Musiktipp: The Big Boss von Peter Thomas

8. Oktober 2021

Ich bin in Trash-Stimmung und schaute mir auf der PSP den Bruce Lee-Streifen Der Mann mit der Todeskralle aus dem Jahre 1973 an. Es war der erste in den Vereinigten Staaten produzierte Martial-Arts-Film und der letzte vollständige Film von Bruce Lee. Drei Wochen nach Dreharbeiten verstarb der Schauspieler.

Der Film hat seine paar Momente. Ausgesprochen spektakulär ist dagegen der Score von Altmeister Lalo Schifrin. Leider ist die Filmmusik nur extrem teuer zu haben. So manche ich mich auf die Suche nach anderen Score zu Bruce Lee-Filmen. Und auf wen traf ich da? Auf meinen musikalischen Helden Peter Thomas, der den Score zu The Big Boss einspielte.

Wie passt der Jazz- und Big Band-Song von Peter Thomas in die asiatische Kampfsportwelt von Bruce Lee. Und das ist eine wirklich interessante Geschichte, die ich als Filmfan noch gar nicht wusste. Es kam so:
The Big Boss war Bruce Lees erster großer Film und verschaffte ihm den internationalen Durchbruch. Premiere feierte Regisseur Lo Weis Film 1971 in Hongkong, seinen internationalen Siegeszug trat er aber erst 1973 an. Der deutsche Verleih glaubte, die originäre chinesische Filmmusik wäre zu weit von den bundesdeutschen Hörgewohnheiten entfernt und beauftragte Peter Thomas, einen eigenen Soundtrack zu komponieren. Dies gelang ihm mit Bravour. Das Resultat war, dass dieser von nun an in der ganzen Welt, mit Ausnahme von China, eingesetzt und somit zur eigentlichen Filmmusik von the Big Boss wurde.


Seit der Erstveröffentlichung dieser Filmmusik im Jahr 2010 hatte sich einiges getan, was eine verbesserte Neuauflage überfällig machte: In Peter Thomas‘ Archiv konnten vier Stücke sowie eine etwas längere Version aus dem Film, die bisher als verschollen galten, gefunden werden. Diese ersetzen nun die Bonustracks der alten CD, die zwar einstmals für den Film komponiert, aber nicht in ihm verwendet wurden.

Wie ja bekannt ist, verstarb Peter Thomas leider während der Vorbereitungen zu dieser von ihm unterstützten Produktion am 17. Mai 2020, 94-jährig in Lugano (CH). Für die Illustration auf dem Gatefold-Cover der LP sowie dem Digipack der CD zeichnet der großartige Adrian Keindorf verantwortlich. Die LP erscheint auf 180g Vinyl standardmäßig in Schwarz sowie in einer auf 300 LPs limitierten transparenten roten und einer auf 200 LPs limitierten transparenten sonnengelben Auflage.

Anmerkung: Da mein Schallplattencover durch den Versanddienstleister an einer Ecke beschädigt wurde, hat Allscore auf Facebook umgehend reagiert und eine Ersatzlieferung angekündigt. Prima Service.

Musikkritik: No Time to die von Hans Zimmer

7. Oktober 2021

Ich hab Bauchweh. Ich bin seitdem ich ins Kino gehe ein Fan von James Bond. Und nicht nur das: Ich bin auch ein Fan der James Bond Filmmusiken. Dabei lernte ich den Komponisten John Barry kennen und schätzen. Seine Scores von Bond-Filmen haben mich geprägt und sie sind eine hohe Messelatte. Dazu gehört natürlich auch das Monty Norman Hauptthema von 007. Und nun? Und nun hat Hans Zimmer den Score zum neuen Bond No Time to die geschrieben. Da hab ich Bauchweh.

Aus Pflicht oder vielmehr aus Tradition habe ich mir seinen Score gekauft und schlimmes befürchtet. Die jüngsten Scores von Bond-Filmen fand ich gelinde gesagt einfach schlecht. Thomas Newman in Spectre, David Arnolds Filmmusik ging so. Aber nun steht uns Tausendsassa Hans Zimmer ins Haus.

