Buchtipp: Vault of Frankenstein von Paul Ruditis

15. August 2020

Das Thema Frankenstein ist im Zeitalter von Robotik und KI höchst aktuell. Das künstliche Wesen mit eigenem Bewusstsein fasziniert die Menschen und wurde wieder und wieder interpretiert. Mir läuft es noch immer kalt den Rücken herunter, was vor 200 Jahren erdacht wurde – welche enorme künstlerische Leistung. Nachdem sich der Roman Frankenstein im vergangenen Jahr seinen 200. Geburtstag hatte, bestellte ich mir bei Forebidden Planets in London das Buch Vault of Frankenstein.
Dabei handelt es sich nicht nur um ein Filmbuch, sondern Autor Paul Ruditis näherte sich den Frankenstein-Mythos auf unterschiedliche Weise aus verschiedenen Richtungen. Natürlich stand Mary Shelley und ihre Figur am Anfang des Buches, zusammen mit einer literarischen Werkschau und das Zustandekommens des Romans über den modernen Prometeus.
Am Umfangreichsten im Coffeetable-Buch sind die Frankenstein-Filme. Der erste Frankenstein war für mich Thomas Edisons Stummfilmversion. Die Spezialeffekte wirken noch immer.
Der Klassiker ist bei Universal und Boris Karloff zu finden, dann geht es weiter über die britischen Hammer-Filme und greift schließlich ein paar exotische Verfilmungen auf. Es endet mit Variationen des Themas durch beispielsweise Tim Burton.
Erinnerungen kommen beim Lesen des schön gestalteten Buches hoch: Wer erinnert sich noch an den Heuler Abbott und Costello treffen Frankenstein oder Black Frankenstein, der auch als Blackenstein kurz in den Kinos lief oder die zahlreichen TV-Verfilmungen?
Immer wieder begegnet uns in dem Buch der legendäre Carl Lämmle, der viel für den Universal-Horror getan hat indem er seinen Sohn freie Hand für neue Stoffe gab.
Große und weniger große Regisseure haben sich mit Frankenstein befasst: Mel Brooks von der komischen Seite, Kenneth Brannagh von der dramatischen Seite, Andy Warhol von der sexuellen Seite, Tim Burton von der Animationsseite.

Aber Frankenstein ist auch ein Symbol der Pop-Kultur geworden. Es gibt allerhand Merch, wie Masken, Spielzeug, Corn Flakes, Briefmarken, Comic-Hefte und mehr. Für das Atari 2600 gab es sogar mal ein Videospiel, das 1983 unter dem Titel Frankenstein’s Monster erschien.
Zum Abschluss gibt es auf der U3 des Buches einen Umschlag mit Filmposter, Theaterposter, Filmbild und vor allem ein Faksimile einer Seite von Mary Shelleys Frankenstein.

Gruß an Wim Wenders zum 75. Geburtstag

14. August 2020
Alles Gute Wim Wenders  zum 75. Geburtstag.

Alles Gute Wim Wenders zum 75. Geburtstag.

Wim Wenders ist preisgekrönter Regisseur, Autor, Produzent und Fotograf und Wim Wenders wird heute 75 Jahre alt. Ich gratuliere diesem Autorenfilmer aus der Zeit des neuen deutschen Films.Mein erster Wenders Film war Paris. Texas. Ich war erstaunt, wie ein Deutscher die Weite der USA einfangen konnte. Es war ein Roadmovie mit packendenden Darstellern: Harry Dean Stanton als Travis und Nastassja Kinski als Jane. Ich war zum deutschen Kinostart 1985 gerade auf meinem Dylan-Tripp und verschlang alles, was Sam Shepard zu Papier gebracht hatte. Wenders Regie war unheimlich eindringlich – die Musik von Ry Cooder Paris-Texas tat das seinige zum Erfolg des Films bei mir. Ich entschloss mich, Wim Wenders mehr Beachtung zu schenken.
Es folgten für mich Die Angst des Tormanns beim Elfmeter (1972), Tokyo-Ga (1985), natürlich der geniale Der Himmel über Berlin (1987) und Bis ans Ende der Welt (1991) sowie In weiter Ferne, so nah! (1993).
Dann hörte irgendwie meine Begeisterung für Wim Wenders auf. Sein Buena Vista Social Club (1999) haute mich nicht vom Hocker. Erst wieder der Papst-Film Papst Franziskus – Ein Mann seines Wortes (2018) konnte mich wieder ins Kino locken.
Wenders als Fotograf konnte mich voll überzeugen. Seine japanischen Fotos zu Tokyo-Ga waren gewaltig. Seine Serie Written in the West Photographien aus dem amerikanischen Westen war göttlich. Bei den Fotos, die während Wim Wenders‘ Drehortsuche für Paris.Texas im Westen der USA entstanden sind, handelt es sich eigentlich um Fluchtbilder. Und so schließt sich der Kreis.
Die Polaroid-Kamera war für Wim Wenders von den späten 1960er- bis in die frühen 1980er-Jahre Tagebuch, Experimentierfeld und fotografisches Roadmovie. Dabei entstanden tausende persönliche und einmalige Aufnahmen von Filmsets, Reisen durch Europa, den USA und vielen anderen Orten der Welt. Sie zeigen Wim Wenders in privater Umgebung oder Porträts von bekannten Persönlichkeiten. 2018 war in Berlin die Ausstellung Wim Wenders . Sofort Bilder Polaroids im C/O Berlin. Ich musste mir einfach einen signierten Abzug erwerben. Also hab ich meinen Wenders zu Hause an der Wand.

