Toteisloch Wolfsgrube – so bekommt Geografie zum Storytelling

2. September 2021

Warum in die Ferne reisen, wenn das Gute ist so nah? Dies dachten wir uns in diesem Sommer und verzichteten aufgrund von Corona auf In- und Auslandsreisen in den Ferien. Wir erkundeten die nähere Umgebung – darunter auch das Toteisloch Wolfsgrube in Grafrather Ortsteil Wildenroth, im bayerischen Landkreis Fürstenfeldbruck.
Vor Jahren war ich als Geografiestudent schon mal dort, um mir die Mulde im Boden anzusehen. Nun kam ich wieder.

Zunächst faszinierte mich der Name Wolfsgrube. Mit mir als 100 m Durchmesser und über 20 m Tiefe ist die Wolfsgrube ein eindrucksvolles Toteisloch. Besonders auffällig sind ihre steilen Wände. Sie ist das markante Zeichen der zahlreichen Toteislöcher in der Gegend. Der Überlieferung nach wurde in dieser kesselartigen Hohlform früher als Fanggrube für Wölfe genutzt, daher kam der interessante Name Wolfsgrube.
Die Wolfsgrube bei Wildenroth entstand gegen Ende der letzten Eiszeit am Rand des Isar Loisach-Gletschers. Damals löste sich vom Gletscher ein großer Eisblock ab und wurde als so genanntes Toteis mit Geröll und Geschiebe überschüttet. Als später das Eis schmolz, blieb die steilwandige, kesselartige Hohlform eines Todeislochs zurück.

Und so stand ich am Rand und schaute hinein. Außer einer Mulde gab es nichts zu sehen. Allerdings gibt es eine Erklärungstafel, die den Wanderer über dieses geologische Ereignis aufklärte. Ich weiß noch, als Student haben wir das Loch vermessen. Jetzt schaute ich es mir einfach nur an und dachte an die Geschichte mit den Wölfen. Das ist besseres Storytelling als ein Gletscher vor einigen Jahren.

Welche Übersetzung von Dune – der Wüstenplanet ist die beste?

1. September 2021

Am 16. September 2021 wird wohl Dune – der Wüstenplanet in die deutschen Kinos kommen und ich freue mich sehr auf die Verfilmung von Denis Villeneuve. Ich war auch mit der Verfilmung Dune – Der Wüstenplanet von David Lynch aus dem Jahre 1984 einverstanden und hätte natürlich gerne mehr Material von Alejandro Jodorowsky und seinem gescheiterten Versuch von 1974 gesehen. Auch die TV-Fassungen Dune: Der Wüstenplanet – Der komplette TV-Mehrteiler von John Harrison aus dem Jahre 2000 haben einen gewissen Charme.
Bis also der erste Teil der wohl bombastischen Neuverfilmung im Herbst in die Kinos kommt, nehme ich meine Dune-Bücher aus dem Schrank und stelle mir die Frage: Welche deutsche Übersetzung von Dune ist eigentlich die beste?

Autor des Wüstenplaneten ist Frank Herbert aus dem Jahre 1966. Was Tolkien mit dem Herr der Ringe-Universum für Fantasy ist, stellt Dune und seine Fortsetzungen für die Science Fiction dar. Nur Isaac Asimovs Foundation-Reihe Die Foundation-Trilogie kommt hier gleichberechtigt heran. Einen Unterschied zwischen Tolkien und Herbert gibt es: Während die Tolkien-Geschichten (bis auf Silmarillion) gut lesbar sind, kämpft sich der geneigte Leser durch die komplexe Welt von Frank Herbert schwer hindurch.
Ich habe den Romanzyklus als Jugendlicher gelesen und war begeistert:
Dune – Der Wüstenplanet
Dune Messiah (1969) Der Herr des Wüstenplaneten Children of Dune (1976) Die Kinder des Wüstenplaneten
God Emperor of Dune (1982) Der Gottkaiser des Wüstenplaneten
Heretics of Dune (1984) Die Ketzer des Wüstenplaneten, 1985
Chapterhouse Dune (1985) Die Ordensburg des Wüstenplaneten

Die Fortsetzungen von Sohn Brian habe ich mir nicht mehr angetan – irgendwann wurde es mir zu kompliziert. Es gab noch zwei Bände Enzyklopädie zum Nachschlagen.
Wie es bei Tolkien gute und weniger gute Übersetzungen von Herr der Ringe gibt (dazu gibt es einen eigenen Blogpost), so gibt es auch bei den deutschen Dune-Übersetzungen starke Unterschiede.
Für den deutschen Markt liegen drei Übersetzungen von Dune vor: Wulf H. Bergner, Roland M. Hahn und Jakob Schmidt

Der kastrierte Klassiker von Wulf H. Bergner
Die erste deutsche Übersetzung stammt aus dem Jahre 1967 von Wulf H. Bergner. Bergner ist einer der großen deutschen Übersetzer mit einem enorm Arbeitspensum – über 500 Bücher hat er übersetzt. Viele, ganz viele SF- und Horrorübersetzungen gehen auf ihn zurück. Dune war eine seiner ersten Übersetzungen. Während seines Studiums in München, das 1965 er mit der „Staatlichen Prüfung für Übersetzer und Dolmetscher“ beendete, hatte er zunächst für den Moewig-Verlag SF-Titel übersetzt und wechselte dann zum Heyne-Verlag. Bergner Übersetzung von Dune ist in einem wunderschönen Nachkriegsdeutsch zu lesen und eigentlich gefällt mir seine Übersetzung von Dune am besten. Es ist eine gehobene Sprache, kein Gebrauchsdeutsch, sondern die Übersetzung passt zu dem epischen Roman von Frank Herbert.

