Die deutsche Antwort auf Raumschiff Enterprise war Raumpatrouille Orion und ich habe mir die sechsteilige Serie mal wieder auf Laserdisc angeschaut.
Es war ein „Märchen von übermorgen“ und anders als die friedliebenden Trekkies war Orion eher militärisch geprägt. George Lucas muss die Serie irgendwie gesehen haben, denn die Uniformen der imperialen Offiziere sehen doch ganz nach Raumpatrouille aus.
Innovativ war die Serie auf jeden Fall. Sie sah Erfindungen voraus, wie manche andere SF-Serie ebenso. Die Apple Watch kam ebenso vor wie FaceTime, die Visiorübertragung hieß. Allerdings wurde die Navigation durch den Raum noch mit Lochstreifen geführt – ganz so modern war man dann doch nicht. Und die Roboter der Serie glichen dann doch den Kampfmaschinen aus Ghost in the Shell – es kommt eben alles wieder.
Raumpatrouille war stilprägend. Das auf jeden Fall. Die Serie hatte Auswirkungen auf die Popkultur in Deutschland. Ein Beispiel ist, dass der Countdown zum Start bei Kraftwerk wieder aufgenommen wurde – was kann es für einen besseren Ritterschlag geben?
Aber ich musste beim Wiedersehen der Serie ganz schön schlucken, wenn ich das Frauenbild der damaligen Zeit ansehe. Natürlich war es überzogen, aber ein wahrer Kern steckte sicherlich im Drehbuch. Das Rollenbild der Sechziger war in Raumpatrouille festgeschrieben. In Folge 5 erklärt Commander Cliff Allister McLane mit völligem Unverständnis: Auf Chroma bestimmen die Frauen. Es fällt sogar die Ausdrucke „Weiberkolonie“ und „Amazonenzirkus“. In Sachen Emanzipation hatten die Chauvinisten der Raumpatrouille dann doch einigen Nachholbedarf.
Was mich ärgert. Von der Serie gibt es neben der Laserdisc nur eine DVD Raumpatrouille , aber leider keine Blu-ray. Warum eigentlich?
Ach ja, die Musik von Peter Thomas ist noch immer göttlich und wehe, hier widerspricht jemand. Ich habe sogar noch eine limitierte, signierte Ausgabe.
Seit „Wenn die Gondeln Trauer tragen“ wissen wir, dass Venedig ein phantastischer Drehort für Horrorfilme sein kann. Das muss sich Produzent Augusto Caminito auch gedacht haben, als er Nosferatu in Venedig in Angriff genommen hatte. Es hätte ein interessanter Dracula-Film werden können, aber der Film ist es nicht geworden.
Augusto Caminito wollte an den Erfolg von Herzogs Nosferatu anknüpfen und verpflichtete Klaus Kinski für eine Art Fortsetzung des Themas. Das war ein Fehler. Vielleicht könnt Werner Herzog das Ego von Klaus Kinski noch im Zaum halten und kanalisieren, Augusto Caminito konnte es nicht. Kinski ist eine komplette Fehlbesetzung. Sein Interesse war scheinbar nur, junge nackte Mädchen zu betatschen und deren Körper vor der Kamera zu malträtieren
– ein schauspielerisches, wenn gar künstlerisches Talent ist nicht auszumachen. Ein jähzorniger, alter, geiler Mann agiert vor der Kamera. Kein Nosferatu im Stile von Max Schreck, vielmehr der Zorn Gottes vor der Kamera mit peinlichem Gestammel.
