Der Traffic meines Blog geht ein wenig zurück seitdem KI in der Welt das draußen eingesetzt. Jetzt habe ich das Glück, dass ich in meinem Blog Dinge aus persönlicher Sichtweise berichte und kommentiere, so dass mich der KI-Trend nur am Rande betrifft. Wie dramatisch muss es bei Informations- oder Firmenseiten sein, wenn Browser mehr und mehr auf KI-Elemente setzen?
Google hat seinen KI-gestützten Suchmodus auf weitere Länder ausgeweitet. Seit dem 8. Oktober ist die Funktion nun auch in Deutschland, Österreich und der Schweiz verfügbar. Diese Einführung ist Teil eines umfassenden internationalen Rollouts, der über 40 neue Länder und 36 zusätzliche Sprachen abdeckt. Nutzer können den neuen Modus direkt über die Google-Startseite, die mobile App oder innerhalb der Suchergebnisse aktivieren.
Der KI-Suchmodus erweitert die klassische Google-Suche um intelligente Funktionen, die besonders bei komplexen oder erklärungsbedürftigen Fragen hilfreich sind. Zum Einsatz kommt dabei eine angepasste Version der Gemini-Sprachmodelle. Suchanfragen werden in einzelne Bestandteile zerlegt, analysiert und parallel verarbeitet, um tiefere und präzisere Antworten zu liefern – ohne dass mehrere Suchvorgänge nötig sind.
Ich will jetzt gar nicht auf die Kritik dazu eingehen, wie sie in den USA bei der Premiere auftauchten, weil unter anderem fehlerhafte und teils absurde Antwortvorschläge in den automatisierten Kurzüberblicken erschienen.
Für viele Suchende im Web reichen die KI Antworten aus und surfen nicht mehr auf die aufgelisteten Website. Dort bricht der Traffic ein und wer seine Seite mit Werbung finanziert, der verliert Reichweite und dadurch Geld.
Meine Vermutung werden jetzt von anderen bestätigt. Deutsche Unternehmen verlieren 7 % ihres Google-Traffics. Laut einer Analyse der Münchner Online-Marketing-Agentur Seokratie ist der Anteil der Websitebesucher, die über Google kamen, im Vergleich zum Vorjahr deutlich gesunken. Gleichzeitig wächst der Traffic über KI-Tools wie ChatGPT um das Siebenfache. Grundlage der Untersuchung waren anonymisierte Traffic-Daten von mehr als 100 deutschen Unternehmenswebsites mit insgesamt fast 70 Millionen Website-Besuchern.
Betrachte ich mein eigenes Verhalten. Ich suche deutlich mehr mit ChatGPT und Perplexity als mit Google. Beim Suchmaschinenriesen müssen die Alarmsignale läuten, wenn diese Entwicklung zu einem Massenphänomen wird. Es ist im Moment nur eine private Beobachtung, die von der Agentur bestätigt wird. Trotz des Wachstums bleibt ChatGPT in Deutschland bislang ohne nennenswerte Bedeutung für Website-Traffic. Der Anteil stieg zwar um das 7,4-Fache, von 0,08 % auf 0,66 %, bleibt aber auf niedrigem Niveau. „Noch hat der Traffic über ChatGPT keine Relevanz“, so die Münchner Online-Marketing-Agentur Seokratie.
Sie kommt zum Fazit: „Erstens verlangsamt sich die Verbreitung von ChatGPT erheblich. Zweitens integriert Google ChatGPT-ähnliche Funktionen direkt in die eigene Suche. Und drittens wissen Nutzer inzwischen, dass ChatGPT für die Suche nach konkreten Produkten oder Dienstleistern nicht die erste Wahl ist. Langfristig wird eher Google ChatGPT gefährlich als umgekehrt.“ Ich bin mal gespannt.
Gefühlt eine Ewigkeit habe ich auf die überarbeitete Version dieser Konzertaufnahmen gewartet. Zum 85. Geburtstag von John Lennon erschien eine fast komplette Aufnahme der One to One-Konzerte vom 30. August 1972. Ich bin happy, aber nur fast.
Es gibt kaum Lennon-Konzerte als offizielle Veröffentlichung. Ich hüte meine LP, Laserdisc und CD Live in New York wie meinen Augapfel. Ich mag die Atmosphäre des Konzerts zugunsten geistig behinderter Kinder im Maison Square Garden. Allerdings war die Abmischungsqualität des damaligen Albums eher bescheiden. Ich hatte immer auf eine bessere Qualität und mehr Material gehofft.
Nun ist endlich soweit: Yoko Ono hatte Erbarmen und braucht wohl wieder Geld. Jetzt ist Power to the People von John & Yoko/Plastic Ono Band erschienen. Der Sound ist wirklich grandios. Kein Vergleich zu meiner alten Aufnahme. Hier haben die Tontechniker großartige Arbeit geleistet. Neben LP erschien noch eine fette CD-/Bluray-Editon, allerdings ohne den Konzertfilm. Der soll wohl noch später kommen, um uns Fans weiter zu melken. Einige Videos wurden ja bereits veröffentlicht – wunderbare Bilder hab ich im Juli in den seltsamen Streifen One to one im Kino gesehen.
