Archive for the ‘Medien’ Category

Pokemons als Teil des digitalen Lebens

21. Juli 2016

Seit 13. Juli bin ich Pokemon-Jäger. Ja, ich bin auch seit dem ersten Update von PokemonGo in Deutschland dabei. Ich kann nicht Woche für Woche über Medienkompetenz und Spiele referieren und die kleinen Monster nicht gejagt haben. Dabei stehen mir K1 und K2 als langjährige Pokemon-Experten zur Seite, um mich in die Thematik schneller einzuarbeiten. Von Kindern lernen, heißt in diesem Fall siegen lernen.

Während ich blogge, kommt ein Pokemon vorbei und sagt Grüß Gott.

Während ich blogge, kommt ein Pokemon vorbei und sagt Grüß Gott.

Die Sache macht Spaß, soviel steht fest. Und soviel habe ich mich lange schon nicht mehr bewegt. Die Gattin und ich (beide Pokemon-Jäger) sind freiwillig am Samstag zum Bäcker gegangen, um auf den Weg ein paar Monster zu sammeln. Sonst ist es eine Familiendiskussion, wer denn zum Bäcker geht. Interessant ist, dass wir in der Schlange beim Bäcker auch einen Pokemon-Jäger getroffen haben. Wir kannten uns nicht, kamen aber gleich ins Gespräch. Pokemon-Jäger sind gesellige Typen. Leider war am Samstag auch der Zusammenbruch der Server, so dass die Ausbeute des Tages eher gering war.

Pokestop bei der Eisdiele
Bei uns am Dorf sind Pokemons eher spärlich, aber ich hab selten so viele Jugendliche unterwegs getroffen: Alle mit Smartphones in der Hand und auf der Suche nach Pokemons. Wir sind auf dem Dorf auch nicht gerade gesegnet mit Pokestops. Vor der örtlichen Eisdiele Alberto ist einer und dort trifft man sich und munitioniert sich mit Pokebällen auf. Eisdealer Alberto weiß wahrscheinlich gar nicht, welches Glück er mit diesem Pokestop hat, der ihm jugendliche Kundschaft bringt. Ich habe auch einen Espresso getrunken und gewartet, dass der Pokestop wieder Bälle bereit stellt. Der Pokestop ist ein klarer Wettbewerbsvorteil im Einzelhandel. Apropos Pokestop: Meine Gattin hat genau vor ihrem Büro in München einen Pokestop und kann den ganzen Tag sammeln, sammeln, sammeln – die Welt ist ungerecht. Sie braucht nur Himbeeren als Lockmittel ausstreuen und die Pokemons kommen von selbst. Vielleicht werde ich ein paar Tage bei meiner Frau im Büro verbringen.

PokemonGo auf Basis von Ingress
Ich habe die App geladen als ich in Italien im Kurzurlaub war. Es war ein kleines Dorf in Südtirol und auf dem Dorfplatz das gleiche Phänomen. Die Menschen kommen zusammen und jagen Pokemons. Wir kommen ins Gespräch, lachen und freuen uns. Was gibt es denn Schöneres? Und wenn Kommunikation nur über doofe japanische Pokemons zustande kommt, es ist gut, wenn Menschen miteinander reden.
Als alter Ingress-Fan kenne ich die Portale. Niantic steckt hinter PokemonGo und hat zuvor mit Ingress einen Coup geladen. Allerdings stelle ich auch fest: Seitdem PokemonGo auf dem Markt ist, kämpfen weniger Leute in Ingress. Das Portal am örtlichen Bahnhof halte ich schon verdächtig lange. Wahrscheinlich sind viele Ingress-Spieler jetzt zu PokemonGo abgewandert.

Fotos von Pokemons
Ich mache mir einen persönlichen Spaß und schieße einige Fotos von Pokemons in freier Natur. K1 machte mich auf die Fotofunktion in der App aufmerksam und wenn es interessante Motive gibt, dann drücke ich ab. Und ich setzte Pokemons als Marketing für meine Kunden ein. Vor kurzem fand ein Vorentscheid eines Barber-Wettbewerbs statt. Der German Barber Award wird auf der HAARE 2016 in Nürnberg ausgetragen und mein Kunde, der Landesinnungsverband des bayerischen Friseurhandwerks, organisiert diese wichtige deutsche Friseurmesse mit. Beim Vorentscheid sind einige Pokemons in dem Barber-Salon aufgetaucht und ich habe sie über die entsprechende Facebookseite des Verbandes gepostet und siehe da, es kommen Likes.

Pokemons im Marketingeinsatz für einen Kunden.

Pokemons im Marketingeinsatz für einen Kunden.

Also mache ich immer wieder Pokemons ein paar Fotos – nicht als Siegestrophäe, sondern als Unterhaltung. Hier eine kleine Auswahl: Pokemons am Zebrastreifen, bei der Kaffeemaschine, in der S-Bahn, im Schaufenster, am Stachus in München, am Isator, bei uns im Garten, auf meiner Tastatur, im Auto. Und ja, natürlich achte ich auf den Verkehr. Das habe ich beim Walkman in den achtziger Jahren gemacht und natürlich weiß ich, wann Schluss ist. Und auch die Kinder lernen es – es nennt sich Medienerziehung.


