Archive for Dezember 2025

Mein persönlicher Jahresrückblick 2025

31. Dezember 2025

Das Jahr 2025 war ein Jahr der drastischen Veränderung. In diesem Jahr verstarb meine geliebte Mutter überraschend. Ich konnte sie in ihren letzten Momenten nicht begleiten, weil ich an der Ostsee weilte. Zehn Stunden Rückfahrt waren lang. Ich konnte nicht bei ihr sein. Jetzt bin ich nach dem Tod meines Vaters zur Corona-Zeit wirklich das Familienoberhaupt und ich trage schwer an dieser Bürde. Die Bürokratie bei einer Erbschaft frustete mich gewaltig. Aber ganz herzlichen Dank an meine Frau und meine Kinder, die hier immer zur Seite standen.

Monster Bürokratie
Aufgelöst haben wir einen Verein BEST, den meine Kollegin Maria Filina und ich mit Unterstützung der Landtagsabgeordneten Barbara Becker gegründet hatte. Er sollte russischsprachigen Menschen eine Eingliederung in das deutsche Gesundheitswesen ermöglichen. Meine persönliche Erkenntnis: Das bürokratische Gesundheitswesen in Deutschland ist oftmals an keiner Lösung interessiert. Den engagierten Leuten werden Hürden in den Weg gelegt. Das frustrierte mich, obwohl wir mit BEST natürlich auch Erfolge hatten. Danke an alle, die sich engagiert haben.

15 Jahre redaktion42
Aber es ging auch aufwärts im vergangenen Jahr. Ich feierte im März den 15. Geburtstag meines Unternehmens redaktion42. Eigentlich ist es schon älter, weil ich es neben meiner damaligen Festanstellung mein Unternehmen parallel dazu aufgebaut habe. Aber seit 15 Jahren bin ich wirklich selbstständig.

Es gelang 2025 mir neue Kunden zu gewinnen, nachdem bestehenden Kunden unter massiver Finanznot zu leiden haben. Für politische Bildung ist trotz finsterer Zeiten immer weniger Geld vorhanden. Die Bäume wachsen nicht mehr in den Himmel. „Du musst den Gürtel enger schnallen“ habe ich immer wieder gehört von Leute in einer soliden Festanstellung. Aber zurücklehnen und zu jammern ist nicht mein Ding, sondern ich versuche aktiv den Markt zu bearbeiten.

BistroTalk nimmt Fahrt auf
Dazu gehört auch eine gewisse Investitionsbereitschaft, die sich nicht sofort in bare Münze auszahlt. So hieß es 2025 experimentieren, zu lernen und Erfahrungen zu sammeln. Eines der Experimente war das Live-Streaming BistroTalk in YouTube aus meinem zweiten Wohnzimmer, der Bar Sixtyfour in Maisach. Gastronom Uwe Flügel und seine Frau Ruby stellten mir ihr Bistro als Streamingstudio zur Verfügung. Ganz herzlichen Dank und auch Dank für eure Freundschaft.

Ich lud lokale Prominenz aus meinem Wohnort Maisach zu diesem Videopodcast ein, sprach mit ihnen vor Publikum und streamte die Veranstaltung live ins Netz mit drei Kameras und einem ATEM-Mischer. Dieses Experiment, das 2026 fortgesetzt wird, brachte dem Bistro und mir neue Kunden und den Gästen lokale Aufmerksamkeit. Also eine Win-Win-Win-Situation für alle. Vielleicht gibt es 2026 die Möglichkeit für den BistroTalk einen lokalen Sponsor zu finden.

Fortbildung zum Digitalbegleiter
Als ich vor Jahren Pressereferent der Handwerkskammer in München und Oberbayern war, schrieb ich in die Reden meines Präsidenten zum Thema Weiterbildung den bekannten Ausspruch von Laozi: „Lernen ist wie Rudern gegen den Strom. Hört man damit auf, treibt man zurück.“ Das hab ich mir gemerkt und immer Augen und Ohren offen gehalten, um Bildung zu erhalten. Dieses Jahr stand vor allem das Thema KI an, denn aus meiner Sicht verändert Künstliche Intelligenz unsere Welt drastisch und nachhaltig. Ich saugte Wissen auf, transformierte es in Vorträge und Seminare, um dieses Wissen weiterzugeben. Das habe ich als Journalist gelernt: Komplizierte Sachverhalte zu recherchieren, zu bewerten und weiterzugeben. So oft habe ich erlebt, dass so genannte Experten unfähig sind, ihr Wissen zu vermitteln.

Und ich habe dieses Jahr einen Fortbildung zum Digitalbegleiter gemacht. Im Hinblick auf eine älter werdende Gesellschaft ist es wichtig, dass Senioren den Anschluss an die digitale Welt nicht verpassen. Und so habe ich auch neue Kunden durch diese Fortbildung gewinnen können.

52 Newsletter verschickt
Jeden Sonntag morgen verschicke ich zuverlässig meinen Newsletter. Der dient in erster Linie dazu, meine Seminare und Veranstaltungen zu bewerben. Aber er liefert zudem Informationen aus den Bereichen Internet, KI, Social Media und unterhaltende Elemente wie Film-, Buch- und Musiktipps wobei Links zu meinen Blogposts der vergangenen Woche. Der Newsletter macht ziemlich Arbeit und das gewünschte Ziel, Leute für Seminare zu begeistern, gelingt.

Rund 1000 Interessierte haben den kostenlosen Newsletter abonniert. Sie können gerne auch dabei sein. Vielleicht gelingt es mir 2026 sogar einen Sponsorpartner dafür zu finden, denn das Newsletter-System geht ziemlich ins Geld. Aber ich mache auch 2026 mit meinem wöchentlichen Newsletter weiter. Das Abo gibt es hier.

Matinee im Scala Kino Fürstenfeldbruck
Etabliert hat sich auch meine Matinee im Scala Kino Fürstenfeldbruck. Regelmäßig bespreche ich Filmklassiker vor Publikum. Die Fangemeinde wächst und wächst. Zusammen mit dem Geschäftsführer des Scalas Markus Schmölz haben wir mit phantastischen Filmen gestartet und die Matineen um Komödien und Western erweitert.

Das Programm für das erste Halbjahr 2026 steht fest und ich bin davon überzeugt, dass es angenommen wird. Die Kombination Film und Populärkultur ist meine Leidenschaft. Danke an das Scala für den Mut und die Bereitschaft neue Wege zu gehen.

Persönlich: Mein Buch-Tipp 2025
Mein Buch des Jahres war Ikigai von Ken Mogi. Ken Mogis Ikigai. Die japanische Lebenskunst ist ein schmales, leicht zugängliches Sachbuch, das den japanischen Begriff „Ikigai“ – sinngemäß das, wofür es sich zu leben lohnt – einem westlichen Publikum näherbringen möchte. Mogi, selbst Neurowissenschaftler, verbindet dabei persönliche Beobachtungen, kulturelle Einordnungen und einfache Lebensweisheiten zu einer Art philosophischem Essay über Sinn, Achtsamkeit und Lebensfreude.

Im Zentrum stehen fünf Grundpfeiler des Ikigai: klein anfangen, sich selbst loslassen, Harmonie und Nachhaltigkeit leben, die Freude an kleinen Dingen entdecken und ganz im Hier und Jetzt sein. Diese Prinzipien werden nicht systematisch wissenschaftlich hergeleitet, sondern eher erzählerisch entfaltet. Mogi greift auf Beispiele aus dem japanischen Alltag zurück – von Sushi-Meistern über Handwerker bis hin zu alltäglichen Routinen – und zeigt, wie Sinnstiftung weniger aus großen Lebensentwürfen als aus beständiger Hingabe an das eigene Tun entsteht.

Die Stärke des Buches liegt für mich in seiner ruhigen, unaufgeregten Tonalität. Ikigai lädt zur Entschleunigung ein und wirkt gerade durch seine Einfachheit. Der Autor vermeidet dogmatische Ratschläge und vermittelt stattdessen eine Haltung: Aufmerksamkeit für das Kleine, Respekt vor Prozessen und Geduld mit sich selbst. Ich bekam sogar von einer netten Kollegin ein entsprechendes T-Shirt geschenkt. Vielen Dank Anita.

Persönlich: Mein Album-Tipp 2025
Ich hatte neulich schon über mein Album 2025 ausführlich gebloggt. Nebraska von Bruce Springsteen in der Extended Version. Mit Nebraska zeigte Bruce Springsteen 1982 eine radikale, bis heute verstörend wirkungsvolle Seite seines Schaffens. In der Extended Version entfaltet sich dieses Album noch deutlicher als karges Gegenstück zum Pathos späterer Stadionhymnen. Die Songs, ursprünglich als rohe Heim-Demos aufgenommen, erzählen von Verlierern, Außenseitern und moralischer Leere im amerikanischen Alltag. Springsteens Stimme klingt brüchig, fast dokumentarisch, begleitet nur von Akustikgitarre, Mundharmonika und gelegentlichen düsteren Klangflächen.

Gerade in der erweiterten Fassung wird Nebraska weniger als Sammlung einzelner Lieder, sondern als geschlossenes Stimmungsbild erfahrbar: ein Amerika der leisen Verzweiflung, fern von Glanz und Erlösung. Die zusätzliche Laufzeit verstärkt den Eindruck von Trostlosigkeit und Konsequenz, ohne das Album zu verwässern. Nebraska bleibt damit eines der mutigsten und nachhaltigsten Werke Springsteens – unbequem, reduziert und gerade deshalb von zeitloser Kraft.

Persönlich: Meine Konzerte 2025
Durch den überraschenden Tod meiner Mutter hatte ich eine neue Freiheit gewonnen, die mir durch Pflege meiner Mutter verwehrt gewesen blieb. Nun konnte ich mit meiner Frau wieder reisen und auf Konzerte gehen, in einem Ausmaß, das ich früher nicht machen konnte.

Ich besuchte zahlreiche Privatkonzerte in München mit beispielsweise Dominik Plangger, reiste u.a. zu Neil Young nach Berlin, hörte Kruger und Dorfmeister und auch Karl Bartos, aber die wichtigsten Konzerte für mich im Jahre 2025 waren auf den Stuttgarter Jazz-Festival als ich Kraftwerk, Jean-Michel Jarre und Martin Kohlstedt lauschen durfte. Über all die Konzerte habe ich gebloggt. Kraftwerk bleibt für mich die wichtigste deutsche Band. JMJ begleitet mich seit meiner Jugend und ich wollte diesen einstigen Vertreter der Musique Concrete unbedingt mal live sehen: Überwältigend.

Martin Kohlstedt gehört für mich zu den eigenständigsten Stimmen der zeitgenössischen Instrumentalmusik. Seine Kompositionen bewegen sich zwischen Minimal Music, Neoklassik und elektronischer Offenheit und entwickeln eine große emotionale Tiefe, ohne je pathetisch zu wirken. Besonders charakteristisch ist sein modulares Konzept: Stücke sind keine abgeschlossenen Werke, sondern lebendige Systeme, die sich in Konzerten immer wieder neu formen.

