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Vor 25 Jahren verstarb Frank Zappa

4. Dezember 2018

Heute vor 25 Jahren verstarb Bürgerschreck Franz Zappa an Krebs. Grund genug, sich an diesen interessanten Typen zu erinnern und auf eine Bucherschreinung bei Reclam hinzuweisen.
Meine erste Langspielplatte von Frank Zappa war Thing-Fish, die ich mir im November 1984 auf Empfehlung eines Schulfreundes gekauft habe. Und ich scheiterte grandios mit meinem Schulenglisch an den Texten dieses Tripple-Albums, das eigentlich als Musical angelegt war. Thing-Fish war ein Bühnenstück über ein Bühnenstück. Ich war verwirrt, was ich dort zu hören bekam und mein Langenscheidt-Wörterbuch hatte die ausdrucksstarken Wörter eines Zappas nicht parat. Obwohl ich weniger als die Hälfte verstand, gefiel mir das Album mit seinen Broadway-Melodien des Künstlers Franz Zappa. Beim nächsten Album wollte ich weniger Texte als vielmehr Musik hören und griff zu Joe‘s Garage von 1979. Dieses Album hatte mich wieder versöhnt – die Texte bekam ich im großen und ganzen mit und die Musik war tadellos.

Erinnerungen an Frank Zappa - auch durch ein neues Buvon von Reclam.

Erinnerungen an Frank Zappa – auch durch ein neues Buvon von Reclam.

Dann griff ich in den kommenden Jahren immer tiefer in die Zappa-Kiste und kaufte mir Scheibe und Scheibe, erst auf Vinyl, dann auf CD. Was ist die beste Scheibe von Zappa? Ich weiß es nicht, ich kann es nicht sagen. Je nach Stimmung liefert mir Zappa das musikalische Erlebnis, manches Mal humorvoll, manches Mal brutal direkt.
Einmal schaffte ich es, mit der Musik von Zappa eine Party zu sprengen – und nein, ich spreche nicht von Bobby Brown. Ich hatte eine Scheibe von Shut Up ’n Play Yer Guitar-Serie aufgelegt und die Party löste sich auf. Zappa war einer der besten Gitarristen seiner Zeit – ein absoluter Wahnsinn. Als Jugendlicher schaute ich mir im Schulkino den Zappa-Film 200 Motels an und verstand ihn nicht, aber der Typ auf dem Klo übte eine magische Anziehungskraft aus. Und immer wenn ich die Deep Purple höre, dann denke ich an Zappa – Insider wissen natürlich warum.
Ein Konzept von ihm zu sehen, das war mir nie vergönnt. Von den Mothers of Invention habe ich eine Show gesehen und war angetan. Musikalisch allererste Sahne, aber ganz schön verrückt. So richtig eingängige Musik hat der Knabe kaum gemacht.
In Sachen Literatur über Zappa sah es eher mau aus. Es gab ein paar Artikel über den Bürgerschreck Zappa, aber im großen und ganzen kam die Musikpresse erst nach dem Tod des Meisters auf den Geschmack. Von der Heyne Discothek habe ich noch ein uraltes Buch über ihn in meinem Archiv gefunden, das lesbar ist und nicht ganz an der Oberfläche blieb. Da kam jetzt ein neues Buch von Reclam auf den Markt, dass mich interessierte. Aus der Reihe Reclam 100 Seiten erschien Frank Zappa. 100 Seiten , geschrieben von Ingo Meyer. Reclam stellte mir das Buch zur Verfügung – vielen Dank dafür. Meyer ist Experte in Sachen Zappa. Er hatte 2010 schon ein Buch über den Musikanten bei Reclam veröffentlicht und nun die damals 200 Seiten auf 100 Seiten eingedampft. Dieses Eindampfen tat dem Inhalt gut, der Stil des Literaturwissenschaftlers wurde lektoriert und herausgekommen ist ein Blick auf Zappa aus unterschiedlichen Perspektiven. Die Würdigung in Sachen Rockmusik brauchte es dieses Mal nicht, aber sehr gut waren die Erklärungen zu Zappa als Bandleader und als Musiker (Achtung, ein gewisses musiktheoretisches Wissen wird vorausgesetzt).
Für mich interessant war natürlich Zappas Beitrag zur Rockmusik, aber auch seine Beschäftigung mit Orchestermusik. Hier muss ich zugeben, hab ich noch viel Wissen nachzuholen. Zappa war geprägt von Edgar Varèse und der lässt sich nicht gerade als leichte Musikunterhaltung beschreiben.
Zum 25. Todestag gönne ich mir einen Frank Zappa Tag. Ich werde ihn mit ein paar exzellenten Live-Scheiben krönen: Zappa in New York, Fillmore East-June 1971, Roxy & Elsewhere und Halloween 77: The Palladium, NYC.

