Sumo-Buch zu den Rolling Stones samt Autogramm

14. November 2014

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Kann man eigentlich Beatles- und Stones-Fan zur gleichen Zeit sein? Ja, man kann – das sehe ich an meiner Person. Wahrscheinlich war diese Streitfrage richtg heftig, als beide Bands auf ihrem Höhepunkt in den sechziger Jahren waren und sich um Hitparadenplätze stritten.
Heute sind die überlebenden Fans versöhnlicher und so kann ich als Beatles-Fan gerne auch die neueste Veröffentlichung über die Stones genießen. Und einer solchen Megaveröffentlichung bin ich gerade begegnet.
Der renommierte Taschen-Verlag hat für Fans und Sammler ein spezielles Buch über die rollenden Steine veröffentlicht. Ein fetter Bildband über die Geschichte der Stones in einer Auflage von 1600 Exemplaren – dazu wurden die Bücher signiert von Mick Jagger, Keith Richards, Charlie Watts und Ronnie Wood. Jetzt lassen sich die Bücher ordner und im Dezember werden sie rechtzeitig zum Fest geliefert. Bildgewalig, gut recherchiert und lektoriert sowie großartig produziert sind die Bücher auf jeden Fall. Nur einen (finanziellen) Pferdefuß haben sie: Der Grundpreis liegt bei 4000 Euro. Es gibt aber Editionen mit wunderbaren Fine Art-Abzügen wie von dem einmaligen David Bailey, da kostet das Werk schon 15000 Euro. Diese Ausgabe ist übrigens schon ausverkauft, hier haben Sammler investiert, die wissen was Buch und Foto wert sind. Ingesamt gibt es sechs Art Editions, auf jeweils 75 Exemplare limitiert, mit je einem Fine Art Print.

Das Vorwort von Clinton.

Das Vorwort von Clinton.

Das Vorwort zu dem Buch hat der ehemalige US-Präsident Bill Clinton und ich wäre schon neugierig, was Bill (I never had sex with this women) Clinton über die Rolling Stones sagt. Aber noch wichtiger sind die über 500 Seiten mit Fotos von David Bailey, Cecil Beaton, Anton Corbijn, Annie Leibovitz, Helmut Newton, Norman Parkinson, Albert Watson und weiteren 60 Fotografen. Bildbände über die Stones gibt es viele, aber in dieser Form dürfte die Buchveröffentlichung einmalig sein. Zum ersten Mal konnte auch auf die privaten Archive der Rolling Stones in New York und London zugegriffen werden, die manche Überraschung zu bieten haben.

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Gewaltig ist aber nicht nur der Inhalt, sondern auch das Erscheinungsbild. Das Buch wird bei Taschen als Sumo-Buch geführt und das ist es auch: Im Format 50 auf 50 Zentimeter wird das 518seitige Buch erscheinen. Es wird geliefert in einer Schlagkassette sowie Ausklappern und Siebdruck-Kapitelopenern.

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Naja und wer jetzt Blut geleckt hat, der kann sich auch die Volksausgabe des Buches für rund 100 Euro kaufen. Da gibt es das Buch als Hardcover im Format 33 x 33 cm mit 522 Seiten, natürlich ohne Autogramme und Art Prints, aber zumindest die Bilder sind im Buch Rolling Stones die gleichen.

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Philae landet und ich sah Raumfahrtgeschichte #cometlanding

13. November 2014

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Der wichtigste Satz für mich lautete gestern: „It’s not Science Fiction, it’s Science Fact!“ Wow, es ist nicht mehr ein Hirngespinst, sondern es ist harte Realität. Die Ladung des Minilabors Philae auf dem Kometen 67P/Tschurjumow-Gerassimenko hat mich gestern den ganzen Tag in Atem gehalten. Meine Begeisterung für Raumfahrt ist wieder voll da.

