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Wo Hüte Geschichten erzählen und Würzburg ein Stück eleganter wird

23. Juni 2026

Mitten in Würzburg, in der Augustinerstraße 4, liegt HUTGEMACHT wie ein kleines Versprechen an alle, die glauben, dass Stil nicht laut sein muss, um berührend zu sein. Schon der Satz, mit dem sich das Geschäft vorstellt, klingt beinahe wie eine Liebeserklärung an ein altes Handwerk: „Feine Hüte für feine Köpfe in Würzburg.“ Hier entstehen und finden sich handgefertigte Hüte aus feinen Materialien für Damen und Herren – Kopfbedeckungen, die nicht einfach nur getragen werden, sondern einen Menschen verwandeln können. Als Hutträger, der im Grunde keine amerikanischen Caps trägt, war dieser Laden eine Offenbarung.

Hinter HUTGEMACHT steht die Modistin Laura Zieger. Ihre Geschichte wirkt selbst wie eine kleine Würzburger Romanze: Schon als Kind kam sie mit ihrer Mutter in den früheren Hutladen, später machte sie dort mit zwölf Jahren ein Praktikum, und die Faszination für Hüte ließ sie nicht mehr los. Aus einem frühen Staunen wurde ein Beruf, aus einem Beruf eine Leidenschaft, und aus dieser Leidenschaft schließlich ein eigenes Label. 2015 gründete sie HUTGEMACHT, Anfang 2025 schloss sich dann ein Kreis: Laura Zieger übernahm den traditionsreichen Hutladen in der Augustinerstraße von Maria Helsper, die das Geschäft 33 Jahre lang geführt hatte.

Das Schöne an dieser Geschichte ist, dass hier nichts abrupt endet, sondern etwas behutsam weitergeschrieben wird. Aus „Der Hutladen“ wurde HUTGEMACHT, aber der Geist des Ortes blieb erhalten. Nach dem Umbau wurde das Geschäft im März 2025 neu eröffnet; neben handgefertigten Hüten und bewährten Marken sollen dort auch neue Labels und Laura Ziegers eigene Kreationen ihren Platz haben. Besonders reizvoll ist die Idee einer offenen Werkstatt, in der Besucher das selten gewordene Handwerk der Modistin unmittelbar erleben können.

Auch der Raum selbst erzählt von dieser Verbindung aus Erinnerung und Neubeginn. Das Gestaltungskonzept bewahrte Elemente der Einrichtung aus den 1950er Jahren: raumhohe Regale, klare Proportionen und feine Details wurden nicht verdrängt, sondern zur Grundlage der Neugestaltung gemacht. Ein ruhiger, hellgrauer Ton an Möbeln, Wänden und Decke lässt die Hüte in den Mittelpunkt treten. So entsteht ein Laden, der nicht schreit, sondern flüstert; kein bloßer Verkaufsraum, sondern eine Bühne für Formen, Farben, Materialien und kleine Verwandlungen.

Romantisch ist HUTGEMACHT deshalb nicht im kitschigen Sinn, sondern weil hier jeder Hut eine Möglichkeit ist. Ein Hut kann einen Blick weicher machen, einen Auftritt mutiger, einen Sommertag leichter oder einen festlichen Moment unvergesslicher. Er kann an vergangene Zeiten erinnern und doch ganz gegenwärtig sein. Wer vor dem Spiegel steht und verschiedene Formen probiert, sucht vielleicht zuerst nur ein Accessoire, findet aber manchmal eine neue Haltung. Genau darin liegt der Zauber dieses Geschäfts: Es verkauft nicht nur Kopfbedeckungen, sondern schenkt Augenblicke, in denen Menschen sich anders, schöner, freier oder einfach mehr bei sich selbst fühlen.

So ist HUTGEMACHT ein liebevoller Ort in Würzburgs Innenstadt, an dem Tradition, Handwerk und Persönlichkeit zusammenfinden. Zwischen alten Regalen, feinen Materialien und neuen Ideen lebt ein Handwerk weiter, das viel mehr kann, als vor Sonne, Regen oder Kälte zu schützen. Ein Hut von HUTGEMACHT begleitet seine Trägerin oder seinen Träger hinaus in die Stadt, über das Pflaster, durch die Augustinerstraße, vielleicht hinunter zum Main – und nimmt etwas von diesem besonderen Ort mit: die Sorgfalt einer Handwerkerin, die Geschichte eines alten Ladens und die stille Romantik eines Moments, in dem ein Hut plötzlich genau richtig sitzt.