Ist Zimmer dem Thema Bond gewachsen? Erfüllt er meine Maßstäbe an Bond? Kann er sich sogar mit John Barry messen? Mit Hans Zimmer habe ich immer wieder Schwierigkeiten, nachdem er mit vielen seiner pompösen inszenierten Musiken nicht meinen Geschmack getroffen hat. Es gibt Ausnahmen bei Zimmer, aber im Grunde bin ich bei der musikalischen Zimmermaschinerie vorsichtig. Bewundernswert ist dagegen sein kaufmännisches Talent.
Aber es musste sein: Als Sammler habe ich mir erst einmal eine Picture Disc vom Score gekauft. Die Doppel-LP No Time to Die im goldenen Vinyl kommt in den nächsten Tagen und eine andere Picture Disc hängt beim Zoll fest. Die Score selbst habe ich via Apple Music geladen. Und was soll ich sagen? Ich bin von der Qualität überrascht. Hans Zimmer ist ein Bond-Score gelungen, der diesen großen Namen verdient. Die Leitmotive aus der Vergangenheit wurden eingewebt. Der Score ist dicht und er macht Spaß. Nach dem dritten, vierten Durchhören bin ich zufrieden, ich will sogar sagen, dass ich ein wenig versöhnt bin mit Hans Zimmer. Vielleicht ist dieser Score sogar untypisch für Zimmer. Gerade im Ausklang beweist er mit Finale Ascent einen schönen Abgesang auf die Ära Daniel Craig – den ich übrigens immer für einen guten Darsteller, aber einen schlechten Bond gehalten habe.
Ich habe meinen Kauf von No Time to Die nicht bereut. Die Picture Discs wandern ins Archiv, die Vinyl-Platte wird dann und wann aufgelegt, die Single No Time To Die von Frau Eilish kommt in die Rockola und die Streaming-Dateien bleiben auf dem Smartphone.

Buchtipp: The Art of Coco

6. Oktober 2021

Seit Toy Story bin ich ein Fan von Pixar. Zeitweise durfte ich mich sogar beruflich intensiv mit der Kreativfirma beschäftigen, was mir enorm gefallen hat. Im Moment bin ich klassischer Konsument und liebe die Animationsfilme, die die Welt des Films verändert haben.
Nachdem durch Pandemie die Stimmung etwas gedrückt ist, wollte ich mal wieder etwas Farbenfrohes sehen. Und ich wählte dazu den Pixar-Film Coco – Lebendiger als das Leben! von 2017. Wie immer passte Story und Animation einfach zusammen und der Film wurde mit Preisen überhäuft.

Der Film ist ein Farbenrausch und lässt mich als Zuschauer in eine für mich fremde Kultur eintauchen. Nein, ich werde von diesem Farbenstrudel mitgerissen und verschlungen – das tut wirklich gut. Der Animationsfilm thematisiert den „Tag der Toten“ (Día de Muertos), einen mexikanischen Feiertag.

Regie führte Lee Unkrich, der bereits Toy Story 3 seinen Stempel aufsetzte. Und als Fan von den Art-of-Büchern musste ich gleich mal sehen, wie er vorgegangen ist. Daher mein Tipp: The Art of Coco In der Vorbereitung auf den Film setzen sich die Macher des Films intensiv mit den Menschen, der Kultur und den Traditionen von Mexiko auseinander. Hierfür stand ihnen neben einer Reihe von mexikanischen Musikern auch ein Stab an Beratern und Experten zur Seite. Und diese kreative Entwicklung lässt sich wunderbar in dem Buch nachvollziehen. Erste Entwürfe, lose Zeichnungen nehmen während der Vorbereitungsphase konkretes Aussehen an. Ich liebe dieses kreatives Arbeiten der Vorproduktion eines Films bei dem Ideen eingebracht, diskutiert oder auch verworfen werden. Das zeigen diese Art of Bücher auf ihre eigene Art.

