Bayerische Schultaschen in Togo verteilt

12. Oktober 2018

Bei uns in Bayern hat vor kurzem die Schule begonnen. K1 und K2 haben die Schultaschen vom vergangenen Schuljahr weiter benutzt, aber die Taschen aus den Vorjahren haben wir gespendet: Unsere Familie unterstützt bei uns im Dorf die Aktion PiT Togohilfe Maisach. Und wir waren nicht allein, denn viele, viele Schulkinder haben ihren Schulranzen für Togo gespendet.

Margret Kopp verteilt die Schultasche in Togo. Foto: Togohilfe

Margret Kopp verteilt die Schultasche in Togo. Foto: Togohilfe

Jetzt wurden die Spenden in Togo von der Vorsitzenden der Maisacher Togohilfe übergeben. Margret Kopp befindet sich gerade in Togo und erlebt hautnah die strahlenden Augen der glücklichen neuen Ranzenbesitzer. Die jeweils Schulbesten in den Grundschulen auf dem Land, die Aktion PiT-Togohilfe mit Schulbauten, Schulkantinen und dem KiSS-Programm zur Schulspeisung unterstützt, konnten diese wertvollen Spenden in Empfang nehmen.
Diese kleine Geste hat große Wirkung, denn die Kinder strengen sich sehr an, um zu den Schulbesten zu gehören und eine richtige Schultasche zu bekommen, wodurch sich das Gesamtniveau dieser Schulen hebt. „Trotz der schwierigen Lehrsituation kommen aus unseren Dorfschulen Schüler und Schülerinnen mit ausgezeichneten Ergebnissen, die ihnen den Übertritt in die Sekundarschulen eröffnen“ versichert Margret Kopp zufrieden. Oft können die Kinder jedoch das Collège auf Grund der hohen Schulkosten dennoch nicht besuchen. Für diese begabten Kinder sucht die Togohilfe daher nicht nur Schulranzen, sondern auch Paten, die die begabten Schüler bei ihrer weiteren Schullaufbahn begleiten. Mein Unternehmen redaktion42 hat zwei Patenschaften in Togo. Anstatt Geschenke für Geschäftspartner spende ich für Togo und ich bitte euch, eine Patenschaft für Togo zu überlegen. Nur 1,-€ pro Tag kostet so eine Patenschaft. Detaillierte Infos bekommt man unter www.aktionpit.de oder 08141/5272268.

Kein einziger Top-50-Influencer aus Ostdeutschland

11. Oktober 2018

Vor kurzem war der Tag der deutschen Einheit und anlässlich diesen Feiertages hat die Redaktion des Online-Portals Wintotal.de etwas herausgefunden, was mich verwirrt: Unter den wichtigsten deutschen Instagram-Stars sei kein einziger Ostdeutscher. Ich kann es kaum glauben, muss es aber wohl so hinnehmen.
Die Redakteure von wintotal.de wollten wissen: Woher kommen die erfolgreichsten Influencer und wie viele davon aus den alten bzw. neuen Bundesländern? Als Vorsitzender des Bloggerclubs habe ich hohes Interesse an validem Zahlenmaterial.
Zu diesem Zweck hat die Redaktion die Geburtsorte der 50 Instagrammer mit den meisten Followern analysiert. Das Ergebnis: Kein einziger der Top-Influencer kommt aus den neuen Bundesländern!


“Wir hatten durchaus damit gerechnet, dass weniger Top-Instagrammer aus dem Osten kommen, – schließlich hat Ostdeutschland auch deutlich weniger Einwohner als die alten Bundesländer. Dass aber unter den Top 50 der Instagrammer kein einziger Influencer in Ostdeutschland geboren wurde, hat uns dann doch extrem überrascht”, teilt Désirée Rossa, die Leiterin der Studie, mit. Eine Vermutung nach einem Grund nannte die Dame auch: Es könnte zum Beispiel die schlechtere Internetversorgung im Osten sein. Anscheinend sind die Ostdeutschen deutlich benachteiligt, was die Selbstvermarktung im Netz angeht.

Die meisten Top-Influencer kommen aus Nordrhein-Westfalen
Absoluter Vorreiter als Wiege der Influencer ist Nordrhein-Westfalen! 15 der Top 50 kommen von hier. Interessant: Nur sechs davon stammen aus den Metropolen Köln (4, u.A. Bibi Heinicke von bibisbeautypalace, 6,1 Mio. Instagram-Follower) und Düsseldorf (2, darunter Dagmar Kazakov alias Dagi Bee, 5,5 Mio. Follower).
Auch kleinere westfälische Städte wie Bielefeld (nein, den Witz mache ich jetzt nicht), Aachen, Minden oder Weilerswist haben erfolgreiche Instagrammer hervorgebracht.

Top-Geburtsstadt für Influencer: Hamburg!

Die Top-Geburtsstadt für Influencer ist aber Hamburg: 10 der Top 50 sind von hier, darunter auch Größen wie Shirin David (deutschlandweit Platz 5 bei der Followerzahl, 4,2 Mio. Follower) oder Toni Mahfud (Platz 9, 3,5 Mio Follower).
Die erfolgreichsten Influencer überhaupt kommen aber von anderswo: Die singenden Zwillinge Lisa und Lena mit 13,8 Millionen Instagram-Followern sind in der Nähe von Stuttgart geboren.