Dracula im Film (8): Jonathan (1970) – Vampire sterben nicht

12. August 2020
Jonathan war Geißendörfers zweite Regierarbeit.

Jonathan war Geißendörfers zweite Regierarbeit.

Ein sehenswerter deutscher Beitrag zur Verfilmungen rund um den Mythos stammt von Hans W. Geißendörfer. 1970 brachte der Vater der Lindenstraße den erschreckenden Vampirfilm Jonathan in die Kinos. Es war seine zweite Regiearbeit nach dem Fall Lena Christ.
Aber natürlich können die deutschen Autorenfilmer nicht einfach einen Vampirfilm drehen, nein er musste eine politische Botschaft haben, schließlich stammt der unheimliche Streifen aus dem Jahre 1970. Alle Elemente des klassischen Vampirfilms sind vorhanden: Zähne, Gräber, Kreuze, Pfahl – auch der Name Jonathan verweist auf Jonathan Harker aus Bram Stokers Dracula. Doch der Film ist mehr als ein Vampirfilm – es ist eine politische Parabel in wunderschönen Bildern.

Es zeigt den Aufstand des unterdrückten Volkes gegen den Adel, der dem Volk das Blut aussaugt.
Die Handlung: Ein junger Mann mit Namen Jonathan wird von den Intellektuellen, den Professoren und Studenten, zu den bösen Vampiren geschickt, um zu spionieren. Dort wird er allerdings erwartet und muss Folter und Tortur über sich ergehen lassen. Dann aber die Wendung: Das Volk, die Bauernschaft, die bisher sich selbst quälte und ihre Wut an Schwächeren ausließ – dieses Volk erwacht nun und übt blutige Vergeltung an den Herrschenden und treibt die Blutsauger schließlich ins Meer.
Der Film ist keine leichte Kost, aber wunderschön von Geißendörfer fotografiert. Es gibt kaum Dialoge, dafür eine Kombination von Bildern und Musik und die Farben des Setdesigns sind aufeinander abgestimmt. Die dominanten Farben sind Schwarz, Weiß, Rot – diese Farben kennen wir doch, oder? Gedreht wurde auf Schloss Pommersfelden bei Bamberg, der Gründungsbau des fränkischen Barocks. Die Einstellungen sind meist Totale, kaum Details. Geschnitten wird nur dann, wenn es notwendig ist, also für die jüngeren Zuschauer eine Tortur. Gerne würde ich den Regisseur mal zu seinem Film befragen, vielleicht ergibt sich die Gelegenheit. Auf der DVD gibt es ein aufschlussreiches Interview mit Geißendörfer.

Im Film sind allerhand Anspielungen auf die Kapitalismuskritik der linken siebziger Jahre des vergangenen Jahrhunderts wahrzunehmen. Auch das Kommunardenleben wird visuell zitiert, die Kommune 1 mit freier Liebe lässt grüßen. Bauern schauen einem jungen Paar beim Sex zu.
Übrigens: der Film wurde ein finanzieller Erfolg. Rund eine Millionen Zuschauer gingen 1970 ins Kino.
Eine Kopie des Films zu bekommen, ist übrigens ziemlich schwer. Es gab mal eine Arthaus-Kollektion auf DVD. Dort ist auch das Presseheft als PDF hinterlegt. Im Interview wird auch von einer härteren japanischen Version gesprochen, die ich allerdings noch nie wirklich gesehen habe. Im Interview betont Geißendörfer, dass hier exzessiv mit Kunstblut gearbeitet wurde. Gerne würde diese Version in die Finger bekommen.
Es ist an der Zeit, dass eine restaurierte Bluray-Version auf den Markt kommt.

