Archive for the ‘Aufgelesen’ Category

Erinnerungen an den 11. September: Hilfszentrale in der St. Paul’s Chapel

11. September 2015

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Heute jährt sich der Jahrestag der Anschläge zum 11. September. Und wieder denke ich an die Opfer des Anschlags. Während meine Eltern wissen, was sich am Tage von Kennedys Ermordung gemacht haben, weiß meine Generation, was wir am 11. September gemacht haben, als die Türme fielen. Ich habe darüber mehrmals gebloggt.
Heute will ich mich an die Hilfszentrale erinnern, die am 11. September eine symbolische Rolle gespielt hat. Und damit will ich mich an die St. Paul’s Chapel in Manhattan erinnern. In deutschen Reiseführern wird sich auch als Paulus-Kapelle bezeichnet. Trotz ihrer direkten Nähe zu den Zwillingstürmen wurde sie beim Einsturz nicht beschädigt. Alle Scheiben blieben ganz. Die Kirche ist das älteste in Manhattan bestehende und genutzte Kirchengebäude und wurde 1764 errichtet. Die St. Paul’s Chapel hat ein lange Geschichte, die es auf der Website nachzulesen gilt.


Mich interessierte aber die neuere Geschichte der Kirche: Während des 11. September diente das Gotteshaus als Hilfszentrale für die Rettungskräfte. Es gab für die Feuerwehrleute ein warmes Essen und einen Platz zum Ausruhen. Das komplette Gebäude war mit Staub eingedeckt, blieb aber unbeschädigt. Die Rettungskräfte hatten einen Ort der Geborgenheit im Chaos. Das haben die New Yorker nicht vergessen.
Bis heute wird in der Kirche mit zahlreichen Tafeln und Fahnen an die Attentate zum 11. September erinnert. Feuerwehren aus der ganzen Welt besuchen diesen Ort und lassen Hoheitszeichen als Respekt für die enormen Leistungen da. Auch Wehren aus Deutschland habe ich dort gesehen. Ich habe mit meiner Frau einen ganzen Nachmittag in der Kirche und auf dem Friedhof verbracht, um der Toten zu gedenken und die Leistungen der Rettungskräfte zu würden. Ich kann jedem New York-Besucher den Kirchenbesuch ans Herz legen. Es wird eine intime Erinnerung an den 11. September werden.


Neben an das das großzügige Mahnmal und nationale Gedenkort am neuen World Trade Center. Dort ist mir zu viel Trubel. Die Erinnerung wurde würdevoll gestaltet, aber mich einfach zu voll. Für meinen europäischen Geschmack ist es manches Mal zu viel mit dem Pomp. So ist eben die amerikanische Art und es steht mir nicht an, darüber zu urteilen.

Gebimmel – Der Streit um die Kuhglocke

7. September 2015

Als ich vor kurzem mit meiner Frau im Allgäu Urlaub machte, stieß ich auf einen Streit: Sind Kuhglocken eine Tierquälerei oder sind sie Kulturgut?

Die Kuh im Allgäu trägt in dieser Saison Glocke.

Die Kuh im Allgäu trägt in dieser Saison Glocke.

Wir kennen die bayerische Idylle: Auf einer grünen Wiese weiden gefleckte Kühe. Die Sonne strahlt über die Alm herab und die Kühe haben um den Hals eine Kuhglocke. Gebimmel in der Ferne. Die Stadtmenschen kennen so eine Kuhglocke vielleicht aus der Stammkneipe. Die Glocke wird dann immer geläutet, wenn es eine Lokalrunde gibt. In einem Verlag bei dem ich einst gearbeitet hatte, gab es eine Kuhglocke, die geläutet wurde, wenn ein wichtiger Anzeigenauftrag hereinkam – in den vergangenen Jahren habe ich diese Glocke allerdings nicht mehr im Verlagsumfeld gehört.

Tierquälerei oder Kulturgut oder beides?

Tierquälerei oder Kulturgut oder beides?

Nun jetzt wollen schweizer Wissenschaftler der Eidgenossenschaftlichen Technischen Hochschule in Zürich in einer Studie herausgefunden haben, dass der Klang einer läutenden Kuhglocke den Träger, nämlich die dazugehörige Kuh stört. Dies sei sogar eine Form von Tierquälerei, argumentieren Tierschützer, die auch gleich eine entsprechende geschlossene Facebook-Gruppe gegründet haben. Der Allgäuer Bauer argumentiere eher in die andere Richtung, um es einmal höflich auszudrücken. Die Kuhglocke sei Kulturgut und sorge dafür, dass er die Kuh auf der Weide wiederfindet.