Aus den beiden anderen Stadtstaaten kommt hingegen kein Influencer in der Top-50-Liste. “Dass kein einziger der Influencer aus der Hauptstadt Berlin kommt, hat uns erstaunt, zumal die Stadt für ihre kreative Atmosphäre bekannt ist und sogar eine eigene Influencer-Akademie bietet”, so Redakteurin Rossa.
“Insgesamt fällt bei der Untersuchung eine starke Polarisierung auf: Nach dem All-or-Nothing-Prinzip sind einige Orte massiv vertreten, während viele andere gar keine Influencer hervorgebracht haben”, erläutert Rossa die Ergebnisse.
Wie gesagt, ich habe die Zahlen der Studie nicht überprüft. Ich bin erstaunt über die Ergebnisse und bin an eurer Meinung interessiert. Ich selbst schneide im Vergleich zu den vorgestellten Kolleginnen und Kollegen eher schlechter ab, freue mich aber dennoch über Klicks.

Langzeittest Freizeitschuhe Merino Runners von Giesswein

10. Oktober 2018

Facebook-Werbung wirkt – zumindest bei mir. Facebook weiß, dass ich Schuhe gerne mag und das soziale Netzwerk blendet mir immer wieder Angebote von Schuhherstellern ein, meist ist es aber langweiliges Zeug. Die Schuhe der Firma Giesswein aus Österreich weckten aufgrund der bunten Farben meine Aufmerksamkeit, schließlich mag ich vor allem rote Schuhe.

Ein schönes Rot haben die  Merino Runners von Giesswein.

Ein schönes Rot haben die Merino Runners von Giesswein.

Hin und her überlegte ich mir, ob ich die Merino Runner kaufen sollte. Schuhe aus Merino-Schafwolle hab ich noch nicht und da Facebook mir einen Aktionscode präsentierte, schlug ich zu. Einfach mal ausprobieren, dachte ich mir.
Ein paar Tage später trafen die roten Merino Runner bei mir ein.

Die Schuhe sind extrem leicht und sehen auch bequem aus. Anprobiert und ein, zwei Tage herumgelaufen – mal mit, mal ohne Socke. Die Wollschuhe riechen nicht. Mir gefallen die Schuhe von der Farbe, doch ein Problem hatte ich: Sie sehen etwas ökomäßig aus. Eleganz ist etwas anderes. Ich kann die Schuhe in meiner Freizeit wunderbar tragen, aber zu offiziellen Terminen und bei meinen Seminaren, wo ich vor vielen Zuhörern vortrage, will ich lieber etwas offizielleres Tragen: Im Moment liebe ich die Marken Lloyd und Mascolori.

Ich mag Schuhe von Lloyd, aber aufgrund eines gequetschten Zehs passe ich nicht richtig rein.

Ich mag Schuhe von Lloyd, aber aufgrund eines gequetschten Zehs passe ich nicht richtig rein.

Doch dann passierte mir ein Unfall. Beim Aufräumen der Terrasse knallte der Betonsockel des Sonnenschirms auf meine rechte Fußzehe. Blut spritze, der Schmerz war höllisch und ich verbrachte die halbe Nacht in der Notaufnahme des Kreiskrankenhauses Fürstenfeldbruck. Für den Unfallarzt, der tagtäglich schlimme Verletzungen sieht, war mein Zeh wohl eher eine Kleinigkeit – für mich war es eine schmerzhafte Sache. Gott sei Dank nur gequetscht, nicht gebrochen. Aber der Zeh musste regelmäßig verbunden werden. Und dadurch wurde der Fuß dicker und passte in keinen meiner Standardschuhe. Das ist echt ein Problem: Der dicke Fuß mit Verband passte nicht in mein modisches Schuhwerk. Einzig die japanischen Vibram FiveFingers Furoshiki und meine Giesswein Merino Runners passten.
Es kamen die ersten Geschäftstermine. Absagen ist als Freiberufler nicht besonders sinnvoll, denn Geld fließt nur für Leistung. Die Furoshiki gehen absolut nicht zum Anzug, also trug ich meine Merino Runners von Giesswein. Das knallige Rot fiel auf und ich wurde auf die Schuhe immer wieder angesprochen. „Das sind doch die Schuhe aus der Facebook-Werbung“, erklärte mir sogar ein Seminarteilnehmer. Ich muss zugeben, dass ich mich trotz Freizeitlook an den Füßen recht gut schlug. Mein erster offizieller Termin war mit der Bundesministerin für Digitales Dorothee Bär, die mich gleich auf die Schuhe angesprochen hat. Hier ist das Interview für den Bloggerclub.

Ministerin Dorothee Bär fielen die Schuhe sofort auf.

Ministerin Dorothee Bär fielen die Schuhe sofort auf.

Die Schuhe sind fabelhaft zum Tragen, leicht zu verstauen und die Farben sehen prima aus. Nach zwei Wochen ist allerdings das aufgenähte Logo von Giesswein an einem Schuh abgegangen – nun, damit kann ich leben.

Das Logo von Giesswein verabschiedete sich schnell.