Und hier ein Podcast dazu:

Persönlicher Nachruf auf Franz Josef Wagner

8. Oktober 2025

Nein, ich war nie ein Anhänger von ihm, aber er war ein Fels an dem man als Journalist nicht vorbeikam. Seine Kommentare erzeugten Reaktion und manches Mal auch Nachdenken. Nun ist der BILD-Kolumnist Franz Josef Wagner im Alter von 82. Jahre verstorben.

Ich hab mich über viele Kommentare von Wagner geärgert, aber man kam nicht an ihm vorbei. Er hat vielleicht dem Volk aufs Maul geschaut und dies in seine eigene Sprache transferiert. Oft habe ich seine Kolumne „Post von Wagner“ gelesen, mich aufgeregt, manchmal zugestimmt, manchmal einen dicken Hals bekommen. Ignorieren konnte ich Franz Josef Wagner nicht. In seiner letzten Kolumne widmete er sich Putin und endete: „Ein Mörder lacht uns aus.“ Da hatte Wagner recht.

Seine BILD-Kolumne endete immer versöhnlich mit: „Herzlichst. Ihr Franz Josef Wagner“.
Der Werdegang kann überall nachgelesen werden: Volontariat bei der Nürnberger Zeitung, später streitbarer Chefredakteur der Bunten. Ich hörte mal den Ausruf, der ihm wohl zugeschrieben wird, belegen kann ich es allerdings nicht: „Ich recherchiere mir doch meine Geschichte nicht kaputt“. Das ist gefährlich, aber Wagner war eine journalistische Trüffelsau, er roch die Geschichten, denn er war ein hervorragender Geschichtenerzähler. Gerne lese ich noch im Bild-Buch von Taschen.

In meinen Journalismus-Seminaren analysierte ich seine Sprache mit meinen Teilnehmern immer wieder: Franz Josef Wagners journalistische Sprache war unverkennbar und polarisiert bis zuletzt: Sie war geprägt von kurzen, oft abgehackten Sätzen, die eine enorme emotionale Wucht entfalten konnten. Seine Kolumnen waren ein Wechselspiel aus Anklage, Flehen, Dialog und oft ironischem Schmunzeln, immer im direkten, adressierenden Stil.

Wagner wurde häufig als „Gossen-Goethe“ bezeichnet, weil er einerseits gerne große Gefühle und existenzielle Themen behandelte, andererseits aber nie den Tonfall des Boulevardscheues: Einfachheit, Direktheit, sprachliche Provokation und bewusste Zuspitzung prägten seine Texte. Seine Sprache war poetisch wie drastisch zugleich – immer auf der Suche nach dem perfekten, einprägsamen Satz. Er stilisierte das Fragmentarische, verwendete viele rhetorische Fragen, spielte mit Sehnsucht, Melancholie und Nostalgie.

Sein Schreiben war dabei persönlich, subjektiv und stets auf das Lebensgefühl der Leserschaft gezielt. Wagner hatte keine Angst vor Pathos, konfrontierte sich und seine Leser mit den Abgründen des Alltags, war aber auch selbstironisch und stellte seine eigene Position immer wieder in Frage. Häufig wurde sein Stil als „bissig“, „impulsiv“, mitunter „hysterisch“ oder „zynisch“ beschrieben.

Während viele seine Kolumnen als „Gedichte für das Boulevardpublikum“ feierten, warf man ihm oft Übertreibung, gezielte Provokation und grobe Vereinfachungen vor. Er wurde gefeiert wie kritisiert und galt als Stimme des Volkes, als „Volksschriftsteller“ mit großer Leidenschaft für die Sprache, dabei aber immer auch als umstritten.

Moosgrün, Fischgrat und Charakter – mein britischer Modeweg

8. August 2025

Ich mag den britischen Landhausstil in der Kleidung und bei meinem Besuch in Schottland deckten meine Frau und ich uns mit Tweed in allen Formen ein.

