Archive for the ‘Film’ Category

Der Herr der denkenden Horrorfilme: Val Lewton

30. April 2025

Als Fan des klassischen Horrorfilms habe ich wieder Val Lewton für mich entdeckt. Der breiten Masse wird der Name wohl nicht so bekannt sein, aber die Insider werden nun bestätigend nicken.

Val Lewton war Produzent in den vierziger Jahren und schuf wegweisende Filme, die als denkende Horrorfilme bezeichnet wurden. Ich selbst mag die drei Klassiker Katzenmenschen (Cat People) von 1942, Ich folgte einem Zombie (I walked with a zombie) von 1943 und Der Leichendieb (The Body Snatcher) von 1945. Val Lewton hat noch mehr Filme produziert, aber diese drei sind meine Highlights von ihm.

In der Reihe Filmjuwelen sind diese Streifen restauriert vor längerer Zeit auf Bluray erschienen und ich habe mir diese Filme angeschafft, die ich bisher nur als schlechte englische DVD hatte.

Anders als sein Kollege Carl Lämmle jun, der bei Universal den Horrorfilm mit Dracula und Frankenstein einführte, setzte Val Lewton bei RKO auf leisen Horror. Seine Filme waren preiswert produziert und blieben unter 80 Minuten Spielfilmlänge, um eine bessere Kinoauswertung zu bekommen, damit die Filmtheater sie öfters spielen konnten. Das Grauen kam nicht durch Schocks wie bei Frankenstein, sondern der Schrecken entwickelte sich eher in der Vorstellung des Zuschauers.

Ich folgte einem Zombie sah ich als Jugendlicher zum ersten Mal im Deutschen Fernsehen und erwischte mich komplett auf den falschen Fuß. Ich erwarte brutale Zombie-Filme in der Tradition von Romero und Fulchi, bekam aber einen düsteren Schwarzweiß-Film vorgesetzt ohne Gore und Blut. So kann man sich irren. Die italienischen Zombies hatte ich längst vergessen, der Lewton-Zombie auf Haiti blieb mir im Gedächtnis. Meine Liebe zum klassischen Horrorfilm wuchs je älter ich wurde.

Katzenmenschen hatte ein tolles Thema und die Umsetzung Lewtons war grandios. Das war Body Horror der frühen Zeit und David Cronenberg muss Val Lewton geliebt und ihn geprägt haben. Das Verhältnis von Zärtlichkeit und Sex und das Tier im Menschen kennen wir auch aus der Werwolf-Thematik. In Katzenmenschen kommt der Horror auf leisen Pfoten daher. Viele meiner Freunde finden diese Filme langatmig. Ich mag sie und auch die Neuverfilmung 1982 von Regisseur Paul Schrader mit Nastassja Kinski finde ich gelungen.

Der Leichendieb als dritter Film im Bunde zeigt für mich die Verantwortung des Arztes und die Experimente von Medizinern. Die literarische Vorlage stammt von Robert Louis Stevenson und der Film hat mich gefesselt, sicherlich auch, weil es das letzte Zusammentreffen von Boris Karloff und Bela Lugosi war. Karloff spielte den Leichenräuber Gray absolut meisterlich, Lugosi war dagegen schon ein gebrochener, drogenabhängiger Darsteller in einer Nebenrolle, die er gut gemeistert hat, aber zu mehr in seinem Zustand wohl auch nicht fähig war. Regisseur Robert Wise (Der Tag, an dem die Erde stillstand) war ein Spezialist für fantastische Themen und inszenierte mit viel Gefühl. Ich mag Robert Wise, der die Klassiker des Sci-Fi-Films Andromeda und den Spuk-Klassiker Bis das Blut gefriert schuf.

animuc Fürstenfeldbruck 2025 – Drei Tage voller Herz, Fantasie und Gemeinschaft

27. April 2025

Pflichttermin einmal im Jahr ist die animuc im Veranstaltungsforum Fürstenfeld in Fürstenfeldbruck. Es ist die wichtigste Cosplayer-Veranstaltung in Oberbayern und an drei ausgebuchten Tagen kam die friedliche Community zusammen, um sich gegenseitig zu feiern. Ein Fest zum Genießen.

Auch ich war wieder dabei, mit einer Neuerung. Ich durfte einen gut besuchten Vortrag zum Thema Godzilla halten. Das japanische Monster ist seit 1954 ein wichtiger Teil der Popkultur und zeigt die japanische Verarbeitung der Trauma von Hiroshima und Nagasaki, die sich dieses Jahr im August zum 80. Mal jähren. Anders als wir Deutsche, die bereits nach dem Krieg mit der Aufarbeitung des Nationalsozialismus begonnen haben, haben die Japaner die Kriegsfrage und Bombenabwürfe nach dem verlorenen Krieg im Pazifik verdrängt. Godzilla war ein Teil dieser kollektiven Aufarbeitung als Film und Produkt der Popkultur.

Von meinem Vortrag existieren leider nur Fotos. Der Videomitschnitt hat ärgerlicherweise nicht funktioniert. Die Gründe kenne ich nicht. Spaß hat es auf jeden Fall gemacht und ich bewerbe mich für die Animuc 2026 wieder als Referent, um an der Community mitzuarbeiten.

Ich besuchte die Verkaufsausstellung, erwarb einen Steampunk-Ring, der zu meinen Manschettenknöpfen aus dem Baltikum passt.

Zudem quatsche ich lange mit Angelina Paustian von der Mangaküche, die ich immer wieder auf den Szenenveranstaltungen treffe. Dieses Mal erwarb ich ein Reisebesteck, ein Ghibli-Lizenz.

Ach ja Ghibli. Sehr interessant fand ich den Vortrag Die Magie der Ghibli-Filmmusik einer jungen Newcomerin im Referentenpool Lavi. Mit sehr guten Fachwissen analysierte sie die musikalischen Themen der Ghibli-Filme und ihre Wirkung auf die Zuschauer.

Insgesamt wieder eine rundum schöne Veranstaltung. Leider war es etwas kühl, so dass das Herumliegen auf der Wiese vor Kloster Fürstenfeldbruck auf die Dauer etwas kalt war. Ich freu mich auf jeden Fall auf das nächste Jahr und hoffe, dass ich wieder dabei bin.

Star Wars Episode III – die Rache der Sith wieder im Kino und ich weiß, was mich erwartet

23. April 2025

Als Fan der ersten Stunde gehe ich natürlich in die Wiederaufführung von Star Wars Episode III – die Rache der Sith. Eigentlich mag ich die ersten drei Teile der Saga nicht so sehr, aber Teil III bringt wenigstens etwas Pepp in die Sache. Skywalker wird zu Vader und damit ist alles gesagt.

