Posts Tagged ‘Wertstoffhof’

Wasserschaden – reinigende Wirkung und Verlust zugleich

31. August 2015

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Ich hatte in meinem persönlichen Archiv einen Wasserschaden. Ein Kaltwasserventil war undicht und es tropfte in einen meiner Archivräume im Keller. Es muss schon eine ganze Weile getropft haben, denn der Schaden war enorm. Es erwischte einen Teil meiner Sammlung, die komplett aufweichte. Um die paar Holzregale war es mir nicht schade, aber um viele Inhalte tut es mir weh, persönlich und materiell.

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Was wurde alles getroffen? Zunächst zahlreiche Bücher. Sie sogen das Wasser auf und sind komplett unbrauchbar. Es handelte sich in der Regel um Fotobücher. Darunter waren Erstausgaben von Büchern über den 11. September von Magnum, Fotobände von Annie Leibovitz, die BILD-Sonderausgabe und Wirtschaftswunder-Ausgabe von Taschen in der Erstauflage, ein paar Bücher von Helmut Newton, ein Sammelband von Tween-Ausgaben und eine Originalausgabe von The end of Print von David Carson. Zudem erwischte es den schweren Ausstellungskatalog zur Documenta aus Kassel und einen Gutenberg-Katalog aus Mainz.
Ein Opfer des Wassers wurden zahlreiche Seminarunterlagen, die ich für meine Arbeit benötige, wie verschiedene Zeitschriften seit den sechziger Jahren, an denen ich die Layoutentwicklung zeige. Sehr ärgerlich, denn ich hatte die Layouts nicht gescannt, weil ich in den Seminaren immer gerne die Originale gezeigt hatte. Außerdem waren einige Bücher über die Geschichte der Fotografie und erste Experimentalbücher über digitale Fotografie darunter. Signierte Ausgaben von Sonderveröffentlichungen sind für den Müll.


Es erwischte auch einen Teil meiner Schallplattensammlung. Ich habe, nein ich hatte, eine große Sammlung von Vinyl-Schallplatten der sechziger und siebziger Jahre. Viele Erstveröffentlichungen von Pink Floyd (noch mit Poster), Emerson, Lake & Palmer als sie noch bei Atlantic unter Vertrag waren, Klaus Schulze Unikate versanken in den Fluten. Mehrere kostbare Dylan-Bootlegs, viele seltene Schallplatten von den Doors, Fats Domino, Buddy Holly und viele mehr wie eine Who Leeds-Ausgabe mit Fotos und Vertragstexten kann ich wegwerfen. Ich habe in den vergangenen Tagen eine Auflistung für die Versicherung gemacht. Mir blutet das Herz als ich die Original-Elvis Scheiben im Wasser sah. Die Covers waren aufgelöst und sogar die Labels von den LPs hatten sich bei einigen Platten gelöst. Der Sammlerwert ist heute nach dem Wasserschaden gleich null.
Einen tiefen Stich gab es im Herzen, als ich sah, dass es auch meine Postersammlung erwischt hatte. Als passionierter Apple Fanboy litten einige Think different-Plakate und 20 Plakate von der MacWorld Expo aus San Francisco mit dem iMac G4 2002 sind unwiderruflich verloren. Sie waren nur noch ein Klumpen. Einige teuere Plakate der ersten iPhone-Kampagne waren auch darunter. Ich bin also in Trauer.
Es wurden die Sachen Zug um Zug fotografiert und eine Liste für die Versicherung geschrieben. Ich hoffe, der Münchener Verein kann den materiellen Schaden ausgleichen. Meine Frau hat sofort unseren Ansprechpartner bei MV informiert. Der immaterielle Schaden ist enorm. Der Schadensregulierer vom Münchener Verein war schon vor Ort und wir haben den Schaden aufgelistet.
Aber bei all den Schattenseiten gibt es auch positives. Ich gehe jetzt daran, mein Archiv neu zu ordnen und zu strukturieren. Zudem haben meine Frau und ich viele Altkleider, Schuhe zu Kleidersammlungen gebracht. Auch Kuscheltiere der Kinder wurden an syrische Kinder gespendet, ich habe darüber gebloggt. Wir haben viele Regalmeter an durchweichten Bretter zum örtlichen Wertstoffhof gefahren und Teile des Kellers und der Garage aufgeräumt. Das hätte ich nicht in Angriff genommen ohne Wasserschaden. Aber ehrlich: Auf dieses Dreckwasser hätte ich verzichten können.

Wohin mit den blauen Flaschen?

2. Januar 2010

In welchen Container kommt die blaue Flasche?

Nach Silvester sammeln sich naturgemäß leere Flaschen im Haushalt ein, die der pflichtbewusste Haushaltsvorstand natürlich zum Altglascontainer bringt. Bei uns im Dorf werden drei Glasfraktionen gesammelt: Weiß, Braun und Grün. Jetzt habe ich aber eine Sammlung von Prosecco-Flaschen, die dummerweise blau sind. Wohin also mit den blauen Flaschen? In welchen Container kommen sie, damit meine Umweltseele ihre Ruhe findet?