Das Logo von Giesswein verabschiedete sich schnell.

Im Laufe der Zeit wurden die Schuhe staubiger, das Rot stumpfte ab und ich warf Schuhe bei 30 Grad in die Waschmaschine. Ganz sauber wurden sie nicht, aber wieder ansehbar und tragbar. Zum Trocken stellte ich die nassen Wollschuhe mit Spanner nicht in die Sonne, sondern an einen geschützten Ort. Zwei, drei Tage brauchten die Merino Runner bis sie vollkommen trocken waren.

Ab in die Waschmaschine, aber nicht in die Sonne.

Ab in die Waschmaschine, aber nicht in die Sonne.

Um die Zeit zu überbrücken, bestellte ich mir ein grünes Paar in meiner Größe. Der Zeh heilte nur langsam, schmerzte immer wieder und einmal trug ich meine eleganten Treter, aber es war nicht auszuhalten. Ich muss noch ein wenig die Merino Runners tragen bis der Zeh ganz verheilt ist.

Ein zweites Paar in Grün muss her bis der Zeh verheilt ist.

Ein zweites Paar in Grün muss her bis der Zeh verheilt ist.

Bei der Kickstarter-Kampagne ordnete ich jetzt die Sneakers von Giesswein. Ich bin auf die Farben gespannt. Nach meinen Schuhen mit den drei Streifen, meinen Converse und Asics kommen jetzt Giesswein-Schuhe hinzu. Ich bin gespannt, wie sich die Österreicher am Fuß beim Sport machen. Ich werde berichten – und ich freue mich, wenn dieser Dreckszeh wieder geheilt ist.

Storytelling um den Ardbeg Twenty Something 22

9. Oktober 2018

Es gibt Tage, an denen muss ich ganz schnell sein. Heute ist wieder so ein Tag, denn es ist der Tag für alle Ardbeg Committee-Mitglieder. Heute kam um 10 Uhr der limitierte Ardbeg Twenty Something 22 auf den Markt und der muss gekauft werden.
Das Ardbeg Committee ist so eine Art Trinkergemeinschaft – oder besser Genießergemeinschaft – des schottischen Whisky-Herstellers Ardbeg, der um seine Getränke eine Riesen Sause macht. Hier kommt nicht einfach eine neue Abfüllung eines Getränks auf den Markt. Nein, hier wird eine Geschichte erzählt und wir wissen ja: Storytellung verkauft Produkte.

Wunderbare Geschichte um das dritte Release aus der limitierten Ardbeg Twenty Something-Reihe.

Wunderbare Geschichte um das dritte Release aus der limitierten Ardbeg Twenty Something-Reihe.

Also heute kam das dritte Release aus der limitierten Ardbeg Twenty Something-Reihe auf den Markt. Und die Geschichte dazu ist wieder schön für mich als Whisky-Liebhaber. „Der seltene, in ehemaligen Bourbon-Fässern gereifte 22jährige Single Malt ehrt alle Visionäre, die Ardbegs Geist in den dunklen Tagen der Destillerie am Leben erhielten“, heißt es in der Mitteilung von Ardbeg. Das geht mir als Fan der schottischen Destillerie runter wie Öl. Wie gerne würde ich mal den gelobten Ort im Norden Schottlands besuchen. Die Geschichte geht weiter: „In einer Zeit, als der Name der berühmten Ardbeg Destillerie anfing in Vergessenheit zu geraten, entstand dieser rare, schottische Whisky. In einer Phase der Ungewissheit der 1980er und 1990er Jahre, als die Brennblasen schon fast erloschen waren und die Zukunft der Destillerie in den Sternen stand, hatten junge Whisky-Enthusiasten einen Traum. Voller Hoffnung destillierten und legten sie einige Fässer zur Seite, um ihre Zuversicht an Ardbeg aufrechtzuerhalten.“
Und die Geschichte nahm eine gute Wendung. Ardbeg wurde durch einen Investor gerettet und der Ardbeg Twenty Something 22 wurde zur Legende. Mickey Heads, einer der Visionäre von damals und heutiger Destillerie Manager, ließ verlauten: „Stolz, Hoffnung und eine Spur Idealismus – dies waren die wichtigsten Zutaten für diesen außergewöhnlichen Whisky.“ Gebrannt im Frühjahr 1996 in der Brennblase, die heute alle Besucher am Eingang der Destillerie empfängt und eine stolze Ikone der Insel Islay ist. So werden Geschichten gemacht, nein: So werden Legenden gemacht. An der Nase erinnert der Ardbeg 22 Jahre mit seinen Aromen an Tropenfrüchte, die in süßen Rauch, Ruß und Teer übergehen. Auf der Zunge ein Mix frischer grüner Äpfel mit Streuseln. Noten von Pfefferminztee und Vanille münden in ein langes, rauchiges Finish. Der Whisky-Fan von heute flippt aus und greift tief in die Tasche für eine Flasche. Der Preis liegt bei 480 Euro die Flasche, die mit 46,4 Volumenprozent Alkohol nicht kühlgefiltert abgefüllt ist. Ihr versteht also, warum heute so ein besonderer Tag ist.