Und ich traf wieder den großartigen Schriftsteller Tim Pröse bei einer seiner emotionalen Buchvorstellungen.

Persönlich: Meine Reisen
Ich genoss dieses Jahr meine Reise nach Schottland , nach Bayreuth oder auch ins wunderschöne Lübeck. Dieses Jahr war aber meine wichtigste Reise nach Estland. Mitten im Winter zeigte sich dieser baltische Staat von einer Schönheit, die ich so nie erwartet hatte. Und ich habe die Angst der Esten vor einer drohenden russischen Invasion kennengelernt. Die Esten waren mehrmals von Deutschen und Sowjets besetzt und litten darunter. Sie mussten den ersten Cyberkrieg der Russen erleben und sind achtsam. Ich bewundere zudem die weitreichende Digitalisierung. „Die Deutschen denken zuerst nach und handeln dann – nicht!“ Dieser Satz ist mir hängen geblieben. Ich habe die Reise ausführlich mit schwarzweiß Fotos dokumentiert. Dabei habe ich festgestellt, wie stark SW wirkt.

Zum Leidwesen meiner Frau habe ich auch wieder angefangen analog zu fotografieren. Und zwar mit einer SX-70 von Polaroid von 1974. Ja, ganz richtig: Ich habe wieder mit Sofortbilder begonnen. Das war noch Fotografie, wie ich sie liebe.

Eine große Freude und Inspiration war es, den Sohn der großartigen Fotografin Lee Miller Antony Penrose und den renommierten Leica-Fotografen Herbert Piel zu treffen und zu sprechen.

Persönlich: Meine Anschaffung
Ich habe dieses Jahr investiert und mir eine Apple Vision Pro zugelegt. Die Apple Vision Pro ist mehr als ein technisches Wunder – sie ist für mich ein Tor zu einer Welt, in der Arbeit nicht länger an starre Grenzen gebunden ist, sondern sich wie ein lebendiger Strom um den Menschen herum entfaltet. Allerdings habe ich nun eine Lösung für Probleme, die ich bisher nicht hatte.

Ich taste mich Zug um Zug in diese faszinierende virtuelle Welt vor. Hilfe und Unterstützung gibt mir ein virtueller Stammtisch der Facebook-Gruppe VR Familie – Meta Quest, Steam Frame, Apple Vision Pro, PSVR, Galaxy XR. Im Moment schreibe ich diesen Text über die Vision Pro und es ist eine ganz neue Erfahrung. Ich bin gespannt, wohin mich meine Reise bringt.

Persönlich: Meine Ehrenämter
Ich habe mehrere Ehrenämter, die mich ganz schon in Anspruch genommen haben. Da wäre zum einen die Aktion PiT Togohilfe um die Familie Kopp. Dort gehöre ich dem Vorstand an und bringe mich in Sachen Presse- und Öffentlichkeitsarbeit ein.

Zum anderen bin ich Mitglied des historischen Arbeitskreises meiner Wohnortgemeinde Maisach. Dort geben wir einmal pro Jahr das Heft Meisaha heraus, bei dem ich Artikel schreibe und die ganzen Artikel layouten sowie die Öffentlichkeitsarbeit mache. Das Heft wird in zahlreichen Geschäften in der Gemeinde und im Rathaus verkauft. Ich darf die Facebook-Seite betreuen, nehme unsere Veranstaltungen und Lesungen auf Video auf.

Und was soll 2026 kommen?
Im kommenden Jahr soll noch ein Online-Shop und die Website für mein Meisaha-Heft hinzukommen. Die Arbeit werde ich nicht aufschieben, denn ich weiß ja nicht, was das Jahr 2026 noch so bringen wird.
Die Erfahrungen mit dem Online-Shop kann ich gleich nutzen, um Teile meines Archivs aufzulösen und Platz zu schaffen. Die Keller sind voll, übervoll und ich werde mich von einigen Sammlungen trennen. Da wäre so ein Online-Shop ganz nützlich.

Meine Käufe von Vinyl-Schallplatten im Dezember

29. Dezember 2025

Vinyl ist für mich mehr als nur Musik. Es ist das leise Knistern vor dem ersten Ton, das schwere Cover in den Händen, das bewusste Auflegen der Nadel. Schallplatten zwingen mich zum Innehalten – kein Skippen, kein Nebenbei. Jede Platte erzählt eine Geschichte, nicht nur durch die Musik, sondern durch ihren Klang, ihre Patina, ihre Zeit. Vinyl ist für mich Nähe, Wärme und ein kleines Stück Entschleunigung in einer lauten Welt. Hier meine Käufe von Vinyl-Schallplatten im Dezember.

Akira von Shoji Yamashiro
Der Soundtrack zu Akira wurde komponiert von Shoji Yamashiro – Pseudonym von Tsutomu Ōhashi – und eingespielt vom musikalischen Kollektiv Geinoh Yamashirogumi. Schon bei der Planung des Films legten Regisseur und Komponist besonderen Wert auf Musik: Bevor auch nur ein einziger Frame animiert war, sollte der Klang „stehen“ – Musik war nicht nur Begleitung, sondern Teil der erzählerischen Architektur.
Was diesen Soundtrack so radikal machte, war seine Mischung aus scheinbar unvereinbaren Klangwelten. Yamashiro und Geinoh Yamashirogumi verbanden Elemente traditioneller indonesischer Gamelan-Musik, japanischer Nō-Musik, buddhistischer Choräle und westlicher, orchestraler Ansätze mit modernen elektronischen Synthesizern und experimentellen Klangformen. Heraus kam ein Sound, der ebenso archaisch wie futuristisch, ebenso spirituell wie apokalyptisch wirkt — perfekt für die dystopische Welt von Neo-Tokio, in der Akira spielt.
Wenn man den Film hört — etwa beim ikonischen Stück Kaneda — spürt man sofort den Herzschlag aus Stahl und Staub: donnernde Percussion, virile Bambus-Rhythmen und ein Chor, der zwischen Verwüstung und ekstatischem Aufruhr schwankt. Szenen anarchischer Jugend, rasender Motorräder und entfesselter Gewalt erhalten durch diese Musik eine monumentale Wucht. Sie sind nicht nur Bilder und Handlung — sie sind ein Klangereignis, ein Inferno aus Rhythmus, Körper und Klang.
Doch der Soundtrack kann auch andere Seiten – er schafft düstere Intensität, seelische Unruhe, apokalyptische Bewusstheit. Stücke wie Dolls’ Polyphony oder Requiem spielen mit menschlicher Stimme, Minimalismus und bedrohlicher Leere. Die Musik wird Orgasmus und Katastrophe zugleich, Gebet und Kriegsgeschrei. In Momenten großer Tragik, städtischer Verfallsvisionen oder existenzieller Wendepunkte wird der Score zu einem eigenständigen Charakter — laut, rätselhaft, grausam schön.
So verstärkt der Soundtrack die Themen des Films: Jugendgewalt, soziale Zerstörung, mentale Überlastung und die Zerbrechlichkeit der Menschheit — aber auch Energie, Aufruhr, Rebellion und entfesselte Kraft. Musik und Bild verschmelzen so vollständig, dass man kaum irgendwann den Anfangspunkt unterscheiden kann: Der Klang treibt den Film, der Film die Musik.
Auch außerhalb des Films bewirkte dieses Klangexperiment einiges: Der Score von Akira gilt bis heute als Meilenstein der Filmmusik, als Paradebeispiel dafür, wie ein Soundtrack zur Seele eines Films werden kann – nicht nur untermalt, sondern gestaltet. Die Kombination aus traditionellen, globalen Musikstilen und moderner Elektronik, das Spiel mit Klangtexturen und Stimme, all das wirkte damals neu, schockierend und zugleich magisch — und inspirierte unzählige Musiker*innen und Filme danach.
Kurz gesagt: Der Soundtrack von Akira ist ein Klangmonolith. Er lässt Neo-Tokio vibrieren, er lässt Chaos atmen, er lässt Angst hörbar werden. Aber er erzählt auch von Widerstand, Sehnsucht und apokalyptischer Schönheit. Ohne diese Musik wäre Akira nicht das, was er ist — ein filmisches Manifest, ein Schrei gegen Verfall, ein Rausch der Sinne. Die Musik allein reicht, um dich mitten hinein in die Ruinen der Zukunft und zugleich in die inneren Dämonen der Menschheit zu katapultieren.

Greatest Hits I II von Billy Joel
Billy Joel zählt zu den prägendsten Persönlichkeiten der modernen Musikgeschichte. Seit den 1970er-Jahren hat er mit seinen zeitlosen Kompositionen, seiner unverwechselbaren Stimme und seinem außergewöhnlichen Gespür für Melodien ein Werk geschaffen, das Generationen von Hörerinnen und Hörern berührt. Kaum ein anderer Künstler versteht es so meisterhaft, Geschichten des Alltags, persönliche Erfahrungen und gesellschaftliche Beobachtungen in eingängige Popsongs zu verwandeln, die zugleich künstlerischen Anspruch besitzen. Seine Hymnen wie Piano Man, New York State of Mind oder Just the Way You Are haben längst den Sprung von Radiohits zu kulturellen Fixpunkten geschafft und sind fester Bestandteil des kollektiven Gedächtnisses.

Dabei ist Billy Joel nicht nur ein brillanter Songwriter und Pianist, sondern auch ein außergewöhnlicher Live-Künstler, dessen Konzerte weltweit legendären Ruf genießen. Mit Empathie, Humor und handwerklicher Perfektion schafft er Momente, die weit über das Musikalische hinausreichen und Menschen unterschiedlichster Herkunft verbinden. Seine Karriere ist geprägt von künstlerischer Integrität, Respekt vor musikalischen Traditionen und dem Mut, immer wieder neue Wege zu gehen. Billy Joel hat nicht nur die Popmusik bereichert – er hat ihr emotionale Tiefe und erzählerische Größe verliehen. Seine Bedeutung reicht weit über seine zahlreichen Auszeichnungen hinaus: Er ist ein musikalischer Chronist menschlicher Gefühle, ein Botschafter des Alltäglichen und zugleich ein Ausnahmekünstler, dessen Werk auch in Zukunft nichts von seiner Strahlkraft verlieren wird. Ich höre dieses Doppelalbum sehr gerne.

Vixen von Bill Loose
Der Soundtrack zu Vixen! — komponiert von Bill Loose — ist ein eigenwilliges, ambivalentes Musikzeugnis aus der Zeit des 60er-Jahre Sexploitation-Films und funktioniert gleichermaßen als stimmungsvolles Sound-Setting wie als klangliches Zeitdokument mit deutlichem Trash- und Cult-Charakter.