Eigentlich könnte ich jetzt zufrieden sein. Die Aufnahmen laufen am gestrigen Erstveröffentlichungstag in Dauerschleife. Ich kann mich an John Lennon erfreuen und muss Yoko One ertragen.
Das große Aber Nun aber das große Aber: Warum sind die Aufnahmen nicht komplett? Es fehlt zum Beispiel „Woman Is the Nigger of the World“. Der Song war seinerzeit schon umstritten wegen der provokativen Ausdrucksweise, und offenbar wurde beschlossen, ihn aus dem Remix-Konzept und der neuen Zusammenstellung auszuschließen. Dabei reden wir doch von der politischen Zeit von John Lennon in New York. Viele seiner Äußerungen von damals klingen heute naiv, aber es sind für mich eindeutige Zeitdokumente aus der politischen Phase des Musikers.
Die Rechteinhaber, vor allem Sean Ono Lennon und das Lennon Estate, begründen die Entscheidung mit der gesellschaftlichen Sensibilität, Stichwort „Cancel Culture“ und mögliche Missverständnisse oder Ablehnung im Jahr 2025.
Von mir aus hätte man den Song mit einem Disclaimer versehen können, das Estate hat sich aber aus Rücksicht auf heutige Debatten dagegen entschieden. Weicheier sag ich nur. Sonstige Lieder aus dem Album „Some Time In New York City“ wie „Angela“ und „Attica State“ werden, je nach Version, ebenfalls nicht immer berücksichtigt, insbesondere in kompakten Editionen.
Ja ich freu mich sehr über Power to The People und ärgere mich über die Zensur. Was hätte wohl der politische Lennon des Jahres 1972 dazu gesagt?
Das Zentrum für Gesundheit in Maisach wird 30 Jahre alt und veranstaltet daher am Samstag 11. Oktober von 9 bis 15 Uhr einen Tag der offenen Tür in die Frauenstraße. Die Einrichtung von Barbara und Norman Dombo ist für mich der Spezialist für Physiotherapie, Rehabilitation, Prävention und medizinisches Training. Am Tag der offenen Tür lassen sich die verschiedenen Trainingsmethoden ansehen und werden fachlich erläutert.
Das Zentrum bietet ein breites Spektrum an therapeutischen Leistungen wie Krankengymnastik, manuelle Therapie, Massagen, Lymphdrainage sowie Wärme- und Kältetherapien. Ergänzt wird das Angebot durch gerätegestütztes Training mit modernen Systemen wie Milon und FIVE sowie durch diagnostische Verfahren, beispielsweise einen strahlenfreien Rückenscan. Ganz neu ist das Trainingsgerät Skillcourt. Es kommt nicht aufs Posen an, sondern auf Steigerung der Fitness. Neben der Behandlung akuter Beschwerden legt das Zentrum großen Wert auf Prävention und langfristige Gesundheitsförderung. Die Leistungen können über gesetzliche und private Krankenkassen oder auf Selbstzahlerbasis in Anspruch genommen werden. Durch die Zusammenarbeit mit Fachhochschulen und Partnerinstitutionen ist das Zentrum wissenschaftlich angebunden und überprüft regelmäßig die Wirksamkeit seiner Methoden. Es versteht sich als regionaler Partner für nachhaltige Therapie und gesundheitsorientiertes Training.
Skillcourt-Trainingsgerät in Maisach Vor kurzem fand im Zentrum für Gesundheit in Maisach ein besonderer Abend statt: Olympiamedaillengewinner Edgar Itt war zu Gast und stellte das neue Skillcourt-Trainingsgerät vor. Auch der zweite Bürgermeister Roland Müller hieß den Ehrengast willkommen und würdigte die Offenheit des Zentrums für innovative Therapie- und Trainingsmethoden.
Edgar Itt, Bronzegewinner von Seoul 1988 über die 4×400-Meter-Staffel und heute europäischer Botschafter von Skillcourt, führte lebendig in das Thema „Vigomotorik“ ein – das Zusammenspiel von visuellen, kognitiven und motorischen Prozessen. Er machte deutlich, warum modernes Training das Gehirn immer mitdenken muss: Sehen, Verarbeiten, Handeln – wer sich sicher bewegen will, braucht schnelle, präzise Entscheidungen und eine gute Ansteuerung der Muskulatur. Anhand prägnanter Alltags- und Sportbeispiele spannte Itt den Bogen von Sturzprävention und Verkehrssicherheit bis hin zum Leistungs- und Rehasport. Zugleich erinnerte er an die Bedeutung von Muskelaufbau und geistiger Aktivität über die Lebensspanne hinweg – nicht als „Belustigung“, sondern als kontinuierliches Training. Seinen kompletten Vortrag gibt es hier.
Im praktischen Teil zeigte das Team, wie Skillcourt als fehlendes Bindeglied zwischen Physiotherapie und medizinischem Training arbeitet. Das bodenintegrierte 3×3-Feld erkennt mittels Lasertechnologie jede Schritt- und Gewichtsverlagerung, die große Konsole steuert Übungen und erfasst Messdaten; eine Kamera unterstützt die Diagnostik (z. B. Schulter-Winkel nach OP). Von Return-to-Walk und Return-to-Sport über Seh-, Reaktions- und Gedächtnisübungen bis zu Entscheidungs- und Orientierungsaufgaben: Die Programme passen sich dem Leistungsstand an, liefern unmittelbares Feedback und bleiben spielerisch – für Kinder ab etwa sechs Jahren, ambitionierte Sportlerinnen und Sportler, Reha-Patientinnen und -Patienten ebenso wie für Seniorinnen und Senioren. Damit ergänzt Skillcourt Beweglichkeit, Kraft und Ausdauer im Zentrum ideal und macht Training messbar, motivierend und sicher.
