Schlusskundgebung zur Europawahl der CDU/CSU – meine Eindrücke

8. Juni 2024

Ich wollte mal wieder ein wenig die Luft der großen Politik schnuppern, da kam die Einladung der CSU/CDU zur gemeinsamen Schlusskundgebung zur Europawahl in den Münchner Löwenbräukeller gerade zur rechten Zeit. Alle waren sie da auf der Bühne: Markus Söder, Friedrich Merz, Ursula von der Leyen, Manfred Weber und die Generalsekretäre Martin Huber und Carsten Linnemann.

Dazu waren zahlreiche CSU-Europakandidaten wie beispielsweise Markus Färber, Angelika Niebler und allerlei CSU-Promis wie Edmund Stoiber, Theo Waigel, Markus Blume und Ilse Aigner sowie Landtagsabgeordnete. Ein Who-is-who der bayerischen CSU-Politik war mit Mitgliedern und Sympathisanten zusammen gekommen, um den Europawahlkampf mit zünftigen Reden ausklingen zu lassen. Die Show war hervorragend inszeniert.

Mit Blasmusik kam es zum Einzug der Spitzenkandidaten in den Festsaal. Die Prominenz war geschützt durch einen dichten Kokon von Sicherheitskräften, Personenschützern und Ordner. Da ging es schon etwas rau zu. Die Journalistenkollegen, von denen ich noch einige kannte, drängelten sich um die besten Bilder, dazu kamen die strammen CSU-Fans mit dem Smartphone und das CSU-eigene Medienteam, die natürlich in der Live-Stream-Berichterstattung das optimalen Bild auf die Haute­vo­lee haben wollte. Und ich stelle mich aus alter Gewohnheit einfach dazu und drehte den Einzug mit. Es ist zwar nicht fernsehtauglich, aber gibt einen guten Eindruck von dem Gerangel und der Stimmung.

Die Reden selbst brachten keine Neuigkeiten. Politische Differenziertheit war nicht zu erwarten, mehr grober Populismus. Es wurde sehr viel verbal auf die Grünen eingedroschen, die AfD bekam ihr Fett weg, alle lobten die Arbeit der Rettungskräfte während des Hochwassers und erinnerten an den gewaltsamen Tod des Polizisten in Mannheim, verbunden mit der Forderung nach Abschiebung des Täters. Natürlich durfte der verbrecherische Angriffskrieg Russlands auf die Ukraine nicht fehlen und hier wurde es für mich wirklich etwas emotional im ganzen abgeklärten Politikzirkus.

Als die amtierende Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen ihre Gedanken zur Ukraine ausführte, standen mehrere ukrainische Damen in den Fahnen ihres Landes mit Fahne und Banner auf und bekamen spontanen Applaus. Ich erkannte diese Damen wieder, die immer wieder bei Veranstaltungen auftauchen und an das Schicksal ihres Landes erinnerten. Das war für mich ein emotionaler Moment im sonst eingeübten Wahlkampfgetümmel.

Bei den Parteihäuptlingen Söder und Merz war keine Freundschaft, aber gegenseitiger Respekt zu verspüren. Den Fehler des vergangenen Bundestagswahlkampfes mit dem Sperrfeuer aus Bayern gegen den CDU-Kandidaten Armin Laschet will man nicht wiederholen, aber noch ist ja auch kein Kanzlerkandidat aus dem Reihen der Konservativen für die nächste Bundestagswahl aufgestellt. Da können noch die politischen Messer gewetzt werden. Für mich ist noch nicht alles in sicheren Tüchern, aber dass die gemeinsame Abschlusskundgebung zur Europawahl in München stattfand, ist für mich ein interessantes Zeichen.

Die Fans und Mitglieder klatschten eifrig, auf den Tischen lagen Transparente zum Hochhalten bereit. Das gesamte Equipment und Streuartikel wurden nochmals aufgeboten, denn am Sonntag abend wandern sie ins Altpapier. Ich hab mir ein Lebkuchenherz und eine Europa-Fahne ohne Parteilogo aus Papier mitgenommen. Ich steh schließlich zu Europa. Am Ausgang habe ich fürs Archiv noch Plakate und Streuartikel mitgenommen, auch als Anregung, wenn ich mal wieder für einen Wahlkampf gebucht werde.

Der Ablauf der Veranstaltung war streng durchgetaktet. Reden und Musik in Abwechslung und nach rund zwei Stunden war der Zauber vorbei. Letzter Amtsakt war das Absingen der Bayern-, Deutschland- und Europahymne, wobei ich feststellen musste, dass bei Freude schöner Götterfunken so mancher Landespolitiker nicht textsicher war und sich lieber mit dem Nachbar unterhalten hat. Freunde, dass macht man doch nicht!

Dann kam der Auszug der Prominenz. Ich wollte noch – wie viele andere – ein Selfie fürs Ego von Friedrich Merz haben, aber er wollte nicht und eilte dank seiner Sicherheitsleute zur nächsten Veranstaltung.

Landtagspräsidenten Ilse Aigner und Altministerpräsident Edmund Stoiber waren da schon gelassener. Stoiber vergebe ich den Fehler mit dem G8 in Bayern übrigens nie. Es war eine absolute Fehlscheidung, die für spätere Schülergenerationen korrigiert wurde.

Ein verwackeltes Selfie mit der Kommissionspräsidentin gelang mir auch noch und bekam dafür ein fetten Schupser von einer Sicherheitsdame in den Magen, die völlig humorlos war und ihren Job machte.