Bereits der erste Höreindruck offenbart: Loose mischt Rock ’n’ Roll, bump-and-grind-Jazz, jazzige „Library Music“-Momente und streicherlastige „Widescreen“-Passagen — eine Mischung, die gleichzeitig provokativ und atmosphärisch dicht wirkt.  Die Musik unterstreicht mit ihrem Wechsel zwischen Schmelz und grobem Groove die wechselnden Tonlagen des Films – zwischen Verführung, Exzess und unterschwelliger Verstörung. 

In ruhigeren Momenten, etwa bei Tracks wie „Conversation Piece“ oder „Janet’s Theme“, erinnert der Sound an subtile Jazz- oder Lounge-Stimmungen — fast nostalgisch, aber immer mit einem Hauch von Unbehagen.  Hier zeigt Loose, dass er nicht nur für schockierende Wirkung zuständig ist, sondern durchaus musikalisch nuanciert und atmosphärisch differenziert arbeiten kann.

Gleichzeitig lebt der Score aber stark von seinem Kontext — er funktioniert als Teil des Films, weniger als eigenständige Musik. Wird man sich der Bilder und der filmischen Stimmung entledigt, wirkt der Soundtrack mitunter fragmentarisch, überzeichnet oder sogar ein wenig skurril. 

In seiner Gesamtheit ist der Soundtrack ein gelungenes Beispiel dafür, wie Musik in einem solchen Film nicht nur ergänzen, sondern bewusst übersteigern und provozieren kann — mit all der schillernden, verruchten, unkonventionellen Ästhetik, die Russ Meyer’s Kino auszeichnet. Für Fans des Kult-, B-Movie- und Exploitation-Kinos ist er daher ein lohnender akustischer Einstieg — als eigenständiges Hörerlebnis bleibt er dagegen deutlich ambivalent, reizt eher durch Stimmung als durch melodische oder kompositorische Meisterschaft.

Led Zeppelin – Houses of the Holy
Mit Houses of the Holy wagten Led Zeppelin 1973 einen stilistischen Befreiungsschlag. Das Album sprengt den reinen Hardrock-Rahmen und verbindet hymnische Gitarrenwände, psychedelische Klangräume und mutige Genre-Experimente zu einem facettenreichen Werk. Songs wie The Rain Song und No Quarter zeigen eine unerwartete Eleganz und Tiefe, während D’yer Mak’er und The Crunge mit Reggae- und Funk-Anleihen provozieren. Nicht jeder Stilbruch zündet sofort, doch genau dieser Mut macht das Album zu einem Meilenstein. Houses of the Holy ist weniger brachial als seine Vorgänger, aber reifer, fantasievoller und klanglich visionär – ein entscheidender Schritt auf dem Weg zur Rock-Ikone.

Star Wars: Episode III – Revenge of the Sith von John Williams
Star Wars: Episode III – Revenge of the Sith (Original Motion Picture Soundtrack) ist der Soundtrack zum Film Star Wars: Episode III – Revenge of the Sith und wurde von John Williams komponiert und dirigiert. Er erschien am 3. Mai 2005 unter dem Label Sony Classical – also rund anderthalb Wochen vor dem Kinostart des Films. Die Aufnahmen entstanden im Februar 2005 in den berühmten Abbey Road Studios in London und wurden von Williams’ langjährigem Ensemble, dem London Symphony Orchestra, sowie dem Chor London Voices eingespielt.

Musikalisch ist das Album typisch für Williams’ filmische Tonsprache: Es verbindet heroische, epische Themen mit tragischen, düsteren Motiven – passend zur dramatischen Geschichte von Anakin Skywalkers Fall und der Umwandlung der Republik zur galaktischen Diktatur. Klassiker ihrer Art sind der neu geschriebene, äußerst expressive Titel Battle of the Heroes, der das finale Duell zwischen Anakin und Obi-Wan musikalisch untermalt, sowie Stücke wie Anakin’s Betrayal oder The Immolation Scene, die die Tragik und den Verrat in diesem Kapitel der Saga hörbar machen.
Das Album umfasst 15 ausgewählte Musikstücke (nicht die gesamte Filmmusik), in einer dramaturgisch gestalteten Reihenfolge – also nicht exakt chronologisch zum Film. Mit einer Spieldauer von knapp über 70 Minuten bietet es einen konzentrierten, intensiven Eindruck der musikalischen Themen dieses Kapitels der Saga.
Kritisch wie lobend wurde das Album aufgenommen: Viele Rezensenten sehen es als würdiges und kraftvolles Finale der Prequel-Trilogie, mit einigen der stärksten musikalischen Momente, die Williams je schrieb. Besonders „Battle of the Heroes“ wird oft als Höhepunkt hervorgehoben. Allerdings wird – wie bei manchen anderen Alben der Saga – auch bemängelt, dass die Auswahl der Stücke vergleichsweise begrenzt sei und der Score als Ganzes im Vergleich zu früheren Werken etwas weniger frisch wirke.

Billy Joel: Live at Yankee Stadium
Live at Yankee Stadium zeigt Billy Joel auf dem Höhepunkt seiner Live-Stärke. Vor der monumentalen Kulisse des Yankee Stadiums verbindet er musikalische Präzision mit spürbarer Spielfreude und großer Nähe zum Publikum. Klassiker wie „Piano Man“, „New York State of Mind“ oder „Only the Good Die Young“ entfalten hier eine besondere Wucht und gewinnen durch die Stadionatmosphäre zusätzliche emotionale Tiefe. Joel beweist eindrucksvoll, warum er nicht nur ein herausragender Songwriter, sondern auch ein charismatischer Entertainer ist. Das Album ist weniger intime Konzertaufnahme als vielmehr ein kraftvolles Zeitdokument – ein Fest für Fans und ein überzeugender Einstieg für Neulinge.

Dombo bewegt: Rückblick, Bewegung und neue Impulse

28. Dezember 2025

Der Podcast „Dombo bewegt“ ist ein Gesprächsformat, in dem ich mich mit Norman Dombo vom Zentrum für Gesundheit Dombo in Maisach über aktuelle Entwicklungen, Erfahrungen und Perspektiven rund um Gesundheit, Bewegung und Unternehmensführung austausche. In der hier vorliegenden Folge steht ein Rückblick auf ein ereignisreiches Jahr sowie ein Ausblick auf kommende Veränderungen im Mittelpunkt.

Norman Dombo schildert das Jahr als geprägt von hoher Dynamik, zahlreichen Neuerungen und strukturellen Weiterentwicklungen. Dazu zählen unter anderem personelle Veränderungen, neue Mitarbeitende sowie das Feiern zweier Jubiläen: 30 Jahre Physiotherapie und zehn Jahre Trainingsbereich. Diese Meilensteine wurden mit einer Feier und der Einführung eines neuen Trainingsgeräts begleitet. Thematisiert wird dabei insbesondere das sogenannte Skillcord-Training, das visuelle, kognitive und motorische Aspekte miteinander verbindet und den Anspruch unterstreicht, auch nach Jahrzehnten Erfahrung offen für Innovationen zu bleiben.

Ein weiterer Schwerpunkt des Gesprächs liegt auf der besonderen Ausrichtung des Unternehmens. Norman Dombo beschreibt den Anspruch, sich durch ungewöhnliche Ideen und Aktivitäten von klassischen Physiotherapiepraxen abzuheben. Dazu zählen frühe Messeauftritte, Gesundheitsaktionen sowie gemeinsame Ausflüge für Mitglieder, die über den reinen Trainingsbetrieb hinausgehen und der Kundenbindung dienen.

Auch organisatorische Themen kommen zur Sprache, etwa die Öffnungszeiten und der eingeschränkte Betrieb rund um die Feiertage. Dabei wird erläutert, wie Trainingsmöglichkeiten trotz reduzierter Personalstärke aufrechterhalten werden und warum Erholungsphasen für Mitarbeitende und Leitung wichtig sind. Ergänzend wird auf gesundheitliche Aspekte von Stress und Erholung eingegangen.

Abschließend gibt Norman Dombo einen Ausblick auf das kommende Jahr. Ab Januar wird der Reha-Sport eigenständig im Haus organisiert, was eine weitere strukturelle Neuerung darstellt. Die Folge endet mit einem gemeinsamen Weihnachtsgruß und markiert zugleich den Abschluss der Podcast-Reihe für das Jahr 2025, verbunden mit der Ankündigung, das Format 2026 fortzusetzen.

Wenn der Jahreswechsel zur Nacht der Angst wird – warum das Böllern endlich ein Ende haben muss

27. Dezember 2025

Wenn sich das Jahr seinem Ende zuneigt und der Kalender die letzten Stunden zählt, liegt über vielen Städten längst keine unbeschwerte Vorfreude mehr. Der Jahreswechsel, einst Sinnbild für Aufbruch und Hoffnung, ist für Kommunen, Einsatzkräfte und Tiere zu einem Moment der Anspannung geworden. Der grelle Lärm der Böller, das Zischen der Raketen und der beißende Rauch erzählen inzwischen eine andere Geschichte – eine von Überforderung, Angst und wachsendem Zweifel an einem Brauch, der nicht mehr in die Zeit zu passen scheint. Daher fordere ich endlich ein Böllerverbot. Die Politik eiert herum, man hat Angst vor dem Wähler.

Ich bin mir sicher, im Dorf bei uns wird wieder geballert. Allerdings: In Bayern wird diese Entwicklung immer deutlicher spürbar. München und Nürnberg gehören zu den Städten, die offen darüber sprechen, dass sie mehr Handlungsspielraum brauchen. Münchens Oberbürgermeister Dieter Reiter fordert seit Jahren eine Änderung des Bundessprengstoffgesetzes. Sein Anliegen ist klar: Die Kommunen sollen selbst entscheiden dürfen, wo Feuerwerk erlaubt ist und wo nicht. Nicht aus Prinzip, sondern aus Verantwortung. In München steht etwa ein Böller- und Raketenverbot rund um den Tierpark Hellabrunn zur Diskussion – ein Ort, an dem Tiere in der Silvesternacht unter Stress, Panik und Orientierungslosigkeit leiden. Reiter betont dabei immer wieder, dass solche Entscheidungen nicht über die Köpfe der Menschen hinweg getroffen werden sollten.

Auch Nürnberg signalisiert Zustimmung zu diesem Kurs. Die Stadt zeigt sich offen für eine Gesetzesänderung, die Kommunen mehr Mitsprache einräumt. Dahinter steht die Erkenntnis, dass jede Stadt ihre eigenen Herausforderungen kennt – enge Altstädte, sensible Wohngebiete, Krankenhäuser, Altenheime oder eben Orte, an denen Tiere besonderen Schutz brauchen. Ein starres Bundesrecht wird diesen Realitäten immer weniger gerecht.