Ganz eindeutig: Blaue Flaschen kommen in den grünen Altglascontainer. Grund: Grünglas lässt beim Schmelzen und der Produktion von Neuglas hohe Toleranzen an Fehlfarben zu. Bei braunem Glas hingegen darf nur ein geringer und bei Weißglas kein Fremdanteil vorhanden sein.

Immer wieder hört man den Blödsinn, dass es ja egal sei, in welchen Container man welche Farbe werfe. Schließlich werden das Altglas von einem Lkw abtransportiert. In Internet-Foren lese ich so Sprüche wie: „Hier fliegt sowieso alles in den gleichen Container.“

Das ist natürlich absoluter Schwachsinn. Bei uns im Verlag gibt es die Spezialisten, wenn es um Recycling geht. Meine Kollegen vom Recycling Magazin bestätigten mir: Der Laderaum der Altglas-Lkw ist in drei Kammern eingeteilt, die separat befüllt werden. So bleibt das sortierte Glas nach Farben getrennt. Ich habe mich persönlich davon überzeugt, also ist das Trennen der Flaschen nach Farben absolut sinnvoll.

Spezielle Entsorgungsfahrzeuge mit drei Kammern für die verschiedenen Glasfarben bringen das Altglas in die Aufbereitungsanlagen. Und hier geht es ums Geld, denn Altglas ist ein Wertstoff und Wirtschaftsgut. Dort wird es zerkleinert, von Störstoffen befreit und nochmals nach Farben durch spezielle Lichtschranken feinsortiert. Bei über 1.200 Grad Celsius wird das Altglas geschmolzen. Unter Zumischung von Zuschlagstoffen wird das geschmolzene Altglas mit speziellen Maschinen in die neue Form gebracht.


Selbstreinigung durch Wegwerfen

30. Dezember 2008

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Die Urlaubszeit nutze ich auch um mich selbst zu reinigen. Nein, nein, ich meine damit nicht, dass ich mich mal wasche. Zum einen gehe ich verstärkt in die Sauna, um ein wenig innere Ausgeglichenheit zu erhalten. In der Sauna bei uns im Dach kann ich prima nachdenken. Es kommt ein bisschen Musik von außen herein und das war es auch schon. Zu Weihnachten habe ich von meiner Frau eine wunderbare Saunaausrüstung bekommen. Flauschige Handtücher, Riechzeugs, Salz, Bürsten – alles was der Saunagänger so braucht.

Zum andere reinige ich mich, in dem ich viel Zeug einfach wegschmeiße. Ein Kollege bei mir im Büro hat es vorgemacht und schmeißt alles weg, was er nicht sofort braucht. Das kann ich als Jäger und Sammler nicht, aber zumindest lernen kann ich etwas. Mein Kollege Thomas Gerlach steht auf Werner Tiki Küstenmacher. Er hat den Besteller „Simplify your life“ geschrieben. Als ich Textchef der PC Professionell war, durfte ich Tiki betreuen. Er hatte damals eine Kolumne für die letzte Seite für uns gemacht. Sehr witzig und sehr deftig – die Zusammenarbeit mit dem Herrn Pfarrer war sehr professionell.

Ich habe meine Papierstapel entsorgt. Sie kennen das: Da gibt es Artikel, die müssen sie unbedingt mal lesen. Oder sie wollen mal eine Story daraus machen, die Infos in einem Seminar verwenden oder einfach nur aufheben. Und was machen Sie? Der Artikel wird herausgerissen und auf einen großen Stapel gelegt. Papier ist geduldig und das Haus bietet viel Platz dafür.

Na gut, ich gestehe. Ganz so einfach konnte ich mich von den Papierstapeln dann doch nicht trennen. Die für mich wichtigen Unterlagen scannte ich mir mit einem Dokumentenscanner ein. So hab ich wenigstens ein hochauflösendes PDF von den wichtigsten Artikeln. Aber es tut gut, die ganzen Stapel ins Auto zu packen und zum Wertstoffhof ins Altpapier zu bringen.

Im Keller ging es weiter: Wir haben Hunderte von Kistchen und Kästchen und Kartons. Alles raus. Ich habe noch ein paar Verpackungen für unsere eBay-Aktivitäten aufgehoben, sonst ist alles raus geflogen. Meine Frau hat sich sogar von ihrem Studentengeschirr getrennt, dass jetzt 100 Jahre in einer Plastikkiste stand und eingestaubt ist.

Ich muss sagen, so ein Großputz reinigt innerlich gewaltig und ich mach weiter. Ein paar Tage Urlaub habe ich noch und wegzuwerfen gibt es noch viel. Vielleicht ist heute ein Stapel mit alten Handwerksbüchern dran, oder mehrere Jahresarchive der Page und MACup? Ich habe beide auf PDF und was soll ich dann mit dem Papier?

Also, alles muss raus.


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