Bei uns liefen die beiden im Fernsehen unter der Marke „Dick und Doof“. Gemeint ist das erfolgreichste Komikerduo Stan Laurel und Oliver Hardy. Nachdem ich die Biopic „Stan & Ollie“ damals im Kino verpasst habe, besuchte ich den Fürstenfelder Kinosommer in Fürstenfeldbruck.
Der Kinosommer ist ein Open Air-Kino im Veranstaltungsforum Fürstenfeld in Fürstenfeldbruck. Jeden Tag wird ein anderer Film gezeigt. Ich entschied mich für Stand & Ollie, aber ich weiß nicht, ob ich den Kinosommer noch einmal besuchen werde. Und es liegt nicht am Film.
Im heutigen Zeitalter von Krawall-Komik wirkt der Humor von Stan Laurel und Oliver Hardy wie ein Segen. Die genialen Sketche der beiden unterschiedlichen Charaktere haben Filmgeschichte geschrieben. Splapstick pur, genial getaktet und immer punktgenau – der perfekte Rhythmus eines perfekten Komikerpaares. Wer die Genialität sehen möchte, dem sei der Kurzfilm The Musical Box empfohlen, der 1932 mit dem Oscar ausgezeichnet wurde. Hier versuchen Laurel und Hardy ein Klavier eine endlos lange Treppe hinaufzutransportieren. Die Treppe in Hollywood gibt es noch immer und ist ein beliebtes Fotomotiv für Filmfans. Ich habe euch hier mal eine Farbfassung (!) des genialen Films eingebettet.
Wiederkehrende Elemente
Wer sich das Schaffen des genialen Duos ansieht, wird wiederkehrende Elemente der Running Gags erkennen. Berühmt wurde unter anderem das Stilmittel Tit for tat – zu Deutsch etwa: Wie du mir, so ich dir. Hier lief das Duo zur Höchstform auf, wenn die Laurel und Hardy sich gegenseitig an den Kragen gehen und eine fette Keilerei entsteht, bei der alles zu Bruch geht. Andere Stilmittel sind der Stich ins Auge von Hardy, das verschämte Spiel mit der Krawatte von Hardy, das Kopfkratzen von Laurel, das Vertauschen der Bowlerhüte und und und. Laurel und Hardy sind schlichtweg genial. Ganze Generationen von Filmfans verehren sie.
Würdigung auf der Leinwand
Mit dem Film „Stan & Ollie“ kam endlich eine Würdigung auf die Leinwand, die ans Herz geht und die alten Zeiten von Dick und Doof wieder auf die Kinoleinwand bringt.
Zum Inhalt: Im Jahr 1953, als ihre goldene Ära schon lange hinter ihnen liegt, starten Stan Laurel und Oliver Hardy eine Tour durch Varieté-Hallen in Großbritannien und Irland. Die Besucherzahlen sind schlecht. Die beiden Komiker lassen sich trotz Rückschläge nicht unter kriegen und liefern eine Performance, die sich gewaschen hat. Die Begeisterung füreinander, der Spaß am Spiel auf der Bühne überträgt sich auf das Publikum und so spielen sich Laurel und Hardy in die Herzen der Zuschauer. Der schlechte Gesundheitszustand von Oliver Hardy steht dabei wie ein drohender Schatten über dem Duo, das merkt, dass seine Ära zu Ende geht.
Stan & Ollie – ein Film der leisen Töne
Der Film beruht auf dem Buch Laurel & Hardy – The British Tours von ‚A.J.‘ Marriot. Die Regie des Films Stan & Ollie führte Jon S. Baird, der erst zwei Kinofilme Drecksau (2013) und Cass – Legend of a Hooligan (2008) inszenierte. Und der Mann weiß, wie Bilder wirken. Der Film beginnt auf dem Höhepunkt der beiden Stars. Die drehen 1937 gerade ihren Film Way pur West Im Wilden Westen und Regisseur fängt den langen Weg zum Set von Laurel und Hardy ein. Ganze sechs Minuten dauert die Einstellung, eine Verbeugung an das alte Studiosystem von Hollywood. Laurel wird dargestellt von Steve Coogan und Hardy von John C. Reilly und beide sind eine hervorragende Besetzung. Sie haben die Eigenschaften der Originale wundervoll interpretiert.
Der ganze Film ist ganz großes Schauspielerkino. Wer also leisere Töne mag, der sollte sich „Stan & Ollie“ unbedingt anschauen. Nicht bombastische Spezialeffekte stehen hier im Vordergrund, sondern das intensive Schauspiel zweiter Vollprofis. Bei Stan und Ollie stimmt die Chemie einfach und auch wenn wir immer wieder den Disput auf der Kinoleinwand sehen, sehen wir in erster Linie zwei Vollblutschauspieler, die absolut professionell an ihre Rolle herangehen.
Und auch die beiden Ehefrauen sind im Film eine Schau. Ihre Auftritte sorgen für Stimmung. Shirley Henderson und Nina Arianda spielen ihre Rollen mit viel Witz und aller Drive. Es ist ein Hochgenuss, sich diesen Film anzuschauen und eine klare Empfehlung von mir.
Fürstenfelder Kinosommer eine tolle Idee, aber Ich schaute mir den Film im Kinosommer an. Bei Einbruch der Dunkelheit startete das Programm gegen 21 Uhr mit einer geschlagenen halben Stunde Werbung. Es tat weh, Provinzwerbung anschauen zu müssen. Das muss wohl zur Finanzierung sein. Zudem gab es Trailer von Filmen, die im Kinosommer gezeigt werden sollen. Dicke Jacke und Decke schützten gegen die abendliche Kühle und ich versuchte den Film zu genießen. Doch die Projektion stimmte nicht. Der Projektor oder die Leinwand stand nicht zentral, so dass die Projektion rechts ganz an den Rand der Leinwand ging. Das ist unprofessionell.
