Am 4. Mai ist Star Wars-Tag – „May the 4th be with you“. Gibt es viel zu erzählen: Die beiden Teaser zum Filmereignis sind schon genügend diskutiert worden und auch das anstehende Spiel Battlefront hab ich schon bestellt. Also berichte ich am 4. Mai über Yoda, den Jedi-Meister.
Ich traf den Yoda-Guy, den Schöpfer der Yoda-Figur, Nick Maley vor kurzen in Erlangen auf einem von mir organisierten Event des Munich ACM Siggraph Chapters. Nick Maley will in Nürnberg ein Holoseum – eine neue Art von Filmmuseum errichten. Auf rund 1000 Quadratmeter will er eine Ausstellung aus verschiedenen privaten Sammlungen schaffen. „Jedes Mal, wenn ein renommierter Film-Veteran stirbt, gehen jahrzehntelange Erinnerungen und Erfahrungen verloren und verschwinden weitgehend unbekannt“, so Nick Maley. Hier soll sein Filmmuseum FXpo einsetzen, für das Maley derzeit die Werbetrommel rührt.
Er hat einiges vor: „Mit interaktiven Licht, Stereo-Sound und Hologrammen der beteiligten Personen, werden Requisiten, Kreaturen und Miniaturmodelle präsentiert. Wir werden die ‚Inside Stories‘, wie diese Filme gemacht wurden erzählen und geben Ratschläge von den Profis, wie man in der Unterhaltungsindustrie eine Karriere starten kann.“ Ein schöner Traum – bis zum Jahresende sollen erste Exponate stehen, damit sich mögliche Sponsoren etwas vorstellen können.
Ich durfte Nick Maley zum Interview treffen.
Special Make-up- und Creature Effects-Designer Nick Maley wirkte in 53 Filmen mit. Allgemein ist er bekannt als “der Yoda Guy” für seinen Beitrag zur Kreation von Yoda und andern Kreaturen von Star Wars. Zudem hat er auch bei Filmen wie Superman, der Highlander-Saga, the Shining, Krull und Lifeforce mitgewirkt.
Nick Maley freut sich auf den neuen Star Wars, der im Dezember starten wird, auch wenn er nicht von der Partie ist. Digitale Effekte werden wohl das Sagen haben. Der neue Roboter BB8 sei ein digitaler Effekt und Maley war ziemlich überrascht, dass der BB8 auf der Star Wars Convention in Anaheim als funktionsfähige Puppe auf die Bühne kam. „Das ist ein Bekenntnis zu practical effects.“ Das folgt den Geist der Star Wars-Folgen 5 und 6.
Die Arbeit mit Irwin Kershner bezeichnete Nick Maley als sehr gut. Kershner drehte das Imperium schlägt zurück und führte erstmals die Figur Yoda ein. Mal sehen, ob Dagobah nicht noch andere Figuren zu Tage bringt, aber das wird eine andere Geschichte. „Irwin Kershner ist nicht gerade das, was man als Special Effects-Regisseur bezeichnet“, schmunzelt Maley. „Ich arbeite am ersten Star Wars meinst mit Alec Guiness, nicht mit George Lucas. Lucas war ein junger Regisseur mit einer Baseball-Mütze auf dem Kopf. Wir respektierten Lucas, weil er das Geld für den Film zusammenbrachte, aber er hatte eine sehr eigene Arbeitsweise.“ Er sei nicht David Lean, er sei nicht Alfred Hitchcock. Nach dem Erfolg von Krieg der Sterne zog sich Lucas vom Regiestuhl zurück und der Schauspieler-Regisseur Irwin Kershner kam und brachte Tiefe. „Irwin Kershner brachte die Sensibilität für Schauspieler mit. Lucas ist nicht gerade ein kommunikativer Mensch.“ Kershner arbeitete anders als Lucas mit den Darstellern und dies tat Imperium schlägt zurück sehr gut.
Nick Maley ging auch auf die Zusammenarbeit mit Tope Hooper bei Lifeforce ein. „Tope Hooper ist ein verrückter Junge“, so Maley. Er stolziert herum und raucht die ganze Zeit Zigarren. „Es war sehr einfach mit ihm zu arbeiten. Er vertraute seinem Team. Er kam und sagte, wie er es haben wollte und überließ es uns.“ Als Maley das Drehbuch des SF-Films las, dachte er, wie er die Kosten senken konnte. Effekte wiederholten sich in dem Film und nutzen sich damit ab. Also überarbeitete Maley das Skript und er war damit Regsisseur für die 2. Unit für die gesamten Animatronics. Lifeforce war ein Flopp, was nach Meinung Maleys daran lag, dass der Film aus Kostengründen in London und nicht in New York spielte. Zudem waren die Leistungen der Schauspieler schlecht. „Meine Animatronics waren besser als manche Schauspieler“, gestand Maley ein.