Pokemons sind überall. Aber hier muss Niantic nachbessern. Es gibt viel Kritik und Verbesserungsvorschläge bei Pokemon Go, wie Server- und App-Stabilität. Aber manche Orte sollten von Pokemon Go ausgespart bleiben. In den Medien wurden Konzentrationslager genannt. Hier brauche ich wirklich nicht auf die Jagd nach Pokemons gehen. Ich selbst hab es an verschiedenen sensiblen Orten ausprobiert. Zum Beispiel in der örtlichen Kirche und dem anstehenden Friedhof. Vor dem Firmgottesdienst tauchte ein Pokemon im Gotteshaus auf, kurz bevor der Weihbischof seinen Einsatz hatte. Und beim Besuch des Friedhofs erschien ein anderes Pokemon zwischen den Gräber. Natürlich bin ich selbst Schuld, denn ich sollte an diesen Orten das Smartphone ausschalten, aber ich wollte es testen. Hier sollte Niantic No-Go-Zonen errichten, sie nutzen ja die Datenbasis von Google und somit sollte es möglich sein, solche Orte zu identifizieren.

Mandalas für Erwachsene als verpasste Geschäftschance

18. Juli 2016

Mandala_1642

Vor längerer Zeit durfte ich ein Seminar für Medienkaufleute halten. In geselliger Runde kamen wir abends beim Bier ins Gespräch über das eine oder andere Verlagsprojekt. Die Situation in Verlagen ist angespannt und neue Ideen sind gefragt. Hier wird an die Belegschaft appelliert, neue Geschäftsfelder vorzuschlagen. Und es kann aber folgendes passieren: Werden Ideen vorgeschlagen, dann werden sie oftmals vom Management abgewiesen. Das entmutigt Mitarbeiter. Die Stimmung in manchem Verlagshaus wird noch schlechter. Ein Teufelskreis entsteht.
Ähnliches ist hier passiert. Eine Teilnehmerin berichtete mir von ihren Erlebnissen. Sie arbeitet in einem Buchverlag, der Name tut nichts zur Sache. Sie hatte eine Bekannte mit kleinen Kindern, die stundenlang mit Begeisterung Mandalas ausmalen. Das sind schwarz-weiß-Ausdrucke von Formen und Mustern, die dann in Farbe mit Stiften ausgemalt werden müssen. Kinder lernen sich so zu konzentrieren und exakt zu arbeiten. Als Kind habe ich so etwas mit klassischen Malbüchern gemacht. Ich habe meine Malbücher geliebt und auch ich habe meinen Kindern Malbücher und Mandalas gegeben.
Sie schlug eine Art Mandala für Erwachsene vor. Der Verlag lehnte dies als blödsinnige Idee ab. Warum sollen Erwachsene Bilder ausmalen? Die Mitarbeiterin war frustriert, schade.


Und heute? Heute gehe ich in Buchhandlungen und sehe reihenweise Mandalas für Erwachsene – nur der betroffene Verlag ist nicht dabei. Er hat die Chance verpasst, obwohl es in sein Geschäftsmodell gepasst hätte. Der Verlag hat nicht auf seine Mitarbeiterin gehört, das Management wusste es besser – oder glaubte es zu wissen.
Als ich in meiner Familie und bei meinen Freunden herumgefragt hatte, stellte sich heraus, dass einige Mandalas für Erwachsene ausmalen. Es beruhigt ungemein, war die Antwort. Das Leben ins stressig genug. Mandalas dienen zum Runterkommen, zur Konzentration, zum Zeitvertreib. Ich probierte es aus und es stimmt. Als digitale Nomade habe ich mir freilich Mandala-Apps für das iPad Pro gekauft – so eine Art indische und indianische Muster. Mit dem Pencil vom iPad Pro male ich auf langen Zugfahrten zu meinen Seminaren meine Mandalas aus. Und immer wenn ich die Mandalas sehe, dann denke ich mir wieder, hätte der Verlag nur auf seine Mitarbeiterin gehört.

YouTube doch meist nur ein Konsumkanal

12. Juli 2016
Wie wird YouTube bei euch genutzt?

Wie wird YouTube bei euch genutzt?

Bei meinen Vorträgen an Schulen frage ich auch die Nutzung von YouTube nach. Alle Schülerinnen und Schüler, egal welcher Jahrgangsstufe und Schulzweig und egal welches Bundesland, schauen YouTube. Für sie ist das Ende des linearen Fernsehens längst Realität und sie verstehen die aufgeblasenen Diskussionen der Programmmacher von Fernsehsender gar nicht. Die Kinder sind mit YouTube aufwachsen und nutzen es. Interessant ist, dass viele Schülerinnen und Schüler die Videoplattform als Suchmaschine nutzen – auch K1 und K2.

