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Kein Musiktipp: Braver than we are von Meat Loaf

23. Oktober 2016

Meat Loaf hat sich mit Bat out of Hell ein Denkmal gesetzt und leidet seitdem unter diesem Meisterwerk. Was er damals zusammen mit Jim Steinman im Jahre 1977 geschaffen hat, ist schlichtweg ein Klassiker der Rockmusik. Jedes weitere Album muss sich daran messen und jedes weitere Album von Meat Loaf ist schlechter als seine Fledermaus aus der Hölle.
Und jetzt probierte das Duo Meat Loaf und Jim Steinman es nach langer Zeit wieder und brachten Braver Than We Are auf den Markt – und was soll ich sagen? Es ist ein großer Mist.
Es ist einfach schrecklich, wie sich der stimmlich angeschlagene Meat Loaf durch die Songs quält. Jim Steinman war ja einst bekannt für seinen Bombastrock. Auf Braver than we are klingt es für mich alles wie Musical-Musik. Nun, ich habe nichts gegen Musicals, aber nicht in Form eines Rockalbums. Tanz der Vampire von Steinman lässt grüßen. Es ist einfach ein schlechtes, ganz schlechtes Album geworden und ich war maßlos enttäuscht beim Anhören. Und das Ding wurde nicht besser, egal wie oft ich mich durch die Musik quäle. Die Stimme ist einfach nichts mehr und die Melodien sind mehr als seicht. Der Kerl, der ein wahnsinniges Organ hatte, hat nun eine brüchige Stimme. Es tut mir echt leid, dies schreiben zu müssen: Aber die besten Tage liegen hinter ihm.

Einfach grausam das neue Album von Meat Loaf.

Einfach grausam das neue Album von Meat Loaf.

Ich bin eigentlich der Typ, der alten Rockern immer gerne eine Chance gibt und ich hänge musikalisch an den sechzigern und siebzigern des vergangenen Jahrtausends. Ich mag die alten Recken, die es immer wieder versuchen. Und diese Chance wollte ich auch Meat Loaf geben, der mir musikalisch mit Bat out of Hell wirklich viel gegeben hat. Ich horchte auf, als ich gehört hatte, dass Meat Loaf wieder Material von Jim Steinman aufnehmen sollte und auch die Mitstreiterinnen Stacy Michelle und Karla Devito aus den Bat-Zeiten mit von der Partie sein sollen. Ich bestellte das Album am Erstveröffentlichungstag und hörte mir den Amazon-Download an. Schon beim ersten Song Who need the Young bekam ich einen Würgereiz. Was soll dieser Mist?
Dann wird es etwas besser. Der einzige Song bei dem ich aufmerksam wurde ist Loving You’s a dirty job, aber die Version der Rock-Röhre Bonnie Tyler ist dann doch besser. Und eine frühe Version von Bonnie Tylers Hit Total eclipse of the heart wird auch von Meat Fleischklops Loaf interpretiert. Er lautet Skull of your Country und man kann ihn getrost vergessen. Nach dem Hören ist klar, warum es eine frühe Version war.
Es ist schade, aber das Anhören ist vertane Zeit. Ich mag mich nicht mehr mit diesem Mist beschäftigen, dafür gibt es viel zu viel gute Musik da draußen, die ich anhören kann. Das Album Braver than we are gehört definitiv nicht dazu, basta.

 

Elisabeth – die wahre Geschichte der Sissi im Deutschen Theater München

3. April 2015
Elisabeth im Deutschen Theater München.

Elisabeth im Deutschen Theater München.

