Es war der 21. Mai 1960, ein Samstagabend im noch frischen Frühsommer der schottischen Highlands, als eine junge Band namens The Silver Beetles im Northern Meeting Ballroom in Inverness auftrat. Niemand ahnte damals, dass diese fast namenlose Begleitgruppe wenige Jahre später die bekannteste Band der Welt werden sollte: The Beatles. An diesem Abend aber waren sie einfach nur fünf junge Männer auf Tour, erschöpft, schlecht bezahlt – aber voller Musik und Hoffnung. Durch Zufall stand ich bei meinem Streifzug durch das schottische Inverness vor diesem Veranstaltungsort, der heute ein Frühstückslokal ist.
Die Silver Beetles begleiteten den englischen Sänger Johnny Gentle auf einer einwöchigen Schottland-Tournee, die später unter dem Namen “The Beat Ballad Show” in die Popgeschichte eingehen sollte. Inverness war die zweite Station dieser kleinen Tour, die durch abgelegene Orte wie Fraserburgh, Forres, Nairn und Keith führte – fernab von Glanz, Ruhm oder großer Bühne.
Der Northern Meeting Ballroom war ein typischer Mehrzwecksaal seiner Zeit. Neben der Rock’n’Roll-Show mit Johnny Gentle und seinen Silver Beetles traten dort an diesem Abend auch Ronnie Watt & The Chekkers Rock Dance Band auf. In einem Nebenraum spielte eine Tanzkapelle traditionelle Musik für ein älteres Publikum – eine typische Doppelnutzung, wie sie für lokale Säle in Schottland damals üblich war. Der Eintritt kostete vor 20 Uhr drei Schilling, danach fünf. Der Abend begann um 19:30 Uhr und ging bis Mitternacht – Unterhaltung für jeden Geschmack.
Die Beatles, wie wir sie heute kennen, traten hier noch unter Pseudonymen auf: John Lennon nannte sich „Long John“, Paul McCartney war „Paul Ramon“, George Harrison firmierte als „Carl Harrison“, Stuart Sutcliffe als „Stuart de Staël“, und ihr damaliger Schlagzeuger Tommy Moore blieb schlicht Tommy. Sie waren unsicher, grün hinter den Ohren – aber hungrig auf Musik. Während sie Gentle begleiteten, improvisierten sie, lernten, wie man sich auf der Bühne verhält, wie man ein Publikum mitreißt – und wie hart das Musikerleben sein kann.
Johnny Gentle erinnerte sich später, dass John Lennon in Inverness abends in einem Hotelzimmer half, an einem Song zu schreiben: I’ve Just Fallen For Someone. Lennon bastelte spontan einen Mittelteil. Es war das erste Mal, dass er an einem „fremden“ Song mitarbeitete. Vielleicht war es auch der erste Moment, in dem seine Fähigkeit, andere mit seiner Kreativität zu inspirieren, in vollem Licht aufblitzte.
Doch hinter den Kulissen war nicht alles glänzend. Die Band war müde, das Tourmanagement chaotisch, die Bezahlung unregelmäßig. John Lennon soll in dieser Zeit wütend an ihren damaligen Promoter Larry Parnes geschrieben haben: “We’re fuckin’ skint up here. We haven’t got a pot to piss in. We need money, Larry!” – ein wütender Hilferuf aus der Realität des Musikeralltags.
Und doch war diese Nacht in Inverness ein Schritt. Einer von vielen, der zur Legende führen sollte. Es war ein Abend, an dem fünf junge Männer vor einem kleinen, ahnungslosen Publikum spielten – mit Gitarren, Energie und Träumen. Ein Abend, der heute kaum dokumentiert, aber nicht vergessen ist. Denn hier, im Schatten der Highlands, an den Ufern des River Ness, begann eine der größten Geschichten der Popmusik.
So sieht der Laden heute aus:
Und die Beatles spielen in GB noch immer medial eine Rolle.
Mein zweites Wohnzimmer hat heute seinen zweiten Geburtstag. Das Bistro SixtyFour in Maisach feiert seinen Jahrestag – und meine Frau und ich besuchen regelmäßig diesen Ort der Gastlichkeit. Zum zweiten Geburtstag hat sich Gastronom Uwe Flügel eine nette Idee einfallen lassen: Das zweite Getränk geht heute aufs Haus. Ich weiß also schon, wo ich meinen Abend verbringen werde.
Wer das Bistro SixtyFour in der Zentrumspassage 🙂 betritt, spürt sofort diese einladende Atmosphäre, die aus einem einfachen Moment einen kleinen Zauber macht. Modern, doch nicht kühl, frisch und dennoch voller Wärme – so zeigt sich das Interieur, das Gäste jeden Alters zu einem Ort des Wohlfühlens einlädt. Sanftes Licht, geschmackvolle Dekorationen und eine Anordnung, die Nähe und Gespräch fördert, bilden den perfekten Rahmen für vertraute Stunden zu zweit oder das lebendige Miteinander einer fröhlichen Runde.