Kinski verbrauchte drei Regisseure M. Caiano, L. Cozzi, M. Lucidi für den Film Nosferatu in Venedig, der eine schöne Kameraführung, mit Vangelis einen genialen Score, eine traumhafte Kulisse und ein interessantes Thema hatte. Seine etablierten erfahrenen Schaupielkollegen Christopher Plummer als Professor Paris Catalano
Und Donald Pleasence als Geistlicher Don Alvise schauen nur düster drein, als wüssten sie, wie schlecht der Film werden wird. Das Drehbuch ist wirr und viele Szenen wurden nur zusammengeschnitten, weil sie halt vorhanden waren. Der Produzent wollte seinen Star Kinski nicht vergraulen und ließ sich auf der Nase herumtanzen. Kinski selbst wollte auch mal Regie führen – was er in diesem Fall aber nicht kann.
So viel hätte man ausNosferatu in Venedig machen können, es ist leider hoffnungslos gescheitert.
Im Grunde mag ich das Thema, ich mag den Drehort und ich mag im Grunde auch die italienische Regietradition – Nosferatu in Venedig übt als Vampirfilm auch eine gewisse Faszination aus, wenn nur dieser Kinski nicht wäre.
Werner Herzog hat nie kleine Brötchen gebacken: Es musste immer großes Kino auf seine Art sein. Und als er sich 1979 an seine Neuinterpretation von Dracula gemacht hat, musste sich Herzog mit einer der besten Dracula-Verfilmungen messen lassen.
Herzogs Nosferatu – das Phantom der Nacht ist eine Neuinterpretation von Murnaus Nosferatu – eine Symphonie des Grauens – Klaus Kinski contra Max Schreck. Für mich ist der Stummfilm von Murnau noch immer der bessere Film, aber Herzogs Verfilmung des Stoffes hat seine großen Momente. In Ermangelung einer Laserdisc habe ich mir die Bluray angesehen, was dem Film Nosferatu technisch nicht gutgetan hat. Optisch bietet die Abtastung für Bluray allerdings dramaturisch interessante Elemente. Der Film versinkt in manchen Teilen in eine gewisse Unschärfe und wirkt für mich wie ein Fiebertraum beim Betrachten. Ob es Herzog so gewollt hat, kann ich nicht sagen. Die DVD in meinen Besitz erzeugt diesen Effekt nicht.
Herzog wollte nie ein Remake von Murnaus Klassiker machen, wozu auch. Er liefert uns eine Verbeugung vor dem Stoff. Heutigen Sehgewohnheiten kommt die Verfilmung nicht entgegen – er kommt sperrig daher, langatmig und langweilig für viele Zuschauer. Das Tempo des Films ist europäisch. Deutschland kann nicht mit Hollywood konkurrieren und Herzog will auch kein Coppola sein, dessen Dracula sich fulminant breitmacht und einer jüngeren Generation als Maßstab dient. Herzog orientiert sich dagegen am Stummfilm – und diese Verbeugung vor dem deutschen Expressionismus ist wunderschön. Die Nebendarsteller agieren kaum, sondern füllen den Raum, seien es Zigeuner oder Stadträte. Isabelle Adjani, eine große Schauspielerin, interpretiert die Lucy einfach göttlich und könnte sofort als Star des Expressionismus durchgehen.
Bruno Ganz ist Harker und was soll man über das Talent von Ganz schreiben, was nicht schon geschrieben wurde? Er war einfach ein großer Schauspieler.
Und der Graf selbst? Klaus Kinski als unbarmherziger Blutsauger ist wirklich unheimlich. Vor Max Schreck hatte ich schaurige Angst, vor dem Terror von Klaus Kinski habe ich mich gefürchtet. Die Kamera von Jörg Schmidt-Reitwein, der auch für Kluge und Achternbusch arbeitete, ist sein Partner. Kinski spielt mit diesem Partner Kamera, umgarnt sie, zischt sie an – großes Schauspielkino. Von Schreck kamen die Zähne und Ohren, der Mantel und der Hut, aber Kinski erfüllt den Charakter mit seinem eigenem Schauspiel. Mir hat es großen Spaß gemacht – vor allem die Szenen mit Isabelle Adjani sind ergreifend.
