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Facebook goes VR: Dazu mein Buchtipp Jaron Lanier Anbruch einer neuen Zeit

21. Oktober 2021

Facebook plant seinen Namen zu ändern und in den Online-Gazetten waren Metaverse und Meta als mögliche neue Firmenbezeichnungen zu lesen. Entschieden ist noch nichts, warten wir einfach ab.
Aber klar ist, wohin die Reise der US-amerikanischen Tech-Riesen geht: Klar in Richtung VR (Virtual Reality) und AR (Augmented Reality). Mark Zuckerberg ist ein Fan dieser Zukunft und hat 10.000 neue Mitarbeiter für den Bereich in Europa angekündigt. Apple arbeitet mit Hochdruck an einer AR-Brille. Google hatte mit Google Glass zu früh ein Produkt auf den Markt geworfen, ist aber noch immer im Rennen. Microsoft überzeugt mit der Hololens.

Der Begriff Metaverse ist mir 1992 das erste Mal unter gekommen. Damals las ich den Roman Snow Crash von Neal Stephenson, die literarische Grundlage von VR. Neuromancer von William Gibson ging Richtung Cyberspace. Immer die Frage im Mittelpunkt: Was kommt nach dem Internet?

Ob technisch möglich oder noch reine Zukunftsmusik ist mir im Moment egal. Die Vision nach virtuellen Welten treibt die Unternehmen voran – auch Zuckerberg mit seiner Oculus-Brille und Horizont als Plattform geht diesen Weg in virtuelle Welten konsequent. Vor Jahren bin ich in Second-Life herumspaziert und war von der Idee angetan. Horizont von Zuckerberg geht diesen Second-Life-Weg konsequent.

Wer sich mit VR beschäftigt, der muss seinen Jaron Lanier gelesen haben.

Neben den Pinonierromanen von Neal Stephenson und William Gibson hat mich das Buch Anbruch einer neuen Zeit: Wie Virtual Reality unser Leben und unsere Gesellschaft verändert von einem meiner Lieblingsautoren Jaron Lanier immer wieder zum Nachdenken gemacht. Der Friedenspreisträger des Deutschen Buchhandels hatte 2017 ein Buch geschrieben, wie VR unser Leben und unsere Gesellschaft verändert. Ich denke, Mark Zuckerberg hat dieses Buch auch gelesen.
Jaron Lanier, 1960 in New York geboren, ist Internetpionier der ersten Stunde und prägte Begriffe wie Virtual Reality oder Avatar. Laut Encyclopaedia Britannica ist er einer der 300 wichtigsten Erfinder der Geschichte. Er lehrte u.a. an der Columbia, in Yale und Berkeley. Heute arbeitet er für Microsoft Research.

Das Buch Anbruch einer neuen Zeit: Wie Virtual Reality unser Leben und unsere Gesellschaft verändert ist eine visionäre Liebeserklärung an eine Technologie, die ungeahnte Chancen bietet und gleichzeitig ein immenses Missbrauchspotential birgt. Dabei wirft er einen unvergleichlichen Blick darauf, was es im Angesicht unbegrenzter Möglichkeiten heißt, heute Mensch zu sein.

Es ist ein sehr persönliches Buch. Es geht um die Familiengeschichte. Ein Teil seiner Familie wurde im Holocaust von den Nazis getötet, seine Mutter starb bei einem Autounfall und Jaron wuchs als Außenseiter auf. Er sehnte sich nach anderen Welten. Das war sicher eine der Motivationen, als ins Valley kam und sich mit VR auseinandersetzte. Er betrieb von 1984 bis 1990 mit VPL Research ein Unternehmen zur Entwicklung und Vermarktung von Virtual-Reality-Anwendungen. Einige Geräte von VPL konnte man 1992 im Film Der Rasenmäher-Mann sehen, ein schlechter Film, aber ungemein visionär für den VR-Bereich.

Lanier diskutiert in seinem Buch Anbruch einer neuen Zeit: Wie Virtual Reality unser Leben und unsere Gesellschaft verändert sehr leidenschaftlich und verständlich über 50 verschiedene Definitionen von VR und setzt sich in unterschiedlichen Sicht- und Herangehensweisen mit der Vision VR auseinander. Es steht für mich der Satz im Mittelpunkt: Virtuelle Realität braucht den Menschen, denn immer geht es um die Erweiterung der inneren Wahrnehmung mithilfe technischer Mittel.

