Buchkritik: Durch das Universum bis hierher von William Shatner

24. Juli 2015

shatner

Auch wenn es William Shatner eine Zeitlang nicht hören wollte, er ist für mich Captain Kirk von Raumschiff Enterprise. Am Todestag seines Kollegen und Freundes Leonard Nimoy kaufte ich mir die Autobiografie Durch das Universum bis hierher von William Shatner und kam jetzt erst zum Lesen.
Es ist ein nettes Buch, das an zwei Tagen gelesen ist. Für mich zeigt es in humorvoller Art den Kampf eines Schauspielers, der es eben nicht an die Spitze der Schauspielkunst geschafft hat, sondern im Grunde auf James T. Kirk und T.J. Hocker festgelegt ist. Boston Legal schaute ich mir kaum an, ist aber sicherlich auch eine wichtige Rolle. Ich muss mich noch an die schnellen Schnitte gewöhnen. Fest steht: Shatner ist ein guter Schauspieler, aber der richtige Durchbruch blieb ihm verwehrt und nach all dem Kampf gegen sein Alter Ego hat Shatner die Rolle, seine Rolle, als James T. Kirk wohl akzeptiert.
Beim Lesen kann ich feststellen: Auf jeden Fall hat dieser Mann Humor. Es ist sehr amüsant zu lesen, wie Shatner seine Karriere rückblickend beschreibt, wie er durch Serien und Theater tingelt, immer auf der Suche nach dem Durchbruch, immer auf der Suche nach ein paar Dollar. Der Wunsch, endlich mal 1000 US-Dollar die Woche zu verdienen, steht im Mittelpunkt seines Strebens.
Das Buch lebt von seinen Anmerkungen und Abschweifungen nach dem Motto „eine Geschichte hab ich noch. Sie passt zwar jetzt nicht, aber ich erzähle sie trotzdem.“ Und das macht gerade den Reiz des Buches aus.
Aber es nicht nur witzig, sondern auch die Schattenseiten des Lebens gehören dazu. Nüchtern beschreibt Shatner in seinem Buch Durch das Universum bis hierher das Alkoholproblem seiner Ehefrau, seine Eheprobleme, seine Geldprobleme und so erfährt der Leser einiges über das Gefühlsleben. Manches Mal wird auch klar, welcher Narr der Kanadier Shatner eigentlich ist und wie schlimm er auf andere Enterprise-Kollegen gewirkt hat. Das Ich steht bei ihm im Mittelpunkt, auch wenn er es im Nachhinein bereut.
Eingestreut sind immer wieder Anekdoten aus dem Filmbusiness. Wenn Shatner auf den Stuntman verzichtet und Kopf und Kragen für seine TV-Rollen riskiert, um zu zeigen, dass er ein ganzer Kerl ist. Ich hab gelacht, als er seinen eigenen Film dreht und den Polarstern mit einem gemieteten Helikopter verwechselt. Wirklich nett ist die Erzählung als er Inkubo dreht, den ersten Film in dem Esperanto gesprochen wird – und den so gut wie keiner verstanden hat (und ich meine ausdrücklich nicht die Dramaturgie). Bei YouTube gibt es den Trailer

und wem es nicht reicht, der kann dort auch den ganzen Film ansehen – es lohnt sich nicht.


Immer wieder gibt er dem Leser Küchenweisheiten mit auf dem Weg wie beispielsweise diese: „Wenn man eine Gelegenheit zum Arbeiten ablehnt, lehnt man gleichzeitig eine neue Erfahrung ab.“Das sind Sprüche, die ich gerne auf Twitter veröffentliche oder ins Poesiealbum schreibe. Und es ist auch kein Wunder, dass William Shatner auch massiv auf Twitter unterwegs ist.

Wilhelm Shatners Kommentar

Wilhelm Shatners Kommentar

Spaß macht auch die Musik von William Shatner. Er ist vielleicht nicht ein begnadeter Sänger, aber er ist ein großer Entertainer. Ein Arbeitskollege macht mich mit dem musikalischen Werk von William Shatner vertrauet. In The Transformed Man sah er und zitierte Gedichte – beim ersten Mal reinhören etwas schwierig, aber dann doch irgendwie Kunst. Eingängiger waren für mich die Alben Has Been und vor allem das Doppel-Album Seeking Major Tom. Mit eigenständigen Interpretationen von bekannten, intergalaktischen Hymnen von David Bowie, Queen, Deep Purple, Elton John, Pink Floyd oder Black Sabbath macht das Ding wirklich Spaß.
Sein jüngeres Werk Ponder the Mystery hat keine Coverversionen zum Inhalt. Das Prog Rock Konzeptalbum über das Älterwerden, über Depression, Liebe und letztlich über die allumfassende Schönheit des Lebens, aber ich fand es nicht den großen Wurf.

Was macht der Berliner Bär auf Helgoland?

23. Juli 2015
Was macht der Berliner Bär auf Helgoland?

Was macht der Berliner Bär auf Helgoland?

Als ich auf Helgoland meinen Gedanken nachhing, stieß ich auf den Berliner Bären. Meine Frage: Was macht der Berliner Bär auf Helgoland?
Der Bär, also besser die Statue des Berliner Wahrzeichens, blickt von Helgoland Richtung Berlin. Darunter ist ein Hinweis angebracht. 456 Kilometer bis nach Berlin. Das ganze Ensemble steht am Klippenrandweg.
Der Bär ist ein Bronzenachguss und ist 85 cm hoch. Das Wappentier Berlins bringt 33 Kilogramm auf die Waage. Die Statue wurde von der Bildgießerei Kraas hergestellt. Es ist ein Bronzenachguss einer Bären-Skulptur von Hildebert Kliem (21.3.1927 – 22.3.1986). Der richtige Bär steht im runden Innenhof des Rathauses Wilmersdorf am Fehrbelliner Platz 4 und wurde am 14. September 1988 enthüllt. Der Bär wurde dem Bezirk Wilmersdorf gestiftet von der Bank für Handel und Industrie AG als Geschenk zur 750-Jahr-Feier Berlins 1987. Ein Bruder von ihm ist wohl nach Helgoland ausgewandert.

