Archive for the ‘Medien’ Category

Sechs Trends für Corporate Video 2016

26. Januar 2016
Nikolai A. Behr sieht große Chancen für Bewegbild.

Nikolai A. Behr sieht große Chancen für Bewegbild.

Vor kurzem fand in der Münchner HFF der Trend Day Corporate Video statt. Bei dieser Branchenveranstaltung sprechen Marketing- und Videoleute miteinander, tauschen sich aus und fachsimpeln. Dieses Jahr war ich dabei und lauschte den Sechs Trends für Corporade Video 2016.


Nikolai A. Behr von brain script und Vorsitzender der CTVA – Corporate TV & Video Association e.V. zeigte, was in diesem Jahr Trend wird.
Trend 1: Corporate Video wird 2016 mutiger und extremer. Das Weihnachtsvideo von Edeka mit dem Opa, der seinen Tod inszeniert, damit die Familie zusammenkommt, ist ein klares Beispiel für diesen Trend.
Trend 2: Corporate Video wird noch emotionaler im Storytelling werden. Dabei werde sich die Marke etwas mehr entfernen vom Inhalt, so Nikolai A. Behr. Man versucht, über die starke Emotionalität erst einmal eine Verbindung zum Zuschauer zu erhalten und erst am Schluss die Marke zu präsentieren.
Trend 3: Die Produktionen im Bereich Corporate Video werden weiterhin steigen. Immer mehr Bereiche werden vom Bewegtbild und damit von Bewegtbildproduktionen erfasst werden. Auch im Bereich HR werde es mehr Formen von Bewegtbildkommunikation geben. Ein weiterer Bereich sind Erklärfilme – Menschen wollen immer weniger seitenlange PDFs lesen.
Trend 4: Der Content in Corporate Video wird bildgewaltiger. Um aus dem Einerlei der Clips herauszustechen, muss man starke Visuals haben. 360 Grad Videos können eine Möglichkeit sein. Es sei für den Zuschauer noch sehr unbequem, so Behr. „Es ist kein natürlicher Blickwinkel.“ Wenn der Mehrgewinn für den Zuschauer stimmt, dann kommen auch 360 Grad Videos.
Trend 5: Es kommt mehr zu intermedialen Kampagnen.
Trend 6: Die Produzenten von Corporate  Video werden mehr auf Stilmittel schauen und diese ungewöhnlich einsetzen. Dazu gehören Ironie, Selbstironie, Mehrsprachlichkeit und Slang.
Ich bin mal gespannt, was ich für meine Kunden umsetzen werde. Danke Nikolai für die Einblicke.

Über den Tellerrand blicken beim Trend Day Corporate Video

14. Januar 2016

Einmal im Jahr gibt es einen Pflichttermin für die Bewegtbildbranche im Firmenumfeld. Der Trend Day Corporate Video steht am 20. Januar wieder in München an und ich werde vorbei schauen. Die Organisatoren sehen als Zielgruppe die „Vordenker der deutschen und internationalen Marketing- und Kommunikations-Branche“ und da hab ich mich doch gleich angesprochen gefühlt. Aber ernsthaft: Es ist unglaublich wichtig über den Tellerrand zu schauen und eine Veranstaltung wie der Trend Day Corporate Video ist dafür immer richtig.
Für mich ist das Thema Corporate Video kein Trend nur bei großen Unternehmen, sondern auch ideal für den Mittelstand. Ich bin sehr gespannt, welche Eindrücke ich hier vom Trend Day Corporate Video mitnehmen kann.
Die Keynote hält Matthew Knott, Head of Global Brand Communications & CRM at Rolls-Royce Motor Cars Ltd zum Thema Social media marketing at Rolls-Royce Motor Cars Ltd. Mal sehen, welche Einsichten ich über die Arbeit von Rolls-Royce bekomme. Ich erinnere mich an frühere Plakatwerbung als ein Porsche-Fahrer einen Rolls-Royce-Chauffeur fragt: „Wie viel PS hat denn ein Rolls-Royce?“ Die Antwort war: „Genug!“ Mal sehen, ob dieser wunderbare britische Humor auch in Social Media-Kanälen möglich ist oder ob nur schöne Autofilmchen zu sehen sind.
Ganz besonders freue ich mich auf Sascha Welters, Head of Brand Strategy, Twitter Deutschland, mit dem Vortrag: „The Power of Jetzt – wieso der Moment für Marken bedeutender wird.“ Mal sehen, ob Sascha Welters etwas zu „beyond 140“ erzählt – eine Entwicklung, die ich für unnötig bei Twitter halte. Twitter verliert für mich sein Alleinstellungsmerkmal, wenn die 140 Zeichen Grenze fällt.
Und auch freue ich mich auf den Haudegen Klaus Eck, Gründer und Geschäftsführer d.Tale. Er spricht über die „Die Content Marketing-Lüge“. Dabin ich gespannt, was sich dahinter verbrigt. Nachdem ich als Journalist seit Anbeginn im Storytelling unterwegs bin, sind jetzt auch die Unternehmen aufgewacht und wollen Geschichten erzählen. Leider können es Marketingleute nicht, weil sie nur ihr Produkt im Kopf haben. Mal sehen, ob ich etwas neues erfahre.
Es sind noch viele weitere Referenten mit interessanten Vorträgen auf dem Podium. Wer sich für den Trend Day Corporate Video am 20. Januar anmelden will, kann dies hier tun. Veranstaltungsort ist die Hochschule für Fernsehen und Film in München.