Das Team besuchte Museen und Kirchen und besuchten Plätze, Haciendas und Friedhöfe in Mexiko und sprachen mit Mehrgenerationsfamilien, um ihre Lebensweise in Coco einzubringen. So muss die Vorbereitung für einen solchen Film sein. Klare Empfehlung zu The Art of Coco

Heute vor 10 Jahren verstarb Steve Jobs

5. Oktober 2021

Heute ist der 10. Todestag von Steve Jobs. Ich erinnere mich, dass ich gegen 5 Uhr vor 10 Jahren einen Anruf erhalten habe, dass der Apple Gründer verstorben sei. Ich stand auf und formulierte meinen emotionalen Nachruf Vielen Dank Steve Jobs (1955-2011) zudem ich noch heute stehe.

Seit 10 Jahren führt Tim Cook nun das einstige Computerunternehmen und hat es zu neuen finanziellen Höhenflügen gebracht. Apple ist das reichste Unternehmen auf diesem Planeten. Ein neues Feld wie Wearables verbunden mit Gesundheitsfunktionen wurde geschaffen und damit ein völlig neuer Markt. Und Macs, iPhones, iPads laufen weiter und bringen weiter Geld.
Am Todestag von Steve Jobs, heute vor 10 Jahren, gehen mir viele Geschichten durch den Kopf. Ich erinnere mich noch an die Zeit von Motorola-Chipsätzen, dann der PowerPC, dann der Wechsel zu Intel und anschließend die Apple-eigenen Chipsätze, die wahren Powerboilden. Aber Prozessoren waren nicht sexy zum Ansehen – bis auf einziges Mal, als der G4 eingeführt wurde und der Prozessor so schnell war, dass er als Kriegswaffe galt. Apple produzierte den legendären Tank-Spot. Panzer fuhren um den G4-Rechner auf damit er nicht in falsche Hände geriet.

Beim Aufräumen meines Archivs fiel mir allerhand Werbematerial aus der Zeit von Steve Jobs in die Hand: Prospekte und Flyer zum ersten iPod (1000 Songs in der Tasche), der G4-iMac im Stile eine Sonnenblume, die transparenten iMacs.

Ich setzte mich und ging das Werbematerial durch, jedes verbunden mit Erinnerungen an die damalige Zeit, als Steve Jobs in seinen Keynotes Hof hielt. Bei manchen durfte ich live vor Ort dabei sein, manche sah ich via Satellit (Streaming war damals noch nicht so richtig möglich). Es gab anschließend schöne Partys und Events zu denen ich eingeladen war, um innerhalb der installed Base zu feiern. Es war eine andere Zeit, die starb als Steve Jobs starb.
Tim Cook ist anders und er hat nicht den Fehler gemacht, seinen Vorgänger zu kopieren. Er gilt als Logistik- und Finanzgenie und die Biografie über ihn liest sich anders als die vielen Biografien über Steve Jobs. Ich habe bisher nur eine Biografie über Cook gelesen, die ich empfehlen kann. Tim Cook: Das Genie, das Apples Erfolgsstory fortschreibt stammt aus dem Jahre 2019 aus der Feder von Leander Kahney.

Ein paar Bücher rund um Apple.

Ich habe sie im Anschluss an die Biografie von Jony Ive: Das Apple-Design-Genie gelesen aus dem Jahre 2014. Sir Jony hat inzwischen Apple verlassen, aber sein kreative Einfluss ist noch heute enorm. Ich habe Ive einmal nach einer Keynote getroffen und wollte ihm die Hände schütteln, aber er wandte sich lieber Jobs Ehefrau Laurene Powell zu, als sich mit mir zu unterhalten. Dann eben nicht.