Hoch oben steht der Bär.

Hoch oben steht der Bär.

Kliem machte 1952 sein Abschlussexamen der Meisterschule für das Kunsthandwerk in Berlin, arbeitete als Restaurator unter anderem am Reichstag, Schloss Charlottenburg, Staatsoper Unter den Linden, Theater des Westens, Märchenbrunnen im Friedrichshain. Das Original seines Berliner Bären wurde übrigens 1967 vom Bund der Berliner und Freunde Berlins der isländischen Hauptstadt Reykjavik gestiftet.

Richtig grillen – gelernt beim Metzgermeister Michael Moser

22. Juli 2015
Königsdisziplin Steak.

Königsdisziplin Steak.

Sommerzeit ist Grillzeit, soviel steht schon einmal fest. Meine Frau hatte mir zu einem früheren Geburtstag einen Webergrill geschenkt. Warum Weber? Weil die Mundprogaganda in unserem Bekanntenkreis und in den sozialen Netzen ausgezeichnet funktioniert hat und sich alle für einen Weber aussprachen.
Und sie hat die Gas-Variante gewählt. Das ist ok, weil wir vielleicht mit Kohle mehr Atmosphäre beim Grillen erzeugen können, aber fest steht auch, dass die Familie verhungert ist, bis der Kohle im Grill soweit ist. K1/2 kommen von der Schule und fallen sofort tot um, wenn es nicht etwas zum Essen gibt. Wer Kinder hat, versteht mich. Und ich habe den Grill Frühling, Sommer, Herbst und Winter im Einsatz, so gut wie jeden Tag. Gäste kommen mir keine ins Haus und so gibt es kein gemütliches Beisammensein um den Grill, sondern der Weber muss im Alltag funktionieren und das tut er einwandfrei.


Aber richtig grillen will gelernt sein. Ich habe zwei einige Grillbücher gelesen, aber nichts ersetzt die Praxis. Daher meldeten sich meine Frau und ich bei verschiedenen Grillseminaren an. Meine Frau wählte ein Wintergrillen bei einem örtlichen Baumarkt und war begeistert.


Ich war jetzt im Sommer an der Reihe und besuchte ein Grillseminar der handwerklichen Metzgerei Michael Moser aus Landsberg am Lech. Ich mag den Moser und bin von seiner Top-Qualität seiner regionalen Fleisch- und Wurstwaren überzeugt. Metzgermeister Michael Moser, der auch Obermeister der örtlichen Metzgerinnung ist, führte zusammen mit seinem Küchenchef Tobias Sailer das mehrstündige Grillseminar in seiner Filiale Am Penzinger Feld in Landsberg am Lech durch. Das Seminar war ausgebucht und die Warteliste enorm.


Natürlich wurde eifrig über die Gretchenfrage diskutiert: Kohle oder Gas? Moser selbst ist ein Purist und bevorzugt Kohle. Aber die richtige Kohle muss es sein. Er empfiehlt ausdrücklich Restaurantkohle, große Scheitel. Sie ist zwar ein paar Euro teuerer als die klassische Grillkohle von der Tankstelle, aber die heizt besser. Qualität zahlt sich hier auch aus. Er warnt ausdrücklich auch vor Grillanzünder auf Spiritusbasis. Die Kohle nimmt diesen Geruch auf und gibt ihn an das Grillfleisch weiter.

Der Küchenchef der Metzgerei Moser, Tobias Sailer, zeigt, wie ein Steak richtig gut gegrillt wird. Ein Steak auf dem Grill ist die Königsdisziplin. Dazu gehört zunächst ein gutes Produkt. Oftmals sind die Steaks aus den Kühltheken der Supermarktketten nicht die beste Ware. Und das Geheimrezept ist: „Brutal viel Hitze“, so Tobias Sailer. Auf Holzkohlengrill kommt der Grillfreak auf 800 bis 900 Grad Celsius. Bevor das Steak auf den Grill kommt, rund zehn Minuten vorher aus dem Kühlschrank nehmen und leicht mit Rapsöl einreiben. Dann ab auf den Grill: Beide Seiten kurz grillen, dass das Fleisch Farbe bekommt. Dann runter vom Grill und fünf Minuten warten. „Das Fleisch muss Chillen“, so Sailer. Dann kommt die Garzeit bei 200 Grad Celsius. Die Kerntemperatur des Steaks sollte bei knapp 60 Grad Celsius liegen. Ausführliche Tipps hier im Videointerview.

Restauranttipp: Fischereihafen Restaurant in Cuxhaven

21. Juli 2015
Fischereihafen Restaurant in Cuxhaven

Fischereihafen Restaurant in Cuxhaven

Wer in Cuxhaven weilt, der sollte sich abseits vom Touristentreiben auf die Suche nach guten Fisch begeben. Empfehlenswert ist das Fischereihafen Restaurant. In unmittelbarer Nähe zum Wrack- und Fischereimuseum Windstärke 10 befindet sich die Kombination Fischereihafen Restaurant und der neue Fischereihafen Lloyd’s an der Neufelder Straße 11.

m Zentrum des Raumes steht die gläserne Deckenbeleuchtung im Tiffany-Style

m Zentrum des Raumes steht die gläserne Deckenbeleuchtung im Tiffany-Style

Der erste Eindruck ist sehr angenehm. Das Restaurant ist hell. Überall finden sich Dekorationselemente aus der Schifffahrt, für mich als Bayer faszinierend: Taucherhelme, Netze, alte Fotografien. Im Zentrum des Raumes steht die gläserne Deckenbeleuchtung im Tiffany-Style mit der darunterlegenden gut sortierten Bar.