Ohne Worte

Ohne Worte

Ich war im Netz dabei als Raumfahrtgeschichte geschrieben wurde. Die Landung auf einen stinkenden Eisklumpen im All – live und in Farbe. Ich hatte das Gefühl bei einem ganz großen Moment dabei zu sein. So einen Moment, von dem ich meinen Kindern erzählen kann. Klingt pathetisch, ist aber so. Die Reise zu den Sternen faszinierte mich bereits mein Leben lang und immer wieder bricht diese Faszination voll durch. Vor kurzem kam das Fieber wieder, ausgelöst durch die Astronauten Chris Haldfield und Alexander Gerst. Den Start von Rosetta habe ich vor zehn Jahren zwar medial mitbekommen, aber nicht mehr auf den Schirm gehabt. Bis vor kurzem der Hashtag #cometlanding durch Twitter auftauchte.
Also machte ich es mir vor dem Rechner bequem und schaute begeistert den Live-Stream der ESA an. Gegen 17 Uhr dann die Breaking-News: Gelandet.

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Sehr gerne wäre ich live vor Ort gewesen und eine Geschichte für gemacht. So war ich eben zu Hause am Esstisch und beobachte von dort, wie Geschichte gemacht wurde. Wenn ich ehrlich bin, sah ich die meiste Zeit nur Menschen in einem nüchternen Kontrollräumen. Die Herrschaften arbeiteten und ich sah vor dem MacBook und schaute zu, ich beobachtete den ESA-Stream und gleichzeitig Twitter mit dem Hashtag #cometlanding. Ich sah Wissenschaftler in Hoodies, T-Shirts und zerknitterten Hemden, die Menschheits- und Wissenschaftsgeschichte schrieben, ohne Show- und Starallüren. Nur als einmal ein Amerikaner von der NASA eine motivierende Ansprache hielt, kam ein wenig Pathos auf. Immer wieder gab es Interviews und Statements und Moderatorin Monika Jones machte einen guten Job, nicht übertrieben, sondern serös, irgendwie europäisch.

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Ab un zu gab es ein Foto vom Anflug des Landers. Die technische Qualität der Bilder war jetzt nicht Full-HD, aber es lief mir heiß und kalt den Rücken herunter. Was für eine Spannung! Was für ein Feeling!

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Der Blechkasten ist 500 Millionen Kilometer entfernt und wir bekommen hier auf der Erde die Signale, Daten, Bilder. Und als sich Captain Kirk, – im Grunde war es William Shatner – in die Twitter-Diskussion einschaltete, lachte ich begeistert auf. Dessen Tweets brachte den gewissen Promi-Faktor, den es auch brauchte.

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Zunächst hieß es, das Philae-Labor sei auf dem Kometen gelandet. Im Laufe der gestrigen Nacht stellte sich heraus: Nach Angaben des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt in Köln war erst der dritte Landeversuch erfolgreich. Philae sei zweimal wieder zurück ins All geflogen. Und Philae steht nicht so sicher auf dem 4100 Meter großen Kometen, wie es zu wünschen wäre. Es bleibt also weiterhin spannend.
Und wenn mir jetzt einer wieder mit den Kosten kommt, dann einfach Klappe halten. Jedem Europäer kostet die Mission 3,50 Euro pro Jahr, also nix. Dafür bekomme ich in München nicht mal ein Bier. Von mir aus, sollte der Etat erhöht werden, denn hier wird Menschheitsgeschichte geschrieben.

Google würdigt die Leistung mit einem Doodle.

Google würdigt die Leistung mit einem Doodle.

Und hier nochmal der Moment der Freude:

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Legoland Saison 2014 ist zu Ende – schön wars

12. November 2014
Aus und vorbei - die Legoland Saison 2014 ist zu Ende.

Aus und vorbei – die Legoland Saison 2014 ist zu Ende.