Filmtipp: Wackersdorf von Oliver Haffner

8. Oktober 2018

Der Start des Films Wackersdorf rechtzeitig vor der bayerischen Landtagswahl dürfte kein Zufall gewesen sein, geht es doch um das Aufbegehren gegen etablierte Strukturen. Da mich das Thema Wackersdorf aus mehreren Gründen interessiert, schaute ich dem Kino meiner Jugend, im Lichtspielhaus in Fürstenfeldbruck, vorbei und ließ den Film auf mich wirken. Es war eine Reise in die 80er Jahre des vergangenen Jahrhunderts und für mich war Wackersdorf der erste große Bürgerprotest im modernen Bayern gegen die Staatsregierung. Ich kannte aus dem Fernsehen zwar Proteste wie Spiegel-Affäre oder die Auseinandersetzungen gegen die Startbahn West in Frankfurt, doch Wackersdorf empfand ich anders. Hier ging der Normalbürger auf die Straße in der bayerischen Provinz um zu demonstrieren und für sein Recht auf Meinungsfreiheit einzutreten.


Als Jugendlicher war ich unsicher, was das Thema Atomenergie betraf. Ich hörte die Pro- und Contra-Argumente, war hin und her gerissen und ich vertraute darauf, dass die Staatsregierung mit der Errichtung der WAA schon wisse, was sie dort tun. Nach dem Unglück von Tschernobyl wusste ich, dass ich als Jugendlicher betrogen wurde und ich bin als 16jähriger einmal selbst in die ferne Oberpfalz mit dem Zug gefahren und hab mich dem Demonstrationszug angeschlossen. Diese Erinnerungen kamen wieder als ich mir den Film ansah. „Wehrt euch, leistet Widerstand“ lautet der Untertitel des Films Wackersdorf.
Nun im Kino meiner Jugend nahm ich die Zeitreise auf mich und tauchte in das Leben der Provinz ein. Das Setdesign des Films ist fast perfekt: Autos, Einrichtungen, Werbung, Mode, Telefone, viele kleine Details passen einfach und machen den Film authentisch. Vielleicht sind bei den Frisuren Fehler unterlaufen, denn die Achtziger waren auf dem Kopf (nicht im Kopf) wilder, aber vielleicht gab es diese haarige Wildheit nur bei uns in München und nicht in der fernen Oberpfalz.


Der Film erzählt die Geschichte des Landrats Hans Schuierer (darstellt von Johannes Zeiler), der zunächst den Bau der Wiederaufbereitungsanlage befürwortete, dann aber seinen Gewissen folgte und sich dem Protest anschloss. Schön ist die Öko-Bewegung im Film gezeichnet mit Rauschebart, Strickpulli und Agitation. Sehr genau wird die Wandlung des SPD-Landrats gezeigt, der zwischen Arbeitsplätze und Atomangst pendelte. Vielleicht etwas übertrieben werden die durchtriebenen Versuche der Atomindustrie und der bayerischen Staatsregierung gezeigt, den Landrat einzulullen und für die Sache der WAA einzunehmen. Habe ich „etwas übertrieben“ geschrieben? Nun, ich weiß nicht, ich war ja nicht dabei. Aus dramaturgischen Zwecken passt es gut, vielleicht war die Realität noch viel skrupelloser. Die Politik unter dem Ministerpräsidenten Franz-Josef Strauß in Bayern war heftiger, was ich so höre. Strauß hat viel für den Freistaat geleistet, seine Methoden waren aber manches Mal zweifelhaft. Im Fall Wackersdorf wurde für meinen Begriff der Rechtsstaat ausgehebelt und die Bürgerinnen und Bürger setzten sich zur Wehr. Ich erinnere mich, dass zu meiner Schulzeit die Buttons mit „Stoppt Strauß“ im Umlauf waren. Strauß hat das Ende seiner WAA nicht mehr mitgekommen, der CSU-Politiker erlag einem Herzanfall – vor kurzem jährte sich sein Todestag. Im Film und damals im Fernsehen habe ich erlebt, wie FJS gegen die Demonstranten gewettert hat. Das hat mich als Jugendlicher entsetzt, so redet man nicht in einer Demokratie miteinander. Und als am Ende des Kinofilms diese Dokumentaraufnahmen eingeschnitten wurden, kam das Gefühl von damals wieder hoch.
Als ich nach dem Kinobesuch mit dem Bus nach Hause gefahren bin, sah ich die Aufnahmen vom Hambacher Forst am iPhone. Sollte sich Geschichte wiederholen? Es geht nicht um Atomkraft, es geht dieses Mal um Braunkohle. Die Eifel ist weiter weg als die Oberpfalz, aber der Widerstand gegen die Abholung des Waldes durch RWE erfasst breite Schichten der deutschen Gesellschaft. „Wehrt euch, leistet Widerstand“ – so das Motto des Films.
Den Film Wackersdorf halte ich für empfehlenswert. Er wurde unter anderem mit Mitteln des FFF, also der bayerischen Filmförderung finanziert. Regisseur Oliver Haffner hat packendes Stück bayerischer Geschichte verfilmt und er hat es prima gemacht. Diese Art von neuen deutschem Heimatfilm kann sich sehen lassen.
In wenigen Tagen wird das Buch Hans Schuierer: Symbolfigur des friedlichen Widerstandes gegen die WAA von Oskar Duschinger erscheinen. Mal sehen, ob ich vom Verlag ein Rezensionsexemplar erhalte, um dieses Buch zu besprechen. Die Geschichte des Landrats Hans Schuierer hat mich neugierig gemacht.