Zum Abschluss informierte Norman Dombo vom Zentrum über ein konkretes Angebot: Über den § 20-Präventionskurs „SkillCoach“ (Online-Format über acht Wochen) können Teilnehmende die Methode strukturiert kennenlernen; die Krankenkassen erstatten in der Regel 75–100 % der Kursgebühr. Interessierten am Tag der offenen Tür erhalten zehn Monate Training auf dem Skillcourt im Zentrum. So setzte die Veranstaltung nicht nur einen inspirierenden Impuls, sondern markierte zugleich den Startschuss für ein neues Kapitel im Zentrum für Gesundheit Maisach – mit einem Tool, das Therapie und Training spürbar verbindet und Menschen jeden Alters dabei unterstützt, heute und morgen sicherer, leistungsfähiger und mit mehr Freude in Bewegung zu bleiben.
Ich bin kein großer Fan von Geldspielautomaten, aber als ich den Novomat bei einer Veranstaltung entdeckte, wurde ich schwach. Ein Novomat ist ein Stück Spielhallen-Geschichte – ein mechanischer Geldspielautomat aus der frühen Zeit der Firma Novomatic (die damals noch unter „Novo-Mat Apparatebau“ auftrat).
Solche Geräte gehörten zu den klassischen Unterhaltungsautomaten, wie man sie in Gaststätten, Kneipen oder kleinen Spielsalons der 1950er Jahre fand. Typisch für diese Geräte war noch die rein mechanische Technik – Zahnräder, Federn, Walzen und Hebel bestimmten das Spielgeschehen, Elektronik kam erst Jahre später dazu. Die Automaten waren laut, rasselten und klackerten beim Spielbetrieb – was zu ihrem besonderen Charme beitrug. Der Spieler warf Münzen ein (z. B. 10 Pfennig oder 1 DM), zog an einem Hebel oder drückte einen Startknopf. Die Mechanik setzte dann Walzen, Scheiben oder Zeiger in Bewegung.
Der Automat hatte eine tolle Geschichte. Meine Gedanken gingen auf Reisen. In den rauchigen Bars und belebten Tanzlokalen der Nachkriegszeit hielt Mitte der 1950er-Jahre ein neues mechanisches Wunder Einzug: der Novomat-Spielautomat. Dieses Gerät, im Volksmund auch als „einarmiger Bandit“ bekannt, zog die Gäste mit blinkenden Zahlen und verheißungsvollem Geklingel in seinen Bann. Man stelle sich die Szene vor: In einer Ecke der Kneipe steht der Novomat, ein hölzerner Kasten mit verchromten Zierelementen und einer gläsernen Front, hinter der drei Walzen mit Symbolen rotieren. Beim Ziehen des seitlich angebrachten Hebels – gekrönt von einem runden Knauf – setzt ein sattes Klack die feinmechanische Maschinerie in Gang. Für einen Augenblick hält jeder in der Nähe den Atem an, während ein leises Rattern und Klicken aus dem Inneren ertönt. Dann, nach einer kleinen Ewigkeit von vielleicht 15 Sekunden, kommen die Walzen nacheinander zum Stillstand und zeigen ihr Ergebnis . Mit etwas Glück poltert eine Handvoll Münzen in die Auszahlschale und das metallische Klimpern erfüllt den Raum – ein Geräusch, das in den 50ern unweigerlich für Begeisterung sorgte.
Ein originaler Novomat-Spielautomat aus den 1950er-Jahren. Das Gehäuse aus Holz mit Sichtfenster für die Walzen und verchromten Bauteilen verleiht dem Gerät den zeittypischen Charme dieser Ära.
Einfallsreichtum Technisch gesehen verkörpert der Novomat den ganzen mechanischen Einfallsreichtum seiner Zeit. In seinem Inneren arbeitete er rein mechanisch, vollkommen ohne Elektronik – jedes Geräusch, jeder Ablauf entstand durch Zahnräder, Federn und Hebel. Der Spieler warf eine 10-Pfennig-Münze ein, wodurch das Gerät entriegelt wurde . Ein kräftiger Zug am Hebel spannte Federn und setzte die Walzen in Rotation. Anders als bei heutigen Automaten konnte man den Spielverlauf hier noch spüren: Den leichten Widerstand des Hebels, das Rucken der Mechanik und das surrende Auslaufen der Walzen. Eine Besonderheit des Novomat war die Möglichkeit, das Spiel selbst minimal zu beeinflussen. So verfügte er – im Gegensatz zu früheren Geräten – über eine Nachstart-Funktion: Der Spieler konnte nach dem ersten Drehen eine der Walzen gezielt nochmals in Bewegung setzen, um die Gewinnchancen zu erhöhen. Dieses kleine Element von Geschicklichkeit verlieh dem Spiel einen zusätzlichen Reiz und füllte zugleich die vorgeschriebene Mindestspieldauer von 15 Sekunden mit Spannung.