Mit dem 2. November endete die Saison 2014 im Legoland Günzburg und ich war natürlich bis zum Schluss mit meiner Familie dabei. Als Lego-verrückte Besitzer einer Jahreskarte war dies für uns Ehrensache, denn uns macht dieser Freizeitpark gehörig Spaß.
Im Grunde ist der Ablauf bei einem Besuch eine Art Ritual. Der Start ist immer gleich. Jedes Mal wird vor dem Park ein Familienselfie geschossen mit dem großen Legoland-Logo im Hintergrund. Die Variante ohne Kinder wird dann meist in Facebook und Co veröffentlicht, um Flagge zu zeigen. Nach dem Eintritt ist der erste Gang zur Lego Boutique, um neue Klamotten anzusehen. Das war am Saison-Ende eine Enttäuschung. Der Store sah aus, wie in besten Sozialismus-Zeiten. Der Laden war leer, es gab kaum Waren zu kaufen. Ein paar Baby-Klamotten und das war es auch schon. Aber aus dem Baby-Alter sind wir raus.


Dann teilt sich die Familie meist auf. K2 verbringt mit meiner Frau den Tag in den diversen Achterbahnen und K1 und ich streifen umher. Natürlich war es Ehrensache dem Lego X-Wing-Fighter einen letzten Gruß abzustatten. Ein Jahr lang stand dieses monumentale Raumfahrzeug aus der Star Wars-Reihe im Legoland Günzburg. Nun wird er abgebaut und zieht weiter. Ich habe mehrmals über den Fighter gebloggt, also kann ich mir es an dieser Stelle sparen. Aber nur soviel: Es war schön, das Ding mal live in Deutschland zu sehen.

Freilich trifft sich die Familie beim obligatorischen Besuch der Lego-Fabrik wieder. Dabei geht es uns nicht mehr um den Film, den wir auswenig können. Ein neuer Film wäre längst mal fällig. Es geht uns als Lego-Sammler um den besonderen Sammlerstein, den es am Eingang zur Fabrik für jeden Besucher kostenlos gibt. Wir haben schon eine ganze (Lego-)Kiste voller dieser kostbaren Sammlersteine. Raus aus der Fabrik, rein in die Eisenbahn, die uns einmal quer durchs Legoland bringt.

Dieses Mal am Saisonende war die Ansprache im Zug etwas kürzer als sonst. Wir hielten zwar an der X-Wing-Fighter-Halle, aber eine Erklärung gab es nicht. Für uns als Profis kein Problem, jemand der zum ersten Mal den Freizeitpark besucht, sicher eine Enttäuschung.

Dann kommen immer der Drehturm und die neue Attraktion Grab der Pharaonen an die Reihe. Hier wird genau notiert, wie hoch der familieninterne Highscore liegt. Im Pharaonengrab muss auf Lichter geschossen werden. Den Punktestand kann man im Wagen ablesen und am Ende gibt es am Ausgang die gesamte Score-Liste. Dieses Mal war ich mehr mit Filmen beschäftigt und weniger mit Schießen.

Eigentlich eine Kleinkinder-Attraktion ist die Safari-Tour mit Jeeps auf Schienen. Aber K1 und ich haben diese Tour schon immer gemacht und wir werden immer wieder machen, immer wieder, immer wieder.


Mir gefällt das Legoland Günzburg, wie man an diesem Blogpost unschwer erkennen kann. Im nächsten Jahr geht es wieder am 5. April. Als neue Attraktion wird es wohl etwas aus Lego City Undercover geben. Erste Hinweise gibt es dazu auf der Website. Wir lassen uns überraschen und sind auch 2015 wieder dabei. Versprochen!

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iPhone-Tipp: Automatisches Öffnen von iPhoto verhindern

11. November 2014
Ich mag es nicht, wenn iPhoto automatisch startet, wenn das iPhone angeschlossen wird.

Ich mag es nicht, wenn iPhoto automatisch startet, wenn das iPhone angeschlossen wird.

Mich nervt es riesif, wenn iPhoto sich jedes Mal öffnet, wenn ich mein iPhone mit meinem Mac verbinde. Ich mag iPhoto nicht und will auch keine Bilder importieren. Wem es genauso nervt, dass iPhoto sich beim Anschließen des iPhones öffnet, für den habe ich einen kleinen Tipp.
Also iPhone über USB anschließen, dann öffnet sich iPhoto (grrrr). Bitte anschließend das Programm Digitale Bilder öffnen. Auf der linken unten Seite das Dreieck öffnen und es öffnet sich ein Dialog Anschließen von iPhone öffnen. Hier dann das gewünschte Programm auswählen – in meinem Fall: Kein Programm.
Und schon nervt iPhoto nicht mehr.

