Deutschen Bahn lahmlegt.
Aber die klassischen Spammer lassen nicht locker. Ein beliebter Trick der Spammer ist es, sich als legitimes Unternehmen auszugeben und die Empfänger damit über den schädlichen Inhalt zu täuschen. Für das erste Halbjahr 2017 veröffentlichte die Sicherheitsexperten F-Secure jetzt eine Rangliste der beliebtesten gefälschten Absender. Die klassischen Spammer wie der Prinz aus Liberia wird bei mir im Postfach immer seltener.
Die Liste enthält die Namen von Schwergewichten wie Microsoft, Amazon oder Apple. Das zeigt deutlich: Je größer der Name, desto verlockender der Missbrauch in Spam-Mails. Die ein oder andere Mail dieser Spammer hatte ich selbst schon im Mailpostfach. Medienkompetenz ist daher angesagt.
„So viele Leute nutzen die Dienste oder Produkte dieser großen Unternehmen, entsprechend macht es für die Kriminellen Sinn, diese bekannten Namen zu missbrauchen“, so Rüdiger Trost, Head of Cyber Security Solutions bei F-Secure Deutschland.
Neben den Größen aus dem Tech-Bereich bevorzugen Spammer Angebote aus dem Bereich Online-Dating oder Finanzanbieter wie PayPal und Giropay. Auch Lieferdienste wie UPS sind hoch auf der Liste, oft setzen die Kriminellen auf vermeintliche Versandbenachrichtigungen. Das kommt bei mir eigentlich regelmäßig vor.
„Für Spammer sind Social-Engineering-Attacken leichter als jemals zuvor“, sagt Trost. „Der E-Commerce ist inzwischen so weit verbreitet, dass eine einfache E-Mail mit dem Betreff ‚Ihre Bestellung konnte nicht zugestellt werden!‘ oft schon ausreicht. Bei der schieren Masse an ausgeliefertem Spam ist es fast garantiert, dass ein Teil der Empfänger tatsächlich auf Waren wartet. Und genau dieser Zusammenhang hebelt oft alle gelernten Vorsichtsmaßnahmen aus.“
In den Anhängen der gefälschten E-Mails steckt oft Schadsoftware wie etwa Ransomware, Keylogger oder Bank-Trojaner. Während sie vordergründig angeben, legitime Produkte zu verkaufen, versuchen sie im Hintergrund an sensible Daten, wie etwa Kreditkarteninformationen zu gelangen. Andere Spam-Kampagnen haben den Diebstahl von Zugangsdaten als Ziel.
Lange Zeit waren Exploit-Kits die bevorzugten Angriffswaffen der Kriminellen. Diese versteckten sich auf gehackten oder bösartigen Webseiten und attackierten Besucher automatisch durch Schwachstellen im genutzten Browser. Mit dem Rückgang von Zero-Day-Schwachstellen und immer kürzeren Update-Zyklen von genutzten Programmen geht diese Art des Angriffs allerdings zurück. Parallel dazu wächst die Anzahl an E-Mails mit bösartigem Inhalt – auch Kriminelle unterwerfen sich dem Marktzwang.
Laut Trost wird sich das so schnell nicht ändern. Daher hat er drei Tipps, um die Ausbreitung von Malware per Spam einzudämmen:
Müssen Nutzer wirklich ZIP-Dateien verschicken? Cloud-Dienste erlauben das sichere Teilen von Inhalten. Der Einsatz solcher Dienste erlaubt es, den Empfang von ZIP-Dateien komplett zu verbieten, diese Maßnahme schließt eine der häufigsten Infektionswege.
In Office sollte der Einsatz von Makro-Skripten deaktiviert werden.
Trennen Sie jscript von Code, der tatsächlich auf der Maschine ausgeführt wird.
Und ich ergänze: Einüben von Medienkompetenz

Rangliste: Die am häufigsten gefälschten Absender in Deutschland , 1 HJ 2017
Paypal
Amazon
Ebay
Giropay
Lyft
Apple
Microsoft
Mercedes

Rangliste: Die am häufigsten gefälschten Absender weltweit, 1 HJ 2017
USPS
Amazon
Fedex
Apple
Paypal
Walgreens
Microsoft
Eharmony
Lyft
Facebook
Bank of America
Match.com

Blogger und Journalisten – ist dies ein Widerspruch? – für mich nein

7. Juni 2017
Stephan Goldmann und ich sprachen vor Mitgliedern der deutschen Presseclubs.

Stephan Goldmann und ich sprachen vor Mitgliedern der deutschen Presseclubs.