IMG_1681Der Service ist sehr bemüht, flott und freundlich. Küchenchef Christian Frank, seit 23 Jahren in der Gastro-Szene unterwegs, legt als Inhaber Wert auf Stil und Geschmack. Im Juli 2008 hat er das Restaurant komplett umgebaut. Für die gute Küche wurde das Fischereihafen Restaurant im Jahre 2010 übrigens auch von der Zeitschrift Feinschmecker als bestes Fischrestaurant ausgezeichnet.
Natürlich ist auf der Karte frischer Fisch zu finden, was bei der Nähe zum Fischereiversandbahnhof und zum Fischereihafen Cuxhaven kein Wunder ist.

Fischteller mit drei verschiedenen Fischfilets und Garnelenspieß

Fischteller mit drei verschiedenen Fischfilets und Garnelenspieß

Fischteller mit drei verschiedenen Fischfilets und Garnelenspieß. Dazu gab es Kräuterrahmsauce mit kleinen Schmorkartoffeln mit Rosmarin.

Fischsuppe

Fischsuppe

Auftakt war eine klare Fischsuppe mit verschiedenen Fischfilets, Grünschalmuschel, Wurzelgemüsen und Safran, dazu Baguette.

Scheveninger Doppelmatjes

Scheveninger Doppelmatjes

Sehr lecker ist auch der Scheveninger Doppelmatjes. Zwei handfilierte Scheveninger Doppelmatjesfilets sind in Rotwein eingelegt mit Preiselbeeren, Honig und roten Zwiebeln. Dazu wird eine Salatgarnitur
und Schmorkartoffeln gereicht. „Wir servieren Ihnen original holländische Matjesfilets ohne Konservierungsstoffe und einer rein enzymatischen Reifung“, so Küchenchef Christian Frank. Ein Doppelmattes besteht aus zwei Filets, die noch mit der Schwanzflosse verbunden sind.

Vanilleeis

Vanilleeis

Die Nachspeise war Vanilleeis mit heißen Schattenmorellen und Sahne.

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Buchtipp: Der Marsianer von Andy Weir

20. Juli 2015
Schöne Urlaubslektüre

Schöne Urlaubslektüre

Ich habe lange keinen Roman mehr gelesen. Die meiste Zeit meiner Freizeit lese ich Sachbücher und Biografien, aber als Science Fiction-Fan musste ich zu Andy Weirs Roman Der Marsianer greifen. Das Buch wird von Altmeister Ridley Scott verfilmt und das war eine weitere Motivation für die Lektüre. Am 8. Oktober kommt der Film in die Kinos. Der Trailer hat noch einige Übersetzungsfehler.


Der Marsianer ist das Debüt von Andy Weir, der eigentlich Progammierer ist. Jetzt kann er diesen Job an den Nagel hängen und sich dem Schreiben widmen. Der Kerl hat Talent, absolutes Talent. Das Buch macht Spaß und fesselt. Im Grunde ist es eine Art Space-MacGyver. Der Astronaut Mark Watney wird auf dem Mars zurückgelassen und muss sich bis zu seiner Rettung durchschlagen. Not macht erfinderisch und er zimmert sich seine Welt, wie er sie benötigt und dies über 500 Seiten.
Die ersten Hundert Seiten zeigen den Überlebenskampf aus der Ich-Perspektive als eine Art Logbuch. Wir erfahren viel über die Stimmungen und Gefühle, die Geisteshaltung und lernen den Charakter des Protagonisten kennen. Erst spät wird die lineare Handlung durch weitere Erzählstränge unterbrochen und der Leser bekommt die Perspektiven aus der Sicht der NASA von der Erde und von Watneys ehemaligen Crew-Kollegen. Das ist ein gelungener dramaturgischer Schachzug von Andy Weir. Der Handlungs- und Zeitablauf bleibt klassisch linear, ein Zeitenwechsel findet nur einmal bei der Produktionsbeschreibung einer Plane statt.
Der Stil ist wissenschaftlich detailverliebt. Ein wenig Durchhaltevermögen sollte der Leser daher schon mitbringen, wenn sich Andy Weir in Physik und Chemie ergeht. Bei MacGyver war es nie so tief, aber das ist ja auch nur billige TV-Unterhaltung. Für mich als interessierten Laien klingen die Ausführungen absolut überzeugend und so liebe ich Science Fiction. Fantasie mit Science Facts, das ist die richtige Mischung.
Der Humor des Buches ist eigen, aber durchaus gut. Ich habe diesen Humor bei Wissenschaftlern und Forschern in meinem Freundeskreis kennengelernt. Das sind diese Typen, die über Schrödingers Katze lachen können. Es ist manches mal ein feiner Nerd-Humor, dann aber auch der klassische Schenkelklopfer – für mich eine gute Mischung.
Die Moral des Buches kommt zum Schluss, vielleicht ein wenig dick aufgetragen. Aber wahrscheinlich für amerikanische Leser gedacht, für mich klang es etwas pathetisch. Jeder Mensch hat den Urinstinkt einen anderen Menschen in Not zu helfen. „Das ist eine grundlegende menschliche Qualität, die man überall und ohne Ausnahmen in allen Kulturen findet.“ Das klingt doch schön und daher ein klarer Leserbefehl des Buches Der Marsianer zur Urlaubszeit.

Die Arbeitswelt bewegt sich – Chancen für #OutofOffice

19. Juli 2015
Bei mir hat das Buch OutofOffice einiges in Bewegung gebracht.

Bei mir hat das Buch OutofOffice einiges in Bewegung gebracht.

Nachdem ich auf der republica 15 #rp15 immer wieder mit dem Thema #OutofOffice konfrontiert wurde, freut es mich als digitaler Nomade, dass das Thema langsam gesellschaftsfähig wird. Ausgehend von dem lesenswerten Buch von Out of Office der beiden deutschen Microsoft-Manager Elke Frank und Thorsten Hübschen stelle ich fest: Die Arbeitswelt bewegt sich. Kernthese des Buches ist, eine Neuerfindung der Arbeit. Das Zusammenspiel von Arbeit und Leben wird durch die Digitalisierung verändert. Das Buch Out of Office selbst werde ich später einmal besprechen.
Immer wieder führe ich Gespräche zum Thema Arbeiten außerhalb des Büros, diskutiere Thesen in meinen Seminaren und frage mich selbst: Wie sieht die Zukunft der Arbeit aus?
Während ich diese Zeilen der Siri ins MacBook diktiere, sitze ich im Garten. Als Freiberufler habe ich es mir im Garten unter Apfelbäumen bequem gemacht – das WLAN reicht bis zu den Apfelbäumen, die notwendigen Schatten spenden.
Auf der #rp15 habe ich das Thema #OutofOffice auf Einladung von Mircosoft ausprobiert. Einige Journalisten, Blogger und Freunde des Hauses wurden zu einer Tour durch Berlin eingeladen. Ich wurde auf der #rp15 abgeholt und zum Veranstaltungsort gebracht.