Ich werde morgen ins Scala Kino in Fürstenfeldbruck gehen, bekleidet mit meinem Darth Vader Bademantel. Und ich habe dem Scala für die Vorführungen meinen Nikko R2D2 zur Verfügung gestellt, der die göttliche Musik von John Williams abspielen wird.

„Star Wars: Episode III – Die Rache der Sith“ bildet wie bekannt den Abschluss der Prequel-Trilogie und steht im Zentrum der filmischen Darstellung des psychologischen Abstiegs von Anakin Skywalker zu Darth Vader. Der Film überzeugt durch spektakuläre Action und technische Brillanz, verliert jedoch durch den übermäßigen Einsatz von CGI, beispielsweise bei den Klonsoldaten, und die teils künstlich wirkende Studioatmosphäre an Charme und Authentizität. Die HDCAM-SR-Systemkameras waren wegweisend, aber töten das Leben auf der Leinwand.

Inhaltlich ist der Film zweigeteilt: Während die erste Hälfte von rasanten Schlachten und Duellen geprägt ist, entfaltet sich die eigentliche psychologische Tiefe erst im zweiten Teil, wenn Anakins innerer Konflikt und seine schrittweise Hinwendung zur dunklen Seite der Macht im Fokus stehen.

Psychologisch betrachtet ist Anakins Werdegang das zentrale Element des Films. Seine Entwicklung ist zwar nachvollziehbar, wenn auch stellenweise der Wandel zu hastig inszeniert wurde. Die Darstellung seines inneren Zerreißens, seiner Ängste und seiner zunehmenden Isolation ist zwar dramaturgisch zugespitzt, aber in ihrer Grundstruktur glaubwürdig: Anakin fühlt sich von den Jedi unverstanden, sehnt sich nach Anerkennung und Macht und wird von seiner Angst um Padmé getrieben. Diese Angst, sie zu verlieren, wird von Kanzler Palpatine gezielt manipuliert, was Anakins Schritt zur dunklen Seite psychologisch plausibel erscheinen lässt.

Aus psychiatrischer Sicht wurde Anakin Skywalker von Fachleuten wie dem Psychiater Eric Bui als Beispiel für eine Borderline-Persönlichkeitsstörung interpretiert. Typische Merkmale wie Impulsivität, instabile Beziehungen, intensive Angst vor dem Verlassenwerden und dissoziative Episoden sind im Film deutlich erkennbar: Anakin schwankt zwischen Idealisierung und Abwertung seiner Bezugspersonen, verliert in entscheidenden Momenten die Kontrolle und handelt aus einem Gefühl der existenziellen Bedrohung heraus. Seine traumatische Kindheit, die frühe Trennung von der Mutter und das Fehlen eines stabilen familiären Umfelds werden als Ursachen für seine emotionale Labilität und seine spätere Radikalisierung angeführt.

Kritisch anzumerken ist, dass die psychologische Entwicklung Anakins trotz dieser Ansätze oft zu plakativ und wenig nuanciert erzählt wird. Die Drehbuchführung bleibt in vielen Szenen an der Oberfläche und verzichtet auf Zwischentöne; Gut und Böse werden meist klar getrennt, Grauzonen nur angedeutet. Die innere Logik von Anakins Fall ist zwar vorhanden, doch die Geschwindigkeit, mit der er sich von einem loyalen Jedi zu Darth Vader wandelt, wirkt dramaturgisch überhastet und emotional nicht immer überzeugend. Auch die schauspielerische Leistung von Hayden Christensen wird als solide, aber nicht herausragend bewertet, was die emotionale Tiefe der Figur zusätzlich limitiert.

Insgesamt liefert „Die Rache der Sith“ eine psychologisch interessante, wenn auch nicht immer feinfühlige Darstellung eines tragischen Helden, dessen Absturz vor allem durch äußere Manipulation und innere Zerrissenheit geprägt ist. Der Film bleibt in seiner Charakterzeichnung und psychologischen Tiefe hinter seinem Potential zurück, bietet aber dennoch einen spannenden Einblick in die dunklen Seiten der menschlichen Psyche und die Mechanismen von Verführung, Angst und Machtstreben.

Und dennoch werde ich ihn mir ansehen und wieder in das Star Wars Universum eintauchen. Es gibt noch ein paar Restkarten. Und ich werde wieder Jar Jar Binks abgrundtief hassen. Jar Jar Binks wäre ein Grund für die dunkle Seite.

Leider kam ich nicht nach Japan. Die Star Wars Celebration 2025 in Tokio war ein spektakuläres Ereignis, das über 105.000 Fans aus 125 Ländern anzog und zahlreiche Ankündigungen für die Zukunft des Star Wars-Universums präsentierte. Für mich am interessantesten: Regisseur Shawn Levy und Schauspieler Ryan Gosling stellten den neuen Film Star Wars: Starfighter vor, der fünf Jahre nach den Ereignissen von Der Aufstieg Skywalkers spielt. Die Produktion beginnt im Herbst 2025, der Kinostart ist für den 28. Mai 2027 geplant.

Lee Millers Sohn Anthony Penrose über die emotionale Kraft von „Die Fotografin“ im Amerika-Haus München

22. April 2025

Die Fotografin ist weit mehr als ein klassisches Biopic. Der Film zeichnet das bewegende Porträt einer außergewöhnlichen Frau – Lee Miller –, die als Kriegsfotografin, Künstlerin und Kämpferin gegen das Vergessen in die Geschichte einging. Im Amerika-Haus München fand vor kurzem eine Vorführung des Films statt. Anthony Penrose, der Sohn der berühmten Kriegsfotografin, wurde live zu einem Filmgespräch zugeschaltet.

Mit großer Sensibilität und visueller Kraft erzählt der Film nicht nur von den historischen Ereignissen, die Miller dokumentierte, sondern auch von den inneren Narben, die sie davontrug. Kate Winslet verkörpert die widersprüchliche, brillante und verletzliche Lee Miller mit beeindruckender Tiefe und Authentizität.

Im Amerika-Haus ist noch bis 31. Juli eine Ausstellung über das Werk von Lee Miller zu sehen ist. Ich habe hier darüber gebloggt. Im Zentrum des Abends stand jedoch für mich nicht nur der Film selbst, sondern das Gespräch zwischen Anthony Penrose und Julia Weigel, Co-Direktorin des Filmfests München. Penrose, der auch Ko-Direktor des Lee Miller Archivs ist, gab Einblicke in die Entstehung des Films, seine persönliche Beziehung zur Mutter – und wie beides auf unerwartete Weise zusammenfand.