Der Meister mit seinem Werk.
Bei Krull stieg Nick Maley sehr spät ein. Für die Vorproduktion waren vier Monate geplant und nach zweieinhalb Monaten Arbeit wurde das Team rausgeworfen. Nick Maley wurde engagiert und musste innerhalb sechs Wochen die ganze Arbeit leisten. „Ich musste bei Null beginnen“, erinnert sich Maley. „Ich hatte damals den Ruf, unmögliche Jobs zu meistern.“ Und weiter: „Ich arbeitete von 6 Uhr morgens bis 23 Uhr nachts und dies sieben Tage die Woche, aber nach fünf Jahren brennt man aus.“ Und dennoch: „Krull war der schönste Film, den ich jemals gemacht habe. Die Leute am Set waren ausgezeichnet. Alle zogen am gleichen Strang. Ich hatte eine Crew von 18 Leuten und es war ein tolles Erlebnis, darunter ein 16jähriger Praktikant, der heute Captain America und Maleficent – Die dunkle Fee gemacht hat“, so Maley.
Yoda ist einfach ein Klassiker
„Das Wichtigste als junger Designer ist, dass man zu jung ist, um zu wissen, was nicht geht und es probiert und dann einen Weg findet, das Problem zu lösen.“ Ein Wahlspruch von Nick Maley ist: „Höre niemals auf die negativen Einflüsse von anderen Leuten. Die Leute geben dir gute Ratschläge, damit du normal bleist. Ein anderes Wort für normal ist durchschnittlich. Aber wenn du außergewöhnlich sein willst, dann darfst du nicht auf alle weisen Ratschläge hören.“
Auf die Zusammenarbeit mit dem Regie-Gott Stanley Kubrick ist Nick Maley nicht so gut zu sprechen. Maley arbeitete 1980 an der Stephen King-Verfilmung The Shining mit. „Kubrick war ein verdammt talentierter Verrückter.“ Maley: „Meine Erinnerung an Kubrick ist, dass er alles, alles proben und austesten wollte, wieder und immer wieder. Tests sind nichts schlechtes, aber Kubrick übertrieb es meiner Meinung nach. Wir wiederholten in diesem Film Szenen Hunderte Mal und dann nochmal. Und dann hatten wir einfache Shots, die wir wieder Hunderte Male wiederholten. Für mich waren das zu viele Wiederholungen.“ Maley arbeitete an den Geistern im Ballroom des Overlook-Hotels mit. Und er half bei der Badenwannen-Schönheit, die zur Wasserleiche in Zimmer 237 mutiert, mit. „Shining ist heute ein Klassiker und ich bin heute sehr begeistert, dass ich mit ihm in Verbindung gebracht werde.“ Und dann scherzt Maley: „Noch stolzer wäre ich, wenn ich bei 2001 – Odyssee im Weltraum mitmachen hätte können.“
Meine Frau machte mich darauf aufmerksam: Vor 40 Jahren im Jahre 1974 erschien der erste Roman von Stephen King: Carrie . Damit hatte Stephen King sein Genre gefunden und als Jugendlicher entdeckte ich für mich den Autor und verschlang jahrelang seine frühen Romane. Erst als Kind in den Fantasy-Bereich abglitt, hab ich aufgehört, seine Bücher zu lesen. Ich fang aber mit Dr. Sleep wieder an und will die Fortsetzung von Shining genießen.
Irgendwo im Archiv habe ich noch die deutsche Erstausgabe von Carrie, die 1977 in Schneekluth Verlag erschienen ist. Aber meine erste Carrie-Ausgabe erschien 1983 bei Bastei-Lübbe, noch in der Übersetzung von Elisabeth Epple. Lübbe kam 1992 mit einer Neuübersetzung von Wolfgang Neuhaus auf den Markt, die ich allerdings nicht gelesen habe.
Das Thema Telekinese interessierte mich. Und die Geschichte eines jungen Mädchens mit übersinnlichen Kräften fand ich hervorragend erzählt. Für mich war Carrie nicht böse und die spätere Verfilmung von Brian de Palma mit dem Untertitel „Die jüngste Tochter des Satans“ führt auf die falsche Fährte. Carrie ist ein schüchterner Teenager mit einer fanatischen Mutter. Das Kind wurde allein gelassen in einer modernen Welt und muss sich mit dem Heranwachsen zurechtfinden. Das Grauen bricht in den Alltag hinein und kommt nicht mehr von entstellten Monstern, wie ich sie einst kannte. Carrie änderte meine Sicht auf den Grusel- oder Horrorroman, der damals bei mir von Frankenstein, Dracula und dem Werwolf beherrscht war.