Unsere Plätze sind oft an der Bar oder an einem Zweiertisch in der Nähe der Bar. Ich interessiere mich für die Abläufe, beobachte gern – und gebe meinen unqualifizierten Senf dazu.
Und ich treffe interessante Leute, mit denen ich ins Gespräch komme. Ich lasse mich über Fußball aufklären, wovon ich absolut keine Ahnung habe. Ich spreche mit Begeisterung über moderne Kunst, hole mir Aktien- und Reisetipps – nur das Thema Politik bleibt außen vor.
Die Gastlichkeit spiegelt sich in jeder Geste des freundlichen Personals wider. Das Team stimmt einfach. Ich erinnere mich an scherzhafte Diskussionen darüber, wie früher der Service in einer Wirtschaft als „Fräulein“ bezeichnet wurde. So etwas geht heute natürlich auf keinen Fall. Mit aufmerksamem Service und ehrlicher Herzlichkeit sorgen Gastgeber Uwe Flügel und seine Frau dafür, dass sich jeder Gast rundum willkommen fühlt. Ob ein erfrischendes Bier, ein entspanntes Glas Wein, überraschend raffinierte Snacks oder gemeinsame Abende bei guten Gesprächen – hier öffnet sich das SixtyFour als Wohnzimmer und Begegnungsstätte der Gemeinde.
Was mich besonders freut: Das SixtyFour hat eine gut sortierte Whiskey-Bar. Hier beweist Uwe Flügel bei der Auswahl Geschmack beim „Wasser des Lebens“, sei es bei Single Malts oder Blends. Als Schottland-Fan ist das für mich immer ein Grund, hier zu ordern und zu probieren. Und – auch ganz wichtig: Es gibt eine geniale Auswahl an Cocktails mit und ohne Alkohol. Das Mixen der Getränke ist eine Augenweide. Ich trinke in der Regel nur den Long Island Iced Tea. Long Island Iced Tea ist ein Cocktail und enthält zu gleichen Teilen Rum, Wodka, Tequila, Gin und Orangenlikör, zu anderthalb Teilen Zuckersirup und Limettensaft – und wird mit Cola aufgefüllt. Obwohl der Name es vermuten lässt, ist kein Eistee enthalten.
Die Speisenauswahl überzeugt mit Raffinesse und Genuss. Jeden Monat gibt es ein anderes Special auf der Karte. Im Juli war es der Caesar Salad, der so gut ankam, dass er wohl dauerhaft bleiben wird. An speziellen Tagen gibt es auch hervorragende Weißwürste vom Metzger Braun aus Wiedenzhausen – für mich die besten WW der Welt.
Dank dem SixtyFour bin ich auch wieder zum Billard-Spiel gekommen. In meiner Jugend habe ich gerne gespielt – jetzt probiere ich es immer wieder. Es ist leicht, Bälle zu platzieren, aber es ist sehr kompliziert, die Kontrolle über die weiße Kugel zu behalten, Spiele kontinuierlich zu gewinnen und unter Druck zu bestehen. Aber ich spiele ja nur zum Spaß.
Ausgebaut werden soll der Live-Musik-Anteil. Beim Marktsonntag im Herbst trat die Band Cluas und Flo „Die Feder“ auf und rockte die Hütte. Im Herbst soll es wieder Live-Musik geben. Wenn Musiker Interesse an einem Auftritt vor Publikum haben: einfach mal Uwe Flügel kontaktieren.
Auch beruflich kann ich vom SixtyFour profitieren – ich nutze die Theke für ein lokales Streaming-Format und experimentiere damit: Live. Lokal. Echt. Der Bistrotalk auf YouTube. Ich lade interessante Persönlichkeiten aus der Gemeinde zu einem einstündigen Videointerview ein und übertrage diesen Talk live. Zwei Bistrotalks haben wir bereits durchgeführt, der nächste folgt am 10. September mit dem Maisacher Feuerwehrkommandanten Andreas Müller. Einfach mal etwas anderes als klassische Diskussionsveranstaltungen auf lokaler Ebene – die Klickzahlen sehen gut aus.
Insgesamt ist mein zweites Wohnzimmer eine Mischung aus modernen Einflüssen, entspanntem Miteinander und gelebter Gastfreundschaft – ein kleiner, romantischer Rückzugsort inmitten des Alltags. Ich genieße es.
Ich mag ja den besonderen Humor der Schotten. Er ist etwas eigen, wenn man sich darauf einlässt. Und als Star Wars-Fan hab ich diesen Humor im Botanischen Garten entdeckt.