Als sich der ganze Saal leerte konnte ich noch mit dem einen oder anderen bekannten Gesicht ein Gespräch führen. Sehr geschätzt habe ich den ehemaligen Finanzminister Theo Waigel, über den ich als Korrespondent in Bonn geschrieben hatte. Als ich meinen Namen und damalige Funktion nannte, erinnerte er sich, was mich gefreut hat. Ob es Show war oder nicht, ist eigentlich egal. Mir hat es geschmeichelt und ich gratulierte ihm nachträglich zum Geburtstag. Und Wissenschaftsminister Markus Blume als Profi lächelte auch immer und zog weiter.

Gewählt hab ich übrigens schon lange per Briefwahl und sowohl sei verraten: Ich habe demokratisch gewählt. Bitte setzen Sie auch ein Zeichen für Europa und gehen zur Wahl.

Trainiert Adobe die KI künftig mit meinen Nutzerdaten?

7. Juni 2024

Wie kann man sich seinen Ruf als Unternehmen versauen? Der Hersteller von Kreativsoftware Adobe hat es geschafft. Die Werkzeuge wie Photoshop, Lightroom und Co gehören zum quasi Industriestandard der Branche, aber ein Update der US-Allgemeinen Geschäftsbedingungen AGB haben einen Sturm der Entrüstung im Netz ausgelöst. Was ist passiert?

Man ist als US-Nutzer gezwungen, den AGB zuzustimmen, sonst verweigert die Cloud-gesteuerte Software ihren Dienst. Künftig sollen die Kreativprodukte des Users automatisch durch Algorithmen geprüft werden. Hinzu kommt auch eine mögliche manuelle Analyse durch Adobe-Mitarbeiter. Und es kommt noch besser: Es sind maschinelle Lernanalysen der produzierten Inhalte vorgesehen. Adobe gehts noch?

Für mich bedeutet es, dass Adobe durch die Hintertür mit den Nutzerprodukten ihre hauseigene leistungsstarke KI trainieren will, die in der Adobe Cloud gespeichert sind. Je mehr Trainingsdaten eine KI zur Verfügung hat, desto leistungsfähiger wird eine Künstliche Intelligenz. Ich zahle jetzt schon viel Geld für die Adobe Produkte und die Ergebnisse meiner kreativen Arbeit sollen ggf nun als kostenlose Trainingsdaten für Adobe verwendet werden. Sonst geht es euch noch gut, oder?

Wer sich den Abschnitt 4.2 der US-AGB anschaut stellt noch eine unglaubliche Sauerei fest: Hier wird Adobe eine kostenlose Lizenz zur Nutzung, Vervielfältigung und Veränderung der eigenen Werke einräumt.

Bisher betrifft die Änderung nur die Ausgabe in den USA. Wenn das nach Deutschland kommt, dann gibt es heiße Ohren. Hallo US-Firma, kennt ihr eigentlich die Bedeutung des deutschen Urheberrechts in euerer US-Firmenzentrale?

Ich bin schon auf Affinity-Produkte von Serif umgezogen und nutze nur noch einen alten Acrobat. Ich wollte jetzt zu Premiere Pro wechseln, weil mir das Abo von Final Cut zu doof ist. Ich nehme jetzt Da Vinci als Videoschnittsoftware.

Es gibt Alternativen
Es gibt eine schöne Liste von Open Source Tools als Alternative zu Adobe Produkten.

Foto-Dubletten und Foto-Fails werden behalten

5. Juni 2024

Eine alte Regel der Pressefotografie lautete: „Das billigste am Fotografieren ist der Film.“ Diese Zeiten sind natürlich vorbei und Speicher kostet weniger als der analoge Film von damals. Das bedeutet, ich habe zig Bilder von einem Motiv auf meinem Kameraspeicher, oft kaum von einander zu unterscheiden. Ich nutze am iPhone die App Photoscope, um Dubletten herauszufiltern, aber wie sieht es bei den anderen Leuten aus?

Im Grunde ist das ein schönes Datenmaterial für ein Fotoseminar, dass ich im August durchführen werde. Mal sehen, wieviele Teilnehmer mehrere Fotos vom gleichen Motiv machen und die unbrauchbaren nicht löschen. Übrigens, bei mir wandern die Katzenbilder meiner beiden Kater nur ganz schwer in den digitalen Papierkorb.

Die Jagd nach dem perfekten Porträtfoto führt dazu, dass die Handys der Deutschen voll mit ungenutzten und unerwünschten Bildern sind. 72 % der Bundesbürger machen regelmäßig mehrere Aufnahmen, bevor sie sich für ein Foto eines geliebten Menschen entscheiden. Somit haben die Deutschen im Durchschnitt 396 misslungene Bilder auf ihrem Handy gespeichert, 17 % sogar mehr als 400. Das sind die Ergebnisse einer Befragung von HONOR, ein Anbieter smarter Technologien, unter 2.000 Deutschen.

Frauen haben deutlich mehr missglückte Fotos auf ihrem Handy, im Durchschnitt 477 unbrauchbare Bilder, verglichen mit Männern, die in der Regel 320 gespeichert haben. Auch das Alter spielt eine Rolle: Die Generation Z hat mit 587 die meisten unbrauchbaren Aufnahmen auf ihren Smartphones, während die 35- bis 45-Jährigen bescheidenere 257 Fotos ungenutzt lassen.

Auf Regionen heruntergebrochen, kommen die Baden-Württemberger im Schnitt auf 484 Foto-Missgeschicke, gefolgt von Hessen (469) und Hamburg (462). Düsseldorf ist mit über 500 missratenen Aufnahmen auf dem durchschnittlichen Handy die deutsche Hauptstadt der Foto-Fails.

Eigentlich Standard: Porträtfotos
Die Studie zeigt auch: Einem Viertel der Deutschen zwischen 18 und 45 Jahren ist es peinlich, wenn jemand zu lange braucht, um ein gutes Foto von ihnen zu machen. Und 23 % sind frustriert, wenn die Fotokünste ihres Freundes oder Verwandten nicht auf der Höhe der Zeit sind.