Über den Film Carrie – Des Satans jüngste Tochter von Brian de Palma habe ich bereits gebloggt. Nochmals: Ein toller Film mit viel Anspielungen auf Hitchcock. Vor knapp einer Woche habe ich mir die Neuverfilmung angeschaut und schüttle nur den Kopf. Natürlich ist der Film näher am Roman und die VFX sind besser, aber die Darsteller haben nicht die Klasse der de Palma-Verfilmung. Also besser Finger weg.
Ein kleiner Tipp zum Soundtrack Carrievon Pino Donaggio. Ich habe die Ryko-Version von Carrie und bisher nicht die auf 1500 Exemplare limitierte Kritzer-Ausgabe, die noch etwas mehr Material bietet. Aber bereits meine Version ist inzwischen selten geworden und wer sie sieht, sollte zuschlagen. Ein paar Dialoge, ein paar siebziger Jahre Songs, aber vor allem viel, viel Atmosphäre wurde in den Score gepackt. Beispielsweise der Track School in Flames ist eine Mischung zwischen natürlichen Streichinstrumenten und Elektroniksound und zeigt, was Pino Donaggio zu leisten vermag. Eigentlich hätte ich bei dem Höhepunkt des Films bei Carries blutiger Rache laute, rhythmische Musik erwartet, aber nein: Pino Donaggio bringt uns ruhige, erhabene Klänge dar, die uns zutiefst verstören. Auch der Track Mother at the top of the stairs kommt leise orchestral daher, erinnert dann an Kirchenklänge und zeigt die religiöse Welt der Carrie zwischen Glaube und Fanatismus wunderbar.
Gilbert Taylor ist im Alter von 99 Jahren auf der Isle of Wight gestorben. Die wenigsten Kinozuschauer werden Taylor kennen, haben aber sicherlich sein Werk gesehen. Gilbert Taylor war einer der wichtigsten britischen Kameramänner. Er stand bei unendlich vielen Filmen hinter der Kamera, wie zum Beispiel bei den Beatles-Klassiker Yeah, Yeah, Yeah – A Hard Day’s Night.
Er begann in der Branche in den 20er Jahren beim Stummfilm. Später er drehte mit vielen wichtigen Filmgöttern wie Alfred Hitchcock (Frenzy), Roman Polanski (Macbeth), Richard Donner (Das Omen) und John Badham (Dracula). Und er schuf für George Lucas die gewaltigen Bilder zu Krieg der Sterne und prägte sich in mein Filmgedächtnis ein. Für mich war seine absolute Meisterleistung die Zusammenarbeit mit Regie-Guru Stanley Kubrick für Dr. Seltsam oder wie ich lernte, die Bombe zu lieben . Die Kriegskamera in diesem Film ist einmalig. Hier konnte Gilbert sein Wissen als Kameramann aus dem Zweiten Weltkrieg einbringen. Er filmte den Abwurf britischer Bomben auf deutsche Städte, um den Erfolg der Angriffe zu dokumentieren.
Chance vertan – das Buch über Tarkovskij ist eine Frechheit.
Es gibt ein paar Regisseure, die ich wirklich verehre. Dazu gehört mit Abstand Stanley Kubrick, dicht gefolgt von Alfred Hitchcock und der dem Massenpublikum meist verborgene Russe Andrej Tarkovski. Seine Filme wie Stalker, der Spiegel, Solaris oder das Opfer (um nur einige zu nennen) gehören zu den schönsten und eindringlichsten Werken, die je auf Film gebannt wurden. Dazu kommt eine poetische und persönliche Auseinandersetzung mit Kunst. Dieser großartige Künstler verstarb mit 54 Jahren in Paris. Einen guten Überblick auf DVD liefert diese DVD Collection.
Ich kann mich nicht sehr gut, an seinen letzten Film 1985 das Opfer erinnern. In einem vollbesetzten Studentenkino in München sah ich das Meisterwerk. Vor mir saß ein Paar: Sie eine intellektuelle Studentin, die sich für den Film interessierte. Er war mehr an ihr interessiert und ging ihr zuliebe wohl in den Film mit – ohne zu wissen, auf was er sich da einließ. Als seine Hand immer wieder zu seiner Freundin wanderte und sie seine Hand mit den Worten „Ich will den Film sehen!“ wegstieß. Das ging einige Zeit so und irgendwann platze ihm der Kragen. Sie gerieten in Streit. Er: „Du immer mit diesen komischen Filmen“. Sie: „Ich will nicht immer das Actionzeug von dir sehen!“ Schreierei im Kino und dann Trennung unter Applaus des gesamten Kinopublikums. Endlich konnten wir das Opfer wieder in Ruhe genießen.