Wie geschrieben, es wäre eigentlich für mich die beste Übersetzung, wäre da nicht ein großes, großes Problem. Die erschiene Fassung von Bergner ist nicht vollständig. Es fehlen etliche Seiten des amerikanischen Romans.
Ich sprach Bergner darauf an. Seine erschütternde Antwort: „Leider verbinden sich für mich mit Dune hauptsächlich negative Erinnerungen: Meine Übersetzung, die ich noch heute nicht schlecht finde, wurde von Lektor Wolfgang Jeschke im Auftrag des Verlags um etwa ein Drittel gekürzt. Der Gedanke daran schmerzt noch heute.“ Und es schmerzt mich als Leser ebenso. Gerne hätte ich Wulf H. Bergner näher befragt, aber er lehnte Interview-Wünsche ab, was ich zutiefst bedauere.

Der große Klassiker von Roland M. Hahn
Der nächste Übersetzer von Dune ist Roland M. Hahn. Mit ihm verbinde ich zahlreiche Filmlexika wie das Lexikon des Science-Fiction-Films oder das Lexikon des Horrorfilms. Die Dune-Übersetzung von Hahn habe ich immer wieder gelesen und sie ist wohl die in der SF-Community am meisten gelesene Ausgabe. Ich habe seine Übersetzung in verschiedenen Buchausgaben in verschiedenen Verlagen und verschiedenen Auflagen angetroffen. 1978 hatte ich die Erstauflage bei Heyne gekauft und wieder und wieder gelesen. Sie war noch mit allerhand Zeichnungen und Bildern von John Schönherr illustriert. Das Cover des Buches zierte ein Wurm in dunklen Sandfarben.

Zum Filmstart von David Lynchs Verfilmung kam 1984 die gleiche Übersetzung von Hahn mit dem Kinoplakat auf dem Cover und 24 Filmfotos zurück. Inhaltlich hat sich nichts geändert. Seine Übersetzung ist vollständig und gilt als Klassiker. Allerdings stelle ich fest, dass sein Deutsch für viele junge Leser zu schwer ist. Die Satzkonstruktionen und technischen Bezeichnungen sind Ausdrücke vergangener Zeiten.

Die junge wilde Übersetzung von Jakob Schmidt
Die altertümliche Sprache von Hahn wurde bei Heyne wohl als Problem erkannt. So gab man eine neue Überstezung Der Wüstenplanet bei Jakob Schmidt in Auftrag, der ein Könner seines Fachs ist. Die Übersetzung von Jakob Schmidt ist somit die aktuelle Übersetzung bei Heyne. Sie erschien von ein paar Jahren und wurde zum bevorstehenden Filmstart mit Filmcover – allerdings ohne Filmfotos neu aufgelegt. Im Vergleich zu Bergner und Hahn ist der 1978 geborene Jakob Schmidt der jüngste im Bunde. Seine Übersetzung die aktuelle lieferbare Version von Heyne. Der Heyne Verlag stellte mir das gerade erschiene Taschenbuch zur Verfügung – vielen Dank an Daniela Gabler dafür.

Vielleicht weil Schmidt der jüngste Übersetzer ist, ist er auch derjenige mit der flottesten Sprache. Das Deutsch wurde vorsichtig modernisiert und vielleicht sprachlich aktualisiert. Die gedrechselte Sprache Hahns, mit der ich großgeworden bin, wurde entschärft. Damit schafft es Dune sicherlich zu einer neuen, zeitgemäßeren, jüngeren Leserschaft.

Allerdings bin ich ein Fan der altertümlichen Sprache der Bergner- und Hahn-Übersetzungen. Mit einigen der modernisierten Anpassungen von Schmid bin ich nicht einverstanden. Durch die einschlägigen Foren gingen schon Diskussionen, ob Uralte Burg mit uralten Steinhaufen übersetzen soll, wie es Schmidt tat und nicht besser bei Gemäuer geblieben wäre. Nun ja, das sind Feinheiten, die vielleicht überlesen werden, mich hat es gestört.

One more Thing: Die Graphic Novel
Außer der Reihe gibt es noch eine weiter Dune-Übersetzung. Und zwar von Katrin Aust. Die übersetzte Dune für die Graphic Novel Dune, die bei Splitter erschienen ist. Ich werde diesem Buch einen eigenen Blogpost widmen.