YouTube als Suchmaschine
Das Verhalten in unserer Familie ist interessant. Während ich als erstes zu Google und Co greife, um etwas zu suchen, greifen meine Kinder zu YouTube. Für sie ist YouTube eine Suchmaschine. Als ich nachfragte, warum es so sei, erklärten mir K1/2 übereinstimmend: „Es ist wie in der Schule. Der Lehrer erklärt etwas anhand eines Tafelbildes. Er baut den Sachverhalt auf und zeigt die Lösung. Erst dann lesen wir im Schulbuch nach, wie das Problem gelöst wird.“
Ein schöne Erklärung, wie ich finde. Im Grunde gebe ich meinen Kindern recht, denn unbewusst handle ich ebenso. Ein Beispiel: Meine Frau und ich haben uns eine Siebträgermaschine gegönnt. Wir lieben guten Kaffee und die Anschaffung war es uns wert. Nachdem wir das Ding aufgebaut und angeschlossen haben, ging es an die Installation. Dabei sollte ich ein fettes Handbuch als PDF lesen. Wirklich nicht. Also schauten wir die How to-Videos in YouTube an und konnten die Maschine einstellen. So weit sind meine Kinder und ich nicht voneinander entfernt.

Das erste YouTube-Video war eine Revolution. Nicht wegen des Inhalts, sondern wegen der Wirkung. Jeder kann ein Sender sein – YouTube – deine Bildschirmröhre.

YouTube in der Jugendforschung Celepedia
Interessant ist in diesem Zusammenhang, was die Jugendforschung dazu sagt. Celepedia, ein Start-up von Axel Springer mit der Zielgruppe der 12- bis 24-Jährigen, hat über 4.100 Jugendliche in der „Celepedia Jugendstudie #1“ in 41 Fragen zu Themen wie Zukunft, Werte, Mediennutzung, E-Commerce, Drogenkonsum und Sex befragt. Das Ergebnis der Online-Umfrage, die im August 2015 unter den Celepedia-Nutzern in ganz Deutschland durchgeführt wurde, ist die größte nationale Jugendstudie. Mode, Beauty und Videoblogger schlagen Politik und Wirtschaft beim Interesse der Jugendlichen (68 Prozent interessieren sich für Mode, 61 Prozent für Beauty und 51 Prozent für Videoblogger auf YouTube – nur 13 Prozent informieren sich über Politik und 9 Prozent über Wirtschaft)

YouTube als Konsumkanal, weniger eigene Filme
Es stellt sich heraus, dass YouTube primär ein Konsumkanal ist, nur vereinzelt treten Jugendliche als Protagonisten vor die Kamera (81 Prozent haben noch nie ein Video hochgeladen, 1 Prozent laden regelmäßig Videos hoch). Dabei bemüht sich Google, neue YouTuber zu aktivieren. Aber mit mäßgem Erfolg. Meine Kinder experimentieren mit Video herum und K2 versucht sich an einem eigenen Videokanal. Sie schauen mir mit meinem Kanal über die Schulter, aber meiner Erfahrung nach, gibt es sehr wenige YouTuber unter den Schülerinnen und Schülern. Eine Ausnahme. Ich habe bei einem Vortrag am Münchner Gymnasium Trudering eine erfolgreiche YouTuberin kennengelernt. Amelie Marina – die 16jährige Schülerin betreibt erfolgreich den Kanal lifestyle_inlove und berichtet über Lifestyle, Fashion, Beauty und mehr. Sie hat es verstanden und kam schon in kurzer Zeit auf 14.431 Abonennten. Dagegen bin ich eine lahme Ente mit meinem Kanal.

Die YouTube-Zahlen
Inzwischen wird YouTube von mehr als einer Milliarde Menschen genutzt – das entspricht fast einem Drittel aller Internetnutzer. Täglich werden Videos mit einer Gesamtdauer von mehreren hundert Millionen Stunden auf YouTube abgespielt und Milliarden Aufrufe generiert. In den vergangenen drei Jahren ist die Wiedergabezeit auf YouTube jährlich um mindestens 50 % gestiegen.
Die Google-Tochter haben lokalisierte Versionen von YouTube für mehr als 88 Länder und in 76 Sprachen eingeführt, die 95 % aller Internetnutzer beherrschen.

Autorengespräch mit Lea Griesbach – mit 17. Jahren den ersten Roman

8. Juli 2016

Geh_weh_weiter

Ich glaube, dem ehemaligen Apple-CEO Steve Jobs wird der Ausspruch zugeschrieben: Real Artists ship – wirkliche Künstler liefern. Immer wieder treffe ich auf meinen Schulungen Leute, die gerne den großen Roman schreiben, ihre erste Oper komponieren, ihre erste App programmieren würden, wenn sie denn nur Zeit dafür hätten. Ich verrate Ihnen ein Geheimnis: Sie werden es nie tun. Aber ich treffe auch Leute in meinen Seminaren, die es tun, denn wirkliche Künstler liefern.
So auch vor kurzem bei einem Online-Schülerzeitungsseminare mit dem Gymnasium Münchberg. Dort traf ich die 17jährige Lea Griesbach.

Autorengespräch mit Lea Griesbach

Autorengespräch mit Lea Griesbach

Die sympathische Schülerin hat ihren Traum verwirklicht und im Januar 2016 ihre ersten Roman in Buchform veröffentlicht. Sie redete nicht nur darüber, sie hat es getan. WOW. Der Roman heißt Geh weiter, egal wohin dein Weg dich führt! und hat über 300 Seiten.
Über zweieinhalb Jahre hat Lea Grisebach an ihrem ersten Buch geschrieben. Es ist ein Jugendroman und ich lasse mir gleich von der Autorin ein signiertes Exemplar schicken und werde es meinen Kindern zum Lesen und zur Mahnung geben, denn Real Artists ship.