Inzwischen hab ich viel Material über Tarkovski gelesen und gesehen. Immer wieder tauchen Bücher zu diesem visionären Genie auf. So auch das Buch Andrej Tarkovskij: Schriften, Filme, Stills beim renommierten Schirmer/Mosel-Verlag. Ich freute mich wirklich darauf und war sauer, als ich das Buch in den Händen hielt. Auf 319 Seiten werden zwar sehr interessante Familienfotos und Texte angeboten, aber die abgebildeten Filmbilder sind eine Frechheit. Das Buch ist mit 68 Euro nicht gerade ein Billigprodukt und wird sowieso nur von Tarkovski-Sammlern gekauft. Die kann ich über die Bildqualität nur warnen. Es sind kaum bessere Screenshots von DVD und das seitenweise. Unscharf, Farbverschiebungen – lächerlich. Bei der Produktion wurde nicht das 35 Millimeter Material verwendet. Die Auflösung der DVD-Prints reicht nicht für den hochwertigen Druck, den ich bei Schirmer/Mosel gewohnt bin und leider macht der Bildteil einen Großteil des Buches aus. Das ist schlampig und einem Andrej Tarkovski nicht würdig.
Szene aus Stalker – wunderbares Set, wunderbarer Film.
Alfred Hitchcock ist für mich ein Genie-Gott. Für mich steht er auf der gleichen Ebene wie Stanley Kubrick. Und daher reagiere ich empfindlich, wenn News über Hitchcock auftauchen. Vor langer Zeit fanden Archivare einen verschollen geglaubten Film. Das fand ich gut. Jetzt kommt Hitch mit zwei Filmen selbst ins Kino und ich bin sehr gespannt darauf.
Film Nummer eins ist die BBC/HBO-Koproduktion „The Girl“. Film Nummer zwei ist für mich interessanter: Er heißt: „Alfred Hitchcock and the Making of Psycho“. Der Film zeigt die Dreharbeiten zum Meisterwerk „Psycho“. Die Rollen versprechen eine interessante Schauspielleistung: Sir Anthony Hopkins spielt Hitchcock, Helen Mirren seine liebe Ehefrau Alma, Scarlett Johansson die Janet Leigh und den irren Anthony Perkins/Norman Bates verkörpert James D’Arcy. Soeben ist der Trailer zu dem Film erschienen. Der Film arbeitet viel mit archetypischen Aufnahmen von Hitch. Bilder, die sich in das Gedächtnis des Kinozuschauers eingebrannt haben, werden neu interpretiert. Der Film geht auch auf das Marketinggenie von Hitchcock ein. Er war einer der ersten Regisseure, dessen Name zur Marke wurde. Er wusste um seinen Marktwert als Person und nutzte ihn aus.
Wer die Dreharbeiten aus dem Bonusmaterial der Psycho Blu ray kennt, weiß, dass die Dreharbeiten ohne Glamour verliefen. Dafür war die Geheimhaltung riesig. Auch als der Film ins Kino kam, waren die Kinobesitzer angewiesen, keinen Zuschauer nach Start des Films mehr ins Kino zu lassen. Der Billigfilm Psycho brach die Rekorde und spielte Millionen in die Taschen von Alfred Hitchcock. Die Kritiker seiner Zeit lehnten den Film ab, was wohl damit zusammenhing, dass es keine extra Sondervorstellungen für Filmkritiker gab und sie sich mit dem normalen Kinobesucher ins Filmtheater begeben mussten.
Berühmt wurde der Film natürlich durch die Duschszene. Der Hammer: Hauptdarstellerin Janet Leigh, der Star des Films, wurde im ersten Drittel des Filmes brutal niedergemetzelt. Der Duschmord mit der genialen Musik von Bernhard Hermann hat Filmgeschichte geschrieben. Jeder Filmstudent analysiert sie Schnittfolge und hier zeigt sich das Genie von Hitchcock. Von der Duschszene von „Alfred Hitchcock and the Making of Psycho“war bisher nur zu erfahren, dass Johansson nackt posierte. Wir dürfen also gespannt sein.