Blogger und Journalisten – ist dies ein Widerspruch? Dieser Frage gingen Stephan Goldmann und ich vom Bloggerclub vor Mitgliedern des Forums der deutschen Presseclubs nach. Im Forum sind PresseClubs aus ganz Deutschland organisiert und die Jahrestagung fand vor kurzem in Augsburg statt.
Wir Blogger brauchen eine Vertretung gegenüber der Öffentlichkeit. Ziel unseres Vereins Bloggerclub ist es, Blogger zu organisieren, zu schulen und weiter zu vernetzen. Blogs sind schließlich aus der heutigen Medienwelt nicht mehr wegzudenken und haben massiven Einfluss auf die Medienrealität. Heute gibt es in der Blogosphäre unterschiedliche Arten von Blogs wie beispielsweise private Blogs, Hobbyblogs, Unternehemsblogs, Wissenschaftsblogs oder journalistische Blogs. Mein Blog redaktion42 ist sicherlich eine Ausnahme – er dreht sich egomäßig um mich und hat damit auch ein spezielles Thema. Wir schaffen im Bloggercub ein Netzwerk schaffen unter dem Dach des Bloggerclubs in dem sich alle wiederfinden und voneinander profitieren können. Und natürlich weiß ich, dass Blogger kein klassisches Vereinsvölkchen sind und dennoch ist es aus meiner Sicht wichtig, gegenseitig füreinander einzutreten und sich zu organisieren und – ganz wichtig, ein Sprachohr gegenüber der Öffentlichkeit zu sein.

Bloggerkodex als gemeinsame Grundlage.

Bloggerkodex als gemeinsame Grundlage.

Gemeinsame Basis ist ein verbindlicher Bloggerkodex, zu dem sich alle Mitglieder des Bloggerclubs verpflichten. Transparenz ist unser oberstes Gebot. Der Bloggerkodex regelt klare Verhaltensmaßnahmen im Umgang mit Werbung, Unterstützung, Sponsoring und Verlosungen.
Die Schwerpunkte unserer Vereinsarbeit sind Fortbildung, das Fördern von Medienkompetenz und Lobbyismus. Hierbei unterstützt uns der PresseClubs München sehr. Vielen Dank dafür. Der renommierte Presseclub, bei dem ist seit den 90er Jahren des vergangenen Jahrhunderts Mitglied bin und früher durch meine Mitgliedschaft bei den Nachwuchsjournalisten in Bayern im Vorstand war, öffnet uns die Türen und bietet uns Bloggern eine repräsentative und moderne Tagungsstätte. Der PresseClub profitiert von unserem Programm, wie beispielsweise Schulungen zu SEO, Vermarktung oder Aufbereitung von Blogs. Also eine typische Win-Win-Situation.


Gerne kann unser Konzept vom Bloggerclub von anderen PresseClubs in Deutschland aufgegriffen werden. Erste Presseclubs haben bei uns schon angefragt. Wir als Bloggerclub stehen hier gerne als Partner zur Verfügung, schließlich wollen wir auch weiter wachsen.

Provokant mit Weste: Stephan Goldmann.

Provokant mit Weste: Stephan Goldmann.

Mein Kollege Stephan Goldmann hat einen sehr engagierten Vortrag vor den Mitgliedern des Forum der deutschen PresseClubs gehalten. Viele Journalisten tun sich mit Blogs noch schwer. Beispielsweise haut die FAZ gerne auf die Blogger ein, zuletzt auf die Reiseblogger.