7. Todestag von Steve Jobs – eine Comic-Biografie

5. Oktober 2018

Am 5. Oktober 2011 verstarb der visionäre Geist Steve Jobs von Apple. Jedes Jahr erinnere ich an den Todestag dieses US-Unternehmers, der meine Welt veränderte. Jedes Jahr suche ich Geschichten um Steve Jobs. Zunächst dachte ich, ich schreibe über das Steve Jobs Theater im neuen Campus von Apple, aber leider war es mir bisher nicht vergönnt, die neue Präsentationsbühne von Apple zu besichtigen.

Zur September Keynote 2018 gab es einen humorvollen Trailer, der das Steve Jobs Theater zeigt, in dem die Veranstaltung stattfand.

Bei all der Trauer um den Verlust von Steve Jobs will ich an seinem Todestag an eine besondere Biografie über ihn erinnern. Ich habe aus den ganzen Haufen der Biografien die Comic-Biografie Steve Jobs – Das wahnsinnig geniale Leben des iPhone-Erfinders von Jessie Hartland herausgezogen. In humorvollen Schwarzweiß-Zeichnungen wird fast fehlerfrei über das Leben und Werk von Steve Jobs berichtet. Als humorvolle Beschreibung vom Fischer-Verlag, bei dem das Buch erschienen ist, steht zu lesen: „Diese Graphic Novel ist das iPhone unter den Comic-Biografien. Alles andere sind bloß Telefone.“

Eine wunderbare Steve Jobs Bio als Comic.

Eine wunderbare Steve Jobs Bio als Comic.

Natürlich sind die 234 Seiten des Buches an einem Nachmittag schnell gelesen. Ich finde es in diesem Fall toll, wenn Information mit Unterhaltung einherkommen. Die Zeichnungen sind reduziert, keine aufwendige Graphic Novel wird uns angeboten, sondern Schwarzweiß ohne Schattierungen. Die Texte und Bilder treffen sehr schön die Person Steve Jobs und sein oftmals eigensinniges Auftreten. Die anderen Personen von Apple wie der andere Steve, Jobs Freundin mit der Lisa zeugte, die Eherau Laurene samt Kinder, Jony Ive und das Apple Management werden nur schemenhaft darstellt – hier sehe ich keine Wiedererkennung. Das Buch dreht sich um Steve Jobs und nur um Steve Jobs und es hätte Steve Jobs auch gut gefallen. Ich gedenke heute seiner Taten mit diesem Comic Steve Jobs – Das wahnsinnig geniale Leben des iPhone-Erfinders .

Raphael Müller – erfolgreicher Buchautor mit Epilepsie und Autismus

2. Oktober 2018
Raphael Müller mit seinem Betreuer Wolfgang Fässler. Raphael Müller mit seinem Betreuer Wolfgang Fässler.

Raphael Müller liest, schreibt und dichtet gerne – und Raphael Müller ist ein erfolgreicher Buchautor. Er ist ein besonderer Junge mit seinen 19 Jahren. Raphael Müller sitzt im Rollstuhl und hat Epilepsie und Autismus und er nimmt an einem Schülerzeitungsseminar von mir teil. Das finde ich großartig und es hat mich tief beeindruckt. Schon vor seiner Geburt erlitt Raphael einen Schlaganfall. Sich und seine Umwelt nimmt er oft nur verschwommen wahr.
Raphael Müller besucht mit seinem Begleiter Wolfgang Fässler die Uni Augsburg und ist am Deutschherren-Gymnasium in Aichach Mitglied der Schülerzeitung Ventil, die vergangenes Jahr den Schülerzeitungspreis „die Raute“ der Hanns Seidel Stiftung gewonnen hat. Fässler ist gelernter Erzieher und Altenpfleger, der vom Bezirk Schwaben bezahlt wird.
In meinem Schülerzeitungsseminar arbeitet Raphael Müller als vollwertiges Mitglied und steuert ein Gedicht zur achtseitigen Seminarzeitung bei. Das Thema ist Stress. Mittels gestützter Kommunikation (FC) kann er sich schriftlich verständigen.

Stress – ein Modewort unserer Zeit
Landauf – landab hetzen die Menschen durch die Zeit.
Entspannung ist ein Fremdwort für viele Leut.
Heutzutage finden wenige den Ort der Ruhe und Geborgenheit.
Dabei ist das Glück so nahe, kaum einen Steinwurf weit.
Wo die Reise hinget, findet in unserem Denken statt.
Ob wir stehen oder fallen, entscheiden wir.
Auch unsere Worte fallen ins Visier.
Das was wir sagen ist jeden Tag unser Bier.
Lasst uns Stress positiv angehen,
Hinter den Bergen Lösungen sehen.
Dann kann das Leben wieder Freude bringen,
Und wir können mit den Vögeln Freudenlieder singen.