Filmtipp: The City of the Dead – Stadt der Toten

31. August 2021

Eigentlich ist der Film purer Trash, aber irgendwie sind mir viele Szenen in Erinnerung geblieben und diese steigen dann und wann aus dem kollektiven Film Gedächtnis auf. Gemeint ist der alte Hexenfilm: The City of the Dead – Stadt der Toten.

Der Film The City of the Dead – Stadt der Toten aus Großbritannien entstand im Jahre 1960 und lief dort auch unter Horror Hotel in den Kinos. Ich hatte den Film als Jugendlicher auf Super 8 gesehen und er faszinierte mich wegen des Themas. Hexenfilme waren damals eher ungewöhnlich in meinem Repertoire, dass vor allem von den klassischen Monstern wie Dracula, Frankenstein oder dem Werwolf geprägt war. Ich erinnere mich, wie mich die Atmosphäre des Schwarzweißfilms gepackt hatte, vor allem die späte Opferungsszene auf den Friedhof.

Jahre vergingen, doch der Film blieb mir irgendwie in Erinnerung. Vor kurzem gab es die Gelegenheit, diesen Trash wieder auf Super 8 zu erstehen. Ich hab natürlich zugeschlagen und mir den 70 Meter langen Streifen angeschaut und mich in meine Zeit als Teenager zurückversetzt. „Nur für starke Nerven“ warnte mich das Cover von Piccolo Film. Der Titel lautete „Hexen – Quälen, Schänden, Töten“. Und die Dachzeile „Eines der grausamsten Kapitel des Mittelalters“.

70 Meter bedeuten 8 Minuten Laufzeit. Interessant, wie mich diese 8 Minuten damals geprägt haben. Natürlich war der Film inhaltlich enttäuschend, aber auf die Emotionen kommt es an. Von wegen Mittelalter, von wegen Quälen, Schänden, Töten.

Und so sah ich, dass es von The City of the Dead – Stadt der Toten ein Mediabook mit Bluray und DVD sowie Booklet gab. Klar, das Ding musste her. Den Kauf der Super 8-Kopie hätte ich mir sparen können, denn die Version war auf den Extras der Discs restauriert auch abgelegt. Aber natürlich entfiel damit der Aufbau des Projektor und das Ritual des Knatterns.

Der Film ist sehenswert durch die Schauspielkunst von Christopher Lee als Prof. Allan Driscoll. Und es gibt Parallelen zu Hitchcocks Psycho, der im gleichen Jahr entstanden ist. Die Hauptdarstellerin segnet im ersten Drittel des Films das Zeitliche. Und das war es auch dann schon: Bei Hitchcock war der Star Janet Leigh, in Stadt der Toten war es die eher unbekannte Venetia Stevenson, die acht Jahre mit dem Sänger Don Everly von den Everly Brothers verheiratet war.

Lou Grant ist tot – Ed Asner starb mit 91 Jahren

30. August 2021

Kann eine Fernsehserie die Berufswahl beeinflussen? Ja, ich glaube sie kann es. Zumindest kann ich es aus meiner Sicht bestätigen. Nein, ich wollte nie Raumschiffkommandant oder Sheriff werden, aber als ich als Kind die Serie Lou Grant gesehen hatte, da wollte ich Journalist werden. Nun ist der Held meiner Serie Ed Asner im Alter von 91 Jahren gestorben. Der Schauspieler verkörperte für mich immer die Rolle von Lou Grant.

Lou Grant war eine Reporterserie, die in Deutschland am 6.Januar 1979 im ZDF ausgestrahlt wurde – mit mir vor dem Grundig-Fernseher meiner Eltern. Grant ist Lokalchef der fiktiven „Los Angeles Tribune“ und sein Team deckt kleine und große Geschichten auf und hebt sie ins Blatt. Die Serie spiegelt wunderbar einen Zeitungskosmos wider, den ich Jahre später in ähnlicher Weise bei meinem Volontariat und Redakteurstätigkeit in Ansätzen erleben durfte. Zeitungsarbeit war Teamarbeit und das Team der Los Angeles Tribune arbeitete in 114 Folgen in 5 Staffeln mal zusammen, mal gegeneinander. In Deutschland gab es nur 52 ausgewählte Folgen zu sehen, die ich Jahre später bei Tele 5 auf VHS mitgeschnitten habe. Leider ist die Serie in Deutschland nie auf DVD erschienen und die US-Fassungen sind preislich deutlich angestiegen. Er wird Zeit für eine Neuauflage.

Ed Asner verkörperte den raubeinigen, aber zu meist fairen Lokalchef Lou Grant, der immer wieder mit der Verlegerin Margaret Pynchon aneinander gerät. Chefredakteur ist Charles Hume, Joe Rossi ist die ehrgeizige journalistische Spürnase, Billy Newman McCovey eine emanzipierte Journalistin, Art Donovan der stellvertretende Chefredakteur und Herb Herbert war der Fotograf die Bestie. Die Serie wurde mit insgesamt dreizehn Emmy-Awards und zwei Golden Globe Awards ausgezeichnet. Insgesamt gab es 26 Auszeichnungen und weitere 61 Nominierungen. Noch immer habe ich die Titelmelodie im Kopf, samt Kanarienvogel am Ende.