Genauso gespannt bin ich auf neue Blu ray-Veröffentlichungen von Hitchcocks Werken. Am 1. November kommt die Alfred Hitchcock – Collection . Bis auf Psycho waren die Filme bisher nicht auf Blu ray erhältlich. Es handelt sich um: Cocktail für eine Leiche, Das Fenster zum Hof, Der Mann, der zu viel wusste, Der zerrissene Vorhang, Die Vögel, Familiengrab, Frenzy, Im Schatten des Zweifels, Immer Ärger mit Harry, Marnie, Saboteure, Topas und Vertigo. Dazu gibt es in Alfred Hitchcock – Collection die Making of, die von den DVDs schon bekannt sind, und ein Büchlein mit Fotos und Skizzen. Amazon gibt das Buch mit 15 Seiten an, was mich schon etwas stutzig macht. Marnie und die Vögel sollen als Uncut vorliegen, Topas aber nur in der europäischen Schnittfassung.
Dieser Dracula ist anders. Nach den Hammer-Produkten in Primärfarben war lange Zeit Ruhe um den Beißer aus Transsilvanien bis sich Star-Regisseur John Badham an den Stoff erinnerte und neu interpretiert in Szene setzte. Badham orientierte sich dabei mehr am Theaterstück von Hamilton Deane und John L. Balderston als an den Schauerroman von Bram Stoker. Das Wichtigste: Er interpretierte die Rolle des Grafen anders. Nicht die Bestie wie in den Hammer-Filmen stand im Mittelpunkt, sondern der verführerische, gnadenlose Graf.
Die Schauspieler waren perfekt: Der junge Frank Langella spielt den Grafen, schön, zielstrebig und ohne Gnade. Vor allem sein Spiel mit den Händen ist verführerisch. Zur Schauspielleistung von Sir Laurence Oliver braucht man nichts zu verlieren außer WUNDERBAR. Und dass obwohl die Zeit von Sir Laurence abgelaufen war und er sterbenskrank war. Auch dem Spiel des ewigen Dr. Loomis aus Halloween Donald Pleasence ist es ein Genuss anzusehen. Große Schauspielkunst der Truppe.
Trotz preiswerter Produktion ist die Ausstattung wunderbar. Hauptsächlich in Cornwall gedreht hat Dracula eindrucksvolle Locations: Die Irrenanstalt ist das Camelot Castle Hotel in Tintagel, Draculas Schloss ist St. Michael Berg, eine halbe Meile vor der Küste – es ist durch einen Damm verbunden – von Marazion an der Südwestspitze von Cornwall. Ungewöhnlich ist in einem Dracula-Film der Einsatz von Strom und sogar eines schnittigen Automobils. Hier bricht der Film wohltuend aus der Tradition der klassischen Filme aus, zeigt aber auch, dass Technik einen Grafen nicht zur Strecke bringen kann.
Die Innenausstattung orientiert sich derweil am Gothic Horror der alten Lugosi-Filme. Und auch wie bei Lugosi sieht der Zuschauer bei Langella keine Vampirzähne. Dennoch ist der Film keineswegs unblutig. Immer wieder schockieren den Zuschauer der Liebesgeschichte brutale Szenen, wie das Durchtrennen von Hälsen oder ein Genickbruch. Richtig angsteinflößend ist die lebende Tote Lucy. Hier hat später Francis Ford Coppola genau hingeschaut als er seine Dracula-Version drehte. Badhams Tote war nicht anmutig oder gar schön, sondern ihr zerfetztes Totenhemd mit zerfetzten bleichem Gesicht ist wahrlich erschreckend. Hier wurde die Maske von Linda Blair aus Exorzist von 1973 wieder aufgenommen. Der lebende Tote wird nicht romantisiert oder verkitscht, sondern es ist ein kalter, bleicher, muffiger Tod in nassen Gräbern. Der wahrhaftige Teufel ist in den Leib von Lucy gefahren – übrigens werden bei Badham die Rollen von Lucy und Mina vertauscht und auch die Familienverhältnisse geändert.