Das Gedicht von Raphael Müller. Das Gedicht von Raphael Müller.

Und er ist ein Profi in Sachen Literatur. Mit seiner Behinderung hat er zahlreiche Bücher und Gedichte veröffentlicht. Sein Output ist bemerkenswert.
Bis zum Vorschulalter war der Außenwelt nicht klar, dass Raphael Müller hochbegabt ist. Er konnte bereits zu diesem Zeitpunkt Lesen und Rechnen. Dank dem so genannten gestütztem Schreiben kann er Kontakt aufnehmen und sich mitteilen. Betreuer Wolfgang Fässler hilft ihm, die Tasten auf dem iPad zu bedienen. Ohne Digitalisierung wäre diese Art von Inklusion nicht möglich. Er besucht Autorenzirkel und Veranstaltungen an der Augsburger Uni.
Heute ist Raphael Müller eine Berühmtheit in der Literaturszene.

Arbeiten am iPad - gestützte Kommunikation. Arbeiten am iPad – gestützte Kommunikation.

2008 wurde sein Gedicht „Der Augenblick“ in der Anthologie der Brentano-Gesellschaft Frankfurt/M. veröffentlicht. Ein Jahr später „Das Dichten“ in der Anthologie „Beste Gedichte 09/10“. 2009 wurden im Gedichtband „Waldwege“ 15 seiner Gedichte gedruckt. Mit 14 Jahren verfasste er seine Biografie „Ich fliege mit zerrissenen Flügeln“, die 2017 auch in französischer Sprache erschien. Ab 2015 wurden die Fantasiegeschichten „Asa und Gasa“ mit ihren „Abenteuern im Land der Zwerge“ im Fontis-Verlag veröffentlicht. Der Fontis-Verlag ist ein Ableger des christlich geprägten Gießener Brunnen Verlags. In seinem Buch beschreibt er sein Gefühl, im eigenen Körper gefangen zu sein, ohne die Möglichkeit zu sprechen, zu gestikulieren oder sich frei bewegen zu können. Die Leseprobe, die sein Betreuer Wolfgang Fässler an mich verteilt hat, hat mich beeindruckt, nachdenklich gemacht. Raphael Müller will zum Nachdenken über Inklusion anregen und gibt zu verstehen: „Ich will nicht in einem Ghetto leben“.
Beim Schreiben drückt er sich oft in Gedichtform aus, wie in meinem Schülerzeitungsseminar. „Das ist meine Art der Welterklärung, und Gereimtes kann ich mir zudem besser merken.“

Erpressungstrojaner tarnt sich als Bewerbungsmail

1. Oktober 2018

Der Mittelstand leidet unter dem Fachkräftemangel und ist um Bewerbungen auf offene Stellen dankbar. Das wissen auch Erpresser und versenden im großen Stil Trojaner-Mails, die als Bewerbung getarnt sind. Der Inhalt ist aber kein Lebenslauf, sondern ein Erpresservirus, der den Rechner lahmlegt und kapert. Erst nach der Zahlung eines Lösegeldes wird der Rechner wieder freigegeben.

So sieht die falsche Bewerbungsmail aus.

So sieht die falsche Bewerbungsmail aus.

Bei mir hat sich via E-Mail beispielsweise eine Julia Sammer auf einer offene Stelle bewerben. Nur: Ich habe als Einzelunternehmer gar keine offene Stelle ausgeschrieben. Im Anschreiben heißt es: „Warum ich mich die Stelle optimal ausfüllen kann und Ihrem Unternehmen durch meine Erfahrungen im Vertrieb und in der Kundenbetreuung zahlreiche Vorteile biete, entnehmen Sie bitte meinen ausführlichen und angehängten Bewerbungsunterlagen.“ Dann hängt ein sympathisches Bewerbungsfoto und eine zip-Datei an der Mail. Naja, Julia Sammer taucht im Netz auch mal als Julia Niederbach auf. Die Julia ist ein Fake und noch schlimmer, Julia ist ein Verschlüsselungstrojaner mit Namen Trojan:Win32/Vigorf.A, der Windows-Rechner in seine Gewalt bringt. Wer die verpackte exe-Datei öffnet, dessen Rechner wird verschlüsselt und wird teuer zur Kasse gebeten.
Da ich viele mittelständische Kunden aus dem Handwerksbereich habe, habe ich sie in einer ersten Mail vor dem Öffnen des Anhangs gewarnt. Jetzt möchte ich diese Warnung auch als Blogpost veröffentlichen.
Also liebe Mittelständler: Gebt diese Warnung an eure Personalstelle und Mitarbeiter weiter. Anhang nicht öffnen und gleich löschen.
Das waren noch Zeiten, als Viren in Mails voller Rechtschreibfehler verschickt wurden. Aber auch Erpresser haben dazugelernt, wie wir bei Julia Sammer lernen.

Meine Eindrücke von der neuen S-Bahn in München

29. September 2018

Die neuen Züge für die S-Bahn in München sind schon seit Juli im Einsatz, doch ich kam jetzt erst in den Genuss einer Fahrt. Als genervter Pendler des Münchner Verkehrsverbunds MVV bin ich auf die S-Bahn angewiesen, die mich zum Hauptbahnhof München bringt. Es vergeht kaum ein Tag, an dem es keine kleine und großen Probleme mit dem überlasteten und völlig veralteten ÖPNV-System gibt. Die Deutsche Eisenbahngesellschaft will die S-Bahn modernisieren und hat neue Züge in Dienst gestellt. Nachdem ich schon viel gelesen hatte, konnte ich nun die Züge ausprobieren.