Van Helsing ist ein Mann der Wissenschaft, der sich zum Pfählen hinreißen lässt, und dann mit der deutschen Polizeiverwaltung in Konflikt gerät – wunderbar humorvoll von Herzog gelöst. Und ähnlich wie bei Polanskis Tanz der Vampire siegt das Böse und verbreitet sich über die Welt.
Ein Wort zur Musik: Hauptsächlich stammte er Score Nosferatu von Florian Fricke und Popol Vuh. Die Krautrocker aus München arbeiteten oft mit Herzog zusammen und schaffen mit ihrer elektronischen Musik eine besondere Atmosphäre für Nosferatu. Der Film beginnt mit Aufnahmen vom Museum der Mumien von Guanajuato (aus México) und das Musikstück „Brüder des Schattens“ zieht uns sofort in ihren Bann. Dann setzt Herzog noch auf Wagners Rheingold und am Ende auf das Sanctus der Cäcilienmesse von Charles Gounod.
Die Vision Nosferatu von Werner Herzog ist absolut gelungen. Seine Bilder von gewaltig, die Atmosphäre ist unheimlich – das 12000 Töten der Ratten aus Ungarn brachte dagegen Tierfreunde auf die Barrikaden.
Für mich ist Herzogs Nosferatu – das Phantom der Nacht eine gelungene Dracula-Verfilmung mit leichten Schwächen im Drehbuch. Aber es ist vor allem ein bildgewaltiges Schauspielerkino.
Nachträglich wünsche ich Sean Connery alles Gute zum 90. Geburtstag. Seitdem ich als Kind mit dem James Bond-Virus infiziert wurde, bin ich ein Fan des Schotten. Und ja: Connery ist der beste Bond von allen. Ich mag sie fast alle gerne: Roger Moore, George Lazenby, Timothy Dalton, David Niven und Pierce Brosnan, aber ich mag vor allem Sean Connery. Und nein, den Bauern Daniel Craig mag ich nicht.
Der beste Bond ist für mich Liebesgrüße aus Moskau, weil es ein schöner kalter Krieger ist. Und ich mag natürlich Goldfinger.
In der Nach-Bond-Phase hat Sean Connery sich als Schauspieler etabliert und mit großartigen Regisseuren gearbeitet: Ich will nur Sir Alfred Hitchcock (Marnie) und John Huston (Der Mann, der König sein wollte) nennen. Connery lieferte ein schönes Schauspiel in Robin und Marian, das rote Zelt und der Wind und der Löwe ab – wobei ich beim letzten grinsen musste als der dargestellte Araberfürst mit schottischen Akzent sprach. Filme wie Outland oder Zardoz haben starke Momente und auch in den Nebenrollen wie in Time Bandits lieferte Sean Connery eine solide Leistung.
Im Alter kamen dann die Charakterrollen wie Name der Rose, Highlander und vor allem als Vater von Indiana Jones. The Rock war mir ein wenig zuviel, aber Wiege der Sonne traf meinen Geschmack.
Ich habe ein kleines Geburtstagsvideo mit allerlei Schätzen aus meinem Archiv gedreht und wünsche euch viel Spaß beim Ansehen. Und falls Sean Connery reinklicken sollte: Alles Gute nachträglich zum Geburtstag.
Endlich hat „mein“ Kino wieder geöffnet – gemeint ist das Scala Kino in Fürstenfeldbruck. Seit März war der Filmpalast Coronabedingt geschlossen, die Mitarbeiter in Kurzarbeit. Aber jetzt geht es mit einem strengen Hygienekonzept im Scala wieder los. Das gibt Mut für die ganze deutsche Kinobranche.
Ich habe mich deshalb mit dem Scala-Geschäftsführer Markus Schmölz getroffen – Abstand gewahrt und ihn zur Wiedereröffnung befragt. Die Erleichterung war ihm deutlich anzumerken. Zum Start wurden alle Mitarbeiter gleich mal mit Lederhosn als Zeichen des Neustarts ausgestattet.