Buchtipp: The Art of The Lord of the Rings

13. Januar 2016

Tolkien

Das Buch Herr der Ringe feierte vor kurzem seinen 60. Geburtstag. J.R.R. Tolkien hat mich für eines der wichtigsten Bücher überhaupt geschrieben. Als Jugendlicher kam ich mit dem Mittelerde-Virus in Berührung und wurde infiziert. Seitdem verschlinge ich alles, was aus dem Mittelerde-Universum kommt: Bücher, Filme, Figuren, Spiele und mehr. Viele Sachen sind zwei- oder gar drittklassig, aber so dann und wann werden wirkliche Schätze auf den Markt gebracht.


Zum 60. Geburtstag des Herr der Ringe erschien ein wunderbares Buch, dass ich allen Fans von Mittelerde ans Herz legen möchte: The Art of The Lord of the Rings. Wie zuvor das ebenfalls empfehlenswerte Buch über Zeichnungen des Hobbits zeigt der liebevoll gestaltete Band die Ideenwelt von Tolkien. Über das Hobbit-Buch, das zum 75. Geburtstag des Erscheinen des Kinderbuches veröffentlicht wurde, habe ich mich bereits in diesem Blog geäußert.


Das neue Buch The Art of The Lord of the Rings enthält rund 200 Zeichnungen, Malereien, Entwürfe zur Buchausgabe des Herrn der Ringe. Sie waren als Illustration des Buches, aber auch als Erinnerungsstütze für den Autoren gedacht. Beim Betrachten des Buches wird mir klar, welch großer Universalkünstler Tolkien war: Der Professor für Sprachen war ein typischer Intellektueller seiner Zeit: Und dazu gehörte damals einfach Malen und Zeichnen dazu.
Aber die ganze Sache ist wirklich nur etwas für Hardcore-Fans. Die Freunde des Films werden von der Tiefe des Materials erschreckt sein – aber wer Tolkien kennt, weiß, welches Hirnschmalz der Autor in sein Universum gepackt hat. Der kreative Prozess der Entwicklung einer komplexen Welt kann hier nachempfunden werden. Es ist nicht einfach dahingeschrieben und mit ein paar Bildern versehen, nein Tolkien hat ganze Arbeit abgeliefert. Er war ein Professor, der nicht einfach mal so ein Buch abliefert, sondern die ganze Sache hat es in sich. Mir hat dieses komplexe Werk Spaß bereitet, aber mich auch angestrengt. Manches Mal habe ich mir gedacht: Mensch Tolkien, lass einfach mal gut sein. Dennoch für Tolkien-Fans ist dieses Buch The Art of The Lord of the Rings ein absolutes Muss.