Ich bin in Olching und nicht am Rosenheimer Platz.

Ich bin in Olching und nicht am Rosenheimer Platz.

Hier meine Beobachtungen: Es ist gegen 12:15 Uhr als ich am Hauptbahnhof in einen neuen Zug der Linie S3 einstieß, der mich ins Heimatdorf bringen soll. Was mir als erstes auffällt: Das Licht in den Zügen ist deutlich heller als vorher. So sauber habe ich die Münchner S-Bahn noch nie gesehen. Ich habe das große Glück, dass der Zug fast komplett leer ist, ein paar Touristen und ein paar Schulkinder sind unterwegs. Die üblichen Faschingsfreunde im schrillen Landhaus-Look machen sich die eine Station zur Wiesn auf. Als wir aus dem Tunnel herausfahren und die Hackerbrücke mit den Wiesn-Volk hinter uns gelassen haben, schaue ich mir die Bahn genauer an. Es ist mehr Platz zum Stehen und weniger Platz zum Sitzen. Die eingezeichneten Abstellflächen für Koffer werden sicher in der täglichen Rushhour ignoriert. Aber das Gepäck soll ja nicht im Weg herumstehen, sondern unter den Sitzen verstaut werden. Die Sitze sind schwebend und bieten unter der Sitzfläche Stauraum. Es sind aber weniger Sitze und größere Durchgänge. Bei den Ausstiegen gibt es noch Möglichkeiten sich festzuhalten, wie wir es in den neuen U-Bahn-Zügen des MVG kennen. Hier habe ich Sommer wie Winter Handschuhe an, denn die kleinen Bakterien sitzen sicher da herum und warten auf neue Wirte.

Am Ende der Züge sind Mehrzweckbereiche für Kinderwägen, Rollstühle und eine Kuschelecke. Die kann ich leider nicht fotografieren, weil Schulkinder sich breit gemacht haben. Sie haben sich längst hingelegt. Dort sollen in Sitzecken die Familien und Gruppen fahren, was ich von der Idee für richtig halte, in der Praxis bei dem enormen Fahrgastaufkommen ist es völlig unrealistisch. Vielleicht schaffe ich es einmal mit meiner Familie gemeinsam dort zu sitzen, wenn die S-Bahn bei uns im Dorf eingesetzt wird. Sobald die ersten Stationen angefahren werden, sind die Eckplätze belegt.
Neu sind auch die elektronischen Monitore. Hier sollte eigentlich der Fahrplan des Zuges angezeigt werden, zudem die Uhrzeit. Ich habe sollte geschrieben, denn das System funktioniert auf meiner Fahrt bis auf die Uhrzeit nicht. Ich befinde mich auf der S3 Richtung Westen und mein nächster Halt ist Olching. Das Display zeigt allerdings Rosenheimer Platz – es zeigte die ganze Fahrt Rosenheimer Platz, was die anwesenden Touristen sichtlich verwirrt. Also auf Englisch den Herrschaften den Weg erklären. Durchsagen in Deutsch und Englisch gibt es in dem Zug nicht – ich weiß nicht, ob die in den neuen Zügen abgeschafft wurden oder ob es mal wieder eine Panne war.

Als ich meine Tour durch den neuen Zug beendete und meine leere Brotzeittüte in einen Abfalleimer werfen wollte, erlebe ich eine Überraschung. Ich finde keinen Abfalleimer. Der MVV hat wohl aus Kostengründen darauf verzichtet, denn Reinigungspersonal kostet Geld. Die Bahnfahrer sollen ihren Müll einpacken und mitnehmen. Theoretisch möglich, praktisch unmöglich, denn der Mensch ist ein Schwein. Also rollen Bierflaschen beim Anfahren durch den Zug., schließlich ist ja Wiesn und man muss billig vorglühen.
Ich bin noch unentschlossen, was ich von den neuen Zügen halten soll. Das Display mit den falschen Anzeigen kann ich nicht als Kinderkrankheit abtun, denn dafür ist das System schon lange im Einsatz. Ich bin gespannt, wann ich mal in einer vollen Bahn fahre, die mal wieder in der Stammstrecke liegen bleibt, weil das System so marode ist. Ich bin dann gespannt, wie die Menschen in der Heringsdose reagieren, wenn es weniger Sitzplätze gibt und sie deutlich mehr aneinander kleben. Hier bei mir im Test war der Zug fast leer. Nun, was mich wirklich freut, ist das hellere Licht in der Bahn. Vielleicht geht den Verantwortlichen ein Licht beim ÖPNV auf – zu wünschen wäre es ihnen, denn der Verkehrsinfakt in München ist da.

Filmtipp: Dressed to Kill von Brian de Palma

28. September 2018
Schockierend damals und heute: Dresses to kill ist auf Plural erschienen.

Schockierend damals und heute: Dresses to kill ist auf Plural erschienen.