Als wir eine Brücke überquerten und uns orientieren wollte, entdeckte ich Wegweiser und musste lachen. Dort stand Kessel → 20 parsecs / 12 parsecs, einmal für den X-Wing, einmal für den Rasenden Falken. Dann gab es noch Tatooine mit Cantina in der Stadt Mos Eisley 52 parsecs / 30 parsecs, Endor → 64 parsecs / 48 parsecs und dann noch Dagobah → 200 parsecs / 140 parsecs. Köstlich, ich hab mich prächtig amüsiert.
Zeichnungen von Robert Bailey Und in der Castle Fine Art fand ich wirkliche Star Wars-Schätze. Es waren Zeichnungen von Robert Bailey. Robert Bailey ist ein renommierter Künstler, der eine besondere Rolle im erweiterten Star-Wars-Universum spielt – nicht als Schauspieler oder Filmschaffender, sondern als offiziell von Lucasfilm autorisierter Illustrator.
Seine präzisen, von Hand gezeichneten Werke zeigen Szenen und Charaktere aus der klassischen Star-Wars-Trilogie in beeindruckender Detailtiefe. Besonders markant ist sein Stil: Bailey arbeitet fast ausschließlich mit Bleistift und feinen Schraffuren, wodurch seine Bilder eine besondere Tiefe und Textur erhalten. Beim nächsten Besuch werde ich zuschlagen.
Seine Verbindung zur Star-Wars-Welt reicht bis in das Projekt „Star Wars: Visions“ zurück, bei dem verschiedene Künstler ihre persönliche Interpretation des Franchise präsentierten. Seine Arbeiten überzeugten auch George Lucas persönlich, der mehrere Originale von Bailey erwarb. Auch Schauspieler wie Harrison Ford, Carrie Fisher und John Travolta zählen zu den Besitzern seiner Kunst.
Bailey lebt heute in Kanada und ist über seine Star-Wars-Motive hinaus für seine realistischen Darstellungen historischer Kriegsflugzeuge bekannt. Innerhalb der Star-Wars-Community gilt er als einer der gefragtesten Zeichner, dessen Werke nicht nur Sammler, sondern auch langjährige Fans der Saga begeistern. Seine Arbeiten sind in ausgewählten Galerien, etwa bei Castle Fine Art, erhältlich und verbinden cineastische Erinnerung mit handwerklicher Präzision.
Was zum Himmel stimmt mit manchen Menschen nicht?! Da steht sie – orangefarben, freundlich, übergroß und mit einem Lächeln, das seit über 50 Jahren Generationen von Kindern durch die Kindheit begleitet – die Maus. Und jemand zündet sie einfach an. Die Maus! Nicht ein Verkehrsschild, nicht eine Mülltonne, nicht ein Werbeplakat – die Maus. Ein Symbol für Bildung, Neugier, Freundlichkeit. Ein Wesen, das nie jemandem wehgetan hat. Und doch fällt sie einem feigen Akt von Vandalismus zum Opfer. Mir platzt der Kragen.
Wie abgestumpft muss man sein, um so etwas zu tun? Wer hat so wenig Respekt vor all dem, was die Maus verkörpert? Diese Figur steht für all das, was in dieser Welt noch gut ist – für kindliches Staunen, für Zusammenhalt, für Verständlichkeit in einer oft viel zu komplizierten Welt. Und nun steht da eine verkohlte Maus – weil jemand offenbar meinte, das sei ein passendes Ziel für Frust, Langeweile oder stumpfe Zerstörungswut.
Das ist kein Kavaliersdelikt. Das ist ein Anschlag auf unsere Kindheitserinnerungen, auf ein kulturelles Erbe. Man zündet kein Stück Herz an. Und das ist die Maus: Herz, Wärme, Verlässlichkeit. Für viele Kinder, auch für ich, war die Maus der erste Kontakt mit Wissenschaft, Technik, Sprache – liebevoll erklärt, nie von oben herab, immer mit Respekt für das kindliche Denken. Und jetzt steht da nur eine angebrannte Maus.
Es ist nicht einfach nur eine Statue. Es ist ein Ort, zu dem Kinder mit leuchtenden Augen kamen, wo Familien Fotos machten, wo Passanten kurz stehenblieben, lächelten, und sich an ihre eigene Kindheit erinnerten. Und ein Idiot hat beschlossen, das alles soll in Flammen aufgehen.
Nein, das dürfen wir nicht hinnehmen. Es reicht nicht, einfach nur betroffen zu sein. Wir sollten wütend sein. Wütend über die Respektlosigkeit, über diese Herzlosigkeit, über einen Angriff auf das, was uns alle als Gesellschaft miteinander verbindet: unsere gemeinsame Erinnerung an das Staunen und Lernen mit der Maus.