Die Gewinnmöglichkeiten waren zwar bewusst begrenzt – auf maximal das Zehnfache des Einsatzes, also 1 DM – doch genau diese Bescheidenheit passte zur Zeit. In einer Ära, in der das Wirtschaftswunder langsam Fahrt aufnahm, bedeutete ein Gewinn von einer Mark bereits eine kleine Sensation und die Hoffnung, dass das Glück einem lacht, selbst wenn es nur ein paar Groschen waren.
Auch kulturell strahlte der Novomat einen besonderen Reiz aus. In den vom Krieg gezeichneten 50er-Jahren sehnte man sich nach Ablenkung, nach ein wenig Glanz und Spannung im Alltag. Der Novomat lieferte genau das: Er vereinte den technischen Charme eines präzise gebauten Geräts mit dem aufregenden Versprechen des Zufalls. Wenn abends die Jazz- und Rock’n’Roll-Klänge aus der Jukebox erklangen und die Tanzfläche lebendig wurde, bildeten sich nicht selten Trauben von Neugierigen um den Spielautomaten. Für einige Minuten konnte man alles um sich vergessen – jeder Hebelzug erzählte eine eigene kleine Geschichte von Risiko und Hoffnung. Das leuchtende Ziffernfeld und das kunstvoll gestaltete Zählwerk zogen die Blicke auf sich, während der Gedanke mitspielte: Vielleicht trifft die Walze diesmal die richtige Kombination? Die Faszination, die solche Geräte auslösten, war universell. Vom Fabrikarbeiter bis zum Geschäftsmann – alle konnten sich gemeinsam über einen Gewinn freuen oder augenzwinkernd das Pech teilen. In Kneipen und Tanzlokalen wurden durch den Novomat fremde Leute zu Mitfiebernden, man lachte und staunte gemeinsam, wenn die Münzen klingelnd aus dem Auswurfschacht schossen.
Hergestellt wurde der Novomat von der Berliner Firma Günter Wulff Apparatebau, die in jenen Jahren zu den Pionieren der deutschen Automatenindustrie zählte . Bereits 1953 hatte Günter Wulff mit dem Rotomat den ersten vollmechanischen Drei-Walzen-Geldspielautomaten der Nachkriegszeit herausgebracht. Der Novomat folgte 1954 und wurde mit über 26.000 produzierten Exemplaren zum erfolgreichsten Modell seiner Art. Kaum ein Imbiss oder eine Gastwirtschaft, in der nicht irgendwann ein Novomat an der Wand hing oder auf dem Tresen thronte. Sogar über die Landesgrenzen hinaus fand das Gerät Verbreitung – es war sinnbildlich für den Aufbruch und die neue Vergnügungslust jener Zeit.
Die Firma Wulff traf mit dem Novomat genau den Nerv der Gesellschaft: Unterhaltung für wenig Geld, greifbare Technik zum Anfassen und die aufregende Möglichkeit, mit einem simplen Groschen den kleinen Jackpot zu knacken. Gleichzeitig achtete man streng auf Regeln: Damit das Spiel ein harmloses Vergnügen blieb, galten strenge Auflagen. Die Behörden erlaubten solche Geräte nur unter der Bedingung, dass der Einsatz gering blieb und die Ausschüttungsquote fair war. Tatsächlich mussten Automaten wie der Novomat mindestens 60 % der eingeworfenen Beträge als Gewinne wieder auszahlen – genug, um die Spieler bei Laune zu halten, aber nicht so viel, dass jemand ein Vermögen verlor. So etablierte sich der Novomat als Freizeitbeschäftigung der kleinen Leute: Ein kurzes Spiel nach Feierabend, ein paar Pfennig Einsatz, und mit etwas Glück ein paar Münzen mehr in der Tasche oder zumindest eine gute Geschichte für den Heimweg.
Heute, viele Jahrzehnte später, haftet dem Novomat ein nostalgischer Glanz an. Die meisten dieser Maschinen haben die Zeit nicht unbeschadet überstanden – zu verlockend war es für Betreiber und Hersteller, die Mechanik weiterzuverwenden und alte Gehäuse zu neuen Geräten umzubauen. Trotz der einst hohen Stückzahlen sind daher nur noch vergleichsweise wenige Novomaten im Originalzustand erhalten . Wer jedoch das Glück hat, ein solches Exemplar in einem Sammlerkreis oder Museum zu sehen, spürt sofort die Aura der 50er-Jahre. Abgeblätterter Lack in Hammerschlag-Blau, abgenutzte Hebel und matte Glasscheiben erzählen von ungezählten Berührungen und hoffnungsvollen Momenten vor dem Automaten. Restauratoren und Liebhaber widmen sich mit Hingabe diesen historischen Geräten, bringen die Mechanik behutsam wieder zum Laufen und lassen die Walzen erneut drehen. So lebt der Geist des Novomat weiter: als mechanisches Märchen aus einer Zeit, in der schon ein einziger Groschen große Träume entfachen konnte. Mit jedem Klicken, Rattern und Klingeln führt uns der Novomat zurück in jene Ära – in die Nachkriegsjahre, als Technik und Hoffnung Hand in Hand gingen und ein einfacher Spielautomat namens Novomat die Menschen für einen Augenblick die Welt um sich vergessen ließ.
