Posts Tagged ‘Tanz der Vampire’

Dracula im Film (10): Herzogs Nosferatu – das Phantom der Nacht (1979)

31. August 2020

Werner Herzog hat nie kleine Brötchen gebacken: Es musste immer großes Kino auf seine Art sein. Und als er sich 1979 an seine Neuinterpretation von Dracula gemacht hat, musste sich Herzog mit einer der besten Dracula-Verfilmungen messen lassen.
Herzogs Nosferatu – das Phantom der Nacht ist eine Neuinterpretation von Murnaus Nosferatu – eine Symphonie des Grauens – Klaus Kinski contra Max Schreck. Für mich ist der Stummfilm von Murnau noch immer der bessere Film, aber Herzogs Verfilmung des Stoffes hat seine großen Momente. In Ermangelung einer Laserdisc habe ich mir die Bluray angesehen, was dem Film Nosferatu technisch nicht gutgetan hat. Optisch bietet die Abtastung für Bluray allerdings dramaturisch interessante Elemente. Der Film versinkt in manchen Teilen in eine gewisse Unschärfe und wirkt für mich wie ein Fiebertraum beim Betrachten. Ob es Herzog so gewollt hat, kann ich nicht sagen. Die DVD in meinen Besitz erzeugt diesen Effekt nicht.


Herzog wollte nie ein Remake von Murnaus Klassiker machen, wozu auch. Er liefert uns eine Verbeugung vor dem Stoff. Heutigen Sehgewohnheiten kommt die Verfilmung nicht entgegen – er kommt sperrig daher, langatmig und langweilig für viele Zuschauer. Das Tempo des Films ist europäisch. Deutschland kann nicht mit Hollywood konkurrieren und Herzog will auch kein Coppola sein, dessen Dracula sich fulminant breitmacht und einer jüngeren Generation als Maßstab dient. Herzog orientiert sich dagegen am Stummfilm – und diese Verbeugung vor dem deutschen Expressionismus ist wunderschön. Die Nebendarsteller agieren kaum, sondern füllen den Raum, seien es Zigeuner oder Stadträte. Isabelle Adjani, eine große Schauspielerin, interpretiert die Lucy einfach göttlich und könnte sofort als Star des Expressionismus durchgehen.
Bruno Ganz ist Harker und was soll man über das Talent von Ganz schreiben, was nicht schon geschrieben wurde? Er war einfach ein großer Schauspieler.
Und der Graf selbst? Klaus Kinski als unbarmherziger Blutsauger ist wirklich unheimlich. Vor Max Schreck hatte ich schaurige Angst, vor dem Terror von Klaus Kinski habe ich mich gefürchtet. Die Kamera von Jörg Schmidt-Reitwein, der auch für Kluge und Achternbusch arbeitete, ist sein Partner. Kinski spielt mit diesem Partner Kamera, umgarnt sie, zischt sie an – großes Schauspielkino. Von Schreck kamen die Zähne und Ohren, der Mantel und der Hut, aber Kinski erfüllt den Charakter mit seinem eigenem Schauspiel. Mir hat es großen Spaß gemacht – vor allem die Szenen mit Isabelle Adjani sind ergreifend.
Van Helsing ist ein Mann der Wissenschaft, der sich zum Pfählen hinreißen lässt, und dann mit der deutschen Polizeiverwaltung in Konflikt gerät – wunderbar humorvoll von Herzog gelöst. Und ähnlich wie bei Polanskis Tanz der Vampire siegt das Böse und verbreitet sich über die Welt.