Völlig unverständlich ist aber, dass nach einer guten Stunde Film eine 15 Minuten Pause eingelegt wurde, um Getränke und Popcorn zu verkaufen. Das ist eine Frechheit gegenüber dem Regisseur und den Filmschaffenden – und gegenüber dem Publikum, das einen Film genießen wollte. Als die Dramatik im Film zunahm, machen die Veranstalter eine Bierpause. Ja wo sind wir denn? Die Stimmung bricht ab, meine Laune ist vergangen. So macht ein Sommerkino keinen Spaß. Eigentlich hatte ich mir fünf Filme herausgesucht, die ich schauen wollte. Das werde ich wohl nicht mehr machen, dafür habe ich mich zu sehr geärgert. Von mir aus, erhöht den Eintrittspreis, aber macht keine Bierpause und zerstört ein Filmwerk. Der Kinosommer kann mir als Filmfan in dieser Form gestohlen bleiben, trotz der sehr schönen Idee eines Open Air Kinos.
Es war eine fröhliche Animagic 2019 im Rosengarten in Mannheim. Die Manga-, Anime- und Cosplayer-Szene kam zusammen, um Spaß zu haben. Auch meine Familie war dabei. Bei all dem Frohsinn schafften es die Veranstalter um Thomas Webler dennoch einen würdevollen Rahmen vor dem aktuellen Geschehen zu schaffen: 33 Menschen starben im Juli 2019 bei einem Brandanschlag auf Kyoto Animation in Japan. Ihnen und ihren Hinterbliebenen wurde auf der Animagic gedacht.
Im Juli 2019 versprühte ein Mitarbeiter des renommierten Animationunternehmens eine brennbare Flüssigkeit und entzündete sie mit den Worten „Sterbt“. Bei diesem Anschlag kamen 33 Menschen ums Leben, der Attentäter wurde mit Brandverletzungen gefasst. Als Grund für seine Tat gab er an, dass er sich von Kyoto Animation um sein Werk betrogen gefühlt habe. In Japan werden Brandstifter hart gestraft, denn noch immer wohnt ein Teil der Japaner in Holzhäuser.
Thomas Webler fand die richtigen Worte.
Die Menschenleben gingen verloren, die Daten aus dem Studio wurden inzwischen wieder hergestellt. Kyoto Animations Präsident Hideaki Hatta gab nach Medienberichten bekannt, dass er überlege, das ausgebrannte Gebäude abzureißen und einen Gedenkpark an der Stelle zu errichten.
Die Animagic ist traditionell eng mit Kyoto Animation verbunden. Zahlreiche Speaker des Studios kommen immer wieder aufs die Veranstaltung nach Deutschland, um ihre Werke vorzustellen und mit den Fans zu diskutieren. Animagic-Veranstalter Thomas Webler hielt vor der Auftaktveranstaltung der Animagic einen bewegende Rede im Mozartsaal im Mannheimer Rosengarten vor Hunderten von Fans. Es wurde eine Schweigeminute eingelegt und es war eindrucksvoll, wenn ein ganzer Saal sich erhob und der Toten gedachte. Vielen Dank dafür.
Webler fand die richtigen Worten. Es war jeden Besucher klar, dass die einige Ehrengäste von Kyoto Animation ihre Teilnahme in Mannheim vor diesem Hintergrund abgesagt hatten. Die Screenings zu Violet Evergarden und Free! fanden auf ausdrücklichen Wunsch des Studios aber statt. Wie stark die Bindung der Fans zu ihren japanischen Stars ist, zeigte eine kurze Episode. Yui Ishikawa begrüßte das Publikum in ihrer Stimme aus Violet Evergarden. Die Fans waren begeistert.
Im Vorfeld der Veranstaltung wurde in sozialen Medien diskutiert, wie man würdevoll die Fans in die Trauer miteinbeziehen könnte. Es wurde über Spendenaktionen für die Opfer der Hinterbliebenen diskutiert. Ich brachte das Auslegen von Kondolenzbücher in die Diskussion ein.
Die Veranstalter entschieden sich über eine ähnliche Variante:
Neben der Signing-Wall im Untergeschoss lagen Animagic-Kondolenzkarten aus. Hier konnte jeder Fan seine Gedanken niederschreiben. Die Karten wurden gesammelt und dann an Kyoto Animation übergeben.
Ich bin dankbar, dass mich meine Frau zu Wagner begleitet.
Das für mich wichtigste Kulturereignis in Deutschland ist angelaufen: Die Wagner-Festspiele auf dem Grünen Hügel in Bayreuth. Als glühender Fan des Musikers (NICHT des politischen Wagners) fiebere ich an diese Tage der Hochkultur hin und versuche zumindest eine Vorstellung live vor Ort zu genießen. Dieses Mal hatte ich besonderes Glück: Zusammen mit meiner Frau (kein Wagner-Fan) bekam ich Karte für die Premiere. Gegeben wurde die Neuinszenierung von Tannhäuser.
Tannhäuser ist eher eine eingängige Oper des Meisters und mit etwas unter drei Stunden erfordert sie nicht das Sitzfleisch auf den unbequemen Holzstühlen in Bayreuth. So sehr ich mich über die Karten zur Premiere freute, hatten wir dieses Mal Plätze in der letzten Reihe in der Galerie ganz, ganz hinten. Zunächst hatte ich Angst, dass ich nichts sehen würde und hab mir daher ein Fernrohr mitgebracht. Das brauchte ich nicht: Mein Platz war ideal: Gute Sicht und ein wunderbarer Klang der göttlichen Musik. Aber nachdem die Premiere zu heißen Temperaturen stattfand, es waren rund 38 Grad Celsius vor der Türe – geschweige denn im Zuschauerraum. Bei uns in der letzten Reihe staute sich die Wärme und so kam es zur doppelten Premiere: Alle männlichen Zuschauer in der Galerie entledigten sich ihrer Jackets. Und: Es durften Fächer ausgepackt und genutzt werden. Letzteres ist ein Novum und habe ich am Grünen Hügel noch nie erlebt. Das Gefächere stört sonst den Kulturgenuss, aber dieses Mal hatten wir die Wahl zwischen Leben und Tod – mit und ohne Fächer. Wir entschieden uns für Leben, für den Fächer.
Premiere in Bayreuth bedeutet auch immer den Aufmarsch von Prominenz. Bei hohen Temperaturen ohne Schatten stellte ich mich vor den Haupteingang und beobachtete das Treiben. Die Kanzlerin habe ich nicht gesehen, wohl aber Ministerpräsident Markus Söder samt Gattin und Digitalministerin Dorothee Bär. Alle drei aber nur von hinten, in der Pause traf ich Doro Bär mit Gatten Oliver und machte das obligatorische Selfie. Nach Tannhäuser sah ich sie nocheinmal in energischen Gespräch mit Edmund Stoiber samt Karin. Ob sie über Wagner oder den FC Bayern (arrrg) diskutiert haben, weiß ich nicht und geht mich auch nichts an – ich hoffe, es war Wagner.