 

Im Programm Digitale Bilder kann man den Start unterbinden.

Im Programm Digitale Bilder kann man den Start unterbinden.

Steve Jobs und Steve Wozniak als Lego-Figuren

10. November 2014

Bei einem Besuch in Berlin schaute ich zum ersten Mal in Deutschlands größtem Apple Retail Store vorbei. Die Filliale am Kurfürstendamm kannte ich bisher nur aus den Medien – unter anderem durch die Boulevardberichterstattung als Unbekannte die Einnahmen des Store gestohlen hatten.


Der Apple Retail Store ist sehr imposant und ich nutzte die Zeit für ein Video und um mein iPhone aufzuladen. Dabei dachte fiel mir ein, dass ich mein Hobby Apple mit dem anderen Hobby Lego verbinden wollte. Es gab ja mal die Idee von Lego-Fans, den Apple Retail Store zu bauen. Leider hat Lego dies nie in seine Produktreihe aufgenommen, wahrscheinlich aus Rechtegründen.

Offiziell nie realisiert: Der Apple Retail Store aus Lego.

Offiziell nie realisiert: Der Apple Retail Store aus Lego.

Aber die Verbindung Apple und Lego gelingt trotzdem. Vor kurzem bestellte ich mir bei FamousBrick die beiden Steves als Lego-Männchen. Steve Jobs und Steve Wozniak. Der Apple-CEO kommt stilecht daher: in blauer Jeans und schwarzem Pullover – so wie ich ihn immer in Erinnerung behalten werde. Der zweite im Bunde ist the Woz. Woz gründete gemeinsam mit Steve Jobs Apple Computer, später arbeitete er mit am ersten technisch-wissenschaftlichen Taschenrechner „HP-35“, den er bei dem Lego-Modell auch in der Hand hält. Zudem gibt es in der Reihe von Bill Gates. Nett gemacht ist der Gründer von Microsoft, er trägt ganz klassisch einen Pullover mit Hemd und eine graue Hose, auf seiner Kaffeetasse steht C:\ – eine Hommage an MS-DOS. Allerdings Bill brauche ich als Apple Fan dann doch nicht.

Steve und Steve aus Lego.

Steve und Steve aus Lego.

Mich würde es interessieren, wie die Rechte an den Figuren liegen. Bisher hat Apple bzw die Erben von Steve Jobs alles in Grund und Boden geklagt, wenn die Rechte verletzt werden. Verletzt eine Lego-Figur die Persönlichkeitsrechte? Ich hoffe, dies passiert hier nicht, darum habe ich mir gleich die beiden Steves besorgt. Sie hängen jetzt bei den Lego Star Wars-Figuren im Arbeitszimmer an der Heizung.
Ich muss mal FamousBrick besuchen. Hinter dem Namen FamousBrick steckt eine kleine Manufaktur in Lindau am Bodensee. Hier hat man sich bereits in den Kindesjahren in die bunten Legosteine und Figuren verliebt. Mithilfe der kultigen Bausteine werden in Handarbeit Berühmtheiten aus Lego-Figuren nachgebaut. Dafür werden ausschließlich originale Lego-Teile verwendet. Mit Hilfe der Figuren kann sich jeder eine berühmte Persönlichkeit im Lego-Format nach Hause holen, das eigene Lego-Universum erweitern oder eine kleine Sammlung einzigartiger Figuren erschaffen. „Wir sind uns sehr sicher, dass Lego diese Figuren selbst nie in ihr Portfolio aufnehmen wird. Alles begann mit der Figur „Steve Jobs“ und wir freuen uns bereits auf die nächsten Berühmtheiten unserer exklusiven Minifiguren-Serie“, heißt es bei FamousBrick.