Ed Asner war immer als Schauspieler unterwegs. Zuletzt fiel er mir in Pixars Animationsstreifen 2009 Oben/Up auf, als er in der US-Version der Hauptfigur Carl Fredricksen seine Stimme lieh. Aber für mich bleibt er immer Lou Grant mit einem Herz aus Gold.

Mein (fast) perfektes iPad Stativ König & Meyer K&M 19793

28. August 2021

Ich hatte schon einiges iPad-Stative ausprobiert und wurde immer wieder vom preiswerten Chinaanbietern gelockt – so richtig glücklich bin ich mit den iPad-Stativen nicht geworden. Aber ich bin bei meiner Suche dann doch noch fündig geworden und kann das Stativ von König & Meyer K&M 19793 absolut empfehlen.

Das K&M 19793 Im Konferenz Einsatz.

Zur Einordnung: Ich besitze ein iPad 12 Zoll (2021) und das ist mein primäres Produktionswerkzeug. Ich schreibe Texte, schneide Videos, bearbeite Bilder. Ich habe die schwere Hülle Logitech Combo Touch als Schutz für mein Apple-Gerät. Immer mehr drehe ich YouTube-Videos mit dem iPad Pro, schließe über USB-C mein Shure Mirko MV 88+ an. Jetzt brauchte ich nur noch ein Stativ in dem mein Tablet sicher und ruhig steht.
Bei meiner Recherche entdeckte ich zahlreiche Angebote aus China. China bedeutet nicht mehr das Billigzeug meiner Jugend, sondern die Chinesen liefern gute und ausgereifte Produkte. Aber als iPad-Ständer hatte ich kein Vertrauen, denn meist haben die Stative einfach gewackelt und drohten sogar umzufallen. Für eine semiprofessionelle Produktion mit meinem teuren iPad in einer schweren Hülle waren sie einfach nicht zu gebrauchen. Ich hatte kein Vertrauen in diese Stative, die nach der Bestellung wieder zurück an den Lieferanten gingen.

Dann kam ich auf das König & Meyer K&M 19793 aus deutscher Produktion. Das Stativ ist hergestellt aus robusten Kunststoff mit massivem Ständer aus Stahl. Die ganze Sache ist Höhenverstellbar von 700 bis 1.550 mm und um 90 Grad frei drehbar. Und auch bei einem Winkel von 90 Grad steht das ganze Ding bombensicher. Mit 1,8 Kilogramm ist es kein Leichtgewicht, aber genau das wollte ich ja: Stabilität und sicherer Stand.

Aber kein Wunder: König & Meyer sind im professionellem Bühnenumfeld unterwegs und da gehen keine unsicheren Geschichten. Das hat natürlich seinen Preis. Während die Stative aus China bei 20 bis 30 Euro liegen, kostet das König & Meyer K&M 19793 rund 60 Euro, die für mich aber gut angelegt sind.
Mir war wichtig, dass das iPad mit Logitech Combo Touch-Hülle eingespannt werden kann. Ich hab keine Lust, das Tablet bei jedem Dreh aus der Hülle zu fummeln, wie ich es bei den preiswerteren Stativen machen musste. Die Arretierung zum Befestigen des Tablets ist sehr komfortabel und lässt sich auf das jeweilige Tablet optimal einstellen. Und das Tablet wird sicher in den drei Halteklemmen gehalten.
Einziges Manko ist das Zusammenlegen. Auch wenn das Stativ eingefahren ist, ist es noch etwas sperrig und damit kein mobiles Stativ, das man mal so in den Rucksack packt. Und weiteres Manko: Es liegt bei einem Preis von 60 Euro keine Transporttasche dabei. Das wäre bei dem Preis schön gewesen.

Filmtipp: Wrong Turn – The Foundation – natürlich Geschmackssache

27. August 2021

Wer deftige Kost in Sachen Exploitation-Horror mag, der griff seit 2003 zur Wrong Turn-Reihe, wobei die Streifen von Mal zu Mal schlechter wurden. Seit ein paar Wochen ist der Reboot Wrong Turn – The Foundation als Bluray auf den Markt, nachdem Corona den deutschen Kinoeinsatz vereitelt hatte.