Besonders spannend war die Entstehung des Fotobuchs, das die Grundlage für die Ausstellung im Amerikahaus bildet. Penrose erklärte, dass die Auswahl der Bilder bereits vor Fertigstellung des Films erfolgte: „Ich kannte das Drehbuch gut, weil ich eng mit den Autorinnen zusammenarbeitete, aber bei der Auswahl der Fotos war vieles auch einfach ein Ratespiel – und zum Glück lagen wir meistens richtig.“ Zudem sei es wichtig gewesen, gemeinsam mit dem Amerikahaus Motive auszuwählen, die einen Bezug zur Münchner Geschichte und zum lokalen Kontext haben.

Detailtreue als oberstes Prinzip
Der Film selbst basiert auf einem sehr persönlichen Buch Penroses über das Leben seiner Mutter. Er erzählte, wie Kate Winslet, die nicht nur Hauptdarstellerin, sondern auch Produzentin des Films ist, durch die Lektüre des Buches auf Lee Miller aufmerksam wurde.

Die Arbeit am Drehbuch sei von einem hohen Maß an historischer Genauigkeit geprägt gewesen. Penrose betonte: „Kate und unsere Drehbuchautorin Marion Hume ließen nichts im Film, was wir nicht auch beweisen konnten. Selbst Details wie: Können zwei Menschen nebeneinander die Treppe in Hitlers Wohnung hochgehen? mussten wir belegen.“

Eine Anekdote zur Datierung der Aufnahmen in Dachau veranschaulichte diese Sorgfalt eindrucksvoll. Da Lee Miller ihre Aufnahmen nicht datierte, halfen ihm die Schneeverhältnisse auf den Fotos sowie Archivmaterial aus Dachau, den exakten Tag – den 30. April 1945 – zu bestimmen.

Die Kraft der Fiktion: Gespräch mit der verstorbenen Mutter
Eine besondere narrative Ebene des Films ist der fiktive Dialog zwischen Lee Miller und ihrem erwachsenen Sohn – dargestellt von Josh O’Connor.

Penrose sagte dazu: „Diese Gespräche hat es so nie gegeben – aber es sind die Fragen, die ich ihr gerne gestellt hätte, nachdem ich ihre Fotos und Manuskripte entdeckt habe. Fragen, die ich leider erst nach ihrem Tod hatte.“ Der Film wurde für ihn zu einem emotionalen Raum, in dem Versäumtes doch noch ausgesprochen werden konnte. „Es war sehr berührend für mich, diese Szenen zu sehen. Denn obwohl es Fiktion ist, spiegelte es meine inneren Prozesse wider.“

Kate Winslet als Lee Miller – mehr als Schauspiel
Mit sichtbarer Bewunderung sprach Penrose über die Zusammenarbeit mit Kate Winslet:
„Sie ist warmherzig, klug, absolut professionell – und sie wollte Lee wirklich verstehen. Dafür verbrachte sie Wochen im Archiv, las Briefe, Manuskripte, betrachtete Fotos. Sie hat sich nicht auf mein Urteil verlassen, sondern ist selbst zur Quelle gegangen.“

Der Moment, als Penrose sie zum ersten Mal als alte Lee Miller auf der Leinwand sah, war für ihn überwältigend: „Es war, als ob meine Mutter plötzlich vor mir stand. Die Stimme, die Mimik, die Gesten – alles stimmte. Ich war völlig verwirrt: Ist das meine Mutter? Nein, es ist Kate. Oder doch nicht?“ Diese Erfahrung beschrieb er als tief emotional – als eine Begegnung mit seiner Mutter, die er so zu Lebzeiten nie hatte.

Vom Konflikt zur Versöhnung
Penrose schilderte auch die schwierige Beziehung, die er über viele Jahre zu seiner Mutter hatte. Lee Miller litt nach dem Krieg an posttraumatischer Belastungsstörung, Depressionen und Alkoholismus. „Die Frau, mit der ich aufwuchs, war eine ganz andere als die junge, kraftvolle Frau, die wir im Film sehen“, sagte er.

Die Beziehung war über lange Zeit von Konflikten geprägt – aber kurz vor ihrem Tod fanden Mutter und Sohn wieder zueinander. „Wir wurden keine klassische Mutter-Sohn-Beziehung, aber wir wurden Freunde.“ Erst durch das Schreiben ihrer Biografie, das Studium ihrer Werke – und letztlich durch Kate Winslets Darstellung – habe er seine Mutter wirklich verstehen und sogar lieben gelernt: „Ich hatte dieses Gefühl nie zuvor. Aber durch Kate habe ich meine Mutter bekommen. Und darauf bin ich sehr stolz.“

Eine Einladung zur Begegnung
Zum Abschluss wandte sich Penrose direkt an das Publikum und stimmte auf den Film ein:
„Sie werden vielleicht nicht mit einem Lächeln aus dem Film kommen – aber ich hoffe, Sie werden das Gefühl haben, meiner Mutter begegnet zu sein. Und dass sie in Ihrer Vorstellung weiterlebt. Denn sie ist es wert, gekannt zu werden.“

Auftritt als Komparse
Penrose erklärte in dem Interview, dass er im Film als Komparse zu sehen ist. Er spielt einen Dachau-Häftling – in einer kurzen, aber für ihn sehr bedeutungsvollen Szene. Er hatte sich bewusst diese Rolle gewünscht: „Ich bin der erste Gefangene, den man sieht – in gestreifter Kleidung, an ein Fenster gelehnt, mit einem sehr traurigen Blick. Es war emotional überwältigend für mich.“ Diese Szene war für ihn besonders bewegend, da sie mit einem historischen Ort und mit den Fotografien seiner Mutter verbunden ist. Die Kulisse war so detailgetreu rekonstruiert, dass Penrose den Eindruck hatte, die Fotos seiner Mutter seien zum Leben erwacht.

Was erwartet uns bei „28 Years Later“?

17. April 2025

„28 Years Later“ ist die mit großer Spannung erwartete Fortsetzung der berühmten britischen Zombie-Filmreihe, die mit „28 Days Later“ (2002) begann und mit „28 Weeks Later“ (2007) fortgesetzt wurde. Der neue Film, der am 19. Juni 2025 in den deutschen Kinos startet, knüpft fast drei Jahrzehnte nach dem Ausbruch des Rage-Virus an, das Großbritannien und große Teile der Welt ins Chaos stürzte. Jetzt wurde ein neuer Trailer veröffentlicht.