Hier noch ein paar Eindrücke aus dem Apple Retail Store Berlin:

25 Jahre Maueröffnung – meine persönlichen Erinnerungen

9. November 2014

Es werden große politische Reden zum 25jährigen Jubläum der Maueröffnung gehalten und das ist auch gut so. Ich brauche dazu keine staatstragenden Worte zum 9. November beizusteuern, das machen andere besser als ich. Nur ein paar persönliche Erinnerungen, nicht mehr, nicht weniger.
Zum 20. Geburtstag dieses denkwürdigen Ereignisses habe ich ausführlich gebloggt, wie ich die Nacht vom 9. November erlebt habe. Doch wie ging es weiter? Wochen später besuchte ich Berlin. Wie ein Schwamm saugte ich den Geist der Freiheit auf. Es waren die großen Tage der Mauerspechte. Ganze Heerscharen pilgerten zur Mauer und schlugen mit stählernden Hämmern Steine aus der barbarischen Grenze, die eine Nation teilte. Auch ich konnte mich nicht zurückhalten und schlug mir ein paar Brocken aus dem antifaschistischen Schutzwall der DDR-Verbrecher. Einen davon schenkte ich meinen Vater, dessen Familie aus der DDR geflohen war. Dabei hatte mein Vater Tränen in den Augen, als er mein Geschenk annahm. Die Geste hätte nicht größer sein können. Es hat ihm sichtlich viel bedeutet.
Während meines Berlin-Aufenthalts hatte ich kaum geschlafen, ich wollte die Stimmung des Aufbruchs in der Stadt genießen, sie selbst spüren. Mit meiner Nikon spazierte ich durch Berlin, immer auf der Suche nach Motiven. Am Nachmittag hatte ich so ein Motiv vor der Linse. Ich beobachtete einen besonderen Mauerspecht. Es war ein älteter Herr mit Brille und Hut. Er wollte ein Stück farbigen Mauerstein herausschlagen, kam aber nicht an die gewünschte Stelle. Er fragte eine junge Dame, ob sie ihn unterstützen könne. Und die Berlinerin half dem Herrn. Diese Szene musste ich auf Analogfilm T-Max 3200 festhalten.

Ein Mauerspecht der besonderen Art. Foto: Lange

Ein Mauerspecht der besonderen Art. Foto: Lange

Von der Mauer war ich fasziniert. Den Todesstreifen bin ich immer wieder abgeschritten. Dieser unmenschliche Riss durch unser Land, der auch meine Familie zerriss. Die Mauer, die die Bürger der DDR einsperrte, bekam Risse. Die Risse wurden zu Löchern und ich machte mir einen Spaß durch die Löcher zu fotografieren. An einem Mauerstück entdeckte ich sogar einen Schriftzug Liberty for China. Die blutige Niederschlagung des chinesischen Studentenaufstands durch die Dreckskommunisten war Gott sei Dank kein Vorbild für die deutsche friedliche Revolution. Ich machte ein Foto von dem Mauermotiv.

Liberty for China in der Mauer. Foto: Lange

Liberty for China in der Mauer. Foto: Lange

In der nächsten Nacht streifte ich wieder an der Mauer entlang. DDR-Bauarbeiter kamen zu später Stunde mit schwerem Gerät und rissen die Mauer niededer. Mit Kränen wurden die Mauerstücke angehoben, auf Lkws gepackt und abtransportiert. Ich beobachtete die Szenerie und ich genoss das Ereignis. Wir waren ungestört: Nur die Bauarbeiter und ich. Natürlich schoss ich von dem Abriss und Abstransport einige Fotos und zog mich am frühen Morgen müde in meine Unterkunft zurück.
Zuhause wieder in Bayern entwickelte ich die Filme und machte in meinem heimischen Schwarzweißlabor Abzüge. Und beim Trocken der Bilder an einer Wäscheleine erkannte ich erst, welches Glück ich mit meinen Motiven hatte. Die Mauer vom Tage mit der Aufschrift Liberty für China hatte ich zufällig auch in der Nacht fotografiert. Völlig ungeplant stand ich mitten in der Nacht an der gleichen Stelle und lichtete das Motiv ab. Es muss also einen Fotogott geben.