In diesem Video stören die Kühe mit ihren Glocken eine Hochzeit in Bad Hindelang – Landleben eben.


Und schon ist der Kulturkampf um die Kuhglocke im Netz voll entbrannt. Befürworter und Gegner der Kuhglocke haben sich in Facebook organisiert und hauen aufeinander ein. Gleich wurde auch eine Online-Petition zum Erhalt der Kuhglocke gestartet. Und dann kommen auch noch die, die eine schweizerische Verschwörung sehen und Angst haben, dass ihnen von ihrer Kultur etwas genommen wird. Erinnern wir uns, es geht ursprünglich um Tierschutz.


Was wäre denn eine Alternative? Die Kuhglocke ist nicht dazu da, damit sie Unterhaltung für den Touristen darstellt. Zugegeben, beim Viehscheid ab Herbst finde ich es als Tourist auch stimmungsvoll, wenn die Kuh die Glocke in der fünften Allgäuer Jahreszeit trägt. Aber ernsthaft: Es geht schlicht und einfach darum, dass der Bauer die Kuh wiederfindet. Darum hat die Kuh die Glocke um den Hals. Lösungen in Form von GPS-Sendern gibt es zwar in landwirtschaftlichen Lehranstalten, aber auf den Allgäuer Wiesen habe ich keine gefunden. Ich finde aber ein Navi für die Kuh mal einen überlegenswerten Gedanken. Interessant ist, dass der bayerische Landwirtschaftsminister Brunner (CSU) der Sache kritisch gegenübersteht. Gegenüber dem Münchner Merkur sagte er: „Die Überwachung mit GPS-Sensoren könnte langfristig durchaus ein Thema werden, das ist aber technisch noch nicht ausgereift“
Seine hauseigene bayerische Landesanstalt für Ernährung unterstützt derweil entsprechende Versuche. Dort heißt es: Aufgrund der weiten Verbreitung von Navigationssystemen und dem Einsatz von GNSS- (Global Navigation Satellite System-) Empfängern in vielen elektronischen Geräten ist deren Preis und Strombedarf in der jüngsten Vergangenheit stark gesunken. Aus diesen Gründen erscheint ein Einsatz von Ortungssystemen mittlerweile auch bei Weidetieren als möglich. Auf Jungviehalmen bindet die Arbeit mit Tieren einen großen Teil des gesamten Arbeitsaufwands. Vor allem die Viehsuche ist dabei schwierig zu planen, da sie unregelmäßig anfällt und im Extremfall den ganzen Tag in Anspruch nehmen kann. Die physisch anstrengende Arbeit der Hirten könnte durch den Einsatz eines Ortungssystems erleichtet werden. Aus den Gründen wurde am Institut für Landtechnik und Tierhaltung der LfL in Freising ein dreijähriges Verbundprojekt, dass durch das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft gefördert wird, in Kooperation mit Industriepartnern zum Thema „GPS-Weidemanagementsystem“ gestartet. Das System läuft noch bis 2016. Infos gibt es hier.
Ich selbst habe noch keine Meinung zu dem Thema, sehe aber schon wieder die Emotionen auf allen Seiten hochkochen. Alle geben ihre Meinung ab – nur die Kuh hat bisher noch keiner gefragt.

Der 100. Geburtstag von Franz Josef Strauß

6. September 2015

Heute am 6. September 2015 hätte Franz Josef Strauß seinen 100. Geburtstag gefeiert. Ich bin gerade zu diesem Zeitpunkt in Wildbad Kreuth. Ein Ort, der eng mit Strauß verbunden ist und es regnet in Strömen. Der Himmel beweint FJS. Kreuth bedeutete Franz Josef Strauß den Kreuther Geist, das Aufkündigen der Fraktionsgemeinschaft CSU/CDU und viele Geschichten mehr. Das Ehepaar Strauß wohnte in den 1980er Jahren in Kreuth. Kreuth ist aber auch ein tragischer Ort für die Familie Strauß. Am 22. Juni 1984 verunglückte Marianne, die Ehefrau von FJS, kurz nach der Brücke bei Scharling mit ihrem Fahrzeug tödlich. Gestern Nacht besuchte ich bei einer Fahrt nach Rottach-Egern die Todesstelle von Marianne Strauß. Es war eine eigenartige Stimmung, muss ich zugeben, keine Kerzen, nichts.
In den vergangenen Wochen beschäftigte ich mich ein wenig mit FJS und ging auf eine Reise in meine/seine Vergangenheit. Ich habe bereits darüber gebloggt.
Als politisch interessierter Mensch wollte ich mehr über den umstrittenen Übervater der CSU und bayerischen Ministerpräsidenten erfahren. Ich bin 1968 geboren und bekam als Kind und Jugendlicher den Streit um die Person FJS mit. Wo Strauß auftrat, da polarisierte er. Politisch habe ich ihn nicht bewusst erlebt, den Streit um ihn dafür um so mehr. In Gesprächen mit Zeitzeugen wurde mir nur deutlich: Er war umstritten, und das ist vornehm ausgedrückt. Von Verehrung bis Hass auf seine Person habe ich in den vergangenen Tagen viele Stimmen vernommen. Was habe ich alles gehört und gelesen: Übervater der CSU, Gauner, Schöpfer des modernen Bayern – auf jeden Fall war er eine faszinierende Persönlichkeit mit Ecken und Kanten. Ich denke, diverse Vorfälle wie Fibag, Lockheed oder dem Verkehrspolizisten Hahlbohm, die Spiegel-Affäre oder die Wienerwald-Rede von 1976 sind ganz schön heftig.