Bei meiner Lektüre bin ich auf einen alten Spiegelartikel aus dem Jahre 2014 gestoßen. Hier äußert sich Lanier über Mark Zuckerberg: „Mark Zuckerberg ist definitiv nicht Stalin. Er ist nicht mal Lenin. Er hat eine gewisse Arroganz, aber er ist kein schlechter Mensch. Was all diese Pioniere letztlich antreibt, ist im Grunde der Versuch, den Tod zu verleugnen.“

Ich bin gespannt, wie der neue Name von Facebook aussehen wird und welchen Weg Mark Zuckerberg gehen wird. Vielleicht trifft er sich hinter den Kulissen mit Jaron Lanier und beide diskutieren die Zukunft des Internets. Spannend bleibt es allemal.

Buchtipp: Ohne Rücksicht auf Verluste: Wie BILD mit Angst und Hass die Gesellschaft spaltet

19. Oktober 2021

Morgens nach dem Aufwachen habe ich im Bett ein journalistisches Ritual: Ich scanne die sozialen Netzwerke, lese die Schlagzeilen der relevanten News-Website und schmökere in digitalen Zeitungen am iPad mini. Darunter ist auch die BILD, die ohne Zweifel Meinungsführer in Deutschland ist.

Ich bin gespannt, was und ob sich etwas in der Boulevard-Berichterstattung nach dem Rauswurf von Julian Reichelt vom Posten des Chefredakteurs ändert. In der BILD selbst stand auf Seite 3 eine Meldung dazu. Ich habe Reichelt selbst nur einmal bei einer Podiumsdiskussion in München kennengelernt als er über die Arbeit von Polizeipressesprecher Marcus da Gloria Martins im Rahmen des OEZ-Attentats mokierte. Ich war nicht Reichelts Meinung. Ich konnte aber sehen, wie streitbar Julian Reichelt argumentierte und wie sein Weltbild ist. Am Ende der Veranstaltung ließ ich mir sein Buch signieren und wechselte ein paar Worte, um mir ein Bild zu machen.

Und als Reichelt gestern bei Springer rausgeflogen ist – oder wie es diplomatischer bei Springer hieß: „Entbunden“ wurde, da griff ich zur Lektüre des Buches Ohne Rücksicht auf Verluste: Wie BILD mit Angst und Hass die Gesellschaft spaltet spaltet. Ich habe immer wieder in einem Kapitel geschmökert und gestern habe ich das Buch aufgrund der aktuellen Ereignisse fertig gelesen. Erschreckend, wie das Geschäftsmodell des erfolgreichsten deutschen Medienhauses auf Angst basiert. Die Autoren Moritz Tschermak und Mats Schönauer haben eine beeindruckende Recherche vorgelegt. Sie liest sich zwar nicht so flüssig wie das Wallraff-Buch von 1977 Der Aufmacher: Der Mann, der bei Bild Hans Esser war, aber es ist auch eine andere Zeit heute: BILD ist komplexer als zu Wallraffs Zeiten.

Moritz Tschermak und Mats Schönauer betreiben seit 2004 den BILDblog und analysieren Tag für Tag den Medienkomplex BILD. Sie stellen fest: Unter Reichelt sei das Boulevard-Blatt noch brutaler, noch menschenverachtender, noch populistischer geworden. Jetzt muss Boulevard Position beziehen und zum Teil auch überspitzen, doch Reichelt hat den Bogen überspannt. Das wird in dem Buch eindrucksvoll belegt. In den Kapitel geht es unter anderem um BILD und die Justiz, Leser, Politik, Migration, Rechtspopulisten, Frauen und Hartz IV. Das Kapitel über Sport habe ich übersprungen, weil mich Sportberichterstattung null interessiert. Aber auch hier bezieht die Zeitung mit den vier Großbuchstaben wohl auch Position.

Julian Reichelt und sein Team waren erfindungsreich.Die Unsitte des Leserreporters schlug wie eine Bombe ein. Es gab sogar noch einen Presseausweis für diese Knipser. Die Leser-Blatt-Bindung war enorm. Als die Print-Auflage zusammenbrach, setzt man massiv auf Online, führte konsequent mit Bild Plus ein Bezahlabo ein und mit dem TV-Sender Bild TV wird der Verlag wohl den gleichen Weg gehen. Die Mannschaft um Reichelt nimmt es mit Persönlichkeitsrechten nicht so genau ist aus dem Buch ebenso zu lesen, wie die Redaktion Stimmung gegen Minderheiten macht.