Liberty for China wird nachts abtransportiert. Foto: Lange

Liberty for China wird nachts abtransportiert. Foto: Lange

Musiktipp: Pink Floyd: the Endless River

8. November 2014

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Gleich vorweg: Ich bin ein Fan von Roger Waters und habe mich immer mit dem verbleibenden Rest-Trio von Pink Floyd schwer getan. Ich habe sogar 20 Jahre gebraucht, um mich mit dem Album The Division Bell anzufreunden und darüber geschrieben. Aber natürlich habe ich mir Gillmours-Resteverwertung The Endless River gleich bestellt. Als langjähriger Pink Floyd-Fan musste ich hören, was da noch so in den Archiven schlummerte.
Davids Resterampe wurde das Album im Vorfeld genannt. Aber nein, so schlecht ist das Album The Endless River nicht. Aber es ist auch kein Meisterwerk wie Wish you where here oder Dark Side. Aber und das muss ich zugeben, es ist mit Abstand besser, als der Schrott, der sonst in den Hitparaden zu finden ist. Bei Amazon GB war the Endless River das bisher am meisten vorbestellte Album in der Geschichte des Online-Händlers. Das muss man erst einmal hinbekommen. Die Marke Pink Floyd strahlt noch immer – und das ist gut so.


Bis mir DHL das Album the Endless River mit dem grässlichen Cover lieferte, konnte ich via Amazon Cloud das Album laden und hören. Das Ding ist deutlich besser als ich erwartet habe, deutlich. Immer wieder blitzt die Vergangenheit durch, die geniale Atmosphäre der vergangenen Musik von Pink Floyd. Und es scheint immer wieder Wish you where here oder gar The Wall durch, das mich persönlich sehr, sehr freut. Ich bin mir aber bewusst: Das Album the Endless River passt nicht mehr in die heutige Zeit. So eine Musik wird nicht mehr aufgenommen. Kein Plattenlabel würde so ein Risiko mit Instrumentalmusik eingehen, aber bei dem starken Markennamen Pink Floyd geht man kein Risiko ein. Süßer die Kassen, die klingen. Böse Stimmen nennen die Musik des Albums abfällig Fahrstuhlmusik, zeigen aber mit ihren Bemerkungen nur ihren geringen geistigen musikalischen Entwicklungsstand. Wenn so etwas Fahrstuhlmusik sein soll, dann würde ich den ganzen Tag auf und ab fahren. Der Klang von the Endless River provoziert heutige Hörgewohnheiten, zwingt die Hörer zum Zuhören, zum Konzentrieren. Nehmt euch die Zeit und entdeckt eine interessante Welt. Dabei empfehle ich ausdrücklich, the Endless River via Kopfhörer in voller Lautstärke zu hören. Das Klang- und musikalische Erlebnis ist eindrucksvoll. Es gibt sie durchaus, diese großartigen Momente – und die gilt es auf the Endless River zu genießen.
Und dennoch: Pink Floyd mussten an dem Hype scheitern. Pink Floyd muss hier nicht die Musikgeschichte ändern, die Meilensteine haben sie zu anderen Zeiten gesetzt und das mehrmals. Sie liefern hier mit The Endless River ein solides Album ab.
Ich glaube es dem verbleibenden Duo Davild Gillmour und Nick Mason, dass sie sich vor dem verstorbenen Rick Wright verneigen wollten. Die Keyboards stehen im Vordergrund und auch wenn es nur Outtakes sind, klingen diese besser und inspirierter als manche finale Aufnahme anderer Bands. Und ich glaube es ihnen, dass es wirklich der Abschluss von Pink Floyd sein soll. Keine Renuion mit Roger Waters, keine neuen Archivplünderungen. Ende, Schluss, aus, basta.

Nassrasur: Auf der HAARE legte ich mich unters Messer

7. November 2014
Ich liege unterm Messer.

Ich liege unterm Messer.