Lea in der Mitte ihrer Mitschüler

Lea in der Mitte ihrer Mitschüler

Die Handlung von Geh weiter, egal wohin dein Weg dich führt!: Auf den ersten Blick ist Elly Bancroft ein ganz normales siebzehnjähriges Mädchen: Sie steht kurz vor dem Schulabschluss, streitet oft mit ihrer kleinen Schwester und kommt so überhaupt nicht mit dem neuen Freund ihrer Adoptivmutter klar. Doch plötzlich verläuft ihr Leben in eine ganz andere Richtung als sie sich es je hätte träumen lassen. Nachdem sie von ihrer Adoptivmutter dazu bewegt wurde auszuziehen, beginnt sie nach der Identität ihrer leiblichen Eltern zu suchen. In ihrem Banktresor findet sie Unterlagen ihrer Mutter und erfährt die erschreckende Wahrheit über ihre Eltern. Ein packendes Rennen gegen den verbrecherischen Spionagedienst Eagles Eyes, der ihre Eltern bedroht hat, beginnt und Elly merkt schnell, dass sie in diesem Spiel um Leben und Tod niemandem trauen kann.
Ich bin sehr gespannt auf das Buch und habe mir Lea Grisebach in einer ruhigen Minute des Seminars gepackt und ein Interview mit einer 360 Grad Kamera gedreht.-

Lea Griesbach plant SF-Triologie

Natürlich steht für die Schülerin jetzt wieder klar die Schule im Fokus ihres Lebens. Das Abitur will nächstes Jahr geschrieben werden. Ihrem Traum vom Schriftstellerleben ist Lea Griesbach durch die Veröffentlichung ihres ersten Buches Geh weiter, egal wohin dein Weg dich führt! näher gekommen. Jetzt müssen Marketingaktionen folgen, um das Buch unter die Leute zu kommen. Erste Lesungen an der Schule und im lokalen Buchhandel sind geplant.
Aber Lea Griesbach kribbelt es in den Fingern. Auf den ersten Roman sollen noch weitere Werke folgen. Sie plant eine negative Science Fiction Utopie und hat das Grundgerüst einer Trilogie schon zusammen. Drei Bücher sollen es werden. Über den Inhalt wollte sie mir nichts verraten.
Ich bin auf jeden Fall gespannt, ob ich Lea Griesbach wiedersehen werde und wie ihre Entwicklung als Schriftstellerin voran geht. Auf jeden Fall träumt sie nicht nur davon, etwas zu liefern, sie lieferte es bereit. Chapeau.

Buchkritik: Und dann kam Tetris von Christian Gehlen

6. Juli 2016

tetris

Weil ich wohl Retrogames so gerne habe, kam Enno Coners mit seinem CSW Verlag auf mich zu und bat mich, das unlängst erschienene Buch Und dann kam Tetris einmal näher anzuschauen. Machte ich doch gerne und verschlang die Kapitel des Buches auf einer Geschäftsreise mit dem Zug.
Das Buch ist genau für so Leute wie mich. Retrogamer der alten Schule. Ich habe als Kind den Atari-Virus gehabt und bin in der goldenen Ära der Videospiele groß geworden. Ich kenne Super Mario besser als Karl den Großen und ich weiß, dass Atari kein japanischer General aus dem Zweiten Weltkrieg ist. Über meine Leidenschaft habe ich ausführlich gebloggt.
Mit allerhand Vorwissen ausgestattet, führte ich mir das Buch zu Gemüte. Und ich muss es zugeben, ich war zunächst irritiert. Der Buchtitel versprach mir eine Geschichte über Tetris, aber auf den ersten Kapiteln ging es keinen Buchstaben um das russische Spiel. Nichts, kein Wort. Nun, der Untertitel des Buches lautet auch: Wie Nintendo innerhalb eines Jahrzehnts den Videospielmarkt eroberte.
Aber auch hier das Problem: In den ersten Kapiteln ging es auch nicht um Nintendo. Wieder kein Wort. Was soll jetzt das? Was mich aber beruhigte und zugegeben höchst erfreute, ging es in den besagten Kapiteln um meine heimliche Liebe: Es ging um die Geschichte des Atari 2600. Ich liebe diese Kiste, war es doch mein Einstieg in das Videospielzeitalter. Das Buch zeigte die Irrungen und Wirrungen von Atari, das Auf und Ab des einstmals innovativen Unternehmens. Die Idee von Atari war, preiswerte Hardware auf den Markt zu bringen und fett dann bei den Spielen zu verdienen. Ein Konzept, was bei Atari schief ging, bei Nintendo später für Millionenerlöse sorgte.
Dann im ersten Drittel taucht Nintendo dann doch mal auf. Ausführlich und nett zu lesen wird erzählt, wie Nintendo langsam auf dem wichtigen US-Markt Fuß fasst und den Markt aufrollt. Und dann kam Tetris. Im letzten Teil des Buches dreht es sich dann alles um Tetris. Für mich war Tetris der Auslöser für den Kauf eines Game Boys von Nintendo. Videospiele waren bis zur Veröffentlichung von Tetris nur etwas für Kinder gewesen, in meinem Umfeld waren es hauptsächlich Jungs, die sich mit Videospielen beschäftigten. In unserer Klasse gab es nur ein Mädchen, was cool war und zockte. Mit Mario kamen die Mädchen an die Konsole und mit Tetris war die Erwachsenenwelt dabei. Sogar meine Eltern spielten so dann und wann Tetris. Der Bann war gebrochen.
Das Buch ist sehr schön geschrieben. In den letzten Kapiteln, als es um die Lizenzschwierigkeiten von Tetris ging, kommen endlich einige Zitate herein, das das Büchlein deutlich lebendiger macht. Mehr Zitate hätte ich mir gewünscht. Autor Christian Gehlen ist ein Insider der Branche. Gehlen, Jahrgang 1982, begann seine Laufbahn als freier Journalist in der Online-Community 2001 für diverse Videospielportale, 2005 stieg er beim Super Nintendo-Fanportal snesfreaks.com ein. Hauptberuflich ist der gelernte Großhandelskaufmann im öffentlichen Dienst tätig. Vielleicht hätte Verleger Enno Coners dem Autoren noch einen Kollegen zum Recherchieren zur Seite stellen sollen, damit das Buch Und dann kam Tetris noch leibhaftiger wird. Und dennoch mir hat es gut gefallen. Danke Enno für das Freiexemplar und ich kann das Buch gerne weiterempfehlen.