Ich gehe einen Schritt weiter: Feuerwerker sind für mich Tierquäler. Hunde, Katzen, Vögel haben Todesangst.
Was in der Silvesternacht passiert: 5.000+ Vögel sterben durch Kollisionen (Gebäude/Autos), Winterschläfer wachen auf und erfrieren (Igel, Siebenschläfer), 70% aller Haustier-Vermisstenanzeigen kommen am 1. Januar.
Ein einziges Feuerwerk bedeutet sechs Stunden Todesangst für Wildtiere. Bei Hunden gibt es eine Umfrage der Hunde-Community-App Dogorama. „In unserer Community hören wir immer wieder, wie sehr die Tiere unter der Knallerei leiden. An den Tagen rund um Silvester können viele Hunde kaum noch das Haus verlassen. Für zahlreiche Halter bleibt nur ein regelrechter Spießrutenlauf, um den Hund kurz vor die Tür zu bringen und sofort wieder in die ’sichere‘ Wohnung zu flüchten. Die Böller sind eine enorme Belastung für Tiere, die die Geräusche nicht einordnen können und aufgrund dessen in Panik den Fluchtreflex aktivieren. Ein eingeschränktes oder stärker reguliertes Böllern würde vielen Hunden enorm helfen“ mahnt Jan Wittmann, Gründer und Geschäftsführer von Dogorama. Meine beiden Kater drehten in den vergangenen Jahren durch und die armen Tiere hatten Angst.
Das Leid der Tiere, für die die Detonationen nicht ein Spektakel, bedeutet Böllern blanke Angst. Panik, Fluchtreaktionen, teils tödliche Verletzungen – all das gehört für Haustiere wie für Wildtiere zur bitteren Realität der Silvesternacht.
Jedes Aufschrecken kann lebensbedrohlich sein, wenn sie in Städten über Straßen flüchten. Füchse, die nachts in Siedlungen auf der Suche nach Nahrung sind, kehren unter Umständen nicht in ihr gewohntes Versteck zurück, sondern suchen Zuflucht in Gärten und Garagen. Igel und Bilche wie die Haselmaus oder der Gartenschläfer liegen zwar im Winterschlaf, aber störanfällig sind sie trotzdem.

In Bremen berieten die Innenminister von Bund und Ländern über ein mögliches Böllerverbot an Silvester. Der Gastgeber, Bremens Innensenator Ulrich Mäurer, fand deutliche Worte. Für Polizei und Feuerwehr sei das private Feuerwerk ein Albtraum, sagt er. Eine Nacht voller Notrufe, Brände, Verletzungen – und immer häufiger auch Angriffe auf diejenigen, die helfen wollen. Was für manche wenige Minuten Spaß bedeutet, wird für Einsatzkräfte zu Stunden am Rand der Belastungsgrenze. Die Gewerkschaft der Polizei unterstützt ein Ende des privaten Feuerwerks ebenso wie zahlreiche Umweltverbände. Sie verweisen auf die massive Feinstaubbelastung, den Müll auf Straßen und Plätzen, die Verletzungen und Traumatisierungen – und auf eine Gesellschaft, die sich fragen muss, ob diese Form des Feierns noch zeitgemäß ist.

So verdichtet sich die Debatte zu einer grundsätzlichen Frage: Wie wollen wir das neue Jahr beginnen? Mit Lärm, Chaos und Angst – oder mit Rücksicht, Verantwortung und neuen Formen des gemeinsamen Feierns? Die Stimmen aus München, Nürnberg und Bremen zeigen, dass sich etwas bewegt. Dass Kommunen nicht länger nur zuschauen wollen, sondern Gestaltungsspielraum einfordern. Nicht um Traditionen zu verbieten, sondern um sie weiterzuentwickeln.

Allerdings: Die Forderung privates Silvesterfeuerwerk zu verbieten, um Ausschreitungen oder gar Anschläge auf Personen, Polizei und Sachgüter zu verhindern, wird von immerhin der Hälfte der Bevölkerung (50%) als unwirksam eingestuft. Diese sind der Auffassung, dazu wären andere Maßnahmen wie zum Beispiel mehr Polizeikontrollen nötig. Es soll dieses Jahr mehr Feuerwerk verkauft werden als die Jahre zuvor. Eine schlimme Entwicklung. Hier eine VR 360 Aufnahme bei uns im Dorf.

Die schweren und tödlichen Verletzungen der letzten Silvestersaison sind, wie in den Medien berichtet wurde, ausschließlich auf illegales Feuerwerk zurückzuführen. Daher muss vielmehr die Einfuhr von illegalem Feuerwerk aus dem Ausland stärker kontrolliert und verfolgt werden, argumentiert die Röder Feuerwerk Handelsgesellschaft mbH mit Sitz in Schlüsselfeld, einer von Deutschlands größten Online-Shops für Konsumentenfeuerwerk zu Silvester. Naja, die Verletzungen entstanden meiner Meinung nach durch Leichtsinn und unsachgemäße Handhabung. Feuerwerk in Kinderhände oder in die Hände von Besoffenen hat Folgen.

„Der Lärm von Böllern und Raketen ist zwar nur kurz, aber dennoch kann dieser sogenannte Impulslärm das Gehör nachhaltig schädigen. Schon ein einziger, nah am Ohr abgefeuerter oder explodierender Feuerwerkskörper kann zu viel sein. Das wird oft unterschätzt“, warnt Hörakustiker-Meister Eberhard Schmidt vom Hörakustiker-Verband. Jeder Mensch nimmt Lautstärke etwas unterschiedlich wahr. Was von einer Person als zu laut empfunden wird, ist für eine andere Person vollkommen in Ordnung. Aber ganz unabhängig von der eigenen Wahrnehmung gilt, dass das Gehör bei einer anhaltenden Lärmeinwirkung von 85 Dezibel Schaden nehmen kann.

Vom Feinstaub will ich gar nicht reden. Es gibt Menschen mit Lungenkrankheit. Für die wird der Feinstaub zur Tortur.

Vielleicht liegt die Zukunft des Jahreswechsels nicht mehr im lauten Knall, sondern in leuchtenden Ideen: organisierte Feuerwerke, Lichtinstallationen, gemeinschaftliche Rituale, die verbinden statt zu verletzen. Der Wunsch nach Veränderung ist da – leise vielleicht, aber beharrlich. Und genau darin liegt die Hoffnung auf einen Jahresanfang, der wirklich ein Neuanfang sein kann. Also verbietet endlich diese Drecks-Böller.

Erbarmungslos (Unforgiven, 1992) – Matinee am 28. Dezember im Scala Fürstenfeldbruck

26. Dezember 2025

Erbarmungslos (Unforgiven, 1992) ist mehr als ein klassischer Western – der Film ist Clint Eastwoods schonungslose Abrechnung mit dem Mythos des edlen Revolverhelden und zugleich eine würdige Bilanz eines ganzen Filmgenres. Ich bespreche und zeige den Film am Sonntag, 28. Dezember bei meiner Western-Matinee im Scala Fürstenfeldbruck. Beginn ist um 10:45 Uhr. Karten gibt es online.

Eastwood inszeniert und spielt William Munny, einen gealterten ehemaligen Killer, der versucht hat, sein früheres Leben hinter sich zu lassen. Armut, Schuld und die Verantwortung für seine Kinder treiben ihn jedoch noch einmal zurück in eine Welt, die keine Helden kennt.

Der Film verweigert jede romantische Verklärung von Gewalt. Töten ist hier unerquicklich, zufällig und moralisch zerstörerisch. Eastwood zeigt, dass Gewalt nicht aus Stärke entsteht, sondern aus Schwäche, Angst und Verzweiflung. Gene Hackman verkörpert als Sheriff Little Bill Daggett die vielleicht beunruhigendste Figur des Films: einen Mann, der Ordnung predigt und dabei selbst zum brutalen Tyrannen wird. Hackmans Spiel ist so kontrolliert wie grausam und wurde zu Recht mit dem Oscar ausgezeichnet.

Erbarmungslos lebt von seiner Ruhe und Konsequenz. Die Kamera beobachtet, statt zu urteilen, die Musik bleibt zurückhaltend, die Dialoge sind knapp und präzise. Jeder Schuss hat Gewicht, jede Entscheidung Folgen. Besonders eindrucksvoll ist, wie der Film das Erzählen von Heldengeschichten demaskiert – verkörpert durch den Schriftsteller Beauchamp, der stets nach großen Legenden sucht und am Ende nur ernüchternde Realität findet.

Mit Erbarmungslos verabschiedet sich Clint Eastwood nicht nur von der Figur des Westernhelden, sondern reflektiert auch seine eigene Leinwandvergangenheit. Der Film wirkt wie ein spätes moralisches Resümee: Was bleibt von all den Toten, von Ruhm und Legende? Die Antwort ist bitter, aber ehrlich. Gerade darin liegt die Größe dieses Films. Erbarmungslos ist ein stilles, dunkles Meisterwerk – ein Western für Erwachsene, der bis heute nachhallt und zu den bedeutendsten Filmen der Filmgeschichte zählt. Karten gibt es online.

Mein Album des Jahres 2025: Nebraska von Bruce Springsteen

25. Dezember 2025

Zurückblickend auf das Jahr 2025 machte ich mir Gedanken, was für mich das wichtigste Album des Jahres war. Ich schwanke zwischen zwei Veröffentlichungen: John Lennon One to One und Bruce Springsteen Nebraska.


Ich habe nach langen Hören und Nachdenken mich für Nebraska entschieden. Nebraska von Bruce Springsteen gehört für mich zu den stillsten und zugleich radikalsten Alben der Rockgeschichte. Als es 1982 erschien, wirkte es wie ein Bruch mit allem, wofür Springsteen bis dahin stand: kein E-Street-Band-Sound, kein Pathos, keine großen Refrains. Als Schüler war ich von der Dunkelheit des Albums gebannt. Ich kaufte mir damals das Album und war von der Radikalität fasziniert.


Stattdessen eine raue Stimme, akustische Gitarre, Mundharmonika – aufgenommen als Heimdemos auf einem Vierspurgerät. Gerade diese Reduktion machte Nebraska zu einem Werk von außergewöhnlicher Kraft. Es ist ein Album über Verlorene, Täter und Opfer, über Schuld, Einsamkeit und das Scheitern des amerikanischen Traums. Die Figuren in Songs wie „Atlantic City“, „Johnny 99“ oder „Highway Patrolman“ stehen am Rand der Gesellschaft, und Springsteen begegnet ihnen ohne Urteil, aber mit großer Empathie.

Die 2025 erschienene Box würdigt dieses Album nicht als kuriose Randnotiz im Werk Springsteens, sondern als zentrales Schlüsselwerk. Sie macht deutlich, wie bewusst diese künstlerische Entscheidung war und wie tief Nebraska im Innersten seines Schöpfers verwurzelt ist. Das neu aufbereitete Originalalbum bewahrt die spröde Intimität der Aufnahmen, ohne ihre Verletzlichkeit zu glätten. Jeder Atemzug, jedes Nebengeräusch bleibt Teil der Erzählung – Nebraska lebt davon, dass es sich anfühlt wie ein heimliches Geständnis. Es ist kein Album, das ich beim Autofahren höre, sondern ich ziehe mich zurück, igle mich ein und höre es mit Kopfhörer.