Der Neustart bedeutet aber nicht das Besucherniveau der alten Zeiten. Aufgrund der Abstandsregeln darf jeder Saal im Scala nur zu etwa einem Fünftel besetzt werden. Das bedeutet für ein Kino massive finanzielle Einbußen. Und dennoch: „Wir brennen darauf loszulegen“, so Schmölz, der einen genauen Blick auf die Zahlen hat. Die nächsten Wochen werden zeigen, ob ein kostendeckender Betrieb eines Kinos möglich sei. „Wir haben treue Fans und ich hoffe, ich kann auf unsere Fans zählen.“
Der Mindestabstand im Kino wird eingehalten, was die Anzahl der Sitzplätze reduziert, denn nicht nur links und rechts gelten die 1,50 Meter, sondern natürlich auch nach vorne und hinten. Zudem wurde die Lüftungsanlage hoch geschaltet, so dass der Luftaustausch im Kino permanent ist. Unter den Sitzen wird Frischluft eingeblasen und an der Decke die Luft wieder abgesaugt. Der Kinobesucher merkt davon nur ein laues Lüftchen, aber das gehört zum Hygienekonzept wie die Registrierung der Besucher am Eingang. Zudem stehen überall Desinfektionspender im Kino. Masken müssen im Foyer getragen werden, können im Kino und im Cafe-Bereich beim Konsumieren von Getränken aber abgenommen werden. Natürlich gibt es Popcorn, Nachos und Snacks sowie die gängigen Getränke.
Natürlich geht ein Kartenverkauf vor Ort, aber besser ist der Online-Kartenkauf. So sieht der Besucher, ob im Saal seines Wunschfilms überhaupt noch Platz ist und welcher Sessel noch frei ist. „Wer online seine Karten bucht, weiß genau, wo er sitzt“, so Markus Schmölz. Ein Wechsel des Sitzplatzes während der Film läuft, wird von den Scala-Mitarbeitern nicht geduldet. „Unser Hygienekonzept basiert auch auf Vernunft.“
Trotz Kurzarbeit lief die Arbeit hinter den Kulissen weiter. Die Theke erstrahlt wieder im ursprünglichen Glanz. Und es wurden zwei neue digitale Projektoren angeschafft. Damit sind alle Kinosäle auf dem neuesten Stand.
Kino braucht aber Content. Das Scala startet mit Christopher Nolans Tenet. Von dem Film wird es abhängen, ob Kino in der Cornona-Zeit erfolgreich ist. Ein Agent wird rekrutiert, um einen besonderen Auftrag auszuführen. Er soll den 3. Weltkrieg verhindern. Diesmal ist jedoch keine nukleare Bedrohung der Grund. Es muss eine Person gestoppt werden, die die Fähigkeit besitzt, die Zeit zu manipulieren. Zudem gibt es ein paar Kinderfilme und die bayrische Produktion Ausgrissn! In der Lederhosn nach Las Vegas – da passen die neuen Lederhosn beim Scala-Team ideal. Schön, dass das Scala auch kleinen Filmen eine Chance gibt.
Es braucht aber die großen Blockbuster, der Zuschauerzahlen bringen, verschieben ihre Starttermine. Gestern wurde bekannt, dass der deutsche Kinostart von The King‘s Man: The Beginning auf den 25. Februar 2021 verschoben wurde. Der alte Kinostart-Termin am 17. September 2020 ist somit nicht mehr gültig.
Das Drama von Mulan ist bekannt. Disney hat den Kinostart komplett gestrichen und streamt den Streifen in seinem Streamingkanal Disney+ gegen Aufpreis. Ich bin gespannt, wie dieses Vorhaben ankommt. Das Kino wird als Vermarktungskette übersprungen. Das Wohnzimmer soll die Kinoleinwand ersetzen.
Ich wünsche persönlich dem Scala alles Gute.