Die jüngste Biografie über Jobs, die ich gelesen habe, stammt aus dem Jahre 2017: Becoming Steve Jobs: Vom Abenteurer zum Visionär von Brent Schlender. Er zeigt auch die Schattenseiten des Genies, welch schwieriger Mensch Jobs gewesen sein muss. Brent Schlender ist ein IT-Journalist der ersten Stunde und kann die technischen Innovationen des Egomanen sehr gut bewerten. Aber er weiß auch den spirituellen Menschen Steve Jobs einzuordnen und hilft uns diesen Charakter besser zu verstehen.
Während Jobs in seinem eigenen Reality Distortion Field lebte, das sein Charisma formte, ist Cook eher der nüchterne Faktenmensch. Mit dem Mac, dem iPod, dem iPhone hat Jobs Geschichte geschrieben und mein Leben verändert. Tim Cook ist die Apple Watch zuzuschreiben, die einen enormen Einfluss auf mein Gesundheitsverhalten und damit auch Einfluss auf mein Leben hat, wenn auch vielleicht unbewusster. Das one more Thing von Cook wird wohl irgendwann die AR-Brille sein. Alle Tech-Riesen arbeiten an der nächsten Computing-Stufe im VR- und AR-Bereich. Wenn die AR-Brille von Apple kommt, dann wechsel ich wieder auf Kontaktlinsen.
Also dieser Tag steht heute in Erinnerung an ein Genie, an ein Vorbild, an einen Visionär: Dieser Tag steht heute in Erinnerung an Steve Jobs.

FJS-Sterbebild in der Gastwirtschaft

3. Oktober 2021

Am 3. Oktober 1988 verstarb der CSU-Politiker Franz Josef Strauß. Für die einen eine Lichtgestalt, für die anderen eine Hassfigur – unumstritten ist aber, dass FJS die Gemüter bewegte. Ich habe sein Sterbebild an der Wand eines hochwertigen (bayerischen) Speiselokals entdeckt. Und das macht mir wieder bewusst, wie wichtig der Strauß für manche Menschen war.

Nachhaltigkeitspreis für Aktion PiT-Togohilfe

29. September 2021

Die so genannte Dritte Welt steht nicht unbedingt im Fokus der medialen Berichterstattung und dennoch mit sich hier sehr viel. So wurde die Aktion PiT-Togohilfe e.V. unlängst beim Projekt Nachhaltigkeit 2021 in Augsburg ausgezeichnet. Als Vereinsmitglied bin ich sehr stolz auf diese Auszeichnung.

Meine Vereinsvorsitzende Margret Kopp bei der Preisverleihung in Augsburg.

Nur 10 Projekte aus Bayern und Baden-Württemberg wurden für herausragendes und wirksames Engagement für eine nachhaltige Entwicklung geehrt, darunter die Togohilfe in Fürstenfeldbruck (Oberbayern).
Von den insgesamt 346 eingereichten Projekten stammen 82 Projekte aus Bayern und Baden-Württemberg. Nur 10 waren nach Augsburg eingeladen, um den Preis entgegen zu nehmen, darunter der Verein Aktion PiT-Togohilfe e.V.
Neben einem Preisgeld erhält die Togohilfe den Zugang zum bundesweiten RENN-Netzwerk und somit die Chance, neue Impulse zu erhalten und ihre Projekte sichtbarer zu machen. Bei der Verleihung stellte sich heraus: Aktion PiT-Togohilfe war der einzige Preisträger mit einem Projekt im Ausland, natürlich in Togo, das die Jury überzeugt hatte.

In der Laudatio hob Poetry Slammer Michael Jakob die Beispielhaftigkeit in 10 Modelldörfern in Togo, die intensive Einbeziehung der lokalen Bevölkerung durch ein ganzes Bündel an Schulungsangeboten und die konkrete Projektumsetzung durch Aufforstung mit 30.000 Bäumen und der Einführung verbesserter, brennholzsparender Kochstellen als Begründung für das hohe Maß an Nachhaltigkeit hervor.
Die Vorsitzenden Margret und Andy Kopp, am Vortag der Preisverleihung gerade erst von Projektbesuchen in Togo zurückgekehrt, freuten sich ganz besonders über diese Auszeichnung, da nachhaltiger Klima- und Umweltschutz erst wirklich wirksam wird und einen Beitrag zu der 2015 von der Staatengemeinschaft verabschiedeten Agenda 2030 mit ihren 17 nachhaltigen Entwicklungszielen (Sustainable Development Goals, kurz SDGs) leisten kann, wenn auch arme Länder wie Togo daran beteiligt werden. Ich gratuliere „meinem“ Verein für die Auszeichnung.