Das Buch Ohne Rücksicht auf Verluste: Wie BILD mit Angst und Hass die Gesellschaft spaltet ist ein wichtiges Buch zur Medienkultur. Das Buch zeigt, wie Journalismus funktioniert und wie er am Beispiel der BILD eben nicht funktionieren darf. Nach der Lektüre war ich erbost und erzürnt. BILD unter Reichelt machte sich seine eigenen Wahrheiten. Ich empfehle die Lektüre so manchen besorgten Bürger, der meint, die BILD sei die Zeitung des kleinen Mannes und ergreife seine Partei. Der kleine Mann irrt – er irrt gewaltig.

Persönlicher Nachruf auf Gerd Ruge

18. Oktober 2021

Mit 93 Jahren starb eine Legende: Gerd Ruge ist tot. Ein journalistisches Vorbild hat seine wachen Augen für immer geschlossen. Für mich war Ruge ein Vorbild, obwohl ich nie mit ihm arbeiten durfte. Diese Auszeichnung wurde mir nie zu Teil.
Ich habe die Arbeit von Gerd Ruge immer geschätzt, den Menschen kannte ich nur aus Erzählungen, aber der Reporter war mir Zeit seines Lebens präsent. Mein Vater hatte das Buch von Ruge Zwischen Washington und Moskau – Europa in der Konfrontation der Supermächte. Das bekam ich als Jugendlicher in die Hände und war über den Stil begeistert. Ich hatte damals Peter Scholl-Latour, Peter von Zahn und Dieter Kronzucker gelesen. Nun hatte ich Gerd Ruge für mich entdeckt.

Als es 1991 zum Putsch gegen Gorbatschow kam, hing ich vor dem Fernseher und verfolgte die Dauerreportagen von Gerd Ruge, der mir die Lage vom russischen Weißen Haus ins Wohnzimmer brachte. Manches Mal vernuschelt, aber immer objektiv. Der Mann konnte einfach mit Menschen. Später erschien dazu sein Buch: Der Putsch: Vier Tage, die die Welt veränderten
Er hatte den Dreh raus, um den Menschen zu erreichen. Ob er es unabsichtlich machte oder ob er diesen Stil bewusst einsetzte, das weiß ich nicht. Funktioniert hat es immer. Ich sagte einmal zu einem Kollegen, dass mich Ruge an die TV-Figur Colombo erinnerte – und das meine ich mit großem Respekt. Ruges Spruch lautete: „Wie ist das Leben?“ – und damit hatte er den Interviewpartner.

Mein Autogramm von Gerd Ruge.

Auf einer Veranstaltung, ich glaube es war die Verleihung des Gerd Ruge Stipendium der Film- und Medienstiftung NRW, durfte ich ein paar Worte mit ihm wechseln. Und ich bat ihn um ein Autogramm. Ich hatte aus München extra eine alte Autogrammkarte vom WDR mitgebracht.
Er lachte und nuschelte etwas, warum ich kein neues Buch zum Unterschreiben dabei hatte. Ich lachte und sagte sinngemäß, dass er für mich ein Mann des Fernsehens sei und daher erschien mir die WDR-Autogrammkarte am passendsten. Wir beide lachten, er unterschrieb und das war leider meine einzige Live Begegnung mit Gerd Ruge. Das Autogramm hängt heute in meinem Arbeitszimmer.

Zur Person Gerd Runge
Gerd Ruge wurde am 9. August 1928 in Hamburg geboren. Seine berufliche Laufbahn begann er 1949 beim damaligen Nordwestdeutschen Rundfunk (NWDR) in Köln. 1956 ging er als erster ständiger Korrespondent für die ARD nach Moskau. 1963 entwickelte er mit dem Journalisten Klaus Bölling die ARD-Sendung „Weltspiegel“. Bis 1969 war Ruge Amerika- und Washington-Korrespondent der ARD und kehrte dann als ARD-Chefkorrespondent und Leiter des WDR-Studios zurück nach Bonn. 1973 bis 1976 war Ruge Korrespondent der Tageszeitung „Die Welt“ in Peking, wurde 1977 für den WDR ARD-Hörfunkkorrespondent in Moskau und ab 1981 WDR-Fernseh-Sonderkorrespondent. Gerd Ruge leitete u.a. die Redaktionen „Monitor“ und „Weltspiegel“ im WDR sowie die Programmgruppe Ausland. 1987 ging er als ARD-Korrespondent und Studioleiter zurück nach Moskau, wo er bis zum Ruhestand 1993 arbeitete.
Dem Bildschirm verbunden blieb Ruge durch seine Reisereportagen „Gerd Ruge unterwegs“ und die Moderation der 3sat-Talkrunde „NeunzehnZehn“. Von 1997 bis 2001 leitete er den Bereich Fernsehjournalismus an der Hochschule für Fernsehen und Film in München. 1999 wurde er Präsident der Jury des „Prix International des Correspondants de Guerre“. Gerd Ruge war Träger des Großen Bundesverdienstkreuzes und erhielt zahlreiche Preise und Auszeichnungen, u.a. drei Adolf-Grimme- Preise, den Hanns-Joachim-Friedrichs-Preis sowie 2014 den Ehrenpreis der Stifter des Deutschen Fernsehpreises.