Strauß-Vortrag bei der HSS
Zum 100. Geburtstag von Franz Josef Strauß veranstaltete die CSU-nahe Hanns Seidel Stiftung eine Vortragsveranstaltung „Franz Josef Strauß – Staatsmann und Freund“ mit Wilfried Scharnagl. Wilfried Scharnagl, ehemaliger Chefredakteur der CSU-Mitgliederzeitschrift Bayernkurier und politischer Publizist, genoss das besondere Vertrauen von Strauß, der dies mit dem Satz zum Ausdruck brachte: „Scharnagl schreibt, was Strauß denkt, und Strauß denkt, was Scharnagl schreibt.“

Ich habe den Vortrag von Scharnagl und die anschließende Diskussion mit Prof. Hans Peter Niedermeier von der HSS für Youtube mitgeschnitten.

Ich war überrascht, dass Scharnagl in seinem Rahmen kritisch mit dem Übervater Strauß umging. Entsetzt war ich allerdings in der anschließenden Podiumsdiskussion über so manche Wortmeldung aus dem Publikum. Schaut euch die Videos mal an, wenn ihr ein bisschen Zeit habt.

 

Horst Möller: Herrscher und Rebell
Am Rande der Veranstaltung wies Scharnagl auf das Buch von Horst Möller hin: Franz Josef Strauß: Herrscher und Rebell. Das Buch erschien im Piper-Verlag, der mir das Buch zur Rezension zur Verfügung stellte. Vielen Dank dafür.

Wilfried Scharnagl stellte das Buch Herrscher und Rebell besonders heraus.

Wilfried Scharnagl stellte das Buch Herrscher und Rebell besonders heraus.

Das 832 Seiten dicke Buch wurde von Horst Möller verfasst, der einst das Institut für Zeitgeschichte in München leitete. Anfangs befürchtete ich ein trockenes Werk eines deutschen Professors, aber er orientiert sich an der angelsächsischen Erzählweise und an vier Tagen hatte ich das Buch gelesen. Vom Stil her flüssig, aber wissenschaftlich, gleitet mir das Werk in so mancher Formulierung in eine Art Heldenverehrung ab.

Und dennoch ist es ein wichtiges Zeitdokument, das Leben und Werk von Strauß vortrefflich beleuchtet. Allerdings mit Detailfehler, die einem Direktor des renommierten Instituts für Zeitgeschichte nicht passieren dürfen – Stichwort ist die berühmte Put Put-Rede. Hier hätte spätestens der Lektor besser aufpassen müssen. Auch Strauß außereheliche Affäre mit einer 17jährigen Schülerin wird mir zu wenig kritisch hinterfragt. Gut, ich war nicht dabei und das Privatleben soll privat bleiben, wenn es das öffentliche Amt nicht berührt.

Mir wurde das Buch von Horst Möller von Wilfried Scharnagl ans Herz gelegt.

Mir wurde das Buch von Horst Möller von Wilfried Scharnagl ans Herz gelegt.

Mir hat das Lesen dieses detailreichen Werkes große Freude gemacht, auch wenn ich mit der kommentierenden Form des Autors nicht einverstanden bin. Verfehlungen von Strauß müssen bei so einem Werk stärker berücksichtigt und klar benannt werden. Dennoch: Ohne FJS wäre Bayern nicht dort, wo sich der Freistaat heute wirtschaftlich befindet. Hervorragend unterstreicht das Buch, wie umstrittenen FJS war und heute noch immer ist. Erwähne ich bei der älteren Generation den Namen Strauß, schlägt mir Begeisterung oder Ablehnung entgegen – dazwischen scheint es nichts zu geben. Alle betonen aber übereinstimmend, welch Redner Strauß gewesen war – Redeschlachten zwischen Wehner und Strauß gehören in die Kategorie deutliche Worte. Immer wieder wurde mir gesagt, dass es solche Politiker wie Strauß heute bräuchte. Ja, sie bräuchte es, aber sie würden mit ihrer Art nur eine Zeitlang in ihren gewählten politischen Ämtern überleben. Wir als Volk fordern zwar deutliche Worte und Charakterköpfe – kommt es mal zu ihnen, dann ist die Aufregung aber groß.