Für mich ist der gehobene britische Kleidungsstil mit Tweed mehr als nur Mode – er ist Ausdruck einer Lebenshaltung, die Tradition, Qualität und Understatement vereint. Ursprünglich in den ländlichen Regionen Großbritanniens beheimatet, diente Tweed einst als robuster Stoff für Jagd, Reitsport und Outdoor-Aktivitäten. Heute steht er für mich für eine zeitlose Eleganz, die sowohl auf dem Land als auch in der Stadt geschätzt wird. Mit Tweed fühle ich mich nie falsch angezogen.

In Schottland besuchte ich zahlreiche Herrenausstatter, aber am wohlsten fühlte ich mich in Glasgow bei Walker & Slater. Leider hatte ich nicht die Zeit, um Maß zu nehmen, also kaufte ich nur ein Einstecktuch, aber bei einem längeren Aufenthalt, ist das mein Laden.

Zentrales Element dieses Stils ist das Tweed-Sakko – meist maßgeschneidert, aus schwerem Wollstoff gefertigt und häufig in klassischen Mustern wie Fischgrat, Hahnentritt oder dem berühmten Prince of Wales Check gehalten. Farblich dominieren natürliche, gedeckte Töne wie Moosgrün, Graubraun, Rostrot oder Senf, die sich harmonisch in das britische Landschaftsbild fügen und eine warme, geerdete Wirkung entfalten.

Der typische Look kombiniert das Sakko mit einer passenden Weste, einem Hemd – oft mit Button-Down-Kragen oder dezenter Musterung – sowie einer Krawatte oder Fliege. Dazu werden hochwertige Lederschuhe getragen, etwa Brogues oder Chelsea Boots, die den traditionellen Charakter des Outfits unterstreichen. Wer den Stil vollständig leben möchte, ergänzt ihn mit klassischen Accessoires wie Schiebermütze, Einstecktuch, Tweed-Cape oder sogar einem Gehstock – stets mit Bedacht gewählt, niemals übertrieben.

Was diesen Stil für mich besonders macht, ist seine Haltung: Er wirkt gepflegt, aber nicht affektiert; distinguiert, aber nicht protzig. Er transportiert eine Form von Noblesse, die nicht auf Etikette, sondern auf Charakter beruht. Tweed erzählt Geschichten – von alten Herrensitzen, Teestunden am Kamin, verregneten Herbstjagden und Spaziergängen über nebelverhangene Felder.

Für mich bleibt britische Kleidungsstil mit Tweed aktuell – nicht als Trend, sondern als beständiger Ausdruck von Stil, Qualität und Persönlichkeit. Wer ihn trägt, wählt bewusst: gegen Schnelllebigkeit, für Authentizität.

Geschüttelt, nicht gerührt – James Bond eröffnete die Maisacher Gespräche zur Popkultur

31. Mai 2025

Erfolgreich ist Vortragsreihe Maisacher Gespräche zur Popkultur gestartet mit einem Abend über James Bond. Nun folgt am kommenden Mittwoch, 4. Juni , in der Gemeindebücherei mein Vortrag über Science-Fiction-Sagas.

Ziel meiner ehrenamtlichen Reihe ist es, Interesse an Popkultur zu wecken und zur kulturellen Vielfalt in meiner Wohnortgemeinde beizutragen. Wer könnte dazu besser geeignet sein, als James Bond? Der berühmte britische Geheimagent, fasziniert seit über 60 Jahren: Er ist stilvoll, mutig, charmant – und zugleich menschlich. Hier ist die Auszeichnung des Vortrags, der Lust auf die nächsten Veranstaltungen machen soll.

Der Vortrag beleuchtete die Entwicklung der Figur von Connery bis Craig, die spektakulären Schauplätze, die legendären Gadgets, Kultautos wie den Aston Martin DB5 und ikonische Gegenspieler. Auch der Wandel im Zeitgeist – vom Kalten Krieg bis zur digitalen Bedrohung – wurde thematisiert. Bond bleibt zeitlos modern und ein Mythos der Popkultur.

James Bond ist eine der bekanntesten und langlebigsten Filmfiguren der Kinogeschichte. Seit der erste Film „Dr. No“ (1962) der offiziellen Reihe erschien, zieht der britische Geheimagent Millionen von Fans weltweit in seinen Bann. Ich klärte in meinem Vortrag, was die ungebrochene Faszination für 007 ausmacht.