Nein, ich war nie ein Anhänger von ihm, aber er war ein Fels an dem man als Journalist nicht vorbeikam. Seine Kommentare erzeugten Reaktion und manches Mal auch Nachdenken. Nun ist der BILD-Kolumnist Franz Josef Wagner im Alter von 82. Jahre verstorben.
Ich hab mich über viele Kommentare von Wagner geärgert, aber man kam nicht an ihm vorbei. Er hat vielleicht dem Volk aufs Maul geschaut und dies in seine eigene Sprache transferiert. Oft habe ich seine Kolumne „Post von Wagner“ gelesen, mich aufgeregt, manchmal zugestimmt, manchmal einen dicken Hals bekommen. Ignorieren konnte ich Franz Josef Wagner nicht. In seiner letzten Kolumne widmete er sich Putin und endete: „Ein Mörder lacht uns aus.“ Da hatte Wagner recht.
Seine BILD-Kolumne endete immer versöhnlich mit: „Herzlichst. Ihr Franz Josef Wagner“. Der Werdegang kann überall nachgelesen werden: Volontariat bei der Nürnberger Zeitung, später streitbarer Chefredakteur der Bunten. Ich hörte mal den Ausruf, der ihm wohl zugeschrieben wird, belegen kann ich es allerdings nicht: „Ich recherchiere mir doch meine Geschichte nicht kaputt“. Das ist gefährlich, aber Wagner war eine journalistische Trüffelsau, er roch die Geschichten, denn er war ein hervorragender Geschichtenerzähler. Gerne lese ich noch im Bild-Buch von Taschen.
In meinen Journalismus-Seminaren analysierte ich seine Sprache mit meinen Teilnehmern immer wieder: Franz Josef Wagners journalistische Sprache war unverkennbar und polarisiert bis zuletzt: Sie war geprägt von kurzen, oft abgehackten Sätzen, die eine enorme emotionale Wucht entfalten konnten. Seine Kolumnen waren ein Wechselspiel aus Anklage, Flehen, Dialog und oft ironischem Schmunzeln, immer im direkten, adressierenden Stil.
Wagner wurde häufig als „Gossen-Goethe“ bezeichnet, weil er einerseits gerne große Gefühle und existenzielle Themen behandelte, andererseits aber nie den Tonfall des Boulevardscheues: Einfachheit, Direktheit, sprachliche Provokation und bewusste Zuspitzung prägten seine Texte. Seine Sprache war poetisch wie drastisch zugleich – immer auf der Suche nach dem perfekten, einprägsamen Satz. Er stilisierte das Fragmentarische, verwendete viele rhetorische Fragen, spielte mit Sehnsucht, Melancholie und Nostalgie.
Sein Schreiben war dabei persönlich, subjektiv und stets auf das Lebensgefühl der Leserschaft gezielt. Wagner hatte keine Angst vor Pathos, konfrontierte sich und seine Leser mit den Abgründen des Alltags, war aber auch selbstironisch und stellte seine eigene Position immer wieder in Frage. Häufig wurde sein Stil als „bissig“, „impulsiv“, mitunter „hysterisch“ oder „zynisch“ beschrieben.
Während viele seine Kolumnen als „Gedichte für das Boulevardpublikum“ feierten, warf man ihm oft Übertreibung, gezielte Provokation und grobe Vereinfachungen vor. Er wurde gefeiert wie kritisiert und galt als Stimme des Volkes, als „Volksschriftsteller“ mit großer Leidenschaft für die Sprache, dabei aber immer auch als umstritten.
Für mich ist der beste Italiener in Nürnberg in Fürth. Das La Palma von Gianni Minneci in Fürth ist ohne Zweifel eine der besten Adressen für gehobene italienische Küche in der Region. Schon beim Betreten spürt man die Mischung aus Eleganz und Bodenständigkeit: warmes Licht, edle Materialien und ein Ambiente, das Klasse ausstrahlt, ohne protzig zu wirken. Der Service ist aufmerksam, herzlich und zugleich souverän – man merkt, dass hier Profis am Werk sind, die ihre Gäste nicht nur bewirten, sondern umsorgen wollen.
Kulinarisch bietet Gianni Minneci genau das, was man von einem Spitzenitaliener erwartet: makellos zubereitete Pasta, saftig gegartes Fleisch, frische Meeresfrüchte und eine saisonal abgestimmte Karte, die Abwechslung garantiert. Besonders stark ist die Kombination aus hervorragenden Zutaten und einer feinen, unaufdringlichen Kreativität, die den Klassikern neues Leben einhaucht.
Auch die Weinauswahl überzeugt, weil sie die Gerichte perfekt ergänzt und keine beliebige Beigabe ist. Natürlich hat diese Qualität ihren Preis, doch wer hier einkehrt, bekommt dafür ein Erlebnis, das weit über das Alltägliche hinausgeht. La Palma ist ein Restaurant für Genießer, die Wert auf Stil, Authentizität und Leidenschaft legen – und es ist ein Ort, an den man gerne zurückkehrt.
Die Wartezeiten bei Bestellung sind meist angemessen, was gut zu einem Restaurant dieser Klasse passt. Da das Restaurant Bekanntheit besitzt, kann es nötig sein, früh zu reservieren, vor allem am Abend.