Persönlicher Nachruf auf Gabriele Goderbauer-Marchner

4. Juli 2016
Gabriele Goderbauer-Marchner ist tot

Gabriele Goderbauer-Marchner ist tot

Gabriele Goderbauer-Marchner ist tot. Diese Meldung hat mich gestern zutiefst schockiert. Gabriele Goderbauer-Marchner war eine Kollegin und eine großartige Streiterin für den Qualitätsjournalismus in Bayern und weit darüber hinaus. Ich kannte sie seit Jahren, durfte mit ihr arbeiten, habe von ihrer Erfahrung profitiert und hatte sogar einmal eine Firma mit ihr zusammen. Nun ist sie verstorben und hinterlässt Mann und zwei Söhne, denen mein aufrichtiges Mitgefühl gilt.

Ich habe Gabriele Goderbauer-Marchner das erste Mal als Kollegin der Landshuter Zeitung getroffen, als sie dort Chefin vom Dienst war. Sie ging dann in die Wissenschaft und nahm eine Professur in Mittweida in Sachsen an. Dort liefen wir uns auch über den Weg, weil ich dort einen Lehrauftrag für einen Kollegen hatte. Ein Kaffee hier, ein Gespräch da und es entstand ein gegenseitiges Interesse für die Arbeit. Nach ihrem Wechsel an die Fachhochschule Würzburg erhielt ich von ihr dort auch einen Lehrauftrag. Ich durfte für sie meinen ersten Buchbeitrag schreiben in einem Buch Karriereziel Journalismus.

Engagierte Kämpferin für Qualität im Journalismus.

Engagierte Kämpferin für Qualität im Journalismus.

Als sie zusätzlich das Amt der Geschäftsführerin des MedienCampus Bayern übernahm, lud sie mich auf zahlreiche Podien und Diskussionsrunden ein. Sie machte mich mit den Entscheidern in der Medienbranche bekannt, führte mich in Insiderkreise ein und ich durfte lange Zeit Teil ihres ausgesprochen feinen Netzwerkes sein.

Als ich Chefredakteur der DP war, diskutierte ich viel mit Gabriele Goderbauer-Marchner.

Als ich Chefredakteur der DP war, diskutierte ich viel mit Gabriele Goderbauer-Marchner.

Jahrelang gab sie einen Kurs Printakademie bei der Hanns Seidel Stiftung, bei der sie junge Journalismusstipendiaten ausbildete. Ich war bei vielen dieser Kurse dabei. Sie war eine strenge Lehrerin, aber sie war fair und geduldig. Ich schätzte vor allem die zahlreichen Diskussionen mit ihr, wohin der Journalismus sich entwickelt. In unseren Diskussionsrunden vor den Stipendiaten vertrat sie den klassischen und ich den progressiven Ansatz im Journalismus. Ich denke, alle Seiten haben viel von unseren Diskussionen gelernt.
Wie sehr sie am Thema Qualitätsjournalismus hing, bemerkten wir alle, als sie sich um das Amt des Präsidenten der Bayerischen Landeszentrale für neue Medien BLM bewarb und gegen den ehemaligen bayerischen Staatskanzleichef Siegfried Schneider antrat. Sie unterlag zwar am Ende gegen Schneider, sorgte aber mit ihrer Kandidatur für enorme Wellen in den politischen und journalistischen Kreisen. Sie wechselte zur Bundeswehr-Uni nach München und lehrte dort weiter Journalismus.

Hier bei der Schule für Rundfunktechnik 2005.

Hier bei der Schule für Rundfunktechnik 2005.