 

Musiktipp: The Rise of Skywalker von John Williams

11. August 2020
Sammlung komplettiert.

Sammlung komplettiert.

Es sind nur noch ganz wenige Tage hin, dann erscheint das Wiener-Konzert von John Williams auf Bild- und Ton-Datenträger. Bis es soweit ist, lausche ich seiner Musik des neunten Teils von Star Wars: The Rise of Skywalker.
Ich hatte mir die CD Star Wars: The Rise of Skywalker gleich nach Erscheinen zugelegt und wieder und wieder gehört. Jetzt war es an der Zeit, die Sammlung zu vervollständigen und ich habe mir die Vinyl-Ausgaben gegönnt, bevor die Preise explodieren. Neue Musik ist nicht auf der Doppel-LP Star Wars: The Rise of Skywalker, aber der Sammler braucht nunmal das Gesamtwerk.
Und ich habe mir die Doppel-Vinyl-Picture Disc Star Wars: The Rise Of Skywalker gekauft. Ich sammle Soundtracks auf Picture Discs und habe einige zum Leidwesen meiner Gattin. Ich weiß natürlich, dass der Ton schlechter ist als auf einer 180 Gramm Vinyl-Platte, doch es geht mir um das Bildmotiv. In der Regel haben A- und B-Seite verschiedene Motive und beim vorliegenden Score Rise of Skywalker haben wir vier unterschiedliche Bilder.

Das wäre mein Motiv für die Wand.

Das wäre mein Motiv für die Wand.

Allerdings finde ich die Fotos nicht unbedingt berauschend. Die Entscheidung, welches Motiv ich vielleicht hinter Glas aufhängen möchte, fällt mir in diesem Fall leicht. Ich nehme das Duell-Motiv mit den Sternenzerstörern im Hintergrund. Die beiden Schauspielermotive reizen mich nicht, weil ich mit den Figuren nicht aufwachsen und sozialisiert worden bin – ein Darth Vader oder Obi Wan haben für mich ein anderes Kaliber. Ich hätte gerne den Imperator gehabt, aber da konnte sich Disney wohl nicht durchringen.

Zur Musik muss ich nicht viel schreiben. Es ist John Williams und wer den Meister mag, hat sowieso schon lange zugeschlagen. Ich habe gelesen, dass er insgesamt 135 Minuten Musik komponiert haben soll. Das bedeutet, es kommt (hoffentlich) noch irgendwann eine erweiterte Fassung der Musik von The Rise of Skywalker heraus. Mit Star Wars will der Meister im betagten Alter von 88 Jahren aber nicht mehr weitermachen, egal wie sich Disney entscheidet.

Filmtipp: Der heilige Berg von Alejandro Jodorowsky

10. August 2020

Es gibt Filme, die gehen einen nicht mehr aus dem Kopf. Sie beschäftigen mich noch Jahre nachdem ich sie einstmals gesehen habe. So auch hier.
Nachdem Dune vielleicht dieses Jahr noch ins Kino kommen soll, dachte ich an den gescheiterten Versuch Frank Herberts Mythos auf die Leinwand zu bringen. Alejandro Jodorowsky verrannte sich und die Legende blieb zurück. Arte hat eine gute Dokumentation über das Scheitern von Dune.
Und da kam mir Alejandro Jodorowskys Film Der heilige Berg aus dem Jahre 1973 wieder in Erinnerung und ich musste ihn mir wieder ansehen. Ich wollte den Rausch der Bilder wieder genießen. Ich habe ihn irgendwann in den achtziger Jahren auf einem Kunstfestival gesehen und bin an ihm verzweifelt. Das war kein logischer Film, wie ich ihn als Jugendlicher kannte. Ich war zwar an Luis Buñuel gewohnt und war ein Fan von Tarkowski, aber so etwas wie den Heiligen Berg hatte ich bis dahin nicht gesehen.