Dort Bär von hinten …
… in der Mitte …
… und mit Stoibers
Beim Warten auf die Prominenz traf ich eine ehemalige Volontärin, die jetzt für die Landespolitik einer großen süddeutschen Zeitung schreibt. So sieht man sich nach Jahren wieder. Sie versuchte den Bayreuther Modetrend auf die Spur zu kommen. Nun, ich trug dieses Mal ein wunderbares Tweed-Jacket von Felbinger Herrenausstatter a us Immenstadt, kam aber trotzdem nicht in die Zeitung. Für die Kameras waren die Standplätze genau markiert und es war wieder ein schönes Geschrei, damit jeder seinen Schuss bekam.
Kamerapositionen am Boden.
I ch sah ein bisschen A,B und C-Prominenz. Am meisten freute ich mich über die Maus samt Schöpfer. Schauspieler Günter Maria Halmer mit Frau Claudia, Schauspielerin Michaela May, die ehemalige Bundestagsabgeordnete Dagmar Wörl, SPD-Landtagsabgeordneter Markus Rinderspacher und einige mehr.
Als Medienmensch war es für mich eine Freude Axel Brüggemann zu sprechen. Ich habe den Musikjournalisten seit 2012 im Kino bei den Wagner-Übertragungen genießen zu dürfen. Toller Mann, tolle Ausstrahlung und vor allem tolles Fachwissen.
Schön, den Axel Brüggemann mal persönlich zu treffen.
Natürlich gab es wieder ein paar Demonstranten, die bei der Prominenz sich selbst inszenierten. Dieses Mal lagen einige Demonstranten am Boden. Ich glaube, es ging um das wichtige Thema Klima. Ob die Damen und Herren aufgrund der hohen Temperaturen am Boden lagen, weiß ich nicht. So richtig interessiert hat diese Demo aber keinen, so zumindest mein Eindruck.
Kleine Demo am Rande.
Das Treiben am Grünen Hügel fasziniert mich, denn die Wagner-Fans sind schon ein eigenes Völkchen. Mal tragen sie die Mode aus den Siebzigern auf (ist doch noch gut), mal sind die modisch komplett verrückt. Sehr schön, die asiatischen Gäste mit der Kleidung ihrer Heimat – gefällt mir gut, ein paar Oberbayern habe ich in Lederhosen gesehen (wer’s mag bei Wagner). Die Kollegin vom Bayrischen Rundfunk Abteilung Klassik beschloss gleich mal in der Moderation die Schuhe auszuziehen und barfuß ihren Job zu machen. Dazwischen war Le Gateau Chocolat (der Schokokuchen), eine bärtige Dragqueen aus London, die in Tannhäuser mitspielte.
Zwischen den Aufzügen war entweder große, teure Fresserei bei Steigenberger oder man konnte Theater im Park erleben. War beides nicht mein Fall, aber ich musste natürlich das Selfie vor der Leiter machen, die zum Balkon reichte. Hier wurde die reale Welt mit der Welt der Oper verbunden – nette Idee der Inszenierung.
Und da wären wir bei der Inszenierung. Bayreuth-Debütant Tobias Kratzer inszenierte provokativ und tags darauf machte das rechte Pack im Netz gegen die Inszenierung mobil. Kratzer machte aus Tannhäuser ein Spektakel und ritt durch bundesdeutsche Symbole. Da war Oskar aus der Blechtrommel und Ottmar Hörl nur eine Kleinigkeit. Naja, die Inszenierung beschäftigte den Geist. Das Dirigat von Walerij Gergijew war ebenfalls nicht der Hammer, so dass es viel Buh am Ende gab. Aber schaut selbst:
Dieses Jahr hab ich Premierekarten und freu mich wie Bolle.
Richard Wagner im Kino? Was einst als Experiment begann, ist heute eine liebgewonnene Tradition. Besorgt euch im Kartenvorverkauf die Karten für Tannhäuser am 25. Juli. Und wer Angst vor Wagner hat, kann es ja mal ausprobieren und muss nicht gleich Karten für den Grünen Hügel in Bayreuth kaufen. Ich bin dieses Jahr nicht im Kino mit dabei – ich habe Premierekarten und flipp aus.
Bald ist es wieder so weit
Mit einer Neuinszenierung von Richard Wagners Tannhäuser und der Sängerkrieg auf Wartburg beginnen am 25. Juli 2019 die 108. Bayreuther Festspiele. Die „Große romantische Oper in drei Akten“ wurde 1845 in Dresden uraufgeführt und 1891 zum ersten Mal in Bayreuth gezeigt. Nach Sebastian Baumgartens Tannhäuser-Interpretation im Jahr 2011 ist die nächstjährige Neuproduktion die neunte Inszenierung des Werks (das in der so genannten Dresdner Fassung aufgeführt werden wird) bei den Festspielen.
Die Musikalische Leitung hat Valery Gergiev, der erstmals in Bayreuth dirigieren wird. Als Regisseur konnte Tobias Kratzer gewonnen werden, Bühne und Kostüme stammen von Rainer Sellmaier.
Stephen Gould verkörpert die Titelpartie des Tannhäuser, den er zum ersten Mal 2004 in Bayreuth sang. Lise Davidsen wird als Elisabeth zu erleben sein, Stephen Milling als Landgraf Hermann. Wolfram von Eschenbach wird von Markus Eiche gesungen werden und die Partie der Venus von Ekaterina Gubanova. Daniel Behle als Walther von der Vogelweide, Kay Stiefermann als Biterolf, Jorge Rodríguez-Norton als Heinrich der Schreiber, Wilhelm Schwinghammer als Reinmar von Zweter und Katharina Konradi als Ein junger Hirt vervollständigen das Ensemble.
Der große Richard Wagner – auch im Kino.