Ich hatte den Dracula-Film einstmals im Fernsehen gesehen und war damals enttäuscht. Es war mir als Jugendlicher zuviel Gefühl, zuviel Tragik im Film. Ich wollte Action, wie ich sie aus den Hammer-Filmen kannte. Vor allem Frauen erliegen der Faszination des dunklen Fürsten. Der bissige Gentleman als Herzensbrecher, der aber nur seine Interessen durchsetzen will. Der alte gierige Mann sucht sich junge Frauen aus, die er verführen und beherrschen kann. Und sie verfallen dem Manipulator willenlos. Der Liebesakt in Rot bedient gängige Klischees. Heute kann ich die vermittelte Tragik mit dem Leid besser verstehen und die 2009 veröffentlichte DVD-Fassung unterstützt die traurige Stimmung des Films noch mehr. Durch geschicktes Color-Grading wurde die Farbe im Film reduziert, so dass Dracula dunkel, leblos wirkt. Der Blutverlust des Films wirkt sich auf das Bild aus. Aus dem Film entweicht die Farbe, das Leben, die Freude. Die Stimmung der Szenerien überträgt sich auf den Zuschauer durch eine eindrucksvolle Kameraleistung von Gilbert Taylor, der schon mit Regiegenie Stanley Kubrick Dr. Seltsam, mit Polanski Macbeth und mit Hitchcock Familiengrab gedreht hat.
Aber den absoluten Kick des Films bringt der Score von John Williams. Der Soundtrack Dracula wird zu Höchstpreisen unter Sammlern gehandelt und wer ihn gehört hat, der weiß warum. Williams liefert einen Höhepunkt seines Schaffens ab. Star Wars, Indiana Jones, Superman und Jaws sind großartig – Dracula reiht sich in dieses Werk ein.
Für mich ist Dracula ein reifer Film für gereifte Zuschauer. Wer Trashkino braucht, der greift zu Wes Craven. Wer aber schaudern will, der greift zu John Badhams Dracula.
Die Filmwelt ist um einen Sensationsfund reicher. Jetzt wurden drei von sechs Filmrollen des verschollen geglaubten Films „The White Shadow“ von 1923 wieder gefunden. Das Melodrama „The White Shadow“ handelt von zwei Schwestern, von denen die eine fast engelsgleich, die andere aber völlig herzlos ist.
Die Massenmedien jubeln den Film als ersten Film von Alfred Hitchcock hoch, der wieder entdeckt wurde. Das ist nicht ganz richtig so. Regie führte damals Graham Cutts. Der Film stammt aus einer Serie von fünf Graham Cutts-Filmen, die zwischen 1923 und 1925 in England entstanden. Hitchcock nahm zwar mehr und mehr Einfluss auf die Filme, die Regie hatte allerdings Cutts inne. Hitchcock schrieb wohl das Drehbuch, sorgte für die Ausstattung und machte den Schnitt, war aber Assistenz des Regisseurs. Filmexperten meinen, die spätere Handschrift Hitchcocks sei aber deutlich zu sehen. Ich freue mich, wenn die ersten Kopien des Films für uns Normalsterbliche erhältlich sind.
Die jetzt entdeckten Filmrollen kommen aus einer Sammlung des neuseeländischen Filmvorführers Jack Murtagh, der 1993 starb. Er arbeitete als Vorführer in dem neuseeländischen Kaff Hastings und hob illegalerweise die Zelluloid-Kopien in seinem Gartenschuppen auf. Nach seinem Tod kamen die Filme ins neuseeländische Filmarchiv, die jetzt den Fund verkündeten. Wo die restlichen drei Rollen sind, weiß allerdings keiner. Wir erinnern uns gerne an das Erlebnis, als die verschwundenen Filmrollen von Metropolis gefunden wurden.
Meine Gebete wurden erhört. Am 10. Mai erfüllt sich endlich ein langgehegter Wunsch: mein Stanley Kubrick Klassiker Barry Lyndon wird endlich auf Blu ray veröffentlicht. Gleichzeitig gibt es Uhrwerk Orange als Special Edition zum 40. Geburtstag und außerdem Lolita. Zudem hat Warner eine neue Stanley Kubrick Collection angekündigt, die in den USA und Deutschland in unterschiedlichen Versionen erscheint.
Leser dieses Blogs wissen, wie wichtig Kubrick für mich ist. Er ist ganz entschiedenen der wichtigste Filmemacher aller Zeiten. Es gibt im Olymp des Films einige Helden wie Alfred Hitchcock, Andrej Tarkowski, Ingmar Bergmann, Steven Spielberg, aber es gibt nur einen Regiegott, der alle überstrahlt: Stanley Kubrick.
Sein Gesamtwerk fasziniert, begeistert, provoziert. Alle seine Filme leben von einer Ästhetik, einer künstlerischen Tiefe ohnegleichen. Sie schlagen den Filmfan sofort in den Bann. Und genauso erging es mir mit Barry Lyndon aus dem Jahre 1975. Es gab die Kritik, dass der Film zu kalt geworden ist. Ich finde ihn dagegen wunderschön und die Figuren berühren mich auf einer anderen Ebene. Der Aufstieg und Fall von Redmond Barry ist ein Symbol für das ewige Streben des Menschen. Doch wie es am Schluss heißt: „Ob arm, ob reich – am Ende sind sie alle gleich.“ Es ist auch ein Symbol dafür, wie determiniert der Mensch ist. Redmond Barry versucht als Barry Lyndon aufzusteigen, auszubrechen und er scheitert – am Ende scheiterte aber die gesamte Gesellschaft, denn das Jahr 1789 naht und wird ganz Europa verändern.
