Meine Lieblingsbiografie zur Queen Elisabeth II.

9. September 2022

London bridge is down. Queen Elisabeth II. ist am Donnerstag Abend im Alter von 96 Jahren verstorben. Ich verneige mich vor dieser starken, pflichtbewussten Persönlichkeit. Die Königin ist tot, es lebe der König.

Kolumnisten aus aller Welt werden in dien nächsten Tagen die Leistung dieser außergewöhnlichen Frau würdigen. Und ich habe in meiner Bibliothek gesucht, welche Biografie mich am meisten berührt hat. Für mich war es das Buch Philip und Elisabeth – Porträt einer Ehe aus dem Jahre 2004. Autor war Gyles Brandreth, der für die Toires im Parlament saß, Mitglied der Regierung John Majors war und später als Kolumnist für britische Medien tätig ist.

Brandreth schrieb eine lesbare und unterhaltsame Doppelbiografie von Philip und Elisabeth, die als Paar unschlagbar waren. Sie regierte und er war ihr Halt in guten wie in schlechten Tagen. Dabei werden nicht nur die Herrscher Britanniens und des Commonwealth in ihren unterschiedlichen Arbeitsalltag gezeigt, sondern vor allem die Eheleute, die es mit ihren Kindern nicht leicht hatten. Brandreth hat Elisabeth und Philip als Mitglied der Upper Class öfters getroffen und gewährt uns Lesern einen informativen Einblick ohne in den Adelsklatsch abzugleiten. Die dargebotenen Informationen scheinen mir verlässlich, ohne dass ich sie überprüfen kann. Es klingt alles in allem plausibel und schlüssig. Ich habe am Abend des Todes der Queen wieder einige Seiten gelesen und mich erinnert, dass ich dieses Buch ehrlich geschätzt habe und ich es daher empfehlen möchte.

Queen Elisabeth II. hatte vor allem Haltung bewiesen, Stärke über all die Jahre – und das finde ich bewundernswert. Sicher, die alte Dame hat einen sturren Kopf, aber sie machte ihre Sache ausgezeichnet. Sie hatte so viel erlebt und schwere Zeiten hinter sich gebracht. Sie hatte ihre eigenen Bedürfnisse zurückgestellt und für die Monarchie und die Pflichterfüllung gelebt.
Das Buch endet lange vor Philips Tod, aber wir wissen, die Queen war durch diesen Verlust geprägt. Die authentische Dame ist nun von uns und zu ihrem Philip gegangen. Charles III ist neuer König. Die Frau auf den meisten Münzen und Geldscheinen dieser Welt ist nicht mehr. Eine Ära geht zu Ende.

Kinotag: Dracula 1958 in ungekürzter Fassung

8. September 2022

Am Sonntag, 11. September ist Kinotag. Und als Kinofan bin ich da live dabei – nicht nur als Zuschauer, sondern auch aktiv. Ich darf im Rahmen einer Matinee den 1958 entstandenen Gruselstreifen Dracula in ungekürzter Fassung zeigen. Davor gibt es eine 20minütige Einführung durch mich.

Am Kinotag am 11. September darf ich eine Matinee zum Dracula 1958 in Fürstenfeldbruk im Scala anbieten.

Ort des blutigen Geschehens ist das Scala-Kino in Fürstenfeldbruck. Start ist 11 Uhr, bei einem Eintritt von 5 Euro für Vortrag und Film. Tickets gibt es hier.
Und einen kleinen Trailer hab ich auch gemacht – bitte sehr.

Im Frühjahr durfte ich schon eine Matinee zu 100 Jahre Nosferatu – eine Symphonie des Grauens im Scala durchführen, die hervorragend ankam. Daher setzen wir weiterhin auf Vampire und ich würde mich sehr freuen, wenn Sie dabei sind.

Dracula war der zweite Horror-Film von der britischen Insel von der Produktionsgesellschaft mit dem coolen Namen Hammer. Nach Frankenstein mit dem Duo Cushing/Lee kam Blood of Dracula, wie der Film in den USA hieß. An diesem Dracula stimmt einfach alles: Schauspiel, Kulissen, Ausleuchtung, Kamera und der Score von James Bernard mit dem bekannten Dracula-Motiv. Natürlich ist Hammer Trash und anders als die Universal-Filme der 30er Jahre.