Tannhäuser live zeitversetzt
Ich freue mich auf die Neuinszenierung von Tannhäuser am 25. Juli 2019. Im Kino läuft das Werk ab 18:00 Uhr „live zeitversetzt“. Die Kinoübertragung der Live-Aufzeichnung der Vorstellung wird auch in diesem Jahr wieder zwei Stunden später als die eigentliche Aufführung im Festspielhaus stattfinden. Ich werde aus Bayreuth winken und vielleicht seht ihr mich im Kino.
Die Bayreuther Festspiele gehören zu den bekanntesten und renommiertesten Festspielen weltweit. Jahr für Jahr kommen rund 60.000 Besucher aus der ganzen Welt nach Bayreuth, um die Aufführungen zu erleben, auch ich war einige Male mit dabei und ich muss euch sagen: Es ist großartig. Die Nachfrage nach Karten übersteigt seit Jahrzehnten das verfügbare Kartenangebot, weshalb sich teils mehrjährige Wartezeiten ergeben. Durch die Kinoübertragung ist es nun allen Wagnerbegeisterten möglich, in den Genuss einer Aufführung der Bayreuther Festspiele in herausragender technischer Qualität und mit einem kinoexklusiven Pausenprogramm zu kommen.
Bewährtes Format
Im Jahr der ersten Kinoauswertung 2012 startete die Familie Wagner mit 55 Kinos und viel Überzeugungsarbeit, mittlerweile sind über 190 Kinos die Bayreuther Festspiele erfolgreich spielen, Tendenz steigend. Auch mein Lielingskino Scala in Fürstenfeldbruck ist seit Jahren mit dabei und die Übertragung erfreut sich großer Beliebtheit.
Seit der Festspielsaison 2016 beginnt die Kinoübertragung der Live-Aufzeichnung der Vorstellung um 18:00 Uhr und damit zwei Stunden später als die eigentliche Aufführung im Festspielhaus. Durch die Übertragung zu einer späteren Tageszeit haben mehr Kinobesucher die Chance, an der Übertragung teilzuhaben, gleichzeitig verkürzen sich dadurch für die Kinobesucher die in Bayreuth einstündigen Pausen der Opernaufführung. Infolge der gestrafften Pausen nähert sich die Übertragung in zeitlicher Hinsicht dem tatsächlichen Bühnengeschehen in Bayreuth an und lässt die Übertragung damit quasi zum Live-Erlebnis werden. Dieses Übertragungsformat wurde so gut angenommen, dass die Familie in der Anzahl der Kinobesucher einen Anstieg von über 20% gegenüber dem vorherigen Übertragungsformat verzeichnen konnte.
Chance nutzen und Wagner kennenlernen
Und gerade Operninteressierte sollten diese Chance nutzen. Manche Leute kennen Wagner aus dem Kino wie der Wallkürenritt aus Apocalypse Now oder den Einzug der Götter in Walhall aus Prometeus.
Wagner-Opern sind etwas Besonderes, etwas Würdevolles, etwas Feierliches. Karten für Bayreuth zu bekommen ist schwer und die Karten sind teuer. Daher ist es ideal, wenn man für vergleichsweise wenig Geld in den Genuss einer Wagner-Oper kommt. Alle Klassikinteressierten sollten diese Möglichkeit nutzen und sich an Wagner heranwagen. Natürlich lässt sich ein Kinobesuch nicht mit einem Besuch auf dem Grünen Hügel vergleichen: Dennoch sollte man es ausprobieren und sich mit der Musik von Richard Wagner vertraut machen. Wagner führte die Leitmotive in die Musik ein und wer die großen Filmmusikkomponisten wie John Williams, Jerry Goldsmith, John Barry und und und schätzt, weiß, wie wichtig Wagner für die Filmmusik ist. Und zudem ist Tannhäuser eine vergleichsweise leichte Oper von Richard Wagner, deren Leitmotive schnell ins Ohr gehen. Also nicht zögern und eine Karte fürs Kino besorgen.
Stühle im Festspielhaus oder Sessel im Kino
Ich bin zwar immer wieder fasziniert von dem 1974 Plätze fassenden Zuschauerraum des Festspielhauses in Bayreuth. Er ist schlicht eingerichtet und besteht aus gleichmäßig ansteigenden Sitzreihen nach Vorbild antiker Amphitheater. Die Akustik in dem Konzertsaal aus Holz ist genial.
Kinosessel sind schon bequemer als die Holzstühle am Grünen Hügel.
Die harten Holzklappstühle sollen eine Idee von Wagner selbst gewesen sein. Kein Zuschauer sollte einschlafen, denn bequem sind die Holzteile wirklich nicht und die Reihen sind eng, also ist mit Beine ausstrecken auch nicht viel her. Und Wagner-Opern können lang, sehr lang dauern, je nachdem wer dirigiert. Der Ring des Nibelungen erfordert Sitzfleisch. Tannhäuser ist da deutlich kürzer. Die Pausen in Bayreuth sind dringend nötig, um sich zu strecken und spazieren zu gehen.
Da ist eine Wagner-Oper im klimatisierten Kinosaal im Scala eine absolute Wohltat für den Hintern. Die Sessel sind weich, die Beine kann man ausstrecken. Wagner im Kino ist natürlich doch etwas anders als Wagner in Bayreuth. Im Kino geht es lockerer zu. Es ist möglich, dass ich mir Bier und Popcorn in den Saal mitnehmen kann. In Bayreuth wird man dafür am Fahnenmast des Opernhauses aufgeknüpft.
Technische Details der Übertragung
Natürlich geben sich die Macher alle Mühe, den Ton so gut als möglich ins Kino zu übertragen. Aber es muss auch klar sein: Der Sound wird niemals so genial klingen wie im Bayreuther Festspielhaus. Wer einmal eine Oper von Wagner dort erleben durfte, den hat der Klang umgehauen. Noch nie habe ich so einen hervorragenden Klang gehört. Allerdings braucht man dazu eine der seltenen Eintrittskarten auf den Grünen Hügel. Bei der Live-Übertragung im Kino wird man alles herausholen, was die Technik kann. Die Liveübertragung erfolgt auf höchstem technischen Niveau in HDTV 1080i und in Dolby 5.1 Sound. Das Signal wird für die Live-Übertragung in den Kinos über die beiden Satelliten Intelsat 10-02 und Eutelsat 5 West ausgestrahlt. Am Tag der Übertragung steht das Satellitensignal einige Stunden vor Beginn zur Verfügung. Untertitel von Tannhäuser auf Deutsch sind im Kino vorhanden, was günstig ist, um das Libretto zu verstehen.
