Corona-Virus: Tag 19 der Ausgangsbeschränkung – Treffpunkt Wertstoffhof

Klopapier, Nudeln, Mehl, Hefe – das waren die Renner in der Corona-Krise bei uns in Maisach im Landkreis Fürstenfeldbruck. Aber es kommt noch was hinzu: Der neue heiße Scheiß ist Warten am Wertstoffhof.
Nachdem die Bitten der Bevölkerung im Landkreis so groß waren, entschloss sich die Abfallwirtschaftsberatung AWB die Tore der Großen Wertstoffhöfe im Landkreis unter Auflagen vor Ostern wieder zu öffnen. Jubel, Trubel, Heiterheit bei der Bevölkerung – und dann setzte Hektik ein.
Und der Run ging los. Am Dienstag morgen wachte ich durch Rasenmähen und Heckenschneiden auf, rieb mir verwundert die Augen und fragte in der Nachbarschaft nach, was in die Leute gefahren ist. Grünabfälle können wieder abgegeben werden und wenn schon nicht die Haare geschnitten werden dürfen, müssen Rasen und Hecken geschnitten werden – und zwar was das Zeug hält. Und das Grünzeug muss natürlich gleich entsorgt werden. Rumliegen zu Hause geht ja gar nicht.

Man hat Zeit: Für den einen sind Osterferien, für den anderen HomeOffice, das später beginnen kann, für wieder einen anderen hat sich die berufliche Existenz durch Corona in Luft aufgelöst und es gibt eine Fraktion von Rentnern, die nach einer Aufgabe suchen. Die Zeit wurde und wird für den Garten genutzt. Der grüne Daumen hatte Vorrang. Also wurde Grünzeug, Äste und mehr in Säcke gestopft, auf Anhänger gepackt oder in den Kofferraum verfrachtet. Wer als erster beim Wertstoffhof ist, der ist der Sieger und bekommt die Anerkennung seiner Nachbarn.

Zudem hat sich allerhand Plastik, Alu, Tetrapack, Verbundstoffe, Folien über die Zeit der Ausgangsbeschränkung angesammelt, was natürlich auch weg muss. Also, es gibt Millionen von Gründen, zum Wertstoff zu pilgern. Wir alle hörten die Ermahnungen der politisch Verantwortlichen, sich ein wenig zurückzuhalten und die Ausgangsbeschränkung. „Ja, ja, sollen die reden,“ sagt sich der Egoist. „Die anderen können sich ja daran halten, Zurückhaltung galt beim Hamstern nicht, warum jetzt beim Wertstoffhof? Und außerdem sitz ich ja im Auto, vielleicht sogar mit Maske.“

Meinen ersten Eindruck bekam ich vom der Große Wertstoffhof der Hasenheide im benachbarten Fürstenfeldbruck, als ich mit dem Fahrrad vorbeifuhr. Eine lange Schlange Blech wartete vor den Toren und wurde Zug um Zug eingelassen. Diskussionen entstanden, wer nun als erster da war und wer Vorfahrt hat. Die Wartezeit war sicher 45 Minuten und mehr. Aber Zeit haben die Menschen ja in der Corona-Ausgangsbeschränkung.

Im Maisacher Großen Wertstoffhof war auch einiges los. Die Wartezeit war kürzer und die warteten Autofahrer wurden von einer Mitarbeiterin des Wertstoffhofs informiert. Mein Eindruck war, es ging weniger hektisch und weniger aggressiv zu.
Schön wäre es gewesen, wenn die Plastikentsorger ihre Sachen vorsortiert hätten, dann wäre die Entsorgung schneller gegangen und die Wartezeit wäre verkürzt gewesen. Interessant war zu sehen, dass wohl viele Maisacher bei Lieferdiensten in der Corona-Zeit bestellen, um die heimische Gastronomie zu unterstützen. Die Folge sind Verpackungen für Lebensmittel, die jetzt gehäuft anfallen. Diskussionen um die gelbe Tonne kommen natürlich jetzt wieder auf. Nun, warten wir, bis der Große Wertstoffhof wieder auf hat.
Achtung: Text kann Spuren von Ironie enthalten. 

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