Ich bin als Fan des Grafen Dracula viel Schund gewöhnt. Aber selten habe ich so etwas langweiliges Filmdrama, wie die britisch-amerikanische Serie Dracula – Die komplette Serie aus dem Jahre 2013 gesehen. Kein Wunder, dass die Serie nach der ersten Staffel von Universal abgesetzt wurde – wahrscheinlich sind die Produzenten vor Langeweile verstorben.
Okay, ein paar gute Ideen sind bei Dracula 2013 vorhanden. Dieses Mal ist Dracula ein amerikanischer Industrieller mit Namen Alexander Grayson, der den Strom nach London bringt. Van Helsing kämpft an der Seite von Dracula gegen den einen Orden des Drachen kämpft. Dieser Drachenordens war so gemein, unseren Helden Dracula vor Jahrhunderten in einen Vampir zu verwandeln und zudem seine große Liebe lebendig verbrannt zu haben. Das macht man aber auch nicht. Im Grunde ist es eine Rache-Geschichte mit Figuren aus Bram Stokers Dracula.
Renfield ist ein Schwarzer Rechtsanwalt und keineswegs verrückt. Mina ist Medizinstudentin, Lucy Westenra ein intregantes Biest und Jonathan Harker ein Zeitungsjournalist. Mir war alles einfach zu gestelzt in Dracula – Die komplette Serie
Der ehemalige Tudors-Star Jonathan Rhys Meyers spielt die Hauptrolle des Dracula recht schön, kam aber gegen das faserige Drehbuch auch nur die Zähne flechten. Bei uns lief die Serie auf Vox, ich habe mir aber als Dracula-Fan die Bluray der ersten Staffel gekauft. Da gab es ein paar nette Postkarten dazu.
Nun, es gibt für eine TV-Produktion überraschend viel Blut, aber dafür weniger Drive zu sehen. Bissattacken reichen nicht aus für eine ganze Serie, dabei hätte Dracula doch so viel zu bieten.
Ich bin ein Fan des Digitalen, aber ich finde es eine Unsitte, Musik ausschließlich digital zum Download anzubieten. Als Sammler von Filmmusik möchte ich einen Datenträger wie eine CD in der Hand haben. Digitale Musik ist praktisch, aber es entwertet meine Sammelleidenschaft.
Als Fan der Star Wars Reihe hat es mich daher besonders gefreut, dass Walt Disney einen Teil der Musik von The Mandalorian jetzt auf Picture Disc veröffentlicht hat. Die Musik von Ludwig Göransson ist der Star Wars-Reihe würdig. Der Schwede hat es prima gemacht und bisher stand die Musik nur als Download zur Verfügung. Mit der Picture Disc als Single habe ich zumindest zwei Titel als Datenträger: Main Titel und The Child/Baby Joda.
Die Bilder zeigen einmal den süßen Baby Joda und einmal Baby Joda im Kinderwagen samt Mandalorian. Leider liegt der Picture Disc kein Downloadcode für die digitalen Dateien bei. Falls ich die Disc aufhängen sollte, dann wohl mit der Seite von Baby Joda. Mal sehen. Auf jeden Fall ist The Mandalorian eine Kaufempfehlung.
Das MAD-Magazin gehörte für mich als Jugendlicher zur Pflichtlektüre. MAD und sein legendärer Chefredakteur Herbert Feuerstein haben mich in vieler Hinsicht humortechnisch sozialisiert. Zu meiner Zeit behandelte MAD auch immer einen Film und zog ihn durch den Kakao. Und so war es für mich eine Freude, dass der Panini-Verlag mit das Buch MADs Meisterwerke: Star Wars – Das Beste aus 40 Jahren auf den Markt mir zur Verfügung stellte. So begann eine Reise in meine Star Wars-Jugend.
Meine MAD-Welt von Star Wars war in Schwarzweiß. Die Comics waren ohne Farbe – und der jetzige Sammelband ist coloriert. Was für ein Schock! Farbe im Comic – daran musste ich mich nach dem Unboxing erst einmal gewöhnen. Aber der heutigen Jugend ist wohl schwarzweiß nicht zumutbar.
