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Konzertkritik: Der Watzmann ruft – die Neuinszenierung

27. April 2018

Wenn die heiligen Zeilen ertönten „Wie schallt’s von der Höh‘?“ dann antwortet eine ganze Generation pflichtbewusst „Hollaröhdulliöh“  zurück. Ja, genau es ist das Ösi-Muscial Der Watzmann ruft. Ich hab mir die Neuinszenierung im Deutschen Theater in München angeschaut und war zum Teil entsetzt, was man aus meinem alten Berggeist Watzmann gemacht hat. 

Gespannt auf die Neuinszenierung von Der Watzmann ruft im Deutschen Theater München.

Gespannt auf die Neuinszenierung von Der Watzmann ruft im Deutschen Theater München.

„Ich steh bis zu den Waden in einer Kuhfladen Und zermalm auf der Alm einen Halm“ – das waren die Songtexte meiner Jugend, die ganz tief in meiner musikalischen DNA eingebrannt sind. Meine Gattin und ich wollten diesen Geist der Vergangenheit wieder spüren und obwohl Ambros nicht mehr von der Partie ist, hofften wir diesem Berggeist in das 21. Jahrhundert zu holen. Nun, meiner Frau hat es gefallen – mir nur teilweise.

Für mich ist die Überarbeitung des Klassikers eine Anreicherung von Flachwitzen. Warum muss ich das Alpen-Rock-Musical Watzmann modernisieren? Gut, ein paar neue Sprüche waren super, andere waren einfach nur flach. Die neuen Sprüche werden nicht Kult. „Heimat ist ein Ministerium“ – hahaha.

Der Bauer und sein Sohn

Der Bauer und sein Sohn

Für mich irritierend war der Nachfolger von Wolfgang Ambros, der begabte niederbayerische Sänger Mathias Kellner. Er übernimmt den Ambros Part mit dessen Band – der No. 1 vom Wienerwald, aber warum spricht der Niederbayer kein Niederbayerisch, wenn es schon kein Wienerisch ist. Ich will hier Dialekt hören und keine Hochsprache – und Mathias Kellner kann Dialekt, aber hier nicht auf der Bühne. Das tat meinen Ohren weh.

Die Gailtalerin hat mich wieder versöhnt.

Die Gailtalerin hat mich wieder versöhnt.

Als ich 198x die Schallplatte vom Watzmann als Schüler kaufte, lernte ich im Grunde mit meinen damaligen Freunden die Dialoge und Texte auswendig. Und so sprach ich die Dialoge der Bauern mit den Mägden mit, fieberte als der Berggeist den Sohn des Bauern (super Christoph Fälbl) rief und stolperte, wenn Regisseurin Brigitte Guggenbichler neue Dialoge und Phrasen in ihrer Neuinszenierung einfügte. Das Musical hat viele Höhepunkte, aber natürlich schunkelte das Publikum im Deutschen Theater mit als zum ersten Mal die Gailtalerin auftauchte. Links und rechts neben mir bewegte das Publikum die Lippen zu den legendären Lyriks: „Den Maunnern tuat’s den Kopf vadrah’n und schene Augen moch’n – Bis aussa gaunza gaunz damisch san die Sünd ist ausgebrochen –  Sie is a ganz a ausgschamte Dirn – Die Gailtalerin, die Gailtalerin –  Ja die Gailtalerin, die Gailtalerin, die Gailtalerin huliohh – die Gailtalerin, die Gailtalerin, die Gailtalerin ist wieder do.“ Mitsingen beim Lesen dieser Textzeilen ist erlaubt. Und gespielt wurde diese ausgschamte Dirn wunderbar von Klaus Eberhartinger, den vielen von als Frontmann der EVA bekannt ist. 

Bis 29. April ist der Watzmann noch im Deutschen Theater zu sehen und wer seine Jugend nochmals aufleben lassen will, der sollte sich ne Karte sichern. Aber Vorsicht: Die Neuinszenierung ist für mich als Kind der 80er nicht optimal gelungen (und zeitweise zu laut). 

Elisabeth – die wahre Geschichte der Sissi im Deutschen Theater München

3. April 2015
Elisabeth im Deutschen Theater München.

Elisabeth im Deutschen Theater München.