200. Jahre Karl Marx – meine Gedanken zu seinem Geburtstag

5. Mai 2018

Heute hat der Mann mit dem Rauschebart seinen 200. Geburtstag. Bärte sind wieder in, ist es Marx auch? Der deutsche Philosoph Karl Marx feiert seinen Geburtstag und ich erinnere mich an ihn. Mit seinem Kapital hat er die Welt verändert und die Interpretationen von Duo Marx/Engels haben Unglück über die Menschheit gebracht. Sozialismus, Kommunismus, Unterdrückung, Massenmord – all das waren die Folgen der Interpretationen von Karl Marx.

Das Kapital von Karl Marx

Als ich mit meinen Eltern unsere Verwandtschaft in der damaligen DDR besuchte, Mitte der siebziger Jahre, gab es einen Zwangsumtausch im realexistierenden Arbeiter- und Bauernstaat. Die starke D-Mark wurde gegen die wertlose Ost-Markt getauscht und es gab kaum etwas, was ich in der DDR davon kaufen konnte. Ich besorgte mir Orwo-Filme, Orwo-Fotopapier und ich kaufte mir hervorragende Fachbücher über Mathe und Chemie. Und in einem Buchladen sah ich eine große Ecke mit Schriften von Karl Marx und Friedrich Engels sowie Übersetzungen von Lenin. Ich erwarb das Kapital und das kommunistische Manifest (Ein Gespenst geht durch Europa …) und blätterte meine Bücher durch. Als Jugendlicher verstand ich die Ideen von Marx nicht, reduzierte und verkürzte, interpretierte die Thesen über die Entfremdung der Arbeit, die Macht von Produktionsmitteln und vieles mehr. Ich bin mir sicher, Marx wurde falsch verstanden und ins Unkenntliche verdreht, was in den Massenmord eines Pol Pots und anderen endete. Das hat der alte Karl Marx nicht verdient.

Begegnungen mit Karl Marx in Berlin

Als ich vor kurzem mal wieder durch Berlin streifte, begegnete mir immer wieder Karl Marx. Ich schaute in der Karl-Marx-Buchhandlung vorbei und sah, dass der Marx zumindest noch in Buchform vorhanden ist und gekauft wird. Der Sozialismus der DDR ist Gott sei Dank gescheitert und hinterließ tiefe Spuren in der Stadt und in den Menschen, auch in unserer Familie. 

Natürlich traf ich auf das Marx-Engels-Forum. Es ist eine in den 1980er Jahren errichtete Denkmalanlage in Berlin-Mitte und besteht aus zehn Tonnen Bronze. Das Denkmal wurde am 27. September 2010 an den Rand der Grünfläche zur Liebknechtbrücke hin versetzt. Wo das Denkmal am Ende enden wird, müssen die Berliner entscheiden. Aber das Gezerre um den Standort zeigt das gespaltene Verhältnis zu Marx und Engels. Ich war vom jetzigen Standort begeistert, denn das Denkmal ist ein schöne Pokestop für Pokémon Go. Pervers, die Geistesgrößen als Pokestop zu verwenden. Kommunismus trifft auf Kommerz. Aber Karl Marx macht auch Spaß. Touristen aus aller Welt besteigen die Statuen immer wieder und machen – wie ich auch – Selfies vor Marx. Der Respekt vor Marx und Engels ist verloren gegangen. Andere legen Blumen nieder, je nach Weltbild. 

Interessant ist die Interaktion bei dem Denkmal. Dort ist eine Plakette von Talking Status Berlin mit Webadresse und QR-Code angebracht. Den QR-Code mit dem Smartphone gescannt und es erfolgt ein Anruf von Gregor Gysi, der die Geschichte der Theoretiker erzählt. Ich finde es eine nette Idee einer Stadtführung und obwohl ich Gregor Gysi politisch nicht mag, ist er ein schillernder Politiker unserer Zeit.

Karl Marx bei Reclam 

Zum 200. Geburtstag wurde es für mich Zeit, mich wieder ernsthafter mit Karl Marx zu beschäftigen. Die Bände des Kapitals liegen noch immer bei mir im Keller und ich habe nicht den Nerv und die Zeit die Wälzer zu lesen. Und da kommt das Buch Karl Marx. 100 Seiten von Dietmar Dath Karl Marx 100 Seiten gerade recht.

Gut geschrieben auf 100 Seiten. Karl Marx bei Reclam.

Gut geschrieben auf 100 Seiten. Karl Marx bei Reclam.

Es ist auf der einen Seite ein persönliches Buch von Diemtar Dath über Marx geworden, auf der anderen Seite bringt er mir als Leser die Theorien des Denkers näher. Die 100 Seiten mit ein paar Abbildungen sind schnell gelesen und brachten mir Karl Marx zum 200. Geburtstag näher. Ich kann immer noch nicht sagen, dass ich ein Fan von Karl Marx bin, aber genauso wenig bin ich ein Fan von Ludwig Feuerbach oder Georg Friedrich Hegel. Ich halt es einfach mit dem Philosophie Song der großen Monty Python. 

 

50. Todestag von Ernesto „Che“ Guevara – Buchtipps

9. Oktober 2017
Che im Amerika Haus Berlin für einen Euro.

Che im Amerika Haus Berlin für einen Euro.