Das Buch ist chronologisch nach dem Erscheinen der Star Wars-Filme und deren Spin-Offs geordnet. Als Jugendlicher habe ich mit der MAD-Version von Imperium schlägt zurück begonnen. Sie hieß War was? Das Imperium quält am Stück. Den Klamaukhumor, der oft unter der Gürtelline und jenseits des guten Geschmacks war, hatte ich als Schüler geliebt. Heute schüttel ich über so manchen Kalauer nur unverständlich den Kopf. Mein Humor hat sich weiterentwickelt. Dennoch machte diese Reise in die verrückte MAD-Star Wars-Welt mir einige riesige Freude und kann sie jeden Fan der Serie empfehlen. Stundenlanges Blödeln mit Don Martin über Dick DeBartolo, Mort Drucker, Sergio Aragonés, I. Astalos bis hin zu Matthias Kringe. Es sind (fast) alle Star Wars Beiträge aus den MAD-Heften seit über 40 Jahren in diesem Sammelband MADs Meisterwerke: Star Wars auf 276 Seiten vorhanden.
Als John Carpenter sich Stanley Kubricks 2001: Odyssee im Weltraum ansah, hatte er sich so geärgert, dass er seinen Film Dark Star drehen musste. Dark Star wurde Kult. Ähnlich muss es Werner Possardt ergangen sein, als er sich die Steven Spielberg-Filme E.T. Der Außerirdische und Unheimliche Begegnung der Dritten Art angesehen hatte. Er drehte seinen Film Xaver und sein außerirdischer Freund, der in Bayerisch-Schwaben zum Kultfilm avancierte.
Zusammen mit meiner Frau gewann ich bei Radio Schwaben in einer Facebook-Verlosung Karten eben für diesen Xaver und sein außerirdischer Freund, der im Rahmen des Messeflimmern im Autokino an der Messe Augsburg lief. Da meine Frau aus den Stauden in Bayerisch-Schwaben stammt und der Film u.a. in Mittelneufnach gedreht wurde, wollte sie die alte Heimat auf großer Leinwand sehen. Und ich gehe mit meiner Frau überall hin, sogar zu Xaver.
Nun, der Film macht es einem nicht leicht. Es ist eine Art bayerischer Heimatfilm auf unterem Trash-Niveau, gefördert von der Filmförderung Nordrhein-Westfalen. Aber ich kann dennoch verstehen, dass dieser Klamauk um einen Außerirdischen sein Publikum findet. Besser wäre es, wenn man alkoholische Getränke vor dem Filmbesuch reichlich konsumiert, um das Gesehene besser verarbeiten zu können. Aber Alkohol im Autokino geht gar nicht und so ertrug ich den Film bei Mineralwasser.
Die Handlung von Xaver ist schnell erzählt. Ein Außerirdischer macht eine Bruchlandung in Oberbayern und wird vom Dorftrottel Xaver aufgelesen, der ihm gleich den Namen Alois verpasst. Xaver wird unschuldig verdächtig, eine Diskothek in Brand gesetzt zu haben und wird im Laufe des Films vom White-Trash des Dorfes verfolgt. Mit Hilfe der Dorfschönheit Anni mischen Xaver und Alois das Dorf, ein Feuerwehrfest und das dazugehörige Bierzelt auf, vor allem nachdem Alois seine Liebe zum bayerischen Bier entdeckte. Alois lernt während der Verfolgungsjagd die wesentlichen Kraftausdrücke der bayerischen Sprache. Am Ende wird das Raumschiff repariert, die wirklichen Feuerteufel landen im Knast. Xaver und Anni besteigen das außerirdische Raumschiff wie einst Roy Neary in Unheimliche Begegnung. Wie bei E.T. hebt das Raumschiff zu den Sternen ab, nicht ohne ausführlich Spielberg zu zitieren. Auf dem Heimatplaneten von Alois wird dann zünftig weitergezecht.