Fotokünste und die Partnerwahl
Fotografische Fähigkeiten sind auch etwas, worauf Menschen bei einem potenziellen Partner achten. Mehr als ein Drittel (34 %) gibt an, dass sie sich besonders fühlen, wenn jemand ein Bild von ihnen machen möchte, und jeder Zehnte gesteht, dass er sich eher mit jemandem verabreden würde, der gut fotografieren kann. Komisch, ich durfte mehr fotografieren, aber weniger verabreden, aber egal.

Dann gibt es den Typ beleidigte Leberwurst. Umgekehrt ist es für eine Minderheit der Befragten sogar ein Grund für die Trennung: 7 % gaben zu, wegen eines Fotos nicht mehr mit jemandem zu sprechen. 5 % haben sogar schon eine Beziehung beendet, weil ihnen eine Aufnahme von ihnen nicht gefallen hat. 11 % hatten einen Streit mit jemandem wegen eines Bildes, das sie nicht mochten.

Das perfekte Porträt
Die Studie hat darüber hinaus ergeben, dass sich fast die Hälfte der Deutschen (45 %) unter Druck gesetzt fühlt, ein gutes Foto zu machen, wenn sie jemanden fotografieren soll. Mehr als ein Drittel (36 %) räumt ein, dass sie nicht wissen, wie man ein gutes Porträtfoto macht. Das Porträtfoto wird natürlich in meinem Fotokurs theoretisch und praktisch eingeübt.

Trotz des Drucks, ein perfektes Bild zu machen, gaben 62 % der Befragten an, dass sie sich gut fühlen, wenn ihnen Porträtfotos gelingen. 35 % der Studienteilnehmer sind der Meinung, dass ein gutes Porträtfoto mehr über eine Person verrät, und fast die Hälfte (49 %) findet es gut, wenn ein Bild die Persönlichkeit einer Person einfängt.

Überraschung: Godzilla Minus One bei Netflix

4. Juni 2024

Netflix hat mir wirklich eine Freude gemacht. Seit 1. Juni ist Godzilla Minus One bei dem Streamingsender enthalten und als Fan des japanischen Monsters feiere ich diesen Film.
Bisher ist der heraustragende Godzilla-Film nicht in Deutschland auf Datenträger erschienen und ich hoffe sehr, dass dies trotz der Netflix-Ausstrahlung dennoch irgendwann umgesetzt wird. Die treue Fanbase wird es danken.

So bleibt im Moment entweder die Disc-Bestellung aus dem fernen Japan (natürlich nicht mit deutscher Tonspur) oder das Vergnügen den Film via Netflix zu genießen. Der Fan weiß natürlich schon Bescheid, dass die schwarzweiß-Version von Godzilla Minus One nicht bei Netflix enthalten ist.

Der Film ist ja das Prequel zum 1954 entstandenen Original-Godzilla. Ich hatte zum Jubiläum ein Online-Seminar zur Filmreihe durchgeführt und an die Wirkung des Films in Japan als erste Aufarbeitung der Atombombenabwürfe auf den Inselstaat erinnert. Trotz Unterhaltung sind Godzilla-Filme mal mehr, mal weniger eine Gesellschaftskritik. Das ist bei Godzilla Minus One nicht anders.

Der Film ist heftig, wie ein Schlag in die Magengrube. Ich habe meine Kinokritik damals geschrieben, nachdem ich mir diesen herausragenden Film in meinem Lieblingskino Scala auf großer Leinwand mit fetten Sound angeschaut habe. Ein Erlebnis und kein Vergleich zu den Monsterverse-Filmen der US-Amerikaner, die auch ihren Reiz haben, aber an Godzilla Minus One nicht herankommen.

Godzilla Minus One beweist einmal mehr, dass das japanische Kino meisterhaft in der Lage ist, mit modernen Blockbustern mitzuhalten und gleichzeitig tiefe kulturelle und historische Resonanz zu erzeugen. Regisseur Takashi Yamazaki hat es geschafft, eine kraftvolle Mischung aus emotionaler Tiefe, spektakulären Effekten und gesellschaftlicher Reflexion zu schaffen.
Im Gegensatz zu vielen modernen Monsterfilmen aus dem Monsterverse-Universum, die sich stark auf CGI und Action konzentrieren, legt Godzilla Minus One großen Wert auf die menschliche Dimension. Die Charaktere sind sorgfältig ausgearbeitet, und ihre Geschichten spiegeln die Nachwirkungen des Zweiten Weltkriegs wider, eine Zeit, die tief in der japanischen Psyche verwurzelt ist. Die Darstellung des Traumas und der Herausforderungen der Nachkriegszeit verleiht dem Film eine zusätzliche Ebene der Authentizität und Tiefe.

Die visuellen Effekte in Godzilla Minus One sind atemberaubend und dennoch respektvoll gegenüber der Tradition der früheren Godzilla-Filme. Die Effekte wurden mit einem Oscar ausgezeichnet. Der Einsatz moderner Technologie bringt Godzilla auf eine Weise zum Leben, die sowohl beeindruckend als auch ehrfurchtgebietend ist. Doch trotz dieser technologischen Fortschritte bleibt der Film seinen Wurzeln treu, indem er das klassische Design von Godzilla und die handgemachte Ästhetik der Originalfilme ehrt.

Einer der bemerkenswertesten Aspekte des Films ist seine Fähigkeit, gesellschaftliche Themen zu reflektieren. Godzilla fungiert nicht nur als zerstörerische Kraft, sondern auch als Metapher für die Ängste und Herausforderungen, denen sich Japan in der modernen Zeit stellen muss. Umweltprobleme, nukleare Bedrohungen und das Erbe des Krieges sind Themen, die subtil in die Handlung eingeflochten sind und dem Zuschauer zum Nachdenken anregen.