Erinnert sei nur an den Vorspann von Dracula von 1958. Das Schloss wird monochromatisch gezeigt, die Kamera bewegt sich (anders als die Kameras von Karl Freund bei Tod Browning). Sie streift umher und kommt auf dem Sarg von Dracula zur Ruhe. Dann: Es tropf knallrotes Blut auf den Sarg – das Ende des Schwarzweißfilms ist eingeläutet. Schnitt auf das blutrote Tagebuch von Jonathan Harker und los gehts. Mit dieser Szene hat sich Dracula seinen Platz in der Filmgeschichte gesichert. Dann sehe ich zum ersten Mal im Film die Zähne von Dracula. Es gab zwar die Rattenzähne von Max Schreck in Nosferatu, Bela Lugosi hatte keine Vampirzähne, erst Christopher Lee trug die blutverschmierten Beißerchen und dann alle Vampire nach ihm.

Also nochmal:
Matinee am Sonntag, 11. September um 11 Uhr im Scala Kino und Lounge in Fürstenfeldbruck. Karten gibt es hier.

Meine Workshops für Flüchtlingskinder

7. September 2022

Eine besondere Herausforderung galt es für mich zu bestehen. Ich dufte drei Medienkompetenz-Vorträge vor Flüchtlingskindern halten. Der Verein Hilfe von Mensch zu Mensch e.V.sprach mich auf Empfehlung einer ehemaligen Kursteilnehmerin an (Danke Gabi), ob ich bei dem Projekt zur Umsetzung der UN-Kinderrechtskonvention (gefördert durch die Regierung Oberbayern) mitmachen würde. Ja mache ich, weil es ein wichtiges Thema für unsere Gesellschaft ist.

Der Verein macht sehr viel, wie zum Beispiel das Projekt ZUSAMMEN STARK. Hier werden junge Menschen mit und ohne Flucht- und Migrationsgeschichte zusammengebracht. In den Workshops können sich Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene bis 27 Jahre begegnen, gemeinsam Neues erschaffen und sich dabei vorurteilsfrei kennenlernen. An meinem Medienkompetenz-Workshops nahmen drei Flüchtlingskinder teil, die mit ihren Eltern in einer Unterkunft in Bad Tölz leben.

Meine Seminarteilnehmer
Ich war sehr überrascht, wie gut die Kinder zwischen 9 und 13 Jahren Deutsch sprechen können. Und dennoch war es für mich eine gewisse pädagogische und didaktische Herausforderung, kompliziertes Fachwissen in einfachen Worten zu vermitteln, ohne dass der Inhalt auf der Strecke bleibt. Meine zahlreichen Vorträge in Grundschulen haben mir geholfen die Themen Social Media, Games und FakesNews zielgruppengerecht zu strukturieren und an die Zielgruppe zu bringen. Den Kindern hat es gefallen, sonst wären sie nicht freiwillig wiedergekommen. Abwechslung, Pausen, Medienwechsel – alles musste eingeplant werden.

Die Workshops dauerten in der Regel vier Stunden. Ich rückte mit Kabeltrommel, Beamer und Laptop im Jugend- und Bürgerhaus Lettenholz in Bad Tölz an.

Wichtig für mich war aber auch das gegenseitige Kennenlernen. Die Kinder kamen aus Afghanistan und Nigeria und hatten auf ihrer Flucht mit ihren Eltern viel erlebt. Das junge Mädchen aus Afghanistan berichtete von den Zuständen in ihrer Heimat, von den Taliban und von ihrer Flucht über die Türkei, Griechenland, Italien und Deutschland. Zufall: In Deutschland war sie bevor ihre Familie nach Bad Tölz in Oberbayern kam, bei mir um die Ecke im Auffanglager in Fürstenfeldbruck einquartiert. Dieser Zufall war dann gleich Gesprächsthema und schuf Vertrauen. Bewundernswert: Die junge Muslimin lernte auf ihrer Flucht die türkische und italienische Sprache und kann sich wunderbar in diesen Sprachen ausdrücken. Die sozialen Medien nutzt sie meist auf türkisch. Deutsch lernte sie und ihre Familie schnell in der Bundesrepublik, so dass ihre ältere Schwester eine Ausbildung als Zahnarzthelferin antreten konnte.