Mein Formel 1-Held war eindeutig Michael Schumacher. Der Held meiner Eltern war der unlängst verstorbene Nikki Lauda. Aber Formel 1 live anzusehen, ist nicht so mein Ding. Ich fahre die Rennboliden lieber selbst – virtuell selbstverständlich. Und da bietet es sich an, dass 2019 FIA FORMULA ONE WORLD CHAMPIONSHIP. F1 2019 auf der Playstation 4 und anderen Plattformen erschienen ist.
Das Spiel hat es in sich. Es enthält alle offiziellen Fahrer, Teams, Boliden und alle 21 Strecken der Saison 2019, sowie erstmals auch den Start in der F2. Die Veröffentlichung war noch vor der Sommerpause und vor dem Großen Preis von Österreich und Deutschland. Mir wurde das Spiel von der beauftragten Agentur zur Verfügung gestellt. Die echte Formel-1-Weltmeisterschaft 2019 ist die 70. Saison der Formel-1-Weltmeisterschaft. Sie begann am 17. März im australischen Melbourne und endet am 1. Dezember auf der Yas-Insel vor Abu Dhabi.
Dieses Mal legten die Entwickler beim Videospiel auf realistische Grafik und fetten authentischen Sound. Das Spiel lebt vom Realismus und macht dadurch einfach Spaß. Erstmals kann ich als Spieler meine Karriere in der F2 mit der kompletten Saison 2018 beginnen und die bestehenden Rivalitäten mit in die F1-Meisterschaft nehmen. So kann ich als Fahrer zum Beispiel Fahrern wie George Russel, Lando Norris und Alexander Albon wählen. Der F2-Content wird als kostenloses, digitales Update im Laufe der Saison verfügbar sein.
K1 und ich haben das Spiel genossen und Runde um Runde gedreht. Als Kontrastprogramm zur Grafikhammer auf PS4 gab es ab und zu Runden bei Pole Position auf dem Atari 2600. Als Retrogamer müssen wir uns immer wieder bewusst machen, wo wir herkommen. Auf jeden Fall ist für uns 2019 FIA FORMULA ONE WORLD CHAMPIONSHIP das aktuell beste Rennspiel – wenn noch eine VR-Update für die Sony VR kommen würde, wäre alles perfekt.
Tolle Aufnahmen aus vergangenen Zeiten in The Golden Age of Formula 1
Ach ja Retro: Während K1 und ich abwechselnd 2019 FIA FORMULA ONE WORLD CHAMPIONSHIP spielen, blättern wir in einem unheimlich schönen Buch The Golden Age of Formula 1von Rainer W. Schlegelmilch. Schöne Fotos aus der alten Zeit, die so nie wieder kommt. Rainer W. Schlegelmilch ist seit 1962 Motorsportfotograf. Er hat sämtliche Größen des Renngeschäfts fotografiert und mit seinem unverwechselbaren Stil die ganze Dramatik des actionreichen Sports eingefangen. Das Vorwort schrieb Sir Jackie Stewart. Er ging dabei auf die veränderte Technik der Formel 1 und Fotografie ein. Beides hat sich dramatisch verbessert: Die Autos wurden besser (und sicherer), die Kameras leisteten mehr. Und so ist es für mich das Buch eine Zeitreise in eine Rennzeit, die ich nie erlebt habe. Gibt es eigentlich ein Videospiel, das das Goldene Zeitalter der Formel 1 abbildet.
Meine erste Einladung zum Sommerempfang der Präsidentin des Bayerischen Landtags Ilse Aigner kam in den Briefkasten und da heißt es natürlich hingehen. Erste Frage: Was ziehe ich bei solch einem Event an? Auf der Einladungskarte steht sommerliche Abendbekleidung, Tracht oder Uniform. Tracht und Uniform scheiden bei mir aus, also wählte ich einen Gehrock von Svenja Jander und einen Chapeau Claque.
Mit diesem Sommerempfang für rund 3000 Gäste würdigt Ilse Aigner das Engagement im Ehrenamt. Das finde ich gut, bin ich selbst auch in einigen Vereinen ehrenamtlich aktiv. Zusammen mit meiner Frau war es ein wunderbarer Abend mit vielen Gesprächen und Händeschütteln. Ich nutzte den Empfang zum Netzwerken und traf viele Bekannte und Prominente aus Politik, Kultur, Wirtschaft und Vereinswesen.
Fächer als Giveaway – am Ende war keiner mehr da.
Das Wetter meinte es gut mit uns. Die Sonne strahlte und für ein bisschen Wind sorgten Fächer als Giveaway mit Aufdruck Bayerischer Landtag. Aber bevor die Party im Schlossgarten von Schloss Schleißheim beginnen sollte, wollte ich der Landtagspräsidenten Ilse Aigner meine Aufwartung machen.
Es ging ans Defilee und das heißt erst einmal Schlange stehen, bis ich Ilse Aigner die Hand schütteln durfte. Es gab eine Fast Line für die Prominenz. Zusammen mit meiner Frau stand ich in der Reihe for the rest of us und wartete rund eine halbe Stunde. Ilse Aigner, geschmackvoll im Abendkleid, empfing ihre Gäste vor einer großen, blauen Sommerempfang-Stellwand des Landtags. Das war übrigens der Ort an dem Stanley Kubrick seinen wichtigen Antikriegsfilm Wege zum Ruhm gedreht hat. Frau Aigner begrüßte meine Frau und ich, kurzes Austauschen von Höflichkeiten und noch ein Erinnerungsfoto – ratz, fatz und ab ging es zum Sommerempfang. Über eine Treppe betrat man den Garten.