Podcast zu Steven Spielbergs Duell von 1971

17. Oktober 2021

Im Moment experimentiere ich mit dem Medium Podcast herum. Als Print-Journalist ist Audio ein neues Feld für mich. Bevor ich aber öffentlich mit meinen Sendungen live gehe, durfte ich Fragen und Fachwissen für einen Podcasts beisteuern.
Es ging um den ersten Steven Spielberg Spielfilm Duell aus dem Jahre 1971. Auf Einladung von Jan Planinic sprach ich mit Filmexperten David Dietrich über die Entstehung, Produktion und Wirkung dieses wichtigen Films. Anlass war eine Themenwoche zu Duell.

Dieser Podcast wurde zuerst den Mitgliedern der Facebook-Filmgruppe Erdbeben 1974 zugänglich gemacht. Diese Gruppe, zu der ich euch herzlich einlade, hat die Filme der siebziger Jahre zum Inhalt. Freunde des bewegten Bildes diskutieren und philosophieren über das wichtige Jahrzehnt in der Filmgeschichte. Ich bin in der Gruppe aktiv.
Also viel Spaß beim Anhören und vielleicht trifft man sich ja in der Facebook-Gruppe Erdbeben 1974

Batman Tag 2021 – ich feier die Fledermaus

18. September 2021

Heute am 18. September ist der Tag des Handwerks und zugleich ist heute der internationale Batman-Tag. Für mich sind beide Termine wichtig, arbeite ich doch für das bayerische Friseurhandwerk und bin ein Fan der Fledermaus.

Für die hiesigen Fans des Fledermaus-Detektivs gibt es an diesem Tag in den Comic-Shops viele Aktionen, in deren Mittelpunkt der Dunkle Ritter steht. Unter anderem gibt es Batman-Gratis-Comic-Material und Sonderpublikationen für Sammler. Interessant für mich ist die Veröffentlichung des Batman: The World-Bandes, der auch in einer auf 666 Exemplaren limitierten und signierten Version vorhanden ist.

Es ist Anthologie-Band, in dem Batman den Joker um den Globus verfolgt und dabei 14 Länder passiert. Für die Umsetzung der Kapitel wurden jeweils einheimische Kreativteams gefunden, um die Geschichten umzusetzen. Also 14 Länder, 14 Kreativteams in einer Geschichte – das Konzept gefällt mir. Natürlich gibt es auch eine in Deutschland, genauer in Bayern spielende Episode, die vom Münchner Duo Benjamin von Eckartsberg (Story) und Thomas von Kummant (Artwork) erstellt wurde.


Batman sind für mich aber nicht nur die Comics, sondern vor allem die Filme. Es soll ja noch ein neuer Batman in die Kinos kommen, aber heute greife ich zu den erschienen Klassikern, die unterschiedlicher nicht sein können.

Ich bin ein absoluter Fan der Tim Burton Reihe von 1989. Die quietschbunten Popcorn-Filme hatte ich damals in Kino gesehen und kaufte sie mir später auf Laserdic, UMD-Träger und Bluray. Es war Spaß mit großen Namen der damaligen Zeit und es steckte sehr viel Symbolik in diesen Unterhaltungsfilmen, obwohl sie von Folge zu Folge schlechter wurden. 1992: Batmans Rückkehr (Regie: Tim Burton), 1995: Batman Forever (Regie: Joel Schumacher) und dann 1997: Batman & Robin (Regie: Joel Schumacher).

Dann kam Jahre später Christopher Nolan 2005 und ließ den dunklen Rächer in einem Dreiteiler wieder auferstehen. Batman Begins haute richtig rein, The Dark Knight lebte vor allem durch Heath Ledger in der Rolle als Joker. 2012 erschien der dritte und letzte Teil der Trilogie unter dem Namen The Dark Knight Rises, den ich aber vergleichsweise als schwach empfand. Vielleicht war mein Batman-Fieber in der Zwischenzeit geheilt.