In den letzten Jahren haben wir uns aus den Augen verloren. Wir sahen uns dann und wann, aber der Kontakt riss ab. Sie engagierte sich massiv in ihrer Heimatstadt Landshut in der Kommunalpolitik. Wie ich von meinen Landshuter Freunden höre, hatte sie gute Chancen Oberbürgermeister der Stadt zu werden. Das hätte ich ihr gegönnt. Sie war engagiert für die Bürger ihrer wunderbaren Stadt. Doch dann kam die überraschende Meldung für mich: Vor drei Wochen legte sie ihre OB-Kandidatur aus gesundheitlichen Gründen nieder und bat darum, nicht weiter befragt zu werden. Das respektierten wir. Und nun die Todesmeldung. Ich wusste nicht, wie schlimm es um Gabriele Goderbauer-Marchner stand und hätte gerne noch mal mit ihr gesprochen.
Der Journalismus hat mit ihr eine engagierte Streiterin für Qualität verloren. Im Moment stehe ich noch unter dem Schock der überraschenden Todesmeldung und es tut mir sehr leid. Gabi oder Godi, wie ich sie genannt habe, vielen Dank für alles.

2008 feierte ihr MedienCampus zehnjähriges Bestehen.

2008 feierte ihr MedienCampus zehnjähriges Bestehen.

Buchtipp: The Art of Sanjay’s Super Team

1. Juli 2016

SanjaysSuperTeam-3

Der Pixar-Kurzfilm Sanjay’s Super Team ist der Vorfilm zu The Good Dinosaur, der in Deutschland seltsamerweise Arlo & Spot heißt. Böse Zungen behaupten, dass Sanjay’s Super Team das eigentliche Highlight ist als der Hauptfilm, der erste Filmflopp von 3D-Schmiede Pixar. So weit würde ich nicht gehen. Mit Gesamteinnahmen von 331,9 Millionen US-Dollar ist Arlo & Spot der Pixar-Film mit dem bis dato geringsten Einspielergebnis. Vor- und Hauptfilm müssen bei Pixar immer getrennt betrachtet werden und The Good Dinosaur werde ich zu anderer Zeit besprechen. Soviel nur: Für The Good Dinosaur brauchte ich einen langen Atem.


Jetzt aber zu The Art of Sanjay’s Super Team. Rund sieben Minuten dauert der Vorfilm Sanjay’s Super Team aus dem Jahr 2015 und der Film macht einfach Laune. Regie führte dabei Sanjay Patel. Der Film ist eine sehr persönliche Geschichte von Sanjay Patel, der wunderbar den Konflikt zwischen der traditionellen Hindu-Welt und modernen IT-Welt Indiens zeigt. Der Film basiert auf einen klassischen Vater-Sohn-Konflikt und trägt stark autobiografische Züge. Während der Sohn von Superhelden aus dem Fernseher träumt, meditiert der Vater und betet zu den Hindu-Göttern. Der Sohn findet die Hindu-Götter dagegen einfach langweilig und fantasiert sich moderne Helden in die verstaubte Götterwelt.
Meines Wissens zum ersten Mal erschien jetzt ein Art of-Buch zu einem Pixar-Vorfilm. Vielleicht macht es jetzt der Disney-Konzern zur Regel, um die Pixar-Fans zu melken. In diesem Fall habe ich kein Problem damit, denn das Buch zu The Art of Sanjay’s Super Team hat mir sehr gefallen. Es sticht aus der Art of-Reihe der Pixar-Bücher etwas heraus. Grund: Es bringt nicht nur starken visuellen Content, sondern liefert auch Erklärungs- und Erläuterungstexte. Gerade bei einem Animationsfilm will der Leser wissen, wie hier vorgegangen wird. Die einzelnen Produktionsschritte sind der breiten Masse unbekannt. Freilich verrät Pixar auch hier nicht seine Geheimnisse. Die Software Marionette und der Renderman leisten ganze Arbeit, aber durch die Lektüre der kleinen Texte versteht der Leser das Vorgehen der Artists. Wie wurden die Charaktere geschaffen? Welche Eigenschaften haben sie? Was bedeutet die Reduktion des Raumes?
Neben den beiden menschlich animierten Hauptdarstellern von Vater und Sohn haben wir auf der anderen Seite die Superhelden der Götterwelt- und der Gegenwart sowie deren bösen Gegenspieler. Der Film zeigt viel, wie Sanjay Patel aufgewachsen und sozialisiert wurde. Als in London geborenes Kind wuchs er in San Bernardino in seiner Familie von indischen Immigranten auf. Während die Welt seiner Eltern noch stark von der indischen Tradition geprägt war, spielte Sanjay Patel mit Actionfiguren und Transformers.

Er arbeitete jahrelang bei Pixar und drohte auszubrennen. Er arbeite als Animator bei Das große Krabbeln (1998), Toy Story 2 (1999), Die Monster AG (2001) und Ratatouille (2007) sowie Die Monster Uni (2013). Patel war müde, schlug aber dem Pixarchef John Lasseter die Geschichte vor und bekam prompt grünes Licht für einen Kurzfilm mit seiner Geschichte. 2012 starte er die Arbeit an seinem Film. Sanjay Patel, der eben noch alles bei Pixar hinwerfen wollte, kniete sich voll in sein Projekt hinein und leistete ganze Arbeit. Sein Film wurde 2016 für einen Oscar in der Kategorie Bester animierter Kurzfilm nominiert, erhalten hat er ihn aber nicht.