Ich muss zugeben, ich habe den heiligen Berg Montana Sacra nicht verstanden, intellektuell meine ich. Der Film hat mich dennoch berührt, verunsichert, nachdenklich gemacht. Einzelne Bilder blieben mir über die Jahre im Kopf. Nach der Doku über Dune und Alejandro Jodorowsky musste ich den Film einfach wieder sehen. Zunächst auf japanischer Laserdisc im Original (hier wurden die primären Geschlechtsorgane) mit einem Sternchen abgesenkt und dann einer ungeschnittenen, überarbeiteten Blu ray Der Heilige Berg mit deutscher Tonspur.

Nun, richtig verstanden habe ich den Film noch immer nicht. Er bleibt mir ein Rätsel, aber ein Rätsel mit faszinierenden Bildern. Wahrscheinlich ist die Aussage: Nur in dir selbst findest du Erleuchtung – vielleicht ist es aber nur ein großer Spaß von Jodorowsky (glaub ich nicht – der Mann hatte immer etwas zu sagen).
Die Handlung: Der Dieb irrt ziellos durch eine verkommene, verdorbene Stadt. Auf der Spitze eines Turms trifft er den Alchimisten. Der Erleuchtete versammelt gerade eine Gruppe mystischer Wesen um sich. Gemeinsam mit ihnen will er sich auf die Suche nach dem sagenumwobenen Heiligen Berg machen, denn auf dessen Gipfel sollen neun Unsterbliche das Geheimnis des ewigen Lebens hüten. Also keine leichte Kost, klingt ein wenig nach Bergman.

Sicherlich ist der heilige Berg kein Unterhaltungskino, das man sich mit Freunden antut. Es ist ein persönlicher Film, den ich mir die meiste Zeit alleine angesehen habe, nachdem meine Frau sich kopfschüttelnd abgewendet hat. Ob es die Bilder waren, ob es die Handlung war, ich weiß es nicht. Sie meinte nur den klassischen Satz der Fettecke von Beuys: „Ist das Kunst oder kann das weg?“
Besorgt euch den Film, schaut ihn an und entscheidet selbst.

Corona: Vorbildliches Hygienekonzept mit QR-Codes im Gasthaus Heinzinger, Rottbach

3. August 2020
Vorbildliches Hygienekonzept im Gasthaus Heinzinger in Rottbach.

Vorbildliches Hygienekonzept im Gasthaus Heinzinger in Rottbach.

Corona macht der Gastronomie stark zu schaffen. Ich bin gerne bereit, die lokalen Wirte zu unterstützen, wenn Qualität und Service passen. Hier trennt sich die Spreu vom Weizen. Auch unterschiedliche Hygienekonzepte in den Wirtshäusern sind festzustellen.
Mein Lieblingslokal im Landkreis Fürstenfeldbruck ist bei uns um die Ecke, das Gasthaus Heinzinger. Der Wirt Denis Kleinknecht ist in der nationalen Gastro-Szene wohlbekannt und die ganze Familie liebt sein Essen. Also nichts wie raus nach Rottbach. Es gab Wiener Schnitzel für meine Mutter, Kuddeln für die Gattin und für mich ein Tomahawk, zuvor Radieschenkaltschale und panierter Schweinskopf als Grüße aus der Küche. Absolut lecker.

Bemerkenswert ist aber auch das Hygienekonzept. Kontaktnachverfolgung ist ja üblich. Aber wenn ein Wirt sein Konzept ernst nimmt, dann muss die Speisekarte nach jedem Gast gereinigt werden. Das ist aufwändig und bindet Personal. Leider habe ich schon einige Gasthäuser auch im Dorf erlebt, die dieses Corona wohl nicht so eng sehen.
Denis Kleinknecht dagegen hat seine Speisekarte ins Netz gestellt und gibt eingeschweißte QR-Codes aus. Die Gäste können sich via Smartphone die Karte auf ihr Mobiltelefon laden und auswählen. Da wir auf dem Land in Bayern sind und kein Netz vorhanden ist, bietet Denis Kleinknecht seinen Gästen einen kostenlosen WLAN-Zugang. Das ist Digitalisierung in Corona-Zeiten. Die eingeschweißten Karten werden dann abgewischt. In diesem Video erklärt Denis Kleinknecht sein Konzept:

Für die Gäste, die kein Smartphone haben oder mit dem QR-Code und Technik generell überfordert sind, hält Denis Kleinknecht Papierausdrucke seiner Speisekarte bereit, die nach dem Bestellvorgang vernichtet werden.
Also im Gasthaus Heinzinger esse ich nicht nur gerne, weil Qualität und Service stimmen. Nein, ich fühle mich auch sicher, weil der Gastronom den Schutz seiner Kunden sehr ernst nimmt.