Als ich ein Webinar über die Batman-Filme vorbereite, entdeckte ich eine Perle, die ich lange Zeit nicht mehr gesehen hatte: Batman hält die Welt in Atem von 1966. Der Film basiert auf einer US-Batman-Fernsehserie und nimmt sich selbst nicht zu ernst. Aber genau das macht seinen Reiz aus, wenn Batman und Robin gegen die Bösewichte zu Felde ziehen. In den Hauptrollen der Comicverfilmung sind Adam West als Batman und Burt Ward als Robin zu sehen. Und wenn ich ehrlich bin: Adam West ist für mich der Batman-Darsteller schlechthin. Vielleicht liegt es daran, dass meine Eltern mir als Kind das Batmobil des Films Batman hält die Welt in Atem geschenkt hatten und ich sehr gerne mit diesem Fahrzeug spielte. Leider ging es im Laufe der Jahre verloren.

Der Film kommt so flott und leichtfüßig daher, hat überdehnte Einfälle und versucht sich als Comic-Film mit entsprechenden Bild-/Ton-Effekten mit Pows, Bangs und Splashs. Er hat den Charme der Sechziger Jahre ohne in den Verdacht von Filmkunst zu kommen. Mir hat er gefallen und er ist für den Batman-Tag genau die richtige Unterhaltung.

100. Geburtstag von Stanisław Lem – Solaris

12. September 2021

Einer der Science Fiction-Romane, die mich seit frühester Jugend fasziniert haben, war Solaris von Stanisław Lem. Heute feiert der 2006 verstorbene polnische Autor seinen 100. Geburtstag und heute werde ich mich wieder mit Solaris beschäftigen.
Die Idee eines Planeten als intelligentes Leben finde ich gewaltig. Der Planet erzeugt aus Schuldgefühlen der menschlichen Astronauten reale Kopien.
Der Roman Solaris wurde dreimal verfilmt. 1968 für das sowjetische Fernsehen, wobei ich den Film nicht kenne. 1972 Solaris vom großen Andrej Tarkowski und 2002 Solaris von Steven Soderbergh. Meine persönliche Lieblingsversion ist die von Tarkowski.

Und ja, der Film ist schwierige Kost. Tarkowski sagte dazu: „Es geht um den Konflikt zwischen Selbstüberwindung, gefestigter Überzeugung und sittlicher Wandlungsfähigkeit einerseits sowie mit den Bedingtheiten des eigenen Schicksals andererseits.“ Immer wieder wird Solaris mit Kubricks 2001 verglichen. Das sehe ich nicht so: Ich ziehe Vergleiche zum unvergessenen Ingmar Bergman heran. Tarkowskis Filme sind eine Reise in die Seele. Ich kenne von dem Film nur die englische und die DDR-Übersetzung. Leider spreche ich kein Russisch, um das Gefühl der Sprache in Kombination mit den Bildern zu erfassen.
Von den Bildern geht eine Faszination aus: Achten Sie beim Ansehen des Films auf Die Jäger im Schnee von Pieter Bruegel dem Älteren. Es stellt wohl den kalten Dezember und Januar dar. Das Gemälde wird oft als typisches Beispiel für die sogenannte „Kleine Eiszeit“ in Mitteleuropa angeführt, da der Winter 1564/1565 der kälteste Winter seit Menschengedenken war. Das passt gut zum Film. Stanisław Lem war mit den Verfilmungen von 1972 und 2002 nicht einverstanden, weil wohl auch der Schwerpunkt auf Bilder gelegt wurde.
Die Romane von Stanisław Lem lese ich noch immer gerne und kann mich vor allem über die Robotermärchen, Märchen von Roboter für Roboter, erfreuen. Der Mann war schlichtweg ein heller Geist, sprach sich aber gegen Ende seines Lebens gegen das Internet und die Vernetzung aus.