Ein Wort zur Musik: Hauptsächlich stammte er Score Nosferatu von Florian Fricke und Popol Vuh. Die Krautrocker aus München arbeiteten oft mit Herzog zusammen und schaffen mit ihrer elektronischen Musik eine besondere Atmosphäre für Nosferatu. Der Film beginnt mit Aufnahmen vom Museum der Mumien von Guanajuato (aus México) und das Musikstück „Brüder des Schattens“ zieht uns sofort in ihren Bann. Dann setzt Herzog noch auf Wagners Rheingold und am Ende auf das Sanctus der Cäcilienmesse von Charles Gounod.
Die Vision Nosferatu von Werner Herzog ist absolut gelungen. Seine Bilder von gewaltig, die Atmosphäre ist unheimlich – das 12000 Töten der Ratten aus Ungarn brachte dagegen Tierfreunde auf die Barrikaden.
Für mich ist Herzogs Nosferatu – das Phantom der Nacht eine gelungene Dracula-Verfilmung mit leichten Schwächen im Drehbuch. Aber es ist vor allem ein bildgewaltiges Schauspielerkino.

Kein Musiktipp: Braver than we are von Meat Loaf

23. Oktober 2016

Meat Loaf hat sich mit Bat out of Hell ein Denkmal gesetzt und leidet seitdem unter diesem Meisterwerk. Was er damals zusammen mit Jim Steinman im Jahre 1977 geschaffen hat, ist schlichtweg ein Klassiker der Rockmusik. Jedes weitere Album muss sich daran messen und jedes weitere Album von Meat Loaf ist schlechter als seine Fledermaus aus der Hölle.
Und jetzt probierte das Duo Meat Loaf und Jim Steinman es nach langer Zeit wieder und brachten Braver Than We Are auf den Markt – und was soll ich sagen? Es ist ein großer Mist.
Es ist einfach schrecklich, wie sich der stimmlich angeschlagene Meat Loaf durch die Songs quält. Jim Steinman war ja einst bekannt für seinen Bombastrock. Auf Braver than we are klingt es für mich alles wie Musical-Musik. Nun, ich habe nichts gegen Musicals, aber nicht in Form eines Rockalbums. Tanz der Vampire von Steinman lässt grüßen. Es ist einfach ein schlechtes, ganz schlechtes Album geworden und ich war maßlos enttäuscht beim Anhören. Und das Ding wurde nicht besser, egal wie oft ich mich durch die Musik quäle. Die Stimme ist einfach nichts mehr und die Melodien sind mehr als seicht. Der Kerl, der ein wahnsinniges Organ hatte, hat nun eine brüchige Stimme. Es tut mir echt leid, dies schreiben zu müssen: Aber die besten Tage liegen hinter ihm.

Einfach grausam das neue Album von Meat Loaf.

Einfach grausam das neue Album von Meat Loaf.

Ich bin eigentlich der Typ, der alten Rockern immer gerne eine Chance gibt und ich hänge musikalisch an den sechzigern und siebzigern des vergangenen Jahrtausends. Ich mag die alten Recken, die es immer wieder versuchen. Und diese Chance wollte ich auch Meat Loaf geben, der mir musikalisch mit Bat out of Hell wirklich viel gegeben hat. Ich horchte auf, als ich gehört hatte, dass Meat Loaf wieder Material von Jim Steinman aufnehmen sollte und auch die Mitstreiterinnen Stacy Michelle und Karla Devito aus den Bat-Zeiten mit von der Partie sein sollen. Ich bestellte das Album am Erstveröffentlichungstag und hörte mir den Amazon-Download an. Schon beim ersten Song Who need the Young bekam ich einen Würgereiz. Was soll dieser Mist?
Dann wird es etwas besser. Der einzige Song bei dem ich aufmerksam wurde ist Loving You’s a dirty job, aber die Version der Rock-Röhre Bonnie Tyler ist dann doch besser. Und eine frühe Version von Bonnie Tylers Hit Total eclipse of the heart wird auch von Meat Fleischklops Loaf interpretiert. Er lautet Skull of your Country und man kann ihn getrost vergessen. Nach dem Hören ist klar, warum es eine frühe Version war.
Es ist schade, aber das Anhören ist vertane Zeit. Ich mag mich nicht mehr mit diesem Mist beschäftigen, dafür gibt es viel zu viel gute Musik da draußen, die ich anhören kann. Das Album Braver than we are gehört definitiv nicht dazu, basta.