Für mich ist Godzilla Minus One mehr als nur ein weiterer Monsterfilm; es ist eine tiefgründige Reflexion über die Geschichte und die kulturellen Ängste Japans. Mit brillanten visuellen Effekten, einfühlsamer Charakterentwicklung und einer respektvollen Hommage an die Tradition ist dieser Film ein Muss für alle Fans des Genres und ein Beweis für die fortwährende Relevanz und Kreativität des japanischen Kinos. Und jetzt nun genieße ich den Film wieder bei Netflix.

Bahn-Odyssee nach Hochwasser in Bayern

3. Juni 2024

Das Hochwasser im Süden von Deutschland trifft viele Leute hart. Viele verloren ihr Hab und Gut, mindestens ein Feuerwehrmann verlor sogar bei den Rettungsarbeiten sein Leben. Schicksale, die betroffen machen, und jeder erlebt das Hochwasser auf seine Weise. Jeder hat seine Geschichte zu erzählen. Mich erwischten die Auswirkungen der Fluten auf der Bahnreise von Franken nach Oberbayern. Es war nervig, stressig und auch ein wenig aggressiv, aber kein Vergleich zu den Geschehnissen, die Mitmenschen erleben mussten, die gegen das Wasser ankämpfen mussten und müssen, denn die angespannte Situation ist noch nicht vorbei. Wenn der Regen wieder kommt, kann es sich nochmal zuspitzen.

Ich starte meine Rückreise von einem dreitägigen Seminar in Oberfranken. Es regnet nicht, die Sonne scheint ein wenig. Der RegionalExpress, der mich nach Nürnberg bringen soll, kommt pünktlich und der Bahnnavigator auf dem Smartphone zeigt eine störungsfreie Fahrt mit Umstieg nach München an. Je näher wir nach Nürnberg kommen, desto mehr Wasserflächen breiten sich auf den Feldern aus, aber alles in allem keine größeren Probleme.

In Nürnberg spiele ich mit dem Gedanken auf den ICE umzusteigen, doch die Hochgeschwindigkeitszüge aus Hamburg und Berlin haben enorme Verspätungen, also mit dem RegionalExpress weiter Richtung München. Der Bahnnavigator zeigt freie Fahrt. Ein verspäteter Zug trifft gerade ein und nach dem alten Bahnmotto: „Der erste Platz ist der richtige Platz“ hab ich meinen Sitzplatz in dem Zug, der sich ziemlich füllt. Die Abfahrt verspätet sich, weil immer mehr Menschen in den Zug drängen, aber als Bahnfahrer bin ich diesen Anblick gewohnt. Der Doppelstöcker fährt los und es beginnt zu regnen je weiter wir nach Süden kommen.

Die Newsdienste und die Bahnapp im Auge und Infos von meiner Ehefrau geht es Kilometer um Kilometer nach Süden. Dann die Breaking-News-Meldungen, dass Teile von Reichertshofen überflutet sind und auch Schwaben massiv mit dem Wasser zu kämpfen hat. Die Politik stattet in Gummistiefeln den Gebieten einen Besuch ab, denn wir haben gelernt, dass ein Hochwasser eine Wahl entscheiden kann. Ich denke aber, es war wirkliches Interesse von Ministerpräsident Söder und Bundeswirtschaftsminister Habeck sowie CSU-Fraktionsführer Holetschek, die sich ein Bild vor Ort machen wollen.

Und dann vor Ingolstadt die Durchsage, dass aufgrund des Hochwassers der Zug nicht nach München weiterfahren könne. In Ingolstadt sei Schluss, wir müssten den Zug verlassen und es sei ein Schienenersatzverkehr eingerichtet worden.

Das war zu erwarten gewesen nach der Überflutung von Reichertshofen zwischen Ingolstadt und München. Also Rucksack und Taschen packen und Richtung Bahnhofsausgang eilen, immer den violetten Schildern SEV (Schienenersatzverkehr) nach. Vor dem Bahnhof keine Schilder, keine Busse, dafür viele Menschen. Bei mir beginnt das Nachdenken. Wenn die Gleise bei Reichertshofen fast überflutet sind, dann ist die Autobahn auch in Gefahr vom Wasser überspült zu werden. Das heißt, keine Busse und daher auch kein SEV.

Also zurück ins Bahnhofsgebäude zum umlagerten Schalter der Deutschen Bahn. Deren Mitarbeiter versuchen den Ansturm irgendwie in den Griff zu bekommen. Es stellt sich heraus, dass wohl eine Regionalverbindung nach Treuchtlingen eine Möglichkeit ist, um nach München zu kommen. Von Treuchtlingen nach Donauwörth und von da nach München – so mein genialer Plan, natürlich mit der Befürchtung, dass Donauwörth in Bayerisch-Schwaben auch unter Wasser liegt.

Der Zug nach Treuchtlingen kommt verspätet und ich besetze gleich den erstbesten Platz. Ich frag mich immer, warum die Leute den Zug durchstreifen nach einem besseren Platz. Es wird keiner kommen. Nun, das sind wohl Bahnamateure. Ich sitze neben einer älteren Dame aus Leipzig, die nach Simbach am Inn will. In Gedanken kommen mir die heftigen Überschwemmungen des Simbacher Hochwassers wieder in den Sinn. Ich habe noch ein Buch von den Hochwasseraufnahmen. Im Moment sei der Pegel in Simbach okay, aber das Wasser kommt noch in den nächsten Tagen.