Schlangestehen beim Defilee
Händeschütteln mit Ilse Aigner
Die sieben bayerischen Bezirke hatten Zelte mit den jeweiligen kulinarischen Spezialitäten aufgebaut. Dazwischen gab es Tische und Stühle. Bevor es aber ans Essen ging, stand bei mir die Arbeit an- und das hieß Netzwerken. Mit einigen meiner Gesprächspartner machte ich natürlich ein Selfie – das Ego wollte auch befriedigt sein. Schön war, dass sich Ministerpräsident Markus Söder kurz Zeit für uns nahm. Meine Frau stellte als Geschäftsführerin des Landesinnungsverbandes des bayerischen Friseurhandwerks vielen unserer Gesprächspartnern die Aktion „Innung lebt vom Mitmachen. Ich bin dabei, und du?“ vor. Ein bisschen PR fürs Friseurhandwerk kann nicht schaden.
Selfie mit dem MP
PR fürs Friseurhandwerk
Ich sprach mit Vertretern aller im Landtag vertretenen Parteien bis auf die AfD – mit diesen Leuten will ich nichts zu tun haben. Mein Thema war natürlich mein Steckenpferde Digitalisierung und Medienkompetenz. Und wie wichtig eines dieser Themen ist, zeigte sich an dem katastrophalen Internet-Empfang im Schlossgarten. Die meiste Zeit Edge und ab und zu ein LTE, das überlastet ist – auch das ist Bayern. Es gibt noch viel zu tun. Thema des Abends war natürlich die Wahl von Ursula von der Leyen zur EU-Kommissionspräsidentin. CSU-Generalsekretär Markus Blume war am Handy und freute sich über die Nachricht, obwohl ihm natürlich sein Parteifreund Manfred Weber lieber gewesen wäre. Ach ja, Europaabgeordnete waren an diesem Abend natürlich nicht in Schleißheim, die wurden zum Wählen in Brüssel gebraucht. Die Medien suchten nach Interviewpartnern und Prominenz wurde abgelichtet.
Die Söders
Kameras überall
Doro Bär
Ilse Aigner begrüßte zusammen mit dem Präsidium die Gäste. Eine sehr gute Geste war meines Erachtens, dass sie auch die Bezirksräte eingeladen hatte. Über die bayerischen Bezirke wissen nicht alle Bayern Bescheid, dennoch machen sie eine wertvolle Arbeit. Wie bereits geschrieben, stand das Ehrenamt im Mittelpunkt der Veranstaltung und ich traf auf zahlreiche ehrenamtliche Königinnen. Ich wusste gar nicht, dass es auch eine Wollkönigin gibt.
Erwin Huber
Fürstin Gloria mit Kette
Landesbischof Heinrich Bedfort-Strohm
Edmund Stoiber, vorne Karin Stoiber
Otto Wiesheu und PR-Mann Stephan Heller
Die Sternstunden des Bayerischen Rundfunks verkauften für zehn Euro Lose – Hauptgewinn war ein goldener BMW. Wir kauften zwei Lose und gewannen Erfahrung. Hauptsache etwas gutes getan.
Das musikalische Programm bestand aus der Musikkapelle Vagen aus Rosenheim, die Bad Reichenhaller Philharmoniker und dem Polizeiorchester Bayern. Die gelungene Showeinlage war das Rock‘n Roll Team aus Anzing, die amtierenden Deutschen Meister im Rock‘n Roll Formationstanz.
Also, liebe Protokollabteilung des Bayerischen Landtags: Vielen lieben Dank für die Einladung und danke auch an den Steuerzahler, der den Abend bezahlt hat. Ich habe mich wohlgefühlt und komme gerne im nächsten Jahr wieder.
Hier ein paar Ego-Selfies:
Alex Dorow, MdL
Anton Preis, Pressesprecher Staatskanzlei
Barbara Becker, MdL
Digitalministerin Dort Bär, MdB
HWK-Präsident Franz Xaver Peteranderl
Bauminister Hans Georg Reichhart
Helmut Markwort MdL
Gastgeberin Landtagspräsidentin Ilse Aigner
Innenminister Joachim Herrmann
Digitalministerin Judith Gerlach
Präsident des Deutschen Realschullehrerverbandes Jürgen Böhm
Schauspielerin Jutta Speidel
CSU-Gerneralsekretär Markus Blume
Reinhard Kardinal Marx
Unternehmer Roland Berger
Coburgs Landrat Sebastian Straubel
Tanja Sterian, Pressesprecherin Staatskanzlei
Unternehmer Thomas Blösel
Twitterfreunde @emilotta und @devteros
HWK-Präsident Thomas Perner und LIV-Vorstandsmtglied Dieter Eser
Hildegund Rüger vom Bayerischen Landesfrauenrat mit Bild von K2
Für mich war die CSUnet Convention zum Thema Games in der Parteizentrale der CSU ein Wiedersehen mit vielen Mitstreitern aus der Gamesbranche. Die beiden Digital-Ministerinnen Doro Bär (Bund) und Judith Gerlach (Bayern) und Hendrik Lesser (Remote Control Productions) schlugen sich gut und forderten gemeinsam, die derzeit ausgesetzte Gamesförderung in Deutschland wieder aufzunehmen.
Die beiden Digitalministerinnen Judith Gerlach (Bayern) und Doro Bär (Bund) stehen zum Thema Games.
Das war für mich die wichtigste Aussage aus der Politik. Im Grunde waren sich alle einig: Games sind ein Kulturwert und eine Kulturtechnik. Hendrik Lesser brachte es auf den Punkt: „Ich bin Gamer und bin stolz darauf.“ – Das kann ich nur unterstützen.
Hendrik Lesser brachte neue Zahlen.
Dennoch stellte ich auch fest: Games haben es noch schwer in manchen Teilen der Gesellschaft. So berichtete Doro Bär noch immer von Widerständen in der Verwaltung, wenn es um das Thema Games geht. Ihre Gegenüber seien hauptsächlich Juristen, denen oftmals das Verständnis für das Thema eSport fehlt. Sie habe in einer Debatte in einem Bundestagsausschuss das Gefühl wie in einem „Tribunal“ zu sitzen.
Bär: „Horst, du bist jetzt eSport-Minister“
Schmunzeln musste ich über eine Episode aus den Groko-Verhandlungen vom Februar 2018, von denen die Ministerin berichtete, die zwar witzig ist, aber das Dilemma auf den Punkt bringt. Als Horst Seehofer das Bundesinnenministerium geteilt wurde, habe sich die CSU-Spitze am nächsten Tag zum Frühstück getroffen. Doro Bär erinnerte den damaligen CSU-Chef daran, dass er als Bundesinnenminister auch für eSport zuständig sei. „Horst, du bist jetzt eSport-Minister“ sagte sie und Seehofer dachte kurz darüber nach, das Amt wieder abzugeben, so Bär. Nette Geschichte, aber genau das ist das Problem. Gamer werden nicht immer ernst genommen und ich kann mir viel vorstellen, aber Horst Seehofer als eSport-Gamer geht wirklich nicht.
