Fotoband: Nibelungenhalle – Räume der Erinnerung von Rudolf Klaffenböck

Wer in Passau ist, sollte nach diesem Buch Ausschau halten:

Wer in Passau ist, sollte nach diesem Buch Ausschau halten:

Fotografen müssen mit ihren Bildern eine Geschichte erzählen. Damit unterscheiden sie sich von den Knipsern, die eine Situation ablichten wollen. Es ist schwer in einem Bild, eine Geschichte zu erzählen. Es ist noch viel eindrucksvoller, in einer Bildreportage diese Geschichte zu vertiefen. Auf ein hervorragendes Projekt bin ich in Passau gestoßen als der Künstler Rudolf Klaffenböck ein Buch mit dem Titel Nibelungenhalle: Räume der Erinnerung veröffentlichte.
Die Fotos waren auch Teile einer Ausstellung, die bis März 2006 in Passau lief. Ich erwarb jetzt erst den Katalog samt Autogramm.

Sogar ein Buch mit Autogramm hab ich erwischt.

Sogar ein Buch mit Autogramm hab ich erwischt.

Bei einem Besuch in Passau hörte ich in einer Gastwirtschaft wie ältere Passauer von den CSU-Veranstaltungen am Aschermittwoch in der Nibelungenhalle schwärmten. Ich spitze die Ohren und erfuhr so von dem hervorragendem Fotobuch von Rudolf Klaffenböck. Er fotografierte das Gebäude von 2002 bis zu seinem Abriss 2004 in einer Serie der „Räume der Erinnerung“. Die Schwarzweiß-Fotos erzählen die letzten Jahre des Baus und ich finde die Idee dahinter genial. Der politischen Nation ist die Nibelungenhalle durch die jährlichen CSU-Veranstaltungen zu früheren Zeiten bekannt. Ich selbst war noch nie bei einem politischen Aschermittwoch und würde gerne einmal die Atmosphäre spüren. Die Nibelungenhalle ist weg, die Dreiländerhalle ist da. Inhaltlich wird mir der größte Stammtisch der Republik wohl wenig geben. Den Bürgerinnen und Bürgern von Passau war die Nibelungenhalle als Zentrum für Veranstaltungen aller Art bekannt. Und das stellt dieser ausgezeichnete Fotoband in schwarzweiß dar. Die Nibelungenhalle war eine Halle und sie bot Raum für allerhand Geschichten, gute und schlechte. Als größter Kult- und Zweckbau der „Bayerischen Ostmark“ wurde es 1934/35 nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten errichtet, berichtet Hans-Peter Wipplinger, Direktor des Museums Moderner Kunst, Passau. Eigentlich sollte die Nibelungenhalle Ostmarkhalle heißen.
Die 74 Duotone-Tafeln der Ausstellung und des Buches haben mich fasziniert. Beim ersten Durchblättern suchte ich nach mir Bekannten und das waren natürlich die CSU-Veranstaltungen zum Aschermittwoch. Aber die Halle hat noch viel, viel mehr zu bieten. Für meine Passauer Freunde war sie ein klassischer Veranstaltungsort. Es gab Konzerte, Tanz, Treffen, Versammlungen. Es gab Stoiber, Erotikmesse, Hallenfußball und Motivationskapser. Trachtler trafen auf Vertriebene und Studenten sowie Kabarettisten. Daniel Küblböck folgte auf Haindling und Schülerinnen und Schüler schwitzten bei ihrer Abschlussprüfung. Klaffenböck dokumentiert Veranstaltungen und er dokumentiert die Halle selbst. In den letzten Jahren ihres Bestehens haben die Betreiber nicht mehr viel saniert und der Zahn der Zeit nagt an dem Gebäude und der Struktur. Es gibt Momentaufnahmen und Details, Stimmungen. Klaffenböck hat einen Blick für Skurriles. Als der Abriss der Nibelungenhalle begann hält Klaffenböck mit seiner Kamera drauf. Der Betrachter sieht die Wunden an dem Gebäude bis es schließlich vollständig verschwunden ist.
Wer in Passau zu Gast ist, sollte nach dem Buch Nibelungenhalle – Räume der Erinnerung von Rudolf Klaffenböck Ausschau halten. Der Kauf lohnt sich.

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