Die Beautybranche hat mich endlich als Mann entdeckt. Auf der HAARE 2014 in Nürnberg, der wichtigsten Regionalmesse für das Friseurhandwerk, wurde ich als Mann fündig. Wer dachte, Friseurmessen seien nur für Friseurinnen und deren Kundinnen interessant, der irrt sich. Auf der HAARE wurde ich als Mann als Zielgruppe entdeckt und zwar beim Thema Nassrasur.
Das musste ich gleich mal ausprobieren. Auf der HAARE war ein großartiger Barber-Shop errichtet worden. Barbers 101, so hieß der Aussteller, hatte ganze Arbeit geleistet. Stilvoll und geschmackvoll hatte er einen Shop in warmen Holzfarben aufegbaut. Alles erinnerte an die fünfziger Jahre des vergangenen Jahrhunderts und das lag nicht nur an der Elvis-Mucke, die aus den Boxen lief.
Im Mittelpunkt des Barber-Shops war der Barbersessel, auf dem ich zugleich Platz nahm. Vertrauensvoll begab ich mich in die Hände von Friseurmeister Joachim Groha aus Schweinfurt. Ich hatte mit Joachim Groha bereits mehrmals gearbeitet und bin von seinem Konzept eines Barber-Shops begeistert. Groha mit weißem Hemd und schwarzem Hut unter dem seine schwarzen Locken herausquollen, ist eine interessante Erscheinung. Ich wählte die klassische Messerrasur. Also zurücklehnen, Brille ab und genießen.
Als erstes wurden warme Handtücher auf das Gesicht gelegt. Dadurch wurde mein Bart weicher. Anschließend wurde die Rasiercreme aufgetragen und dann kam der Moment, wo Joachim Groha sein Rassiermesser ansetzte. Mit geschlossenen Augen genoss ich die Dienstleistung eines Profis. Das scharfe Messer rasierte den Bart wunderbar ab. Nassrasur mit dem Messer will gelernt sein und Joachim Groha ist ein Meister seines Fachs. Dazu gibt er auch Kurse. Hier wird beispielsweise an einem aufgeblasenen Ballon mit Rasierschaum geübt.

Dieses Mal mussten die Frauen auf ihre Männer im Barer-Forum auf der HAARE warten.

Dieses Mal mussten die Frauen auf ihre Männer im Barer-Forum auf der HAARE warten.

Ich stand nach 10 Minuten vollkommen zufrieden und entspannt aus meinem Barbierstuhl auf. Das nenne ich Beauty-Dienstleistung für den Mann von heute.
Friseure erinnern sich noch gut an die Zeit, als das Rasieren in den Salons zu den Standarddienstleistungen gehörte. Die jüngere Generation schaut beim Thema Nassrasur des Öfteren genauer hin, da das Rasieren nach wie vor im Ausbildungsplan steht. Das Barber-Forum auf der HAARE 2014, organisiert vom Landesinnungsverband des bayerischen Friseurhandwerks, hatte es sich auf die Fahne geschrieben, die professionelle Dienstleistung in den Salons zu stärken. Die Aussteller der HAARE präsentieren rund um das Programm-Highlight Barber Shop alles, was für eine traditionelle und professionelle Rasur notwendig ist. Angefangen bei Rasiermessern, über Dachshaarpinsel, Seifen und Mugs bis zu Pflege-Tonics und After-Shave. Die HAARE bewies damit wieder, dass sie Trendsetter ist. Vor Jahren hat das HAARE-Team das Thema Nassrasur aufgegriffen und dieser fast ausgestorbenen Friseurtätigkeit einen breiten Raum eingeräumt.

Franken in Berlin: Tuchers Bratwursthäusle

6. November 2014
Franken in Berlin - ich bin gespannt.

Franken in Berlin – ich bin gespannt.

Ich bin gespannt auf meinen nächsten Besuch in Berlin, denn dann wird wohl das Tuchers Bratwursthäusle eröffnet sein. Original Nürnberger Wirtshauskultur empfängt mich dann Tuchers Bratwursthäusle an der Sredzkistraße 30, im Prenzlauer Berg.
Als ich unlängst vorbeischaute, war das Restaurant noch geschlossen, aber bereits perfekt eingerichtet. Die lieben Fans von Franken müssen sich noch ein paar Tage gedulden, bis sie fränkische Kultur im preußischen Berlin genießen dürfen. Das Restaurant wird von Wirtin Kerstin Lindenberg geführt.