Auch interessant: Das Smartphone ist das Hauptkommunikations- und -Informationsmittel. Festnetztelefonie ist unbekannt und Zeitungen werden nicht gelesen. Der Unterschied zwischen seriösen Tageszeitungen, Anzeigenblättern und Boulevardzeitungen ist nicht bekannt, weil der kulturelle Hintergrund ein ganz anderer ist. Informationen werden über Messenger und soziale Netzwerke getauscht mit der Gefahr in die Falle von FakeNews zu gehen. TikTok ist das wichtigste Medium meiner Seminarteilnehmer.

Wie wichtig das gemeinsame Praxis ist, zeigte sich bei den praktischen Übungen und beim Gaming. Kindern lernen hervorragend beim Spielen. Wir spielten Geschicklichkeitsspiele und lernten anhand von Story Cubes Geschichten zu erzählen.

Zusammen Stark
Im Jahr 2019 begann bei dem Verein Hilfe von Mensch zu Mensch e.V. das Projekt „Zusammen Stark“. Die Berater unterstützen neu zugewanderte, dauerhaft bleibeberechtigte Menschen mit Migrationshintergrund sowie Asylbewerber, ihren Alltag in Deutschland zu bewältigen. Das Projekt zur Stärkung von Kinderrechten richtet sich an die vom Verein betreuten Gemeinschaftsunterkünften untergebrachten Kindern und Jugendlichen. Speziell wird das Programm in den Flüchtlingsunterkünften in den Landkreisen Bad Tölz-Wolfratshausen, Weilheim-Schongau und Miesbach angeboten. Ich war bei einem Projekt zur Umsetzung der UN-Kinderrechtskonvention (gefördert durch die Regierung Oberbayern).

Somit war ich das erste Mal im Auftrag der UN unterwegs und leistete mit meinen Vorträgen meinen persönlichen Beitrag.

Olympia 1972: Buchtipp Olympia München 1972 von Harry Valérien

6. September 2022

Ihr wisst es ja, ich bin absolut kein Sportfan (außer Golf) und die Olympischen Spiele 1972 interessierten mich weniger aus sportlicher als vielmehr aus journalistischer Sicht. Aber ich dachte mir, ein klassisches Olympia-Buch muss ich dann doch mal vorstellen. Aber wer die Wahl hat, der hat die Qual.
Ich entschied mich für das Buch Olympia München 1972 von Sportreporter Harry Valérien aus dem Südwest-Verlag München. Wahrscheinlich habe ich zu diesem Buch aus meinem Archiv gegriffen, weil mir Harry Valérien in Erinnerung blieb, als er bei irgendeiner Wintersportmeisterschaft als nix passierte einen Norwegerpulli mit Elch anhatte und die Zuschauer über diese Kleidung anstatt über die sportlichen Leistungen diskutierten.

Das Buch Olympia München 1972 hat natürlich allerhand Tabellen und Ergebnisse zum Inhalt. Auch Gedanken zum feigen Attentat dürfen nicht fehlen. Kluge Texte und eindringliche Bilder machen den Anfang des Buches. Dann geht es fröhlich weiter in den Farben der 70er Jahren. Auch die Perspektiven der Fotos war eine Dokumentation vergangener Zeiten. Die Teleobjektive der Fotografen waren gut, die Filmemulsionen waren auch prima – es war ja eine klassische analoge Fotografie. Die Körnigkeit der Fotos, die Farben waren gelbstichtig, aber die meisten Fotos im Buch waren noch schwarzweiß.