Wirtschaftspolitik und Standortpolitik
In dem Vortrag der HSS wurde Wilfried Scharnagl gebetsmühlenartig vom Publikum gefragt, wie Strauß denn heute diese oder jene Sachen sehen würde. Wilfried Scharnagl lässt sich auf dieses Glatteis nicht führen und wiegelt zurecht ab. Und dennoch ist es in der Biografie von Horst Möller interessant nachzulesen, wie intensiv sich Strauß für Airbus gegen Boing einsetze und damit aktive Wirtschaftspolitik für den Freistaat machte. Solche klaren Worte bräuchten wir gegenüber Google und Facebook aus Deutschland (oder Bayern). Das System Strauß brauche ich heute nicht mehr, die Ecken und Kanten eines Politikers wie Franz Josef Strauß sehne ich herbei.

Originelles FJS-Plakat von Peter Gauweiler. Strauß wirkt noch heute in der Öffentlichkeit.

Originelles FJS-Plakat von Peter Gauweiler. Strauß wirkt noch heute in der Öffentlichkeit.

Retro-Gamer: Spardose im Space Invaders Design

3. September 2015

Bei einem Besuch zur Games Lounge im Münchner Werk 1 konnten interessierte Gamer den ganzen Abend auf Einladung des Vereins VideoSpielKultur zocken. Der VSK hat sich zur Aufgabe gemacht, Videospiele als Kulturgut zu fördern und zur Anerkennung von Videospiele als Kulturgut beizutragen. Da bin ich sofort Mitglied geworden, denn so etwas muss ich unterstützen.

Sparbüchsen im Pac Man- und im Space Invaders-Design.

Sparbüchsen im Pac Man- und im Space Invaders-Design.

Den Abend über gab es neben Videospiele auch etwas zu trinken und zu knabbern. Für Speis und Trank waren Sparbüchsen aufgestellt, in dem man seine Münzen (oder Scheine) werfen konnte. Aber nicht so ein klassisches Sparschwein, nein das Ganze musste Stil haben. Die aufgestellten Sparbüchsen waren im Stil von Pac Man und von Space Invaders. Cool. Wenn man die Münze einwirft, gibt so noch einen hippen 8 Bit-Sound der damaligen Zeit. Toshihiro Nishikado schuf Space Invaders 1978 und ich hatte die Version für mein Atari 2600.
So eine Sparbüchse musste ich haben. So finden die Münzen in meiner Tasche ein neues Heim. Ich wähle die Version Space Invaders in giftgrün in den Maßen 14 x 10 x 10,5 cm. Es ist ein wunderbares Alien aus Space Invaders, ein Spiel, dass ich seit meiner Jugend gerne spiele. Als Retro-Gamer macht die Sparbüchse mit 8 Bit-Sound mir einfach Spaß und zaubert mir ein Lächeln ins Gesicht, wenn ich den Sound höre. Allerdings, das musste ich auch lernen, darf das Alien nicht in später Nacht gefüttert werden. Es ist zwar ein Gremlin, aber der Sound war doch so laut, dass es meine schlafende Ehefrau aufweckte. Dann doch besser das alte Sparschwein.

Hier mein Unboxing der Spardose:

Wasserschaden – reinigende Wirkung und Verlust zugleich

31. August 2015

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Ich hatte in meinem persönlichen Archiv einen Wasserschaden. Ein Kaltwasserventil war undicht und es tropfte in einen meiner Archivräume im Keller. Es muss schon eine ganze Weile getropft haben, denn der Schaden war enorm. Es erwischte einen Teil meiner Sammlung, die komplett aufweichte. Um die paar Holzregale war es mir nicht schade, aber um viele Inhalte tut es mir weh, persönlich und materiell.