20. Jahre – Gedanken zum 11. September 2001

11. September 2021

Die Attentate zum 11. September 2001 jährigen sich heute zum 20. Mal. Viel, sehr viel ist in den vergangenen 20 Jahren geschrieben worden – auch von mir in diesem Blog.
Ich habe zwei Seminare zu diesem Thema gemacht, die mir wirklich wichtig waren. Für mich steht fest: Ich werde diese Momente niemals vergessen und wenn ich im Laufe der Jahre immer wieder Enyas Only Time hören, dann hat sie für mich den Soundtrack zum 11. September. Für mich als Social Media-Fuzzi zeigt sich hier die Macht des Netzes. Der New Yorker Finanzmakler Steve Golding schnitt ein Video „Tribute to the World Trade Center“, unterlegte es mit Enyas Musik und stellte es ins Netz. CNN übernahm als erster US-Sender das Video samt Musik und sorgte in der alten Welt des Fernsehens für eine weltweite Verbreitung. Eine weltweite Trauerhymne für den 11. September.
Zum Jahrestag der Attentate will ich zwei Buchempfehlungen abgeben:

Das Buch: 11. September 2001. 100 Seiten von Philipp Gassert.

Das Buch 11. September 2001. 100 Seiten ist im Mai 2021 erschienen und zieht Bilanz. Der Autor arbeitet auf 100 Seiten die Ursachen, Reaktionen und Folgen des 11. September auf. Und er stellt die Frage: Markiert 9/11 den Übergang in ein neues Zeitalter? Nicht berücksichtig werden natürlich die aktuellen Vorgänge in Afghanistan und das Wiedererstarken der Taliban. Philipp Gassert, geb. 1965, ist Amerikanist und Professor für Zeitgeschichte an der Universität Mannheim. Das Buch ist weniger eine Auflistung der dramatischen Ereignisse, als vielmehr der Versuch eine Erklärung und Einordnung. Das macht gerade dieses Büchlein so spannend. Die wesentlichen Fakten wie die Bush-Doktrin werden im Wortlauf wiedergegeben, aber viel wichtiger war mir, was bedeuten diese Fakten. Die Terroristen wollten die Weltmacht USA in asymmetrische Kriege locken und der damalige US-Präsident Bush nimmt diesen Federhandschuh auf und gerät in die Falle der Terroristen weltweit. Bush reagiert mit militärischer Stärke, mit Eroberung, mit Regierungswechsel in Irak und Afghanistan. Doch ist die Welt dadurch eine bessere Welt geworden?
Ich empfehle die Lektüre ausdrücklich, denn der Autor stellt gute und wichtige Fragen ohne zu wissenschaftlich auszuufern. Auf 100 Seiten, die an einem Nachmittag gelesen werden können, ist kein Platz für wissenschaftlichen Diskurs, aber für gute und wichtige Fragen. Hier sind die 10 Euro gut investiertes Geld in 11. September 2001. 100 Seiten.

September 11: The 9/11 Story, Aftermath and Legacy von Associated Press

Das englischsprachige Buch September 11: The 9/11 Story, Aftermath and Legacy (English Edition) mit einem Vorwort von Robert De Niro ist Journalismus pur: Eine gewaltige Mischung von Texten und Fotos. Herausgeber ist die Presseagentur Associated Press, die über hervorragende Journalisten und Bildberichterstatter verfügt. Hier zeigt sich, dass Journalismus die Vorstufe der Geschichtsschreibung ist. Die kurzen Texte sind ein Vorbild für amerikanischen Journalismus und beim Lesen traf mit die optimale Auswahl der Bilder. Hier waren absolute Könner am Werk, die die Geschehnisse um die Attentate und die Folgen aus amerikanischer Sicht packend wieder aufleben lassen.

Heldenklasse bei der Schlütersche

10. September 2021

„Durch unsere Heldenklasse wollen wir unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter wertschätzen und ihnen eine Bühne geben“, so Roksana Leonetti von der Produktentwicklung und Marketing bei der Schlütersche auf dem jüngsten Corporate Influencer Breakfast Talk. Die Schlütersche unterstützt mit medienübergreifendem Fachwissen und Marketing-Services kleine und mittlere Betriebe bei der Unternehmensführung. Das Corporate Influencer Breakfast Talk findet unter Leitung von Klaus Eck regelmäßig am Mittwochmorgen auf Zoom statt. Dort treffen sich Kommunikationsprofis zum Gedankenaustausch mit ausgewählten Referenten. Unlängst war Roksana Leonetti zu Gast, die von der Heldenklasse berichtete.

Einige der Teilnehmer des Corporate Influencer Breakfast Talk.

Die Idee der Heldenklasse entstand während der Corona-Epidemie. „Jeder Mitarbeiter ist ein Held für uns“ und so stand es nahe, eine Heldenklasse zu bilden und den Mitarbeitern ein Gesicht zu geben. Alle Mitarbeiter der Schlütersche konnten sich um die Aufnahme in die Heldenklasse bewerben.