Catweazle ist tot – persönliche Gedanken an meine TV-Jugend

12. Mai 2017

Catweazle ist tot, naja eigentlich ist der Darsteller Geoffrey Bayldon verstorben. Als ich die Nachricht via Twitter bekam, dachte ich an eine schöne Jugendserie zurück. Wenn ich mehr darüber nachdenke, dann zeigte die Serie humorvoll den Zusammenprall von Kulturen. Was so witzig daherkommt, ist im Grunde ein ernste Herausforderung. Wie geht man mit Neuerungen in einer neuen Welt um?
Catweazle war für meine Eltern der pure Hippie. Ich fand den schrulligen, ziegenbärtigen Hexenmeister sehr sympathisch. Catweazle ist ein Zauberer aus dem Jahr 1066 und kommt via Zeitreise und Zaubertrank ins Großbritannien der Siebzigerjahre. Dort erlebt er allerhand turbulente Abendteuer, die vor allem aus dem Zusammenprall der Kulturen entstehen. Eine Glühbirne, genannt Elektrik-Trick, wird zum Wunder. Das Telefon ist ein Zauberknochen. Sein Zauberspruch war übrigens Salmei, Dalmei, Adomei.
Ich versuchte den Harry Potter meiner Jugend meinen Kindern zu vermitteln. Nun, die Kröte Kühlwalda kam gut an, nur Catweazle fiel komplett durch. Die TV-Serie der Siebzigerjahre passt einfach nicht mehr in die Neuzeit – zu langsam und auch die 16 mm-Aufnahme empfanden meine Kinder als störend und körnig. Aber das Zusammentreffen der Kulturen haben meine Kinder verstanden. Ich erklärte es ihnen mit meinen Eltern, die schon in die Jahre gekommen sind. Mein alter Vater reagiert auf den Sprachassistenten Alexa ebenso wie Catweazle. Für ihn ist das wie Zauberei. Nur, dass mein Vater keine Kröte dabei hat. Im Grunde fällt es Catweazle schwer, sich in die neue Zeit einzugewöhnen. Vieles ist neu und er versucht die Neuerungen mit den Erklärungen seiner Zeit zu verstehen.
Nun, ich werde mir die DVDs mit Geoffrey Bayldon wieder anschauen und mich an meine Jugend erinnern und daran denken, wie sich mein Vater in der heutigen Zeit fühlt.

Microsoft Hololens: Erste persönliche Eindrücke

11. Mai 2017
Die Hololens macht Spaß und ich sehe enorme Möglichkeiten.

Die Hololens macht Spaß und ich sehe enorme Möglichkeiten.

Ich bin ein Fan von Virtueller Realität (VR) und augmented reality (AR). In der Vergangenheit habe ich verschiedene Brillen ausprobiert, die Oculus Rift, die Google Glas und die SonyVR – letztere habe ich mir zum Spielen auch gekauft. Jetzt habe ich auf der re:publica 2017 #rp17 auf Einladung von Mircosoft die Hololens für 30 Minuten ausprobieren können. Ich bin baff: Ich habe die Zukunft gesehen. Das Teil ist der Hammer und hat großen Eindruck bei mir hinterlassen.

Arbeiten im virtuellen Raum - wahnsinnige Möglichkeiten ergeben sich.

Arbeiten im virtuellen Raum – wahnsinnige Möglichkeiten ergeben sich.

Ich sehe viele Einsatzbereiche für diese Art von AR-Brillen: Unter AR – erweiterter Realität wird die visuelle Darstellung von Informationen laut Wikipedia verstanden, also die Ergänzung von Bildern oder Videos mit computergenerierten Zusatzinformationen oder virtuellen Objekten mittels Einblendung/Überlagerung.
Microsoft hat mit der Hololens etwas Wegweisendes geschaffen. Und das sage ich als überzeugter Apple Fanboy. Ich kann mir viele Einsatzorte vorstellen: Bildung, Ausbildung, Forschung, Büro und natürlich auch Gaming. Im Netz habe ich einige tolle Ideen aus Medizin, Turbinenbau, Geografie oder Chemie gesehen – mit der Holoens kann Bildung 2.0 Spaß machen.