Buchtipp: Playboy 1926 bis 1979

29. Juli 2020

Natürlich hat man den Playboy nur wegen der Geschichten gelesen. Dass da auch Fotos in einem Männermagazin waren, konnte Mann als überraschter Leser nicht wissen. Genug gescherzt. Gründer und Chef des Bunnyverlages und was damit verbunden war, war ein gewisser Mr Morgenmantel Hugh M. Hefner, der im September 2017 verstarb.
Ich entdeckte aus dem Taschen-Verlag eine interessante Autobiografie eben von diesem Hefner: Playboy 1926 bis 1979. Hugh M. Hefner präsentiert seine illustrierte Autobiografie mit chronologischen Highlights aus den ersten rund 25 Jahren des Playboy – natürlich mit den entsprechenden Fotos.
Die pralle Anthologie in sechs Bänden, die einst zum 60. Geburtstag des Magazins erschien, ist eine Hommage an den Lebensstil der Mutter aller Männermagazine und ihres Schöpfers. Sie beleuchtet die außergewöhnlichen Jahre 1953 bis 1979 und enthält neben einer Auswahl der Centerfolds jeder Ära auch Texte von Kultautoren wie Gore Vidal, Norman Mailer, Jack Kerouac und Ray Bradbury sowie einige der wichtigsten Playboy-Interviews mit Zeitgenossen wie Martin Luther King, John Lennon, Richard Nixon und Roman Polanski. Ich muss wirklich sagen, die Geschichten sind wirklich gut. Und es ist interessant, wie sich das Layout, das von Playboy inszenierte Schönheitsideal und die Art der Aktfotografie über die Jahre bis 1979 entwickelte.


Autobiografisch ist für mich der erste Band, in dem Hefner auf seine Jugend und seine Inspiration eingeht. Er war ein Mann von Trash. Er hat die Popkultur seiner Zeit aufgesaugt wie ein Schwamm und sie dann später in seinem Magazin mit eigenem Style wiedergegeben. Hefner hat damit ein popkulturellen Kunstwerk geschaffen. Sein Frauenbild war geprägt durch die starken Frauen der Filme der dreißiger und vierziger Jahre, Serien wie Flash Gordon und anderer Trash. Jean Rogers als Dale Arden spielte die weibliche Hauptrolle und im Grunde sind die Damen in den ersten Playboy-Jahren Kopien dieser Jean Rogers, angefangen beim ersten Centerfold mit Marilyn Monroe.


Schön auch die Episode, wie es zum Playboy-Häschen als Markenlogo kam. Hefner war von der Comicreihe Phantom geprägt und war gefesselt von Totenkopfsiegelring des Phantoms. So etwas brauchte er auch und so entstand der markante Hase, ein bis heute unglaublich starkes Markensymbol. Ach ja, Hefner war ein Fan von Sir Arthur Conan Doyle und seiner Kunstfigur Sherlock Holmes. Daher kam auch die Vorliebe Hefners für Pfeife und Morgenmäntel – ob er auch Geige spielte, weiß ich allerdings nicht. Viel ist über den Verleger zu lesen und damit sind die Bände auch Mediengeschichte pur.
Man kann von Hugh Hefner halten, was man will. Mir gefällt, dass er sein Ding durchgezogen hat und das bis zum Ende.

Urlaub daheim: Räuber-Kneißl-Radweg

27. Juli 2020
Kneißl-Rastplatz in Überacker.

Kneißl-Rastplatz in Überacker.

Wenn ich dieses Jahr schon nicht in den Urlaub fahre und aufgrund Corona zu Hause bleibe, will ich meine Heimat näher erkunden. Da trifft es sich gut, dass der Räuber Kneißl Radweg vor kurzem offiziell eröffnet wurde. Ich hab den Weg vor der Eröffnung während der ersten Corona-Welle mal abgefahren und darüber mit vielen Videos gebloggt. Hier der Link zu meinen ersten Eindrücken.
Jetzt kam eine Einladung der WestAllianz ins Postfach, die eine Presse- und Bloggertour des Räuber Kneißl Radwegs in meiner Heimatgemeinde Maisach im Landkreis Fürstenfeldbruck durchführten. Klar, bin ich da mitgefahren. Neben Bewegung gab es auch Geschichte und Kultur zu erleben. Die Themen-Strecke ist in vier Etappen unterteilt und führt über 110 Kilometer durch die Gemeinden Bergkirchen, Gröbenzell, Karlsfeld, Maisach, Sulzemoos, Odelzhausen und Pfaffenhofen a.d. Glonn, die im Wirtschaftsverbund WestAllianz zusammengeschlossen sind. Was die WestAllianz eigentlich ist, erklärte Helmut Zech, Leiter der Arbeitsgruppe Naherholung und Tourismus der WestAllianz und gleichzeitig Bürgermeister von Pfaffenhofen a.d. Glonn. Er erklärte uns in Maisach den Hintergrund in diesem Video.