Natürlich konnte Werner Possardt nicht mit den VFX von Spielberg konkurrieren und so improvisierte er wie einst Carpenter. Das Raumschiff wurde aus einer BMW Isetta gebaut. Seit Ende der 1980er Jahre steht es auf dem Dach des Gasthofs Kreuz in Pfaffenhausen.
Isetta als Raumschiff.
Obwohl die Geschichte in Oberbayern spielt, wurde in den Stauden in Bayerisch-Schwaben gedreht. Das Bierzelt stand in Mittelneufnach und sogar der damals amtierende Ortsbürgermeister darf eine Rolle spielen. Die (abgebrannte) Diskothek war das Weiße Rössl in Untermeitingen. In der Lehmgrube in Forsthofen wurde die Schlussszene auf Alois Heimatplaneten gedreht und der Biergarten in Kloster Oberschönenfeld kam auch vor.
Xaver und sein außerirdischer Freund
Xaver-Festspiele
Den Science-Fiction-Film von 1986 als Randerscheinung abzutun, damit tut man Werner Possardt unrecht. Possardt, der beim Tsunami in Thailand 2004 verstarb, kannte sich im Filmgeschäft aus und war ein Profi. Xaver war bewusst als Heimatfilm konzipiert und der Film hat sein Publikum. Aufgrund des Filmerfolgs wurden 2001 in Gessertshausen und 2005 in Mittelneufnach die sogenannten „Xaver-Feste“ durchgeführt – wahrscheinlich wurde auch das eine oder andere Bier dabei konsumiert. Es gibt sogar eine Fan-Seite im Netz zu Xaver.
Interessant ist aber die Sprache in dem Film. Das Bayerisch wird vereinfacht. Mit wenigen (Kraft-)Ausdrücken kommt man auch als Außerirdischer in Bayern durchs Leben. Alois gewinnt sogar einen Biertrinkwettwerb beim Feuerwehrfest. Und der Regisseur hat immer wieder kleine Bonbons in Xaver eingestreut. So wurde gleich zu Beginn Russ Meyer zitiert, als Xaver an den „Dingern“ der Dorfschönheit Maria (Ayse Ercyn) herumfingern durfte. Die Verfolgungsjagd mit Enduro-Bikes erinnert stark an George Miller. Und als gegen Ende noch James Whale ins Spiel kommt, als die Bürgerwehr den Wald durchkämmt, habe ich in meinem Auto gelacht. Und danke dafür, dass Haindling die Musik machen durfte.
Russ Meyer lässt grüßen.
Werner Possardt wurde in Schwabmünchen geboren und hat dem Volk aufs Maul geschaut. Erschreckend ist aber das Menschenbild, das im Film vermittelt wird. Die Frauen des Dorfes werden von ihren Vätern gezüchtigt. Gewalt als herrschendes Mittel in der Familie und Erziehungsmethode. Wenn die Frau aufbegehrt, dann muss sie geschlagen werden – so einfach ist das. Wenn es aber Sonntag ist, dann laufen alle brav in die Kirche, um bigott zu beten und zu singen. Die Feuerteufel wenden zur Einschüchterung den Schwedentrunk mit Gülle an, um Xaver zum Schweigen zu bringen. Brutalität, Starrköpfigkeit und Engstirnigkeit auf dem Land – widerlich.
Vielleicht ist das alles zu viel Theorie. Vielleicht ist Xaver und sein außerirdischer Freund auch nur ein niveauloser Film, den es wirklich nicht braucht.