Wenn das Geoblocking im TV-Bereich fällt

9. Januar 2016
Geoblocking im TV-Bereich soll 2017 fallen. © Female photographer / Fotolia.com

Geoblocking im TV-Bereich soll 2017 fallen. © Female photographer / Fotolia.com

Und so etwas nennt sich nun weltweite Vernetzung? Wenn ich auf meinen Auslandsreisen auf die Mediatheken meiner heimatlichen deutschen Sender zugreifen will, dann geht das Geoblocking dazwischen. Ich kann in Großbritannien die ARD-Mediathek nicht online abrufen. Begründung: Der deutsche Gebührenzahler blecht mit seiner Zwangsabgabe für die ARD und nur in Deutschland kann er diese online abrufen.
Was macht nun der Weltenreisene? Er installiert sich eine VNP-Verbindung, die der ARD-Mediathek vorspielt, man sei in Deutschland und der Weltenreisende kann von überall auf der Welt die ARD schauen. Ähnlich geht es dem Bundesbürger, der die absult sehenswerten BBC-Sendungen aus GB anschauen will. Anderes Beispiel ist das GEMA-Gemurkse mit YouTube.
Das soll sich nächstes Jahr alles ändern. Geht es nach der EU-Kommission, gibt es für Online-Abodienste wie Netflix oder Sky bereits ab 2017 keine geografischen Zugangsbeschränkungen mehr. Internetnutzer sollen endlich europaweit auf ihre abonnierten Bewegtbild-Inhalte zugreifen können. Das ist interessant für die Consumer. Aber wie müssen sich Broadcaster auf die neue Situation einstellen? Welche Auswirkungen das europäische Aus des Geoblocking auf den Broadcasting-Sektor hätte, hat Adobe in fünf zentralen Punkten zusammengefasst:
Adobe sieht erst einmal neue Märkte. Große Content-Anbieter können direkt in neuen Märkten durchstarten: Mit der nutzerbasierten Aussteuerung ihrer Inhalte eröffnen sich großen Content-Anbietern völlig neue Geschäftsmodelle. Statt ihren Content wie bisher über lizensierte lokale Services oder Broadcaster des jeweiligen Landes zu vermarkten, können sie sich künftig direkt an den Endverbraucher wenden und eine echte, nachhaltige Kundenbeziehung aufbauen.
Vielleicht brauchen wir auch andere Bild- und Filmsprachen? Mehr Erfolg durch international adaptierbaren Content: In Zukunft wird der Erfolg des Bewegtbild-Contents entscheidend davon abhängen, wie gut er für den länderübergreifenden Einsatz adaptierbar ist. Bereits durch das Angebot von Untertiteln oder mehreren Sprachspuren kann die Publikumsreichweite erheblich gesteigert werden.
Content Delivery Networks (CDNs) profitieren von europäischer Reichweite: Das Ausspielen von Video Content ist inzwischen relativ einfach. Vielen kleineren CDNs fehlt es jedoch noch immer an internationaler Reichweite, die sie durch die grenzüberschreitende Nutzung ihrer Inhalte schon bald kompensieren könnten.
TV-Werbung wird zunehmend programmatisch: Programmatic Advertising gewinnt in der TV-Werbung rasant an Bedeutung, um die Segmentierung der auf europäischer Ebene explosionsartig gewachsenen Zielgruppen erfolgreich zu bewältigen sowie das vergrößerte Inventar der Broadcaster und Over-the-Top-Content (OTT) Anbieter in den einzelnen Ländern erfolgreich zu vermarkten.
Kleinere Anbieter müssen ihren Workflow anpassen: Die meisten großen Player verfügen bereits über die nötigen Voraussetzungen, um die Möglichkeiten eines digitalen Binnenmarktes für sich zu nutzen. Kleinere Anbieter müssen sich dieser Herausforderung erst noch stellen. Unterstützung liefern dabei die technischen Lösungen – z. B. Adobe Primetime, die TV Everywhere-Plattform für Broadcaster zur nahtlosen Bereitstellung und Monetarisierung von Bewegtbild-Inhalten.

Einfaches Schwebestativ für den mobilen Journalisten

7. Januar 2016
Das Mantona Schwebestativ ist kein Wunderwerk, aber für den Preis durchaus empfehlenswert.

Das Mantona Schwebestativ ist kein Wunderwerk, aber für den Preis durchaus empfehlenswert.

Im Moment bereite ich ein Seminar über mobilen Journalismus, mobile Pressearbeit vor. Also einfach Dinge, die ich bisher als Medienfuzzi am Rechner gemacht habe und nun am Smartphone und am Tablet erledigen kann. Dazu gehört natürlich aus das große Thema Video. Für das iPhone 4 hatte ich ein angenehmes Steadycam und jetzt wollte ich eine preiswerte Lösung für die aktuellen Kameras wie iPhone oder GoPro Hero. Meine Wahl fiel auf das Mantona Schwebestativ.
Es ist natürlich kein ausgereiftes Steadycam-System, aber für einen kleinen Preis kann man ein paar interessante Einstellungen machen. Die Bauweise der Steadycam-Halterung ist sehr stabil. Das Schwebestativ stabilisiert meine Aufnahmen und sorgt für ein verwicklungsfreieres Bild. Wie gesagt, Wunder darf man sich von dieser Lösung nicht erwarten, aber für den mobilen Journalisten in mir, ist das System durchaus geeignet. Die Kamera wird über ein Standard 1/4-Zoll Gewinde am Stativ angeschraubt – für die GoPro gibt es einen extra Adapter vom Hersteller oder vom chinesischen Billiganbieter. Für den Ausgleich sorgen drei Gegengewichte 2x 30 Gramm und 1x 100 Gramm. Mit einer eingebauten Wasserwaage lässt sich die ganze Sache ins Lot bringen und mit den Gewichten einstellen.