Auf der Website www.räuber-kneissl-radweg.de gibt es Hintergrundinformationen zum Radweg, zudem stehen die GPS-Daten der Etappen, die offizielle Radwanderkarte sowie ein Audio Guide zum Download bereit. Der kleine Tross von Medienmenschen ist natürlich nicht die ganze Strecke geradelt, sondern haben symbolisch rund 10 Kilometer des Kneißl-Radwegs erkundet (und sogar dabei noch abgekürzt). Hier ein Zeitraffervideo unserer Tour von Maisach über Überacker und Frauenberg.

Das neue Ausflugsziel ist nach Mathias Kneißl (1875-1902) benannt, der in den Gemeinden der WestAllianz gelebt hat und als „Kneißl Hias“, „Räuber Kneißl“ oder auch „Schachenmüller- Hias“ in die Lokalgeschichte einging. Zahlreiche Bücher, Schriften, Lieder, Filme und Theaterstücke widmeten sich seinem Leben, das von Armut und Dramatik, aber auch von Kriminalität geprägt war.

„Wir haben einen Themenweg geschaffen, der nicht nur landschaftlich überaus vielseitig ist und entlang vieler Attraktionen des Münchner Westens führt“, betont Helmut Zech. „Vielmehr erfährt man an den Informationstafeln in den Gemeinden auch viel Wissenswertes rund um das Leben von Mathias Kneißl, an dem sich ja bis heute die Geister scheiden.“ Wichtig war den Organisatoren, den durchaus umstrittenen Namensgeber keinesfalls zu glorifizieren. Die bewegende Geschichte des Räuber Kneißls wurde von Kulturwissenschaftlerin Dr. Annegret Braun erzählt.

Entlang der Strecke sind neun offizielle „Kneißl-Rastplätze“ eingerichtet. Tische und Bänke laden zum Verweilen ein, zudem gibt es Info-Tafeln rund um den Namensgeber sowie Fahrradständer und eine dekorative Stele, die der Künstler Helmut Fischer entworfen hat. Aber auch zu den Besonderheiten der einzelnen Gemeinden der WestAllianz und zu ihren Sehenswürdigkeiten wird in Wort und Bild informiert. Für den Notfall steht in jeder Gemeinde übrigens auch die nötige Ausrüstung zur Reparatur des Fahrrads bereit.

In der Radwanderkarte zur neuen Räuber-Kneißl-Route eingezeichnet sind lokale Sehenswürdigkeiten wie Klöster, Kirchen, Kapellen, Schlösser, Mühlen, Bademöglichkeiten, E-Bike-Ladestationen und Campingplätze sowie besondere Attraktionen wie der Kneißlkeller in Maisach, das Heimat- und Torfmuseum in Gröbenzell oder die Kapelle Maria Stern in Odelzhausen. Annegret Braun erzählte auch von einem nachgebauten Klassenzimmer wie zu Kneißls-Zeiten in Sulzemoos als Attraktion für die ganze Familie.

Die Streckenabschnitte, Sehenswürdigkeiten, Stationen und Rastplätze im Überblick
Abschnitt 1: Karlsfeld – Gröbenzell (30,2 Kilometer)
Karlsfeld
• Heimatmuseum (www.heimatmuseum-karlsfeld.de) mit E-Bike-Ladestation
• Ludl Kapelle, Andachts- und Feldkapelle von 1899
• Karlsfelder See
• Kneißl-Rastplatz am Waldschwaigsee
Gröbenzell
• Heimat- und Torfmuseum (www.torfmuseum.de) im historischen Schulhaus
• Lochhauser Sandberg, ein botanisches Naturdenkmal
• Kneipp-Anlage im Gröbenbach mit Armbadbecken
• Camping am Langwiedersee
• Kneißl-Rastplatz an der im Jugendstil errichteten Russenbrücke (1916) über den Gröbenbach