Was ist zu erwarten Die Handlung spielt in einer Zeit, in der Großbritannien weiterhin unter strikter Quarantäne steht. Eine kleine Gruppe von Überlebenden lebt isoliert auf einer abgelegenen Insel, die nur durch einen schwer bewachten Damm mit dem Festland verbunden ist. Als einer der Bewohner die Insel verlässt, um das Festland zu erkunden, stößt er auf neue Bedrohungen und Geheimnisse – nicht nur durch die weiterhin extrem gefährlichen Infizierten, sondern auch durch andere Überlebende, die sich auf erschreckende Weise verändert haben. Der kürzlich veröffentlichte Trailer deutet auf eine düstere, beklemmende Atmosphäre hin und macht deutlich, dass die Gefahr durch das Virus und die gesellschaftlichen Folgen nach wie vor allgegenwärtig sind.

Kreative Köpfe
Hinter der Kamera stehen mit Danny Boyle (Regie) und Alex Garland (Drehbuch) wieder die kreativen Köpfe des ersten Teils. Die Hauptrollen übernehmen Jodie Comer, Aaron Taylor-Johnson, Jack O’Connell und Ralph Fiennes. Besonders für Fans der Reihe ist interessant, dass Cillian Murphy, der Hauptdarsteller aus „28 Days Later“, als Executive Producer beteiligt ist und offenbar einen Cameo-Auftritt als infizierte Version seiner Figur Jim hat – ein spannender und möglicherweise tragischer Twist. „28 Years Later“ ist zudem als Auftakt einer neuen Trilogie geplant, deren zweiter Teil bereits in Arbeit ist.

Zombies in der Geschichte
Um die Bedeutung dieses Films einzuordnen, lohnt sich ein Blick auf die Geschichte des Zombie-Films. Das Genre entstand in den 1930er Jahren mit Werken wie „White Zombie“, in denen der Voodoo-Mythos dominierte. Einen radikalen Wandel brachte George A. Romeros „Night of the Living Dead“ (1968), der das Bild des fleischfressenden Untoten prägte und gesellschaftskritische Themen ins Zentrum rückte. In den folgenden Jahrzehnten entwickelte sich das Genre weiter, von Splatterfilmen bis zu modernen Interpretationen wie „Shaun of the Dead“ oder „The Walking Dead“. „28 Days Later“ brachte 2002 frischen Wind ins Genre, indem die Zombies – streng genommen Infizierte – nicht langsam und schlurfend, sondern schnell und aggressiv waren. Diese Neuerung beeinflusste viele spätere Filme und Serien.

Die „28“-Reihe selbst zeichnet sich durch ihren Fokus auf die Auswirkungen einer Pandemie auf Individuen und Gesellschaft aus. Während „28 Days Later“ den Ausbruch und das unmittelbare Überleben thematisierte, zeigte „28 Weeks Later“ den Versuch einer militärischen Eindämmung und das erneute Scheitern der Kontrolle. „28 Years Later“ wagt nun den Sprung in eine postapokalyptische Welt, in der nicht nur das Virus, sondern auch die veränderten Menschen selbst zur Bedrohung werden.

Insgesamt dürfen wir Fans uns auf einen atmosphärisch dichten, gesellschaftskritischen und spannenden Horrorfilm freuen, der die Tradition der Reihe fortsetzt und gleichzeitig neue Impulse setzt. Mit einem erfahrenen Ensemble, einem erfahrenen Kreativteam und dem Versprechen, den Auftakt zu einer neuen Trilogie zu liefern, könnte „28 Years Later“ das Zombie-Genre erneut prägen und weiterentwickeln.

Überleben
In „28 Years Later“ werden mehrere zentrale Themen besonders hervorgehoben, die an die Tradition der Reihe anknüpfen und sie weiterentwickeln. Im Mittelpunkt steht erneut die Frage nach dem Überleben in einer postapokalyptischen Welt, die seit Jahrzehnten vom Rage-Virus und seinen Folgen geprägt ist. Dabei rückt der Film die Isolation und das Misstrauen zwischen den letzten Überlebenden in den Fokus: Die Menschen leben auf einer abgelegenen Insel unter strikter Quarantäne, und der Kontakt mit dem Festland ist mit großer Gefahr verbunden. Dieses Setting verstärkt das Motiv der gesellschaftlichen Fragmentierung und der Angst vor dem Fremden, das bereits in den Vorgängern angelegt war.

Ein weiteres zentrales Thema ist die Veränderung der Menschlichkeit unter extremen Bedingungen. „28 Years Later“ beschäftigt sich nicht nur mit der Bedrohung durch die Infizierten, sondern auch mit den psychologischen und moralischen Veränderungen der Überlebenden selbst. Die Frage, wie viel von der ursprünglichen Zivilisation, Moral und Solidarität nach Jahrzehnten des Ausnahmezustands noch übrig ist, steht im Raum. Damit knüpft der Film an die gesellschaftskritischen Aspekte der Vorgänger an, erweitert sie aber um die Perspektive einer Generation, die nie eine „normale“ Welt kennengelernt hat.

Zudem thematisiert der Film die Hoffnung auf einen Neuanfang und die Suche nach Sinn in einer zerstörten Welt. Die Überlebenden müssen entscheiden, ob sie sich weiterhin isolieren oder das Risiko eingehen, die Welt außerhalb ihrer Zuflucht zu erkunden – und dabei möglicherweise neue Formen des Zusammenlebens und der Menschlichkeit entdecken oder endgültig verlieren. Die Bedrohung durch das Virus wird so zum Spiegel für die inneren Konflikte der Figuren und ihre Fähigkeit, sich an veränderte Bedingungen anzupassen.

Isolation, Misstrauen und moralischen Verfall
Insgesamt setzt „28 Years Later“ die Tradition der Reihe fort, indem er den Horror nicht nur in der äußeren Bedrohung durch das Virus, sondern vor allem in den gesellschaftlichen und individuellen Folgen einer langanhaltenden Katastrophe sucht. Der Film hebt damit Themen wie Isolation, Misstrauen, moralischen Verfall und die Suche nach Hoffnung besonders hervor und bleibt damit dem gesellschaftskritischen und psychologisch dichten Ansatz der Reihe treu.