Ich hatte Angst, dass ich beim Ansehen von Wrong Turn – The Foundation wieder falsch abbiegen werde und ich mit 110 Minuten üblichen Gore-Effekte und schlechter Inszenierung beschäftigen müsste. Nun, die handgemachten Effekte waren wie zu erwarten zu sehen, aber die Story unter der Regie von „The Domestics“-Regisseur Mike P. Nelson hatte überraschend mehr zu bieten als ich gedacht habe. Nelson liebt das systematische Zerquetschen, Zermanschen, Zerschmettern, Zerdrücken von Körpern, gerne auch den Kopf eines der Darsteller. Alles ohne CGI, klassisch Handmade – die Freunde des Groben kommen auf die Kosten.
Allerdings bietet der Film auf den zweiten Blick mehr als nur brutale Gewalt. Der Film konfrontiert den Zuschauer mit drei unterschiedlichen Gesellschaftssysteme und verzichtet auf die üblichen Kanibalismusinterpretationen von Teil 1 bis 6. Es ist erfrischend zu sehen, wie hier eine Welt des zerreißenden Amerikas beschrieben wird. Trump hat auch im Film seine Folgen. Auf der einen Seite die coolen, hippen Jugendlichen aus der Großstadt, die ein Business auf die Beine gestellt haben und sich gestylt auf eine Wanderschaft machen. Dabei werden auch Themen wie Homosexualität nicht ausgeblendet. Auf der anderen Seite haben wir die Hinterwäldler und das wahre Amerika unter Trump samt Sternenbanner vor der Haustüre. Engstirnige Rednecks, die alles was fremd ist, erst einmal niederknüppeln. Es ist zwar ein bisschen dick aufgetragen, aber wichtig für die spätere Erzählung und den deus ex machina-Komplex. Die Konfrontation der Gesellschaftssysteme kennen wir aus anderen Filmen, aber es ist immer wieder interessant anzusehen. Und dann haben wir das dritte Gesellschaftssystem der so genannten Foundation, einer Gruppe von Separatisten, die den US-Bürgerkrieg nicht mitmachen wollten und ihre eigene Gesellschaftsordnung im tiefen Wald von Virginia geschaffen haben. Die Monster, wie sie uns verkauft werden, sind vielleicht gar keine Monster, sondern haben ein System mit klaren Regeln.

Die Bluray Wrong Turn – The Foundation, die mir vom Verleih dankenswerterweise zur Verfügung gestellt wurde, beginnt mit der üblichen Rotkäppchen-Warnung dieser Art von Filmen. Bleibt auf dem Weg, kommt nicht vom Weg ab, voran sich die Stadtmenschen natürlich nicht halten und die Konflikte mit den Separatisten entstehen. Jeder hat seine eigene Perspektive auf die Sache. Von der Handlung will ich nichts spoilern, aber den Hinweis aussprechen, dass man nach dem unvermeidlichen Carrie-Ende noch am Bildschirm bleiben soll.
Insgesamt für mich ein lohnenswerter Reboot und kein weiteres Reiten eines bereits toten Pferdes der klassischen Reihe. Mal sehen, was die Macher aus Wrong Turn jetzt anstellen. Möglichkeiten für einen weiteren Teil bestehen.

Dracula im Film (17): Die Karnstein-Trilogie

23. August 2021

Das hab’s nur einmal, das kommt nie wieder – gemeint ist die so genannte Karnstein Trilogie von Hammer Films mit den Filmen Gruft der Vampire (The Vampire Lovers), Nur Vampire küssen blutig (Lust for a Vampire) und Draculas Hexenjagd (Twins of Evil). Sie entstanden zwischen 1969 und 1971 und gaben den legendären Hammer-Studios aus Großbritannien eine deutlichere Ausprägung in Richtung Sex und Blut.

Selten zuvor gab es bei Hammer so viel nackte (weibliche) Haut zu sehen und auch der Gore-Faktor stieg enorm an. Brüste und gespaltete Schädel sollten neue Zuschauer ins Kino locken. Die britischen Zensoren waren ab Juli 1970 lockerer und das Nutzen die Hammer-Studios gleich mal aus, um aus den Vollen zu schöpfen. Hammer war in der Krise, weil der US-Markt weggebrochen war nachdem sich Warner zurückgezogen hatte. Zudem warf der kreative Kopf von Hammer das Handtuch und das Studio suchte eine neue Richtung.
Heraus kamen lesbische Vampire und viel Blut. Nachdem Bram Stokers literarische Vorlage Dracula in zahlreichen Filmen verbraucht und durchgerudert war, überarbeitete man nun Carmilla, der weibliche Vampir von Joseph Sheridan Le Fanu in den Filmen. Heraus kamen drei romantische, brutale und offenherzige Vampir-Filme, die freilich nichts mit Dracula zu tun hatten. Dracula im Titel war eine grottiger Einfall des deutschen Verleihs.

Es spielte Ingrid Pitt die Marcilla / Carmilla / Mircalla Karnstein in Gruft der Vampire (The Vampire Lovers) und Draculas Hexenjagd (Twins of Evil) und auch der große Peter Cushing spielte in den Filmen. In Nur Vampire küssen blutig (Lust for a Vampire) konnte er nicht vor die Kamera treten, weil seine Frau Helen damals im Sterben lag. So spielten in Nur Vampire küssen blutig (Lust for a Vampire) die hübsche Yutte Stensgaard die Mircalla / Carmilla Karnstein und der Bösewicht war Mike Raven als Graf Karnstein. Ich muss sagen, ich mag Yutte Stensgaard in dieser Figur sehr, weil sie nicht so lüstern dreinblickt wie Ingrid Pitt, die einst die Rolle interpretierte.