Besonders eindrucksvoll ist der Blick hinter die Kulissen, den die Box eröffnet. Alternative Fassungen, frühe Versionen und Arbeitsaufnahmen zeigen Springsteen als Suchenden, der mit Sprache, Perspektive und Tonfall ringt. Man hört, wie Geschichten entstehen, wie Figuren Konturen gewinnen und wieder verworfen werden. Deutlich wird auch, dass Nebraska kein Zufallsprodukt war, sondern das Ergebnis einer bewussten ästhetischen Haltung: weniger als Möglichkeit, näher an eine Wahrheit heranzukommen, die mit voller Band und großem Sound nicht zu erreichen gewesen wäre.

In der Gesamtschau wird Nebraska in dieser Edition zu dem, was es immer war: ein Album im Ausnahmezustand. Es erzählt nicht von Heldentum, sondern von Konsequenzen. Nicht von Erlösung, sondern von dem Versuch, mit dem eigenen Leben zurechtzukommen. Die Box von 2025 verstärkt diese Wirkung, weil sie das Album nicht historisiert, sondern lebendig hält. Sie zeigt, wie zeitlos diese Lieder sind – gerade in ihrer Dunkelheit.

Nebraska bleibt für mich ein Gegenentwurf zum lauten Rock, ein Werk der Konzentration und des Weglassens. Die Box macht spürbar, warum dieses Album bis heute als eines der mutigsten und bedeutendsten in Springsteens Karriere gilt: weil es den Mut hatte, leise zu sein, wo andere laut geworden wären, und weil es Geschichten erzählt, die man nicht vergisst, sobald der letzte Ton verklungen ist. Einst wurde Springsteen als Antwort auf Dylan gefeiert. Mit diesem Album tritt er in die Fußstapfen.

Persönlicher Nachruf auf Reporterlegende Peter Arnett

24. Dezember 2025

Peter Arnett, 91, ist tot. Die US-Reporterlegende ist vor kurzem in einem Hospiz in Kalifornien an einer Krebserkrankung gestorben. Für seine Arbeit im Vietnamkrieg gewann er 1966 den Pulitzer-Preis. Weltweit bekannt wurde er 1991 als CNN-Reporter im ersten Golfkrieg. 1997 interviewte er als erster TV-Journalist Terroristenführer Osama bin Laden.

Ich habe ihn als junger Zeitungsreporter 1994 im Amerika-Haus München getroffen. Der Mann hat mich fasziniert. Ich war ein Fan von CNN und er berichtete anschaulich die Arbeit bei diesem Newssender. Dabei stellte er das Buch „Unter Einsatz des Lebens: Der CNN-Reporter live von den Kriegsschauplätzen der Welt“ vor.

Ich kannte bisher Journalistenbücher aus Deutschland, Helden wir Peter von Zahn, Dieter Kronzucker oder Peter Scholl-Latour. Nun bekam ich Infos aus erster Hand von einem US-Journalisten. Die Amerikaner haben das Talent Fakten unterhaltsam darzubieten. Da hab ich mir einiges abgeschaut für meine späteren Vorträge.

Ich erinnere mich noch an seine Interviews mit Saddam Hussein und Osama bin Laden. Ich war live vor dem TV dabei, als der Krieg im Irak losbrach. Er sei damals „Augen und Ohren von Millionen Menschen weltweit“ gewesen, schieb einst die New York Times.

Ich hab anlässlich seines Todes das Buch „Unter Einsatz des Lebens: Der CNN-Reporter live von den Kriegsschauplätzen der Welt“ wieder aus dem Archiv geholt. Das Buch ist weniger „Kriegsgeschichte“ als Berufsbiografie im Ausnahmezustand: eine Autobiografie, die Arnetts Weg als Reporter von den frühen Jahren (u. a. Vietnam) bis zu den großen CNN-Momenten (u. a. Golfkrieg/Bagdad) nachzeichnet. Die deutsche Ausgabe ist als autobiografischer Erlebnisbericht eingeordnet und umfasst Arnetts Reporterjahre etwa von 1962 bis 1993.

Worum es geht
Arnett erzählt nicht in erster Linie Schlachtenverläufe, sondern wie Kriege „journalistisch“ funktionieren: Zugang zu Frontlinien, Abhängigkeit von Fixern und Militärbriefings, Konkurrenzdruck, technische Limitierungen, Zensur, politische Erwartungshaltungen – und vor allem das permanente Abwägen zwischen Nähe zur Geschichte und persönlicher Sicherheit. Sein Markenzeichen ist der Blick auf die Mechanik des Reportierens: Wer lässt dich wohin? Was kannst du überprüfen? Was bleibt Gerücht? Was wird Propaganda?

Was ich aus dem Buch gelernt habe?
Innenansicht eines Medienzeitalters. Arnett steht für eine Phase, in der „live“ noch spürbar Risiko bedeutete: Kabel, Satellit, knappe Zeitfenster, Improvisation – und die Frage, ob man als Reporter vor Ort bleiben darf oder muss. Gerade seine berühmte Rolle als CNN-Stimme aus Bagdad macht klar, wie sehr Fernsehnachrichten damals in Echtzeit zu einem Teil des Ereignisses wurden.

Der Ton ist nüchtern – und dadurch eindringlich. Arnett moralisiert selten plakativ. Er beschreibt, beobachtet, ordnet ein, lässt Situationen stehen. Das kann kühl wirken, hat aber eine Wirkung: Die Gewalt wird nicht „veredelt“, sondern als Arbeitsumfeld sichtbar – und das macht die Lektüre oft beklemmender als pathetische Kriegsprosa.

Journalistische Ethik als roter Faden. Ein zentrales Thema ist Arnetts Beharren darauf, zu berichten, „was ist“, selbst wenn es politisch unerwünscht ist. Seine Karriere war immer wieder von Kontroversen begleitet – etwa wegen Berichten, die offiziellen Lesarten widersprachen. Die Obituaries erinnern u. a. an Debatten um seine Golfkriegsberichterstattung und spätere Kritik an Interviews/Statements.

Der Stil ist reportagehaft, klar, oft episodisch. Es liest sich wie eine lange Serie aus Front-Notizen, Produktionsproblemen, Begegnungen und Situationen, in denen sich plötzlich entscheidet, ob man eine Geschichte bekommt – oder nicht lebend herauskommt. Der Titel ist dabei nicht nur Dramatisierung: Arnetts Biografie ist tatsächlich von der Grundannahme geprägt, dass Berichterstattung im Krieg immer auch körperliches Risiko bedeutet.

Ich werde Arnett sehr positiv in Erinnerung behalten, vor allem auch, weil sich dieser große Journalist mit mir als Nachwuchs abgab und ihn ernst nahm.

Meine Matinee im Scala FFB läuft weiter

23. Dezember 2025

Es freut mich sehr. Ich darf mit meiner Matinee im Scala Kino Fürstenfeldbruck im Jahr 2026 weitermachen. Zusammen mit dem Geschäftsführer Markus Schmölz habe ich ein abwechslungsreiches und interessantes Programm aus Unterhaltung, phantastischen Film und Western zusammengestellt. Dabei haben wir weniger auf eine Quote als vielmehr auf Qualität der Filme geachtet.
Die Matinee findet immer an einem Sonntag statt. Start ist um 10:45 Uhr und ich spreche zwischen 20 und 30 Minuten über den gezeigten Film.

Und das sind die Filme für das erste Halbjahr 2026. Der Kartenverkauf für alle Filme ist bereits online.

Am 18. Januar Die Glücksritter
„Die Glücksritter“ ist eine Komödie, die man einfach erlebt haben muss – spritzig, warmherzig und voll brillantem Schauspiel. Unter der Regie von John Landis, dem Meister hinter Klassikern wie Blues Brothers, entfaltet sich eine rasante Geschichte, die bis heute nichts von ihrem Charme verloren hat. Getragen wird der Film von den grandiosen Hauptdarstellern Eddie Murphy und Dan Aykroyd, deren perfektes Timing und Energie jede Szene zum Vergnügen machen.

Murphy glänzt als gewitzter Straßenkünstler Billy Ray Valentine, der plötzlich in die Welt des Reichtums katapultiert wird, während Aykroyd als versnobter Börsenprofi Louis Winthorpe III sein altes Leben verliert – und beide liefern eine Komik ab, die heute genauso zündet wie damals. Unterstützt werden sie von einer großartigen Nebenbesetzung, darunter Jamie Lee Curtis, die dem Film zusätzlich Herz und Humor verleiht. „Die Glücksritter“ ist ein turbulentes Vergnügen voller Witz, Tempo und cleverer Wendungen – ein Film, der beste Laune garantiert und den man unbedingt gesehen haben sollte.

Am 1. Februar Sie leben
„Sie leben“ von Horror- und Kultregisseur John Carpenter ist ein Film, den man nicht nur sieht, sondern erlebt. Mit seiner Mischung aus Science-Fiction, Gesellschaftskritik und spannungsgeladener Atmosphäre entfaltet er eine Kraft, die bis heute fasziniert. In der Hauptrolle überzeugt Roddy Piper als Wanderarbeiter Nada, der zufällig auf eine Sonnenbrille stößt, die die wahre Welt enthüllt – eine Welt, in der außerirdische Eliten die Menschheit manipulieren und steuern.

Was folgt, ist ein packender Kampf gegen unsichtbare Kontrolle, durchzogen von Carpenters unverwechselbarem Stil, seinem ikonisch-minimalistischen Soundtrack und legendären Szenen, die längst Filmgeschichte sind – von der Enthüllung der „OBEY“-Botschaften bis zum wohl berühmtesten Faustkampf der 80er.
„Sie leben“ ist düster, spannend, überraschend aktuell und dabei ungemein unterhaltsam. Ein Kultfilm, der Fans von Sci-Fi, Action und cleverem Genre-Kino gleichermaßen begeistert – und den man unbedingt gesehen haben sollte.

Am 22. Februar Die glorreichen Sieben
„Die glorreichen Sieben“ ist ein Western, der bis heute nichts von seiner Kraft verloren hat – ein Film, der mitreißt, bewegt und legendäre Kinomomente erschafft. Unter der Regie von John Sturges entfaltet sich die Geschichte von sieben Außenseitern, die sich zusammentun, um ein bedrohtes Dorf zu schützen.
Getragen wird der Film von einer beeindruckenden Besetzung: Yul Brynner als charismatischer Anführer, Steve McQueen mit seiner unverwechselbaren Coolness, Charles Bronson, James Coburn, Horst Buchholz und weitere Stars, die jeder Figur Tiefe und Charakter verleihen. Dazu kommt die unvergessliche Filmmusik von Elmer Bernstein, die schon mit den ersten Takten Gänsehaut erzeugt und längst zum Mythos des Westerns gehört.