Die verbotene Seite des Wissens – Eine filmische Reise durch Bibliotheken mit der Name der Rose

9. April 2025

Im Rahmen der Veranstaltungen zur langen Nacht der Bibliotheken durfte ich im Scala Kino Fürstenfeldbruck einen Vortrag zum Thema Zwischen Regal und Leinwand – Bibliotheken im Film halten. Als Beispiel diente mir die Jean-Jacques Annauds Verfilmung des Romans Der Name der Rose von Umberto Eco aus dem Jahr 1986. Der Film verbindet eine spannende Handlung mit tiefgründigen Themen wie Macht, Wissen und Glauben.

Hier die Aufzeichnung meines Vortrags auch mit Beispielen aus anderen Filmen, die einen Bezug zur Bibliothek haben.

Die Geschichte Der Name der Rose spielt im Jahr 1327 in einer abgelegenen Benediktinerabtei, in der mehrere Mönche unter mysteriösen Umständen sterben. Der Franziskanermönch William von Baskerville (Sean Connery) und sein Novize Adson von Melk (Christian Slater) untersuchen die Morde. Die Handlung entfaltet sich als Detektivgeschichte, die gleichzeitig philosophische Fragen nach Wahrheit, Freiheit und der Kontrolle von Wissen aufwirft.

Wissen und Macht
Die Bibliothek symbolisiert das kontrollierte Wissen der Kirche. Das verbotene Buch „Aristoteles‘ Zweites Buch der Poetik“ steht für Freiheit des Denkens.

Philosophie und Religion
Der Konflikt zwischen rationalem Denken und kirchlichem Dogma wird durch die Figuren und ihre Handlungen verkörpert.

Wahrheit
William hinterfragt absolute Wahrheiten und sucht produktiv nach Erkenntnis, was im Gegensatz zur destruktiven Haltung der Kirche steht.

Unzugänglichkeit des Wissens
Die verwirrenden und verschlungenen Wege der Bibliothek symbolisieren die Komplexität und die bewusste Kontrolle über Wissen durch die Kirche. Der Zugang ist nur wenigen vorbehalten, was Macht und Geheimhaltung unterstreicht.

Metapher für das kulturelle Gedächtnis
Die labyrinthische Struktur repräsentiert das Gedächtnis und die systematische Ordnung von Wissen. Sie zeigt, wie Erinnerungen und Erkenntnisse verschlüsselt und schwer zugänglich gemacht werden können.

Gefahr und Orientierungslosigkeit
Das Labyrinth erzeugt eine Atmosphäre der Unsicherheit und Bedrohung. Es ist nicht nur räumlich schwierig zu durchqueren, sondern birgt auch Gefahren wie optische Täuschungen und Fallen, was die Risiken des Wissens metaphorisch darstellt.

Unterschiede zum Roman
Während Umberto Ecos Roman komplexere philosophische Diskussionen bietet, konzentriert sich der Film stärker auf die Kriminalgeschichte. Einige Handlungsebenen werden vereinfacht oder ausgelassen, um die Spannung zu fokussieren.

Meine Spekulationen zu Tron: Ares

8. April 2025

Die Katze ist aus dem Sack: Der Start von TRON: Ares ist für den 9. Oktober vorgesehen. Als Fan von Tron bin ich gespannt. Disney hat den ersten Trailer ins Netz gestellt. Und schon rattern meine Gedanken: Wie wird Tron fortgesetzt? Klar wird beim Betrachten des Trailers, dass der dritte Teil der Tron-Reihe die Grenzen zwischen digitaler und realer Welt weiter ausloten wird.

Hier ein bisschen Stochern im Nebel:
Im Mittelpunkt steht Ares, ein hochentwickeltes KI-Programm, das erstmals die digitale Welt (das Grid) verlässt und in die reale Welt eintritt. Jared Leto verkörpert diese Figur, die auf eine gefährliche Mission geschickt wird – deren Details sind noch unklar. Die Wahl des Namens „Ares“ (nach dem griechischen Kriegsgott) deutet darauf hin, dass der Film möglicherweise Themen wie Konflikte zwischen Menschen und Maschinen behandelt.

Im Trailer kracht es gewaltig – visuell beeindruckend, aber auf den ersten Blick nicht sonderlich anders als übliches Popcorn-Kino. Bei Tron erwarte ich mir ehrlich gesagt mehr Tiefe.

Der Film unter der Regie von Joachim Rønning setzt auf den Ereignissen von Tron: Legacy (2010) auf. Während dort Quorra, ein Programm, in die menschliche Welt übertrat, scheint Tron: Ares diese Idee weiterzuführen und zu vertiefen. Kevin Flynn (Jeff Bridges), der Schöpfer des Grids, kehrt zurück und spielt offenbar eine Schlüsselrolle. Eine Begegnung zwischen Flynn und Ares wird im Trailer angedeutet.

Es gibt Spekulationen über einen möglichen Krieg zwischen Menschen und KI-Wesen. Der Film könnte sich mit ethischen und existenziellen Fragen auseinandersetzen, die durch das Eindringen von KI in die reale Welt entstehen. Der Trailer zeigt eine düstere Atmosphäre mit industriellen Elementen – was auf einen ernsteren Ton hinweist. Wie bei den Vorgängern wird auch Tron: Ares für seine beeindruckenden visuellen Effekte bekannt werden. Der Stil bleibt futuristisch und neonlastig. Der Soundtrack stammt von Nine Inch Nails – das unterstreicht die düstere Stimmung des Films musikalisch. Nach Wendy Carlos und Daft Punk liegt die Messlatte allerdings ziemlich hoch.

Tron – ein Meilenstein
Der Film Tron (1982) gilt als Meilenstein in der Filmgeschichte, insbesondere wegen seiner visionären Nutzung von Computertechnologie und seiner thematischen Auseinandersetzung mit der digitalen Welt. Tron war einer der ersten Filme, der umfangreich auf Computer Generated Imagery (CGI) setzte. Obwohl nur etwa 15 Minuten des Films tatsächlich CGI enthalten, war das für die damalige Zeit revolutionär.

Der Film kombinierte CGI mit traditionellen Animationstechniken und Live-Action-Aufnahmen – das Ergebnis war eine einzigartige visuelle Ästhetik, die bis heute unverwechselbar bleibt. Ich wollte als Kind die Effekte mit meinem Commodore 64 nachbauen – und bin gnadenlos gescheitert.

Die innovative Darstellung einer virtuellen Welt inspirierte zahlreiche nachfolgende Filme und legte den Grundstein für die Entwicklung moderner visueller Effekte. Tron zeigte, dass digitale Technologien neue kreative Möglichkeiten für das Filmemachen eröffnen können – auch wenn es damals noch technische Einschränkungen gab.