Der Zug zockelt, bremst, fährt an, bremst wieder und nimmt Kurs nach Treuchtlingen. Durchsagen sind eine Fehlanzeige. Kommunikation mit den Fahrgästen wird wohl überschätzt. Das Internet im Altmühltal ist nicht vorhanden, so dass wir alle nicht nach möglichen Anschlüssen suchen können. Google Maps und Apple Karten sind tolle Dienste, aber ohne Internet völlig nutzlos. Von wegen Laptop und Lederhose in unserem schönen Bayernland. Es ist ein Armutszeugnis und das seit Jahren.

Als wieder Netzempfang da ist, geht es um Minuten, um den Anschlusszug in Treuchtlingen nach Donauwörth zu erreichen. Natürlich wartet der Anschluss nicht, wir sehen die Lichter des entschwindenden Zuges. Die Kommentare der Reisenden sind entsprechend. Warum kann so ein Zug nicht warten?

Also sind hunderte Fahrgäste gezwungen, auf den nächsten Zug zu warten, der rund in einer Stunde gehen soll. Ich unterhalte mich mit „meiner“ Leipzigerin und ein paar jungen Studentinnen, die mit ihren Rücksäcken warten. Eine bietet mir sogar ein Wasser an, ich sehe wohl durstig aus. Eine andere hat eine nette Retro-Casio-Uhr von ihrem Vater am Arm, auf die sie sichtlich stolz ist. Hinter ihr ein Student, der einen Gummibaum mutig durch die Gegend trägt. Natürlich verspätet sich der Zug nach Donauwörth, aber ich löse mich von meiner netten Truppe und gehe schon mal ans Gleis, um nach Möglichkeit schnell einzusteigen. Der Zug, ein blauer Gohaed, ist ein Kurzzug und meist schon voll. Ich kenne diese Verbindung aus leidgeprüfter Erfahrung.

So ist es dann auch. Meine Erfahrung hat sich bewahrheitet. Der Zug ist voll, richtig voll. Ich komme durch meine vordere Positionierung noch rein, quetsche mich in die überfüllte 1. Klasse, obwohl ich nur ein Deutschlandticket der zweiten Klasse habe. Bei dem Chaos kontrolliert doch eh keiner.

Und dann beginnt die Aggressivität. Die Menschen drängeln und drücken in den vollbesetzten Zug. Die Leute schreien durcheinander, schmeissen sich Schimpfwörter an den Kopf, ein Mann drängelt heftig immer wieder in den vollbesetzten Zug. Der Zugführer bittet die Türen freizugeben, vergeblich. Die Aggressionen nehmen zu. Erst ein älterer Herr beruhigt den Drängler, redet ruhig auf ihn ein, so dass er von seinem aggressiven Verhalten ablässt.

Die Türen schließen sich und der überfüllte Zug macht sich auf den Weg nach Donauwörth. Meine Studentinnen und die Leipzigerin haben es nicht geschafft und der Gummibaum des Studenten ist geknickt. In Donauwörth werde ein zweiter Zugteil angekoppelt. Die Lage entspannt sich. Ich widme mich meinem Hörbuch, der Autobiografie von Wolfgang Schäuble. Inzwischen beginnt es wieder zu regnen. Vor den Fenstern sind überflutete Flüsse, Felder und Straßen zu sehen. Bayerisch-Schwaben hat es schwer getroffen, das ist offensichtlich.

Ich hab Glück, der verlängerte Zug fährt weiter über Augsburg nach München, wo ich dann sofort eine S-Bahn bekomme und nach Hause fahre. Normalerweise dauert die Fahrt aus Franken bis zu vier Stunden. Dieses Mal hat sie rund acht Stunden gedauert, verbunden mit allerhand Stress.

Nochmals: Meine Odyssee mit der Bahn ist kein Vergleich mit dem Leid, was manche Mitmenschen erleiden müssen, denen Haus und Hof durch die Fluten genommen wurde. Auch der ertrunkene Feuerwehrmann hat ein großes Opfer durch sein Ehrenamt für uns erbracht. Es gilt Danke den Blaulichteinheiten und der Bundeswehr zu sagen und auch den vielen Mitmenschen, die mitangepackt haben. Bei uns im Dorf haben wir Glück gehabt, das Wasser ist über die Ufer getreten, der Schaden hielt sich in Grenzen. Jetzt darf es nur nicht wieder anfangen zu regnen.

Pardon – ein Klassiker des deutschen Satire-Journalismus

2. Juni 2024

Ich hab mich geärgert, dass ich die Ausstellung in Regensburg zur Satire-Zeitschrift „Pardon“ verpasst habe. Ein lieber Kollege brachte mir den Flyer mit und ich bestellte daraufhin den Katalog. Interessant war, so berichtete er, dass junge Menschen mit den Zeichnungen nichts anfangen konnten, weil ihnen wohl der politische Hintergrund fehlte, von der Zeit in der die satirischen Zeichnungen entstanden sind.

Die Satire-Zeitschrift „Pardon“ war eine bedeutende deutsche Publikation, die von 1962 bis 1982 erschien und in dieser Zeit großen Einfluss auf die deutschsprachige Medienlandschaft hatte. Gegründet von Hans A. Nikel, Erich Bärmeier und Gerhard Kromschröder, positionierte sich „Pardon“ als humoristisches und zugleich kritisches Magazin, das politische, gesellschaftliche und kulturelle Themen aufgriff. Das erste Titelbild schuf übrigens kein Geringerer als Loriot.

Gerne hätte ich die Ausstellung gesehen. So bleibt mir nur das Lesen im begleitenden Ausstellungskatalog Teuflische Jahre: Pardon: Die deutsche satirische Monatsschrift 1962–1982. Für mich ist „Pardon“ ein Beispiel dafür, wie Satire als Mittel zur Reflexion und Kritik gesellschaftlicher Zustände genutzt werden kann. Die Zeitschrift zeigte, dass Humor und Ernsthaftigkeit keine Gegensätze sein müssen, sondern sich ergänzen können, um wichtige Botschaften zu vermitteln und Veränderungen anzustoßen. Bis heute erinnert man sich an „Pardon“ als eine Pionierin des deutschen Satirejournalismus und als eine Zeitschrift, die den Mut hatte, unbequem zu sein und Tabus zu brechen.