„Die glorreichen Sieben“ ist ein packendes Abenteuer über Mut, Ehre und Solidarität – actionreich, emotional und zeitlos. Wer große Geschichten und ikonisches Kino liebt, sollte sich diesen Klassiker unbedingt ansehen.

Am 8. März Dr.Seltsam oder: Wie ich lernte die Bombe zu lieben
„Dr. Seltsam oder: Wie ich lernte, die Bombe zu lieben“ ist ein Meisterwerk, das man erlebt haben muss – bissig, brillant und zeitlos aktuell. Unter der Regie von Stanley Kubrick, einem der einflussreichsten Filmemacher überhaupt, entfaltet sich eine tiefschwarze Satire über den Kalten Krieg, die mit ihrem absurden Humor ebenso unterhält wie sie zum Nachdenken bringt.

Im Zentrum steht Peter Sellers, der gleich drei Rollen spielt und jede einzelne unvergesslich macht – vom schusseligen Präsidenten über den britischen Offizier bis hin zum titelgebenden Dr. Seltsam, dessen groteske Gestik und Sätze längst Kultstatus haben. Unterstützt wird er von einer starken Besetzung, darunter George C. Scott und Sterling Hayden, die den Wahnsinn der politischen und militärischen Entscheidungswege mit perfektem Timing auf die Spitze treiben.
„Dr. Seltsam“ ist ein Film voller ikonischer Momente – scharf, mutig, satirisch auf den Punkt – und dabei erstaunlich unterhaltsam. Wer intelligentes Kino liebt, das Humor und Kritik meisterhaft verbindet, sollte sich diesen Klassiker unbedingt ansehen.

Am 5. April Wargames – Kriegsspiele
„WarGames – Kriegsspiele“ ist ein fesselnder Klassiker der 80er, der bis heute nichts von seiner Spannung verloren hat. Unter der Regie von John Badham erzählt der Film die Geschichte des jungen Hackers David Lightman, gespielt von Matthew Broderick, der aus purer Neugier in ein militärisches Computersystem eindringt – ohne zu ahnen, dass er damit beinahe einen globalen Atomkrieg auslöst. An seiner Seite überzeugt Ally Sheedy als Jennifer, die nicht nur Humor und Herz einbringt, sondern gemeinsam mit David versucht, die Katastrophe aufzuhalten.

Mit seinem Mix aus Nervenkitzel, Technikfaszination und überraschend viel Menschlichkeit ist „WarGames“ ein Film, der sofort packt. Die aufkommende Bedrohung, die ikonische Frage „Shall we play a game?“ und das Rennen gegen die Zeit erzeugen eine Spannung, die auch heute noch perfekt funktioniert – gerade in einer Welt, in der KI und Computersysteme realer denn je geworden sind.
Wer kluge Unterhaltung, Retro-Technik-Atmosphäre und einen echten Kultfilm erleben möchte, sollte „WarGames“ unbedingt sehen.

Am 3. Mai Dressed to kill
„Dressed to Kill“ ist ein eleganter, hochspannender Thriller, in dem Regisseur Brian De Palma sein Gespür für Stil, Atmosphäre und meisterhafte Spannung voll ausspielt. Der Film verfolgt die Geschichte einer Frau, gespielt von Angie Dickinson, deren Leben nach einer verstörenden Begegnung eine dramatische Wendung nimmt. Als sie Opfer eines brutalen Verbrechens wird, geraten ein junger Zeuge – dargestellt von Keith Gordon – und eine selbstbewusste Callgirl-Figur, brillant verkörpert von Nancy Allen, in ein gefährliches Netz aus Geheimnissen und Lügen.

De Palma kombiniert kunstvolle Kamerafahrten, ausgeklügelte Bildsprache und eine kraftvolle Musik von Pino Donaggio zu einem intensiven Erlebnis, das sofort in seinen Bann zieht. Der Film lebt von Überraschungsmomenten, psychologischer Tiefe und einer Atmosphäre, die gleichzeitig verführerisch und bedrohlich wirkt.
„Dressed to Kill“ ist ein raffinierter, nervenaufreibender Thriller – perfekt für alle, die elegante Spannung, stilvolles Kino und starke Darsteller lieben. Ein Film, der packt, verstört und lange nachhallt.

Am 10. Mai Unternehmen Petticoat
„Unternehmen Petticoat“ ist eine herrlich charmante Komödie, die mit Witz, Herz und einem großartigen Ensemble begeistert. Unter der Regie von Blake Edwards – dem Meister des eleganten Humors – begleiten wir die chaotischen Abenteuer eines U-Boots im Zweiten Weltkrieg, das dank kurioser Umstände nicht nur rosa gestrichen wird, sondern plötzlich auch fünf Krankenschwestern an Bord hat.
Getragen wird der Film von den beiden grandiosen Hauptdarstellern Cary Grant als stoisch-gelassener Kommandant und Tony Curtis als windiger, aber liebenswerter Lieutenant. Ihr Zusammenspiel sorgt für unvergessliche Momente, turbulente Situationskomik und viele herzerwärmende Szenen.

„Unternehmen Petticoat“ ist leichtfüßig, klug und voller Charme – ein Film, der beste Laune garantiert und zeigt, dass selbst im Chaos Platz für Humor und Menschlichkeit bleibt. Wer klassische Hollywood-Komödien liebt, sollte sich dieses Schmuckstück unbedingt ansehen.

Am 17. Mai Little Big Man
„Little Big Man“ ist ein außergewöhnlicher Western, der mit Witz, Tiefe und viel Herz erzählt wird – weit mehr als ein klassisches Abenteuer. Unter der Regie von Arthur Penn folgt der Film dem 121-jährigen Jack Crabb, gespielt von einem brillanten Dustin Hoffman, der in Rückblenden auf sein bewegtes Leben zwischen zwei Welten schaut: der weißen Siedlergesellschaft und den Cheyenne, bei denen er als Junge aufgenommen wurde.

Mit feinem Humor, kraftvollen Bildern und einer Mischung aus Satire und Tragik zeigt der Film die amerikanische Geschichte aus einer ungewöhnlich persönlichen Perspektive. Hoffmans Wandlungsfähigkeit macht jede Station seines Lebens faszinierend – vom Händler über Revolverhelden bis hin zum „letzten Weißen Indianer“.
„Little Big Man“ ist mal komisch, mal bitter, mal poetisch – und immer zutiefst menschlich. Ein unvergesslicher Film, der berührt, überrascht und ein Genre völlig neu denkt. Ideal für alle, die Western lieben, aber mehr wollen als Reiten und Revolverduelle.

Am 7. Juni Über dem Jenseits
„Über dem Jenseits“ – im Original „The Beyond“ – ist ein atmosphärischer Horrortrip von Kultregisseur Lucio Fulci, der bis heute als einer der eindrucksvollsten Vertreter des italienischen Gruselfilms gilt. Der Film entfaltet eine dichte, unheilvolle Stimmung, in der Realität und Albtraum unaufhaltsam ineinanderfließen.
Im Mittelpunkt steht Catriona MacColl als junge Frau, die ein altes Hotel in Louisiana erbt – ohne zu wissen, dass es auf einem der sieben Tore zur Hölle erbaut wurde. Was zunächst wie ein Neuanfang wirkt, verwandelt sich schnell in eine surreale Spirale aus Visionen, düsteren Geheimnissen und schockierenden Ereignissen. Fulcis unverwechselbarer Stil, seine mutigen Bilder und der eindringliche Score von Fabio Frizzi machen jede Szene zu einem intensiven Erlebnis.

„Über dem Jenseits“ ist keine gewöhnliche Gruselgeschichte, sondern ein hypnotisches, verstörendes Stück Horrorkunst – perfekt für alle, die atmosphärischen, mutigen und kultigen Horror lieben. Ein Film, der sich tief in die Erinnerung brennt.

Am 12. Juli The Breakfast Club
„The Breakfast Club“ ist einer dieser Filme, die einen sofort mitten ins Herz treffen. Unter der Regie von John Hughes, dem Meister der 80er-Coming-of-Age-Filme, treffen fünf Highschool-Schüler aufeinander, die unterschiedlicher kaum sein könnten: der Rebell, der Sportler, die Außenseiterin, die Streberin und der Musterschüler. An einem Samstag im Schul-„Nachsitzen“ prallen ihre Welten aufeinander – doch im Laufe des Tages öffnen sie sich, legen ihre Masken ab und entdecken, wie viel sie eigentlich miteinander teilen.


Dank der starken Besetzung – Emilio Estevez, Molly Ringwald, Judd Nelson, Ally Sheedy und Anthony Michael Hall – lebt der Film von authentischen Momenten, echten Emotionen und Dialogen, die auch Jahrzehnte später noch treffen. „The Breakfast Club“ ist warm, witzig, klug und zutiefst menschlich – ein Film, der zeigt, wie schwer das Erwachsenwerden sein kann und wie befreiend es ist, endlich verstanden zu werden.
Ein zeitloser Klassiker, der Generationen bewegt hat – und den man unbedingt gesehen haben sollte.

Zwischen Lichtern, Holzduft und stillen Momenten – ein Weihnachtsmarkt zum Durchatmen

22. Dezember 2025

Eigentlich ist ja vor Weihnachten die ruhige Zeit. Eigentlich. Im Grunde bin ich vor den Feiertagen richtig gestresst und konnte nur aufgrund der Terminlage einen weiteren Bummel über einen Weihnachtsmarkt machen. Ich war auf dem Fürther Weihnachtsmarkt, der zusammen mit einem Mittelaltermarkt mir ganz gut gefallen hat. Nicht so ein Trubel wie der große Christkindlesmarkt in Nürnberg.

Bis Dienstag, 23. Dezember, findet der Fürther Weihnachtsmarkt auf der Frühster Freiheit statt. Ein ganz besonderes Ambiente entsteht auch in diesem Jahr wieder durch den Mittelaltermarkt. An rund 25 liebevoll historisch gestalteten Ständen und Buden lassen sich traditionelle Handwerkskünste wie Kerzenziehen, Glas- und Schmiedearbeiten, Töpfern oder Filzen hautnah erleben. Dazu werden Getränke und Speisen nach alten Rezepturen angeboten. Ich habe ein Schaschlik gegessen, leider ohne Leber und daher nur ein schnöder Fleischspieß. Hier ein paar Videoeindrücke.

Für Unterhaltung ist ebenfalls gesorgt: Ein vielfältiges Rahmen- und Bühnenprogramm begeistert kleine wie große Gäste. Den stimmungsvollen Abschluss eines jeden Markttages bildet ein Feuerspektakel. Nach Einbruch der Dunkelheit tauchen Fackeln den Markt in ein warmes Licht, während Feuerstellen und Badezuber zum Aufwärmen und Verweilen einladen.