Filmtipp: Dune von Denis Villeneuve

27. September 2021

Mein erster Kinobesuch seit dem Lockdown sollte etwas Besonderes werden. Ursprünglich wollte ich Godzilla vs King Kong sehen, aber der lief nicht bei uns im Kino. Also wartete ich auf Dune – der Wüstenplanet. Und ich habe wirklich einen besonderen Film gesehen.
Ich war nervös, als ich mein Kino Scala in Fürstenfeldbruck betrat. Viele Gedanken gingen mir durch den Kopf. Den Roman von Frank Herbert habe ich in allen deutschen Übersetzungen gelesen – und darüber gebloggt: Welche Übersetzung von Dune ist die beste? Während ich im bequemen Kinosessel saß, sortierte ich meine Gedanken.

Freilich wusste ich vom verrückten Versuch von Alejandro Jodorowsky seine Version von Dune 1974 auf die Leinwand zu bringen. Trotz aller Kritik konnte ich David Lynch Verfilmung von 1984 und den TV-Verfilmungen viel Gutes abgewinnen, aber von Denis Villeneuve erwartete ich mir wirkliche Wunderdinge. Seine Fortsetzung von Blade Runner hatte mir gefallen, Arrival führte SF zu neuen Ufern – und jetzt also die erste Hälfte von Frank Herberts Roman Dune in 155 Minuten.

Gleich vorweg: Denis Villeneuve hat es geschafft, die Magie des Buches einzufangen und auf die Leinwand zu bringen. Und es ist ein Film für die große Leinwand. Dune muss zum ersten Mal im Kino genossen werden. Ich hab ihn mir ein paar Tage später nochmals angeschaut, um auf die Details zu achten.
Obwohl der Roman aus dem Jahre 1965 stammt, sind die Themen noch aktuell: Politik, Macht, Drogen, Religion, Feminismus, Ökologie, Intrigen – alles passt. So sieht ein großer, moderner Science Fiction Film aus – und Freunde der Raumschlachten und Action werden enttäuscht sein. Wie Peter Jackson Tolkien richtig verfilmte, so schuf Denis Villeneuve seine Version von Frank Herberts Epos.

Und Denis Villeneuve verbeugt sich in seinen Einstellungen vor den Größen des Kinos.
So genoss ich die erste Einstellung von Baron Wladimir Harkonnen, dargestellt vom Schweden Stellan Skarsgård. Im Halbdunkel streicht er sich über den Kopf – und man erkennt Colonel Walter Kurtz, der von Marlon Brando in Apokalypse Now dargestellt wurde. „Das Grauen, ich habe das Grauen gesehen“ kommt mir sofort in den Sinn und ich muss bei der Anspielung grinsen.
Die Einführung der gnadenlosen Sardaukar, die Elitetruppe des Imperators Shaddam IV., erinnert an die Salbung vor einem Kreuzzug. Einige Kämpfer liegen sogar mit gekreuzten Armen auf dem Boden, um die Salbung zu empfangen – als ginge es in einen heiligen Krieg. Dabei kommt dieser heilige Krieg mit dem Aufstand der Fremen ja erst im zweiten Teil des Romans.

Bei Lynch-Version genoss ich das Setdesign im Stile des Art Deco. Denis Villeneuve Version ist radikaler, sehr stark expressionistisch mit harten Licht und Schatten. Die wasserreiche Welt von Caladan, die Heimatwelt des Hauses Atreides, wirkt freundlicher, da kann der Kontrast zum Wüstenplaneten Arrakis nicht deutlicher sein. Hier sollte dem letzten Zuschauer auch klar geworden sein, woher George Lucas seine Idee von Tatooine hatte. Das Zeremoniell der Übergabe vor den Hoheitsabzeichen des Hauses Atreides hat große Symbolik. Der rote Adler nimmt bei Denis Villeneuve ein anderes Aussehen an als im Buch beschrieben.
Apropos Symbolik: Erinnern Sie sich noch an die Pyramide der Tyrell Corporation aus Blade Runner? Das war das Zentrum der Macht – in Dune kommt sie wieder vor als Palast auf Arrakis. Dieser wird von dem gemeinsamen Angriff der Harkonnen und Sardaukar verschont, während die restliche Stadt und ihre Bewohner in Flammen aufgehen.