Abschnitt 2: Bergkirchen (25 Kilometer)
Bergkirchen
• Sankt Johann Baptist Kirche
• Kleiner Ampersee und Camping bei Geiselbullach
• Romantische, historische Eichenallee „Am Kreuzweg“ in Lauterbach, zu Beginn des
Verbindungswegs zu Abschnitt 3
• Kneißl-Rastplatz am Eisolzrieder See und am Aussichtspunkt in der Nähe der Pestsäule
und Mariengrotte von Kreuzholzhausen

Abschnitt 3: Maisach (23,3 Kilometer)
• Heilig Blut Kirche am Ende des Verbindungswegs von Abschnitt 2 in Einsbach
• Sankt Bartholomäus Kirche in Überacker auf der Strecke nach Maisach
• Sankt Vitus Kirche
• Räuber Kneißl Keller, Wirtshaus und Museum

• Idyllischer Aussichtspunkt vor Aufkirchen
• Kneißl-Rastplatz bei der Kapelle St. Wolfgang in Überacker und am Aussichtspunkt
Weinbergstraße südlich von Frauenberg

Abschnitt 4: Sulzemoos – Odelzhausen – Pfaffenhofen a.d. Glonn (27,3 Kilometer)
• Gut Schloss Sulzemoos und Sankt Johannes Baptist Kirche in Sulzemoos
• Sankt Florians Kirche in Wiedenzhausen und Maria Stern Kapelle kurz vor Odelzhausen
• Schlossgut Odelzhausen und Sankt Benedikt Kirche in Odelzhausen
• Furthmühle zwischen Odelzhausen und Pfaffenhofen a.d. Glonn
• Kirche St. Michael in Pfaffenhofen a.d. Glonn
• Kneißl-Rastplatz in allen drei Gemeinden

Und zum Schluss noch eine nette Fluchtgeschichte vom Räuber Kneißl. In einem Odlfass entkam der gesuchte Mathias Kneißl. Annegret Braun weiß mehr:

Arbeiten in Corona-Zeiten bei der HSS

29. Juni 2020

Am vergangenen Wochenende ging es wieder los. Ich durfte in die Bütt – ich durfte ein mehrtägiges Seminar vor Menschen halten. Auftraggeber war die Hanns-Seidel-Stiftung. Seminarort war Kloster Banz in Oberfranken und mein Thema war unter anderem Roger Stone und Ray Cohn. Nachdem meine Mutter eine Hochrisikopatentin ist, war ich vor allem an dem Hygienekonzept des Bildungsanbieters interessiert.


Vorbildlich, durchdacht und konsequent umgesetzt, so mein Eindruck. Diesen Eindruck bekommt man als Besucher schon am großen Eingangsportal des Klosters. Es herrscht Maskenpflicht. Gleich nach dem Eintritt wird klar, hier haben Mitarbeiter und Führung gemeinsam an einem Konzept gearbeitet und es umgesetzt. Es gilt eine Einbahnstraßenregelung und das ist auf den Wegen klar gekennzeichnet.

Im Foyer gibt es Plexiglas und die Mitarbeiter tragen zudem Masken. Wer als Gast seine Maske vergessen hat, wird spätestens hier freundlich, aber deutlich darauf hingewiesen, dass eine Maskenpflicht im Hause herrscht, sobald man sich bewegt. Wer keine Maske hat, kann sich an der Rezeption für kleines Geld eine kaufen.

Bevorzugte Bezahlweise der Seminargebühr ist e-Cash. Die Getränke, die man als Gast während des Seminars konsumiert, werden aufs Zimmer geschrieben und bei Abreise elektronisch bezahlt. Apple Pay funktioniert. Das gefällt mir. Die Unterschrift für Seminaranmeldung wird wenn möglich mit dem eigenen Stift geleistet.
Die Plexiglasscheiben im Hause werden mehrmals am Tag gereinigt. Hygiene steht im Vordergrund. Spender mit Desinfektionsmittel sind ausreichend vorhanden – Hinweisschilder ebenso.


Es werden noch wenige Seminare in Banz angeboten. Die HSS will Erfahrung sammeln. Mein Seminar The Race zum US-Wahlkampf ist auf 12 Teilnehmer begrenzt. Die Sitzplätze im Seminarraum stehen ausreichend auseinander, der Mindestabstand von 1,50 Meter wird eingehalten und die Seminarunterlagen werden vom Seminarleiter persönlich überreicht. Kein Durchgeben von Unterlagen und Stiften mehr. Wir Referenten tragen beim Referieren Gesichtsvisiere, ich trage im Hinblick auf meine Mutter meine Maske Urbandoo von Sina Trinkwalder sowie Baumwollhandschuhe. Während des Seminars bleibe ich konsequent am Platz sitzen, stehe ab und zu mal auf, aber bleibe am Platz, obwohl ich gerne beim Referieren durch den Seminarraum wandere. Aber Corona sorgt für Veränderung und neue Bedingungen.