Ulrike Meyfarth und Mark Spitz waren die Sportler, die ich kannte, aber natürlich gibt es viele, viele mehr, die der Sportsfreund natürlich kennt.
Die fröhlichen Spiele, die im Terror endeten, sind ein wichtiges Zeitdokument und so sehe ich dieses Buch auch als ein solches an. Mal sehen, welche Olympia-Bücher ich noch so finde.

Wenn mein Foto der Festwoche das Sommerloch stopft

5. September 2022

Heute muss ich mich selbst loben. Ja, ich weiß, Eigenlob stinkt. Aber heute heißt es: Eigenlob stimmt. Ich freue mich über mich selbst, dass ich zur richtigen Zeit am richtigen Ort war und richtig geschaltet habe, weil ich die Geschichte erkannte. Und es ist auch ein schönes Beispiel, wie gut Sozial Media heute funktioniert.

Foto: Lange
Foto: Lange

Was ist passiert? Es handelt sich um ein Foto, das ich vom Bürgermeister meines Dorfes auf der Maisacher Festwoche gemacht habe. Es war am Seniorentag, der ausgeufert ist. Aufgrund von Personalengpässen wurden einige Senioren sauer, weil wir zu lange auf Hendl und Bier warten mussten. Der Bürgermeister erkannte die Situation und packte beim Bierausschank mit an und servierte den Senioren das Festbier der Brauerei Maisach. Ich habe über diesen Vorfall gebloggt und ein Foto vom Bürgermeister veröffentlicht, als er die Maßkrüge stemmte. Ich sah den Rathauschef und ich sah vor allem die journalistische Geschichte.

Dieser Blogpost und vor allem das Bild wurde geklickt und in Social Media diskutiert. Kaum war der Blogpost online, klingelte schon das Smartphone. Mein alter Kollege Peter Loder vom Fürstenfeldbrucker Tagblatt/Münchner Merkur war dran. Eigentlich ist er Rentner, aber er hat noch den Schreibvirus und schreibt weiter für die Tageszeitung. Auch er erkannte die Geschichte und bat mich das Foto zur Veröffentlichung in der Lokalzeitung Fürstenfeldbrucker Tagblatt/Münchner Merkur. Und weil er ein Profi ist, gab er seine Geschichte mit meinem Bild gleich weiter an die tz, eine Boulevardzeitung aus dem Hause Ippen, bei dem auch der Merkur erscheint. Die Geschichte erschien in der tz online und in Print.

Dann rief die Mutter aller Boulevardzeitung bei mir an: Die BILD München aus dem Hause Springer. Auch sie wollten das Foto des Biertragenden Bürgermeisters und veröffentlichen es sowohl Print als auch online. Und dann kam noch die Süddeutsche Lokales mit der Nachfrage nach dem Foto. Ob sie es allerdings veröffentlichten, weiß ich nicht.

Derweil hat sich die Geschichte verselbstständigt. Das Bayerische Fernsehen mit der Abendschau war in Maisach und drehte mit dem Bürgermeister, der die Personalnot der Festzeltbetrieber sachlich ansprach, der Bayerische Rundfunk und Radio Arabella sendeten Beiträge und unser Bürgermeister durfte Rede und Antwort stehen. Es sprachen mich Leute aus ganz Bayern wegen des Fotos an und die Blogpost ging durch die Decke.
Es tut dem Ego gut, wenn man eine Selbstbestätigung bekommt, dass man seinen Job wirklich gelernt hat und eine journalistische Geschichte erkennt, wenn sie auf der Straße liegt. Und ich hatte Glück, weil wir in der klassischen Sauren Gurken Zeit waren, also Sommerloch. Und es sage noch einer, dass sozial Media keine Wirkung hat.

Der servierende Bürgermeister nahm es mit Humor und wurde auf der Maisacher Festwoche zum Running Gag. An einem Abend brachte er unter Applaus der Festzeltbesucher dem Trio Schleudergang mehrere Maß Bier auf die Bühne. Dazu habe ich ein Video gemacht.

Letzte Eindrücke von der Festwoche

Und gestern nacht ging die 46. Maisacher Festwoche zu Ende. Bürgermeister und Volksfestreferent bedankten sich artig.