Das Thema der lesbischen Vampire muss damals im Kino ziemlich heftig angekommen sein. Die bisher nicht gekannte Mischung von Sex und Blut war schon ein echter Hammer (ha, Wortspiel). Zum ersten Mal war in einem Hammer-Film auch ein Pop-Song zu hören: „Strange Love“, gesungen – nein gehaucht von Tracy. Das Ganze ist schon sehr schwülstig. Ich hatte in London mal die Single in meiner Hand, kaufte sie aber nicht, weil sie überteuert war. Vielleicht hätte ich es tun sollen.
Der letzte Film der Karnstein-Reihe Draculas Hexenjagd (Twins of Evil) ist sicherlich der beste Teil der Reihe. Mircalla darf kurz auftauchen und ihre Reize zeigen, aber im Mittelpunkt stehen die ehemaligen Playboy-Schönheiten Mary und Madeleine Collinson, eben die Twins of Evil. Übrigens sind sie auch im englischen Original nachsynchronisiert, das bedeutet, aufgrund der Schauspielleistung wurden die Damen nicht gewählt. Absolut genial ist Peter Cushing, der alle an die Wand spielt. Seine Frau Helen verstarb zwei Wochen vor den Dreharbeiten und vielleicht kanalisierte Cushing hier seinen Schmerz. Cushing lieferte eine der besten Rolle seines Hammer-Lebens ab. Und die Kombination aus fanatischen Hexenjäger und sexy Vampire war auch ein neues Element des Horrorfilms. Übrigens, die deutsche Version von Twins of Evil ist schwer zu bekommen. Da wähle man die preisgünstige englische Version.

Micky Maus-Magazin feiert 70. Geburtstag

20. August 2021

Hier kommt die Maus. Und ich meine die Micky Maus. Das Micky Maus-Magazin feiert heute mit der Ausgabe 18/2021 seinen 70. Geburtstag. Mit bisher über 3.300 erschienenen Ausgaben und mehr als 1,3 Milliarden verkauften Heften ist die deutschsprachige Ausgabe des Micky Maus-Magazins bis heute laut Verlagsangaben das erfolgreichste Kinder-Magazin Europas. Ebenso wie das Magazin feiert auch die Berliner Egmont Ehapa Media GmbH ihr 70-jähriges Bestehen. Die Erstausgabe des Micky Maus-Magazins im Jahr 1951 ist gleichbedeutend mit der Gründung des damaligen Ehapa-Verlags, welcher damals wie heute die Heimat aller Entenhausen-Comics ist.

Da gratuliere ich dem Senior natürlich gerne, will aber nicht mit aktuellen Material nerven. Nein, ich hab was Besonderes:
Zum Geburtstagsfest gehe ich mal 20 Jahre zurück, als das Micky Maus-Magazin seinen 50. Geburtstag groß feierte. Im Archiv hab ich die damalige Jubiluämsinformationsmappe herausgesucht. Ich hab sie damals abgelegt und sie nun wieder aus meinem persönlichen Archiv geholt.

Das Micky Maus-Magazin ist 70 – hier die Mappe zum 50. Geburtstag.

Das Highlight vor 20 Jahren: Das erste Micky Maus Magazin aus dem 1951 gab es als Nachdruck als Geburtstagsgeschenk. Die Ausgabe war eingeschweißt in goldenes Glanzpapier. Sie kostete am 29. August 2001 genau 3,40 Mark und war Ausgabe 36. Ich hab sie noch verschlossen gelassen, denn die Geschichte von damals gibt es ja immer zu lesen. Vielleicht öffnen meine Kinder die Ausgabe irgendwann nach meinen Ableben.

Zudem lagen in der Mappe zwei Druckfahnen der Cover der Ausgaben 37 und 38 vom 6. September 2001 und 13. September 2001. Und dann war die Welt nicht mehr die selbe wie zuvor: Der 11. September 2001 veränderte alles.

Aber blicken wir mit Freude zurück auf schönere Zeiten. Zum 50. Geburtstag gab es eine umfangreiche Spezialausgabe der Sprechblase mit gut recherchierten Hintergrundberichten. Die Sprechblase ist ein deutschsprachiges Comicmagazin, das zwischen 1978 und 2007 im Norbert Hethke Verlag erschien. Ich weiß gar nicht, ob es das Fachmagazine heute noch existiert.

Zum 70. Geburtstag werde ich mir die Geschichte bis zum 50. Geburtstag in Ruhe zu Gemüte führen. Schön war ein Interview mit dem damaligen MM-Marketingmann Jörg Risken über die Zukunft des MM-Magazins. Auf die Sprechblasen-Frage, was man den Magazin zum Sechzigsten wünsche, antwortete Risken: „Das wäre 2011. Ich bin Realist. Die Auflage ist nicht mehr wie heute. Der Markt zerfällt immer stärker und die demographische Entwicklung spricht auch gegen einen langfristigen Aufwärtstrend. Aber wir werden zweifelsohne noch bestehen und Marktführer sein, daran glauben wir fest.“ Der Mann hat Recht behalten und ist noch immer im MM-Verlag beschäftigt.