Das Resulat ist ok, aber mehr auch nicht. Ich habe zudem von dji die Osmo im Einsatz. Sie schlägt das mantona-System um Welten, leider auch im Preis. Ich werde über die dji Osmo gesondert berichten, weil sie eher für den professionellen Einsatz gedacht ist, als das Mantona Schwebestativ.
Die Verarbeitung beim Mantona Schwebestativ ist durchweg gut und das System ist praktikabel. Im Grunde ist das System reine Übungssache, denn der Kameraarm muss ruhig bewegt werden. Grobmotoriker oder Hektiker haben da keine Chance. Wenn der Arm ruhig bleibt, dann sind die Bewegungen fließend. Aufpassen bei starken Wind oder Seegang, dann wackelt es ziemlich. Jeder Kameramann sollte seinen eigen Rhythmus finden. Ich strecke die Arme weiter weg vom Körper, dann werden meine Schwenks gleichmäßiger. Achtung, es sind aufgrund der Bauweise nur horzontale Schwenks möglich – auf und ab geht natürlich nicht.
Das Mantona Schwebestativ ist kein Wunderwerk, aber für den Preis durchaus empfehlenswert. Wer mehr braucht und sich auch mehr leisten kann, sollte die dji Osmo wählen.

Inspiration pur: Humans of New York von Brandon Stanton

4. Januar 2016
Absolut tolles Buch: Humans of New York

Absolut tolles Buch: Humans of New York

Ab und zu brauche ich als Blogger ein wenig Motivation und Inspiration. Beides hole ich mir von anderen Bloggern aus dem Netz. Ich schaue, was und wie es diese erfolgreichen Kollegen so machen.
Neulich war es wieder soweit. Nachdem ich wochenlang für verschiedene Kunden durchgehend gearbeitet hatte, brauchte ich wieder ein wenig Inspiration. Gefunden habe ich sie bei Brandon Stanton mit seinem Blog Humans of New York. Ich folge dem Tumblr-Blog des US-Kollegen schon seit langem, aber jetzt erst habe ich mir das gleichnamige Buch zu seinem Blog gekauft. Als das Buch 2013 geplant war, gingen 30.000 Vorbestellungen für das Buch Humans of New York ein und es wurde später sogar Nummer 1 bei der Bestseller-Liste der New York Times.


Brandon Stanton ist ein typischer Street Photographer. Er sucht sich seine Motive in den Straßen von New York. Und dann erzählt er Geschichten. Und das inspiriert mich enorm, schließlich bin ich als Journalist auch ein Geschichtenerzähler. Brandon Stanton macht es uns Geschichtenerzählern vor, wie man heute Geschichten erzählt. Er selbst bezeichnet sich als Street Photographer.


Diese Kunstform wird bei uns aufgrund der Persönlichkeitsrechte und der deutschen Mentalität nicht möglich sein. Wer in Deutschland so etwas machen will, der sollte juristisch gewappnet sein und seine Modelle auf der Straße für die Veröffentlichung unterschreiben lassen. Es ist ein völlig unrealistischer Gedanke fremde Leute auf der Straße anzusprechen, sie zu fotografieren und dann schriftlich eine Veröffentlichung von ihnen zu bekommen. Da bin ich auf die US-Kollegen schon sehr neidisch.


Der Blog begann als reiner Fotoblog. Inzwischen wurde Hony, wie er auch von Brandon Stanton genannt wird, um Artikel bereichert. Es sind einfühlsame Portraits über die fotografierten Personen. Das ist natürlich keine klassische Berichterstattung im deutschen Sinne, aber sehr lesenswert.
Ich empfehle allen visuellen Menschen und New York-Fans den Blog von Brandon Stanton und natürlich auch das Buch Humans of New York. Diese Veröffentlichungen haben mich inspiriert. Vielleicht gelingt das auch bei euch.

Buchtipp: Commodore 64 a Visual Commpendium

3. Januar 2016

C64Book

Ich bekenne, ich hänge weiterhin am Retrotropf. Mit meinen Kindern habe ich meinen alten digitalen Brotkasten wieder ausgepackt. Die Datasette und der 4-Farbplotter waren auch dabei. Via Simon’s Basic spielte ich ein paar Programme ein und schwelgte in alten Zeiten. Daher kaufte ich mir ein Bilderbuch, das meine Retrosehnsucht verstärkt. Commodore 64: a Visual Commpendium ist eine Reise in meine Gamer-Vergangenheit.