Für mich war es nach Jahren ein Wiedersehen als ich nun das Deutsche Theater in München wieder besuchte. In den neunziger Jahren war ich regelmäßig in diesem Musical-Theater zu Gast und dann wurde es lange Zeit umgebaut. Jetzt ergab sich mal wieder die Gelegenheit und ich schaute mir das Musical Elisabeth – die wahre Geschichte der Sissi an.
Ich hatte über Elisabeth schon viel gelesen und hatte meiner Mutter als Sissi-Fan auch eine Wiener Aufnahme auf CD Elisabeth – Das Musical gekauft. Jetzt konnte ich mir von dem Gesamtwerk einen Eindruck in dem neu renovierten städtischen Deutschen Theater machen. Und ich muss sagen: Gewaltige Show und wer Musicals mag, der kann sich hier optisch und akkustiv ergötzen (in dieser Reihenfolge). Die Interpreten sind prima, das Bühnenbild ist besser – einfach überwältigend.

Aufwendig war die Show allemal.

Aufwendig war die Show allemal.

Während die Show lief, da wunderte ich mich allerdings. Die Musik und Texte von Sylvester Levay und Michael Kuntze sind nicht gerade typische Musical-Kost. Die Melodien sind schwer eingängig und nicht die leichte Kost, die ich von US- oder britischen Produktionen kenne. So richtige Gassenhauer gibt es kaum und überhaupt dreht sich viel um die Faszination Tod. Todessehnsucht ist jetzt nicht gerade ein leichtes Thema und nur bedingt für ein Unterhaltungsmusical geeignet. Und dennoch: Das Münchner Publikum und ich waren begeistert.

Presseschau zu Elisabeth - leider nur Holzmedien.

Presseschau zu Elisabeth – leider nur Holzmedien.

Unter der musikalischen Leitung von Paul Christ sangen an meinem Abend ein ausgezeichneter Mark Seibert als Tod (vor allem weiblicher Applaus), eine wirklich tolle Roberta Valentini als Elisabeth (vor allem männlicher Applaus), Angelika Wedekind als Erzherzogin Sophie, Maximilian Mann als Kaiser Franz Joseph und Thomas Hohler als Erzherzog Rudolf, Caroline Sommer als Herzogin Ludovika und Dennis Kozeluh als hervorragender Herzog Max von Bayern. Rudolf als Kind wurde von dem vielbeklaschten Lucas gesungen. Besonders hat mir der Erzähler und Sissi-Mörder Luigi Lucheni gefallen, der von Michael Souschek gespielt wurde – sein Bühnenjacket muss ich haben.

Die musikalischen Leitung hatte Paul Christ inne.

Die musikalischen Leitung hatte Paul Christ inne.

Vielen Zuschauern war die Geschichte von Elisabeth aus den Sissi-Filmen bekannt. Ein paar wenige kannten wohl noch die Interpretationen von Visconti aus seinem Ludwig II, wenn ich mir die Pausengespräche angehört habe. Aber wie es mit Elisabeth und dem ganzen K & K-Zirkus zu Ende ging war wohl für manche neu. Also Musical als Geschichtsstunden-Ersatz, auch eine schöne Variante.
Das Stück gastierte schon einmal in München als das Deutsche Theater in einem Zelt untergebracht war, während das Gebäude an der Schwanthaler Straße aufwendig renoviert wurde. Das Zelt im Stadtteil Fröttmaning auf das Areal der Allianz Arena in ein mobiles Theaterzelt mit 1.700 Plätzen habe ich mir damals gespart. Ich wollte die Inszenierung mit fetter Bühnentechnik und Projektion sehen. Und das Ganze hat sich auch für das Auge gelohnt. Optisch kommt Elisabeth sehr gewaltig daher. Der Zuschauer kann sich kaum sattsehen. Und dennoch war ich bei all dem optischen und musikalischen Genuss etwas angefressen. Die Klimaanlage und das Gebläse waren extrem laut. Ich verstehe nicht, wie man ein Theater renovieren kann und dann so eine Scheppertechnik an Klimaanlage einbauen kann. An den leisen Stellen des Stückes war das Gebläse einfach zu laut und störte einfach. Die Sanierung kostete 96 Millionen Euro, da wäre eine leise Klimaanlage wohl möglich gewesen.

Bis auf die scheppernde Klima-Anlage ist das Deutsche Theater ein Genuss.

Bis auf die scheppernde Klima-Anlage ist das Deutsche Theater ein Genuss.