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Was wurde alles getroffen? Zunächst zahlreiche Bücher. Sie sogen das Wasser auf und sind komplett unbrauchbar. Es handelte sich in der Regel um Fotobücher. Darunter waren Erstausgaben von Büchern über den 11. September von Magnum, Fotobände von Annie Leibovitz, die BILD-Sonderausgabe und Wirtschaftswunder-Ausgabe von Taschen in der Erstauflage, ein paar Bücher von Helmut Newton, ein Sammelband von Tween-Ausgaben und eine Originalausgabe von The end of Print von David Carson. Zudem erwischte es den schweren Ausstellungskatalog zur Documenta aus Kassel und einen Gutenberg-Katalog aus Mainz.
Ein Opfer des Wassers wurden zahlreiche Seminarunterlagen, die ich für meine Arbeit benötige, wie verschiedene Zeitschriften seit den sechziger Jahren, an denen ich die Layoutentwicklung zeige. Sehr ärgerlich, denn ich hatte die Layouts nicht gescannt, weil ich in den Seminaren immer gerne die Originale gezeigt hatte. Außerdem waren einige Bücher über die Geschichte der Fotografie und erste Experimentalbücher über digitale Fotografie darunter. Signierte Ausgaben von Sonderveröffentlichungen sind für den Müll.


Es erwischte auch einen Teil meiner Schallplattensammlung. Ich habe, nein ich hatte, eine große Sammlung von Vinyl-Schallplatten der sechziger und siebziger Jahre. Viele Erstveröffentlichungen von Pink Floyd (noch mit Poster), Emerson, Lake & Palmer als sie noch bei Atlantic unter Vertrag waren, Klaus Schulze Unikate versanken in den Fluten. Mehrere kostbare Dylan-Bootlegs, viele seltene Schallplatten von den Doors, Fats Domino, Buddy Holly und viele mehr wie eine Who Leeds-Ausgabe mit Fotos und Vertragstexten kann ich wegwerfen. Ich habe in den vergangenen Tagen eine Auflistung für die Versicherung gemacht. Mir blutet das Herz als ich die Original-Elvis Scheiben im Wasser sah. Die Covers waren aufgelöst und sogar die Labels von den LPs hatten sich bei einigen Platten gelöst. Der Sammlerwert ist heute nach dem Wasserschaden gleich null.
Einen tiefen Stich gab es im Herzen, als ich sah, dass es auch meine Postersammlung erwischt hatte. Als passionierter Apple Fanboy litten einige Think different-Plakate und 20 Plakate von der MacWorld Expo aus San Francisco mit dem iMac G4 2002 sind unwiderruflich verloren. Sie waren nur noch ein Klumpen. Einige teuere Plakate der ersten iPhone-Kampagne waren auch darunter. Ich bin also in Trauer.
Es wurden die Sachen Zug um Zug fotografiert und eine Liste für die Versicherung geschrieben. Ich hoffe, der Münchener Verein kann den materiellen Schaden ausgleichen. Meine Frau hat sofort unseren Ansprechpartner bei MV informiert. Der immaterielle Schaden ist enorm. Der Schadensregulierer vom Münchener Verein war schon vor Ort und wir haben den Schaden aufgelistet.
Aber bei all den Schattenseiten gibt es auch positives. Ich gehe jetzt daran, mein Archiv neu zu ordnen und zu strukturieren. Zudem haben meine Frau und ich viele Altkleider, Schuhe zu Kleidersammlungen gebracht. Auch Kuscheltiere der Kinder wurden an syrische Kinder gespendet, ich habe darüber gebloggt. Wir haben viele Regalmeter an durchweichten Bretter zum örtlichen Wertstoffhof gefahren und Teile des Kellers und der Garage aufgeräumt. Das hätte ich nicht in Angriff genommen ohne Wasserschaden. Aber ehrlich: Auf dieses Dreckwasser hätte ich verzichten können.

Barfuß im Park – Barfußrundgang in Bad Wörishofen

28. August 2015

Ich mag den Robert Redford/Jane Fonda-Film Barfuß im Park und getreu dem Titel wandelte ich in Bad Wörishofen barfuß durch den Kurpark. Dort gibt es in einen speziellen Barfußrundgang von 1,5 Kilometer Länge. Bei den hohen Temperaturen der vergangenen Wochen war es ein Hochgenuss für Füße und Geist, den Weg zu gehen und zu spüren – eine sehr schöne Idee des Kurortes Bad Wörishofen.

Vibram
Allerdings war ich feige und zog meine Vibram Fivefingers an. Mit diesen Schuhen gehe ich wie barfuß, bin allerdings nicht barfuß. Es gibt diese Schuhe in verschiedenen Variationen und ich habe die leichte Variante angezogen, bei denen ich den Untergrund spüre. Meine Familie war mutiger und ging den Barfußrundgang komplett ohne Schuhe (aber dafür mit Geschrei).

Wir starteten an der Station Schlamm-Fuß. Hier wird ein Kindheitstraum wahr. Einfach barfuß durch den Schlamm laufen. Der weiche Schlamm umspült die Füße, ein schönes Gefühl. Es gab ein Schild, dass das Schlammloch maximal 50 Zentimeter tief sein sollte. Denkste: Im hinteren Teil war es deutlich tiefer und eine Familie mit einem überdrehten Jungen probierte es trotz unserer Warnungen aus – wir haben dann schadenfroh gelacht.