Sehr freundlich wurde ich von einer MS-Mitarbeiterin empfangen.

Sehr freundlich wurde ich von einer MS-Mitarbeiterin empfangen.

Start war ein künstlicher Strand und weiter ging es mit einer Velo-Tour durch Berlin. Das hat mir als digitaler Nomade natürlich gefallen und ich hab die Tour gleich mal gefilmt – also unterwegs gearbeitet.

GoPro bei der Velo-Tour

GoPro bei der Velo-Tour

 


Was sich bei mir im Kleinen bewegt, passiert auch in der bundesdeutschen Gesellschaft. Interessiert lese ich Aussagen von Arbeitgebern und Arbeitnehmern. Die deutsche Industrie und die Gewerkschaft IG Metall haben sich für flexiblere Arbeitszeitmodelle ausgesprochen. Der Präsident des Bundesverbandes der Industrie, Ulrich Grillo, sagte, künftig werde Arbeit verstärkt auch von Zuhause geleistet. Er betonte, die Chancen der Digitalisierung dürften nicht durch staatliche Überregulierung wieder kaputt gemacht werden. Die Unternehmen müssten flexibel sein, um im internationalen Wettbewerb zu bestehen.

Auch unterwegs konnte ich arbeiten - hier bei einer Einladung  von MS.

Auch unterwegs konnte ich arbeiten – hier bei einer Einladung von MS.

Der Vorsitzende der IG-Metall, Detlef Wetzel, forderte einen Zukunftspakt zwischen Beschäftigten und Arbeitgebern mit neuen Regeln. Wenn die Firmen immer mehr Flexibilität erwarteten, müssten die Beschäftigten das Recht haben, souverän mit ihrer Arbeitszeit umzugehen, so Wetzel. Die künftige Arbeitswelt dürfe nicht dazu führen, dass nur noch wenige Menschen die neuen Anforderungen bewältigen könnten. Interessant ist, dass ich bei einem Seminar mit Betriebsräten vor kurzem auf eine absolute Offenheit für das Thema Zukunft der Arbeit stieß.
Vor etwas längerer Zeit hat das Thema Digitalisierung und Mittelstand auch Wirtschaftsminister Gabriel auf der Eröffnung der Internationalen Handwerksmesse IHM angesprochen. Er erwähnte den Mittelstand, den Anschluss nicht zu verlieren. Ich sehe hier eine Spaltung des Mittelstandes: Wir haben Unternehmer, die die Digitalisierung voll begriffen haben und welche, die sie ablehnen. Schlagworte wie Industrie 4.0 höre ich immer wieder und in meinen Seminaren nähere ich mich dem Thema. Aber es gibt noch viel zu tun.

Deutschlands digitale Wirtschaft bleibt laut Monitoring-Report Digitale Wirtschaft auch in 2014 im 15-Länder-Vergleich auf einem guten fünften Platz. Der Report, den TNS Infratest und das ZEW im Auftrag des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie (BMWi) fortlaufend erstellen, beleuchtet die Leistungsfähigkeit der IKT-Branche und der Internetwirtschaft durch die Analyse der Märkte, der infrastrukturellen Voraussetzungen und der Nutzung neuer Technologien und Dienste. Der Standort Deutschland erreicht bei der global vergleichenden Bewertung seiner Leistungsfähigkeit 47 von 100 möglichen Punkten.
Unangefochtener Spitzenreiter im 15-Länder-Vergleich sind die USA mit 81 Punkten, gefolgt von Südkorea mit 54 Punkten. Großbritannien kann sich in einigen zentralen Bereichen verbessern und belegt, gemeinsam mit Japan, Platz drei (jeweils 53 Indexpunkte). Ab dem fünften Rang stellt sich das Feld dicht gedrängt dar. Zwischen Deutschland, als erstem der Verfolgergruppe, auf Platz fünf und Frankreich auf Rang elf liegen nur drei Indexpunkte.

Markt: Deutschland nach IKT-Umsätzen auf Platz vier
Deutschland ist zusammen mit Großbritannien die viertgrößte IKT-Nation weltweit. In der Bundesrepublik werden 4,3 Prozent der weltweiten IKT-Umsätze erwirtschaftet. Allerdings gehen die Umsätze mit Telekommunikation im Gegensatz zum globalen Trend weiter zurück. So sanken die Ausgaben für diesen Bereich im Jahr 2013 um ein Prozent. Für 2014 und 2015 ist mit einem weiteren Rückgang von voraussichtlich jeweils 0,4 Prozent zu rechnen.

Infrastruktur: Netzgeschwindigkeiten ausbauen
Der Standort Deutschland verfügt über eine gut entwickelte technische Infrastruktur und erreicht einen soliden sechsten Platz im internationalen Vergleich. Der Standort stabilisiert sich bei der Breitbandpenetration in der Bevölkerung mit 34,6 Prozent. Allerdings bleibt die Geschwindigkeit der Netze weiter das zentrale Thema, denn gemessen an der Verbreitung von superschnellen Glasfaseranschlüssen hinkt Deutschland deutlich hinterher. Mit einer Glasfaser-Quote von lediglich einem Prozent liegt Deutschland weit abgeschlagen auf dem letzten Platz der europäischen Länder.