Nicht fehlen darf auch in diesem Jahr Bayerns höchste Weihnachtspyramide, die diesmal bis Samstag, 10. Januar, in der Adenauer-Anlage zum gemütlichen Glühwein-Umtrunk lädt und den Fürther Markt mit einbindet. Dort blieb ich länger stehen. Die Weihnachtspyramide auf dem Fürther Weihnachtsmarkt ist eines der prägenden und beliebtesten Elemente des Marktes und verbindet traditionelle Handwerkskunst mit festlicher Symbolik. Sie ist nicht nur ein Blickfang, sondern auch ein kulturelles Zeichen für vorweihnachtliche Stimmung und gelebtes Brauchtum in der Innenstadt.

Weihnachtspyramiden haben ihren Ursprung im Erzgebirge und entwickelten sich aus einfachen, mit Kerzen bestückten Gestellen, die Licht in die dunkle Jahreszeit bringen sollten. In Fürth greift die Weihnachtspyramide diese Tradition auf und übersetzt sie in eine zeitgemäße, öffentlich zugängliche Form. Mit ihrer mehrstöckigen Bauweise, den kunstvoll gestalteten Figuren und der warmen Beleuchtung bildet sie einen zentralen Treffpunkt auf dem Weihnachtsmarkt.

Charakteristisch für die Fürther Weihnachtspyramide ist ihr Aufbau in mehreren Ebenen, auf denen sich unterschiedliche Szenen und Figuren präsentieren. Häufig greifen diese Darstellungen weihnachtliche Motive, regionale Bezüge oder handwerkliche Themen auf. Durch die Drehbewegung der Ebenen entsteht eine ruhige, gleichmäßige Dynamik, die Besucher fast automatisch zum Verweilen einlädt. Das Spiel aus Licht, Bewegung und Holz verleiht der Pyramide eine besondere Ausstrahlung, die sich deutlich von modernen Lichtinstallationen abhebt.

Technisch wird die Pyramide – traditionell wie symbolisch – durch Wärme und Luftströmung in Bewegung gesetzt oder durch einen unauffällig integrierten Motor unterstützt. Unabhängig von der Antriebsform bleibt der ursprüngliche Gedanke erhalten: Licht erzeugt Bewegung, Bewegung erzeugt Leben. Gerade in der dunklen Jahreszeit entfaltet diese Idee eine besondere Wirkung.

Im Kontext des Fürther Weihnachtsmarktes übernimmt die Weihnachtspyramide mehrere Funktionen. Sie ist Orientierungspunkt, Fotomotiv und identitätsstiftendes Element zugleich. Viele Besucherinnen und Besucher verbinden ihren Marktbesuch ganz selbstverständlich mit einem Gang zur Pyramide, sei es zum Innehalten, zum Beobachten der Details oder als Treffpunkt. Besonders für Kinder übt die langsam rotierende Konstruktion mit ihren Figuren eine große Faszination aus.

Darüber hinaus steht die Weihnachtspyramide sinnbildlich für das, was den Fürther Weihnachtsmarkt auszeichnet: eine Verbindung aus Tradition, Handwerk und familiärer Atmosphäre. In einer Zeit, die oft von Hektik geprägt ist, setzt sie einen ruhigen Gegenpol und lädt dazu ein, den Moment bewusst zu erleben.

So ist die Weihnachtspyramide weit mehr als ein dekoratives Element. Sie ist ein fest verankerter Bestandteil des Weihnachtsmarktes in Fürth und trägt maßgeblich dazu bei, dessen besondere Stimmung Jahr für Jahr erlebbar zu machen.

Übrigens: Das Sicherheitskonzept empfand ich als sinnvoll und gut.

Konzertkritik: Kraftwerk in München 2025

21. Dezember 2025

Kraftwerk in München und es ist für mich eine Selbstverständlichkeit hier dabei zu sein. Begleitet wurde ich von einer begeisterten Tochter, die Ehefrau blieb navh verschiedenen Kraftwerk-Konzerte zu Hause beim Plätzchenbacken.

Der Sound im Zenit war großartig, ebenso wie bei meinem letzten Konzert von Kraftwerk in Stuttgart. Kraftwerk gelten seit Jahrzehnten als Pioniere der elektronischen Musik, die Klang und Technologie zu Kunst verschmolzen haben. Gegründet 1970 in Düsseldorf, schuf das Kollektiv um Ralf Hütter und (bis zu seinem Austritt) Florian Schneider visionäre elektronische Klangwelten in ihrem legendären Kling-Klang-Studio. Bereits Mitte der 1970er erlangten sie internationale Anerkennung für ihren revolutionären Sound und ihre Experimente mit Robotik und neuen technischen Innovationen. Alben wie Autobahn (1974) brachten deutsche Elektronik-Klänge unerhört in die internationalen Charts, Radio-Aktivität (1975) thematisierte das Thema Kernkraft, Trans Europa Express (1977) feierte futuristische Mobilität, und Die Mensch-Maschine (1978) definierte das Bild der Symbiose von Mensch und Technik in der Popkultur. Mit Computerwelt (1981) antizipierten Kraftwerk die digitale Gesellschaft und übten subtile Kritik an der Datenüberwachung – lange bevor diese Themen Mainstream wurden.

Jeder dieser musikalischen Meilensteine transportierte Ideen ihrer Zeit und prägte künftige Musikergenerationen. So wurde etwa der treibende Beat von „Trans Europa Express“ zur Blaupause für Afrika Bambaataas Hip-Hop-Klassiker Planet Rock, und sogar Coldplay entlehnten sich eine Melodie von Kraftwerk für ihren Hit „Talk“. Diese Beispiele verdeutlichen, wie musikalische Ideen von Kraftwerk weit über ihr eigenes Schaffen hinaus weitergetragen wurden – ein direkter Beleg für das Motto „Musik als Träger von Ideen“.

„Musik als Träger von Ideen“
Und es erwischte mich am Konzertende wieder voll. Die Zeile „Es wird immer weitergehn: Musik als Träger von Ideen“ stammt ursprünglich aus dem Song „Techno Pop“ (1986) und ist weit mehr als ein Liedtext – sie ist zu einem Leitsatz des Kraftwerk’schen Schaffens geworden. Wie der Musikjournalist Michael Döringer anmerkt, „sagt diese Textzeile alles aus über das Musikverständnis der Düsseldorfer Elektronikpioniere“.

Ich stehe in der Halle und mir wieder schlagartig wieder bewusst, welche enorme künstlicherische Kraft von Kraftwerk ausgeht. Kraftwerk wussten genau um die gesellschaftliche Kraft der Musik und darum, „was Kunst alles sein kann“. In ihrer Vision ist Musik kein bloßer Hintergrundklang, sondern ein Medium für Ideen, Botschaften und Visionen. Der Ausspruch impliziert, dass musikalische Innovation und Inspiration niemals stagnieren – Ideen werden immer weitergetragen, von einer Generation zur nächsten, von einem Genre ins nächste.

Diese Haltung spiegelt sich im Werk der Band wider. Kraftwerk haben konsequent den Zeitgeist reflektiert und in ihren Stücken verarbeitet. Oft wirkten ihre Songs wie klangliche Essays zu Themen der modernen Zivilisation: „Radioaktivität“ etwa beleuchtete 1975 wissenschaftlich-neutral die Wunder der Kernenergie, wurde aber später – nach Tschernobyl und Fukushima – live in einen eindringlichen Appell gegen radioaktive Gefahren umgewandelt (“Stoppt die Radioaktivität!”). Hier zeigt sich Musik als Träger einer sich wandelnden Idee: von naiver Faszination hin zu mahnender Verantwortung.
Ähnlich verknüpfte „Trans Europa Express“ Fortschrittseuphorie mit kultureller Reflexion, wenn Europas neue Verbundenheit im Hochgeschwindigkeitszug besungen und zugleich der Bogen zu Kunstikonen wie Iggy Pop und David Bowie geschlagen wird. Kraftwerk demonstrieren damit, dass Musik Bedeutung transportiert – sei es als Feier technologischer Utopien, als Kritik an gesellschaftlichen Entwicklungen oder als Bewahrer kultureller Erinnerungen.

Philosophisch knüpft diese Sichtweise an den Gedanken an, dass Kunst eine transformative Kraft besitzt. Seit jeher haben Denker Musik eine besondere Fähigkeit zugeschrieben, Ideen auszudrücken und Menschen innerlich zu bewegen. Kraftwerk führen dies im Kontext des elektronischen Zeitalters fort: Ihre Musik, so minimalistisch die Texte oft sind, vermittelt Konzepte von Fortschritt und Mensch-Maschine-Beziehung, von Urbanität und Natur, von Euphorie und Nachdenklichkeit. Die Textzeile „Musik als Träger von Ideen“ unterstreicht, dass jeder Klang, jeder Beat mehr bedeuten kann – nämlich eine Idee transportieren, die beim Hörer resoniert und einen Denkprozess auslöst. Gerade in der heutigen digitalen Welt – der Welt, die Kraftwerk mit ihren „Zukunfts-Visionen“ gewissermaßen den Soundtrack geliefert haben – behält diese Maxime ihre Gültigkeit.

Musik bleibt ein Vehikel, um Ideen in die Zukunft zu tragen. Und Kraftwerk selbst sind der lebende Beweis: Noch 50 Jahre nach Bandgründung lässt ihr Gesamtkunstwerk keinen Zweifel daran, dass diese Überzeugung Bestand hat. Ihre Klänge und Botschaften haben Generationen von Künstlern beeinflusst und ganze Genres hervorgebracht, von Synth-Pop über Techno bis Industrial und Hip-Hop .

Technologie, Kunst und kulturelle Entwicklung in Einklang
Schon früh erhoben Kraftwerk Technologie und moderne Ästhetik zur Kunstform. In einer Zeit, als Rock und Jazz dominierten, suchten sie bewusst nach einer neuen, deutschen Klangsprache jenseits angloamerikanischer Vorbilder. Sie integrierten technische Geräte – Synthesizer, Drum-Computer, Vocoder – als gleichberechtigte kreative Instrumente und gestalteten damit einen völlig neuartigen, minimalistisch-präzisen Sound. Damit wurden sie nicht nur Musiker, sondern Ingenieure einer audiovisuellen Zukunftsvision. Die Verbindung von elektronischer Musik mit visueller Kunst ist ihnen inhärent: Kraftwerk-Konzerte sind legendär für ihre streng durchgestalteten Projektionen, Computeranimationen und die ikonische Roboter-Ästhetik. Jede Show wird zum Gesamtkunstwerk aus Klang und Bild, in dem die Grenzen zwischen Konzert und Kunstinstallation verschwimmen. Diese multimediale Präsentation knüpft an das Konzept der Gesamtkunstwerk-Idee an, wie sie in der europäischen Kunsttradition (etwa bei Wagner) formuliert wurde, und übersetzt es ins digitale Zeitalter.