Obwohl der Film an den Kinokassen nur mäßigen Erfolg hatte, entwickelte er eine starke Kultanhängerschaft. Besonders in der Videospiel-Community wurde er gefeiert, da er thematisch eng mit der aufkommenden digitalen Kultur verbunden war. Disney ging damals neue Wege – mit Filmen wie Tron oder Das schwarze Loch, die an den Kinokassen floppten, aber heute eine treue Fanbase haben. Ich warte noch immer auf die Bluray zum schwarzen Loch.

Interessanterweise wurde Tron nicht für den Oscar in der Kategorie „Beste visuelle Effekte“ nominiert, da die Academy CGI als „zu einfach“ ansah – ein Urteil, das heute geradezu ironisch erscheint angesichts der Komplexität moderner digitaler Effekte.

Die Vision hinter Tron
Regisseur Steven Lisberger wollte eine virtuelle Realität erschaffen, in der Computerprogramme als lebendige Entitäten dargestellt werden. Diese Idee war ihrer Zeit weit voraus und spiegelte die wachsende Bedeutung von Computern und Netzwerken wider. Ich war als Kind fasziniert von dieser Vorstellung – und bin es bis heute.

Thematisch behandelt Tron den Konflikt zwischen Individuen und mächtigen Konzernen, die den Zugang zu Informationen kontrollieren wollen. Diese Thematik bleibt auch heute hochaktuell und unterstreicht die visionäre Qualität des Films. Die visuelle Gestaltung von Tron – mit seinen leuchtenden Farben und geometrischen Formen – war stark von Videospielen inspiriert und schuf ein futuristisches Bild, das es bis dahin im Kino nicht gegeben hatte. Lisberger ließ sich dabei von Spielen wie Pong inspirieren.

Ekel – Phantastische Matinee am Sonntag, 6. April im Scala FFB

4. April 2025

Roman Polanskis Ekel ist ein beklemmendes Meisterwerk des psychologischen Horrors und zählt zu den bedeutendsten europäischen Filmen der 1960er Jahre. Ich bespreche und zeige diesen Klassiker am Sonntag 6. April um 10:45 Uhr im Rahmen meiner phantastischen Matinee im Scala Kino Fürstenfeldbruck. Karten gibt es hier.

Bei Ekel handelt sich um Polanskis ersten englischsprachigen Film und zugleich um das erste Werk seiner sogenannten „Apartment-Trilogie“, zu der später Rosemary’s Baby (1968) und Der Mieter (1976) gehören. Gemeinsam ist diesen Filmen die Darstellung des psychischen Verfalls einer Hauptfigur in einem beengten, urbanen Raum. Ekel (Originaltitel: Repulsion) ist dabei das radikalste und vielleicht intimste dieser Werke.

Inhalt des Films
Im Zentrum der Handlung steht Carol Ledoux (gespielt von Catherine Deneuve in ihrer ersten großen Hauptrolle), eine junge Belgierin, die mit ihrer Schwester in einer kleinen Londoner Wohnung lebt und als Maniküristin arbeitet. Von Beginn an wirkt Carol scheu, zurückgezogen und emotional abwesend. Ihre Beziehung zu Männern ist von tiefer Abneigung und Angst geprägt, insbesondere gegenüber dem Freund ihrer Schwester und einem Verehrer, der ihr Avancen macht. Als ihre Schwester in den Urlaub fährt und Carol allein in der Wohnung bleibt, beginnt sich ihr psychischer Zustand rapide zu verschlechtern. Die Wände scheinen sich zu verformen, Hände greifen aus den Schatten, Visionen, Wahnvorstellungen und Gewalt übernehmen die Kontrolle. Die Realität löst sich auf.

Psychologischer Horror und Subjektivität
Ekel ist ein eindringliches Porträt psychischer Isolation und schleichenden Wahnsinns. Polanski vermeidet dabei klassische Horrorelemente und konzentriert sich auf die innere Welt seiner Hauptfigur. Die Kamera folgt Carol auf Schritt und Tritt, lässt den Zuschauer ihre Wahrnehmung miterleben – ihre Halluzinationen, ihr Zeitgefühl, ihre Angst. Das macht Ekel zu einem intensiven psychologischen Erlebnis, das weniger mit äußeren Schocks arbeitet als mit psychischer Zermürbung.

Visuelle Mittel
Polanski und Kameramann Gilbert Taylor setzen dabei auf subtile, aber wirkungsvolle visuelle Mittel. Verzerrte Perspektiven, Schatten, Risse in den Wänden, flackernde Lichter und Geräusche werden Teil einer subjektiven Realität, die zunehmend aus den Fugen gerät. Besonders eindrucksvoll ist die Szene, in der sich plötzlich Hände aus den Wänden strecken – ein visuelles Sinnbild für Carols Angst vor körperlicher Nähe und sexueller Übergriffigkeit. Auch die Geräusche der Stadt, des Tropfens eines Wasserhahns oder das Ticken einer Uhr bekommen eine beängstigende Intensität.

Weibliche Psyche
Polanski zeichnet in Ekel das Bild einer Frau, die an der Repression ihrer Sexualität und der Isolation in einer fremden Welt zerbricht. Carol wirkt nicht nur als Einzelperson verletzlich, sondern auch als Projektionsfläche für ein gesellschaftliches Klima, in dem Frauen zwischen Erwartung, Objektifizierung und sozialer Unsichtbarkeit gefangen sind. Ihre Wohnung wird vom Rückzugsort zum Gefängnis, ihr Körper zur Kampfzone.

Der Film verweigert einfache Erklärungen für Carols Zustand. Zwar gibt es Andeutungen eines möglichen Missbrauchs in der Kindheit (ein Familienfoto zeigt Carol als Kind mit einem merkwürdigen Blick auf einen älteren Mann), aber Polanski lässt bewusst Leerstellen. Diese Ambivalenz verstärkt die Wirkung des Films: Carol ist nicht Opfer eines äußeren Täters, sondern vielmehr einer Welt, die sie überfordert und verstört – und aus der sie sich zurückzieht, bis nichts mehr übrig bleibt.

Schauspiel
Catherine Deneuve trägt den Film nahezu allein. Ihre Darstellung ist minimalistisch und zurückgenommen, aber von unglaublicher Intensität. Mit kleinen Gesten, Blicken und Haltungen vermittelt sie Carols fortschreitenden Zerfall, ohne jemals zu übertreiben. Gerade in ihrer wortlosen Präsenz entfaltet sich eine beklemmende Spannung, die den Zuschauer tief ins Geschehen hineinzieht.