Nach dem Abduschen der Beine und Füße ging es dann in ein Labyrinth. Es ist im Grunde eine Schnecke, die kreisförmig zur Mitte führt und wieder hinaus. Der Weg dahin ist mit unterschiedlichsten Materialien ausgelegt, darunter gehäckselter China Schilf, Rundkies, behauener Granit, Flusskies oder Natursand. Der Rundgang hat Spaß gemacht und es tat gut, die unterschiedlichen Oberflächen mit seinen Füßen zu spüren.


Weiter ging es über verschiedene Geräte zum Balancieren. Sebastian Kneipp, der Übervater von Bad Wörishofen, betonte immer wieder die Wichtigkeit der Balance, also im Gleichgewicht zu sein. „Was Sie hier körperlich üben können, sollte zur inneren Haltung werden“, heißt es auf einem Hinweisschild im Kurpark. Vorsicht: Ganz so leicht sind die Übungen nicht – zumindest waren sie es für mich nicht. Und die innere Balance zu finden, ist eine wichtige Aufgabe.


Erfrischung war angesagt in einem kleinen Bach. Füße ins Wasser und genießen. Hier läuft das Wasser in zwei Richtungen. Das Ganze soll eine psychologische Wirkung haben – ankommendes und wegfließendes Wasser. Kann möglich sein und klingt auch logisch, allerdings war der Bach mit Kindern überlaufen und es herrschte ein entsprechender Trubel, was auch schön ist.

Pano
„Mit allen Sinnen genießen“, so lautet das Motto des Barfußweges. Nach einem Abstecher in den Rosengarten  ging es noch durch die Zapfen.

Und wieder kam der Sebastian Kneipp zu Wort: „Das Barfußgehen hat einen durchblutungsfördernden Abhärtungseffekt, stärkt den Kreislauf, setzt vermehrt Körperwärme frei, kräftigt die Fußmuskelatur und regt alle Sinne an.“ Es gibt noch eine Reihe von Stationen, die aufzuzählen dann doch langweilig wären. Einfach ausprobieren und natürlich unbedingt Wassertreten im Kurpark Bad Wörishofen. Es sind verschiedene Kneippanlagen vorhanden. Mit meiner Familie hab ich es gerne ausprobiert und Spaß gehabt, auch wenn der eine oder andere Rentner böse geschaut hat.

So vertreiben Sie Wespen

26. August 2015
Kaum nimmt man Platz und hat eine Kirschschorle dabei, ist auch die Wespe da.

Kaum nimmt man Platz und hat eine Kirschschorle dabei, ist auch die Wespe da.

Ich liebe es im Garten zu frühstücken oder einfach nur ein Glas Limonade beim Lesen unter freien Himmel zu trinken. Wenn nicht die vielen Wespen wären. Kaum nehme ich im Garten Platz und will etwas Süßes zu mir nehmen, da sind sie auch schon da, die gelb-schwarzen Herrschaften. Überall Wespen. Es summt, es fliegt, und es nervt mich gewaltig. Zwar decke ich mein Trinkglas sofort ab, aber die Wespen haben sofort die Witterung aufgenommen (oder wie es bei der Wespe heißt). Ich muss zugeben, vor diesen Viechern habe ich gehörig Respekt. Ich habe wirklich Angst gestochen zu werden. Nach ein bisschen Aufregung und hektischen Herumgewedel kapituliere ich schnell und verziehe mich wieder in die vier Wände.

Die Kombi von Zitrone und Nelken vertreiben Wespen.

Die Kombi von Zitrone und Nelken vertreiben Wespen.

Aber es gibt Abhilfe. Bei einem Aufenthalt in Gut Steinbach in Reit im Winkel erinnerte ich mich wieder an ein altes Hausrezept: Die Kombination von Zitronen und Nelken. Scheinbar mögen Wespen den Geruch von Zitronensaft und Nelken nicht. Einfach eine Scheibe Zitrone aufschneiden und Nelken hineinstecken und schon haut die Wespe ab. Das alte Hausrezept wirkt in der Regel. Meine Mutter gab mir auch den Tipp: Der Duft von Salmiak, frischem Basilikum und Lavendel soll Wespen fernhalten. Das werde ich als nächstes Mal ausprobieren.
Habt ihr Hausmittel gegen Wespen?

Anschaubefehl: Keith Haring in der Hypo Kunsthalle München

24. August 2015
Keith Haring Ausstellung in der Hypo Kunsthalle.

Keith Haring Ausstellung in der Hypo Kunsthalle.