Rund 12 Verlagsmitarbeiter nahmen die Chance wahr und wurden in fünf Modulen innerhalb einiger Monate vom Kommunikationsberater Klaus Eck als Corporate Influencer ausgebildet. Dabei lag der Schwerpunkt des Coachings auf LinkedIn.

Hausaufgaben gab es auch, schließlich waren die Teilnehmer ja in einer Klasse. Themen waren unter anderen der Umgang mit Social Media, Interaktion, Profiloptimierung oder der Umgang mit Video und Audio.

Die Helden – die Corporate Influencer bei der Schlütersche – verleihen dem Unternehmen ein Gesicht. „Helden funktionieren nur im Zusammenspiel miteinander und können gemeinsam Leistungen für das Unternehmen und Kunden erbringen“, so Roksana Leonetti, denn „ohne die Menschen ist das Unternehmen nichts“

Ähnlich wie die Superhelden bei Marvel oder DC Comics stellten die Verantwortlichen bei der Schlütersche fest: „Helden gewinnen, wenn wir im Team arbeiten. Gemeinsam die Ziele erreichen und gegenseitig unterstützen.“ Damit profitiert der Verlag von einem Schneeballeffekt.Denn die Helden werden innerhalb der Organisation wahrgenommen. Je mehr sich die Helden zum Vorbild nehmen, desto mehr profitiert die Schlütersche davon. Sie wird zu einer lernenden Organisation, wenn die Helden ihr Wissen mit ihren Kollegen teilen.

Zunächst wurde Basisarbeit in der Heldenklasse geleistet: Der unterschiedliche Wissensstatus wurde ermittelt und daran gearbeitet, worin die eigene Superkraft besteht. Dann folgten Übungen und Trainings. Die Heldenklasse schloss mit einem Zertifikat ab, aber die Heldenreise ist damit noch nicht zu Ende. So tauschen sich die Teams weiterhin untereinander aus und lernen gemeinsam weiter.

„Es war wichtig, sehr einfach zu starten, sich einige Heldenfähigkeiten anzueignen und mit wenig Aufwand in den Arbeitsalltag zu integrieren“, so Roksana Leonetti. „Es reichen kleine, einfache Schritt, um große Themen wie Social Selling anzugehen.“ Klaus Eck ergänzte: „Erst Social, dann Selling.“ Ein Schritt vor dem anderen und nicht gleichzeitig.
Für den Mitarbeiterauftritt und die Kommunikation in sozialen Netzen wurden Guidelines entwickelt und die Mitarbeiter werden persönlich betreut. „Wir haben großes Vertrauen in unsere Mitarbeiter“, so Roksana Leonetti. Die Guidelines geben Orientierung und es gab ein Vier-Augen-Prinzip und viel Feedback vom Trainer. „Unsere Helden bleiben nicht alleine.“ So sind sogenannte einfache Heldentipps entwickelt worden, die Impulse für andere Helden geben. Auch die Idee von Helden-Sprechstunden wurde im Corporate Influencer Breakfast Talk geboren.

Beim Corporate Influencer Breakfast Talk erzählten drei Mitarbeiter von ihren ersten Erfahrungen: Patrick ist in seiner Freizeit DJ und lässt sein Wissen um Musik in seine LinkedIn-Posts einfließen. Bert trainiert in seiner Freizeit Fußballjugendmannschaften und konnte mit Bewegtbild experimentieren.

„Die Ergebnisse der Heldenklasse werden immer im internen Wiki veröffentlicht, um interne Kommunikation zu fördern“, berichtete Roksana Leonetti weiter. Nach der Heldenklasse sei vor der Heldenklasse. Für 2022 werde eine neue Heldenklasse bei der Schlütersche zusammengestellt. „Wir sind mit einem Piloten gestartet und jetzt geht die Heldenreise weiter.“

Buchtipp: Von der Impffront von Dr. Rainer Jund

9. September 2021

Ich empfehle diese Buch ausdrücklich, weil es hautnah und authentisch die Vorgänge um das Impfen aus der Sicht eines Impfarztes zeigt. Dr. Rainer Jund, HNO-Arzt aus Puchheim im Landkreis Fürstenfeldbruck und erfolgreicher Autor des eindringlichen Buches Tage in Weiß, hat vor kurzem seinen subjektiven Erlebnisbericht in Buchform Von der Impffront: Aus dem Alltag eines Arztes veröffentlicht aus dem Alltag eines Arztes.

Dr. Rainer Jund berichtet von der Impffront.