Natürlich wartet der Zuschauer in Dune auf die Sandwürmer, von den Fremen auch Shai-Hulud genannt. Sie gelten als Ursprung des Spices. Der erste Wurm im Film ist auf den ersten Blick gar nicht als Wurm erkennbar, sondern ist ein Raumschiff, gesteuert von den Navigatoren. Wir wissen ja, die Droge Spice von Arrakis sorgt dafür, dass die Navigatoren den Raum krümmen können. Vom wurmartigen Raumschiff löst sich aus einer großen mundartigen Öffnung ein kleines Schiff. Erst später sehen wir die gewaltigen Würmer auf dem Planeten. In einer der letzten Szenen des Films können wir erhaschen, wie auf dem Wurm geritten wird.

Gefallen haben mir die Andeutungen, ob Paul Atreides der eine ist, der Kwisatz Haderach, der Erlöser der Fremen. Mal hinterfragen es die Fremen, mal hinterfragen es die Damen vom Orden der Bene-Gesserit. Ich finde diesen Frauenordnen höchst interessant. Frank Herbert schuf hier eine Form der feministischen Macht, die die mächtigen Häuser unter Druck setzt. Selbst der böse Harkonnen-Baron kuscht vor der Macht der Ehrwürdigen Mutter Gaius Helen Mohiam und kocht natürlich sein eigenes Süppchen, als er verspricht Paul und seiner Mutter Lady Jessica kein Haar zu krümmen. Jessica, die Konkubine von Herzog Leto ist auch eine Bene-Gesserit, die aber mit Paul einen Jungen geboren hat, obwohl es der Ordnen ihr verboten hat. Damit steigen die Chancen, dass Paul der Erlöser, der Kwisatz Haderach ist. Damit zeigt sich, dass der Frauenorden an einem jahrhundertealtem Eugenikprogramm arbeiten. Und Paul wird von der Ehrwürdigen Mutter Gaius Helen Mohiam mit einem vergifteten Pfeil, dem Gom Jabbar, gezwungen, sich einen Schmerztest zu unterziehen, um herauszufinden, ob er der Erlöser ist.
Technik spielt in diesem Science Fiction Film eine untergeordnete Rolle. Zwar gibt es Raumschiffe, aber sie sind nicht so dominant und edel, sondern eher schwere Transportschiffe. Die Transporter von Herzog Leto erinnern auch an die Sandcrawler aus Star Wars, dem fahrenden Heim der Jawas. Die Kriegsflotte der Harkonnen und der Sardaukar sind tropfenförmige, dickbauchige Schiffe, die zur Landung auf Planeten gedacht sind und nicht für Raumkämpfe.
Sehr schön empfand ich die libellenartigen Fluggeräte auf Arrakis. Diese Flugmaschinen sind absolut überzeugend und erinnern mich an den Film Oblivion von 2013. Und schön, wenn eine solche Libelle vom Fremenversteck startet, das an den Raumhafen von Mos Eisley erinnert. Nur der Falke hat eben gefehlt.

Rundum ist Dune für mich ein absolut gelungener Film geworden, der aber die Zuschauer spalten wird. Vielen fehlt die Action und das religiöse Gebrabbel geht so manchen auf den Zeiger – ich habe es genossen und hoffe, dass der Film genügend einspielt, dass sich Warner an die Fortsetzung traut. Es müssen ja nicht gleich alle Bücher von Frank Herbert sein, aber der Wüstenplanet und der Aufstieg Pauls zum Muad’Dib und die Wüstenmaus, die Zähmung des Shai-Hulud und der Genuss des Wassers des Lebens will ich doch schon aus der Hand von Denis Villeneuve sehen. Leute, geht ins Kino.