Nett war es aber schon zu sehen, wenn Berliner durch das Fenster schauten und die fränkischen Sprüche zu lesen versuchten. abwaddnunda wörstdlaessn – zu deutsch etwa Abwarten und Wurst essen. Und was heißt denn wohl diegebodsdach wännaaned jünger?
Also ich freu mich auf das Tuchers Bratwursthäusle und meine Berliner Leser können ja mal schreiben, ob das Tuchers Bratwursthäusle mittlerweile eröffnet hat. ich bestell schon mal Drei im Weckla.

Persönlicher Nachruf: Klaus Kreuzeder ist tot

5. November 2014

In der Nacht zum Dienstag erfuhr ich vom Tod von Klaus Kreuzeder. Der 64jährige war ein wichtiger deutscher Jazzer, wohnte in München am Stiglmaierplatz und war Meister am Saxophon.
Ich traf den an einen Rollstuhl gefesselten Klaus Kreuzeder zum ersten Mal bei meiner Tätigkeit für die Fürstenfeldbrucker Lokalausgabe des Münchner Merkurs. Er gab ein Konzert in Germering und eigentlich hatten wir einen hervorragenden Jazz-Musiker als Redaktionsmitglied als idealen Berichterstatter. Doch er konnte aus irgendeinem Grund nicht und so sollte ich über das Konzert berichten. Als junger Journalist durfte ich hinter die Bühne in den Backstage-Bereich und ging auf Kreuzeder vor dem Konzert zu. Das war natürlich ein Fehler, einen Künstler und sei er noch so ein Profi wie Kreuzeder vor dem Konzert zu stören. Klaus Kreuzeder schmiss mich kurzerhand raus. Er meinte aber grinsend, ich könne nach dem Gig gerne vorbeikommen. Tat ich dann auch.
Klaus Kreuzeder war im Gespräch mit seinen Gitarristen Henry Sincigno und winkte mich freundlich hinter die Bühne. Sein Ärger war verflogen und wir sprachen über seine fränkischen Wurzeln und seine erste Jazzrock-Band Aera. Er lenkte geschickt das Gespräch auf sein aktuelles Duo sax as sax can, indem er mit Henry Sincigno spielte. Ich wollte mehr über die alten Haudegen Eberhard Schoener wissen, doch Kreuzeder sprach mehr über die Gegenwart als über die Vergangenheit. Zum Abschied schenkte er mir noch eine von ihm und Henry Sincigno signierte CD Saxappeal.

Klaus Kreuzeder und Henry Sincigno unterschrieben ihre CD für mich.

Klaus Kreuzeder und Henry Sincigno unterschrieben ihre CD für mich.

2011 traf ich Kreuzeder wieder. Er war zur Eröffnung der IHM – Internationale Handwerksmesse engagiert und spielte drei, vier Lieder. Ich glaube, die meisten der anwesenden Handwerksfunktionäre wussten gar nicht, wen sie dort auf der Bühne vor sich hatten. Der Vollblutmusiker zog den Hut in sein Gesicht und versank in seiner Musik, nahm die Welt um ihn nicht wahr. Mit dem iPad drehte ich ein paar Songs mit, die die Intensität des Musikers zeigen.
Nun ist Klaus Kreuzeder verstorben. 2013 hörte der mit der Musik auf, der Krebs bedrohte sein Leben. Aus Geldnöten verkaufte er einen Teil seiner Instrumente, Er widmete sich dem Update seiner Autobiografie Glück gehabt. Nun hat Klaus Kreuzeder den Kampf gegen den Krebs verloren. Gerne hätte ich mit ihm über seine Musik mit Eric Clapton, Stevie Wonder, Gianna Nannini, Konstanin Wecker und Udo Lindenberg gesprochen. Dazu wird es nicht mehr kommen. Danke Klaus für deine Musik.