Im September 2014 erschien das hübsche 232seitige Buch voller Screenshots in Großbritannien. Ich weiß, solche Bücher gibt es viele und die Puristen werden sich sofort melden. Einige dieser Bücher davon habe ich bereits in diesem Blog besprochen wie Push Start. Aber irgendwie hatte ich wieder Lust auf diese alten C64-Abenteuer. Im Geiste höre ich den 8 Bit-Sound, erinnere mich an die Pixelgrafik. Es ist schon komisch, viele dieser Spiele liegen etliche Jahre zurück und dennoch erinnere ich mich daran, wie fasziniert sie damals für mich waren. Natürlich die Grafik an meiner PlayStation 4 ist besser, doch sind die Spiele wirklich besser geworden? Auf die Spielidee kommt es an, nicht unbedingt ob die grafische Umsetzung besser ist. Es ist wie beim Film: Auf die Handlung, auf die Schauspieler, auf die Inszenierung kommt es an – nicht auf CGI oder Renderings.


Das Buch mit Spielen des Commodore 64 war der Start einer ganzen Reihe von Retrobüchern bei Bitmapbooks. Es folgte ein Buch über den Amiga und im Dezember 2015 sogar ein Buch Sinclair ZX Spectrum. Die Idee der Buchreihe ist simpel, aber genial. Die Herausgeber haben Spieleentwickler und Programmierer befragt, die mit dem C64 und dessen Spielen aufgewachsen sind. Diese Statements sind kurz, leicht zu lesen und sind vor allem sehr persönlich. In Kombination mit den Screenshots schaffen sie die richtige Wohlfühlatmosphäre für Retrogamer. Es geht nicht um die Versionsgeschichte, sondern es geht um persönliche Erinnerungen aus dem frühen Silikonzeitalter.
Ich werde also noch ein paar Tage in der Vergangenheit schwelgen und mir das Buch Commodore 64: a Visual Commpendium durchsehen, kleine Geschichten lesen und dann wieder an meine Arbeit gehen.

Lob für Social Media-Information der Polizei München

2. Januar 2016

Der Jahreswechsel war gezeichnet durch massiven Einsatz von Social Media-Berichterstattung. Zum einen war da der schreckliche Brand eines Hotelhochhauses in Dubai, zum anderen war der mögliche Terroranschlag in München. Von beiden Ereignissen wurde ich an Silvester durch soziale Netzwerke informiert.

Via Periskope sah ich mir den Brand in Dubai an.

Via Periskope sah ich mir den Brand in Dubai an.

Es zeigte sich, dass Twitter das richtige Social Media-Werkzeug in beiden Fällen war. In 140 Zeichen kamen die Breaking News auf mein iPhone. Hashtags sorgten für den entsprechenden Filter. Gegen 19:30 Uhr war es der Hotelbrand in Dubai. Und weil der Brand mitten in der Stadt lag, übertrugen einige User den Brand via Periscope. Befürchtungen, dass sich ein 11. September wiederholen konnte, kamen kurzzeitig bei den Kommenatoren auf. Verschiedene Periscope-Nutzer zeigten das brennende Haus aus verschiedenen Perspektiven und das Netz war weltweit dabei. Da ich kein Arabisch spreche, ließ ich mir nur die englischen Tweets anzeigen, um zu wissen, was vor sich ging und wie sich die Leute fühlten.

Die erste Terror-Warnung der Münchner Polizei über Twitter.

Die erste Terror-Warnung der Münchner Polizei über Twitter.

Am späteren Silvesterabend um 22:40 Uhr kam dann ein Tweet der Polizei München. Der offizielle Twitter-Account gab eine Terrorwarnung heraus. Auch auf Facebook war sie zu lesen. Man sollte in der Silvesternacht Menschenansammlungen in München meiden. Zudem wurden der Hauptbahnhof München und der Fern- und Regionalbahnhof München-Pasing geräumt. In Windeseile verbreitete sich diese Nachricht aus der Landeshauptstadt München durchs Netz. Die Netzwerkeffekte in Twitter und auch in Facebook sorgten für die entsprechende Reichweite. Als Informationsmedium hatte Facebook seine Berechtigung. Als Newstool ist es zu langsam und unbrauchbar.

