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Verwaltung muss Bürger auf Augenhöhe begegnen

8. Oktober 2019

Versteht ihr eigentlich die Schreiben, die euch eine Behörde schicken? Seid ihr fit im Behörden- und Juristendeutsch? Ich bin es nicht und daher gibt es für Leute wie mich Klaus Holetschek in Bayern. Er ist Bürgerbeauftragter der Bayerischen Staaregierung und er hat allerhand zu tun.

Vor kurzem stellte er im Rahmen einer Veranstaltung bei der Hanns Seidel Stiftung die Studie Mittelpunkt Bürger: Dialog, Digital und Analog vor, die kostenlos bei der HSS erhältlich ist. Die Studie beschreibt das Problem, dass Behörden und Bürger nicht auf einer Sprachebene kommunizieren und welche Lösungsansätze es hier gibt. Um die Studie zu untermauern und weitere Ergebnisse zu sammeln, wurde bei der HSS der Workshop-Tag durchgeführt.

Neben zwei Statements von Markus Ferber, MdE und stellvertretender Vorsitzender der HSS, und Bürgerbeauftragter Klaus Holetschek, MdL, wurde konkret in vier Workshopgruppen gearbeitet. Ich war in den Arbeitsgruppen Social Media sowie Behördensprache dabei. Während in einer Gruppe sich ein Dialog mit Markus Ferber entwickelte, war die zweite Gruppe eher ein Wunschkonzert der Bürger an die Verwaltung.

In dieser Gruppe wurde beispielsweise der Wunsch nach einer Art Ticketsystem laut, das in der freien Wirtschaft schon lange umgesetzt wird. Die Verwaltung gibt einen Zwischenbescheid, wie weit eine Anfrage fortgeschritten ist. Das ist besonders bei Bauanträgen interessant, bei denen viele unterschiedliche Stellungnahmen eingeholt werden müssen. Diese Statusabfrage schaffe Transparenz.

„Der Bürger möchte, dass auf Augenhöhe mit ihm kommuniziert wird“, stellte Klaus Holetschek klar. Keine hierarchischen Diskussionen werden gewünscht, sondern ein wirklicher Austausch. „Verständlichkeit ist wesentlich.“ Sein Wunsch: „Wir müssen die Digitalisierung nutzen, um mehr Zeit für ein Bürgergespräch zu haben.“
Hier ein Video mit Ausschnitt von Holetscheks Abschlussrede, die auch live ins Netz übertragen wurde.

Allen Teilnehmern war klar, dass Social Media und Digitalisierung allgemeine eine neue Form von Kommunikation gebracht haben. „Kommunikation muss in den Mittelpunkt des politischen Handelns gestellt werden.“ In der Studie wird die Idee des Beamten zum Bürgerberater dargestellt. Ich denke, dieses System gibt es bereits und wird auch gelebt, dennoch ist es bei so manchen Beteiligten nicht angekommen. So gebe ich mir Mühe in meinen Schulungen für die bayerische Ministerialverwaltung verständliche Sprache zu vermitteln. Holetschek regte an, Bürgernahe Kommunikation nicht als Fortbildungskurs in der Verwaltungsausbildung durchzuführen, sondern ein eigenständiges Ausbildungsmodul zu schaffen. Da bin ich gerne mit dabei und biete meine Dienste an.
Hier ein Videointerview, das ich mit Klaus Holetschek nach der Veranstaltung geführt habe. Dort spricht der CSU-Landtagsabgeordnete sogar noch Revolution, aber schaut selbst:

Der Europaabgeordnete und stellvertretende Vorsitzende der Hanns Seidel Stiftung Markus Ferber mahnte die Teilhabe der Bürger an der Politik an. Es gebe immer mehr die Distanz „von die da oben und die da unten.“ So mancher Bürger wolle, dass ausschließlich seine Argumentation gelte. Dabei stellte Ferber klar: „Ein gerechter Interessenausgleich ist die Aufgabe der Politik.“ In einem Videointerview mit mir ging Markus Ferber auch auf die Digitalisierung im Wahlkampf ein. Soziale Netzwerke seien ein Muss, aber nicht alles. Hier das Interview:

Die Ergebnisse der vier Workshops wurden am Ende der Veranstaltung auf dem Podium vorgestellt. So bekamen die Teilnehmer des Tages den Überblick, was in den einzelnen Arbeitsgruppen erarbeitet wurde. Das Veranstaltungsformat war gut gewählt. Hier die Zusammenfassung:

#Lustwandeln – Tanja Praske setzt Maßstäbe für die Schlösserverwaltung im Freisaat Bayern

28. September 2015

Da sage noch einer, die bayerische Verwaltung hat nichts mit Social Media am Hut. Genau das Gegenteil ist der Fall – wie ich am Beispiel der Bayerischen Schlösser- und Seenverwaltung feststellen konnte. Dort wurde ein schöner Plan ausgeheckt, um eine App für den Schlosspark von Nymphenburg zu bewerben. Die ganze Aktion lief unter dem Hashtag #Lustwandeln und hatte einen riesigen Erfolg. Das Bayerische Finanzministerium, zu dem die Schlosserverwaltung gehört, kann gehörig stolz auf solche Mitarbeiter sein.
Die #Lustwandeln -Aktion ist jetzt schon ein paar Tage her und wurde im März 2015 durchgeführt. Jetzt schlagen die Wellen wieder hoch, denn die Aktion wurde für den renommierten Virenschleuder-Preis #vsp15 nominiert und ich drücke die Daumen, dass die Aktion gewinnt. Bei der Nominierung wurde das ganze Projekt noch einmal aufgerollt und bei meinen Schulungen (auch vor Angehörigen der bayerischen Ministerialverwaltung) stelle ich den Tweetwalk zu #Lustwandeln als vorbildlich heraus.
Die Schlösserverwaltung veranstaltete für Blogger, Twitterer und Instgrammer einen exklusiven Spaziergang durch den Garten von Schloss Nymphenburg. Man kam an Orte, die für die Öffentlichkeit gesperrt sind. Es herrschte daher eine gewisse Exklusivität vor. Als exklusiver Medienpartner wurde mit der SZ ein klassisches Holzmedium gewonnen, die auch sehr gut über die Aktion berichtet haben. Alle Teilnehmer des Tweetwalk erhielten eine Führung durch die Gartenexperten der Schlosserverwaltung und natürlich wurde unter dem Hashtag #Lustwandeln den ganzen Tag in den sozialen Netzen darüber berichtet.

Das Monitoring zeigt, Lustwandeln ist ein Erfolg.

Das Monitoring zeigt, Lustwandeln ist ein Erfolg.

„Wir wollten dem Englischen Landschaftsgarten zu viraler Wucht verhelfen“, sagte mir Tanja Praske. Die Kunsthistorikerin und erfolge Social Media-Frau zog das ganze Projekt durch – von der App-Erstellung bis hin zum Tweetwalk. Hut ab vor so einer Leistung und Hut ab vor der Schlösserverwaltung, die sich auf so ein Experiment eingelassen hat. Die ganze Sache mit dem #Lustwandeln wurde ein Erfolg. Das Monitoring des Hashtags #Lustwandeln lief vom 23.3. bis zum 7.5.15. Es kamen 3.167 Tweets mit einer potentiellen Reichweite von 3.696.300 Impressions zustande. Und ich muss zugeben: Ich habe mich geärgert, dass ich damals nicht dabei sein konnte. Ich hatte einen Kundenauftrag und musste arbeiten. Gerne hätte ich zum Erfolg von #Lustwandeln live beigetragen. So konnte ich nur retweeten, faven und kommentierten.
Vor kurzem traf ich mich mit Tanja Praske. Sie ist wie ich ein Mitglied der IronBlogger München. Ich führte mit Tanja Praske ein langes, inspirierendes Gespräch. Ihr Projektauftrag bei der Schlösserverwaltung ist nun zu Ende und sie hofft auf neue Aufträge aus dem Kulturumfeld. Ich drücke ihr die Daumen bei ihren Vorhaben. Für mich steht fest: Kultur im Netz hat eine Zukunft, solange es solch engagierte Kunsthistoriker wie Tanja Praske gibt. Schaut euch das Interview an, dass ich mit ihr geführt habe.