Nutzung: Verbesserte Akzeptanz von neuen Technologien und Anwendungen
Bei der Analyse der Nutzung, also des Einsatzes neuer Technologien und Anwendungen durch die Bürger, Unternehmen und Verwaltungen, kann sich Deutschland um einen Rang verbessern und ist nun fünftstärkste Nation im Ranking. Vor allem bei der Nutzung von E-Commerce und beim Musik-Download konnte sich Deutschland im internationalen Vergleich gut positionieren. So kaufen in Deutschland 32 Prozent der Internetnutzer mindestens einmal wöchentlich online ein (Rang 5) und jeder Deutsche lädt durchschnittlich zwei Musiktitel im Jahr aus dem Netz (Rang 3).

Handlungsfelder Digitalisierung und Innovation
Für Experten der Digitalen Wirtschaft sind die wichtigsten Themen für den Standort Deutschland die Digitalisierung der klassischen Wirtschaftszweige sowie Innovationen durch Informations- und Kommunikationstechnologien. Die Digitalisierung in den volkswirtschaftlich bedeutsamen deutschen Traditionsbranchen schreitet immer weiter voran. Die wichtigsten Themen hierbei sind aus Expertensicht die Digitalisierung der Produktion (Industrie 4.0) sowie die systematischen Digitalisierung und Vernetzung in den Sektoren Energie, Gesundheit, Bildung, Verkehr und Verwaltung. Deutschland sollte dabei Wert auf seine digitale und technologische Souveränität legen, um stets in der Lage zu sein, eigene moderne Systeme entwickeln zu können. Mit Blick auf eine breite Akzeptanz der digitalen Transformation bei Bürgern und Anwendern ist nach Expertenauffassung die Gewährleistung eines hohen IT-Sicherheitsniveaus elementar.
Wertschöpfende Innovationen entstehen heute längst nicht mehr nur durch reine technologische Entwicklungen. Vielmehr geht es um Prozessinnovationen und um die Kombination von neuen Technologien mit bekannten Komponenten. Hierbei bieten sich aus Expertensicht besondere Chancen für den deutschen Mittelstand. Auch die Unterstützung junger Unternehmen und von Gründerinnen und Gründern ist zentral für die Innovationsfähigkeit der Digitalen Wirtschaft in Deutschland.

Audi hilft beim Mondauto mit

17. Juli 2015
So könnte der Audi-Flitzer auf dem Mond aussehen. Foto: Audi

So könnte der Audi-Flitzer auf dem Mond aussehen. Foto: Audi

Der Weltraum fasziniert mich. Im Moment verfolge ich gebannt die NASA-Aufnahmen vom Pluto, lese das tolle Buch Der Marsianer von Andy Weir und Chris Hadfield und Alexander Gerst sind sowieso meine Helden. Und ich finde das Projekt Google Lunar X faszinierend. Google will auf den Mond. Immer wieder gibt es von dort Fortschritte (und Rückschläge).
Schon 2012 unterstützte der Grafikprozessoren-(GPU)-Entwickler NVIDIA die deutsche Wissenschaftlergruppe „Part-Time Scientists“ (PTS) mit Tesla-GPUs für die Teilnahme am „Google Lunar X PRIZE“ (GLXP). Dabei handelt es sich um einen von der X PRIZE Foundation ins Leben gerufenen Wettbewerb, dessen Ziel eine zu 90 Prozent privat finanzierte Mondmission ist. Nun ist auch Audi mit von der Partie. Auch Audi will auf den Mond. Das sind mal Ziele für einen Autobauer.
Audi bricht zum Mond auf – zusammen mit dem genannten Team der „Part-Time Scientists“. 45 Jahre nach der letzten bemannten NASA-Mondmission haben sich die Kooperationspartner erneut das damalige Landegebiet der Apollo 17 als Zielmarke gesetzt. Die deutsche Ingenieurs-Gruppe der Part-Time Scientists arbeitet im Rahmen des Wettbewerbs Google Lunar XPRIZE daran, einen unbemannten Rover auf den Erdtrabanten zu bringen. Was wäre das für ein Werbeeffekt? Die Audi-Ringe tuckern auf dem Mond – Wahnsinn.

Audi lunar quattro mit den Ringen. Foto: Audi

Audi lunar quattro mit den Ringen. Foto: Audi

Audi unterstützt Part-Time Scientists mit seinem Know-how auf vielen Technikfeldern – vom quattro-Allradantrieb über Leichtbau und Elektromobilität bis zum Pilotierten Fahren. „Der Gedanke einer privat finanzierten Mission zum Mond ist faszinierend“, sagt Luca de Meo, Audi-Vorstand Vertrieb und Marketing. „Und innovative Ideen brauchen Unterstützer, die sie voranbringen. Mit unserem Engagement bei den Part-Time Scientists wollen wir ein Signal setzen und auch andere Partner animieren, ihr Knowhow einzubringen.“ Luca de Meo stellte die Kooperation auf dem internationalen Innovationsforum der Cannes Innovation Days vor. Ich finde das super.
Prof. Dr. Ulrich Hackenberg, Audi-Vorstand Technische Entwicklung: „Gerne unterstützen wir dieses Projekt mit unserem Know-how, von Leichtbau über Elektronik bis hin zur Robotik.“
Der mit mehr als 30 Millionen US-Dollar dotierte Google Lunar XPRIZE ist ein Raumfahrt-Wettbewerb, der sich an Ingenieure und Unternehmer aus der ganzen Welt wendet. Um zu gewinnen, muss ein privates Team einen Rover auf den Mond bringen, der dort mindestens 500 Meter zurücklegt und hochaufgelöste Bilder und Videos zur Erde übermittelt.
Die AUDI AG unterstützt mit Technologie-Know-how bei der Optimierung des Roversder Part-Time Scientists, dem einzigen deutschen Team bei Google Lunar XPRIZE. Im bisherigen Verlauf des Wettbewerbs ist das Mondfahrzeug der Forschergruppe bereits von einer Jury aus Raumfahrtexperten mit zwei so genannten Milestone Prizes ausgezeichnet worden.
Als Kooperationspartner unterstützt Audi das Team vor allem in seinen Kompetenzfeldern Leichtbau und E-Mobilität, beim permanenten Allradantrieb quattround beim Pilotierten Fahren. Auch beim Testen, Erproben und Absichern der Qualität bietet Audi breit gelagerte Zusammenarbeit an. Zudem überarbeitet das Audi Konzept Design München den Rover, um idealem Leichtbau-Bedingungen sicherzustellen. Künftig heißt das Mondauto übrigens „Audi lunar quattro“ – ein wenig Audi-Marketing muss dann schon sein.