Twittert vorbildlich: Die Münchner Polizei

Twittert vorbildlich: Die Münchner Polizei

Interessant war, dass der Polizeireporter des BR am nächsten Tag im Fernsehen vermeldete, dass die Münchner ja auf den Straßen waren und von den Durchsagen im Radio nichts mitbekamen. Hallo Smartphone-Generation? Auch wenn man noch so besoffen ist, das Smartphone ist dabei und über irgendeinen Kanal bekam man die Meldung schon mit. Dabei ist es egal, ob WA an diesem Abend einen Aussetzer hatte.
Ich führte im vergangenen Jahr mehrere Social Media-Schulungen für deutsche Polizisten und Ministerialverwaltungn durch und muss für mich feststellen: Die Münchner Polizei hat ihre Sache sehr, sehr gut gemacht. Chapeau. Während andere Polizeieinheiten noch im digitalen Nowhere-Land vegetieren, zeigt die Münchner Poilizei, wie Presse- und Öffentlichkeitsarbeit im 21. Jahrhundert funktionieren kann. Sie nutzen Twitter nicht nur als Sende- sondern als Dialogmedium. So wurden Fragen beantwortet, ob der Flughafen auch gesperrt sei. Natürlich lag im Fall der Terrorwarnung die Hauptkommunikation auf ein Sender-Empfänger-Modell wie in klassischen Massenmedien. Der Dialog trat hier in den Hintergrund.
Bereits zur Wiesn-Zeit haben wir eine sympathische Polizei München in den sozialen Netzwerken erlebt. Einen Höhepunkt bekamen wir sicher zum Start von Star Wars VII zu sehen. Die Münchner Polizei veröffentlichte ein Fan-Plakat im Star Wars-Style und sorgte für Reichwerte und Likes.

In verschiedenen Sprachen wurde von der Polizei München getwittert.

In verschiedenen Sprachen wurde von der Polizei München getwittert.

Bei der Terrordrohung war freilich Schluss mit lustig und die Information war nüchtern, klar, schnell und vor allem professionell. Der Tweets zum drohenden Terroranschlag wurden in verschiedenen Sprachen abgesetzt, denn München ist eine internationale, offene Stadt mit vielen Gästen aus aller Welt.

Zunächst wurde klassisch gesendet, dann trat man in den Dialog ein.

Zunächst wurde klassisch gesendet, dann trat man in den Dialog ein.

Twitter, Facebook-User und klassische Massenmedien nahmen die Terrorwarnungen auf und verbreiteten sie. Der Netzwerkeffekt kam wiederum zum Tragen. Meine Timeline war voll mit dem Thema. Auf der einen Seite gab es die üblichen Silvesterbilder, auf der anderen Seite die Terrorwarnungen und entsprechende Kommentare. Das Doofvolk („Ich hab ja nichts gegen Ausländer, aber …“) war auch dabei und zündelte schon wieder am rechten Rand. Den Vogel schoss der Pegida-Heini ab.
Die Polizei setzt auf Twitter als schnelles Informationsmedium und das ist richtig so. Die Polizei schreibt: „Wir arbeiten mit Nachdruck sowie hohem Personaleinsatz an der Bereinigung der Lage sowie der Ermittlung möglicher Tatverdächtiger.
Wir halten Euch hier und auf unserer Twitter Seite @polizeimünchen auf dem Laufenden!“

Gegen 2 Uhr nachts kam noch die erste Periskope-Übertragung der Polizei hinzu.

Gegen 2 Uhr nachts kam noch die erste Periskope-Übertragung der Polizei hinzu.

Gegen 2 Uhr morgens kam zudem wieder Periscope zum Einsatz. Zum ersten Mal übertrug die Münchner Polizei ihre Pressekonferenz live via Periscope ins Netz. Zwar hatten die Polizisten noch einige Tonprobleme, aber die Botschaft kam an. Innenminister Joachim Herrmann hatte zudem ein so lautes Organ, dass man den CSU-Politiker einigermaßen verstehen konnte.
Es geht mir nicht darum, ob die Münchner Polizei hätte warnen dürfen oder nicht. Das kann ich nicht beurteilen. Mein Bauch sagt mir, dass es richtig war. Vollkommen richtig war der zeitgemäße Einsatz von Social Media. Chapeau – und ich freue mich, dieses Beispiel in meinen Social Media-Schulungen mit der Polizei zu zeigen.

Via Facebook kam dann die ausführliche Stellungnahme. Tools richtig eingesetzt.

Via Facebook kam dann die ausführliche Stellungnahme. Tools richtig eingesetzt.

Buchtipp: The Art of Inside Out

1. Januar 2016

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Als ich den Trailer zum Pixar-Film Alles steht Kopf zum ersten Mal sah, dachte ich mir enttäuscht: eine belanglose Komödie über das Erwachsenwerden aus der Animationsschmiede. Ich kam mir vor als ob ich einen Otto Sketch meiner Jugend sah: Hirn an Faust … Richtig begeistert war ich aufgrund des deutschen Trailers vom Film nicht, schaute mir aber pflichtbewusst den Film Alles steht Kopf im örtlichen Kino an. Schließlich hatte mich Pixar in der Vergangenheit noch nie enttäuscht.
Und was soll ich sagen? Der Film war ganz, ganz anders als der Trailer es versprochen hatte. Der 15. Pixar Film war wahnsinnig unterhaltsam und hatte eine große Tiefe, genau wie ich es von einem Pixar-Film erwarte.