Für mich war es nach Jahren ein Wiedersehen als ich nun das Deutsche Theater in München wieder besuchte. In den neunziger Jahren war ich regelmäßig in diesem Musical-Theater zu Gast und dann wurde es lange Zeit umgebaut. Jetzt ergab sich mal wieder die Gelegenheit und ich schaute mir das Musical Elisabeth – die wahre Geschichte der Sissi an.
Ich hatte über Elisabeth schon viel gelesen und hatte meiner Mutter als Sissi-Fan auch eine Wiener Aufnahme auf CD Elisabeth – Das Musical gekauft. Jetzt konnte ich mir von dem Gesamtwerk einen Eindruck in dem neu renovierten städtischen Deutschen Theater machen. Und ich muss sagen: Gewaltige Show und wer Musicals mag, der kann sich hier optisch und akkustiv ergötzen (in dieser Reihenfolge). Die Interpreten sind prima, das Bühnenbild ist besser – einfach überwältigend.

Aufwendig war die Show allemal.

Aufwendig war die Show allemal.

Während die Show lief, da wunderte ich mich allerdings. Die Musik und Texte von Sylvester Levay und Michael Kuntze sind nicht gerade typische Musical-Kost. Die Melodien sind schwer eingängig und nicht die leichte Kost, die ich von US- oder britischen Produktionen kenne. So richtige Gassenhauer gibt es kaum und überhaupt dreht sich viel um die Faszination Tod. Todessehnsucht ist jetzt nicht gerade ein leichtes Thema und nur bedingt für ein Unterhaltungsmusical geeignet. Und dennoch: Das Münchner Publikum und ich waren begeistert.

Presseschau zu Elisabeth - leider nur Holzmedien.

Presseschau zu Elisabeth – leider nur Holzmedien.

Unter der musikalischen Leitung von Paul Christ sangen an meinem Abend ein ausgezeichneter Mark Seibert als Tod (vor allem weiblicher Applaus), eine wirklich tolle Roberta Valentini als Elisabeth (vor allem männlicher Applaus), Angelika Wedekind als Erzherzogin Sophie, Maximilian Mann als Kaiser Franz Joseph und Thomas Hohler als Erzherzog Rudolf, Caroline Sommer als Herzogin Ludovika und Dennis Kozeluh als hervorragender Herzog Max von Bayern. Rudolf als Kind wurde von dem vielbeklaschten Lucas gesungen. Besonders hat mir der Erzähler und Sissi-Mörder Luigi Lucheni gefallen, der von Michael Souschek gespielt wurde – sein Bühnenjacket muss ich haben.

Die musikalischen Leitung hatte Paul Christ inne.

Die musikalischen Leitung hatte Paul Christ inne.

Vielen Zuschauern war die Geschichte von Elisabeth aus den Sissi-Filmen bekannt. Ein paar wenige kannten wohl noch die Interpretationen von Visconti aus seinem Ludwig II, wenn ich mir die Pausengespräche angehört habe. Aber wie es mit Elisabeth und dem ganzen K & K-Zirkus zu Ende ging war wohl für manche neu. Also Musical als Geschichtsstunden-Ersatz, auch eine schöne Variante.
Das Stück gastierte schon einmal in München als das Deutsche Theater in einem Zelt untergebracht war, während das Gebäude an der Schwanthaler Straße aufwendig renoviert wurde. Das Zelt im Stadtteil Fröttmaning auf das Areal der Allianz Arena in ein mobiles Theaterzelt mit 1.700 Plätzen habe ich mir damals gespart. Ich wollte die Inszenierung mit fetter Bühnentechnik und Projektion sehen. Und das Ganze hat sich auch für das Auge gelohnt. Optisch kommt Elisabeth sehr gewaltig daher. Der Zuschauer kann sich kaum sattsehen. Und dennoch war ich bei all dem optischen und musikalischen Genuss etwas angefressen. Die Klimaanlage und das Gebläse waren extrem laut. Ich verstehe nicht, wie man ein Theater renovieren kann und dann so eine Scheppertechnik an Klimaanlage einbauen kann. An den leisen Stellen des Stückes war das Gebläse einfach zu laut und störte einfach. Die Sanierung kostete 96 Millionen Euro, da wäre eine leise Klimaanlage wohl möglich gewesen.

Bis auf die scheppernde Klima-Anlage ist das Deutsche Theater ein Genuss.

Bis auf die scheppernde Klima-Anlage ist das Deutsche Theater ein Genuss.