Ich bin ein Fan der Künstlichen Intelligenz KI, aber nicht immer und überall. Nachdem ich Meta zum Sammeln hauseigenen KI bei Facebook und Instagram abgeschaltet habe (WA nutze ich nicht), ist jetzt das Microsoft-Netzwerk Linkedin an der Reihe. Microsoft setzt bei LinkedIn eine Kombination aus Nutzerdaten, Interaktionsmustern und maschinellem Lernen ein, um seine KI-Modelle zu trainieren. Vereinfacht gesagt fließen drei Hauptquellen ein:
Profildaten und Lebensläufe LinkedIn verfügt über mehr als 1 Milliarde Nutzerprofile weltweit. Diese enthalten strukturierte Informationen wie Ausbildung, Berufserfahrung, Fähigkeiten oder Branchenzugehörigkeit. Daraus lassen sich Modelle für Karrierewege, Skill-Matching oder Empfehlungsalgorithmen trainieren. Interaktionsdaten Das Verhalten der Nutzer liefert wertvolle Signale: Welche Beiträge werden gelesen, geliked oder kommentiert? Welche Jobs werden gesucht oder aufgerufen? Welche Kontakte geknüpft? Solche Daten helfen der KI, Relevanz und Interessenprofile abzuleiten. Texte und Inhalte Beiträge, Artikel, Nachrichten und Stellenausschreibungen auf LinkedIn dienen als Trainingsmaterial für Sprachmodelle. Damit können KI-Systeme Themen erkennen, Texte zusammenfassen oder passende Inhalte empfehlen.
Alles schön und gut, aber ich habe die KI-Sammelwut bei Linkedin abgestellt. Wer dies auch will, gehe bitte zu Einstellungen Datenschutz. MS hat den Schieberegel für Daten zur Verbesserung generativer KI aktiviert.
Ich habe hier die Zustimmung verweigert. Ich möchte nicht, dass meine Daten zum Schulen von KI-Modellen verwendet werden, um Inhalte zu erstellen.
Mein persönlicher Abschluss des diesjährigen Oktoberfestes war am Tag der Deutschen Einheit und mein Besuch des Innungsschießens im Armbrustschützenzelt.
Ich arbeite als PR-Fuzzi für Handwerksorganisationen und konnte gleich zwei Kunden zum Highlight begleiten. Das Innungsschießen auf dem Münchner Oktoberfest gehört zu den traditionsreichsten Wettbewerben, die sich mitten im bunten Festbetrieb erhalten haben. Während ringsum Maßkrüge klingen, Kapellen aufspielen und die Wiesn von Volksfeststimmung erfüllt ist, herrscht im großen Holzbau der Schützenarena konzentrierte Ruhe und sportliche Spannung.
Organisiert wird dieses Ereignis vom traditionsreichen Schützenverein Finzerer Fändl, einer Münchner Institution, die seit Jahrhunderten eng mit der Pflege des Armbrustschützensports verbunden ist. Das Fändl, dessen Wurzeln bis ins 15. Jahrhundert zurückreichen, hält mit dem Innungsschießen einen lebendigen Bezug zu seiner historischen Bedeutung: Damals wie heute steht hier Kameradschaft, Präzision und Traditionspflege im Mittelpunkt. Seit 57 Jahren findet dieser Wettbewerb mit dem Schlachtruf „Gut Bolz“ statt.
Das Innungsschießen selbst versammelt alljährlich Vertreterinnen und Vertreter der verschiedenen Münchner Handwerks-Innungen, die sich im Armbrustschützenzelt miteinander messen. Dieses Jahr waren es über 200 Handwerker. Es ist weit mehr als ein reiner Sportwettbewerb: Der Wettstreit spiegelt die Verbundenheit zwischen Handwerk, Brauchtum und der Münchner Stadtkultur wider. Jede Innung tritt mit eigenen Mannschaften an, deren Mitglieder nicht selten Schützen in mehreren Generationen stellen. Mit großer Ernsthaftigkeit wird dabei um Ringe und Plätze geschossen, doch der gesellige Austausch, die Pflege der Freundschaften zwischen den Innungen und die gemeinsame Feier im Anschluss machen mindestens genauso viel vom Reiz dieses besonderen Ereignisses aus.
Das Armbrustschützenzelt bietet dafür die perfekte Kulisse. In dem festlich geschmückten Zelt herrscht eine einzigartige Doppelatmosphäre: Auf der einen Seite der Trubel des Festzelts mit Musik, Bier und bayerischer Küche, auf der anderen Seite der Bereich, in dem Wettkampfordnung, absolute Ruhe und Konzentration gelten.
Besucher können so die besondere Spannung miterleben, die entsteht, wenn mitten auf der größten Volkswiese der Welt auf höchstem Niveau geschossen wird.
Dass das Finzerer Fändl Ausrichter des Innungsschießens ist, verleiht der Veranstaltung noch eine tiefere historische Dimension. Der Verein, dessen Mitglieder in kunstvoller historischer Tracht auftreten und der selbst noch immer eng mit Münchner Stadtgeschichte verbunden ist, versteht es, das Innungsschießen zwischen Sport und historischer Erinnerung zu verankern. Für viele Schützen ist es eine Ehre, im Oktoberfesttrubel um die begehrten Innungs-Ehrenpreise anzutreten.