Was bleibt? Unsere Entschlossenheit. Die Maus wird zurückkommen. Bunter, schöner, stärker als je zuvor. Denn das, wofür sie steht, lässt sich nicht verbrennen. Aber vergessen dürfen wir diesen Angriff nicht. Es war mehr als Sachbeschädigung. Es war ein Schlag ins Herz unserer Kindheit. Ich hoffe, dass der oder die Täter gefasst werden.
Nach dem Brand der Maus-Figur vor dem WDR in der Kölner Innenstadt soll die Maus jetzt ganz schnell wieder gesund werden: „Viele Maus-Fans haben bereits Erste Hilfe geleistet und Pflaster geklebt. In den nächsten Tagen schicken wir sie dann in eine längere Kur, damit die Brandwunden gut versorgt werden können. Die Maus kommt auf jeden Fall so schnell wie möglich wieder“, verspricht Matthias Körnich, Leiter des Kinderprogramms.
Noch ist es ein trauriges Bild: Die beliebte Figur ist am rechten Arm und im Gesicht stark verkohlt. Nicht nur Pflaster symbolisieren die Anteilnahme, auch über die sozialen Medien erreichen die Maus viele liebe Genesungswünsche, darunter auch von der Seamstraße.
Im gemütlichen Ambiente des Maisacher Bistros sixtyfour geht das lebendige Talk-Format: der Bistrotalk in die zweite Runde. Gastgeber Matthias J. Lange hat mit de Vorsitzenden der Bürgerenergie Maisacher Land Thomas Köck eine spannende Persönlichkeit aus der Gemeinde Maisach eingeladen – direkt vor Ort und live im Netz. Gemeinsam wird über Engagement, Alltag und das Miteinander in der Gemeinde gesprochen – offen, nahbar und ganz ohne Script.
Los geht’s am Mittwoch, 30. Juli um 18 Uhr, der Talk dauert etwa eine Stunde und wird ab 18 Uhr live auf YouTube gestreamt. Die Adresse ist: https://www.youtube.com/@redaktion42/streams
Zur Sprache kommen die nächsten Vorhaben der Bürgerenergie, besonders die beiden geplanten Windräder in Rottbach und die mögliche Bürgerbeteiligung. Dort können Interessierte den Stream live verfolgen, kommentieren und Fragen stellen. Der Stream wird moderiert.
Unterstützt wird das neue Format vom beliebten Treffpunkt Bistro sixtyfour in der Maisacher Zentrumspassage von Gastronom Uwe Flügel. In der Premierenveranstaltung war Bürgermeister Hans Seidl zu Gast und diskutierte mit Matthias J. Lange die Herausforderungen der Gemeinde Maisach- Hier ist die Aufzeichnung.
Der River Ness entspringt am Nordostende des Loch Ness bei Fort Augustus und fließt dann nur etwa 11 Kilometer in nordöstlicher Richtung bis zur Stadt Inverness, wo er in den Moray Firth (eine Bucht der Nordsee) mündet.
Meine Frau und ich verbrachten einen Nachmittag bei diesem Fluß, gingen spazieren und schauten auf den Fluss. Natürlich hielten wir Ausschau nach Nessie – vergeblich übrigens.
Der River Ness fließt nicht einfach – er gleitet, still und würdevoll, wie ein alter Erzähler, der seine Geschichten nur jenen anvertraut, die mit offenem Herzen lauschen. Zwischen den Hügeln der schottischen Highlands, wo der Nebel morgens wie ein silberner Schleier über dem Wasser liegt, beginnt seine kurze, aber bedeutungsvolle Reise: vom tiefdunklen Loch Ness bis zur Nordsee, durch das Herz von Inverness.
Hier, wo der Fluss geboren wird, beginnt auch die berühmteste Legende Schottlands. Denn in den dunklen Tiefen des Loch Ness – dort, wo das Licht kaum den Grund erreicht – soll sie leben: Nessie, das scheue Ungeheuer, das mehr Sehnsucht als Schrecken in sich trägt. Und wenn sie sich wirklich zeigt, dann nicht aus Gier oder Wut, sondern vielleicht aus Neugier, aus Einsamkeit – oder aus Liebe zur Stille, wie sie nur dieser Fluss kennt.
Manche sagen, Nessie bewege sich manchmal durch die Mündung des Lochs in den River Ness, fast wie ein heimlicher Gruß an die Stadt, die ihren Namen trägt. Vielleicht, so flüstert der Wind in den Zweigen, folgt sie nicht nur Strömungen, sondern Erinnerungen – an eine Zeit, in der Magie und Natur noch untrennbar waren. Manchmal, in besonders klaren Nächten, wenn der Mond silberne Wege auf das Wasser malt, meint man, sie gesehen zu haben: einen sanften Schatten, eine Bewegung, die sich nicht erklären lässt – nur erträumen. Nun ja, im Traum, aber vor allem in Souvenir-Läden habe ich Nessie gefunden.