Schauen wir mal in die Geschichtsbücher: Das Micky Maus-Magazin wurde in den Fünfziger Jahren zum Synonym für Comic-Hefte allgemein und ab 1964 zur elftgrößten Jugendzeitschrift der Welt. Die Micky Maus hatte eine Startauflage von 300.000 Exemplaren und überschritt zeitweilig eine Auflage von über einer Million Hefte pro Woche. Diese Zeiten sind allerdings lange vorbei.

Begonnen hatte alles eher zufällig, als 1951 ein Vertreter der Walt Disney Productions nach Stuttgart kam, wo Das Beste aus Reader’s Digest produziert wurde. Er suchte vier Leute, die ein deutsches Micky-Maus-Heft machen könnten. Und er traf neben dem späteren Verlagsleiter Adolf Kabatek, der für seine Verdienste um die Comic-Kultur später mit dem Bundesverdienstkreuz geehrt werden sollte, auf Dr. Erika Fuchs. Es gelang ihm, sie für diese Aufgabe zu interessieren. Dr. Fuchs war skeptisch, doch als ihr Mann sie auf die möglichen pädagogischen Aspekte des neuen Projekts aufmerksam gemacht hatte, sagte sie schließlich zu. Es wurde eine glückliche Verbindung. Und Gatte Fuchs wurde später in den Geschichten von „Daniel Düsentrieb“ verewigt mit dem Spruch: „Dem Ingeniör ist nichts zu schwör.“

Die Egmont Harald Petersen Stiftung, die in Dänemark seit 1949 Disney publizierte, gründete zu diesem Zweck in Stuttgart eine Tochtergesellschaft und gab ihr nach den Initialen EHP ihres 1920 verstorbenen Stifters den Namen Ehapa Verlag.
Nach den erforderlichen Vorarbeiten für den Start der neuen Zeitschrift, der pünktlich mit Beginn des Schuljahrs 1951 erfolgen sollte, wurde ein erster Zeitschriftenhit der noch jungen Bundesrepublik Deutschland geboren. Obendrein war „die“ Micky Maus auch die erste deutsche Zeitschrift, die vollständig in Farbe gedruckt wurde. Anders als die amerikanischen Originalausgaben, die grob gerastert im Offsetdruck entstanden, bot die neue, im Kupfertiefdruckverfahren gedruckte Zeitschrift dem Leser ein sattes Lesevergnügen.

Anfangs erschien das Micky Maus-Magazin noch monatlich, aber ab Dezember 1951 gab es Sonderhefte. Anfang 1956 wurde die Zeitschrift auf 14-tägiges Erscheinen umgestellt. Anders als im Heimatland von Micky Maus, wo man nur wenige durchgehende monatlich erscheinende Heftreihen und daneben viele Einzelpublikationen veröffentlichte, wollte man nicht zu viele verschiedene Publikationen auf den übersichtlicheren deutschen werfen, sondern lieber die Erscheinungsfrequenz intensivieren.
Seit Ende 1957 erscheint das Micky Maus-Magazin wöchentlich. Im Lauf der Zeit entwickelten sich daraus zahlreiche Ableger.

Beim Durchblättern der ersten Hefte fällt auf, dass die Redaktion mit einigen Problemen gerechnet hatte. So konnte man zum Beispiel im ersten deutschen Micky Maus-Heft vom 29. August 1951 den Hinweis finden: „Ihr braucht diese wunderschönen bunten Hefte nicht heimlich zu kaufen, sondern dürft sie Euch regelmässig jeden Monat wünschen. Ihr werdet nämlich bald merken, auch die Erwachsenen haben ihre stille Freude daran.“

In der Tat waren in den frühen 50er Jahren die Jugendschützer in Sachen Film und Zeitschriften äußerst aktiv, um die bundesdeutsche Jugend vor verderblichen Einflüssen zu schützen. Das ging soweit, dass 1955 ein Versuch gestartet wurde, Comics generell gerichtlich verbieten zu lassen. Dieser Versuch scheiterte. Es wurden allerdings einige Comics namentlich aufgeführt, die moralisch als absolut unbedenklich eingestuft wurden. Und zwar: Nick Knatterton, Prinz Eisenherz und Micky Maus.

Transall fliegt letztmals über Fursty

19. August 2021

Ein paar Mal bin ich mit ihr als Passagier geflogen. So richtig angefreundet habe ich mich allerdings mit dem dicken Brummer nicht. Gemeint ist die Transall. Als Nichtsoldat, aber zeitweise Militärberichterstatter durfte ich im Rumpf der Maschine auf Einladung der Luftwaffe mitfliegen. Die C-160 war mir zu laut, zu kalt und hatte auch sonst ein paar Einschränkungen, die man als Passagier von Linienmaschinen nicht kennt. Aber die Transall war ein zuverlässiger Lastenesel der Bundeswehr und ein gewohntes Bild in meinem Umfeld.

Nun ging die Ära der Transall zu Ende. Am 18. August 2021 kam es noch einmal zu einer Begegnung. Zwei Transall-Maschinen und ein Eurofighter überflogen auf einer Goodbye-Tour den ehemaligen Fliegerhorst Fürstenfeldbruck Fursty. Für mich war klar, dass ich da dabei sein wollte, wenn es vor meiner Haustür stattfindet.