Noch bis 30. August läuft in München in der Hypo Kunsthalle die Keith Haring-Ausstellung, die ich jedem ans Herz legen kann. Und auch der Katalog der Ausstellung Gegen den Strichist eine Augenweide und reich an Information über das Gesamtwerk des Pop Art-Künstlers Keith Haring. Der Katalog geht weit über die Ausstellung hinaus und ich kann ihn bedenkenlos empfehlen.
Als Familie machten wir einen Ausflug in die Hypo Kunsthalle und jedes Familienmitglied konnte etwas für sich mitnehmen. Meine Kinder erfreuten sich an der bunten Kraft der Bilder, meine Frau war von der Aktionskunst in der New Yorker-U-Bahn restlos begeistert und mich faszinierte der Stil des Künstlers, der leider viel zu früh an Aids gestorben ist.

 

 

Gegen_den_Strich

Gegen den Strich heißt die Ausstellung und sie ist nicht nur als Kunst, sondern auch als ein politisches Statement zu verstehen. Keith Haring bezieht in seinen Kunstwerken klar Stellung. Und das ist das Neue an dieser Ausstellung, die nicht gefällig sein will. Keith Haring lehnte sich auf gegen einen kapitalistischen Exzess und engagierte sich für nukleare Abrüstung, Umweltschutz und die Gleichberechtigung des Menschen unabhängig von Herkunft, Hautfarbe, Religion oder Sexualität. All dies wirkt auf den Betrachter in München ein. Auf diesem in Ausstellungen bisher wenig thematisierten politischen und sozialkritischen Aspekt von Harings Lebenswerk liegt der Fokus dieser Retrospektive in der Hypo Kunsthalle in München und das ist absolut sehenswert.

Lobenswert war, dass der Besucher in der Ausstellung fotografieren durfte – freilich ohne Blitz, Stativ und Selfie-Stange. Das finde ich sehr lobenswert und viele Besucher machten ihre Erinnerungsbilder. So verbreitet sich die Kunst von Keith Haring online – denn viele Besucher machten ihre Selfie vor den Werken des Künstlers und posteten sie soziale Netzwerke. So bekommt die Ausstellung eine Verbreitung im virtuellen Raum. Kunst für die Masse auch außerhalb von Museen und Ausstellungsräumen – ein sehr interessanter Aspekt der Museumsdidaktik. Hier können viele Museum von der Hypo Kunsthalle in München lernen.

 

Ich habe schon einzelne Bilder von Haring gesehen, wie beispielsweise im Museum of Modern Art (MoMA), aber noch nie so viele Bilder Harings in einer einzelnen Ausstellung. In München sind es rund 160 Kunstwerke ausgestellt. Unterstützt werden die Bilder und Installationen und Gegenstände von Filmen und Fotos. Didaktisch hervorragend aufbereitet macht die Ausstellung einfach Spaß und regt zum Nachdenken an.

Eingang

Wunderbar die Provokation am Eingang der Ausstellung Gegen den Strich: Auf einer gelben Motorhaube eines Taxis fertigte Haring seine markanten Zeichnungen an. Dann gleich nochmal eine Provokation im ersten Raum: Jeder weiß, woher das Fleisch kommt. Es kommt aus dem Laden. Die damals aufkommende vegetarische Bewegung war entsetzt.

Laut lachen und fasziniert war ich von der ausgestellten Straßenkunst der New Yorker U-Bahn. Für die einen Schmierereien in der U-Bahn wurde aus der Aktionskunst interessante Werke neben klassischer Plakatwerbung. Kunst im öffentlichen Raum provoziert. Wie würde der Münchner Tarifverbund MVV reagieren, wenn auf den Plakatflächen der Münchner S- und U-Bahn so etwas stattfinden würde? Vandalismus, Geschmier oder würde man mehr darin sehen? Richtig gelacht habe ich bei einem verzierten U-Bahn-Plan von New York. Tolle Idee.

Als Medienmensch war ich natürlich interessiert, wie Keith Haring die Medien und das aufkommende Computerzeitalter sah. Ein Raum der Hypo Kunsthalle widmet sich diesem Thema. Allerdings sieht der Künstler dies mehr als Bedrohung. Ein Roboter schwebt über den Menschen. Diese Sicht ist mir persönlich zu negativ.

Postkarte klärt über Namen der Berge auf

22. August 2015
Wie heißt nochmal der Berg?

Wie heißt nochmal der Berg?

Wie heißt nochmal der Berg? So oder ähnlich nerve ich meine Frau im Urlaub, weil ich nicht weiß, auf welchen Berg wir als nächstes wandern. Ich kann mir die Berge einfach nicht merken.
Für so Leute wie mich, hat mein Urlaubshotel Prinz Luitpold Bad in Bad Hindelang im Allgäu einen kleinen, aber feinen Service vorbereitet.