Im Februar 2016 wird der Film als DVD, Blu ray und Download erscheinen. Zudem gibt es eine limitierte 3-Disc Special Edition. Als Bonus gibt es ein Wiedersehen mit Riley und ihren Emotionen in der exklusiven Premiere des Kurzfilms „Rileys erstes Date?“ sowie der paradiesisch-schöne Kurzfilm „Lava“.
Im Grunde geht es bei Alles steht Kopf um Emotionen. Es geht um die Kombination von Freude, Zorn, Ekel, Kummer und Angst. Der alte Freud hätte seine Freude an diesem Film gehabt. Regisseur Peter Docter, der uns schon Monster AG und Oben brachte, hat ganze Arbeit geleistet und wurde von den beiden Hirnforschern Paul Ekman und Dacher Keltner fachlich unterstützt.


Meine Neugierde über die Entstehungsgeschichte des Films war geweckt. Nachdem Alles steht Kopf technisch keine Neuerungen aufwies, musste die Innovationen auf anderen Gebieten liegen. Technisch war Pixar immer vorne mit dabei. Als Chefredakteur der wichtigsten deutschsprachigen 3D-Zeitschriften erlebte ich die Wasserspiegelungen in Findet Nemo, die Haare in die Unglaublichen und das Fell in Monster AG. Alles steht Kopf brachte in dieser Hinsicht keine Erneuerung durch die Software Renderman und Marionette. Pete Docter setzte auf erzählerische Tiefe und Kreativität.
Diese Kreativität kommt bei dem Buch The Art of Inside Out voll zum Tragen. Anders als die frühen Pixar-Filme wurde hier gleich zu Beginn mit digitalen Werkzeugen gearbeitet. Kreide, Marker, Pinsel kommen aber ebenso weiterhin zum Einsatz. Diese Abwechslung bringt unterschiedliche Sichtweisen auf das Thema Emotionen. Die Frage ist doch: Wie stellt ein Künstler Emotionen bildlich dar? Nicht, wie erzeugt ein Künstler Emotionen? Da wäre der Film beim Walt Disney-Konzern an der richtigen Adresse. Disney ist Spezialist, wenn es um das Erzeugen von Emotionen geht. Da braucht es dann schon Pixar, um die Emotionen selbst darzustellen. Und das gelingt in diesem Buch fabelhaft.
Deutlich bemerkt der Leser den Einsatz von Farben, die in unserem Kulturkreis mit Emotionen besetzt sind, wie Rot für Zorn. Ich würde gerne den Film mit Leuten aus anderen Kulturkreisen ansehen und mit ihnen über die Farben und Emotionen diskutieren. Für mich ist die Darstellungsweise meine gewohnte westliche Sichtweise.


Beim Lesen des Buches bzw. Betrachten der Bilder habe ich mir Gedanken über Emotionen gemacht. Es hat mich entsetzt, dass ich Helden meiner Jugend ebenso vergessen habe, wie die Helden in dem Film. Was ist das Gehirn doch für ein seltsamer Ort?
Ich empfehle jedem den Film Alles steht Kopf und das Buch The Art of Inside Out, wenn er sich über Gefühle Gedanken machen will, wenn er etwas über Kunstgeschichte lernen will, wenn er sich selbst kennenlernen will. Und Gott sei Dank ist kein Film/Buch auf Otto Niveau herausgekommen.

Münchner Moment: Wenn Pac Man auf Mario trifft

21. Dezember 2015
Im Werk 1 trifft sich die Gaming-Szene in München.

Im Werk 1 trifft sich die Gaming-Szene in München.

München hat Kultur – zweifellos. Oper, Theater, Konzerte, Film, Ausstellungen – das alles gibt es in der bayerischen Landeshauptstadt. Etwas versteckt gibt es aber auch eine andere Form von Kultur – die Spielekultur in Form von Videogames.
Ja, richtig: Ich bezeichne Videospiele als Kulturgut und der Verein Videospielkultur pflegt diese Form von Kulturgütern im Werk 1. Termine gibt es auf der Facebook-Seite.
Das Werk 1 befindet sich auf dem Gelände der Pfanni-Werke und war eine Zeitland als Kunstpark Ost bekannt. Einmal im Monat darf der VSK im Werk 1 einen Spieleabend veranstalten. Sobald ich die Treppen zu den Räumlichkeiten vom Werk 1 im zweiten Stock erklommen habe, erlebe ich einen dieser Münchner Momente.

Hoch gehts in Spieleparadies.

Hoch gehts in Spieleparadies.