Vor dem Einstieg von Audi sah das Mondauto so aus.

Vor dem Einstieg von Audi sah das Mondauto so aus.

Die Landefähre mit dem Audi lunar quattro soll bis 2017 an Bord einer Trägerrakete ins All starten und mehr als 380.000 Kilometer bis zum Mond zurücklegen. Etwa fünf Tage wird die Reise dauern. Das Ziel-Landegebiet liegt nördlich des Mond-Äquators in derNähe der Landestelle der letzten bemannten NASA-Mondmission Apollo 17 im Jahr 1972. Hier gibt es extreme Temperaturschwankungen von bis zu 300 Grad Celsius.
In verschiedenen Test-Schleifen, die unter anderem in den österreichischen Alpen und auf Teneriffa stattfanden, haben die Part-Time Scientists ihr Mondfahrzeug entwickelt, das in weiten Teilen aus Aluminum besteht. Ein verstellbares Solarpanel fängt das Sonnenlicht auf und leitet es in eine Lithium-Ionen-Batterie. Sie speist vier Radnabenmotoren. Ein Kopf an der Front des Fahrzeugs trägt zwei stereoskopische Kameras sowie eine wissenschaftliche Kamera zur Materialuntersuchung. Die theoretische Höchstgeschwindigkeit beträgt 3,6 km/h – ein Laser wird das Ding auf der Mondoberfläche dann doch nicht. Viel wichtiger auf der holprigen Mond-Oberfläche sind jedoch die Offroad-Eigenschaften und die Fähigkeit zur sicheren Orientierung.
„Mit Audi haben wir einen starken Partner gewonnen, der uns mit seiner Technologie und Mobilitäts-Kompetenz einen großen Schritt nach vorne bringen wird“, sagt Robert Böhme, der Gründer und Kopf von Part-Time Scientists.
Part-Time Scientists entstand Ende 2008 auf Initiative von Robert Böhme, der als IT-Berater in Berlin arbeitet. Die Mehrzahl der momentan etwa 35 Ingenieure kommt ausDeutschland und Österreich. Experten aus drei Kontinenten, darunter der ehemals leitende NASA-Mitarbeiter Jack Crenshaw aus Florida, verstärken das Team. Zu den Unterstützern der Gruppe gehören neben Audi zahlreiche Forschungseinrichtungen undHightech-Unternehmen, so etwa NVIDIA, die Technische Universität Berlin, das Austrian Space Forum (OeWF) und das Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt(DLR).

Google Lunar XPRIZE
Der mit mehr als 30 Millionen US-Dollar dotierte Google Lunar XPRIZE ist ein Wettbewerb, der sich an Ingenieure und Unternehmer aus der ganzen Welt wendet. Um zu gewinnen, muss ein privates Team einen Rover auf den Mond bringen, der mindestens 500 Meter auf der Mondoberfläche zurücklegt und dabei hochaufgelöste Bilder und Videos zur Erde übermittelt.
Der Google Lunar XPRIZE will innovativen, unkonventionellen und kostengünstigen Ideen zum Durchbruch verhelfen. Deshalb sollen die Teilnehmer zu 90 Prozent ohne finanzielle Hilfe durch staatliche Institutionen auskommen. Der Launch der Rakete, die den Rover über mehr als 380.000 Kilometer Entfernung auf den Mond bringen soll, kostet in der Kalkulation der Part-Time Scientists inklusive der notwendigen Versicherungen etwa 24 Millionen Euro.
Die Mission, die spätestens am 31. Dezember 2017 abgeschlossen sein muss, wird nach Berechnungen der Part-Time Scientists etwa fünf Tage dauern. Ihr Ziel-Landegebiet liegt nördlich des Mond-Äquators unweit der Landestelle der letzten bemannten NASA-Mondmission Apollo 17 im Jahr 1972. Eine wirtliche Gegend ist das nicht – die Temperaturschwankungen betragen bis zu 300 Grad Celsius.
Beim Google Lunar XPRIZE läuft derzeit die Finalrunde mit 16 Teams. Neben den Part-Time Scientists, die im Juni 2009 offiziell im Wettbewerb registriert wurden, haben vier weitere Wettbewerber in den vergangenen Monaten so genannte Milestone Prizes gewonnen, die mit insgesamt 5,25 Millionen US-Dollar dotiert sind. Darunter zwei Gruppen aus den USA (Astrobotics und Moon Express) und jeweils ein Team aus Indien (Indus) und Japan (Hakuto).

Die Part-Time Scientists

Die Part-Time Scientists

Die Part-Time Scientists, das einzige deutsche Team beim Google Lunar XPRIZE, bekamen nach erfolgreichen Testvorführungen Milestone Prizes für die Entwicklung ihres Rovers („Mobility Prize“) sowie für seine optischen Systeme und Sensoren („Imaging Prize“) zugesprochen. Das Preisgeld dafür betrug insgesamt 750.000 US-Dollar.

Der nördlichste Kiosk Deutschlands liegt auf Helgoland

16. Juli 2015

Mit Helgoland verbinde ich viele Eindrücke. Wer um die Insel spaziert, wird auf viele bekannte Attraktionen und Sehenswürdigkeiten stoßen. Die Inselgruppe Helgoland und Düne gehört seit 1890 zum deutschen Staatsgebiet. Ich denke, das bekannteste Wahrzeichen der Insel ist die Lange Anna. Die Lange Anna ist eine 47 Meter hohe freistehende Felsnadel im äußersten Nordwesten der deutschen Nordseeinsel.

Der letzte deutsche Kiosk vor England liegt in Helgoland.

Der letzte deutsche Kiosk vor England liegt in Helgoland.