Bitte eine Autokino-App im 21. Jahrhundert
Ich war seit der Deutschland-Premiere von Cars nicht mehr in einem Autokino. Dank Radio Schwaben und Corona kam ich mal wieder in den Genuss. Danke an den Radiosender für die Karten. Das Hygienekonzept war vorhanden. Der Ton des Films wurde via UKW ins Auto übertragen. Leider konnte ich den Sound nicht via Handy-Radio-App abgreifen und auf meine mitgebrachten Wonderboom von Ultimate Ears per Bluetooth übertragen. Ich musste den Ton via Autoradio einfangen, was die Autobatterie angreift. Unser Hybrid-Lexus startete nach einer Stunde seinen Motor, um die Batterie zu schonen. Wenn Corona weitergeht (so sieht es auf jeden Fall aus) und Autokinos wieder in Mode kommen sollten, dann brauchen Autokinos ganz dringend eine App-Lösung fürs Smartphone.
Digitalministerium Judith Gerlach, das wäre doch mal eine Idee. Und ich will nicht erneut über 20 Jahre warten, damit ich wieder ein Autokino besuchen kann. Digitalisierung wäre auch hier dringend an der Tagesordnung.
Update: Radio Schwaben hat mir zu meiner Anregung wegen der Autokino-App folgendes geschrieben: Zur App: aufgrund der Latenz ist diese Lösung im Moment technisch nicht machbar. Leider haben Geräte unterschiedliche Latenzen und deshalb lässt sich das Bild auch leider nicht verzögern.
Das Thema Frankenstein ist im Zeitalter von Robotik und KI höchst aktuell. Das künstliche Wesen mit eigenem Bewusstsein fasziniert die Menschen und wurde wieder und wieder interpretiert. Mir läuft es noch immer kalt den Rücken herunter, was vor 200 Jahren erdacht wurde – welche enorme künstlerische Leistung. Nachdem sich der Roman Frankenstein im vergangenen Jahr seinen 200. Geburtstag hatte, bestellte ich mir bei Forebidden Planets in London das Buch Vault of Frankenstein.
Dabei handelt es sich nicht nur um ein Filmbuch, sondern Autor Paul Ruditis näherte sich den Frankenstein-Mythos auf unterschiedliche Weise aus verschiedenen Richtungen. Natürlich stand Mary Shelley und ihre Figur am Anfang des Buches, zusammen mit einer literarischen Werkschau und das Zustandekommens des Romans über den modernen Prometeus.
Am Umfangreichsten im Coffeetable-Buch sind die Frankenstein-Filme. Der erste Frankenstein war für mich Thomas Edisons Stummfilmversion. Die Spezialeffekte wirken noch immer.
Der Klassiker ist bei Universal und Boris Karloff zu finden, dann geht es weiter über die britischen Hammer-Filme und greift schließlich ein paar exotische Verfilmungen auf. Es endet mit Variationen des Themas durch beispielsweise Tim Burton.
Erinnerungen kommen beim Lesen des schön gestalteten Buches hoch: Wer erinnert sich noch an den Heuler Abbott und Costello treffen Frankenstein oder Black Frankenstein, der auch als Blackenstein kurz in den Kinos lief oder die zahlreichen TV-Verfilmungen?
Immer wieder begegnet uns in dem Buch der legendäre Carl Lämmle, der viel für den Universal-Horror getan hat indem er seinen Sohn freie Hand für neue Stoffe gab.
Große und weniger große Regisseure haben sich mit Frankenstein befasst: Mel Brooks von der komischen Seite, Kenneth Brannagh von der dramatischen Seite, Andy Warhol von der sexuellen Seite, Tim Burton von der Animationsseite.
Aber Frankenstein ist auch ein Symbol der Pop-Kultur geworden. Es gibt allerhand Merch, wie Masken, Spielzeug, Corn Flakes, Briefmarken, Comic-Hefte und mehr. Für das Atari 2600 gab es sogar mal ein Videospiel, das 1983 unter dem Titel Frankenstein’s Monster erschien.
Zum Abschluss gibt es auf der U3 des Buches einen Umschlag mit Filmposter, Theaterposter, Filmbild und vor allem ein Faksimile einer Seite von Mary Shelleys Frankenstein.