Zum Abschied startete eine Transall in der Sonderlackierung als „Retro-Brummel“ eine Goodbye-Tour in Deutschlands Süden. Um 10:45 Uhr sollten die Maschinen über den wolkenverhangenen Himmel über Fürstenfeldbruck erscheinen. Es wurden ein paar Minuten später als das Brummen der Retro-Brummel zu hören war. Die 50 Tonnen schwere Maschine flog langsam dahin, daher der Spitzname Retro-Brummel.

Mit mir waren ein paar interessierte Schaulustige erschienen. Zwei Männer diskutieren über Einsatz der Maschinen, die meisten froren aber leise vor sich hin und wollten den Augenblick des Überflugs erleben. Einige hatten Kameras mit starken Teleobjektiven dabei. Ich war nur mit meinem iPhone bewaffnet – die Nikons hatte ich aus Faulheit zu Hause gelassen. Es gab einige professionelle Planespotter auf deren Bilder ich mich schon freue.
Als im August 2020 israelische und deutsche Kampfjets über Fursty flogen, war mehr Wums und Show geboten. Ich habe damals gebloggt, gefilmt und fotografiert.
Der Überflug des Trios war unspektakulär. Die Maschinen schwebten ein, flogen über den Wolkenverhangenen Flugplatz hinweg und verschwanden wieder in die Wolke – in drei Minuten war alles vorbei und die Transall ist Geschichte.

Von den 110 Transall, die die Luftwaffe seit 1968 in Dienst gestellt hatte, sind nur noch wenige flugtauglich. Bis Ende 2021 werden die verbliebenen Maschinen verschrottet oder an Museen abgegeben. Eine Transall ist bereits in der Flugwerft Oberschleißheim ausgestellt.

Film- und Musiktipp: Playgirl (1966)

16. August 2021

Es gibt Filme, die mir völlig unbekannt waren und die mich von den ersten Minuten an total faszinieren. Ein solcher Film ist Playgirl als dem Jahre 1966 von Will Tremper. Hier passt alles zusammen: Regie, Kamera, Darsteller, Musik und Drehort.

Playgirl spielt in Swinging Berlin 1965. Es war die Zeit vor den Studentenprotesten, APO und SDS, die sattsam filmisch verbraten wurden. Es war eine Zeit, in der mir das Berlin des Jahre 1965 unbekannt war. Der Übergang von einer zerstörten Hauptstadt des Dritten Reiches in eine pulsierende Metropole. Beide Themen waren exzellent angerissen und in die Handlung integriert. So eine Stadtatmosphäre eines Nachkriegsberlins habe ich bisher nur beim genialen Billy Wilder in Eins, zwei, drei erlebt.
Nun, Playgirl von Will Tremper ist unter der Oberfläche ein politischer Film, vielmehr ist er eine schön erzählte, rasante Geschichte mit einer Prise Gesellschaftskritik. Neue, moderne Zeiten brechen an. Regisseur Willi Tremper drehte in seiner Karriere vier Filme und war sonst als Journalist und Autor unterwegs. Sein Die endlose Nacht von 1963 erhielt einige Preise beim Deutschen Filmpreis. Ich muss den Film noch sehen und habe ihn auf meine Watchlist gesetzt.

Playgirl erzählt die Geschichte des lebensfrohen Models Alexandra Borowski, dargestellt von Eva Renzi, die ihr Glück in Berlin sucht und Männer und Situationen für ihre Zwecke ausnutzt. Im Grunde eine Art IT-Girl der sechziger Jahre. Uschi Obermeier ohne Politik, wenn man so will.


Als ich die DVD in den Player lag, erschien das Gesicht der wunderschönen Eva Renzi. Ich habe sie gleich erkannt, weil sie ein paar Jahre später in Rainer Erlers ersten Teil des Blauen Palais spielte, der zu meinen Lieblingen gehört.
Warum kam ich jetzt auf Playgirl, der bereits 2006 auf DVD erschien und 2014 wunderschön wieder aufgelegt wurde? Es war die Musik, die mich interessierte. Der Komponist des Films war Peter Thomas. Der Score wurde damals unter dem Namen von Klaus Dollinger vermarktet, weil Polydor wohl meinte, es sei der bekanntere Name. Aber der legendäre Peter Thomas komponierte die meisten Stücke des Scores in seiner typischen Manier und typischen flotten Sound aus Jazz, Beat und Easy Listening. Thomas, über den ich ja bereits zu Raumpatrouille und die Schlangengrube und das Pendel begeistert gebloggt habe, hat hier wieder seine musikalische Magie bewiesen. Thomas bewegt sich mit Charme und Esprit in der Welt Berlins. Film und Musik sind für mich eine wunderbare Liebeserklärung des Berlins des Jahres 1965.
Sowohl Film als auch Score wurden mir von Walter Potganski von moviemax aus München dankenswerterweise zur Verfügung gestellt.