Der River Ness ist mehr als Wasser zwischen zwei Ufern. Er ist ein Fluss aus Geschichten, aus Liedern und Blicken, aus stiller Sehnsucht. Verliebte spazieren an seinen Ufern entlang, Hand in Hand, während Möwen rufen und das Wasser leise gegen das Ufer schlägt. Und vielleicht – nur vielleicht – trägt der Fluss auch ihre Träume fort, hinab in den Moray Firth, hinaus in die Welt.
Denn wer den River Ness sieht, sieht nicht nur einen Fluss. Er sieht ein Band zwischen Mythos und Wirklichkeit, zwischen Herz und Himmel. Und irgendwo tief darin – zwischen Wasserpflanzen, Nebel und jahrhundertealter Legende – lebt vielleicht wirklich ein Wesen, das unsere Fantasie nährt. Nicht, weil es Angst macht. Sondern weil es uns glauben lässt, dass es im Verborgenen noch Wunder gibt.
Circle of Wise Der Circle of Wise ist ein eingerichteter Steinkreis, eingebettet in die üppige Vegetation der Ness Islands. Der Name suggeriert Verbindung zu alten Traditionen: Steinkreise stehen in Schottland symbolisch für uraltes Wissen und spirituelle Zentren. Er erinnert symbolisch an historische Kreisformen und zieht Besucher in seinen Bann.
Der Bereich dient als Freiluftbühne oder Versammlungsort für kulturelle Veranstaltungen, kleine Performances oder meditative Momente in der Natur. Umgeben vom ruhigen Flusswasser, alten Bäumen und durchgehend grünem Uferbereich ist der Circle of Wise ein Lieblingsplatz für Spaziergänger, Nachdenkliche und Fotobegeisterte – besonders bei Sonnenuntergang entfaltet sich hier eine fast magische Atmosphäre.
Mitten im historischen Herzen von Stirling, unterhalb der mächtigen Mauern des Stirling Castle und eingebettet in den alten Friedhof der Stadt, erhebt sich ein ungewöhnliches Denkmal: die Star Pyramid, auch bekannt als „Salem Rock“. Auf den ersten Blick wirkt sie wie ein fremdes Element in der schottischen Friedhofslandschaft – eine massive Sandsteinpyramide, die an altägyptische Formen erinnert. Doch ihre Bedeutung ist tief verwurzelt in der schottischen Geschichte, genauer gesagt in der Zeit der Reformation und des Kampfes um Glaubensfreiheit.
Errichtet wurde die Star Pyramid im Jahr 1863 vom Landvermesser und gläubigen Protestant William Drummond. Er war ein Verfechter der schottischen Reformation und wollte mit diesem Denkmal den sogenannten Märtyrern der Reformation und den Covenanters ein sichtbares, dauerhaftes Andenken setzen. Diese Männer und Frauen hatten im 16. und 17. Jahrhundert für ihren protestantischen Glauben gelitten, wurden verfolgt, inhaftiert oder hingerichtet, weil sie sich gegen die religiöse Vormachtstellung der anglikanischen oder katholischen Kirche stellten. Die Pyramide ist somit nicht nur ein ästhetisches Monument, sondern ein Symbol für Freiheit des Gewissens, des Glaubens und der Überzeugung.
Die Pyramide besteht aus rotem Sandstein und steht auf einem quadratischen, mehrstufigen Sockel. An jeder ihrer vier Seiten sind Bibelverse eingemeißelt, flankiert von christlichen und nationalen Symbolen wie der schottischen Distel, der englischen Rose und der Königskrone. In einer kleinen Kammer im Inneren der Pyramide ließ Drummond eine Bibel und das „Westminster Confession of Faith“, ein grundlegendes Bekenntnisschriftwerk des Presbyterianismus, einmauern – als stilles Vermächtnis für kommende Generationen. Die Spitze der Pyramide wird von einem in Stein gehauenen fünfzackigen Stern gekrönt, der dem Bauwerk seinen Namen verleiht.
Doch Drummond beließ es nicht bei der Pyramide. Er gestaltete auch die umliegende Grünfläche, die er „Pleasure Ground“ nannte. Dort legte er Wege an, pflanzte Bäume und ließ sogar einen kleinen Teich – den „Pithy Mary Pond“ – anlegen. Ursprünglich standen in diesem Bereich auch Statuen und Gedenksteine, unter anderem ein Denkmal für die Bibelübersetzer William Tyndale und John Wycliffe. Drummond selbst wurde nur wenige Meter von der Pyramide entfernt beigesetzt.
