Archive for the ‘Musik’ Category

Apple Music Classical-App erschienen und ich nutze sie begeistert

28. März 2023

Endlich ist sie da – die Apple Music Classical-App. Um 1:03 Uhr war sie bei mir für den Download für iPhone und iPad bereit und natürlich habe ich gleich zugegriffen. Die Android-App soll folgen.

Ich dachte beim Laden zurück als ich vor Jahren noch Chefredakteur der MACup war, der ältesten Mac-Zeitschrift Europas. Damals stellte Steve Jobs den iPod vor – 1000 Songs in deiner Tasche. Es gab spezielle Sonderausgaben vom iPod, wie beispielsweise den U2-Player. Und wir diskutierten damals in der Redaktionskonferenz, ob es vielleicht auch spezielle Ausgaben von klassischen Komponisten geben würde: Bach, Beethoven, Mozart oder gar Wagner. Natürlich waren dies Hirngespinste, denn so einen Nischenmarkt hätte Steve Jobs nicht belegt. Wer der hippen Kunden von damals hätte sich Klassik reinziehen wollen, höchstens noch Vivaldis Vier Jahreszeiten.

Bei iTunes und auch beim Streaming-Dienst Apple Music gab es zwar klassische Musik, aber sie stand niemals im Mittelpunkt. Bis heute: Mit der Apple Music Classical-App steht hat Apple endlich Klassikhörer als Zielgruppe entdeckt. Apple bringt Klassik einem breiten Publikum näher und das ist ein großer Verdienst, wenn so ein Player wie Apple in diesen Markt einsteigt. Wer ein Apple Music-Abo hat, bekommt die klassische Musik dazu.

Das Logo der App ist ein Notenschlüssel. Das Klassikangebot ist übrigens das Ergebnis der Übernahme des Unternehmens Primephonic durch Apple im Jahr 2021. Ursprünglich sollte die Apple Music Classical-App schon 2022 erscheinen, aber daraus wurde nichts – warum auch immer.

Die Funktionsweise ist wie bei der bisherigen Music-App. Die Aufnahmen sind ein Querschnitt aus der Klassik mit unterschiedlichen Interpreten. So liegen gleiche Stücke in verschiedenen Einspielungen vor, um den Stil eines Dirigenten oder eines Orchesters vergleichen zu können. Das ist natürlich ein Unterschied und ein Problem gegenüber Rock/Pop, wo ich gerne eine bestimmte Band oder Interpreten hören möchte. Es gibt von Bach mehr als eine Einspielung. Und da wird das Gemeckere der Puristen sofort einsetzen, warum denn die oder die Einspielung bei Apple Music Classical-App nicht enthalten ist. Als Wagner-Freund habe ich auch bestimmte Lieblingseinspielungen vermisst, aber hey Leute: Es ist ein Anfang. Es liegen wohl fünf Millionen Stücke vor. Die Auflösung reicht bis zu 192 kHz/24-Bit Hi-Res Lossless. Ich nutze die Entdecken-Funktion und ich freue mich sehr, dass auch John Williams vertreten ist, für mich der wichtigste lebende Filmkomponist.

Nun, ein iPod ist es nicht geworden, aber für mich heißt es nun: Kopfhörer auf und Klassik genießen. Für mich persönlich ist die Apple Music Classical-App ein großer Wurf.

Musiktipp: 50 Jahre Dark Side of the Moon von Pink Floyd

20. März 2023

Warum das Album The Dark Side of the Moon von Pink Floyd so wichtig für die Kulturgeschichte ist, erfuhren die Teilnehmer eines Online-Seminars von mir zum 50jährigen Jubiläums des Albums. Gleichzeitig wurden die Debatte um die Person des ehemaligen Pink Floyd-Chefs Roger Waters geführt, dem Antisemitismus vorgeworfen wird.

1973 veröffentlichte die britische Band Pink Floyd ihr bahnbrechendes Album „The Dark Side of the Moon“. Das Album war ein kommerzieller und künstlerischer Durchbruch für die Band und wurde zu einem der meistverkauften Alben aller Zeiten. Es brachte Pink Floyd in die Top 10 der Charts in den USA und Großbritannien und enthielt bekannte Songs wie „Money“ und „Time“. Im März jährte sich die Veröffentlichung des Albums. Zum 50 Mal.

Insgesamt prägten Pink Floyd in den frühen Jahren ihrer Karriere die Musiklandschaft und trugen dazu bei, den Sound und die Ästhetik des Psychedelic Rock und Progressive Rock zu definieren. Sie entwickelten sich zu einer der erfolgreichsten und einflussreichsten Bands der Rockmusik und inspirierten viele Künstler und Musiker in den folgenden Jahrzehnten. In einem Seminar diskutierten Referenten Stefan Preis und ich den enormen popkulturellen Einfluss des Albums.

Trotz seiner 50 Jahre haben die Diskussionen um Dark Side nicht abgenommen. Aktuelle Diskussionen im Seminar drehten sich um die mögliche Absage der Deutschlandkonzerte des ehemaligen Pink Floyd-Chefs Roger Waters. Er wollte 2023 in Deutschland seine Dark Side of the Moon-Konzerte geben. Die Stadt Frankfurt will ein Konzert von Ex-Pink-Floyd-Musiker Roger Waters verbieten – mit Verweis auf dessen „israelfeindliches Auftreten“. München plant Ähnliches. Nun wehrt sich der 79-Jährige juristisch.
Roger Waters geht gegendie möglichen Konzertverbote in Deutschland juristisch vor. Waters sei der Ansicht, „dass dieser eklatante Versuch, ihn zum Schweigen zu bringen, ernsthafte und weitreichende Folgen für Künstler und Aktivisten in der ganzen Welt haben könnte, wenn er nicht angefochten wird“, teilte das Management des Künstlers in London mit.

Das Leben, den Tod, den Wahnsinn, die Einsamkeit
Musikalisch ist das Album eine komplexe und anspruchsvolle Mischung aus psychedelischem Rock, progressivem Rock, Jazz und experimenteller Musik. Die Texte sind introspektiv und reflektieren Themen wie das Leben, den Tod, den Wahnsinn, die Einsamkeit und die menschliche Natur. Das Album besteht aus neun Songs, die nahtlos ineinander übergehen und so eine Art musikalisches Konzeptalbum bilden. Die Struktur des Albums, die Verwendung von Soundeffekten und das Zusammenspiel von Musik und Text sind alle so gestaltet, dass sie eine bestimmte Stimmung und Atmosphäre schaffen.

Das Album beginnt mit dem Klang eines Herzschlags, der in den ersten Song „Speak to Me“ übergeht, der aus Fragmenten verschiedener Songs besteht. Danach folgt „Breathe“, ein ruhiger Song, der die Grundlage für das Konzept des Albums bildet. Es geht um den Stress und die Anspannung des modernen Lebens und die Sehnsucht nach Frieden und Ruhe. Der nächste Song, „On the Run“, ist ein instrumentales Stück, das elektronische Klänge und Soundeffekte verwendet und eine Art musikalische Verfolgungsjagd darstellt. Danach folgt „Time“, einer der bekanntesten Songs des Albums, der den Zeitdruck und die Vergänglichkeit des Lebens thematisiert. “ The Great Gig in the Sky“ ist ein emotionaler Song, der von der Sängerin Clare Torry gesungen wird und die Angst vor dem Tod und die Suche nach Trost und Erlösung thematisiert. „Money“ ist ein weiterer bekannter Song, der sich mit dem Konsumverhalten der Gesellschaft und der Gier nach Geld und Macht auseinandersetzt. „Us and Them“ ist ein ruhiger Song, der sich mit der Kluft zwischen den Menschen und den Kriegen auseinandersetzt. „Any Colour You Like“ ist ein instrumentales Stück, das jazzige Improvisationen und Gitarrensolos enthält. Das Album endet mit „Brain Damage“ und „Eclipse“, zwei Songs, die sich mit der Dunkelheit im menschlichen Geist und der Hoffnung auf ein besseres Leben auseinandersetzen.

„The Dark Side of the Moon“ ist ein Meisterwerk der Rockmusik, das nicht nur musikalisch anspruchsvoll ist, sondern auch tiefsinnige Texte enthält, die bis heute aktuell sind. Das Album hat die Grenzen der Rockmusik erweitert und ist zu einem zeitlosen Klassiker geworden, der immer noch viele Fans auf der ganzen Welt hat. Der Titel selbst stammt von Mark Twain: „Everyone is a moon, and has a dark side which he never shows to anybody.“

Das Cover zeigt ein prismaartiges Dreieck, das Lichtstrahlen in die Farben des Regenbogens zerlegt. Der Hintergrund ist komplett schwarz. Das Design wurde von dem Grafiker Storm Thorgerson von der Firma Hipgnosis entworfen und von George Hardie umgesetzt. Das Cover hat eine starke visuelle Wirkung und soll das Thema des Albums, das sich mit den dunklen und abstrakten Themen des menschlichen Lebens und der Gesellschaft befasst, visuell darstellen. Die Regenbogenfarben sollen dabei symbolisch für die verschiedenen emotionalen Zustände und Stimmungen stehen, die im Laufe des Albums behandelt werden.

Buchtipp: Syd Barrett von Mick Rock

16. März 2023

Was für ein schöner Mann, was für ein musikalisches Talent und was für ein Untergang. Roger Syd Barrett war der ehemalige Gründer der britischen Supergroup Pink Floyd, der von Drogen zerstört an seinen eigenen Ansprüchen scheiterte, die Band vor dem Durchbruch verließ und dann mehr und mehr von der breiten Öffentlichkeit vergessen wurde.

Ich mag die frühen Pink Floyd (und auch die späten). Und so habe ich mir den Fotoband von Schwarzkopf & Schwarzkopf besorgt, um mich an die schillernde Person Syd Barretts zu erinnern. Die Fotos stammen von Mick Rock, dem Rockfotgrafen der Sechziger und Siebziger, der unter anderen auch David Bowies Ziggy Stardust-Tour ablichtete.

Die Geschichte vom Auftauchen Barretts bei den Floyd-Aufnahmen von Wish you were here sind legendär, als die Bandmitglieder ihren ehemaligen Kumpel nicht mehr erkannten, weil er aufgedunsen und fett vor ihnen erschien. Barrett starb am 6. Juli 2006 verarmt bei seiner Mutter. Die restlichen Mitglieder von Pink Floyd sind Multimillionäre geworden.
Aber der Fotoband von Mick Rock nimmt uns in eine Zeit mit als Syd Barrett geistig noch auf Spur war. In der Nach-Floyd-Ära als Barrett zwei Soloalben veröffentlichte machte Rock noch 1971 ein Interview für den Rolling Stone. 1969 fotografierte er Barrett das erste Mal und dann immer wieder. So auch das Cover des Solo-Albums The Madcap Laughs. Barrett hatte Talent, Aussehen, Mädchen und LSD. Die Drogen setzten ihm zu, er wurde zusehends depressiv und zog sich zurück.

Viele Fotos aus dem Buch stammen aus dieser Album-Session, andere mit Barretts Auto, einem pinken Pontiac Cabrio und die dritte Session fand im Garten von Mick Rock statt. Barrett konnte nicht Autofahren, ein Rad fehlte und das Auto wurde durch Ziegelsteine aufgebockt. Er hatte den Wagen von Mickey Finn von T-Rex. Später verschenkte Barrett das Auto. Die Fotos zeigen einen Künstler.Als Kamera nutzte Rock eine Pentax mit 28 mm Soligor Weitwinkel.

Und es gibt Fotos von Iggy, der geheimnisvollen, meist nackten Frau vom Cover The Madcap Laughs. Das Zimmer von Barrett war leer bis auf einen Schallplattenspieler und eine Matratze auf dem Boden. Und da waren sie die orangen und türkisen Dielen, die uns immer an das Album erinnerten. So leben wohl Künstler oder Menschen, die von Drogen voll gedröhnt sind. Und als ich das Buch gelesen und die Fotos betrachtet habe, lauschte ich der Musik von Syd Barrett. Das Buch von Mick Rock schließt mit einem passenden Zitat von Arthur Rimbaud: „Und wir erinnern uns an ihn und er ist auf eine Reise gegangen …“

Musiktipp: Turrican Box von Chris Huelsbeck

2. März 2023

Wenn es um Scores für Videospiele geht, dann steht bei mir immer Chris Huelsbeck an erster Stelle, der heute seinen 55. Geburtstag feiert. Alles Gute Meister. Persönlich ist die Musik zu Turrican sein wichtigster Beitrag. Turrican erschien im Laufe der Jahre für verschiedene Plattformen und es gibt damit auch unterschiedliche Musik zum Spiel. Und da Chris Huelsbeck Geld verdienen muss, wurden die unterschiedlichen Scores vor kurzem auf farbigen Vinyl in einer Sammelbox veröffentlicht. Und natürlich hab ich als treuer Fan und Retrogamer hier zugeschlagen.

Es handelt sich um die 7 LP-Sammlerbox zum 30. Jubiläum von Turrican. Folgende Aufnahmen hat Strictly Limited Games zusammengefasst und gepresst: Turrican 1 Studio Recordings, Turrican 2 Studio Recordings, Turrican 3 Studio Recordings, Super Turrican 2 Studio Recordings, Turrican 1 Original Sound Version Amiga, Turrican 2 Original Sound Version Amiga, Turrican 3 Original Sound Version Amiga, Mega Turrican Original Sound Version Sega, Super Turrican 1 Original Sound Version SNES und Super Turrican 2 Original Sound Version SNES.

Und hier hab ich das Unboxing-Video von mir:

Laut Strictly Limited Games wurden nur 999 Kopien der Box hergestellt. Ein paar gibt es wohl noch. 1990 erhielt Huelsbecks Karriere einen Aufschwung mit der Musik zu dem Spiel Turrican; vor allen Dingen seine Musik zu Turrican 2 erreichte schnell Kultstatus in der Spiele-Szene. So schaffte er es beispielsweise als einer der ersten, auf dem normalerweise 3-stimmigen Commodore 64 fünf Stimmen zu erzeugen bzw. aus dem normalerweise 4-stimmigen Amiga sieben Stimmen herauszuholen. Turrican und Turrican 2 gehören daher zu den soundtechnischen Meisterwerken der Heimcomputerszene.

Konzert von Dominik Plangger im Wirtshaus im Schlachthof 2023

13. Februar 2023

Es tat gut, Dominik Plangger wieder mal Live und in Farbe zu sehen. Der Südtiroler Liedermacher präsentierte zusammen mit seiner Frau Claudia Fenzl im Münchner Wirtshaus im Schlachthof sein jüngstes Album ansichtshalber vor ausverkauften Plätzen. Es war nach zwei Jahren Corona ein Wiedersehen mit Freunden und es tat gut.

Ich kenne Dominik seit einigen Jahren. Auf der Wiese vor Kloster Banz war er 2011 Musiker bei den Songs an einem Sommerabend und ich durfte die Veranstaltung fotografisch dokumentieren. Der geniale Netzwerker Hans-Peter Niedermeier hatte den Kontakt hergestellt. Wir freundeten uns an und der Kontakt hat über die Jahre gehalten. Wenn es mir terminlich möglich war, dann besuche ich seine Konzerte und kann dies auch jedem anderen empfehlen, der ehrliche Musik mag: Ehrliche Musik von einem ehrlichen Typen. Ich habe später von der Hochzeit mit Claudia Fenzl gehört, habe nach der Geburt seiner bezaubernden Tochter ein langes Interview mit ihm geführt und auch während Corona ist meine Begeisterung für die Musik von Dominik Plangger nicht verloren gegangen.

In Corona-Zeiten gab er wie viele andere Musiker Wohnzimmerkonzerte. Das brachte zwar wenig Geld in die Familienkasse, dafür wuchs die Familie enger zusammen.

Aber jetzt ist Dominik Plangger wieder hungrig auf Tour zu gehen und wir als Publikum sind hungrig auf seine Lieder und seine Geschichten. Und nicht nur mir ging es so. Das Konzert im Münchner Schlachthof war restlos ausverkauft – ein Zeichen, dass trotz Pandemie die handgemachte Livemusik mit Gitarre und Geige einen enormen Stellenwert hat.

Ich mag das Wort Liedermacher nicht, weil es für mich zu sperrig klingt. Die Bezeichnungen Singer und Songwriter gefallen mir deutlich besser. Planggers Lieder handeln von Beziehungen, von Sehnsüchten, von seiner Heimat Südtirol, von Menschlichkeit und aktueller denn je: vom wertvollen Gut des Friedens.

So sitzt er auf der Bühne des Schlachthofs. Statt Mütze hat er einen Rolling Thunder Hut samt Feder auf dem Kopf. Blaue Jeans mit Hosenträger, Hemd mit Weste – er sieht den amerikanischen Folk-Sängern sehr ähnlich. Musikalisch ist er reifer geworden, vielleicht hat Corona sein Gitarrenspiel gefördert. Ich sitze in der ersten Reihe, schließe die Augen und genieße die Songs.

Zwischen den Liedern immer wieder kleine Geschichten, das Publikum hängt an seinen Lippen. Geschichten von Reisen nach Kanada wo es genauso aussieht wie in Südtirol, Geschichten von der Alm auf er drei Monate im Jahr Zeit verbringt oder eine nette Episode mit Wolfgang Ambros. Und wir können die Verliebtheit des Musikerpaares erleben. Immer wieder halten Dominik und Claudia Blickkontakt, er wirft ihr Komplimente zu und sie harmonieren auf der Schlachthof-Bühne wunderbar miteinander – menschlich und musikalisch.

Die Musiker spielen nicht nur die eigenen Songs. Die Lieder großer Vorbilder und Kollegen kommen auch zu Gehör: Georg Danzer, Warren Zevon und immer wieder Townes Van Zandt.

Und so gab es auch bei den Zugaben einen Überraschungsgast in Form von Mr Jones alias Jürgen Bichlmeier. Er ist meine persönliche Neuentdeckung des Abends. Plangger und Mr Jones trafen sich beim Townes Van Zandt International Festival in der Nähe von Mailand und harmonierten perfekt. Mal sehen, vielleicht fahre ich Pfingsten zu diesem Festival, denn die Musik von Townes Van Zandt darf nicht vergessen werden.

Musiktipp: Bootleg Series 17 Fragments von Bob Dylan

31. Januar 2023

Nunmehr die 17 Ausgabe der Bootleg Series des heute 81jährigen Bob Dylan ist soeben mit dem Zusatz Fragments erschienen. Dieses Mal handelt es sich um Songs aus der Zeit von 1996/97 als Dylan sein 30. Studioalbum Time Out of Mind veröffentlichte. Es sind in der Deluxe Version fünf CDs des neu abgemischten Albums und Alternativ- und Liveversionen, also genau das Richtige für Dylan-Fans auf Entzug.

Mit Time Out of Mind kam Dylan aus einer tiefen, ganz tiefen Schaffenskrise. Das mit drei Grammy Awards ausgezeichnete Album ist ein düsteres Werk des großen Musikers. Vergangenheit, das Alter und der bevorstehende Tod sind die Themen des großartigen Albums, die nun in der Bootleg Series nochmals erweitert werden.

Das Album hatte keiner von dem damals 56-Jährigen Dylan erwartet. Nur noch wir Hardcore-Fans hielten zu ihm, die Musikwelt hatte den Künstler fast schon vergessen. Die Alben dieser Zeit waren – sagen wir mal so – gewöhnungsbedürftig. Sieben Jahre hatte er keine eigene Songs zu Papier gebracht. Die Kreativität und das Selbstvertrauen waren einfach weg. Er selbst wäre auch fast an einer Herzbeutelentzündung verstorben.
Aber Dylan erholte sich und legte mit Time Out of Mind einen Paukenschlag hin, der die vergessliche Musikindustrie erschütterte und aufrüttelte. Der Meister ist zurück und mit gewaltiger bedrohlicher Kraft. Er dachte an die Bibel und machte sich auf, ein Meisterwerk zu komponieren. „Wir müssen die Werke dessen vollbringen, der mich gesandt hat, solange es Tag ist; es kommt die Nacht, in der niemand mehr etwas tun kann.“ Diese Zeilen hat sich Dylan wohl aus seiner christlichen Phase zu Herzen genommen und dank Produzent Daniel Lanios seine musikalischen Gedanken geordnet.

Nun nach mehrmaligen Anhören von Fragments lässt mich die Bootleg Series 17 erschöpft zurück. Ich versinke in die düsteren Gedanken, ich fühle mich bedrückt. Es ist kein hurra ich bin ein Poet-Gefühl, sondern es sind reife Gedanken eines abgeklärten Mannes. Wenn man die weiteren Alben von Dylan betrachtet, geht er konsequent diesen Weg. Sein jüngstes offizielles Werk Rough and Rowdy Ways und die Welttournee sind wohl der Abschluss dieser dunklen Phase des Meisters, die mit Time out of Mind begann.

Anspieltipps sind für mich die Alternativen Versionen von Highlands (bis dahin der längste Dylan-Song) und Love Stick und auf jeden Fall der alte Folk-Heuler The Water is Wide. Aber Dylan Fans werden die Aufnahmen sowieso kaufen und der Rest gehört eben nicht zu den Eingeweihten.

These Kids were allright – The Who Bandgeschichte

16. Januar 2023

Sie galten einst als eine der lautesten Bands der Rockmusik und am 15. Januar 1965 hatten die Band mit „I Can’t Explain“ ihre erste Single und auch den ersten Nummer 1 Hit in Großbritannien. Gemein sind natürlich The Who.

Ich mag diese Art von rauer Arbeitermusik als Vorläufer von Punk und hab mal wieder zur offiziellen Bandgeschichte 50 Jahre the Who als Buch gegriffen, das 2015 erschien. Ich habe mir die deutsche Fassung gekauft, die bei Prestel erschienen ist. Reich bebildert und mit viel Anekdoten macht das Coffee-table Buch richtig Spaß. Pete Townshend und Roger Daltery steuerten Geschichten bei. Dabei erinnere ich mich, dass ich mal einen Who-Aufnäher auf meiner Jeansjacke (Kutte) hatte, den ich stolz getragen habe. Die Jeansjacke habe ich heute mit dem Tweedjacket getauscht, die Musikvorliebe bleibt aber. Es waren schon schlimme Jungs die Herren Pete Townshend, Roger Daltery, John Entwistle und vor allem Keith Moon, aber These Kids were allright, wie ein Album- und Filmtitel hieß.

Zu Beginn waren die Who eine Hitparaden-Single-Band aus England. Sie klangen ein wenig nach den lauten Kinks, waren modisch nach Mods-Mode gekleidet und brachten einige erfolgreiche 3 Minuten Songs: I Can’t Explain, My Generation, Supstiude. Aber die Who waren mehr, vor allem eine Live-Band. Ich muss immer grinsen, wenn ich ihre Auftritte bei den Hippies beim Monterey Pop Festival oder bei Woodstock sah. Für mich hatten diese Musiker mit ihrer rauen, gewalttätigen Musik wenig gemeinsam mit dem Flower-Power-Movement der Blumenkinder. Sehr eindrucksvoll, war der Auftritt in Monterey 1967 als die Who die Bühne verwüsteten und Hendrix danach noch einen draufsetze und seine Gitarre anzündete. Who verloren gegen Hendrix wer als letzter auftreten durfte und setzen auf das Prinzip verbrannte Erde, um Hendrix keine Chance zu bieten – so kann man sich täuschen.

Was viele vergessen: The Who gehörten auch zur British Invasion, waren aber deutlich härter und lauter als Beatles oder Rolling Stones. Live waren und sind The Who immer eine Show. I Can’t Explain meist als Opener. Was sicherlich Eindruck machte, war das Zusammenspiel der Musiker. Der ruhige Part war Bassspieler John Entwistle. Aber Pete Townshend malträtierte windmühlenartig seine Gitarre und zerschlug oft sein Instrument. Roger Daltrey wirbelte sein Mikro wie ein Lasso durch die Gegend und Keith Moon war das Vorbild für die Bestie aus der Muppet Show hinter seinem Schlagzeug. Daher auch Moon The Loon (der Lümmel).

Es gibt die absoluten genialen Alben wie Leeds oder Hyde Park als Beispiel. Aus der Single-Band wurde eine erstzunehmende Konzeptband. Pete Townshend drücke der Musikgeschichte die Alben Tommy und Quadrophenia auf. Und natürlich war dann der spektakuläre Tod von Keith Moon 1978, der alles ausprobieren musste und über die Strenge schlug. 2002 folgte dann John Entwistle mit Herzversagen mit zuviel Kokain im Blut.
Townshend und Daltrey machten weiter. Der Name The Who war einfach zu wertvoll, um einfach ausschließlich solo weiterzumachen.

Aber zurück zum wunderbaren Buch 50 Jahre the Who. Es gibt viele kleine und große Episoden, eingeordnet in die Entwicklung der Rockmusik. Diese Geschichte zeigt den Stellenwert der Band und das Ganze ist garniert mit schmucken Fotos aus den Privatarchiven der Musiker.

Persönlicher Nachruf auf einen Gott: Jeff Beck verstorben

12. Januar 2023

Und wieder ist einer der musikalischen Größen abgetreten: Der Gitarrengott Jeff Beck ist im Alter von 78 Jahren an bakteriellen Meningitis verstorben – was für ein Verlust.

Ich bin traurig und ich ärgere mich zugleich. Traurig über den Tod des musikalisch hochtalentierten Musikers, aber ich ärgere mich über mich selbst. Eigentlich wollte ich Jeff Beck zusammen mit Johnny Depp im Juli 2022 auf dem Münchner Tollwood ansehen, aber die beste Ehefrau von allen zog nicht so richtig, alleine wollte ich nicht gehen. Nun werde ich Beck nicht mehr live sehen können. Es wäre sicherlich ein Erlebnis gewesen.

Ich kannte Jeff Beck nur von Aufnahmen: Das erste Mal hörte ich Jeff Beck als ich musikalisch in meiner britischen Bluesphase war. Und da waren für mich die Yardbirds das Maß aller Dinge. Bei den Vögeln spielte Eric Slowhand Clapton, Jeff Beck und Jimmy Page in dieser Reihenfolge die Leadgitarre und jeder dieser Ausnahmegitaristen prägte die Musikgeschichte. Die Yardbirds sind heute bei der breiten Masse der Bevölkerung in Vergessenheit geraten, die Musikbegeisterten lieben und schätzen sie.

Gerne sehe ich auch den Clip aus Michelangelo Antonioni Klassiker Blow Up mit einem Auftritt der Yardbirds – hier mit Jeff Beck und Jimmy Page:

Ich habe noch die beiden empfehlenswerten Alben Truth (1968) und Beck-Ola (1969) der Jeff Beck Group, damals mit Rod Stewart und Ron Wood, der bald zu den Rolling Stones wechselte. Aber Beck war wohl ein schwieriger Mensch, wie sich auch in den späteren Jahren zeigte. Die Band brach auseinander und aus den Pink Floyd-Biografien lese ich heraus, war Beck als Ersatz für den Pink Floyd-Gitarristen und Gründer Syd Barrett vorgesehen, der wegen LSD abdrehte. Die Wahl bei Floyd fiel dann auf David Gilmour. Vielleicht tauchen ja mal Probeaufnahmen Beck und Pink Floyd auf.

Nachdem Clapton die Supergroup Cream mit den Herren Baker und Bruce gegründet hatte, versuchte es Jeff Beck mit dem Bluestrio Beck, Bogert & Appice. Sie wurden nicht so berühmt wie Cream, aber ich liebte das gleichnamige Album von 1973 und vor allem das Live-Doppelalbum Beck, Bogert & Appice live vom Oktober 1973. Die Herren des Powertrios zerstritten sich natürlich bei der schwierigen Persönlichkeit des Gitarristen. Drummer Carmine Appice arbeite noch bei Becks ersten Soloalbum Blow by Blow mit, tauchte aber bei der Veröffentlichung nicht auf, nachdem es Differenzen bei der Bezahlung von Appice gab – schade, ich hätte auch diese Bänder gerne gehört.

Jeff Beck veröffentlichte noch zahlreiche Solo-Alben, unterstützte zahlreiche Musiker mit seinem exzellenten Gitarrenspiel. Als Beispiele seien nur Tina Turner oder Roger Waters genannt.

Danke Jeff Beck für die Musik, für hervorragende Musik, die gerne gehört habe und immer noch hören werde. Den Tag über werde ich mit der Musik der Yardbirds verbringen.

Picture Discs von ELP und Asia

6. Dezember 2022

Musikalisch bin ich im Grunde in den Siebzigern stehen geblieben und eine meiner Lieblingsbands waren Emerson, Lake and Palmer, die großen Prog-Rocker. ELP existieren nicht mehr, Keith Emerson hat sich umgebracht, Greg Lake ist an Krebs verstorben – nur noch Carl Palmer tourt durch die Weltgeschichte. Gleich vorweg das Unboxing meiner folgenden Vinyl-Käufe:/

Als persönliches Weihnachtsgeschenk habe ich mir vier Vinyl-Platten der alten Zeit gekauft, obwohl ich die Aufnahmen als CD und auch auf Vinyl natürlich schon längst hatte. Und weil es bald Weihnachten ist, machte I Believe in Father Christmas von Greg Lake den Anfang. Eine EP auf rotem Vinyl mit einem der schönsten Weihnachtslieder. Der Song stammt aus dem ELP-Doppelalbum Works 1 bei dem jeder der Musiker eine Seite nach eigenem Gutdünken aufnehmen durfte. Seite 4 von Works 1 war wieder ein Gemeinschaftswerk. Greg Lake steuerte Balladen, unter anderem dieses Weihnachtslied bei. Ich mag es.

Nun folgen drei Picture Discs, also Vinyl-Schallplatten mit Aufdruck, oftmals durch den Druck mit verminderter Tonqualität, aber nett anzusehen. Ich habe die Alben für die Wand gekauft und sie sollen Weihnachten aufgehängt werden, wenn die beste Ehefrau von allen mitspielt und mithilft.
Den Anfang macht Asia mit dem 2012 Studioalbum XXX zum 30jährigen Bandjubiläum. Es war das neunte Studioalbum der Band mit wechselvoller Besetzung. Dieses Mal waren die Originalbesetzung Geoff Downes, Steve Howe, Carl Palmer und John Wetton mit von der Partie. Nicht das ganz große Ding, aber durchaus hörbar. Das Cover gestaltete Roger Dean. Progressive Rock wobei der Schwerpunkt eher auf Rock liegt.

ELP pur gab es 1972 mit Trilogy. Ich habe die 2022 Version zum Record Store Day als Picture Disc. Der Zugang zu dieser Art von Musik ist sicherlich nicht ganz einfach, aber ELP waren in ihrer kreativen Hochphase. Mehr gibt es eigentlich nicht zu sagen.

1992 kamen ELP nochmal zusammen und versuchten es nochmal. Das Album hieß Black Moon und war dem Zeitgeist angepasst, machte mir aber dennoch zu großen Teilen Spaß. Das Cover war ein Kettenkarussell und sieht auf der Picture Disc gut aus.

Musiktipp: OXYMORE von Jean-Michel Jarre

15. November 2022

Mit Spannung habe ich dieses Album OXYMORE des 74jährigen Jean-Michel Jarre erwartet und ich wurde nicht enttäuscht. Es steht in der Tradition von Pierre Schaeffer, dem Begründer der Musique concrète. Und für viele Fans der alten Musik von Jarre ist wohl genau dies das Problem. Der Meister schreitet voran.

Das neue Album OXYMORE basiert auf Hinterlassenschaften von Pierre Henry, einem Schüler von Schaeffer und Freund von Jarre. Pierre Henry verstarb im Juli 2017.
Und daher ist OXYMORE eine Hommage an die Wurzeln der französischen elektronischen und elektroakustischen Musik – und als Bestandteil der Musique concrète ist es ungewohnt für Hörer, die Hitparadenmusik oder die alten elektronischen Werke von Jarre gewohnt sind. OXYMORE geht weit über die alltagstaugliche Musik hinaus und man muss sich auf dieses musikalische Experiment mit offenen Ohren und offenen Geist einlassen. Musique concrète sind Alltagsgeräusche, die zu einer Komposition zusammengefügt werden – für die Ohren ungewohnt.

Pierre Henry hinterließ Jean-Michel Jarre einige Geräusche für ein zukünftiges Projekt. „Pierre Henry hat mich dazu inspiriert, ein Album mit den alten analogen Techniken zu erstellen“, schreibt Jarre in seinem Facebook-Account.

Die Musik und die Geräusche brechen über den Zuhörer herein, dessen Anlage bestenfalls mit Dolby Atmos ausgestattet ist, um das komplette Klangspektrum zu erfassen. Ich bin kein Audiotechniker, aber erahne, was Jarre hier geleistet hat, denn OXYMORE nimmt mich akustisch gefangen und die Welle, der Schall, der Druck trägt mich hinfort.
Ein paar Tage nach der Veröffentlichung gab Jarre ein VR-Konzert im Netz, wie er es schon zweimal gemacht hat. Während Notre Dame in Farbe strahlte, war OXYMORE meist in Schwarzweiß, aber nicht ebenso packend. Mir hat es gefallen, obwohl ich nur die schlichte 2D-Version in YouTube gesehen hatte.

Und wer den alten Jean-Michel Jarre hören will, dem empfehle ich das Album Concert in China, das zum 40. Jubiläum remastered in wenigen Tagen neu aufgelegt wird.