Die frühen Filme von Brian de Palma mochte ich immer gerne. Ich bin ein großer Fan von Carrie, die Schwestern des Bösen, Teufelskreis Alpha oder Schwarzer Engel – alles Klassiker des modernen Horror- und Psychothrillers. Als dann Dressed to Kill 1980 in die Kinos kam und ich mich als Jugendlicher in die Vorführung schmuggelte, war ich von der Intensität des Films überrascht. Die Mischung aus harter Gewalt und Sexualität war heftig und ich ging nachdenklich aus dem Kino meiner Heimatstadt. Was hatte ich da gesehen? Ich sah viele Elemente von Alfred Hitchcock, aber auch eine etwas dünne Story.
Irgendwann später, viel später traf ich auf dem Filmfest München den Produzenten Samuel Z. Arkoff, der diesen Film und viele B-Horrorfilme produziert hatte. Wir kamen bei einem Glas ins Gespräch und er beschwerte sich, dass Dressed to Kill in den USA von der Filmfreigabestelle so verstümmelt wurde. Er wurde so was von entschärft. In Europa hatten wir die umgeschnittene Version im Kino gesehen, in den USA lief die geschnitten Version und im Fernsehen die total entschärfte Version.
Jetzt kam der Brian de Palma-Film Dressed To Kill auf Bluray heraus und die Agentur schickte mir ein Besprechungsexemplar – vielen Dank. Schön ist auf der Bluray unter Extras der Vergleich der verschiedenen Schnittfassungen des Films.
Zur Einstimmung auf den Film holte ich mir ein altes MAD-Heft von 1980 aus dem Archiv. Dort wurde aus Dressed to Kill der Titel Gespresst für den Müll. Zudem schaute ich alte Cinema-Ausgaben durch in denen der Film damals besprochen wurde. Mit diesem Futter ausgestattet, sah ich mir die Bluray an. Von der Intensität hat der Film von 1980 nichts verloren. Das Bild ist optimal auf Bluray transferiert und der Ton passt auch. Kaum lief die Musik von Pino Donaggio, der schon die Musik von Carrie gemacht hatte und im gleichen Stil Dressed to Kill komponierte, erinnerte ich mich an meine Reaktion damals im Kino. Eine nackte Angie Dickinson als Kate Miller befriedigt sich unter der Dusche und wird in ihrer Befriedigung hart attackiert – die Kamera immer voll auf die Details. Später wird sie brutal mit einem Rasiermesser ermordet. Das Gesicht, die Kehle, der Körper wird aufgeschlitzt. So eine brutale Intensität kenne ich von italienischen Schlitzerfilmen, aber nicht so von Hollywood.
Ich kritisiere nicht die harten Gewaltszenen oder die Sexualität des Films, ich kritisiere die Jugendfreigabe von 16 Jahren. Der Film geht an Grenzen. Die Frau wird als Subjektiv der Sexualität gesehen und für meinen Begriff schafft der klassische 16jährige die Abstraktion nicht und sieht nur das offensichtliche Geschehen auf dem Bildschirm. De Palma setzt sich mit seinem Über-Ich Alfred Hitchcock auseinander und bringt das Psycho-Thema in eine neue Zeit. Themen wie Transsexualität und Geschlechtsumwandlung waren 1980 für viele noch ein Tabuthema.
Filmisch wendet Brian de Palma die Rezepte von Carrie mit gesplitteter Leinwand an. Am Ende zitiert er sich selbst, wenn die Prostituierte Liz Blake, dargestellt von de Palmas damaliger Ehefrau Nancy Allen im Kleid und mit der Musik von Carrie ermordet wird und aus dem Alptraum erwacht.
Ich liebe in diesem Film die Kamerafahrten, die ein besonderes Tempo für den Film erzeugen. So ein filmisches Tempo kennen wir im Zeitalter der schnellen Schnitte und der festen Standeinstellungen immer weniger. De Palma hat bei Dressed to Kill ein tolles Händchen für die Einstellungen der Kamera. Die Kamera nimmt am Geschehen der Akteure teil. Nur zehn Jahre später bei Fegefeuer der Eitelkeiten ist die Kamera noch besser eingesetzt. Die späteren Filme von ihm wie Mission Impossible sind dagegen Hollywood-Standard ohne großer Kameraarbeit.
Großartig ist die Darstellungskunst von Michael Caine als Dr. Robert Elliott. Er macht nicht auf Norman Bates, sondern wir nehmen ihm die dissoziative Identitätsstörung ab. Caine kann einfach schauspielern und das ist gut zu sehen.
Was mich 1980 noch fasziniert hatte, ist 2018 dagegen lächerlich: die technischen Basteleien von Peter Miller, dargestellt von Keith Gordon. Er faselt was von Binärcode und Computern – hier ist der Film überholt. Als Jugendlicher fand ich die blinkenden Lichter der Schaltkreise chique, heute amüsieren sie mich nur noch.
Alles in allem war es gut, dass Dressed To Kill auf Bluray erschienen ist. Bei all den Veröffentlichungen von alten Material ist dieser Film eine cineastische Wohltat, wobei ich den Streifen erst ab 18. Jahren freigegeben hätte.