Kein Blatt vor den Mund
„Pardon“ war bekannt für seinen bissigen Humor und seine scharfsinnigen Karikaturen, die oft kontroverse Themen behandelten. Die Zeitschrift nahm kein Blatt vor den Mund und kritisierte sowohl politische Entscheidungsträger als auch gesellschaftliche Missstände. Besonders in den 1960er und 1970er Jahren, einer Zeit großer politischer und sozialer Umbrüche in Deutschland, spielte „Pardon“ eine wichtige Rolle. Die Zeitschrift diente als Sprachrohr für eine Generation, die sich gegen das Establishment stellte und Reformen forderte.

Ein Markenzeichen von „Pardon“ war die enge Zusammenarbeit mit bekannten Künstlern und Schriftstellern. Zu den regelmäßigen Beiträgern gehörten prominente Persönlichkeiten wie Robert Gernhardt, F.W. Bernstein und F.K. Waechter. Diese Autoren und Illustratoren prägten den Stil und das Erscheinungsbild der Zeitschrift maßgeblich. Ihre Werke waren nicht nur humorvoll, sondern regten auch zum Nachdenken an und forderten die Leser heraus, bestehende Normen und Werte zu hinterfragen.

Kunst der Karikatur
Ein bemerkenswertes Element von „Pardon“ war die Kunst der Karikatur. Die Zeitschrift setzte diese Form der Illustration meisterhaft ein, um komplexe politische und soziale Themen auf eine leicht verständliche und zugängliche Weise darzustellen. Karikaturen von namhaften Künstlern wie Chlodwig Poth und Hans Traxler wurden zu einem integralen Bestandteil des Magazins und trugen erheblich zu dessen Popularität bei.

Das Ende
Trotz ihres Erfolgs und ihrer Bedeutung geriet „Pardon“ im Laufe der Zeit in finanzielle Schwierigkeiten. Der Wandel in der Medienlandschaft und das Aufkommen neuer Satireformate führten schließlich zur Einstellung der Zeitschrift im Jahr 1982. Dennoch bleibt „Pardon“ ein wichtiger Teil der deutschen Mediengeschichte. Ihre Rolle als kritisches und humorvolles Sprachrohr einer ganzen Generation hat nachhaltigen Einfluss auf nachfolgende Satiremagazine und die deutschsprachige Satirekultur insgesamt.

Heute ist Tag der Organspende – hast du einen Ausweis?

1. Juni 2024

Es ist ein wichtiges Thema, denn es kann uns alle treffen und zwar unvermittelt durch beispielsweise einen Unfall oder eine Erkrankung. Ein Organ wird benötigt, aber es findet sich kein Spenderorgan. Daher werde ich nicht müde, auf das Thema Organspende hinzuweisen. Und heute am 1. Juni kommt wieder so ein Appell, denn es ist der Tag der Organspende.

Jede einzelne Entscheidung beim Thema Organspende zählt. Nicht nur, aber gerade auch am Tag der Organspende. Bundesweit rufen die Initiatoren am Samstag, 1. Juni, dazu auf, sich mit der Frage „Organspende ja oder nein?“ auseinanderzusetzen und die Entscheidung zu dokumentieren. Der Tag steht zudem im Zeichen des Dankes an alle Organspender sowie an ihre Familien. Sie haben mit ihrem „Ja“ zur Organspende das Wertvollste geschenkt, das man sich vorstellen kann: Leben. Das nach wie vor aktuelle Thema soll an diesem Tag überall Beachtung finden.

Vor drei Monaten ist das Organspende-Register online gegangen. Seitdem haben 120.100 Menschen dort ihre Erklärung zur Organspendebereitschaft registriert. Der Eintrag ist nur mit elektronischen Perso möglich, das hindert wohl die Masse der Menschen. Ich habe meinen Organspendeausweis in Papierform dabei, Sie auch?

Die Organspende kann nicht nur Leben retten und die Lebensqualität vieler Menschen verbessern, sondern sie ist für mich auch ein starkes ethisches Signal für die Solidarität in unserer Gesellschaft. Es ist eine der edelsten Formen der Hilfe, die ein Mensch einem anderen zuteilwerden lassen kann, und sollte daher aktiv gefördert und unterstützt werden.

Die Organspende spielt eine entscheidende Rolle im Gesundheitswesen und stellt für viele schwerkranke Menschen die einzige Hoffnung auf Überleben oder eine signifikante Verbesserung der Lebensqualität dar. Täglich sterben Menschen auf Wartelisten für Organtransplantationen, weil nicht genügend Organe zur Verfügung stehen. Die Bedeutung der Organspende kann aus mehreren Perspektiven betrachtet werden: medizinisch, ethisch und gesellschaftlich.

Medizinisch gesehen ermöglichen Organtransplantationen die Behandlung von Erkrankungen, die andernfalls tödlich verlaufen würden. Beispielsweise können Herz-, Leber- oder Nierenversagen durch eine Transplantation eines entsprechenden Organs behandelt werden. Diese Eingriffe sind oft die letzte Therapiemöglichkeit und bieten Patienten die Chance auf ein verlängertes Leben und eine Rückkehr zu einem normalen Alltag. Darüber hinaus führt eine erfolgreiche Transplantation oft zu einer erheblichen Verbesserung der Lebensqualität, indem sie Symptome lindert und die Funktion des Körpers wiederherstellt.