Und ich habe noch ein paar letzte Eindrücke von der Festwoche geschossen. Ich hab schon ein paar Ideen für 2023. Mal sehen, ob alle Beteiligten mitspielen.

Olympia 1972: Buchtipp Augenzeuge in Olympia

3. September 2022

Über den technischen Aufwand zur Übertragung der Olympischen Spiele 1972 habe ich ja bereits gebloggt. Jetzt ist mir ein Weihnachtsgeschenk des ZDF aus dem Jahre 1972 in die Hände gefallen. Das Buch heißt Augenzeuge in Olympia und beinhaltet Reflexionen über ein Fernsehereignis. Für mich als Medienfuzzi höchst interessant.

Es enthält viele Fotos von Kameramännern, Besprechungen, BTS-Fotos und auch einige Sportlerbilder – und natürlich das Attentat. Das Buch zeigt deutlich, welcher technische Aufwand damals gefahren wurde. Zum einen wurde noch klassisch auf 16mm Film gedreht, der dann schnell entwickelt und kopiert wurde, bevor er gesendet werden konnte. Zum anderen gab es Live-Übertragungen der Sportveranstaltungen, die dann im Sendestudio geschnitten wurden.

Für mich auch sehr interessant, war eine Dokumentation über die Zeitplanung. Wann wurde welche Entscheidung von wem gefällt und wer damals alles mitgeschnabelt hat.
Und wir sind ja in den siebziger Jahren. Da darf die klassische Mediendiskussion nicht fehlen. Mir hat am besten ein Beitrag von Manfred Delling gefallen, der am 17. Juni 2018 im Alter von 90 Jahren verstorben ist. Er war Dozent für den Bereich Fernsehen an der Deutsche Film- und Fernsehakademie Berlin, war Lektor beim Rowohlt Verlag, hatte eine Fernsehkolumne im Deutschen Allgemeinen Sonntagsblatt und betätigte sich als Publizist. Sein Buch „Bonanza & Co.“ war 1976 eine kritische Bestandsaufnahme des Fernsehens als Unterhaltung und Politik. 1995 erschien in der Reihe „Trouvaillen“ ein Band mit über 100 ausgewählten Fernsehkritiken aus der Zeit von 1964 bis 1993: „Engagement für ein neues Medium“. Manfred Delling hat die Veränderungen des Fernsehens über alle Jahrzehnte kritisch verfolgt und immer versucht, dagegen zu halten. Und so war es auch im Buch „Augenzeuge in Olympia“, wo Delling sich mit der Live-Berichterstattung auseinandersetzte. Kritisch hinterfragte er, wie sich Fernsehen veränderte, warum es vielleicht einfacher gewesen wäre, die Spiele mit all der Zeitlupenaufnahmen und Wiederholungen auf der Mattscheibe anzuschauen anstatt im Münchner Olympiastadion. Diskussionen, die man heute in Live-Streamings genauso führen könnte. Alles in allem ein interessantes Zeitdokument zu Olympia, das ich 50 Jahre später gerne aus dem Archiv entnommen habe.

Buchtipp: Star Trek: The Motion Picture: The Art and Visual Effects von Jeff Bond und Gene Kozicki

2. September 2022

Ich warte auf den 8. September 2022, wenn die fette Box zu Star Trek – der Film in 4K erscheint, also endlich der Director Cut, also die Kinoversion (ca. 132 Min.) als auch die Extended Version (ca. 137 Min.) mit zahlreichen Merch-Kram. Die Kinofassung gibt es ja bereits auf 4K. Mit dem Star Trek verbinde ich zahlreiche Erinnerungen und habe über meine Gefühle bereits gebloggt.

Bis die Mega-Box zu Star Trek – der Film erscheint, hat mir meine Gattin die Zeit des Wartens versüßt. Sie schenkte mir das Buch Star Trek Inside Art & Visual Effects von Jeff Bond und Gene Kozicki.