Polanskis Inszenierung ist kühl, präzise und von einer beinahe klinischen Strenge. Der Film verzichtet auf jede Form von Musikuntermalung in Schlüsselszenen, was die Einsamkeit und Stille in Carols Welt noch verstärkt. Wenn Musik ertönt, dann wirkt sie oft wie ein zusätzliches Element des Unbehagens.

Stilistische Einflüsse
Ekel steht in der Tradition europäischer Autorenfilme, insbesondere des französischen Kinos, ist aber auch beeinflusst vom amerikanischen Film noir und expressionistischen Stilmitteln. Man spürt die Nähe zu Alfred Hitchcock – nicht zuletzt durch die Wahl der Blondine in Bedrängnis – aber auch zu Buñuel oder Bergman. Zugleich hat Ekel selbst viele spätere Filme beeinflusst, von Taxi Driver bis Black Swan.

Der Film wurde 1965 von der Kritik gefeiert und gewann mehrere Preise, darunter den Silbernen Bären der Berlinale. Auch heute gilt Ekel als ein Meilenstein des psychologischen Kinos – nicht zuletzt, weil er die Grenzen des Horrorfilms neu definierte.

Ekel ist ein meisterhaft inszenierter, verstörender und tiefgründiger Film, der das Publikum nicht nur erschreckt, sondern auch zur Reflexion über psychische Gesundheit, soziale Isolation und weibliche Identität anregt. Polanski gelingt hier eine visuelle und emotionale Tour de Force, die zu den stärksten psychologischen Filmstudien des 20. Jahrhunderts gehört. Kein Film für schwache Nerven – aber ein absolutes Muss für Cineasten. Ich freue mich auf den Film im Rahmen meiner phantastischen Matinee im Scala. Karten gibt es hier.

Popcorn-Sarg für Nosferatu

2. April 2025

Heute kommt Nosferatu von Robert Eggers als Bluray auf den deutschen Markt. Ich habe mir die 4K-Version als Steelbook bestellt, weil den Vampirfilm sehr schätze. Über den Film habe ich mich ja bereits ausführlich geäußert. Weil ich so ein Fan des Vampirs bin, hat mir mein Kollege Markus Elfert von Filmreport ein besonderes Geschenk gemacht: Einen Sarg, der speziell für Nosferatu in den USA auf den Markt kam.

Er stammt von Alamo Drafthouse Cinema. In Deutschland ist das Unternehmen eher den Insidern bekannt. Meine US-Freunde aus New York kannten sie allesamt. Alamo Drafthouse Cinema ist eine US-amerikanische Kinokette, die 1997 von Tim und Karrie League in Austin, Texas, gegründet wurde. Sie ist bekannt für ihr einzigartiges Konzept, bei dem Speisen und Getränke während der Filmvorführungen serviert werden, sowie für ihre strikte Einhaltung von Kinoregeln wie der Vermeidung von Störungen durch Zuschauer.

Ursprünglich als kleines Repertoirekino mit einem Saal gestartet, entwickelte sich Alamo Drafthouse zu einer der innovativsten Kinoketten in den USA. Die Kette betreibt heute 42 Standorte in den USA, darunter in Texas, New York und Kalifornien. Geplant sind weitere Eröffnungen. Neben der Gastronomie bietet Alamo Drafthouse thematische Filmabende, Retrospektiven und interaktive Events.

Im Juni 2024 wurde Alamo Drafthouse von Sony Pictures Entertainment übernommen. Die Kette bleibt eigenständig, wird jedoch Teil der neuen Abteilung „Sony Pictures Experiences“. Ziel ist es, das Kinoerlebnis weiterzuentwickeln und kulturell zu stärken. Ich hab eigentlich immer Angst, wenn eine Major-Kette einsteigt, aber im Moment scheint es noch gut zu gehen.

Alamo Drafthouse gilt als Vorreiter im Bereich „Dine-In-Kinos“ und hat eine treue Fangemeinde aufgebaut. Es ist die siebtgrößte Kinokette Nordamerikas und ein Symbol für Innovation in der Kinobranche.

Beim Kinostart von Nosferatu in den Alamo Drafthouse Kinos wurde ein spezieller “Popcorn-Sarg” angeboten. Dieser exklusive Eimer war als Sarg gestaltet, gefüllt mit einem Plüsch-Ratte und einem Überraschungs-Andenken, speziell für die Veranstaltung “Nosferatu Beyond the Grave Screening” entwickelt

Der Sarg als Popcorn-Eimer wurde als Teil eines Trends für virales Marketing eingeführt, um Filme mit außergewöhnlichen und auffälligen Sammlerstücken zu bewerben. Der Nosferatu-Sarg sollte die düstere und ikonische Atmosphäre des Films widerspiegeln und gleichzeitig Sammler und Fans ansprechen. Solche Popcorn-Eimer dienen als kreative Merchandising-Artikel, die Aufmerksamkeit erregen und den Kinobesuch zu einem besonderen Erlebnis machen.

Die Reaktionen der Zuschauer auf ungewöhnliche Popcorn-Eimer, wie sie bei Filmpremieren oder speziellen Events angeboten werden, sind meist positiv und begeistert. Viele Fans sehen sie als Sammlerstücke und kreative Ergänzung zum Kinoerlebnis. Designs, die sich auf Filme oder Charaktere beziehen, gehen oft viral, da sie sowohl Nostalgie als auch Exklusivität ansprechen. Einige Zuschauer empfinden jedoch den Hype als übertrieben oder verstehen nicht, warum Popcorn-Behälter so beliebt geworden sind. Ich hab ein paar solcher Becher von Star Wars und Wall E in meiner Sammlung.

Filmkritik: Rosenthal (2025)

31. März 2025

Der Fernsehfilm Rosenthal aus dem Jahr 2025 widmet sich dem Leben des beliebten deutschen Showmasters Hans Rosenthal, bekannt durch die Unterhaltungssendung Dalli Dalli. Unter der Regie von Oliver Haffner (Wackersdorf) und basierend auf dem Drehbuch von Gernot Krää, beleuchtet der Film einen entscheidenden Moment in Rosenthals Karriere und persönlichem Leben. Ich war auf der Premiere vor der ZDF-Ausstahlung im Rahmen des Filmfests München in das Audimax der Hochschule für Fernsehen und Film (HFF) eingeladen.

Eigentlich wollte ich ein Seminar zum Thema Hans Rosenthal machen, doch mein Kooperationspartner sprang erst einmal ab. Schade, denn der 100. Geburtstag von Rosenthal wäre es ein guter Anlass gewesen. Der stets fröhliche Entertainer, der seinen jüdischen Hintergrund immer heruntergespielt und sich der vorherrschenden deutschen Verdrängungsmentalität angepasst hat, steht in diesem Film vor einer existenziellen Zerreißprobe. Mal sehen, ob sich noch etwas machen lässt.