Als es möglich war, dass Haus- und Fachärzte gegen Covid-19 impfen konnten, beteiligte er sich und bot seinen Patienten den Impfstoff an – wenn er ihn denn bekommen sollten.

Am Beispiel der ersten 31 Tage beschreibt Jund die Vorgehensweise, die Reaktionen, den Egoismus, die Lügen, die Wut und das Glücksgefühl und die Dankbarkeit, die ihm beim Impfen in seiner Praxis begegnet sind. Er nimmt den Leser in deutlichen, sachlichen Worten auf eine Reise mit an die Impffront, denn es herrscht Krieg da draußen. Krieg gegen eine Pandemie mit weltweiten Ausmaß, die noch keiner von uns erlebt hat. Aber es ist nicht nur ein Krieg der Wissenschaft gegen Covid-19, es ist auch eine Auseinandersetzung mit Impfgegner und Schwurblern, die sich der Wissenschaft verweigern. Corona ist noch lange nicht besiegt. Die Herdenimmunität ist nicht erreicht. Daher geht der Kampf gegen Covid-19, gegen die Mutationen und gegen die Ignoranz der Impfgegner weiter.

Die Geschichten in dem Buch Von der Impffront: Aus dem Alltag eines Arztes sind gut geschrieben – der Arzt hat absolutes Talent für Texte und es ist kein sperriges Fachbuch geworden, sondern Jund ist ein hervorragender Storyteller mit medizinischen Background. In seinen Geschichten schaut er genau hin und berichtet von seinen Erlebnissen mit seinen Patienten, freilich ohne den Datenschutz bei diesem sensiblen Thema zu verletzten. Aber er blickt auch auf sein Team seinen Mini-Impfzentrums in seiner Praxis. Seine Mitarbeiter müssen sich am Telefon mit Patienten auseinandersetzen, den wenigen Impfstoff in Absprache koordinieren – oftmals an der Grenze der Leistungsfähigkeit. Auch interessant, wieviele Leute sich an den Arzt erinnern und auf guten Kumpel machen, als der Impfstoff knapp war und der Urlaub in Corona-Zeiten vor der Tür stand.

Ich habe mit Dr. Rainer Jung ein Videointerview an der Impffront geführt.

60. Geburtstag von Perry Rhodan – ich gratuliere

7. September 2021

Sein Universum wurde mir bald zu groß und ich hab es nicht mehr überblickt. Also stieg ich nach einigen silbernen Sammelbänden wieder aus. Die Zyklen habe ich einfach nicht auf die Reihe bekommen. Gemeint ist Perry Rhodan, der heute seinen 60. Geburtstag feiert.
Als Fan japanischer Monster interessierte mich Perry Rhodan, dessen Name eine Verknüpfung des Godzilla-Ablegers Rhodan und der US-Anwaltsserie Perry Mason war.

Am 7. September 1961 wurde der Grundstein für die erfolgreichste Science Fiction-Serie der Welt gelegt, die bis heute mit über 3130 Heften besteht. Die Autoren waren 1961 Karl-Herbert Scheer und Clark Darlton (mit bürgerlichem Namen Walter Ernsting). Auflagenhöhepunkt war in den 80er Jahren – da hab ich mit Perry Rhodan auch begonnen. Die Gesamtauflage beträgt über 1,5 Milliarden Hefte im Januar 2009. Inzwischen sank die Auflage auf heute 60000 Hefte. Ich kaufe mir damals allerdings nicht die Romanheftchen, sondern die silbernen Sammelbände mit 3D-Wackelcover.

Zur Feier des Tages schaue ich mir die Perry Rhodan Verfilmung aus dem Jahre 1967 an: Perry Rhodan SOS aus dem Weltall auf Laserdisc an. Als Kind faszinierte mich das Raumschiff in Quallenform. Der Film umfasst die drei ersten Romane plus Agentenstory – leider ist die deutsche Fassung gegenüber der angloamerikanischen (Mission Stardust) um 15 Minuten gekürzt. Grund unbekannt. Ich kenne auch die US-Fassung nicht.
Der Film flippte, was kein Wunder ist. Es ist Trash-Kino: Schlechte Darsteller, schlechte VFX und schlechte Geschichte. Am 13. September 2013 wurde der Film Perry Rhodan – SOS aus dem Weltall im Rahmen der Tele-5-Reihe Die schlechtesten Filme aller Zeiten gezeigt. Und ich gestehe: Der Film ist wirklich schlecht, egal ob man Perry Rhodan Fan ist oder nicht.