Musiktipp: Springtime In New York: The Bootleg Series, Vol.16 (1980-1985) von Bob Dylan

24. September 2021

Meine erste Bob Dylan Schallplatte war 1985 das Album Empire Burlesque und ich war gelinde gesagt überrascht über das überproduzierte Album von Remixer Arthur Baker. Das sollte der Dylan sein, der die Musikgeschichte auf den Kopf gestellt hatte? Die veröffentlichten Alben der achtziger Jahre waren zugegeben gewöhnungsbedürftig. Böse Zungen sagen, die Platten waren grottenschlecht.

Aber was hätte die Achtziger für eine starke musikalische Zeit für den Meister werden können? Dylan löste sich von seiner religiösen Phase und musste sich im MTV-Zeitalter neu orientieren. Diese Orientierungsphase ging aber vollkommen in die Hose. Viele der Veröffentlichungen waren schauderhaft.
Aber jetzt legt Bob Dylan die 16. Ausgabe seiner Bootleg Series mit dem Titel Springtime in New York: the Bootleg Series Vol. 16 vor. Noch mehr Müll aus der grausamen Zeit? Weit gefehlt – was für geniales Material hatte Dylan 1980–1985 geschrieben und aufgenommen, aber nicht veröffentlicht? Die Musik ist schlichtweg der Hammer: Unveröffentliches Material, das so frisch, so spielfreudig, so engagiert, so frech daherkommt. Musiker wie Tom Petty, Mark Knopfler, Mick Taylor, Sky & Robbie und viele mehr.

Dylan, was hast du für Schätze damals aufgenommen und dann ins Archiv gestellt und einen Mist stattdessen auf Vinyl gebrannt? Ich habe mir Sprintime In New York 1980–1985 als Box-Set mit 5 CDs angeschafft und bereue die finanzielle Ausgabe nicht einen Moment. Das Deluxe Boxset enthält auf fünf CDs ingesamt 57 Tracks, bis auf drei Tracks alle bislang unveröffentlicht, und zusätzlich in gewohnt opulenter Ausstattung ein 100-seitiges Hardcover-Buch u.a. mit Fotos von seltenen Dylan-Memorabilien dieser Zeit. Das Album gibt es auch als preisgünstigere Doppel-CD/LP.

Wir haben Aufnahmen aus der Ära Shot of Love, Infidels und Empire zu entdecken, also die letzten Ausläufer des religiösen Dylan und seine Hinwendung zum Rock.
Unter den Goldstücken gibt es einige Perlen zu entdecken. Blind Willie McTell kannten wir schon aus der Bootleg Series 1 – nun gibt es den Take 5 der Infidels Outtake zudem Fool of Pride. Mir persönlich gefallen Don’t Fall Apart on Me Tonight (Version 2) (Infidels Alternate Take), Too Late (Band Version) (Infidels Outtake), New Danville Girl (Empire Burlesque Outtake – das später Brownsville Girl werden sollte) und Sweet Caroline. Letzteres kommt wohl aus der Bekanntschaft mit Neil Diamond durch den Last Walz Auftritt von The Band.

Nachdem Empire mein erstes Dylan-Album war, war ich neugierig auf die Versionen von Tight Connection to My Heart (Has Anyone Seen My Love) (Empire Burlesque Alternate Mix), Emotionally Yours (Empire Burlesque Alternate Take) und vor allem Dark Eyes.
Wenn Dylan in den achtziger Jahren das richtige Gespür gehabt hätte, dann hätte er diese Zeit musikalisch bestimmen können. Gut, dass er die Sachen nicht weggeworfen hat und nun nach 40 Jahren veröffentlichte. Ich empfehle Springtime in New York: the Bootleg Series Vol. 16 jedem, der gute Musik zu schätzen weiß. Dylan-Fans werden die Bootleg Series 16 sowieso kaufen und genießen.

Ford, was habt ihr mit dem Mustang gemacht?

23. September 2021

Der neue Mustang ist da. Ich werde nur bei ein paar Autos wirklich schwach: Dazu gehören der Aston Martin und der Ford Mustang. Und wie ich den entsprechenden Diensten entnehme, hat Ford jetzt einen elektrischen Ford Mustang mit dem Namen Mustang Mach-E auf den Markt gebracht. Ich habe nichts gegen Elektro-Autos, mein nächstes Fahrzeug wird wohl auch ein Elektrovehikel sein. Aber liebe Designer bei Ford: Was habt ihr mit meinem Mustang gemacht?