Worum geht es in dem TV-Film? Im Herbst 1978 steht die 75. Jubiläumsausgabe von Dalli Dalli an, die ausgerechnet auf den 9. November fällt – den Tag der ersten offiziellen Gedenkveranstaltung zu den Novemberpogromen von 1938. Hans Rosenthal, gespielt von Florian Lukas, sieht sich in einem tiefen inneren Konflikt: Soll er an diesem bedeutenden Gedenktag eine Unterhaltungssendung moderieren oder seiner persönlichen Geschichte und der jüdischen Gemeinschaft Rechnung tragen? Der Film zeigt eindrucksvoll Rosenthals Zerrissenheit zwischen seiner öffentlichen Rolle als Entertainer und seiner privaten Vergangenheit als jüdischer Holocaust-Überlebender.

Schauspielerische Leistung
Florian Lukas verkörpert Hans Rosenthal mit bemerkenswerter Tiefe und Authentizität. Er fängt die innere Zerrissenheit und den emotionalen Zwiespalt des Entertainers nuanciert ein. Silke Bodenbender in der Rolle von Traudl Rosenthal ergänzt das Ensemble mit einer einfühlsamen Darstellung der unterstützenden Ehefrau. Claude Heinrich überzeugt als junger Hans Rosenthal in den Rückblenden, die dem Zuschauer Einblicke in die prägenden Erlebnisse seiner Jugend gewähren.

Ich konnte am Rande der Feierlichkeiten kurz mit Regisseur Oliver Haffner sprechen und ihn für seine Leistung gratulieren. Oliver Haffner gelingt es, die komplexe Thematik sensibel und dennoch kraftvoll zu inszenieren. Das Drehbuch von Gernot Krää verbindet geschickt die verschiedenen Zeitebenen und schafft es, die Spannung zwischen Vergangenheit und Gegenwart spürbar zu machen. Die Dialoge sind prägnant und authentisch, wodurch die Charaktere lebendig und nachvollziehbar wirken. In einem ausführlichen Filmgespräch erzählte Haffner von seiner Motivation. Bedrückend für mich war sein Bekenntnis, dass er bis zum seinem 18. Lebensjahr das Wort Jude nicht in den Mund nahm.

Oliver Haffner ist für mich absolutes Talent. Er wurde am 4. April 1974 in Germersheim geboren, wuchs in München auf und hat sich als deutscher Film- und Theaterregisseur sowie Drehbuchautor einen Namen gemacht. Nach dem Abitur begann er ein Studium der Politikwissenschaft an der Ludwig-Maximilians-Universität München, wechselte jedoch später ans Wiener Max Reinhardt Seminar, um Theaterregie zu studieren. Anschließend sammelte er erste Erfahrungen als Regieassistent am Wiener Burgtheater und inszenierte danach als freier Regisseur an verschiedenen deutschsprachigen Bühnen, darunter die Wiener Festwochen, das Pfalztheater Kaiserslautern und das Schauspielhaus Bochum.

Parallel dazu absolvierte Haffner ein Studium der Spielfilmregie an der Hochschule für Fernsehen und Film München. Sein Abschlussfilm Mein Leben im Off (2010) wurde mit mehreren Publikumspreisen ausgezeichnet, unter anderem beim FILMZ Festival des deutschen Kinos und den Biberacher Filmfestspielen. Mit Ein Geschenk der Götter (2014) setzte er seinen Erfolg fort; der Film erhielt den Publikumspreis beim Filmfest München sowie den Goldenen Biber als bester Film bei den Biberacher Filmfestspielen. Sein Spielfilm Wackersdorf (2018), der den Widerstand gegen den Bau einer atomaren Wiederaufbereitungsanlage thematisiert, wurde ebenfalls mehrfach prämiert, darunter mit dem Publikumspreis des Filmfests München und dem Bayerischen Filmpreis. Ich hab mir ein Autogramm auf die Bluray geben lassen.

Neben seiner Tätigkeit als Regisseur und Autor ist Haffner Professor für Filmschauspiel und Studiendekan an der Filmuniversität Babelsberg Konrad Wolf in Potsdam. Er lebt und arbeitet in München und Berlin. Ausführlich danke Haffner auf der Bühne seinem Team.

Visuelle Umsetzung
Die Kameraarbeit von Kaspar Kaven fängt die Atmosphäre der späten 1970er Jahre treffend ein. Besonders die Szenen in den Fernsehstudios und die detailgetreue Nachbildung der Dalli Dalli-Kulisse lassen die Zuschauer in die damalige Zeit eintauchen. Als Kind schaute ich mit meinen Eltern immer Dalli-Dalli, war natürlich mit Dalli-Klick und „das war Spitze“ vertraut. Somit war der Film auch eine Zeitreise in meine Jugend. Ich kann mich nicht erinnern, dass der jüdische Glaube von Rosenthal bei uns in der Familie thematisiert wurde, obwohl ich in einem politischen Haushalt aufwachsen bin. Bei uns war die deutsche Teilung und der RAF-Terror eher ein Thema in den siebziger Jahren.
Beim Ansehen des Films ertappte ich mich, dass ich das Dalli Dalli-Thema mitsummte, wie viele andere im Audimax der HFF auch.

Die musikalische Untermalung von Lorenz Dangel und Fabian Zeidler unterstützt die emotionale Tiefe des Films ohne aufdringlich zu wirken. Die bekannten Melodien aus Dalli Dalli werden dezent integriert und schaffen eine Verbindung zwischen Rosenthals öffentlichem und privatem Leben.

Für mich ist Rosenthal ein bewegendes Biopic, das nicht nur das Leben eines der bekanntesten deutschen Entertainer würdigt, sondern auch die Herausforderungen und inneren Konflikte eines jüdischen Künstlers in der deutschen Nachkriegsgesellschaft beleuchtet. Der Film regte mich zum Nachdenken an und erinnert mich daran, wie wichtig es ist, sich der eigenen Geschichte zu stellen und sie mit der Gegenwart zu versöhnen. Ein sehenswertes Werk, das durch herausragende schauspielerische Leistungen und eine einfühlsame Inszenierung überzeugt.

Er wurde im Rahmen des Filmfest München 365 gezeigt. Der Leiter des Filmfests München Christoph Gröner und die künstlerische Co-Leiterin Julia Weigl begrüßten das Publikum in Audimax der HFF zur Vorführung des Films.