Das englischsprachige Buch ist eine wunderbare Reise als CGI im großen und ganzen noch ein Fremdwort war. Das Art-Department schuf wirklich ein gewaltiges visuelles Erlebnis, das für manche Zuschauer aber auch an Langweile grenzte. Dennoch: Die Effekte von Raumschiffen, Kulissen, Requisiten und Effekte sind meisterhaft. Das Buch berichtet über die wechselvolle Entstehungsgeschichte des Films. Die Tricks des Films waren damals Matte und Modelle.

Die Fotos im Buch sind eine wahre Schatzkiste für Trekkies und eine tolle Erinnerung an den verstorbenen Douglas Trumbull und John Dykstra. Und es tut gut, den Schöpfer der Serie Gene Roddenberry zu sehen, wie er versucht, die Enterprise auf die Kinoleinwand zu bringen. Es ist eine Verbeugung vor der damaligen Kreativität. Mit welchen guten Ideen die Schöpfer an den Start gegangen sind und während der Produktion ausgewechselt wurden. Im Grunde haben wir Trekkies auf dieses Buch seit Erscheinen des Film 1979 gewartet und uns die eine oder andere BTS-Geschichte aus Magazinen und Convetions zusammengestellt.

Viele Geschichten im Buch waren für mich neu. Als Trekkie ist man immer hungrig auf neue Geschichten um Kirk, Spock und Co. Und wenn die Box am 8. September erscheint, wird die Schreierei groß sein. Sie wird ja als The Complete Adventure angekündigt, doch ob Paramount in Deutschland wirklich das komplette Abenteuer veröffentlicht, bleibt zweifelhaft. Also lass ich mich überraschen und genieße derweil das 176seitige Buch Star Trek Inside Art & Visual Effects, das sich wirklich lohnt.

Verkehrspolitiker schämt euch – wo ist der Nachfolger vom 9-Euro-Ticket

31. August 2022

Die drei Monate 9-Euro-Ticket sind morgen vorbei und es gibt kein konkretes Anschlussmodell. Das ist schade, sehr schade. Wir wollen doch die Energie- und Verkehrswende schaffen, aber so nicht. Verkehrspolitiker schämt euch. Es wurde geredet, was gut ist, es wurde nichts entschieden, was schlecht ist.

Ab morgen muss ich mich wieder umgewöhnen. Ich bin drei Monate lange in Bus und Regionalbahn problemlos eingestiegen und ich fühlte mich gut. Ab morgen darf ich mich wieder mit einem extrem verwirrenden und teuren Tarifsystem auseinandersetzen, weil die Politik es nicht geschafft hat, etwas anzubieten. Es fördert die Politikerverdrossenheit, nicht Politikverdrossenheit.

Zahlen und Statistiken gibt es genug, besonders in den vergangenen Tagen. 31 % der erwachsenen Käufer des 9-Euro-Tickets haben es häufig auf Wegen genutzt, die sie sonst per Auto zurück­gelegt hätten, sagt eine YouGov-Umfrage. 18 % haben es sogar aus­schließlich auf solchen Strecken eingesetzt.
Und auch die krisengeschüttelte Bahn zog eine positive Bilanz, nachdem die Politik das Vorzeigeunternehmen heruntergewirtschaftet hatte. Die Chefin des Regionalverkehrs, Palla, bezeichnete das Experiment als „vollen Erfolg“. Sie nannte es besonders erfreulich, dass in den zurückliegenden drei Monaten im Regionalverkehr im Schnitt etwa zehn Prozent mehr Fahrgäste unterwegs gewesen seien als vor der Corona-Krise. Die Bahn hat nach eigenen Angaben 26 Millionen des Neun-Euro-Tickets verkauft.

Natürlich waren die Züge sehr voll, zum Teil überfüllt. Das Personal war genervt und die Strecken zum Teil nicht einsatzbereit. Das ist aber nicht der Fehler des 9-Euro-Tickets, sondern die ruinösem Sparmaßnahmen der Politik an der Deutschen Bahn. Politiker, schämt euch!

Laut einer BR-Umfrage zum 9-Euro-Ticket haben 44 Prozent der Nutzer das Auto öfter stehen gelassen, bei 55 Prozent hat sich nichts geändert. Vor allem die Jüngeren waren bereit, auf Bus und Bahn umzusteigen. Meine Kinder haben Reisen unternommen, die sie sonst aufgrund der Preise niemals gemacht hätten.