Der neue Mustang als Elektro-Variante Mach-E von Guy Kawasaki.

Das Design ist, sagen wir es mal freundlich, gewöhnungsbedürftig. Die Rücklichter sind die einzige Konstante, aber sonst. Ich bekomm die Krise und weiß, welches Auto ich mir nicht kaufen werden.
Bei meinem Frust habe ich auf einen Fotoband Art of the Mustang zurückgegriffen und mich an vergangene Zeiten schwermütig erinnert. „So haben Sie den Ford Mustang noch nie gesehen“, steht auf dem Rückumschlag und die Autoren Tom Loeser und Donald Farr haben absolut recht. Die Vorstellung des Ford Mustang im Jahr 1964 bildete eine Zäsur in der Geschichte der amerianischen Automobilindustrie.

Das Buch Art of the Mustang aus dem Jahre 2015 hat zwar schon ein paar Jahre auf dem Pferderücken (Wortspiel), aber zeigt für mich noch immer die Faszination an der Marke. Über einen Zeitraum von 50 Jahre demonstriert das Buch die schönen Modelle und die grausamen Designmodelle des Mustangs. Die schrecklichen Fahrzeuge der achtziger Jahre überblättete ich geschwind. Die Fotos „meiner“ Mustangs sind großartig, detailreich und fesselnd. Und ich werde hier nicht eine berechtigte Diskussion um Spritverbrauch und CO2-Belastung anstellen – diese Autos bleiben für mich Traumautos und in meinen Träumen fahren diese PS-Boliden klimaneutral.
Was ich an diesem Buch Art of the Mustang unheimlich schön finde, ist das Storytelling. Es werden nicht nur technische Daten der verschiedenen Modelle verarbeitet, sondern es werden zwischendurch Geschichten erzählt. Wie die Geschichte als der Mustang zum Mietwagen wurde.

Ende der sechziger Jahre des vergangenen Jahrhunderts trat der US-Autovermieter Hertz an Ford heran. Sie hatten gerade die gesamte Flotte von GM auf Ford umgestellt. Nun wurde Ford gebeten 200 Mustangs für das Hertz-Sports-Car-Club-Programm zu liefern. Gesagt, getan und es entstand ein schwarzer G.T. 350 mit Goldstreifen. Das waren die Farben, die Herz bei der Unternehmensgründung im Jahr 1925 zur Kennzeichnung seiner Mietwagen verwendet hatte. Das Auto kam so gut an, dass Hertz daraufhin nochmals 800 Fahrzeuge bestellte. Von Ende 1965 bis Anfang 1967 konnte man die 1966er Shelby G.T. 350H Mustangs bei Hertz für 17 Dollar pro Tag plus 17 Cent pro Meile mieten. Dann wurden sie ausgemustert und sind heute begehrte Sammlerobjekte. Die

Für Fotografen und Filmer: Antireflex-Gegenlichtblende gegen Spiegelungen und Reflexionen

20. September 2021

Immer wieder bin ich mit dem Zug, dem Flugzeug oder mit dem Auto aus Beifahrer unterwegs und will fotografieren oder filmen. Das Problem sind die Spiegelungen oder Reflexionen in der Scheibe, die in der Regel die Aufnahmen ruinieren. Ich will mich ja auf meinen Aufnahmen nicht gespiegelt sehen.

Abhilfe schafft da eine einfache Gegenlichtblende aus Silikon. Das leichte, faltbare Teil wird vor das Objektiv gehalten und schon hat man perfekt klare, blendfreie Aufnahmen durch Fenster. Der schwarzer Silikonkegel, der sich grundsätzlich an jedes Standardobjektiv anpasst, blockiert unerwünschte Blendungen und Reflexionen. Diese faltbare Antireflex-Gegenlichtblende habe ich in der Tasche. Sie wiegt weniger als 90 Gramm und hat mir gute Dienste geleistet. Klare Empfehlung für Fotografen und Filmer.