Auf diese Weise hat sich das Innungsschießen zu einem festen Baustein im vielschichtigen Geflecht der „Wiesn“ entwickelt. Es steht für eine eher stille, traditionsbewusste Facette des Oktoberfestes, die im Schatten der großen Fahrgeschäfte und Bierpaläste oftmals leicht übersehen wird, aber zu den tiefsten Schichten des Münchner Brauchtums gehört. Wer im Armbrustschützenzelt beim Innungsschießen verweilt, spürt, dass das Oktoberfest eben nicht nur ausgelassene Feier, sondern immer auch Spiegel der kulturellen Wurzeln Münchens ist – und dass es gerade diese lebendigen Traditionen sind, die das Fest so unverwechselbar machen.
Meine Kunden und ich hatten ihren Spaß, kamen aber nicht unter den Siegern. Aber nach dem olympischen Motto war die Teilnahme schon eine Ehre. Übrigens, da ich kein Handwerker bin, habe ich natürlich nicht mitgeschossen.
Damit endet für mich das Oktoberfest 2025, das auch von einem möglichen Attentat und von einer überfüllten Theresienwiese geprägt war. Ich erinnerte mich immer an das schreckliche Wiesn-Attentat von 1980 und werde dieses Jahr dazu ein Seminar dazu machen. Infos über meinen Newsletter. Während das Oktoberfest noch zwei Tage weitergeht, widme ich mich anderen Dingen, sortiere die Wiesnfotos und schwöre dem Alkohol ab.
Es gibt Filme, die man schaut, lacht, und danach wieder vergisst. Und dann gibt es Die Ritter der Kokosnuss. Dieser Monty-Python-Klassiker ist nicht nur eine Parodie auf die Artus-Sage, sondern ein anarchisches Feuerwerk, das mit jeder Szene spürbar macht, wie befreiend Humor sein kann. Ich zeige den Film Die Ritter der Kokosnuss am 5. Oktober in meiner Matinee im Scala Fürstenfeldbruck. Karten gibt es hier.
Schon die ersten Minuten – Ritter ohne Pferde, dafür mit klappernden Kokosnüssen – setzen den Ton: Hier wird nichts ernst genommen, nicht einmal die Grundvoraussetzung für eine mittelalterliche Heldengeschichte.
Schon die ersten Minuten – Ritter ohne Pferde, dafür mit klappernden Kokosnüssen – setzen den Ton: Hier wird nichts ernst genommen, nicht einmal die Grundvoraussetzung für eine mittelalterliche Heldengeschichte.
Was den Film so besonders macht, ist die Mischung aus kindlich-absurdem Klamauk und beißender Satire. Da trifft König Artus auf Bauern, die ihn über Anarchie und Klassenstrukturen belehren, als stünde man mitten in einer politischen Debatte der 1970er-Jahre. Da kämpft ein Schwarzer Ritter unbeirrt weiter, selbst ohne Arme und Beine – ein groteskes Sinnbild für Heldenmut, der in Wirklichkeit nur noch pure Sturheit ist. Und da hoppelt ein weißes Kaninchen ins Bild, das sich als blutrünstiger Killer entpuppt – ein Moment, der bis heute so herrlich überraschend wirkt, dass man sich jedes Mal aufs Neue schüttelt vor Lachen.
Die Monty Pythons schaffen es, mit einfachsten Mitteln – man denke an die legendären Kokosnussschalen – eine ganze Welt zu entwerfen, die vertraut und gleichzeitig völlig absurd ist. Ihr Humor lebt vom Bruch mit Konventionen: der Vorspann, der sich selbst sabotiert, die Ritter, die nur „Ni“ sagen können, oder das Finale, das so abrupt endet, als würde jemand den Filmstreifen einfach aus dem Projektor reißen. All das erzeugt eine Art anarchische Energie, die man beim Schauen regelrecht spürt.
Was bleibt nach diesem Film? Ein Grinsen, das nicht vergeht. Zitate, die man noch Jahre später lachend mit Freunden wiederholt. Und das Gefühl, dass man Zeuge von etwas geworden ist, das weit mehr ist als eine Komödie. Die Ritter der Kokosnuss ist eine Liebeserklärung an die Absurdität – und ein Beweis dafür, dass Lachen manchmal die schärfste Form der Kritik ist. Ich freue mich auf den Film Die Ritter der Kokosnuss am 5. Oktober in meiner Matinee im Scala Fürstenfeldbruck. Karten gibt es hier.
In nur drei bis vier Bildern brachten sie tiefe Lebensweisheiten aus Kindermund ins Bewusstsein von Millionen erwachsener Leser. Vor 75 Jahren erblickten die „Peanuts“ das Licht der Welt – eine Comicserie, die nie laut und effekthascherisch daherkommt, sondern leise, mit feinem Humor, viel Melancholie und einer tiefen Menschlichkeit, die Generationen übergreifend berührt. Ich liebe die Serie. Als mein Kind klein war, haben wir einen Snoopy-Druck am Eingang seines Zimmers aufgehängt. Heute nach über 20 Jahren hängt der Druck noch immer.
Es war der 2. Oktober 1950, als Charles M. Schulz erstmals die kleine Truppe von Kindern in die Zeitung brachte. Was zunächst wie harmlose Strips über einen unscheinbaren Jungen mit rundem Kopf aussah, entwickelte sich zu einem der größten kulturellen Phänomene des 20. Jahrhunderts. Die „Peanuts“ sind mehr als nur witzige Alltagsgeschichten – sie sind ein Spiegel der menschlichen Seele, verdichtet in einfachen Strichen und kurzen Dialogen. In insgesamt 17.897 Zeichnungen erschuf Charles M. Schulz eine eigene Welt.