Eine Postkarte klärt über Namen der Berge auf.

Eine Postkarte klärt über Namen der Berge auf.

An den Panoramafenstern des Hotels, die Richtung Berge blicken, hängt eine Postkarte. Auf dieser sind neben einen freundlichen Gruß der Hotelierfamilie Armin Groß vor allem die Namen der Berge verzeichnet, die ich erkennen kann, wenn ich aus dem Fenster blicke. Jetzt weiß ich endlich, wo der Breitenberg, die Rotspitze, der Entschenopf und das Imberger Horn liegt. Prima Idee und tolle Aufmerksamkeit des Hotels.

Und hier die Postkarte in groß.

Und hier die Postkarte in groß.

Gemüse selbst ernten – tolles Angebot der Gärtnerei Gruber aus Nesselwang

20. August 2015
Tolle Idee der Gärtnerei Gruber aus Nesselwang.

Tolle Idee der Gärtnerei Gruber aus Nesselwang.

Es gibt Felder, auf denen wir Blumen pflücken können. Ich gehe auf Plantagen zum Blaubeeren sammeln – und habe sogar darüber geschrieben. Der Trend, etwas selbst zu pflücken oder zu ernten, ist vorhanden. Jetzt traf ich bei der Gärtnerei Gruber in Nesselwang im Allgäu auf einen neuen Trend. Gemüse selbst ernten. Ich hab es gemacht und bin begeistert.


Durch den Tipp von Susanne Wannags bin ich auf die Gärtnerei gestoßen. Sie liegt an der Maria-Rainer-Str. 25 in Nesselwang. Frisch, gesund und regional – unter diesem Motto gibt es dort von Juli bis September Gemüse zum selbst Ernten. Als ich dort Halt machte, gab es gerade verschiedene Tomaten- und Salatsorten, Gurken, Zwiebel, Zucchini, Paprika, Rucola, Auberginen, Sellerie, Kohlrabi, Mangold im Topf. Die Bohnenernte war gerade am Ende. Auf der Website der Gärtnerei werden die aktuellen Ernteprodukte, die reif sind, vorgestellt. Verteilt war das Gemüse um Selbsternten über drei große Gewächshäuser.


Vor allem die Gurken sind der Hammer. Vergessen Sie alles, was Sie jemals gegessen haben. Die Gruber-Gurke hat ein top Aroma. Wer nur die holländische Wassergurke als Stadtmensch gewohnt ist, wird nach dem Genuss der Gruber-Gurke nie wieder zu so einem aufgeblasene Wassermonster greifen.


„Die Idee zum Selbsternten hatten unsere Kinder“, berichtete mir die Chefin des Hauses. Sie selbst ist über den Erfolg der Aktion sehr überrascht und freut sich, dass die Aktion so gut angenommen wird. Neue Website und ein Facebook-Auftritt sorgen auch für digitale Kunden, die ganz analog nach Nesselwang kommen. Ganz wichtig für eine Gärtnerei: Die Kunden gehen sorgsam mit den Pflanzen um und ernten das Gemüse vorsichtig und umsichtig. Am Eingang des erstes Gewächshauses liegen Körbchen und Papiertaschen für die Ernte bereit.

Am Eingang des erstes Gewächshauses liegen Körbchen und Papiertaschen für die Ernte bereit. Gartenscheren gibt es zum Ausleihen.

Am Eingang des erstes Gewächshauses liegen Körbchen und Papiertaschen für die Ernte bereit. Gartenscheren gibt es zum Ausleihen.

Gartenscheren gibt es zum Ausleihen, damit die Pflanzen beim Ernten nicht beschädigt werden. Also nicht wild reißen, sondern vorsichtig abschneiden.


Dieses Jahr hat die Aktion des Selbsterntens Premiere gehabt. Ich muss zugeben, es ist eine absolute Bereicherung und zeigt die Innovationskraft des Mittelstandes. Ich wundere mich, warum ich bisher bei Gärtnereien im Umland von München so einen Service noch nicht bemerkt habe. Gerade die Stadtmenschen würden sich über ein solches Angebot freuen. Aber vielleicht kennt ihr ja Gärtnereien wie die Gärtnerei Gruber, die so einen Service anbieten. Und wenn ich wieder in Nesselwang bin, dann schau ich gerne wieder vorbei.

Und wenn ich wieder in Nesselwang bin, dann schau ich gerne wieder vorbei.

Und wenn ich wieder in Nesselwang bin, dann schau ich gerne wieder vorbei.