Die Tür öffnet sich. Der Sound von verschiedenen Videospielen bricht über mich herein. Der große Raum von Werk 1 ist voll mit jungen Leuten, die miteinander spielen. Was gibt es Schöneres? Sofort werde ich eingeladen zum Mitspielen? Jetzt bin ich sicherlich nicht mehr der Jüngste. Und dennoch: Wir spielen zusammen und das finde ich großartig.


Die Jungs mit den umgedrehten Caps haben kein Problem mit mir im Anzug und ich habe kein Problem mit ihnen. Nicht Äußerlichkeiten zählen, sondern die gemeinsame Liebe zum Spiel. So ist mein München: Leben und leben lassen, egal wer man ist, eben Münchner Momente

Das Archiv - der Himmel auf Erden.

Das Archiv – der Himmel auf Erden.

Ich laufe durch das Werk 1. Über einen großen Beamer läuft Mario Kart 8 auf der Wii U. Mein Sohn greift zu den Controllern, ich schließe mich an und sofort setzen sich zwei weitere Spieler dazu. Runde um Runde jagt mein Kart durch die Strecke und natürlich bin ich letzter. Die Auge-Hand-Koordination ist bei mir nicht so gut, wie bei meinen Mitspielern. Aufmunternd wird mir auf den Rücken geschlagen. Ich habe mich mit meiner Niederlage längst abgefunden und dennoch macht es einen riesigen Spaß.
Meine Welt ist eher die Welt der Telespiele, wie die Videogames in meiner Jugend heißen. Ich zockte in Italien in den Spielhallen an den Arcademaschinen. Ich bin eben ein Retrogamer. Pac Man, Space Invaders waren meine Spiele. Meine Eltern kauften wir damals ein Atari 2600 und ich spielte und spielte und spielte. Später kam der Commodore C 64 dazu und ich stieg ins digitale Zeitalter ein. Meinen Eltern erzählte ich, dass ich den Volkscomputer C64 für die Schule brauchte und ich glaube, ich habe auch einmal Hausaufgaben darauf gemacht. Vor allem habe ich gespielt und mich wohl gefühlt. 8 Bit Sound und Pixelgrafik waren meine Welt.


Und diese Welt finde ich im Werk 1 bei der monatlichen Gameslounge vom VSK wieder. Es sind einige Konsolen der alten Zeit aufgebaut. Mein Sohn und ich probieren die Spiele durch. Er ist begeistert, ich auch. Wir sind so begeistert, dass wir ein altes Atari 2600 gebraucht kaufen und auf dem 55 Zoll TFT zu Hause die alten Heuler zocken. Pixelig ist gar kein Ausdruck auf dem hochauflösenden TV. Mein Vater hat deshalb zum Zocken noch eine alte Röhre besorgt. Wir haben zwar die PS2, PS3, PS4 und Wii U im Einsatz, aber die alten Games haben bei uns ihre Berechtigung. Sie gehören zu unserer Kultur unserer Familie, wie auch der jährliche Besuch der Wagnerfestspiele in Bayreuth mit meiner Frau. Videospiele werden in unserer Gesellschaft noch immer zu wenig als das wahrgenommen, was sie sind: Eine junge künstlerische Ausdrucksform, die eine Fusion aus Musik, Film und Literatur bildet, ergänzt um interaktive Elemente. Damit gebührt Videospielen der Platz als gleichberechtigte Säule im kulturellen Kanon unserer Gesellschaft. Für die politische, akademische und gesellschaftliche Anerkennung von Videospielen als wertvolles Kulturgut setzt sich Videospielkultur e. V. ein.


Ich spreche Alexander Krause vom VSK an. Bei ihm werde ich Mitglied in dem Verein, denn so etwas unterstütze ich gerne. Er zeigt mir das Archiv und ich könnte heulen. Heulen vor Glück. Regalmeter um Regalmeter sind dort alte und neue Videospiele aufgereiht – nach Gameplattformen geordnet. Schätze sehe ich, die als Kind spielte. Hier liegen sie. Der Schwerpunkt der Sammlung liegt auf PC-Spiele. Ich hatte nie einen Windows-Rechner – ich ging vom Atari 520 ST direkt auf den Mac und bin seitdem bei dem Apple-System geblieben. Das Mac OS war nie so richtig eine Gamingplattform, aber einige Sachen gab es. Bei einem der nächsten Besuche im Werk 1 spendete ich einige meiner Mac-Spiele dem Verein. Immer wenn ich die Gaming Lounge besuche, erlebe ich einen meiner Münchner Momente.
Die Landeshauptstadt München veranstaltet eine Blogparade „Münchner Momente“ – Geschichten aus meiner Lieblingsstadt. Als gebürtiger Münchner ist es für mich eine Selbstverständlichkeit dort als Blogger mitzumachen.