Die Star Pyramid ist heute ein stiller, aber eindrucksvoller Ort der Erinnerung. Sie verbindet religiöse Überzeugung, kulturelle Identität und persönliche Leidenschaft auf eindrucksvolle Weise. Inmitten eines Friedhofs, der von Jahrhunderten schottischer Geschichte durchdrungen ist, steht sie als stummer Zeuge eines Kampfes, der mit dem Schwert und dem Wort geführt wurde – und dessen Bedeutung bis heute nachhallt. Besucher, die sich zwischen den Grabsteinen und Denkmälern des Stirling Old Town Cemetery bewegen, spüren in der Nähe der Pyramide jene besondere Atmosphäre, die entsteht, wenn Gedenken und Geschichte aufeinandertreffen.
Ein Hügel voller Geschichten: Es gibt Orte, die sprechen nicht laut – sie flüstern. Der Friedhof ist so ein Ort. Eingebettet in das grünende Herz der schottischen Highlands, zwischen alten Bäumen, moosbedeckten Mauern und verwitterten Grabsteinen, ruht er still und würdevoll am Rand der Stadt, als wolle er sich der Zeit nicht in den Weg stellen, sondern ihr lauschen.
Heute wird der Friedhof mit großem Respekt gepflegt. Er ist ein Ort für Spaziergänger, für Nachdenkliche, für Historiker – und für alle, die spüren, dass die Geschichte einer Stadt oft an ihren stillsten Orten am lebendigsten ist.
Jean-Michel Jarre und ich sind zusammen alt geworden. Als Schüler war ich von seinen Alben Oxygène, Equinoxe und Les Chants Magnétiques begeistert und bin dem französischem Musiker all die Jahre treu geblieben. Ich verbeuge mich vor der enormen Wandlungsfähigkeit des 76jährigen. Während meine anderen Helden der elektronischen Musik wie Kraftwerk kaum eine Veränderung ihres Werkes zulassen, schreitet Jarre immer weiter voran.
In Stuttgart auf den JazzOpen hatte ich mal wieder die Gelegenheit Jean-Michel Jarre mit seiner bombastischen Show live zu erleben – soundtechnisch, musikalisch und optisch ein Erlebnis.
Ich bin mit meiner Konzertkritik ein paar Tage hinten dran, aber wollte dennoch meine Eindrücke festhalten. Der Schlossplatz im Herzen Stuttgarts verwandelte sich in ein elektrisierendes Gesamtkunstwerk aus Klang, Licht und Vision. Vor 6.400 begeisterten Besucherinnen und Besuchern setzte der französische Elektronik-Pionier mit einer multimedialen Show Maßstäbe und bestätigte seinen Legendenstatus eindrucksvoll.
Bühnenbild & Atmosphäre Das visuelle Konzept des Abends unterstrich Jarres Anspruch auf Innovation: Zwölf hochauflösende LED-Stelen verschmolzen mit riesigen Projektionen und einer Armada von Lasern. Jarres berühmte Lasertechnik wurde nicht nur als klassisches Showelement genutzt, sondern als integraler Bestandteil des künstlerischen Konzeptes. Die Strahlenfächer, Wellen und dynamischen Muster tauchten Schlossplatz und Publikum in ein sich ständig wandelndes Farbenmeer. Dabei hatte fast jeder Song eine eigene Lichtsprache. Durch intelligente Abstimmung zwischen Sound und Technik entstand für jedes Stück eine individuelle Atmosphäre – von sphärisch-ruhig bis hin zu explosiv-lebendig.
Für mich der Höhepunkt war die Musik aus Zoolook. Zoolookologie war damals und heute für mich ein Beispiel für die Experimentierfreudigkeit des Franzosen. Das Album Zoolook setzte 1984 die noch recht neue Sample-Technik massiv ein, indem er Sprachaufnahmen aus unterschiedlichen Ethnien in kleine Sequenzen zerschnitt. Eine wunderbare Weiterführung von Pierre Schaeffers Musique concrète. Und auch wunderbar und nur für Hardcore-Fans erkennbar, gab es vor dem Countdown Musik aus dem Soundtrack zur Ausstellung Amazônia, eine Verbeugung vor dem Fotoreporter Sebastião Salgado, der im Mai 2025 in Paris verstarb.
Die Kunstwerke, teils poetisch von Künstlicher Intelligenz generiert, begleiteten jeweils die Songs — weit entfernt vom typischen „AI-Slop“ überzeugten die Animationen mit einer eigenen, künstlerischen Handschrift.
Die Atmosphäre war elektrisierend, ohne aufgesetzt zu wirken. Das Publikum – eine internationale Mischung, darunter viele französische Fans – feierte Jarre enthusiastisch. Der fast 77-Jährige wirkte auf der Bühne überraschend jugendlich und interagierte charmant mit den Zuschauern, darunter sogar ein spontaner Handylichter-Sternenhimmel auf seine Einladung.