Damit schlagen Kraftwerk eine Brücke von der Popkultur zur Hochkultur. Längst werden sie in einem Atemzug mit bildenden Künstlern genannt – ihre minimalistische, konstruktivistische Gestaltung von Klang und Auftreten brachte ihnen Ausstellungen in Museen und Kunsthallen weltweit ein . Vom New Yorker MoMA (2012) über die Tate Modern bis zur Neuen Nationalgalerie Berlin haben Kraftwerk ihre Werke in renommierten Kunststätten präsentiert  – Anerkennung dafür, dass ihre audiovisuelle Performance als kulturelles Erbe und Kunstform anerkannt ist. Die Band selbst inszeniert sich dabei als Teil ihrer Kunst: anonymisierte Akteure in identischen Anzügen, die Idee der „Mensch-Maschine“ verkörpernd. Ralf Hütter und seine Kollegen sprechen oft von sich als Musik-Arbeiter; der individuelle Künstler tritt zurück hinter die Konzeptfigur des avancierenden Technikers-Musikers. Hier manifestiert sich der philosophische Gedanke, dass in einer technologischen Welt die traditionelle Grenze zwischen Mensch und Maschine verschwimmt – ein Leitmotiv, das Kraftwerk künstlerisch durchdekliniert haben.

Die kulturelle Entwicklung, die Kraftwerk angestoßen haben, ist kaum zu überschätzen. Indem sie elektronische Klänge salonfähig machten und deren ästhetische Tiefe aufzeigten, ebneten sie den Weg für ganze Subkulturen. Ihre Musik war Träger einer Idee von Zukunft, die in unterschiedlichen Regionen auf fruchtbaren Boden fiel – Detroit etwa empfing via Radio Kraftwerks maschinelle Rhythmen als Inspirationsquelle und gebar daraus den Techno der zweiten Generation. In Europa wie in den USA veränderten junge Künstler ihr Schaffen, nachdem sie Kraftwerk gehört hatten – viele nennen es bis heute ein Erweckungserlebnis. So gesehen, fungierte Kraftwerks Œuvre selbst als Träger von Ideen, die andere weiterführten. Technologie, Kunst und Kultur sind in ihrem Werk untrennbar verwoben: Jedes Kraftwerk-Album reflektiert technische Errungenschaften und deren Einfluss auf den Menschen, präsentiert in künstlerischer Form, und beeinflusst wiederum die Kultur, indem es neue Denkanstöße liefert. Im Zeitalter von KI wäre ein weiteres Statement von Kraftwerk wünschenswert.

Live-Performance als Vision
Besonders deutlich erfahrbar wird Kraftwerks Motto im Live-Konzerterlebnis – etwa beim jüngsten Auftritt der Band in München im Zenith. Wenn die vier Musiker in ihren futuristischen Anzügen hinter Pulten stehen und die ersten elektronischen Klänge ertönen, verwandelt sich der Ort in einen anderen Raum: Als die Lichter erlöschen, ist es, als würde eine Zeitmaschine anspringen. Das Publikum taucht ein in eine digitale Kathedrale aus Klang und Licht. Die Bühne erweckt den Eindruck einer Zeitreise durch Kraftwerks Gesamtkatalog und darüber hinaus – eine Reise durch Vergangenheit und Zukunft, in der nostalgische Elemente nahtlos in eine immerwährende Gegenwart übergehen. Hier wird keine müde Nostalgie gefeiert; stattdessen entfaltet sich eine musikalische Vision, „die nie an Aktualität verloren hat“. Die Beats kommen glasklar und präzise aus den Boxen, doch trotz aller elektronischen Kühle schwingt eine gewisse Wärme und Menschlichkeit mit, die Kraftwerks Sound zeitlos faszinierend macht.

Kraftwerks Live-Performance ist streng durchchoreografiert und doch emotional mitreißend. Die Musiker selbst agieren betont statisch – Interaktion in klassischem Rock-’n’-Roll-Sinn findet kaum statt; die wenigen gesprochenen Worte (etwa die Begrüßung oder eine Widmung) kommen verzerrt aus dem Vocoder. Weil es Weihnachten ist, gab es eine Widmung an Ryūichi Sakamoto mit Merry Christmas Mr. Lawrence. Sakamoto lieferte auch den japanischen Text zu Radioaktivität. Was für eine Verbeugung von dem 2003 verstorbenen Sakamoto, den Kraftwerk 1981 bei ihrem ersten Tokyo-Konzert trafen.

Diese demonstrative Unnahbarkeit lenkt den Fokus ganz auf die Inhalte, die visuell und akustisch vermittelt werden. Über riesige Projektionsflächen laufen synchronisierte 3D-Animationen: leuchtend grüne Zahlenkolonnen bei „Nummern“, eine endlose Autobahn bei „Autobahn“, DNA-Helices bei „Vitamin“ oder Geigerzähler-Symbole bei „Radioaktivität“. Zu letzterem Song etwa wechseln die Warnzeichen auf den Bildschirmen bedrohlich von Gelb auf Rot und mahnen vor atomarer Gefahr, während die Musik düster und eindringlich wird – ein Gänsehautmoment der Reflexion über Verantwortung in der Technikwelt. Man spürt, wie politisch und relevant Kraftwerk immer noch sind, wenn plötzlich inmitten der mitreißenden Elektronik solche nachdenklichen Töne angeschlagen werden. Das Publikum verstummt in diesen Augenblicken spürbar, bevor es im nächsten Moment von hypnotischen Rhythmen wieder mitgerissen wird.

Auffällig ist die generationenübergreifende Wirkung der Show. Im Zenith stehen bei einem Kraftwerk-Konzert Menschen jeden Alters nebeneinander: grauhaarige Ersthörer der 70er neben jungen Techno-Fans, Familienväter neben ihren staunenden Kindern (so einer war ich). Diese Vielfalt im Publikum – „von jung bis alt, von Nerd bis Tänzer“ – zeigt, wie zeitlos und verbindend Musik sein kann. Für die Dauer des Konzerts verschwinden die Unterschiede: Musik als universeller Träger verbindet die Menschen direkt. Man beobachtet, wie bei Klassikern wie „Computerwelt“ oder „Autobahn“ die Menge unwillkürlich im Takt schwingt – die Menge wiegt sich im Takt, von den ersten Reihen bis zu den hinteren Stehplätzen. Es ist, als verschmelze der Puls der Stadt mit dem der Musik: Die Live-Elektronik wird zum kollektiven Herzschlag aller Anwesenden. Hier erfüllt sich spürbar, was der Kraftwerk-Slogan verheißt – eine Idee vereint durch Musik.

In den ekstatischen Momenten, etwa wenn in der Zugabe „Die Roboter“ ertönt, steigert sich dieses Gemeinschaftsgefühl weiter. Obwohl die Musiker selbst fast regungslos bleiben, ist plötzlich alles in Bewegung: „Visuals, Musik, Publikum – für einen Moment scheint es, als wären wir alle Teil einer großen Choreografie – Mensch und Maschine, vereint im Rhythmus“ . Diese Szene lässt erahnen, was Kraftwerk mit der Mensch-Maschine-Idee künstlerisch intendieren: Die Grenze zwischen Bühne und Zuschauerraum, zwischen Performer und Publikum, verschwimmt. Im Gleichschritt mit den Maschinenrhythmen tanzen alle als Einheit – ein symbolischer Augenblick, in dem Musik buchstäblich zur gemeinsamen Sprache wird, welche die Trennung zwischen Mensch und Technologie aufhebt. Man kann hier von einer fast rituellen Erfahrung sprechen, in der die Transformation unmittelbar erlebt wird: Musik transformiert die Menschenmenge zu einem Kollektiv, die Konzerthalle zum visionären Raum.

Am Ende des Abends schließlich wird das Motto „Es wird immer weitergehen…“ in einer letzten Geste greifbar. Nach rund zwei Stunden verabschieden sich die Musiker nämlich während noch der Sequencer pulsiert: Bei „Musique Non Stop“ verlässt einer nach dem anderen mit einer Verneigung die Bühne, doch die Musik läuft weiter. Die Maschine spielt unbeirrt alleine weiter, als hätte sie ein Eigenleben: Die Maschine spielt weiter, auch wenn der Mensch die Bühne verlässt. Dieser Schlussmoment, in dem die letzten Projektionen flimmern und Kraftwerk im Dunkel verschwinden, lässt das Publikum mit einem tiefen Eindruck zurück. Viele Zuschauer bleiben noch eine Weile stehen, benommen und erfüllt von dem Erlebten. Die Botschaft ist klar spürbar: Die Ideen, die Kraftwerk durch ihre Musik in die Welt gesetzt haben, klingen über den Auftritt der physischen Personen hinaus fort. Die Musik als Träger von Ideen setzt ihren Weg fort – zeit- und ortsunabhängig.

Visionäres Vermächtnis im Konzertformat
Der Auftritt von Kraftwerk – sei es im Münchner Zenith 2025 oder an einem anderen Ort – erweist sich als weit mehr als nostalgische Konzertreise. Er gleicht eher einer kulturellen Reflexion in Echtzeit, einem Nachdenken über Technik, Kunst und Menschlichkeit, verpackt in mitreißende audiovisuelle Performance. Kraftwerk demonstrieren mit jedem Track, dass ihre Maxime „Musik als Träger von Ideen“ gelebte Realität ist: Musik kann unterhalten und zugleich tiefgründige Ideen vermitteln, sie kann Vergangenheit und Zukunft verknüpfen und Menschen jeden Hintergrunds zusammenbringen. Die philosophische Tiefe des Kraftwerk-Zitats zeigt sich nicht nur in ihren Studioalben, sondern intensiv auf der Live-Bühne – dort, wo das Publikum Teil des Gesamtkunstwerks wird und am eigenen Leib erfährt, was die Mensch-Maschine-Symbiose bedeutet.

Noch heute, nach über fünf Jahrzehnten, wirkt Kraftwerks Kunstvision frisch und zukunftsgewandt. Ihr Konzertabend in München führte das eindrücklich vor Augen: Hier stand ein Stück Musikgeschichte in Form von vier regungslosen Gestalten auf der Bühne – doch was aus den Lautsprechern und Leinwänden strömte, war lebendige Gegenwart und vorweggenommene Zukunft zugleich. Es ging immer weiter: von den experimentellen Anfängen bis in die digitale Gegenwart hat Kraftwerks Musik Ideen transportiert und Transformation bewirkt. Und es wird immer weitergehen – denn die Ideen leben in der Musik weiter, ob auf Vinyl, in digitalen Samples oder in den Köpfen und Herzen eines begeisterten Publikums. Kraftwerk haben der Welt eine Philosophie des Klangs hinterlassen, die in jedem Konzert neu aufblüht: Musik als Träger von Ideen, gestern, heute und morgen.