Die Gruppenräume und auch die Freizeiträume sind für die einzelnen Gruppen entzerrt. Die einzelnen Seminare sollen sich so wenig als möglich begegnen. Es sind noch drei weitere Seminare im weitläufigem Haus, von denen ich praktisch kaum etwas mitbekomme. Auch die Essenseinnahme ist gestaffelt. Kein Buffet, das Essen wird serviert. Reduzierte Teilnehmeranzahl, neue Küchenchefin und Köche vor ihrer Abschlussprüfung sorgen für ein vorzügliches Essen. Auch in unserem Speisesaal wird auf Abstand und Hygiene geachtet. Beim Essen darf freilich die Maske abgenommen werden. Die Tischdeckel sind zudem noch mit einer durchsichtigen Plastikfolie überzogen, die nach dem Essen sofort gereinigt wird. Es sitzen nur zwei Personen an den langen Tischen, was zugegeben die Kommunikation ein wenig erschwert, aber Sicherheit geht vor.

In den Kaffeepausen schenkt ein Mitarbeiter den Kaffee aus und Seminarleiter und Referenten sorgen wieder für Abstand unter den Teilnehmer. Das gilt auch abends beim Zusammensitzen auf der Maintalterasse – Abstand auf einer Bierbank. Die anderen Freizeiteinrichtungen wie Schwimmbad, Sauna oder Fitnessraum sind natürlich gesperrt.
Mein Fazit: Es tat mir gut, wieder direkt vor Menschen zu referieren, auch mein Firmenkonto als Selbstständiger freut sich. Das Hygienekonzept und die Umsetzung bei diesem Kunden ist vorbildlich. Ich fühle mich sicher und komme gerne wieder, wenn ich gebucht werde.

60 Jahre Psycho – Einladung zu Online-Seminar zu Hitchcock

24. Juni 2020

Vor 60 Jahren kam Psycho in die US-Kinos und veränderte den Thriller für immer. Alfred Hitchcock schuf den ultimativen psychologischen und physischen Horror, der dann Jahre später von Tope Hooper, John Carpenter und anderen aufgegriffen und bis ins Exzess weitergeführt wurde. Psycho war die Mutter aller Slasher-Filme.

Hier verschiedene meiner Psycho-Ausgaben

Hier verschiedene meiner Psycho-Ausgaben

Nach seiner großen Hollywood-Phase finanzierte Hitchcock den Film aus eigener Tasche und arbeitete mit Kameraleuten vom Fernsehen, die es gewohnt waren kostengünstig und schnell zu produzieren. Er veränderte mit dem Duschmord die Filmgeschichte. Auch ich habe mir Szene um Szene, Bild für Bild des Mordes angeschaut wie Tausende Filmstudenten vor und nach mir. Hitchcock als Meister der Montage, der sein Handwerk verstand. In Kombination mit der legendären Musik von Bernard Herrmann ist diese Szene ein geniales Zusammenspiel von Bild und Ton. Dieses Zusammenspiel hat so gut gewirkt, dass so mancher Zuschauer noch wochenlang Probleme hatte, unter die Dusche zu gehen.

Und Hitchcock war auch ein Fuchs, weil er den Star des Filmes: Janet Leigh im ersten Drittel des Films ermorden ließ. Das hatte kein Zuschauer erwartet, denn der Held eines Films muss überleben, so sieht es das Gesetz Hollywoods vor. Denkste. Irgendwie wird die Heldin schon aus der Situation herauskommen und zack, zack da liegt sie nun ermordet unter der Dusche. Was für ein Schock, denn dann kommen die wirklich handelnden Akteure. Allen voran natürlich Norman Mutter Bates.
Ich darf zum Thema Sir Alfred Hitchcock und die Politik einen kostenlosen Online-Vortrag am Donnerstag, 25. Juni 2020 um 18 Uhr halten. Wer Lust hat dabei zu sein, melde sich bitte hier an. Ich würde mich freuen.

Und hier die ultimative Box zu Psycho Legacy Collection als Deluxe-Version: