Normalerweise überlege ich mir am 31. Oktober welchen Horrorfilm ich mir an diesem Abend ansehen werde. Darauf werde ich dieses Jahr verzichten. Ich mache stattdessen eine musikalische Reise in meine Jugend und gedenke dem großen Kürbis zu Halloween.
Der große Kürbis war ein Film der Peanuts aus dem Jahre 1966. Linus glaubt an den großen Kürbis, eine Kürbis-Gestalt, die zu Halloween den Kindern erscheint und ihnen Geschenke bringt. Wie jedes Jahr schreibt er einen Brief an den großen Kürbis, was seine Freunde nicht wirklich nachvollziehen können. Ich mag den Film und die Figuren des Zeichners Charles M. Schulz. Mit vielen Figuren kann ich mich identifizieren. Noch mehr mag ich die Musik von Vince Guaraldi. Der Soundtrack It’s The Great Pumpkin, Charlie Brown zum großen Kürbis ist als oranges Vinyl-Album erschienen – in Form eines Kürbisses und sieht etwas ungewöhnlich auf dem Plattenteller aus. Vorsicht beim Aufsetzen der Nadel.
Vincent Anthony Guaraldi war Jazzer, aber für mich ist er das musikalische Genie hinter den Peanuts. Für die Figuren um Charlie Brown lieferte er 1965 die Musik zu A Charlie Brown Christmas und dann zu jeder weiteren Peanuts-Folge. It’s The Great Pumpkin, Charlie Brown ist eine Wiederveröffentlichung mit guten Klang und informativen Liner Notes. Was wir auf den meisten Tracks dieser neuen und verbesserten „besten“ Version des Soundtracks hören, sind die musikalischen Einsätze, wie sie von Vince und der Crew aufgenommen wurden, bevor sie für das Fernsehspecial bearbeitet wurden, in der Reihenfolge der Sendung, sowie eine Auswahl alternativer Takes. Mehr braucht es zu Halloween 2022 dieses Mal nicht.
Der Killer ist nicht mehr. Mit 87 Jahren verstarb Jerry Lee Lewis. Der Rebell ist tot und das letzte Mitglied des Million Dollar Quartet ist nach Elvis Presley, Carl Perkins und Johnny Cash von uns gegangen.
Die alte Star Club Aufnahme.
Ich habe den umstrittenen Musiker nie live gesehen, aber ich mochte seine Musik, sei es Rock’n Roll oder Country. Ich wurde gestern als die Todesnachricht gefragt, was ich für des Killers bestes Album hielt. Nun es gibt viele einzelne Kracher wie Great Balls of Fire oder Whole Lotta Shakin‘ Goin, die ich mag, aber das beste Album für mich ist Live at The Star Club, Hamburg. Es war eine Sternstunde des Rock’n Roll, der eigentlich schon abgeschrieben war. Aber der Killer zündete an diesem Abend des 5. April 1964 eine musikalische Bombe. Ich empfehle ausdrücklich die restaurierte Aufnahme von Bears.
Er rockte wie der Teufel, er zeigte was aus den Tasten herauszuholen ist: Er spielte, er hämmerte, er beschwor die glorreichen Zeiten der musikalischen Revolution. Die britische Begleitband Nashville Teens, die noch nie mit ihm gespielt hatte, unterstützte dem wilden Mann am Klavier. Wer die Aufnahme von Bear Records hört und die Power des Rock’n Roll nicht spürt, er muss tot sein. Ich kenne kaum ein Album, was so ein musikalisches Erdbeben auslöst, wenn man es hört, genießt, in der energiegeladenen Musik aufgeht. Lee sagte immer: „Elvis ist der Größte, aber ich bin der Beste!“ Wenn das kein gesundes Selbstbewusstsein ist. Danke Jerry Lee Lewis für deine Musik.
Es war eigentlich nur eine Frage der Zeit, wann findige Produzenten nach dem Erfolgsmusical Tanz der Vampir das Originalbuch Dracula des Iren Bram Stokers auf die Musical-Bühnen bringen würden. Und genau dieses Dracula-Musical hatte jetzt im Deutschen Theater München seine umjubelte Münchner Premiere. Ich war als Fan des Grafen eingeladen, um dieser Premiere beizuwohnen – vielen Dank dafür.
Alex Balgas Inszenierung des Musicals von Frank Wildhorn wurde nach der Premiere auf der Ulmer Wilhelmsburg von Publikum und Presse gefeiert. In München ist der starke Thomas Borchert in der Titelrolle zu erleben. Den Part seines Gegenspielers van Helsing übernimmt Patrick Stanke. Bevor allerdings in den bequemen Theaterstühlen des Deutschen Theaters Platzgenommen wurde, gab es ein Schaulaufen auf dem Roten Teppich mit Prominenz, Stars und Sternchen. Darüber habe ich ein Video gedreht:
Mich hat es vor allem interessiert, wie man den komplizierten Tagebuchroman von Bram Stoker auf eine Musicalbühne bringen kann. Bei der Theateradaption von Dracula wurden ja Änderungen vorgenommen – und so auch bei der Musicalinszenierung. Mich faszinierte es, was man durch Projektion, Licht, Nebel und Effekte die Handlung in nur einem Bühnenbild darstellen kann. Keine aufwendigen Umbauten, sondern ein Set, aber unterschiedlich bespielt – das war wirklich großartig. Auch die komplizierte Schiffspassage auf der Demeter von Transsilvanien nach England wurde geschickt erzählt. Und mein Herz als Dracula-Fan jubelte, als die Bühne für einen kurzen Moment in Schwarzweiß gehüllt wurde – Friedrich Wilhelm Murnau und Max Schreck ließen grüßen (meinen lauten Aufschrei im Publikum wurde von meinen Nachbar irritiert zur Kenntnis genommen). Als relativ neue Inszenierung hielt sich die Produktion aber eher an die erfolgreiche Francis Ford Coppola-Verfilmung von Dracula. Im Grunde war das Musical damit kein Kammerspiel, sondern ein MTV-Video auf der Bühne des Deutschen Theaters: Schrill, laut, bunt und in großen Teilen unterhaltsam.
Kreisch, wenn es Schwarzweiß wird.
Der amerikanische Komponist Frank Wildhorn, bekannt geworden durch seine Bühnenwerke „Jekyll & Hyde“, „Der Graf von Monte Christo“ und „Bonnie and Clyde“, lässt in seinem Dracula den Kampf zwischen Hell und Dunkel auch musikalisch spannungsreich austragen, mit Gitarrenriffs und Beats als rockiges Musical. Und die Songs gehen ins Ohr – die CD hab ich gleich bestellt. Für den mächtigen Sound sorgt ein 17-köpfiges Orchester unter der Leitung des Dirigenten Andreas Kowalewitz (Ex-Gärtnerplatz-Kapellmeister).
Foto: Susanne Brill/Deutsches Theater München
Auch mehr im Dunkel fand der Tod des Texaners Quincey Morris (Daniel Rakasz) statt als im hellen Licht. Das Ableben des Grafen geschieht nicht durch Professor Abraham van Helsing (Patrick Stanke), sondern erinnert an Murnaus und Herzogs Nosferatu-Version durch die Opferung von Mina Murray (großartig Roberta Valentini). Der Graf selbst wurde von einem Vampirprofi gespielt. Thomas Borchert beißt sich durch das Stück auf der Suche nach Erlösung. Borchert spielte einstmals den Grafen Krolock in der Musical-Version von Tanz der Vampire – so schließt sich der Kreis.
Persönlich hätte ich gerne mehr von Renfield (John Davies) gesehen, der durch seine Darstellung absolut überzeugen sollte – ich mochte seine Interpretation von Tom Waits Renfield sehr.
Aber nach all meinen Begeisterungsstürmen kam auch der kritische Vampir-Fan in mir aus dem Sarg. Stoker schrieb Dracula im viktorianischen Zeitalter, was zu großen Teilen von den Musical-Machern geflissenlich ignoriert wurde. Van Helsing war so of beschäftigt, seinen coolen Ledermantel an- und dann gleich wieder auszuziehen, so oft, dass es fast schon nervte. Aber wirklich nervig war, dass man die Kostümierung von Lucy und den drei Bräuten Draculas eher in eine Rocky Horror Picture Show gepasst hätten. Viel Bein mit Strapse sorgten für die entsprechende Aufmerksamkeit beim männlichen Musicalpublikum. Ob der alte Bram Stoker damit einverstanden gewesen wäre?
Foto: Susanne Brill/Deutsches Theater München
Draculas Kostümierung war fein, orientierte sich Gary Oldman in Francis Ford Coppolas Filmversion, wobei Eiko Ishioka wunderbare Kostüme nicht im Ansatz erreicht wurden, dafür ist die Produktion zu preiswert.
Leider wurde auch die Sexualität der viktorianischen Zeit fast völlig aus dem Stück gestrichen, wahrscheinlich weil die Anspielungen von Stoker einem modernen Publikum sowieso entgangen wären. Die jungfräuliche Lucy hat symbolisch mit vier Männern sexuellen Kontakt. Oder der bisexuelle Auftritt des Grafen mit Harker als Dracula seine attraktiven Bräute in die Schranken weist mit den Worten „Dieser Mann gehört mir.“ Diese Szene ist zwar enthalten, bringt aber die revolutionäre Dramatik von Stokers Stoff nicht rüber.
Egal, was soll es: Dracula als Musical ist eine schöne Unterhaltung für zwei Stunden. Und wer in München Karten bekommt, kann eine schöne Inszenierung im Deutschen Theater bis 13. November 2022 genießen.
Natürlich hab ich sie gekauft, die neue, alte Aufnahme von Pink Floyd, einer meiner Lieblingsbands. Vor kurzem wurde Animals aus dem Jahre 1977 in dem Remix von 2018 im Jahre 2022 veröffentlicht.
Warum erst jetzt? Weil die Herren Waters und Gilmore seit Jahren streiten und der 2018-Mix des unterschätzten Albums Jahr für Jahr verschoben wurde. Nun haben die Streithälse sich wohl geeinigt und wir Fans können die Aufnahme in den Händen halten. Ich habe mir die Deluxe-Ausgabe mit Vinyl, CD, Bluray und DVD gegönnt und ein Booklet gab es auch dazu.
Äußerlich hat sich das Cover verändert. Natürlich ist noch das Battersea Kraftwerk zu sehen, aber die Aufnahme ist intensiver als auf dem Original von 1977. Das fliegende Schwein ist immer noch der zentrale Punkt der Aufnahme.
1977 ist das aufblasbare fliegende Schwein ja mal davon geflogen und der Flugverkehr über Heathrow musste eingestellt werden. Wir Floyd-Fans kennen die Geschichte zur genüge. Sie wird nochmal in dem Booklet nacherzählt, aber wer 2019 die Ausstellung Their Mortal Remains in Dortmund gesehen hat, der kennt die Details: Hier mein Post von damals.
Zur Wiedereröffnung des Albums flog dieses Mal kein Schwein, aber das Battersea Kraftwerk wurde schön beleuchtet. Die vier Schlote von Battersea wurden angestrahlt.
Zur Musik muss ich wohl nicht viel sagen. Animals nimmt eine Sonderrolle im Werk der Band ein. Wir haben auf der einen Seite die großartigen Bandwürfe Dark Side of the Moon und Wish you were here und dann die Waters-Alben The Wall und The Final Cut. Animals stand dazwischen, war ursprünglicher in der Musik, rockiger zum Teil und eine wunderbare Parabel auf George Orwells Farm der Tiere. Schon das Cover mit dem fliegende Schwein und die vier Schlote des Kraftwerks waren ein Hinweis. Ich sah in den Schloten immer die Beine von einem Tier das auf dem Rücken lag und die Beine nach oben streckte. Der 2018 Remix ist dichter. Vor allem die 5.1 Aufnahme auf er Bluray hat es in sich. Das ist schon ein gewaltiger Unterschied der bisherigen Stereo-Aufnahme mit der ich aufgewachsen bin. Animals war das zehnte Studioalbum und wurde in den Britannia Row Studios der Band in London, also nicht in den technisch ausgereifteren Abbey Road-Studios.
Ich habe gelesen, dass Fans mit der Vinyl-Ausgabe nicht zufrieden sind. Das kann ich nicht bestätigen. Meine Schallplatte ist in Ordnung. Das ganze Deluxe-Angebot ist in Ordnung.
Kritik möchte ich als Fan dennoch anbringen. Im Booklet sind zwar schöne Aufnahmen von der Animals-Tour. Leider findet sich keine Aufnahme von der Tour auf dem Deluxe-Album. Ich muss auf alte Bootlegs zurückgreifen und hätte hier von Pink Floyd mehr für die Hardcore-Fans erwartet. Vielleicht bringt man diese Aufnahmen später auf den Markt, um ums Fans nochmals zu melken.
Ich bin eigens von München nach Berlin gereist, um ihn nochmal zu sehen: Bob Dylan, einer meiner Helden, geht derzeit mit seiner Rough and Rowdy Ways World Wide Tour auf Welttournee bis 2024. Es deutet sich an, dass es die letzte Tour für den 81jährigen sein wird. Er befindet sich nicht mehr auf der Never Ending Tour, wie die Gastspiele früher heißen, sondern es wird explizit von der Rough and Rowdy Ways World Wide Tour gesprochen. Das ist für mich ein Zeichen des Abschieds von der Bühne.
Ich war Besucher des ersten von drei Berliner Konzerten und es war schlichtweg grandios. Wer sich auf Dylan-Konzerte einlässt, weiß was einem im schlimmsten Falle erwarten kann. Alle Befürchtungen wurden zur Seite gewischt, als ich die Kritiken der bisherigen Auftritte in den einschlägigen Facebook-Seiten gelesen habe.
Reduzierung ist angesagt, einfach und schlicht die Show. Gab es in früheren Shows ein wenig Lightshow, der Oscar war einstmals mit dabei, dann gab es sogar mal Videowände, das Logo von Dylan wurde eingeblendet, so haben wir jetzt bei der Rough and Rowdy Ways World Wide Tour nur einen Samtvorhang und ein wenig Licht. Die Musikanten haben einen festen Platz und bewegen sich nicht von der Stelle.
Dylan selbst steht und sitzt hinter dem Klavier, sein schwarzer Wuschelkopf ist nur zu erkennen. Nur zweimal steht er auf und geht nach einem Song zum Mikrofon und hält sich fest. Der 81jährige Song-and-Dance-Man ist wackelig, gar zerbrechlich auf den Beinen, er sieht schwach aus, aber seine Stimme ist voll da. Beim Schluss-Applaus sieht man sein blaues Westernhemd, nachdem er seine Jacke ausgezogen hat. Den Arm in die Seite gestemmt nimmt er den Applaus des Publikums entgegen. Ein Hauch eines Lächelns kommt aus seinem Gesicht. Ich frage mich: Hat Dylan wirklich eine schwarze Jogging-Hose an? Ich konnte es nicht genau erkennen.
Kommunikation mit seinem Publikum ist nicht direkt vorhanden, Dylan kommuniziert über seine Musik. Die Setlist der Tour ist unverändert, das meiste Material kommt von seinem hervorragenden 39. Studioalbum, nur der 15minütige JFK-Song Murder Most Foul fehlt. Keine Greatest-Hits-Show, sondern nachdenkliches Material des vielgelobten Rough and Rowdy Ways-Albums.
Wenig altes Material war zu hören, aber es tat sehr gut. Watching the River Flow von 1973 zeigte, wohin es musikalisch geht. Blues, Country, Western, Swing, Rock – kein Showgefrickle und Gepose. Freundlich begrüßt wurde „I’ll Be Your Baby Tonight“ und prophetisch christlich ging es beim Nobelpreisträgers zu „Every Grain of Sand“ und „Gotta Serve Somebody“ von 1981.
Die Musik war glasklar ausgesteuert. Und das Publikum genoss diese Musik. Handys waren verboten und sie wurden zu Konzertbeginn in versiegelte Etuis verborgen. Ich entdeckte keine Smartphones im Saal aufleuchten, aber Audio-Aufnahmen vom Konzert kursieren bereits. Es war eine fast heilige Atmosphäre, fast schon wie ein Gottesdienst. Den meisten Zuschauern war klar, dass sie Dylan wohl nie wieder sehen werden. Es ging um die größtmögliche Aufmerksamkeit für den Meister, der das Leben so vieler Zuschauer massiv beeinflusst hat. Es war für mich ein intimes Konzert, bei dem ich die Augen schließen konnte und mich auf die fabelhafte Musik konzentrieren konnte. Dylan sprach direkt zu mir. So wie es mir ging, erging es den anderen 4000 Zuschauern in Berlin ebenso. Am Ende jedes Songs gab es Applaus und Dankesrufe. Zugaben gibt es bei dieser Tour keine. Nach einer Stunde und 52 Minuten war das Konzert zu Ende. Die hervorragende Band sind zumeist alte Bekannte: Bob Britt (Gitarre), Charley Drayton (Schlagzeug), Tony Garnier (Bass), Donnie Herron (Violine, Pedal Steel) und Doug Lancio (Gitarre).
Einstmals habe ich gelesen, dass Dylan ein Superstar wie Elvis werden wollte. Er wurde viel mehr, er hat den Superstar übersprungen und ist direkt zu Lebzeiten zur Legende geworden. Ich war dankbar den Meister nochmal zu hören, ehrfürchtig seiner Musik zu lauschen und mich bei ihm zu bedanken. Vielleicht nehme ich noch ein paar Euro in die Hand und besuche eine weitere Station der Rough and Rowdy Ways World Wide Tour irgendwo auf der Welt.
Nach dem Konzert, nach dem Verlassen der Verti Music Hall kam man auf dem Mercedes Benz-Vorplatz zusammen. Das Duo Lent Moyo spielte alte Dylan Songs. Ich hörte mir noch It Ain’t me und I Shall Be Released an. Songs, die lange zurück liegen und nur noch für Nostalgie sorgen – der aktuelle Dylan hat sich schon um Welten weiter entwickelt.
Die Setlist von Berlin: Watching the River Flow Most Likely You Go Your Way (and I’ll Go Mine) I Contain Multitudes False Prophet When I Paint My Masterpiece Black Rider My Own Version of You I’ll Be Your Baby Tonight Crossing the Rubicon To Be Alone with You Key West (Philosopher Pirate) Gotta Serve Somebody I’ve Made Up My Mind to Give Myself to You That Old Black Magic Mother of Muses Goodbye Jimmy Reed Every Grain of Sand
Ich dachte immer, im Alter kommt die Milde. Ich habe mich getäuscht: Bei Wolf Biermann ist das absolut nicht der Fall. Mit seinen 85 Jahren ist Biermann ein starkes Denkmal und Mahnmal der deutsch-deutschen Geschichte, der sich trotz oder vielleicht auch wegen des hohen Alters immer wieder zu Wort meldet. Und Diplomatie war nie sein zweiter Vorname.
Im ausverkauften jüdischen Gemeindezentrum in München spielte er vor ausverkauftem Saal. Drei Tage zuvor trat er in der Elbphilharmonie seiner Geburtsstadt Hamburg auf. Kern des Programms waren aber nicht nur die klassischen nachdenklichen und provokanten Lieder und Gedichte, sondern Wolf Biermann war im Zwiegespräch mit dem deutsch-jüdischen Dichter Heinrich Heine. Geschickt führte uns Biermann in die Welt Heines ein, führte Dialoge mit dem Dichter und da durften Wintermärchen und Loreley nicht fehlen – zudem gab es zu diesen Werken die musikalischen Interpretationen aus Sicht Biermanns.
Sehr bewegt war für mich persönlich Auseinandersetzung Biermanns mit Heine mit dem Gedicht „Sie saßen und tranken am Teetisch“ und seiner Mutter – hier das Video dazu.
Spott und klare Worte fand Biermann immer wieder zum Kommunismus, mit dem er gebrochen hat. Dieses Mal bekam die Partei der Linken als Nachfolger der SED- und Stasi-Dikaturpartei nicht direkt seinen Zorn und Häme zu spüren. Dafür bekam Brecht und seiner Verehrung des Kommunismus in seinen Werken das Fett ab.
Und Biermann bezog Stellung zum Ukraine-Krieg und dem deutschen Pazifismus. Er präsentierte ein neues Lied in München. Ein Vers lautet:
„Und jetzt wedelt mit seinem russischen Hund Manch deutschnational-pazifistischer Schwanz Mein Herz spielt verrückt im Ukrainekrieg verrückt Toleranz mit der Intoleranz.“
Mit klaren Worten bezieht der 85jährige Stellung. Er muss nicht mehr gefallen und er hat sich nie angebiedert, was ja auch 1976 zu seiner Ausbürgerung aus der DDR führte. Es hat gut, einen solchen Mahner mal live zu erleben. Der Mann hat seine Verdienste. Ich wollte mich in der anschließenden Autogrammstunde persönlich bei ihm mit einem Händedruck bedanken, was er aber auch Corona-Hygienevorschriften ausschlug.
Dennoch: Danke Wolf Biermann für Ihr Werk. Und es tat gut, den Song Ermutigung aus seinem Mund live zu hören. Du, lass dich nicht verhärten In dieser harten Zeit Die allzu hart sind, brechen Die allzu spitz sind, stechen Und brechen ab sogleich Und brechen ab sogleich
Wahrscheinlich war es die üblichen Geldsorgen, die Joachim Witt dazu veranlassten, sein musikalisches Meisterwerk Silberblick nochmals auf Vinyl herauszubringen. Ich mag die Aufnahme und hab mir die neu abgemischte Version gekauft, obwohl ich noch das Original von 1980 vom Label WEA Records habe.
Es war das Zeitalter der Neuen Deutschen Welle. Es war wieder in auf deutsch zu singen und in der Flut der Veröffentlichungen gab es ein paar wirkliche Perlen. Eine der wichtigsten Veröffentlichtungen war für mich die Schallplatte Silberblick, die ich mir im örtlichen Schallplattengeschäft Sound beim Rudi kaufte, nachdem ich die Singleauskopplung Goldener Reiter auch schon gekauft habe. Single und LP waren seinerzeit ein großer Erfolg.
Ich hab mir die Neuauflage der Schallplatte auf weißem Vinyl wieder bestellt. Ich sag es ganz ehrlich: Meine Schallplatte von 1980 klingt irgendwie besser.
Da hilft es auch nichts, dass Klaus Voormann bei der Singleauskopplung (heuet als Stream) Hand angelegt hat. Die heute erhältliche Singleversion von „Goldener Reiter“ wurde für die Veröffentlichung 1981 von Klaus Voormann neu abgemischt – jenem Klaus Voormann, der als einer der wenigen Deutschen in den 60ern in der britischen Beatszene Fuß gefasst hat. Er hat, das Cover des Beatles-Albums „Revolver“ entworfen und später in John Lennons Plastic Ono Band den Bass bedient. Mit dieser Single-Version konnte sich „Goldener Reiter“ am 14. Dezember 1981 in den deutschen Singlecharts platzierten und sich dort insgesamt 29 Wochen halten. Die höchste Platzierung war Position 2.
Nun, bei den Songs hat sich nichts neues getan. Es sind die gleichen wie damals, keine Ergänzungen oder Mixes. Die gibt es nur als Stream. Seite 1 Kosmetik (Ich bin das Glück dieser Erde) Goldener Reiter Der Weg in die Ferne (Heaven) Meine Nerven Seite 2 Ich hab‘ so Lust auf Industrie Mein Schatten (Na, na, na, du Bandit, du) Ja, ja… Sonne hat sie gesagt Und wisst ihr was? Ich kann noch jede Zeile dieses genialen Albums mitsingen.
Ich bin wahrlich kein religiöser Mensch, aber die Passionsspiele in Oberammergau wollte ich dann doch sehen. Meine Frau und ich schlossen einen Deal: Sie begleitet mich nach Bayreuth zu Wagner und ich begleite sie nach Oberammergau zum Leidenweg Jesu. Beide Aufführungen waren ein Erlebnis.
Alle zehn Jahre werden in Oberammergau die Passionsspiele aufgeführt. Aufgrund von Corona mussten die Aufführungen verschoben werden, so dass die nächste Show schon in acht Jahren ansteht.
Meinen allergrößten Respekt, was Oberammergau da auf die Beine gestellt hat. Alle Mitwirkenden sind Einheimische. Im Vorfeld gab eine Diskussion, dass ein Teilnehmer noch nicht 20 Jahre im Ort wohnt – Schwamm drüber, was soll das? Was hier geboten wurde, war komplexes Laienschauspiel. Die Mitwirkenden sind keine Profis, sondern haben meist solide Berufe am Ort. Und sehr nett anzusehen: Zur Aufführung kommen viele Darsteller mit dem Fahrrad angeradelt und fahren in der dreistündigen Pause wieder nach Hause. Und was für ein Anblick: Lange Bärte, wallendes Haar auf dem Fahrrad.
Durch die Inszenierung von Christian Stückl, ein Vollbuttheatermann allererster Güte, kam ein hervorragendes Schauspiel auf die Bühne des Passionstheaters.
Durch Stückls Engagement und Ehrgeiz, vielleicht auch Fanatismus, wurde dem Zuschauer ein eindrucksvolles Schauspiel über fünf Stunden präsentiert mit Text und Gesang. Stückl gilt als Revolutionär und auf seine Art auch als ein Provokateur, der die Oberammergauer Festspiele auf ein neues künstlerisches Niveau hob. Das ist allerdings nicht ganz unumstrittenen. Konservative wehrten und wehren sich gegen den neuen, frischen Stil.
Christian Stückl wählte aus den drei Chören des Ortes aus und gibt den Sängerinnen und Sängern eine hervorragende Ausbildung. Talent alleine reicht nicht, um in Oberammergau Tag für Tag auf der Bühne zu stehen. Kettenraucher Stückl bekam vor der Premiere einen Infarkt und hat versprochen, das Rauchen sein zu lassen – gut so. Diskussionswürdig sind die Textänderungen, die Stückl vornahm. Selbst ich, der nicht gerade Bibelfest ist, bemerkte die Änderungen. Aus „führe uns nicht in Versuchung“ wurde „führe uns durch die Versuchung“. Konservative sind hier wahrscheinlich tot umgefallen.
Obwohl das Spiel nur die letzten Tage im Leben Jesu darstellt, geht es uns um das Ganze des Evangeliums, insbesondere um die Botschaft Jesu und sein Menschenbild. Im Vordergrund steht der Aufruf Jesu zur radikalen Umkehr und seine Hinwendung zu jedem einzelnen Menschen.
Die dreistündige Pause ist ein Paradies für die Gastronomie und den Handel des Ortes. Man musste reservieren, um einen Platz für sein Pausenmahl zu erhalten. Nun, wir kauften uns beim Supermarkt einen Cappuccino und belegte Semmel und kauften dafür im Einzelhandel ein. Empfehlen kann ich das Hutgeschäft Kronburger und den Holzschnitzer Franz Barthels (mit einer hervorragenden Braun Anlage.)
Wie kam es eigentlich zu den Oberammergauer Festspielen? Nun vor rund 400 Jahren wütete die Pest in Oberbayern. Wenn der Ort vom schwarzen Tod im Dreißigjährigen Krieg einigermaßen verschont bliebe, dann legten die Gemeindeverantwortlichen 1633 einen Schwur ab, alle zehn Jahre ein Passionsspiel aufzuführen. Und siehe da, die Pest machte einen Bogen um Oberammergau. Die erste Aufführung des „Spiel[s] vom Leiden, Sterben und Auferstehung unseres Herrn Jesus Christus“ fand 1634 auf dem Friedhof, neben der Pfarrkirche – über den frischen Gräbern der Pestopfer – statt. Und so wurden die Passionsspiele zum Dauerbrenner, mal von der Obrigkeit hofiert, mal kleiner gehalten. 1750 gab es eine eigene Passionsfassung, die in Grundzügen heute noch gilt.
Als Wagner-Fan sehe ich viele Gemeinsamkeiten zwischen Oberammergau und Bayreuth, obwohl in Oberbayer die Kleidung eher locker war. Fünf Stunden Aufführung, für Fans ein heiliger Inhalt und im Grunde immer knappe Karten. Bisher war es schwierig an Karten in Oberammergau zu kommen, aber dieses Jahr war es kein Problem. Das Publikum war international. Die Passionsspiele laufen noch bis 2. Oktober und Karten gibt es auch noch. Schwarzhändler haben schlechte Karten.
In acht Jahren will ich wiederkommen und hoffe, dass Christian Stückl sich weiter gegen die Konservativen behauptet.
Der King war immer der König in unserer Familie. Heute vor 45 Jahren verstarb Elvis Presley. Meine Mutter, mein Onkel waren große Elvis-Fans, ein Kumpel aus Jugendzeiten ist ein wandelndes Elvis-Lexikon und auch meine Frau und ich verehren den Sänger. Unser Repertoire an Elvis-Aufnahmen kann sich sehen lassen, sowohl auf Vinyl als auch auf CD.
Vor kurzem habe ich mir zweimal die neue Elvis-Verfilmung von Baz Luhrmann im Kino angesehen, einmal mit fettem Sound in meinem Lieblingskino Scala in Fürstenfeldbruck, einmal mit durchschnittlichen Sound im Kinosommer in Fürstenfeldbruck. Der Film hat mir außerordentlich gut gefallen, auch wenn er die Sichtweise von Colonel Tom Parker erzählt, genial von Tom Hanks verkörpert. Elvis wird hervorragend von Austin Butler gespielt. Optisch, musikalisch und schauspielerisch großes Kino. Ich mag auch die Biopic Elvis von John Carpenter mit Kurt Russell in der Hauptrolle. Es ist zwar nur eine TV-Produktion, die mir aber viel Spaß bereitet hatte. Die deutsche Version ist leider gekürzt.
Biopics über Musiker und Bands scheinen eine Geldquelle zu sein. Nach dem unglaublichen Erfolg der Freddie Mercury-Bio Bohemian Rhapsody, für die es zahlreiche Oscars gab, kam dann Rocket Man ins Kino Der Film zeigt den Aufstieg von Elton John. Freddie Mercury und Elton John haben vieles gemeinsam. Beide haben ihre Namen geändert. Aus Farrokh Bulsara wurde Freddie Mercury, aus Reginald Kenneth Dwight wurde Elton John. Beide waren bzw. sind homosexuell, beide prägten maßgeblich die Musik ihrer Zeit. Queen eher mit lauten Tönen, Elton John eher mit Balladen. Und noch eine entscheidende Gemeinsamkeit haben die beiden Filmbiografien über die Musiker. Regie führte beide Male Dexter Fletcher. Das Drehbuch beim neuen Film schrieb Lee Hall, der das Buch zum Tanzfilm „Billy Elliot – I Will Dance“ verfasste.
Rocket Man Der Film Rocket Man beleuchtet die wichtigsten Momente aus der Karriere des britischen Popmusikers Elton John. Ich mag Elton John sehr. Bereits im Alter von elf Jahren studierte er an der Royal Academy of Music und konnte schon kurz darauf erste Erfolge mit seiner Band Bluesology vorweisen. Sein erstes Album Empty Sky floppte und die Karriere Elton Johns war beinahe vorbei, ehe sie überhaupt begann. Aufhalten ließ sich der Ausnahmekünstler davon nicht. Vor allem durch die langjährige musikalische Partnerschaft mit seinem kongenialen Liedtexter Bernie Taupin gelang Elton John der Durchbruch. Das hat sich gelohnt: Elton John war im Jahr 2012 mit umgerechnet 80 Millionen US-Dollar der Musiker mit dem dritthöchsten Jahreseinkommen gewesen.
Gespielt wird Elton John in Rocket Man von Taron Egerton. Laut Egerton soll sein Rocket Man kein reguläres Biopic werden, sondern ein Fantasy-Musical, bei dem die live vor der Kamera eingesungenen Songs einige der größten Momente in Elton Johns Leben widerspiegeln sollen. Naja, hört sich ein wenig stark nach PR an. Übrigens, der Titel Rocket Man ist ein Songtitel aus dem Jahre 1972. Die Produktion des Musiktitels Rocket Man (I Think It’s Going to Be a Long, Long Time) übernahm der Brite Gus Dudgeon. 1969 arbeitete Dudgeon mit David Bowie zusammen, als dieser seinen Erfolgstitel Space Oddity einspielte. Da beide Lieder ähnliche Weltrauminhalte hatten, hielt sich lange das Gerücht, John und Taupin hätten von Bowie kopiert, was beide aber stets abstritten.
Sex & Drugs & Rock‘n Roll Biopics von Musikern sind nicht neu. Es gab schon öfters solche Versuche, die Geschichte von Musikern und Bands auf Film zu bannen. Auf der Streaming-Plattform Netflix läuft die Bio The Dirt über Mötley Crüe, die ich nicht so sehr schätze. Der Film zeigt den Aufstieg der Glam-Metaller, bei der es hauptsächlich um das Posergehabe der Band geht. Sex & Drugs & Rock‘n Roll pur. Die Band wird gespielt von Douglas Booth, Colson Baker, Daniel Webber und Iwan Rheon. Großes Kino ist es allerdings nicht geworden, dafür viel nackte Haut und pubertäre Sprüche.
Deutsche Biopic Gundermann Auch in Deutschland gab es eine musikalische Biopic. Es war Andreas Dresens Film Gundermann, der sechs Lolas Gewinner des Deutschen Filmpreises 2019 war. Der Liedermacher Gerhard Gundermann, dargestellt von Alexander Scheer, arbeitet tagsüber als Baggerfahrer im Braunkohletagebau in der Lausitz. Abends nach seiner Schicht steigt er als Sänger auf die Bühne und bewegt die Menschen mit seiner Musik. Die sehr persönlichen und authentisch wirkenden Texte machen Gundermann in den 1980ern zum Idol vieler Menschen in der DDR, was sogar den Mauerfall überdauert. Bis sich das Gerücht verbreitet: War er ein Stasi-Spitzel? Ich als Wessi habe Gundermann erst nach der Wende kennengelernt. Und für mich als Dylan-Fan interessant. Gundermann durfte ein paar Worte mit dem Meister wechseln.
Biocpics zur Country-Musik Zwei Beispiele von Biopics aus dem Country-Umfeld ließen Film- und Musikfans aufhorchen. Zum einen Walk the Line, der Erlebnisse aus dem Leben von Johnny Cash darstellte und I Saw the Light aus dem Jahre 2015, der den legendären Countrystar Hank Williams portraitierte.
Walk the Line ist eine Filmbiografie aus dem Jahr 2005 über das Leben des Country-Sängers Johnny Cash. Regie führte James Mangold, der zusammen mit Gill Dennis auch das Drehbuch schrieb, das auf den Biografien Man in Black sowie Cash: The Autobiography basiert. Die Hauptrollen spielen Joaquin Phoenix und Reese Witherspoon. Johnny Cash stimmte der Wahl von Joaquin Phoenix als Hauptdarsteller zu, er bewunderte ihn bereits für seine Darstellung im Film Gladiator. June Carter Cash stimmte ebenso der Wahl von Reese Witherspoon für ihre eigene Rolle zu. Leider konnten Johnny Cash und June Carter die Premiere des Films nicht erleben. Beide verstarben vor Beginn der Dreharbeiten. June Carter am 15. Mai 2003 und Johnny Cash am 12. September 2003. Der Film hatte einen großen finanziellen Erfolg: Die Produktionskosten werden auf rund 28 Millionen US-Dollar geschätzt. Der Film spielte in den Kinos weltweit etwa 186 Millionen US-Dollar ein, davon etwa 119 Millionen US-Dollar in den USA und circa 12,9 Millionen US-Dollar in Deutschland.
Bei der Hank Williams Verfilmung I Saw the Light führte Marc Abraham Regie, der ebenfalls das Drehbuch schrieb. Es basierte auf der 1994 erschienenen Biografie Hank Williams: The Biography von Colin Escort. Die Hauptrollen im Film spielten Tom Hiddleston und Elizabeth Olsen. Der Film erschien bei uns direkt auf DVD/Blu ray und kam erst gar nicht ins Kino, was wohl daran liegt, dass Hank Williams bei uns nicht so bekannt ist. Coal Miner’s daughter/Nashville Lady (1980) über Loretta Lynn, wofür Sissy Spacek einen Oscar bekam, ist eine hervorragende filmische Biografie geworden.
Die Türen aufstoßen Meine erste Biopic, die ich bewusst im Kino gesehen hatte, war The Doors von 1991. Regie führte der Altmeister des Polarisierens, Oliver Stone. Den charismatischen Sänger Jim Morrison spielte Val Kilmer sehr eindrucksvoll. Ich mag die Musik der Doors und empfand den Musikfilm äußerst gelungen. Doors-Keyboarder Ray Manzarek kritisierte den Film. Ihm hat die Darstellung der Person Morrison nicht gefallen. Zu wenig authentisch war der Vorwurf. Ich war nicht dabei, fand das Schauspiel aber sehr gut, auch wenn sich der Doors-Film vor allem um Morrison drehte.
Nur für Fans Schwer verdaulich war für Nichtfans der Film I‘m Not there, eine Interpretation über mein Genie Bob Dylan. 2007 von Todd Haynes in Szene gesetzt, zeigt er sechs verschiedene Episoden aus Dylans Leben, dargestellt von sechs verschiedenen Darstellern. Der Film war wie zu Zeiten der Novelle Vogue inszeniert und verwirrte das klassische Kinopublikum. Dylan wird dargestellt von Christian Bale, Cate Blanchett (absolut sehenswert), Marcus Carl Franklin, Richard Gere, Heath Ledger und Ben Whishaw. Wer eine Chance hat, den Film einmal zu sehen, sollte diesen Streifen ansehen und genießen. Cate Blanchett wurde 2007 für ihre Interpretation von Bob Dylan mit der Coppa Volpi, dem Darstellerpreis der 64. Filmfestspiele von Venedig, preisgekrönt.
Soul und Chanson Eher konventionell, aber dennoch eindrucksvoll ging es bei Ray zu. Der Film von 2004 geht um den großen Ray Charles, der von Jamie Foxx dargestellt wird. Regie führte Taylor Hackford. Die Dreharbeiten wurden von Ray Charles begleitet, doch der Soulmusiker konnte die Premiere aufgrund seines Todes nicht mehr erleben.
Großes Schauspielkino war die Biopic über die kleine große Édith Piaf in La Vie en Rose von 2007. Ich muss zugeben, nach Genuss dieses Films habe ich wieder die Musik des Spatzes von Paris gehört. Marion Cotillard spielte die Rolle von Piaf und erhielt dafür einen Oscar. Der Film war natürlich in Frankreich sehr erfolgreich.
Klassik im Kino Vielleicht die beste, größte und unterhaltsamste Biopic über einen Musiker ist Amadeus von Miloš Forman aus dem Jahr 1984. Es geht um die musikalische Auseinandersetzung von Wolfgang Amadeus Mozart (Tom Hulce) mit Antonio Salieri (F. Murray Abraham). Das wichtigste Verdienst des oscarprämierten Films ist es sicherlich, die Musik des Genies Wolfgang Amadeus Mozarts einem breiteren Kinopublikum bekannter zu machen, das sich nicht so für klassische Musik interessierte. Der Film gewann übrigens acht Oscars im Jahr 1985 und zahlreiche andere Filmpreise. 2002 kam Amadeus nochmals als Director’s Cut in die Kinos und ich hatte mir die 13 Minuten längere Version damals wieder angesehen. Salieri wurde 2002 von Joachim Höppner gesprochen, weil der ursprüngliche Synchro-Sprecher Gottfried Kramer 1994 verstorben war.
Noch viel mehr gibt es zu sehen. Sid und Nancy (1986) über den Sex Pistols-Bassisten Sid Vicious, Amy (2015) über Amy Winehouse, Control (2007) über den Joy Division-Sänger Ian Curtis und ganz stark Love & Mercy (2014) über das musikalische Mastermind der Beach Boys Brian Wilson. Aber zurück zum King. Ich mag den frühen Elvis und ich mag den späten Elvis. Der Konzertfilm Elvis – That’s the Way It Is von 1970 unter der Regie von Denis Sanders ist ein Paradebeispiel für die enorme musikalische Wirkung von Elvis in Las Vegas. Wer diesen Konzertfilm ansieht und ihn mit der Elvis-Verfilmung von 2022 vergleicht, wird sehr viele Gemeinsamkeiten erkennen.
Es fühlt sich irgendwie seltsam an, das letzte Album von Klaus Schulze zu hören. Auf der einen Seite freue ich, wenn die Musik des Electronic-Musikanten aus Berlin zu hören, auf der anderen Seite ist mein Herz volle Trauer, weil Schulze ja am 26. April 2022 verstarb und das vorliegende Album nun sein Vermächtnis ist.
Deus Arrakis heißt das Album und ich habe mir die auf 500 Exemplare limitierte Sammler-Box geleistet. Ich habe die Nummer 441. Sie enthält drei goldene Vinyl-Schreiben, die CD, einen Pin sowie Sand (!) und ein gerahmtes Artwork mit Autogramm vom Meister. Für letzteres suche ich noch einen Ehrenplatz in meiner Bleibe. Es gibt die CD und Vinyl auch einzeln. Die Box war schnell ausverkauft.
Hier das Unboxing-Video:
Mein erstes Klaus Schulze Album war 1979 Dune, das 2017 neu remastered erschienen ist. Schulze war nach eigenen Worten ein Fan von Frank Herberts Wüstenplanet. Da sind wir Brüder im Geiste, denn Dune gehört auch zu meiner Lieblingslektüre und ich habe die verschiedenen Übersetzungen verglichen. Klaus Schulze war auch am Score von Hans Zimmer zur Neuverfilmung von Dune beteiligt. Ich bin absolut kein Zimmer-Fan, aber der Score zu Dune ist prima.
Schulze Pressestelle verbreitete das humorvolle Zitat „Ich brauche noch mehr von diesem Spice.“ Und so dreht sich sein letztes 77 minütiges Werk auch um den Wüstenplaneten Arakis.
Als ich die Musik hörte, kamen mir dank der „Schulze Atmosphäre“ zahlreiche Assoziationen in den Sinn. Ich sehe vor meinen geistigen Auge, wie der Wind auf die Dünen von Arrakis weht. Manches Mal kommt sogar die Erinnerung an Dune von 1979 hoch. Der Sound ist Schulze pur – ohne Rhythmus eines Richard Wahnfried. Keine Musik des Godfathers of Techno, sondern klassischer Schulze, so wie ich ihn immer geliebt habe. Spice für die Sinne. Während ich den Klängen lausche, tragen mich meine Gedanken zu Frank Herbert und seinem Werk, ich denke an die beiden großartigen Verfilmungen von Dune und ich denke immer wieder an Meister Klaus Schulze selbst, wie er meine Musik revolutioniert hat. Berliner Schule und so – die großen Keyboarder, die verstorben sind, kommen mir in den Sinn: Keith Emerson, Vangelis, Edgar Froese, Richard Wright, Jon Lord – nicht immer ähnliche Musik, aber Musik, die mein Leben bereichert hat. Ich werde die nächsten Tagen Deus Arrakis hören, lauschen, genießen – am besten über Kopfhörer und die Musik von Schulze ist so kostbar wie Spice.