Aufrüsten der Playstation PS4 auf 3 TByte

30. Juni 2016

Unsere Familie lebt mit Technik, aber das Herumschauben an technischen Dingen ist nicht so mein Fall. Aber jetzt musste ich mal ran. Wir haben die erste Generation der Playstation PS4 gekauft und die Kinder spielen mit mir sehr oft. Im Grunde sind wir mit der PS4 zufrieden, aber wir stießen an unsere Grenzen. Das Problem: Unsere PS4 hat nur eine 500 GByte Festplatte eingebaut. Das ist zu wenig. Die Spiele der PS4 werden auf die interne Festplatte ausgelagert und die ist beim Speicherhunger der Spiele schnell voll.

So sieht die Festplattenerweiterung für die PS4 aus.

So sieht die Festplattenerweiterung für die PS4 aus.

Bei meiner PS3 baute ich vor Jahren eine größere schnellere Festplatte ein und das wollte ich nun auch bei der PS4 tun. Wir entschieden uns für das System DongCoh Game Bar mit 3TB 3,5-Zoll-Festplatte . Über eine Amazon-Angebot ging das System einigermaßen preiswert her. Der Schraubenzieher und das Upgrade-Material lagen der Bestellung bei. Zusammen mit meinem Sohn gingen wir ans Upgrade unserer PS4.


Der erste Schritt war es, die bestehenden Spielstände auf einem USB-Speicherstick zu sichern. Die Daten der unterschiedlichen Benutzer unserer PS4 wurden gesichert. Dann begann die Aktion: Als erstes zogen wir den Netzstecker und stellten die PS4 auf unseren Wohnzimmertisch.
Als erstes die Abdeckung der PS4 wegschieben.

Als erstes die Abdeckung der PS4 wegschieben.

Als erstes die Abdeckung der PS4 wegschieben.

Mit dem beiliegenden Schraubenzieher die Schraube der Festplattenhalterung lösen.

Mit dem beiliegenden Schraubenzieher die Schraube der Festplattenhalterung lösen.

Mit dem beiliegenden Schraubenzieher die Schraube der Festplattenhalterung lösen.

Die bisherige Festplatte der PS4 einfach herausziehen. Hier handelt es sich um eine 500 GByte Festplatte.

Die bisherige Festplatte der PS4 einfach herausziehen. Hier handelt es sich um eine 500 GByte Festplatte.

Die bisherige Festplatte der PS4 einfach herausziehen. Hier handelt es sich um eine 500 GByte Festplatte.

Die Anschlüsse der Game Bar-Platte einschieben und die Schraube wieder festziehen.

Die Anschlüsse der Game Bar-Platte einschieben und die Schraube wieder festziehen.

Die Anschlüsse der Game Bar-Platte einschieben und die Schraube wieder festziehen.

Die Abdeckung der Game Bar-Verkleidung aufsetzen und die Festplattenanschlusskabel durch die Öffnung ziehen.

Die Abdeckung der Game Bar-Verkleidung aufsetzen und die Festplattenanschlusskabel durch die Öffnung ziehen.

Die Abdeckung der Game Bar-Verkleidung aufsetzen und die Festplattenanschlusskabel durch die Öffnung ziehen.

Die Game Bar-Verkleidung wieder auf die PS4 schieben.

Die Game Bar-Verkleidung wieder auf die PS4 schieben.

Die Game Bar-Verkleidung wieder auf die PS4 schieben.

Die Festplatte an die Game Bar-Verkleidung anschließen.

Die Festplatte an die Game Bar-Verkleidung anschließen.

Die Festplatte an die Game Bar-Verkleidung anschließen.

Dann den zweiten Kabelstrang anschließen.

Dann den zweiten Kabelstrang anschließen.

Dann den zweiten Kabelstrang anschließen.

Deckel der Game Bar-Verkleidung aufgesetzt und fertig ist der Umbau.

Deckel der Game Bar-Verkleidung aufgesetzt und fertig ist der Umbau.

Deckel der Game Bar-Verkleidung aufgesetzt und fertig ist der Umbau.

Auf der Rückseite den Game Bar-Stecker mit dem Stecker der PS4 verbinden.

Auf der Rückseite den Game Bar-Stecker mit dem Stecker der PS4 verbinden.

Auf der Rückseite den Game Bar-Stecker mit dem Stecker der PS4 verbinden.

Anschließend geht es die Neuinstallation der PS4 Software. Bei mir war es die Version 3.55 mit der rund 800 MByte.
Die Systemsoftware PS4UPDATE.PUP von der Sony-Website laden, auf einem USB-Stick in einem Ordner PS4 installieren und dann die PS4 neu installieren. Aus welchem Grund auch immer, wurde die PS4UPDATE.PUP-Software mit einer Größe von 300 MByte geladen. Hier ist die Installation natürlich fehlgeschlagen. Als ich nochmal die Software geladen habe, waren es 800 MByte und alles lief am Schnürchen.
Wir haben also jetzt eine PS4 mit 3 TByte-Festplatte. Das System DongCoh Game Bar mit 3TB 3,5-Zoll-Festplatte läuft prima und die Installation war machbar. Nun können wir eine zeitlang spielen ohne unsere Spiele zu löschen zu müssen. Mal sehen, wie lange der Platz reicht.