Was es aber auch gibt, ist der nördlichste Kiosk Deutschlands. An der Hoffmann-von-Fallersleben-Straße 520 findet sich die Parfümerie Ellen, gegenüber der Schule und Friedhof. Kein besonderes Schild weist auf die Besonderheit des Ortes hin.

—- Update August 2023: der Kiosk ist inzwischen geschlossen —-

„Es ist der letzte Kiosk Deutschlands, dann können Sie nur noch in England einkaufen“, wird der Besucher von Ellen Fähland freundlich begrüßt. Ellen Fähland betreibt nicht nur die Parfümerie Ellen, sondern auch die Ferienwohnung Ingeborg. In ihrem Kiosk gibt Waren, wie überall auf der Insel.

Adresse: Hoffmann-von-Fallersleben-Straße 520 auf Helgoland

Adresse: Hoffmann-von-Fallersleben-Straße 520 auf Helgoland

Das Besondere ist eben nur die einzigartige Lage: Eis, Andenken, Mützen, Nippes, Zigaretten, Alkohol – und natürlich Duty Free. Für das vierzig Kilometer vom Festland entfernte Helgoland gelten Sonderregelungen: Die Gemeinde ist zwar Teil des deutschen Wirtschaftsgebiets, zählt aber weder zum Zollgebiet der Europäischen Union, noch werden deutsche Verbrauchssteuern erhoben. Gerade das Thema Alkohol-Verkauf wird in dem Laden groß geschrieben, der Schwerpunkt liegt auf Single Malt.

Na denn Prost.

Na denn Prost.

Wer auf den Fußmarsch zur Langen Anna ist, der kann sich im Kiosk mit Proviant noch eindecken – und erst auf dem Rückweg den Alkohol erwerben. Aber unbedingt auf die Zollbestimmungen achten. Der deutsche Zoll kontrolliert auf dem Festland sehr streng. Also entweder den Single Malt auf Helgoland vernichten, oder die erlaubten Waren einführen.

  • 200 Zigaretten oder 100 Zigarillos oder 50 Zigarren oder 250 Gramm Rauchtabak
  • 1 Liter alkoholische Getränke mit mehr als 22 Vol% oder 2 Liter alkoholischer Getränke mit bis zu 22 Vol%
  • 500 Gramm Kaffee oder 200 Gramm Kaffeeauszüge
  • 50 ml Parfüm oder 250ml Eau d´Toilette

Buchkritik: Herbstblond von Thomas Gottschalk

15. Juli 2015

herbstblond

Ich sag es gleich vorweg: Ich mag den Gottschalk, ich mochte ihn früher und ich mag ihn heute auch noch. Ich bin also befangen. Als Jugendlicher hörte ich die B3 Radioshow mit Gottschalk und Jauch. Ach was schreib ich? Ich liebte sie. Als Schüler lief bei mir das Radio, wenn die beiden Moderatoren auf Sendung waren und sich gezankt haben. Der witzige Thomas und der ernste Günther. Sonst mochte ich Radio nicht so, aber Gottschalk brachte frischen Wind in den Bayerischen Rundfunk und rockte die Hütte. Er versüßte mir die Hausaufgaben.
Aus diesem Grunde las ich auch die Autobiografie Herbstblond von Thomas Gottschalk. Vor allem interessierte mich, wie ein Kerl aus der fränkischen Provinz mit einer großen Klappe und Schlagfertigkeit zum wichtigsten deutschsprachigen Entertainer aufsteigen konnte. Seine Geschichten über den Bayerischen Rundfunk und seinen Strukturen habe ich in diesem Buch verschlungen, wahrscheinlich weil ich den einen oder anderen Protagonisten kannte. Ich las auch viel über den Hörfunkdirektor Udo Reiter, dessen Autobiografie ich mir auch gleich reinzog und darüber bloggte. Reiter förderte Gottschalk nach Kräften, so dass er im System BR überleben konnte. Mal sehen, ob ich die Autobiografie von Gottschalk-Freund Gunter Sachs auch noch bekomme. Auch mit ihm war Gottschalk befreundet – und sowohl Reiter als auch Sachs haben sich im Alter erschossen. Thomas Gottschalk hat Rundfunkgeschichte geschrieben, nicht mehr, nicht weniger.
Auch interessant für mich, wie selbstkritisch sich Gottschalk mit den neuen Medien auseinander setzt. Er beschreibt seine eigene Hilflosigkeit im Hinblick auf die Digitalisierung – YouTube und Twitter sind nicht sein Leben. Wichtig ist, dass er dies erkennt und danach handelt und sich nicht zum Affen macht. Gottschalk kann heute sich zurückziehen und kann seinen Erfolg genießen. Diese Autobiografie, die übrigens sehr flott geschrieben und gut lektoriert wurde, ist das Werk eines schlagfertigen Profis. Es gibt nachdenkliche Seiten, wenn sich Gottschalk beispielweise über Religion und Bildungssystem auslässt, und es gibt witzige Seiten, wenn es seine Filmprojekte beispielsweise geht. Piratensender Powerplay war Kult. Gut gespielt hatte er nur in dem Helmut Dietl-Film Late Night.

Werbung im Hugendubel in Erfurt.

Werbung im Hugendubel in Erfurt.