Die Brille sitzt gut auf dem Kopf und rutscht auch bei plötzlichen Kopfbewegungen bei mir nicht herunter. Das in die Brille projizierte Bild ist scharf, rattenscharf und das Tracking im dreidimensionalen Raum klappt perfekt. Der Akku reicht für 2,5 Stunden. Weil ich den letzten Slot an dem Demotag von Mircosoft hatte, musste ich einen handelsüblichen Akku-Pack in der Hosentasche tragen. Wenn die Brille aufgeladen ist, kann ich ohne Kabel agieren. In der Brille läuft Windows 10 als OS. Interagiert wird via Microsofteigene Sprachassistenten Cortina und mit Gestensteuerung. Im Moment läuft das System nur auf Englisch, aber Microsoft will lokalisierte Versionen nachliefern. Die Gestensteuerung ist einfach zu erlernen. Ich brauchte etwa 5 bis 10 Minuten, um die Gesten zum Öffnen und Schließen von Menüs oder Klicks zu verstehen. Es ist im Grunde kinderleicht, wenn man sich auf das System einlässt. Ich bin mir sicher, dass Entwickler bereits daran arbeiten, dass einige Gesten eingeführt werden können. Das würde ich mir sehr wünschen. Die Hololens ist übrigens kein Beta-Produkt mehr, sondern wird regulär verkauft – rund 3200 Euro für Entwickler, rund 5200 Euro für Unternehmen – lieferbar in 24 Stunden. Dennoch schrauben die Entwickler noch an der Software herum, um sie benutzerfreundlicher zu gestalten.

Ich sehe Einsatzbereich in der Bildung - hier untersuche ich ein Herz.

Ich sehe Einsatzbereich in der Bildung – hier untersuche ich ein Herz.

Was habe ich ausprobiert? Ich bin in das menschliche Herz eingetaucht. Ich konnte im Raum vor mir ein menschliches schlagendes Herz sehen und hören. Erster Gedanke war das verräterischer Herz von Edgar Allan Poe. Zweiter Gedanke: Wie geil ist das denn? Ich sehe ein Herz, das Bluthochdruck verarbeiten muss. Gleich der Gedanke, ob ich meine Blutdrucktabletten genommen habe. Und siehe da: Mein Arzt könnte mir via Hololens erklären, was genau im Herzen passiert. Ich würde die Information nicht nur hören, wie bisher, sondern ich könnte sie sehen. Als visueller Mensch wirkt das mehr als mahnende Worte. Ich drehe das Herz via Gesten, ich zoome näher ran, um die einzelnen Muskeln zu betrachten. Faszination pur – leider durfte ich keine Videos von meiner Demo-Session machen.
Die nächste Demo war ein Ballerina, die sich mitten im Raum dreht. Ich skaliere sie, gehe um die tanzende Dame herum und lege sie mal auf einen realen Stuhl, dann auf einen realen Tisch ab. Die Tanzbewegungen sind fast echt und irgendwie will ich die Figur berühren, die vor mir schwebt. Ich schalte um auf einen Astronauten, der im Raum schwebt. Ich untersuche seinen Raumanzug, gehe ganz nah ran und sehe das Material, die Nähte – und wieder fallen mir Hunderte Einsatzmöglichkeiten ein.
Meine Demosession neigt sich dem Ende zu und zum Schluss wird gezockt. Aus einer Wand brechen böse Alien-Skorpione hervor, die es abzuschießen gilt. Da die fiesen Skorpione im 360 Grad Raum angreifen, muss ich mich drehen, denn der Angriff kann aus unterschiedlichen Richtungen erfolgen. Ich habe auf der Gamescom Zombieangriffe bei anderen Spielen gesehen – und das ist extrem heftig und garantiert nichts für Kinder. Die Skorpione sind allerdings harmlos und sind – ganz meiner Egoshooter-Karriere – schnell erledigt. Das jahrelange Training auf der Playstation – nicht auf der XBox – hat sich ausgezahlt.
Nach einer knappen halben Stunde ist die Demo vorbei. Die Microsoft-Mitarbeiter wollen in den Feierabend und ich bleibe begeistert zurück. Techniken wie die Hololens werden die Welt voranbringen, wenn wir uns auf diese Technologie einlassen. Ich gehe durch die Berliner Nacht und mache mir Gedanken, was alles möglich ist und wie die Technik à la Hololens mein Arbeits- und Privatleben verändern können.

Angriff von Skorpionen

Angriff von Skorpionen