Ethisch betrachtet stellt die Organspende einen Akt der Solidarität und Menschlichkeit dar. Es ist ein selbstloser Akt, der das Potenzial hat, das Leben mehrerer Menschen zu retten oder erheblich zu verbessern. In vielen Kulturen und Religionen wird die Organspende als eine edle Tat angesehen, die den altruistischen Wert des Gebens und Teilens hervorhebt. Die Bereitschaft, Organe zu spenden, spiegelt das ethische Verständnis wider, dass das Leben eines jeden Menschen kostbar ist und dass wir als Gesellschaft eine Verantwortung tragen, einander zu helfen.

Gesellschaftlich gesehen trägt eine hohe Bereitschaft zur Organspende dazu bei, die Belastung des Gesundheitssystems zu verringern. Patienten, die eine Organtransplantation erhalten, können häufig ihre medizinische Behandlung reduzieren, was zu niedrigeren Kosten für das Gesundheitssystem führt. Darüber hinaus ermöglicht die Organspende Fortschritte in der medizinischen Forschung und Technologie, indem sie Ärzten und Wissenschaftlern wertvolle Daten und Erfahrungswerte liefert, die zu besseren Behandlungsmethoden führen können.

Trotz der offensichtlichen Vorteile gibt es jedoch immer noch viele Vorurteile und Missverständnisse in der Bevölkerung, die die Bereitschaft zur Organspende hemmen. Daher ist es von entscheidender Bedeutung, umfassende Aufklärung und transparente Informationskampagnen durchzuführen, um das Vertrauen in das Organspendesystem zu stärken und mehr Menschen zu ermutigen, sich als Spender zu registrieren.

Das Omen – Rückblick auf meine Matinee

31. Mai 2024

Wenn der Sohn des Teufels auf der Erde wiedergeboten wird, dann ist es schon etwas besonderes. Und das macht für mich den Reiz des Klassikers Das Omen von 1978 aus, den ich unlängst in meiner Matinee im Scala Kino Fürstenfeldbruck gezeigt habe. Hier die Aufzeichnung.

Der Film vom Richard Donner, der auf einem Drehbuch von David Seltzer basiert, fesselte die Zuschauer mit einer beunruhigenden Atmosphäre, einem packenden Plot und einer herausragenden Darstellerbesetzung.

Gregory Peck liefert eine starke Performance als besorgter Vater, der nach und nach die schreckliche Wahrheit über seinen Sohn erkennen muss. Seine emotionale Reise von Ungläubigkeit zu Angst und Entschlossenheit ist mitreißend und überzeugend.

Ein zentraler Aspekt, der „Das Omen“ so effektiv macht, ist seine intensive Atmosphäre der Bedrohung und des Unbehagens. Die düstere, bedrohliche Stimmung wird durch geschicktes Set-Design, beeindruckende Kameraarbeit und einen eindringlichen Soundtrack verstärkt. Komponiert von Jerry Goldsmith ist der Soundtrack von „Das Omen“ eine meisterhafte Komposition. Ave Satani bleibt im Gedächtnis.

Die nächste phantastische Matinee widmet sich dem Film Der Fluch – The Grudge (2004). Die Us-Verfilmung des japanischen Original, aber mit japanischen Originalregisseur. Die Matinee ist am Sonntag, 16. Juni um 10:45 Uhr im Scala Fürstenfeldbruck. Karten gibt es hier.

Musik- und Filmtipp: Deep Purple, California Jam 1974

30. Mai 2024

Natürlich ist die Ton- und Bildqualität von Konzerten aus den sechziger und siebziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts nicht immer ideal und dennoch mag ich die Konzerte aus dieser Zeit. Sie haben oftmals mehr Power und Spielfreude als heutige cleane und durchgestylte Konzerte von Stars.

Vor 50 Jahren fand im April 1974 das 3 Tages-Festival California Jam auf der ehemaligen Rennstrecke Ontario Motor Speedway in Ontario, Kalifornien, USA, statt. Mit dabei zwei meiner Lieblingsbands ELP und Deep Purple. Leider existieren von Emerson, Lake & Palmer nur Videoausschnitte aus dem fulminanten Auftritt. Von Deep Purple ist das komplette Konzert mitgeschnitten worden. Es ist eine rauhe Perle und ein grandioser Auftritt der Mark III-Besetzung.

Ich hab das Konzert auf VHS und mir jetzt auf Bluray gekauft. Die Qualität ist besser, aber natürlich nicht mit heutigen Konzertaufnahmen vergleichbar. Die Originalaufnahmen sind US-Fernsehen, also NTSC (Never the Same Color)
Deep Purple war jung, voller Kraft und die Mark III-Besetzung wollte sich beweisen. Sie trat das erste Mal live vor großem Publikum auf. David Coverdale war der neue Sänger und Glenn (Graf Koks) Hughes der neue Bassist, nachdem sich die Mark II-Besetzung mit Ian Gillan und Roger Glover aufgelöst hat. Das Album Burn war vor kurzem auf dem Markt und es sollte unters Volk gebracht werden.

Das Konzert begann verspätet, weil Richtie – der schwarze Mann – Blackmore den Sonnenuntergang abwarten wollte, um sich besser in Szene zu setzen. Und dann wurde die Sau rausgelassen und mit Sau meine ich vor allem Blackmore. Die Band präsentierte unter einem künstlichen Regenbogen neue Stücke und zeigte sich improvisationsfreudig und voller Spiellaune. Große Monitore und Displays gab es nicht und wer weiter hinten stand, hat eigentlich nicht gesehen, aber wohl viel gehört. Es sollen 400000 Zuschauer dabei gewesen sein, um die beiden Headliner zu hören. Die Soundanlage galt als die lauteste dieser Zeit.