Für die einen ist er ein Freiheitskämpfer gewesen, für die anderen ist er ein Terrorist. Manch einer sah in ihm ein Idol, andere wiederum verteufelten ihn. Eines ist aber ganz gewiss: Che ist ein eine Kulturikone des 20. Jahrhunderts geworden. Heute jährt sich sein 50. Todestag.
In den Studentenbuden der sechziger und siebziger Jahre hing sein Poster an den Wänden. Beim RAF-Terroristen Andreas Baader hing ein Bild in seiner Zelle. Im kommunistischen Kuba hängt sein Abbild an jeder Ecke. Mal sehen, wer den Todestag von Ernesto Rafael Guevara de la Serna, genannt Che Guevara, begeht. Die Gazetten sind voll von Che. Vor kurzem wurde die Landshut zurück nach Deutschland transportiert. Im Deutschlands heißem Herbst trug einer Landshut Entführerin ein T-Shirt von Che – von wegen Freiheitskampf und so.
Ches berühmtestes Foto stammt von Alberto Korda aus dem Jahre 1960. Es wurde beschnitten und ein wenig nachbearbeitet. Das Resultat schlug ein, wie eine Bombe und wurde immer wieder reproduziert. Es gehört sicherlich zu den meist verbreitesten Motiven in der Fotografie, hat aber seinem Fotografen kein Geld eingebracht. Für manche gilt der argentinische Kämpfer als Synonym für Widerstand, Emanzipation und Rebellion. Ich habe neulich im Amerika-Haus Berlin (!) eine Postkarte von Che gesehen. So kommt Kapitalismus und Kommunismus zusammen. Die Postkarte kostete einen Euro.
Ich selbst habe ein paar Porträtbilder von Che aus Kuba mitgenommen. Und eine rote Fahne mit dem Antlitz von Che Guevara hab ich mir in Kuba gekauft und seitdem nicht ausgepackt. So eine große Rolle spielt Che in meinem Leben dann doch nicht. Ich persönlich fand das Porträt von Andy Warhol am besten und werde mir mal einen Druck besorgen.
Irgendwann hatte sich Che bei der Revolution verzettelt. Er gab seinen Job als Minister in Kuba auf und machte wieder ein bisschen Revolution und wollte die Welt befreien. Er wollte den Volksaufstand in Bolivien vorantreiben. In Bolivien wurde er 1967 von bolivianischen Regierungssoldaten gefangengenommen und heute vor 50. Jahren erschossen.
Irgendwie seltsam, dass bolivianische Politiker die Idee hatten, den Todestag von Che zu feiern. Die Militär des lateinamerikanischen Staates schüttelten den Kopf und die Feierlichkeiten für den Terroristen Che wurden abgeblasen. Und die Kommunisten in Kuba stilisierten Che nach seinem Tod zum Märtyrer und Idol. Nach seinem Tod wuchs der Ruhm von Che weiter an. Und das Interesse an diesen Berufsrevolutionär geht bis ins 21. Jahrhundert. Daher ist es kein Wunder, dass zum 50. Todestag das interessante Buch Che Guevara von Matthias Rüb bei Reclam erschienen ist. Matthias Rüb ist Lateinamerika-Korrespondent der FAZ, also einer Zeitung, die traditionell dem linken Gedankengut eher skeptisch gegenüber steht. Er widmet sich in seinem Buch nicht nur dem Revolutionär, sondern auch dem Menschen Ernesto „Che“ Guevara. Reclam stellte mir das Buch für meinen Blog kostenlos als Rezensionsexemplar zur Verfügung und ich möchte nach der ausführlichen Lektüre es empfehlen.
Rüb ist ein gelernter Journalist, daher lesen sich die 100 Seiten des Büchleins sehr flüssig. Ich hatte schon sein Buch über den Kosovo-Krieg gelesen. Natürlich lässt sich das Leben und Wirken von Che bei Wikipedia auch nachlesen, doch Matthias Rüb Schreibstil ist einfach besser.
Als Jugendlicher schmökerte ich einstmals in Ches Bolivianisches Tagebuch und sah mir 2004 auch den verklärten Kinofilm Die Reise des jungen Che an, in dem Che mit dem Motorrad durch Südamerika bretterte. Matthias Rüb räumt mit diesem verklärendem Mythos schnell auf.
Dann habe ich ein wenig in meinem Archiv gekramt und ein interessantes Fotobuch gefunden. Fidel’s Cubastammt von 1998 und zeigt die Revolution in Bildern. Im Mittelpunkt der Fotografien von Osvaldo und Roberto Salas steht natürlich der Maximunm Leader Fidel, aber auch von Che Guevara sind einige interessante und stimmungsvolle Aufnahmen zu finden. Wer es noch im Antiquariat findet, sollte zuschlagen. Text auf Englisch und Bilder in Schwarzweiß lohnen sich.
Also, Ernesto „Che“ Guevara – Ruhe in Frieden: Dein Ausruf „zwei, drei, viele Vietnams“ zu schaffen hat nicht immer so geklappt und die Parole „Auf immer bis zum Sieg – Hasta la Victoria siempre“ wird immerfort von der politischen Linken gerufen.