Kritisch geht Gottschalk mit Wetten dass um. Er war der Meister des Samstagabends, aber diese Zeiten sind vorbei. Und sie kommen nicht wieder. Da sollte sich auch ein Thomas Gottschalk bei all seiner Popularität erinnern. Gottschalk hatte die großen Stars dieser Welt auf seinem Sofa. Ich erinnere mich noch an Michael Jackson, bei dessen Auftritt die Fans ausrasteten. Für mich die wichtigsten Auftritte waren Sir Paul McCartney, Bill Gates und Sir Peter Ustinov. Gerade die US-Stars konnte er einladen, was sicherlich auch an seinem amerikanischen Wohnsitz lag. Meine deutschen Helden waren Peter Alexander, Karlheinz Böhm und Loriot. Gottschalk übernahm Wetten dass ja von Frank Elstner und der hatte zumindest schon 1983 Johnny Cash in der Show – ein Auftritt, den ich noch immer fasziniert ansehe. 2011 kam es dann zum Umfall von Samuel Koch und ab da hatte Wetten dass für mich seine Leichtigkeit verloren. Michelle Hunziker wurde zuvor eingebaut, die ich aber überflüssig fand. Wetten dass war für mich nicht mehr die Sendung, die ich mochte und mit meiner Familie schaute. Wir hatten uns auseinander gelebt. Smartphone und Laptop und damit YouTube und soziale Netzwerke waren wichtiger im Haushalt, der Fernseher bliebt die meiste Zeit aus. Das verbindende Element Fernsehen ging verloren. Die Wetten der Sendung konkurrierten mit YouTube und zogen den Kürzeren. Zeit aufzuhören, obwohl die heilige Quote im Vergleich immer noch passte.
Die Late Night-Experimente waren okay, die meisten leichtbekleideten Tussis dort allerdings waren überflüssig. Eine schlüpfrige Bemerkung hier, ein zweideutiges Kompliment da – das brauche ich nicht ansehen. Für mich war Harald Schmidt der deutsche König der Late Night-Unterhaltung. Das war nicht die Welt von Plaudertasche Gottschalk und das erkannte er auch.

Sehr nett ist auch das Kokettieren mit Literaturpapst Marcel Reich-Ranicki. Der oberflächliche Gottschalk und der tiefsinnige Reich-Ranicki – zwei begnadete Entertainer, die immer wieder aufeinandertreffen. 2008 lehnte Reich-Ranicki den Fernsehpreis ab, bot Gottschalk das Du an und Gottschalk ergriff geistesgegenwärtig die Chance und forderte die Intendanten von ARD, ZDF und RTL zu einer gemeinsamen Sendung mit Tiefgang auf. Das muss man sich erst mal trauen. Schön und treffend fand ich die Bemerkung vom damaligen FAZ-Herausgeber Frank Schirrmacher an Gottschalk: Er solle sich in Zukunft nicht dümmer stellen als nötig. Das passt als Credo über die gesamte Biografie: Thomas Gottschalk hat eine emotionale Intelligenz und weiß sie einzusetzen. Daher klarer Lesebefehl für Herbstblond.

Kritik: Patti Smith auf dem Tollwood München

14. Juli 2015

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Bereits mit der ersten Zeile hatte sie ihre Fans auf dem Münchner Tollwood im Griff. „Jesus died for somebody’s sins but not mine …“ und der Punk ging bei Patti Smith ab. Diese Frau ist fit und gewaltig bei Stimme und das mit 68 Jahren.


Sie ist Power pur, soviel war klar, als sie die Songs zu ihrem Album Horses vortrug. Horses von 1975 (!) Mein Gott, soll Horses schon wirklich 40 Jahre her sein? Ein Großteil der Fans im Tollwood-Zelt hatte Horses damals auf Vinyl gehört und huldigt nun der Sängerin samt exzellenter Band. Das merkte auch Patti Smith, wer hier vor ihr stand und machte auch gleich Witze über Vinyl-Scheiben. „Die eine Seite ist nun zu ende und wir müssen die Schallplatte umdrehen und die Nadel neu auflegen“ – ihre Fans quotierten es mit donnerndem Applaus. So etwas verstehen nur die Älteren, die die analoge Zeit erlebt haben.
Die Idee, nach 40 Jahren eine Tour zu einem Erfolgsalbum zu machen, ist genial. Die meisten der anwesenden Fans konnten die Texte von Horses mitsingen und so kam von der ersten Minute richtig Stimmung auf. Die einstige Punk-Lady hatte jederzeit ihr Publikum im Griff und konnte es sich auch erlauben, während eines Songs mal hinter die Bühne auf die Toilette zu verschwinden. Ihr Verschwinden quittierte sie später mit den Worten, dass sie normalerweise vor einem Auftritt die Toilette besuchte, aber sie dieses Mal nicht konnte. So genau wollten wir es eigentlich nicht wissen. Aber da ist sie wieder, die gute alte Provokation von Patti Smith. Auch das Spucken auf der Bühne hat sie beibehalten, daran nimmt aber wohl kaum noch einer Anstoß. Unsere Fußballer spucken auch und das ist nicht Punk.


Sie galt einst als  Vertreterin des New Yorker Punkstils, nicht den modischen Quatsch mit Iro, sondern ihre innere Haltung zählte. Bands wie Velvet Underground und immer wieder die Ramones lebten den Punk und Patti Smith ebnete den Weg und sie überlebte.
Lenny Kaye (Gitarre) und Jay Dee Daugherty (Drums) sind von damals mit dabei, werden heute unterstützt von Tony Shanahan (Keyboards) und Jacl Petruzzeli (Bass). Die Jungs sind so gut, dass sie auch alleine ein Velvet Underground Medley spielen dürfen inklusive Rock’n Roll, Wating for the Man, White Light/White Heat. Und weil Horses nach einer knappen Stunde vorbei ist, legt Patti Smith noch ein paar Kohlen nach inklusive ihres Hits People have the Power.
Am Ende zeigte sich noch einmal, warum man sie einst die Godmother of Punk nannte. Sie zerlegte systematisch den The Who-Song My Generation und rupfte ihre die E-Gitarre. „Es ist das Haar von Engeln“ nannte sie die gerissenen Saiten, grinste und ging von der Bühne, während die Gitarre noch wimmerte. Und es passte, dass aus der Konsole Hendrix Crossroad Traffic kam, während sich die Besucher auf die Münchner Straßen nach Hause machten.
Anmerkung: Irgendwie hatte manche gehofft, dass es zu einer Begegnung Joan Baez und Patti Smith kommen würde. Baez spielte am 11. Juli, Smith am 13. Juli am Tollwood und es überreichte die 68jährige Smith der 74jährigen Baez den Preis von Amnesty International in Berlin. Wäre in München eine schöne musikalische Begegnung gewesen.