Beim Rasieren die News lesen

29. Juni 2016

Bei einer Shoppingtour durch Landshut nahmen wir im Restaurant Tigerlilly zu Mittag gegessen – nahrhaft und schmackhaft war es. Es war wirklich sehr gut und ich kann die Speisen und Getränke empfehlen.

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Nach dem Essen, wollte ich meine Hände waschen. Über den Waschbecken in den Waschräumen entdeckte ich ein cooles Displaysystem. Es war in den Spiegeln integriert. Während man sich seine Hände wusch, konnte man aktuelle News, Horoskope und natürlich Werbung lesen. Ich habe von diesen Displays schon immer wieder gehört, habe aber noch nie eines in freier Windbahn in Deutschland angetroffen. Nur bei Besuchen in Las Vegas kenne ich so etwas.


So eine Technik fasziniert mich und im Grunde hätte ich gerne so ein System im heimischen Badezimmer. Ich könnte so morgens bei der Morgentoilette die aktuellen News lesen bzw Mail sehen. Natürlich könnte ich mir ein altes iPad ins Badezimmer hängen, aber so ein Display im Spiegel integriert, finde ich schicker.
So richtig konnte ich das System im Restaurant Tigerlilly nicht testen, denn immer wieder kamen Männer in die Herrentoilette, die etwas verwundert auf die Kamera blickten, mit denen ich Fotos gemacht habe.


Ich habe immer wieder von diesen System gelesen. Beispielsweise von einem niederländischen Bastler, der einen Magic Mirror baute, der über einen Raspberry Pi mit Daten versorgt wird. Er zeigt Wetterdaten, Termine und Nachrichten an. Ich frage mal meinen Elektriker, ob er so etwas auf Lager hat. So etwas gehört zu einem Smart Home einfach dazu. Wer kennt sich mit so was aus?

Let’s Play: Chopper Command für Atari 2600

26. Juni 2016
Chopper Command durfte nur von einem Erwachsenen gekauft werden.

Chopper Command durfte nur von einem Erwachsenen gekauft werden.

Chopper Command war wohl das erste Spiel, dass mein Vater für mich kaufen musste. Ich hatte stolz von meinen Eltern ein Atari 2600 bekommen und war auf der Suche nach interessanten Spielen für diese Konsole: Ich stieß auf Chopper Command und diese Kriegssimulation hatte es mir angetan. Im örtlichen Einkaufszentrum Bilka ging ich zur Kasse und bekam die rote Karte. Das Spiel dürfe nur an Erwachsene verkauft werden, weil es ein Kriegsspiel war. Und Krieg ist eben nur was für Erwachsene.
Nun, da musste Vater ran und mit Stirnrunzeln kaufte er das Spiel. Zu Hause wollte mein besorgter Vater dann sehen, welche üble Kriegstreiberei er erstanden hatte. Und siehe da: Chopper Command hielt den kritischen Augen meines alten Herrn stand.


Um was geht es bei Chopper Command? Als Spieler habe ich einen Hubschrauber, der meine Lkws am Boden beschützen musste. Das Ding sah aus wie der Apache, der damals allerdings noch streng geheim in der Entwicklung war. Mein Convoy am Boden wurde von feindlichen Flugzeugen und Hubschraubern mit Bomben beschossen. Die Lkws fahren durch eine Wüstenlandschaft. Um zu verhindern, dass meine Lkws aufgerieben wurden, musste ich die Feinde vom Himmel holen. Die Schwierigkeit war, dass die Feinde überall zuschlagen konnte und ich vier Angriffszonen verteidigen musste. Ein Radarschirm am unteren Bildschirm sorgte dafür, dass ich die ganze Szenerie im Blick hatte und reagieren konnte. Ich habe drei verschiedene Waffensysteme zur Auswahl.
Verbissen bekämpfte ich Welle um Welle der Angreifer, verlor aber Zug um Zug meine Lkws. Erst nach Wochen des intensiven Zockens erkannte ich, dass es egal ist, ob man seinen Convoy verliert und ob er in die Steinzeit zurückgebombt wurde. Auch wenn man als Spieler keinen Lkw mehr hatte, kam man einen Level weiter. Das Spielprinzip der Verteidigung der eigenen Truppen war irgendwie verloren gegangen. Überleben war angesagt. Das Spiel übte einen psychischen Druck auf den Spieler aus, die eigene Mannschaft zu beschützen, obwohl es eigentlich egal war. Das war für mich als junger Spieler eine schwere Lektion: Jeder ist sich selbst am nächsten.
Das Spiel selbst war von Activision. Die Mannschaft hatte einstmals für Atari gearbeitet und sich dann losgelöst und einige Hämmer für das Atari 2600 gemacht. Das Spiel Chopper Command wurde von Bob Whitehead entwickelt. Whitehead zählte zu den Pionieren der Videospiel-Industrie. Er schuf auch den Klassiker Stampede für Activision, das ich auch gerne mochte.