Es gibt viele Gelegenheiten für die Peanuts, um glücklich zu sein: Schulschluss, ein voller Fressnapf – oder dass sie seit 1950 die Herzen von Millionen von Menschen erobern. Der Reclam-Verlag hat dazu eine schöne Sammlung auf den Markt gebracht: Feiern mit den Peanuts. Diese Sammlung lädt alle Fans von Snoopy, Linus und Co. zu einer Reise durch die Geschichte der Peanuts ein. Von den ersten Comics bis zu den zeitlosen Klassikern aus dem Jahr 2000, also auch für den Comic-Historiker in mir ein schönes Büchlein.
Schulz selbst war geprägt von einer Kindheit voller Unsicherheiten, von stiller Beobachtung der Welt und einem tiefen Gespür für das Komische im Tragischen. Vielleicht machte genau dies seine Figuren so universell: Die „Peanuts“ zeigen uns das Leben wie es ist, voller kleiner Niederlagen und gelegentlicher Siege, voller Hoffnung, Zweifel und der Suche nach Sinn. Während andere Comics auf Abenteuer, Heldenmut und bunte Welten setzten, erzählte Schulz von der Poesie des Alltäglichen – ein Spielplatz, ein Fußball, ein Kürbisfeld, ein Snoopy auf seiner Hundehütte. Gerade diese Bescheidenheit und Klarheit machten den Reiz aus: Jeder konnte sich wiederfinden.
Die Kinder, die er zeichnete, waren nie reine Karikaturen. Hinter jedem kleinen Gesicht steht eine Welt von Gefühlen und Gedanken:
Charlie Brown, der ewige Verlierer, dessen Missgeschicke so schmerzhaft vertraut wirken. Er ist sensibel, tapfer in seiner ständigen Niederlage und berührend menschlich in seiner unermüdlichen Hoffnung, dass es vielleicht beim nächsten Mal besser wird – sei es beim Baseballspiel oder bei der Liebe. Lucy van Pelt, rechthaberisch, laut und voller Selbstbewusstsein, das oft mehr Fassade als Wahrheit ist. Ihre kleine „Psychiater-Praxis“ für fünf Cent ist bis heute ein Symbol für die Ironie kindlicher Lebenshilfe. Linus, Lucys Bruder, sanftmütig, nachdenklich und philosophisch, sein blaues Kuscheltuch immer fest im Griff. In seinen kindlichen Weisheiten steckt oft eine überraschende Tiefe. Schröder, der stille Pianist, in dessen Leidenschaft für Beethoven sich ein ganzes Universum verschließt, während er die Annäherungen Lucys meist kühl ignoriert. Peppermint Patty, die burschikose Anführerin mit großem Herz, und Marcie, ihre kluge, leise Begleiterin, die in ihrer Freundschaft ein bewegendes Duo bilden.
Und mitten unter ihnen – derjenige, der die Serie zu einem unsterblichen Kult erhob: Snoopy, Charlies Beagle. Snoopy ist Hund und Mensch zugleich, Träumer, Dichter, Pilot, Tänzer. Er lebt zwischen Hundehütte und Fantasie, zwischen Futternapf und Weltliteratur. Er zeigt uns, dass die größte Kraft die Vorstellung ist – dass wir alle, selbst im kleinsten Alltag, zu Helden werden können, wenn wir nur den Mut haben, uns selbst als etwas Größeres zu begreifen. Der Erfolg der „Peanuts“ liegt darin, dass sie nie oberflächlich waren. Sie sprachen Kinder an, weil sie einfach gezeichnet und lustig waren, aber Erwachsene fanden sich in ihnen wieder, weil sie über tiefe Lebensfragen schmunzeln ließen. Charles M. Schulz verstand es, Tragik mit Humor zu verweben, ohne je zynisch zu werden. Seine Figuren stolpern und fallen, doch sie stehen immer wieder auf, voller Hoffnung, als sei das Leben trotz allem schön.
Heute, 75 Jahre später, wirken die „Peanuts“ kein bisschen veraltet. Die Welt mag sich verändert haben, doch die Fragen nach Freundschaft, Liebe, Angst und Mut bleiben zeitlos. Charlie Browns verzweifeltes „Warum immer ich?“, Lucys ungebrochener Eigensinn und Snoopys Traumflüge sind Teil unseres kulturellen Gedächtnisses. Sie erinnern daran, dass Schwäche ebenso zum Menschsein gehört wie Stärke, dass Fantasie ein Rettungsanker ist und dass manchmal schon ein kleiner Hund mit einer riesigen Vorstellungskraft genügt, um die Welt heller zu machen.
Die „Peanuts“ sind ein Geschenk – zart, wehmütig, beglückend. Ein Stück Kindheit, das längst über das Kinderzimmer hinausgewachsen ist, und ein Werk, das heute wie damals lehrt: Selbst wenn das Leben uns Stolpersteine in den Weg wirft, gibt es immer jemanden, der mit uns lacht, uns tröstet – oder einfach neben uns die Drachen steigen lässt.