Deutliche Unterschiede zeigten sich je nach wirtschaftlicher Lage – in einkommensschwachen Gebieten wurde das Sonderangebot stärker genutzt. Wenig überraschend ist, dass bei einem besseren Angebot des ÖPNV auch das billige Ticket besser ankam als in dünn besiedelten Regionen.

Der Verband Deutscher Verkehrsunternehmen VDV hat das 9-Euro-Ticket als vollen Erfolg gewertet. Geschätzt habe es rund eine Milliarde Fahrten pro Monat im Zeitraum Juni bis August durch die Sondermaßnahme gegeben. Rund zehn Prozent davon wären laut einer großangelegten Umfrage des VDV sonst mit dem Auto erledigt worden. Dadurch seien über drei Monate rund 1,8 Millionen Tonnen CO2 eingespart worden. Das sei in etwa der gleiche Effekt, als hätte es ein Jahr lang ein Tempolimit auf deutschen Autobahnen gegeben.

Vielleicht zaubern die zuständigen Verkehrspolitiker bis morgen ein Überraschungsangebot aus dem Hut. Aber nein, denn die Parlamente in Land und Bund sind ja im Sommerurlaub. Mit dieser Einstellung wird es mit der Energie- und Klimawende nichts und meine Kinder müssen es ausbaden – vielen Dank dafür (Ironie aus).

Umdenken und Improvisation in der Gastronomie

30. August 2022

Bei einigen ist es wohl noch nicht angekommen, dass im Service- und Gastronomiebereich ein gravierender Personalmangel herrscht. Für uns als Gast bedeutet dies, wir müssen unser Verhalten ändern und unsere Erwartungen anpassen. Die glorreichen Zeiten sind vorbei. Im Bereich Dienstleistung müssen wir uns mit den Tatsachen abfinden, dass hinten und vorne Personal fehlt. Corona war dabei ein Brandbeschleuniger. Gründe gibt es viele. Viele Kräfte aus dem Gasto-Umfeld haben sich neue Jobs gesucht und der Gastronomie und damit uns Kunden den Rücken zugekehrt.

Der Bürgermeister greift ein und improvisiert.

Ein bisschen mehr Demut ist also angesagt, wenn man im Gasthaus Platz nimmt und nicht alles klappt. Manche neue Kräfte sind komplette Quereinsteiger, manche sehen es nur als Job und nicht als Berufung. Die Gastronomen müssen mit dieser Krise genauso fertig werden, wie wir als Gäste. Neue Ideen braucht die Branche und wir brauchen Gelassenheit. Ich habe Beispiele gesehen, wo mehr auf Selbstbedienung gesetzt wird. Eine Gastwirtschaft setzt auf einen Kellner-Roboter, damit die Wege für den Service verkürzt werden.

Bei uns im Dorf ist gerade Volksfest – die Maisacher Festwoche. Ich habe darüber gebloggt. Das Festzelt ist dabei das Zentrum. Nach zwei Jahren Corona wollen die Menschen zusammenkommen und feiern.

Und die Gemeinde Maisach im Landkreis Fürstenfeldbruck lädt auf Steuergelder alle Senioren der Gemeinde ab 70. Jahre auf ein Hendl und eine Maß Bier ein. Unkostenbeitrag 2 Euro. Das bedeutet einen finanziellen Aufwand für die Gemeinde, denn Huhn und Bier fallen nicht vom Himmel. Und viele der Senioren der Gemeinde nahmen die Einladung gerne an. Ein Mittagessen fast geschenkt und was viel wichtiger ist, man kommt unter Leute und kommt ins Gespräch.

Das klingt alles sehr schön, wenn da nicht diese Personalsituation wäre. Der neue Festwirt bei uns im Dorf kann ein Lied von der Personalknappheit singen. Angeheuerte Kräfte sind gar nicht erst zum Dienst erschienen – aus welchen Gründen auch immer: Corona, keine Lust, mangelndes Verantwortungsbewusstein. Mit dem wenigen Personal, darunter viele Neulinge, muss das Bierzelt am Laufen gehalten werden. Und das ist ein Knochenjob und ich bin dankbar, dass sich das vorhandene Personal den A… für mich aufreißt. Die Festwoche hätte ja auch ausfallen können.