Eigentlich sollte der Film ja Napoleon werden. Doch Kubrick schockierte Warner mit seiner Detailverliebtheit. Ihr Erbsenzähler hättet das Geld bereit stellen sollen, dann hätten wir heute DIE Napoleon-Verfilmung schlechthin. Jahre später wurden die Bildersammlungen und das Drehbuch von Napoleon veröffentlicht. Ich könnte heulen, dass wegen ein paar Tausend US-Dollar dieses Meisterwerk nie gedreht wurde. Das war ein klarer Fehler.
Kameramann John Alcott fing in Barry Lyndon mit NASA-Objektiven die Stimmung der Zeit ein. Heraus kamen Filmgemälde und das im wahrsten Sinne des Wortes. Jedes dieser Filmbilder könnte ein Gemälde sein – jedes könnte in der Tate-Gallery hängen. Und ich hoffe, dass die Blu ray auch die entfallenen Szenen enthält.
Geschnittene Szene bei Barry Lyndon - ich hoffe, die Blu ray enthält das Material.
Zudem erscheint am 10. Mai eine Neuauflage von Clockwork Orange. Dieser Film ist reine Gewalt und ein Plädoyer für den freien Willen. Nach 40 Jahren hat der Film von seiner Brisanz nichts verloren. Gewalt ist heute allgegenwärtig. Die Gretchenfrage: Darf ein Mensch zum Guten gezwungen werden oder verliert er durch den Verlust des freien Willens die Menschlichkeit von der er sich als Gewalttäter verabschiedet hat? Der Film erscheint als Doppel-Blu ray mit ein paar Interviews.
Zudem kommen zwei Editionen der Stanley Kubrick Collection auf den Markt. In der US-Version mit Spartacus und Dr. Seltsam – in Europa aus Rechtegründen ohne diese Filme.
Es gibt Regiegötter. Hoch im Olymp schwebt für mich Stanley Kubrick, gefolgt von Alfred Hitchcock und Ingmar Bergmann. Dann gibt es noch eine ganze Reihe von Genies. Einer feierte gestern seinen 63. Geburtstag: Steven Spielberg
Spielberg begleitet mich jetzt mein ganzes Leben lang und ich freue mich auf jedes seiner Werke. Und im Grunde hat mich Spielberg nie enttäuscht. Klar, es gibt Filme, die hätte auch ein anderer drehen können, aber es gibt eben auch klassische Steven Spielberg Filme.
Den Beginn machte bei mir die Verfilmung von Duell – der Horrorfilm mit dem Tanklaster. Der Held war ein typischer Alltagsmensch, keine Spur von Glanz. Der Film lief bei uns in der ARD im Abendprogramm und haute mich weg. Ich hatte ihn sogar auf Video 2000 von Max Grundig mitgeschnitten und kaufte mir später die Original Videokassette auch im System Video 2000.
Kommerziell ist Spielberg der erfolgreichste Regisseur, Produzent und Drehbuchautor aller Zeiten. Er galt als junger Wilder in Hollywood und dies ließ ihn das etablierte Studiosystem spüren. Jahrelang musste Spielberg um seinen Oscar kämpfen. Aber selbst Kubrick oder Hitchcock haben nie einen Oscar für die beste Regie bekommen.
Ich erinnere mich noch an die gewaltigen Bilder von „Unheimliche Begegnung der Dritten Art“, an das Spiel der Gefühle bei „E.T. der Außerirdsche“. Und der Zauber wirkt heute noch. Als ich bei einer Wiederaufführung des Films die Reaktionen des Publikums beobachtete, stand fest: Spielberg beherrscht die Klaviatur der Gefühle wie kein Zweiter. Der Film aus der Sicht von Kinder gedreht ist noch immer großes Kino.
Zu Hause auf Video sah ich zum ersten Mal den Weißen Hai. Genial der Score von John Williams. Das Hai-Thema ist genial. Leider blieb es einmal aus, als Roy Scheider Fleisch ins Wasser warf und der Fisch ohne musikalisches Hai-Motiv auftauchte. Ich riss meine Kaffeetasse vom Tisch und noch heute zeugt ein Fleck im Teppich von der Intensität von Steven Spielberg.