Jarre präsentierte einen Querschnitt seines Schaffens von Klassikern wie „Oxygene“ und „Équinoxe“ über experimentelle Neuheiten bis hin zu technoiden Soundcollagen. Die Soundqualität war dabei unfassbar transparent, druckvoll und dennoch nie zu laut – jedes Klangdetail kam zur Geltung.
Der Abschluss seiner Europa-Tour bei den JazzOpen 2025 in Stuttgart hatte für Jean-Michel Jarre eine besondere Bedeutung: Das Konzert wurde als Finale der Tour inszeniert und war sowohl für das Festival als auch für Jarres aktuelle Karrierephase ein Meilenstein.
Da steh ich in Stirling im Paradies und kann nicht vom Apfel abbeißen. Bei meiner Rundreise durch Schottland machte ich auch in Stirling Station und entdeckte einen Schallplattenladen, ach was schreibe ich: Den Schallplattenladen schlechthin.
Europa Music heißt das Geschäft und ist in der 10 Friars Street, Stirling, FK8 1HA. Es gibt dort mindestens 20.000 7′′-Singles, 10.000 12′′-Singles und mindestens 20.000 LP-Schallplatten. Und nun der Nachteil: Ich war mit dem Rucksack unterwegs und konnte keine Vinyl-Platten transportieren. Also blieben die Schätze erst einmal da.
Die jungen Menschen im Geschäft erklärten mir, dass jeden Tag neue Platten eintreffen und daher lohnt sich der tägliche Besuch, man wisse ja nie, welches Juwel gefunden werden könnte. Für mich natürlich Salz in der Wunde, denn ich hatte nur zwei Tage Zeit in Stirling.
Europa Music ist der größte Schallplattenladen in Schottland. Er wurde 1976 in Alloa gegründet und zog 1992 nach Stirling um. Mitten im Herzen der schottischen Kleinstadt Stirling, versteckt zwischen Kopfsteinpflaster und historischen Mauern, findet sich ein Ort, an meine Musikträume lebendig werden: Europa Music. Schon beim Eintreten umweht einen die Magie der Vergangenheit – und der leise Zauber der Leidenschaft für Musik.
Der Duft alter Plattenhüllen vermischt sich mit der unbändigen Neugier nach neuen Schätzen. Überall sind sie zu finden: Vinyl, soweit das Auge reicht. Die Regale biegen sich unter der Last tausender LPs, Single-Veröffentlichungen, Raritäten und Musikschätze, von Jazz bis Punk, von Folk bis Rock. Hier hängt ein seltenes Beatles-Album von der Decke, dort blitzen signierte Cover von schottischen Legenden zwischen den Reihen hervor. Jeder Besucher spürt sofort: Dies ist kein gewöhnlicher Laden, sondern ein Ort, an dem Erinnerungen und Träume sich begegnen. Und es ist ein Laden, in dem ich mein Geld lassen könnte.
Europa Music ist nicht nur eine Ladenzeile, sondern ein Erlebnis. Wer sich auf das Abenteuer einlässt, der fühlt sich wie auf einer Schatzsuche. Mit jedem Blättern durch die dicht gepackten Kisten wächst die Spannung – vielleicht findet man genau jene Platte. Ich habe ein paar Vinyl-Scheiben gefunden, aber aus besagtem Transportengpässen im Geschäft gelassen. Zwischen den knarrenden Holzböden, den einladenden Melodien aus den Boxen und den liebevoll erzählten Geschichten des Besitzers spürt man: Hier bleibt die Zeit für einen Moment stehen. Musik wird nicht zur Ware, sondern zur Brücke – zwischen Generationen, Ländern, Herzen. Und ja, ich komme wieder mit leeren Koffern.
Fantastic Four: First Steps versucht, das legendäre Superhelden-Quartett in einem neuen Licht zu zeigen – und das gelingt dem Film in vielerlei Hinsicht, auch wenn er nicht frei von Schwächen ist. Im Gegensatz zu früheren Verfilmungen konzentriert sich diese Version weniger auf brachiale Action oder globale Bedrohung, sondern legt den Fokus stärker auf die Anfänge, auf die zwischenmenschlichen Spannungen und die Entwicklung einer ungewöhnlichen Familie – und verleiht dem Ganzen eine überraschend emotionale Tiefe. Gleichzeitig ist der Film eine stilistische Verbeugung vor der Ära, aus der die Fantastic Four stammen: den 1960er-Jahren. Stan Lee und Jack Kirby würden diesen Film eher akzeptieren, anders als die meist unglücklichen Fantastic Four-Filme zuvor.
Retro in Stil und Ton Bereits visuell fällt der Retro-Ansatz sofort ins Auge: die Farbpalette ist gedeckt, fast körnig, die Kameraführung bewusst klassisch, und der Score erinnert an die orchestrale Dramatik alter Science-Fiction-Filme. Danke Michael Giacchino. Ich habe mich musikalisch an die Unglaublichen erinnert gefühlt.