Und nachdem Herrn Blackmore die Regieanweisungen oder Bitten wohl zusehends auf den Geist gingen, riss bei ihm wohl der Faden und der Rest ist Legende. Blackmore stieß seinen Gitarrensteg in eine Fernsehkamera, zertrümmerte sein Instrument und machte den wilden Mann. Die Bühne brannte und die Show war perfekt.

Gitarrenzertrümmerer Pete Townshend von the WHO musste neidisch werden. So viel Feuer, so viel Agression auf der Bühne habe ich selten erlebt. Blackmore flippte aus, der Rest der Band spielte weiter.

Die Bluray hat einen neuen Schnitt, aber der alte Videoschnitt der VHS liegt auch als Bonus vor und als wirkliches Bonbon gibt es Super 8-Aufnahmen der Crew, verwackelt und unscharf, wie es eben so bei Super 8 möglich war. Aber der Fan bekommt einen kleinen Einblick hinter die Kulissen und sieht den wilden Mann Blackmore unscharf und von der Ferne seine Show machen.

Wer hat welchen Star Wars Merch?

29. Mai 2024

Wir Filmfans kennen alle die Erfolgsgeschichte von George Lucas. Nachdem er bei vielen Studios abgeblitzt war, bekam er bei 20th Century Fox den Zuschlag für Krieg der Sterne/Star Wars. Der Film kam 1977 in die Kinos und schrieb Filmgeschichte.

Und Lucas schrieb Merchandise-Geschichte. Der Film und alle folgenden Star Wars-Filme spülten im Millionen US-Dollar an Tantiemen für Merch- und Lizenzprodukte in die Kassen. Ich selbst bin ein großer Fan von Lego-Star Wars, habe einige Figuren zu Hause und hatte als Kind die Erstauflage der Kenner-Spielfiguren, die ich Vollidot auf dem Flohmarkt verkauft hatte. So ein Fehler passiert mir nie wieder. Und ich habe noch das unbeschädigte Originalfilmplakat von Krieg der Sterne von 1977.

Bei der Star Wars-Fan-Ausstellung The Fans Strike Back in Berlin gab es am Ende der Ausstellung ein paar Schaukästen mit Merch über all die Jahre mit Star Wars-Produkten. Die Schätze in den Vitrinen ist natürlich längst nicht alles, was an Lizenzprodukten zu Star Wars erschienen ist, zeigt aber welches Vermarktungsgenie George Lucas war. Das eine oder andere Produkt habe ich selbst zu Hause in meinem Archiv und freu mich, dass ich es in der Ausstellung gesehen habe. Die meisten Produkte drehten sich in Berlin um R2D2, der steht auch bei meiner Frau hoch im Kurs und sie hat im Laufe der Jahre viel Merch zum kleinen Roboter gesammelt.

George Lucas schuf er ein Universum, das reich an Charakteren, Fahrzeugen, Waffen und Schauplätzen war. Diese Vielfalt bot eine Fülle von Möglichkeiten für Merchandising-Produkte, die wir Fans kaufen konnten oder mussten.

Darüber hinaus war Lucas ein Pionier im Bereich des Film-Merchandisings. Er erkannte frühzeitig das Potenzial, das Merchandising haben könnte, um den Erfolg eines Films zu unterstützen. Durch die Zusammenarbeit mit verschiedenen Unternehmen konnte er eine breite Palette von Produkten entwickeln, von Spielzeugen über Kleidung bis hin zu Haushaltswaren, die alle das Star Wars-Logo trugen. Wenn man ehrlich ist, so viel Nippes dabei.

Ein weiterer wichtiger Aspekt war Lucas‘ genaue Kenntnis seiner Zielgruppe: Kinder und Jugendliche und ich. Er konzipierte Merchandising-Produkte, die genau auf ihre Bedürfnisse und Wünsche zugeschnitten waren und ihnen die Möglichkeit gaben, in das Star Wars-Universum einzutauchen und ihre Fantasie auszuleben.

Die fortlaufende Veröffentlichung neuer Filme, Fernsehserien, Bücher und Spiele hielt den Star Wars-Hype am Leben und schuf ständig neue Nachfrage nach Merchandising-Produkten. Jede neue Veröffentlichung bot die Möglichkeit für neue Produkte und sorgte dafür, dass Star Wars immer präsent und relevant blieb. Und jede Veröffentlichung sorgte dafür, dass der Kuchen von Lucas immer größer wurde.

Nicht zuletzt war die Qualität der Produkte entscheidend. Viele der Star Wars-Merchandising-Produkte waren von hoher Qualität, sei es in Bezug auf die Detailgenauigkeit der Spielzeuge oder die Attraktivität von Kleidung und Accessoires. Dies trug dazu bei, das Vertrauen der Verbraucher zu stärken und die Marke langfristig erfolgreich zu machen.

Mein Sammlerhighlight zu R2D2 ist der auf 1000 Exemplare limitierte NIKKO R2D2 SVGA DLP Beamer von 2007. Der Heimkino R2D2 DLP hat 1500 Ansi-Lumen einen Kontrast von 1800:1 und eine SVGA 800 x 600 Auflösung. Das war damals der Hammer. Durch den integrierten Mediaplayer lassen sich Dateien direkt abspielen. Das Ding kostete damals 2350 Euro. Sammler zahlen für mein perfekt erhaltenes Stück sicher mehr.

R2D2 ist Teil meiner Roboterspielzeugsammlung.
R2D2 ist Teil meiner Roboterspielzeugsammlung.

Eine Bildbreite von bis zu 337 cm ist möglich, da der Projektor 1500 Ansi-Lumen hat. Wenn Raumlicht vorhanden ist dann sollte das Bild jedoch max. 225 cm breit sein. Vielleicht mache ich auch mal eine kleine Ausstellung oder lass ihn im Kino fahren.