Schön war auch die Indiana Jones Trilogie. Vor allem der letzte Kreuzung begeisterte mich, die Suche nach dem Heiligen Gral. Schönes Actionkino, wiederum mit der meisterhaften Musik von John Williams.
Großartig die Beiträge Spielbergs zum modernen SF-Film: „A.I. – Künstliche Intelligenz“ und „Minority Report“ haben mich tief beeindruckt. Der eine ist eine Verbeugung an Kubrick, der andere hat Zukunftstechniken vorweg genommen. Der Film für Saurierfans schlechthin ist einfach „Vergessene Welt: Jurassic Park“ und und und – es gibt so vieles, dass wir Spielberg zu verdanken haben.
Vielleicht noch ein Film, bei dem er nur als Produzent auftrat: „Poltergeist“. Tope Hooper führte Regie, weil Spielberg neben E.T. nicht gleichzeitig nach Hollywood-Gesetzen Regie führen durfte. Doch „Poltergeist“ trägt die Handschrift des Meister und der Schlächter Hooper besaß niemals soviel Feingefühl. Hier wird perfektes Klischee von Familie dargeboten, die typische US-Vorstadtsfamilie mit ihren Problemchen mit den Nachbarn, wie die Szene mit der Fernbedienung beweist. Und „Poltergeist“ gilt heute als eines der großen Schaustücke des Effektkinos der 1980er.
Stevem Spielberg, meinen herzlichen Glückwunsch zum 63. Geburtstag.
Ich war diese Woche auf einer coolen Bustour mit dabei. Eine völlig neuartige VideoBustour wird ab Dezember berühmte Drehorte in München anfahren – eine cineastische Sightseeingtour für Einheimische und Gäste, aber auch für Kenner des Filmgeschäfts. Ich wollte selbst mal so eine Serie schreiben: Ich an berühmten Drehorten. Nun gibt es als Bustour. Mist, schon wieder eine Geschäftsidee verschlafen.
Von Beginn der Filmgeschichte an gehörte München zu den Schauplätzen bedeutender Kinofilme. Ausschnitte und Kulissen aus Lola Montez, Zur Sache, Schätzchen, Sophie Scholl – Die letzten Tage und Im Winter ein Jahr, um nur einige zu nennen, bieten einen Einblick in die Inszenierung der Stadt auf der Leinwand. Ein für die Tour mit Monitoren und DVD-Technik ausgestatteter Bus wird künftig reale Kulissen der Stadt anfahren. Vor Ort können die Fahrgäste auf den Bildschirmen im Bus diejenigen Spielfilmszenen sehen, die an dem jeweiligen Ort gedreht worden sind. Initiiert wurde die Tour von der FFF Film Commission Bayern und der Berliner Agentur VideoBustour. Unterstützt wird sie vom Kulturreferat der Stadt München und vom FilmFernsehFonds Bayern.
Die VideoBustour „Filmstadt München“ begibt sich auf die Suche nach Orten der bedeutendsten Filme mit München-Bezug. Dazu zählen z. B., „Zur Sache Schätzchen“ (1968, May Spills – Drehorte: Schwabing); „Männer“ (1985, Dorris Dörrie -, Drehorte: Stachusbrunnen, Theresienwiese); „Rossini“ (1996, Helmut Dietl – Drehorte: Ehem. Romagna Antica und Reichsbahnausbesserungswerk); „Sophie Scholl – Die letzten Tage“ (2005, Marc Rothemund – Drehorte: Ludwig-Maximilian-Universität, Jusitzpalast); „Shoppen“ (2007, Ralf Westhoff – Drehort: Nationaltheater) oder der in Kürze startende Film von Oscar Preisträgerin Caroline Link „Im Winter ein Jahr“. Vor allem die Dietl-Filme kommen gut weg. Ich habe ein wenig Argento vermisst, aber die Tour ist ja noch im Aufbau. Gesucht werden vor allem Filme, die am Münchner Hauptbahnhof spielen.
Übrigens, auch das braune Haus (Foto) kommt in der Tour vor. Einst als NSDAP-Parteizentrale, beherbergte das Haus anschließend das Amerikahaus und heute die Hochschule für Musik.
Die Tour findet erstmals morgen, am Samstag, 22. November, sowie am 6. Dezember und am 20. Dezember, jeweils 11.30 Uhr bis ca. 14 Uhr, statt. Treffpunkt ist am Hauptbahnhof (vor dem Kaufhaus Karstadt), das Ticket kostet 25 Euro pro Person. Reservierungen sind über VideoBustour möglich.