Die Technologie ist bewusst „old-school“ inszeniert – mit blinkenden Konsolen, analogen Schaltern und spacigem Design irgendwo zwischen Raumschiff Enterprise und Die Jetsons. Damit schafft der Film eine Atmosphäre, die sich angenehm von der glattpolierten, geistlosen Marvel-Ästhetik der vergangenen Jahre abhebt. Er ist kein lautes Effektgewitter, sondern ein Film, der sich Zeit nimmt – für Dialoge, Blickwechsel, innere Konflikte. Und ich mag die 60er Jahre Optik, die auch an das Artdesign der Unglaublichen von Pixar erinnert. Irgendwann kaufe ich mir einen runden Fernseher.
Diese Rückbesinnung auf das Ursprüngliche ist mehr als ein stilistischer Kniff. Sie ist ein Kommentar: auf die Wurzeln des Genres, auf die Zeit, in der Comics gesellschaftlich subversiv und fantasievoll zugleich waren. First Steps versteht sich als Liebeserklärung an diese Zeit – ohne in Kitsch zu verfallen. Stattdessen fühlt sich der Retro-Look wie ein ehrliches Fundament an, auf dem die Geschichte gebaut wird.
Familie statt Faustrecht Im Zentrum des Films steht nicht der Kampf gegen das Böse – sondern der Versuch, als unfreiwillige „Familie“ zusammenzuwachsen. Die Four – Reed Richards, Sue Storm, Johnny Storm und Ben Grimm – sind durch ein wissenschaftliches Experiment miteinander verbunden, aber emotional meilenweit voneinander entfernt. Die Superkräfte sind hier eher eine Belastung als ein Geschenk: Reeds Dehnbarkeit wird zur Metapher für seine Unfähigkeit, Nähe zuzulassen. Sue kämpft mit ihrer Unsichtbarkeit nicht nur physisch, sondern auch emotional. Johnny ist der aufbrausende Teenager, der sich hinter Flammen und Arroganz versteckt. Und Ben – „The Thing“ – ist tragischer denn je, ein Mann im Körper eines Monsters, geplagt von Einsamkeit.
Der Film nimmt sich Zeit, diese Konflikte auszuspielen – leise, glaubwürdig, berührend. Besonders die Beziehung zwischen Ben und Sue entwickelt sich zu einem emotionalen Ankerpunkt. Es geht um Vergebung, um das Aushalten von Differenzen, um Verantwortung füreinander. „Familie“ wird hier nicht als Blutsbande verstanden, sondern als etwas, das entsteht – durch Entscheidungen, durch Nähe, durch Fehler. Und Gott sei Dank wird nicht mehr die Geschichte erzählt wie die vier zu den fantastischen Vier werden. Das kennen wir doch,
Schwächen: Tempo und Zielgruppenfokus So sehr der Film in Ton und Thema überzeugt, so sehr leidet er in Teilen unter seinem langsamen Erzähltempo. Gerade jüngere Zuschauer oder Fans klassischer Superhelden-Action könnten sich schwer tun mit der gedämpften Dramaturgie. Auch die Bösewichtfigur bleibt blass – mehr Katalysator als Charakter. Doch vielleicht ist das auch bewusst so: Der wahre Konflikt liegt nicht im Außen, sondern im Inneren der vier Protagonisten. Und ich liebe die Silver Surferin.
Ich will nicht spoilern, aber im Grunde wird hier eine wirklich große Geschichte erzählt. Sie ist im Buch Genesis, Kapitel 22, zu finden und wird oft als „Bindung Isaaks“ (hebräisch: Akeda) bezeichnet. Gott stellt Abraham auf die Probe, indem er ihn auffordert, seinen Sohn Isaak, den er sehr liebt und den Gott ihm im hohen Alter geschenkt hatte, als Brandopfer darzubringen. Allerdings kratz Hollywood wieder die Kurve und löst sich von der biblischen Vorlage und geht wieder zurück in den Familienkommerz.
Fantastic Four: First Steps ist ein mutiger, eigenständiger Beitrag im Superheldengenre. Er verzichtet auf Krachbumm und Spektakel zugunsten von Tiefe, Atmosphäre und einer überraschend berührenden Auseinandersetzung mit dem, was Familie wirklich bedeutet. Wer Retro-Charme und Charakterentwicklung schätzt, wird hier viel entdecken – ein Film, der nicht laut ist, aber lange nachhallt. Kein Neuanfang mit Paukenschlag, sondern ein leiser, stilvoller Schritt zurück zu den Wurzeln. Und genau darin liegt seine Stärke. Und der Film soll die Vorbereitung auf den Eintritt der Fantastic Four in das Marvel Cinematic Universe (MCU) sein, worauf ich allerdings verzichten kann. Andeutungen gibt es bereits im Abspann.