Hendl to go

Und viele Senioren hatten absolutes Verständnis für die Situation. Aber der eine oder andere machte aus seinem Herzen keine Mördergrube und maulte aufgrund der langen Wartezeiten. Teilweise wurden manche richtig zornig, was zur Lösung der Situation nicht gerade beiträgt. Ich selbst hatte an der SB-Theke 14 Minuten für das Hendl für meine Mutter gewartet, die aufgrund gesundheitlicher Probleme nicht zum Volksfest gehen kann. Ich habe keine Bedienung gesehen, die sich einen faulen Lenz machte, sondern alle haben geschuftet, so gut sie es eben konnten. Das verdient meinen Respekt.

Geduld ist angesagt bei der Hendlausgabe.

Natürlich gibt es Optimierungsbedarf: Leergänge in der Gastro gehen überhaupt nicht, arbeiten ohne Schlitten auch nicht. Als Schlitten wird in der Gastronomie übrigens ein rechteckiges Holztablett bezeichnet. Es hat eine rutschfeste Beschichtung und die Hendl bleiben auf dem Brett.

Ich habe gesehen, dass Bürgermeister Hans Seidl eingriff und zum Ausschank ging, sechs Maßkrüge samt Maisacher Bier stemmte und sie zu den Senioren der Gemeinde brachte. Improvisation ist eben gefragt.

Auf gehts zum Mond mit der Kunst von Robert T. McCall

29. August 2022

Heute ist der große Tag: Die US-Raumfahrtbehörde Nasa will heute einen unbemannten Testflug zum Mond schicken. Als Teil der „Artemis“-Mission soll eine „Orion“-Kapsel mit Hilfe einer Schwerlastrakete vom Weltraumbahnhof Cape Canaveral abheben. Geplant ist, dass sie den Mond umkreist und nach rund 40 Tagen wieder im Pazifik landet. Die „Artemis“-Mission sieht vor, dass in Zukunft wieder US-Astronauten zum Mond fliegen und diesen auch betreten. Das ist aber für frühestens 2025 geplant. Und während ich auf diesen Termin hinfiebere, habe ich mir Robert T. McCall ins Gedächtnis zurück gerufen.

Robert T. McCall ist Maler und war lange für die US-Raumfahrtbehörde tätig. Er hätte sich über die „Artemis“-Mission gefreut. Und es stellt sich mir die Frage: Hat die Nasa einen Maler dieses Kalibers für die nächsten Missionen? Robert T. McCall ist ja leider am 26. Februar 2010 verstorben.


Als Jugendlicher kannte ich seine Bilder, die den US-Aufbruch ins All zeigten, aber sei berühmtestes Motiv für mich war das Filmplakat zu Stanley Kubricks Meisterwerk 2001: Odyssee im Weltraum. Das Plakat hing jahrelang in meinem Kinderzimmer und die Kunst von McCall hatte ich immer vor Augen.


Vor kurzem bekam ich einen faszinierenden Bildband mit den Titel The Art of Robert McCall in die Hände und verliebte mich wieder in die Bilder. Sie nahmen mich mit in meine Jugend in der ich von der Eroberung des Weltalls träumte. Die Bilder Robert T. McCalls sind voller Zukunftsgläubigkeit, Begeisterung für Raumfahrt und Technik und ich bin mir sicher, dass viele Science Fiction-Fans die Begeisterung für seine Kunstwerke teilen. Zu seiner bekanntesten Arbeiten zählt sicherlich sein Motiv aus der Eingangshalle des Smithsonian’s National Air and Space Museum, das ich leider nur von Fotos kenne.

Seine Bilder waren patriotisch, aber vor allem strahlten sie Optismus aus. Wir können unsere Zukunft meistern. Und diese Einstellung ist heute viel, viel wert.