Daher sind solche Veranstaltungen wie die CSUnet Convention zum Thema Games sehr wichtig, um das Thema weiter in die Gesellschaft zu bringen.
Am Rande ein kurzes Foto: Doro Bär zeigte sich begeistert von einem Bild von K2 zum Thema digitaler Fotorealismus. Das macht den Papa irre stolz.
Mein Körper und Geist brauchen von Zeit zu Zeit Ruhe. Phasen der Achtsamkeit, um Kraft zu tanken, zu reflektieren und sich gegebenenfalls neu auszurichten. Bei einem Kurzurlaub im Allgäu in meinem Lieblingshotel Prinz Luitpold Bad in Bad Hindelang ist es mir wieder gelungen – und unterstützt wurde ich von der Apple Watch. Die Apple Uhr hilft mir abzuschalten durch Aktivitätsringe, Atem-App oder EKG-App.
Schwimmen samt Wassergymnastik, genießen, wandern, Verwöhnen lassen mit Mooranwendungen und Massagen – das konnte ich hier bei einem Blick auf die Berge, der inspiriert und die Rübe freimacht. Ich erwachte mit dem Blick in die Berge. Hier ein Zeitraffervideo vom Sonnenaufgang.
Das Hotel hat gerade einen Umbau hinter sich und aus dem klassischen Schwimmbecken im Freien wurde ein Infinity Pool, der mich morgens zum Schwimmen einlud. Es tat gut, in aller Ruhe morgens seine Runden zu drehen. Die Aktivitätskreise der AppleWatch dankten es mir – die Kreise waren jeden Tag geschlossen, meine Entspannung nahm zu. Hier ein kleines Video vom Pool.
Am ersten Tag im Hotel hatte ich eine Premiere. Ich gönnte mir eine Mooranwendung in Verbindung mit dem Schwefelwasser des Hotels. Es tat gut, entspannte ungemein und ich sorgte dafür, dass ich meinen eigenen Rhythmus fand. Ich lag auf der Liege mit der Moorpackung auf Rücken und Schultern, war verpackt wie eine Mumie und hing meinen Gedanken nach. Keine Angst, davon gibt es keine Fotos.
Ich nahm dann Platz an dem Pool und fand meinen Lieblingsplatz. Ich genoss die Allgäuer Luft, spürte das natürliche Licht der Sonne, döste vor mich hin, hörte Podcasts und las Zeitschriften (so aus Papier).
Sehr schön war, dass im SPA-Bereich des Hotels Prinz Luitpold Bad mir ein Achtsamkeitskompass aus Papier überreicht wurde. Der Folder hatte vier Achtsamskeitübungen. Mit meiner Frau ging ich wandern und genoss die Sinfonie der Bäume. Ich suchte mir einen Baum, legte mich darunter und beobachtete die Wolken. Ich spüre den Ort, hörte ich den Baum und in mich hinein. Und ich stellte fest: Das sollte ich öfters machen.
Und ich und auch ein tolles Storytelling im SPA-Umfeld. Im SPA-Bereich des Hotels steht ein alter Ofen, der früher zum Erhitzen des Wassers gebraucht wurde. Vor der Einführung der Zentralheizung waren Holzbefeuerten Badeöfen in Gebrauch. Bis eine Wanne badefertig war, dauerte dies eine entsprechende Zeit. Ein früherer Badegast warte immer auf dem Gang, wie damals üblich, bis er sein tägliches Schwefelwannenbad nehmen konnte. Eines Tages wurde er ohne Wartezeit gleich in die Kabine gebeten. Die Wanne war zwar voll, aber ganz offensichtlich hatte gerade jemand anderes darin gebadet. Die Badehilfe meinte zu seinem erstaunten Gesichtsausdruck: „Da könnet’se ruhig neihocke. Des Wasser isch völlig keimfrei. Da hat blos grad ein geistlicher Herr drin gebadet.“
Burt Bacharach ist ein Künstler, den ich schon immer einmal live erleben wollte. Viel Zeit bleibt nicht mehr, denn Burt Bacharach hat das stolze Alter von 91 Jahren. So viele Welttourneen wird der Mann nicht mehr machen. Als ich hörte, dass diese Musiklegende nach München kommen würde, musste ich Karten kaufen. Leider war die Philharmonie im Gasteig schwach besucht, was aber der Stimmung keinen Abbruch tat. Teure Plätze wurde mit Besuchern von billigen Karten aufgefüllt – warum habe ich mir eigentlich teure Karte gekauft?
Burt Bacharach ist eine Legende des Easy Listening (keinesfalls Schlager) und so lehnte ich mich in meinen Stuhl, schloss die Augen und ging auf eine musikalische Reise. Bacharach ist einer der wichtigsten Komponisten des 20. Jahrhunderts.
Immer wieder erhob sich der 91jährige von seinem Klavier und richtete das Wort an sein begeistertes Publikum. So erfuhren wir, dass er schon einmal in München war – als Bandleader für die große Marlene Dietrich – das war vor meiner Geburt. Er war damals der Boy in the Backroom.
Mitte der Sechziger Jahre komponierte Bacharach selbst und schreib Songs für die damaligen Größen des Showgeschäfts wie Dionne Warwick. Im Gasteig warWhat the World Needs Now Is Love, damals gesungen von Jackie DeShannon der Einstieg. Die jüngeren kennen ihn aus dem Film Austin Powers in Goldmember.
Es folgte ein Medley und weiter ging es durch die musikalische Geschichte Amerikas. Bacharach erzählte von seinen Scheidungen (die schnellste in Mexico), was zum Lied Mexian Divorce führte. Immer wieder wurde er politisch ohne Trump zu nennen, aber der 91jährige bezog eindeutig in seinen Aussagen Stellung. Sein Songs „Live to See Another Day“ ist eine Anklage gegen das Schulmassaker in den USA.
Der Meister am Klavier.
Im letzten Drittel sang Burt Bacharach selbst. Er ist kein Sänger und hatte in seinem künstlerischen Leben viele große Stimmen zur Seite. Gegen Ende des Münchner Konzerts sang er aber selbst mit brüchiger Stimme eines alten Mannes. Für mich als Filmfan waren die Filmmusiken des Abends das pure Vergnügen. Das erste Zusammentreffen mit der Musik von Burt Bacharach war der großartige Soundtrack zu Casino Royale und später dann Raindrops Keep Fallung on my Head. Und in München das Highlight für mich war die Musik für The Man who Shot Liberty Valance – einfach großartig. Und am Ende der Zugaben durften wir alle gemeinsam Raindrops singen – danke für den schönen Abend, an dem es aber nicht regnete.
Hier die Setlist des Abends:
What the World Needs Now Is Love
Don’t Make Me Over / Walk On By / This Guy’s in Love with You / I Say a Little Prayer / Trains and Boats and Planes / Wishin‘ & Hopin‘ / (There’s) Always Something There to Remind Me
Do You Know the Way to San Jose
Anyone Who Had a Heart
This House Is Empty Now
Mexican Divorce
Falling Out of Love
My Little Red Book
Stronger Than Before
Live to See Another Day
Baby It’s You / Message to Michael
Make It Easy on Yourself / On My Own
With a Voice
(They Long to Be) Close to You
The Look of Love / Arthur’s Theme (Best That You Can Do) / What’s New Pussycat? / The World Is a Circle / The April Fools / Raindrops Keep Fallin‘ on My Head / The Man Who Shot Liberty Valance / Making Love / Wives & Lovers / Alfie
Bereits zum zweiten Mal habe ich Bob Dylan live in diesem Jahr gesehen. Nach Augsburg jetzt vor kurzem in Stuttgart beim Jazz Open. Bereits zum zweiten Mal war es ein herausragendes Konzert. Mit 78 Jahren rockt er zusammen mit seiner bewährten und famosen Combo die Hütte.
Routiniert begann der Bühnenaufbau. Auf der linken Seite (von der Bühne aus gesehen) stand die Statue aus Tempest und dahinter der Oscar für Things have Changed. Die Clubscheinwerfer waren zunächst während der Abendsonne über Stuttgart ausgeschaltet. Dylan sprach wie immer kein Wort in Richtung Publikum.
Oscar links, Tempest rechts
Und dennoch war es anders als sonst: Ich habe viele Dylan-Konzerte in aller Herren Länder gesehen, doch dieses war anders: Es gab links und rechts neben der Bühne zwei große Display-Wände, die Dylan den rund 7000 Zuschauern auf dem Stuttgarter Schlossplatz näher brachten. Ich hatte Dylan noch nie zuvor auf einer Monitorwand gesehen. So nah war ich optisch den Meister noch nie begegnet.
Zwar hatte ich in Stuttgart Front of Stage Karten, aber der Bühnenaufbau in Stuttgart war katastrophal. Wer vorne stand, sah Dylan aufgrund der hohen Bühne kaum, der die meiste Zeit hinter seinem Klavier stand oder saß. Ab und zu kam bis Bobness hervor und sang posend hinter dem Standmirko – wunderbar seine Gesten. Daher genoss ich es, Dylan auf den Großbildleinwänden zu sehen. Und wenn der Kameramann bei Charlie Sexton vielleicht die Sache mit der Schärfe hinbekommen hätte, wäre es perfekt gewesen.
Und was anderes war neu: Der erste Song des Abends war Ballad of a Thin Man. Damit wich Dylan von der klassischen Setlist seiner Tour ab und machte Stuttgart zu einem Highlight unter uns Dylan-Fans.
Ich hatte den Eindruck, dass es Dylan auch gut gefallen hat. Er hatte Spiellaune. Ab und zu sah es fast so aus, als ob er zu uns Fans was sagen wollte, was er freilich nicht tat. Er grinste, zog Grimassen und genoss scheinbar den Abend. Als er im letzten Drittel des Konzerts seinen Hut abnahm und die wilde Lockenpracht des 78jährigen hervorkam, wurde heftig applaudiert. Offiziell gibt es keine Fotos, denn der Meister hat wie immer ein Fotoverbot ausgesprochen. Das wird von den Ordnern auch durchgesetzt – und von den Fans. Als eine Reihe vor mir ein Mann sein Smartphone zücken will, raunzt ihn ein Fan an. Wir wissen ja, was vor kurzem in Wien passiert ist. Und ich will mir den Abend wegen eines solchen Deppen nicht versauen lassen. Fans überwachen Fans – so beginnt es.
Keine Fotos bei Bob Dylan.
Musikalisch war Bob Dylan top. Neue Arrangements seiner alten Lieder, wunderbar verändert, dass man sie zunächst nur am Text erkannte. Er gab uns ein Best-of, ohne uns ein Best-of der alten Sachen zu geben. Genau so etwas erwartet der Fan von Dylan. Alte Songs in neuen Kleidern – damit mögen ein paar neue Fans in Stuttgart nicht gerechnet haben. Hinter mir maulte eine Mitfünfzigerin in breitesten Württembergschwäbisch, dass es anders sei als auf CD. Ja gute Frau und deshalb gehen wir zu einem Dylan-Konzert. A daube Nuss und halt dei Gosch.
Die Band war wieder grandios. Tony Garnier am Bass hat den Chef im Auge und gibt die Kommandos weiter. Die Combo ist so perfekt eingespielt, wie selten eine Tourband. Schlagzeuger George Recile, Gitarrist Charlie Sexton und Multiinstrumentalist Donnie Herron sind eine Einheit. Dylan dirigiert sie mit Blicken, Handzeichen – alles ist aufeinander abgestimmt und sie rocken, was das Zeug hält.
Nach einer Zugabe ist alles vorbei. Exakt 1 Stunde 45 Minuten war vereinbar und bezahlt, exakt 1 Stunde 45 Minuten wurde gespielt. Am Ende verbeugt sich die Band und Abgang. Vielleicht sagt Dylan in London im Hyde Park etwas, wenn er mit seinem Kumpel Neil Young auftritt. Karten hab ich keine, aber das Netz wird uns Fans versorgen.